SECHSTER VORTRAG
SECHSTER VORTRAG, Stuttgart, 27. Februar 1923
Erster Vortrag zur Delegiertenversammlung. Schmerzvolle Gedanken im Hinblick auf den verlorenen Bau. Die Not nach Gemeinschaftsbildung. Jugendbewegung. Christengemeinschaft. Gemeinschaftsbildende
Kräfte: die Sprache, gemeinsame Erinnerungen. Das Beleben vorgeburtlicher Erinnerungen als gemeinschaftsbildende Kraft des Kultus. Die Anthroposophische Gesellschaft braucht als Gemeinschaftserlebnis das «Erwachen am anderen Menschen». Dadurch wird das Sinnliche ins Übersinnliche erhoben, während der Kultus das Übersinnliche ins Sinnliche hinunterträgt. Die zwei Gruppen, die sich nicht verstehen: Besser Trennung mit gemeinsamem Ideal als gemeinsames Chaos.
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seit dem Silvesterabend des Jahres 1922 auf 1923 steht im Hintergrunde dieser Stimmung das furchtbare Bild des brennenden Goetheanums. Es ist ja so, daß der Schmerz, das Leid, das verbunden sein muß
für denjenigen, der aus der Sache der Anthroposophie heraus dieses
Goetheanum liebte, ein so großer und so gearteter ist, daß er durch
Worte nicht ausgedrückt werden kann. Es könnte vielleicht scheinen,
als ob die Empfindung berechtigt wäre, daß eine ins Geistige blickende
Bewegung, wie es unsere anthroposophische ist, keinen so tiefen Grund
haben sollte, zu trauern über ein äußeres Denkmal ihres Wesens. Aber
mit dem Goetheanum, das wir verloren haben, steht es doch etwas
anders. Es war nicht ein beliebiger äußerer Bau für unsere anthroposophische Sache. Ich habe es oftmals während der fast zehnjährigen
Arbeit am Bau auseinanderzusetzen gehabt, wie das, was bei einer
andern, ähnlichen Gelegenheit, bei dem Bau eines Heimes für eine
geistige oder sonstige Bewegung sonst wohl hätte der Fall sein können,
nicht hat sein können bei unserer anthroposophischen Bewegung. Denn
hier handelte es sich nicht nur darum, so sagte ich oftmals, daß man
eine geistige Bewegung hat, die durch ihre Vergrößerung in einer Reihe
von opferwilligen, hingebungsvollen Persönlichkeiten die Absicht hervorbringt, ihr eine eigene Heimstätte zu bauen, die in diesem oder
jenem herkömmlichen Stile hätte aufgeführt werden sollen. Hier handelte es sich darum, daß Anthroposophie auf einem geistigen Boden
steht, der nicht in einseitiger Weise irgendeine religiöse oder Erkenntnis- oder künstlerische Bewegung ist, sondern eine umfassende Bewegung, die sich nach diesen verschiedenen Seiten der größten Menschheitsideale, dem religiös-moralischen, dem künstlerischen und dem
Erkenntnisideale offenbaren will. Und so konnte gar nicht die Absicht
entstehen, einen beliebig gestalteten Bau der anthroposophischen Bewegung zu errichten, sondern es mußte aus denselben Quellen, aus
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denen die anthroposophischen Ideen gestaltet werden als Ausdruck
geistiger Anschauung für die Erkenntnisbewegung der Anthroposophie,
auch in künstlerischer Weise dieser Bau aufgeführt werden. Und während fast zehn Jahren haben viele Freunde, mir zur Seite stehend, in
jeder einzelnen Linienform, in jeder äußeren Gestaltung des Architektonischen und Plastischen, in jeder Farbengebung das äußerlich zu verkörpern, zu verbildlichen gesucht, was aus den Quellen anthroposophischer Anschauung, anthroposophischen Lebens und anthroposophischen
Wollens kommt. In jede Linienführung, in jede plastische Form, in
jede Farbe war hineingelegt diese Anschauung, dieses Leben. Und innig
verbunden war dieser Bau mit demjenigen, was auch sonst nach der
Erkenntnisseite, nach der künstlerischen Seite innerhalb der anthroposophischen Bewegung arbeiten, wirken wollte. Die Freunde, welche
zum Beispiel Eurythmievorstellungen im Dornacher Goetheanumbau
gesehen haben, sie werden wohl den Eindruck bekommen haben, wie
gewissermaßen alles dasjenige, was aus der inneren Architektur und
aus der Innenbildlichkeit des Zuschauerraumes, des Bühnenraumes antwortete auf die Bewegungen der Eurythmie, in innigster Harmonie mit
diesen Bewegungen stand. Man konnte wohl den Eindruck haben, daß
aus den Bau- und plastischen Formen heraus die Bewegungen der Menschen auf der Bühne selber geboren werden. Stand man am Podium
und sprach man so recht herzlich aus dem anthroposophischen Geiste
heraus, so war jede Linienführung, jede Formgestaltung dasjenige,
was einem entgegenkam, was mitsprach. Das war angestrebt worden.
Gewiß, es ist für das erste Mal ein Versuch gewesen, aber es ist angestrebt worden, und es konnte wohl empfunden werden. Und darum
ist es so, daß derjenige, der seine Arbeit an dieses Dornacher Goetheanum gewendet hat, die Empfindungen, die er hineingelegt hat in diese
Arbeit, mit von den Flammen, die da sengten am Silvesterabend, selbst
verzehrt findet. Gerade das intime Zusammensein anthroposophischen Fühlens und anthroposophischen Wollens mit diesen Formen, die
so sehr aus der unmittelbaren Anschauung und für diese Anschauung
künstlerisch gestaltet waren, die sich niemals ersetzen lassen durch
irgendwelche Gedankenformen, durch irgendwelche Interpretationen,
das macht den Schmerz über den Verlust zu einem so ungeheuer tiefen.
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Das muß aber auch einziehen in die Erinnerung, die diejenigen haben
können, welche das Goetheanum liebgewonnen haben, welche diesen
intimen Einklang empfunden haben. Und in einer gewissen Weise müssen wir es aufrichten als eine Erinnerung in unseren Herzen. Wir müssen gewissermaßen, während wir auf der einen Seite durch die erwähnte
Intimität obdachlos geworden sind, ein geistiges Obdach in unseren
Herzen um so intersiver suchen an Stelle desjenigen, was wir verloren
haben. Wir müssen mit allen Mitteln danach streben, in unseren Herzen
für die Ewigkeit diesen Bau aufzurichten, der uns für das äußere künstlerische Empfinden genommen worden ist. Aber im Hintergrunde von
alledem, was weiterhin gewirkt werden kann auf dem Felde der Anthroposophie, steht dennoch diese furchtbare Elamme, in die alle Teilflammen zusammenschlugen um Mitternacht vom 31. Dezember zum
1. Januar. Und es verbrannte schon, wenn auch nicht ein Stück der
lebendigen geistigen Anthroposophie, so doch ein großes Stück Arbeit,
welche zu leisten wir bestrebt waren für das Anthroposophische in
unserer Gegenwart.
Ich glaube, daß dasjenige, was da erlebt worden ist, vor allen
Dingen, wenn es in der richtigen Weise sich einwurzelt in den Herzen
unserer anthroposophischen Freunde, aus dem Schmerze, aus der Trauer
heraus doch auch eine Kraft wiederum geben kann zu alledem, wozu
wir für die anthroposophische Arbeit in der nächsten Zeit aufgerufen
sind. Es ist im Leben doch schon so, daß wenn eine Anzahl von Menschen sich sagen muß, wir haben ein gemeinsames Unglück getragen,
das auch in einer gewissen Weise bindet, so daß von der andern Seite
wiederum Stärke und Kraft kommen kann zu gemeinsamem, wirksamem Tun. Und aus Erlebnissen heraus, nicht aus grauen Theorien,
nicht aus abstrakten Gedanken sollen ja die Kräfte kommen, welche
uns beseelen sollen zu anthroposophischem Wirken.
Meine lieben Freunde, ich möchte diese Dinge doch hinzufügen zu
jenem Thema, das ich mir für diese beiden Tage wählen mußte, zu der
Schilderung der Bedingungen einer anthroposophischen Gemeinschaftsbildung. Ich möchte sie deshalb hinzufügen, weil sie, abgesehen davon,
daß sie so tief eingegraben sind im Herzen, auf eine derjenigen Tatsachen hinweisen, die wir gar sehr vor unser Seelenauge stellen sollten
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in diesen Tagen. In das Goetheanum ist viel von Opfersinn, viel von
hingebungsvoller Arbeit hineingeströmt; und die Impulse zu diesem
Opfersinn, zu dieser hingebungsvollen Arbeit, sie sind in den zwei
Jahrzehnten, seit wir Anthroposophie treiben, überall da, wo eben Anthroposophie gelebt hat, entstanden. Sie gingen hervor aus den Herzen,
die für Anthroposophie begeistert waren. Und das Goetheanum war
eine Tat der Gemeinschaft anthroposophisch gesinnter Menschen.
Wenn heute aus verschiedensten Untergründen heraus nachgedacht
wird und nachgedacht werden muß, wie die Anthroposophische Gesellschaft regeneriert werden soll, so darf auf der andern Seite nicht
vergessen werden, daß die Anthroposophische Gesellschaft ein zwei
Jahrzehnte langes Leben hatte, daß da manches Schicksalserlebnis in
gemeinsamem Tun und gemeinsamem Trachten von immerhin einer
großen Anzahl von Menschen sich zugetragen hat, daß Anthroposophische Gesellschaft nicht etwas ist, was wir heute etwa neu gründen
können; denn Geschichte, wirkliche Geschichte, erlebte Geschichte,
gewirkte Geschichte läßt sich nicht auslöschen. Es läßt sich heute nicht
ein Anfang mit einer Sache machen, die vor zwei Jahrzehnten angefangen hat. Vor einem diesbezüglichen Mißverständnisse sollten wir
uns hüten, wenn wir hier an den Verhandlungen teilnehmen. Derjenige,
der im Laufe der Zeit sich hinzugefunden hat zur Anthroposophischen
Gesellschaft, der hat gewiß an ihr Mannigfaltiges auszusetzen, und mit
vollem Recht. Und rechte und gewichtige Worte sind in dieser Hinsicht hier gesprochen worden. Aber zu bedenken ist doch, daß Anthroposophische Gesellschaft etwas ist, was gewirkt hat. Und es gibt immerhin in dieser Anthroposophischen Gesellschaft genug Menschen, welche
heute als gewichtiges, inhaltsschweres, weil lebensschweres und trauerund leidschweres Wort aussprechen können: Uns ist gemeinsam unser
liebes Goetheanum verbrannt.
Es ist doch ein Unterschied, ob man 1917 in die Gesellschaft eingetreten ist und später oder ob man so zu ihr gestanden hat, daß man
dieses leiddurchtränkte Wort aus einem längeren, tiefsten inneren Erleben heraus heute zu sich sagen kann. Unter dem Eindruck dieser Tatsache sollten eigentlich unsere Verhandlungen stehen. Dann wird dennoch etwas, und zwar Bedeutungsvolles hinwegschwinden von denCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:257 Seite: 107
jenigen Empfindungen, die wiederum aus berechtigten Untergründen
heraus manche unserer Freunde hier in diesen Tagen gesprochen haben.
Es klang an mein Ohr - gewiß, ich fühlte die Berechtigung - das Wort:
Nach alledem, was ich hier gehört habe, kann ich jetzt, wenn ich nach
Hause komme, nicht mehr in derselben Weise von Anthroposophie
sprechen, wie ich das konnte, als ich noch voller Illusionen war. Ich
sage, es schwindet doch etwas weg von diesem Worte, wenn man bedenkt, was Menschen, die seit zwei Jahrzehnten Anthroposophen sind,
miteinander erlebt und in der letzten Zeit miteinander erlitten haben,
weil dieses Leiden das Endglied eines langen Seins in der Anthroposophischen Gesellschaft war. Und das sollte man auch empfinden, daß
das auch jene Sorgen nicht hinwegwischen können, die wir jetzt in
diesen Tagen empfinden. Das ist doch etwas, was bleibt. Das würde
selbst bleiben, wenn die Ereignisse hier noch viel schlimmer verliefen,
als sie sich gezeigt haben. Müssen wir denn gleich über der Oberfläche
das Tiefere vergessen? Wir dürfen es gerade nicht innerhalb einer geistigen Bewegung, die aus den Tiefen des menschlichen Herzens und
der menschlichen Seele hervorgeht. Sonnenlos - auch die Sonne verfinstert sich -, sonnenlos in der entsprechenden Bedeutung des Wortes
ist dasjenige nicht, was in die Welt als anthroposophische Bewegung
getreten ist. Das hindert natürlich nicht, daß jetzt doch die Dinge so
genommen werden müssen innerhalb dieses Kreises, wie sie sich darbieten, gerade um für Anthroposophie das richtige Gefäß in einer
wirklichen Anthroposophischen Gesellschaft wiederum zu gewinnen.
Aber die Stimmung brauchen wir, aus der heraus das allein getan werden kann.
Ich kann natürlich heute nicht alles berühren, was in Betracht
kommt. Ich will mich bemühen, in den beiden Vorträgen so viel als
möglich zu berühren von dem, was jetzt gesagt werden soll. Es kann
aber nicht alles gesagt werden, doch möchte ich auf zwei Dinge ganz
besonders hinweisen: auf die drängende Not nach Gemeinschaftsbildung innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft und auf jenes
Symptom, welches hineingekommen ist in diese anthroposophische Bewegung durch die außerordentlich befriedigende Jugendbewegung.
Aber auf anthroposophischem Boden muß eben manches anders anCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 57 Seite: 108
gesehen werden als anderswo. Man wäre eben nicht auf diesem von
vielen so ersehnten Boden, wenn man nicht die Dinge anders ansehen
könnte, als sie sonst im heutigen Leben angesehen werden.
Gemeinschaftsbildung! Es ist vor allen Dingen im höchsten Grade
merkwürdig, daß das Ideal der Gemeinschaftsbildung ganz besonders
in unserer Gegenwart auftritt. Aus einer elementarischeiij aus einer
tiefen Empfindung vieler Menschenseelen heraus ergibt sich heute das
Ideal der Gemeinschaftsbildung, eines ganz bestimmten Verhältnisses
von Mensch zu Mensch mit dem Impuls des Zusammenwirkens. Als
vor einiger Zeit eine Anzahl jüngerer Theologen zu mir kam, die auf
dem Wege nach dem Seelsorgerberufe waren, da war vor allen Dingen
der Impuls in ihnen nach einer religiösen Erneuerung, nach einer solchen religiösen Erneuerung, die durchströmt wird von der wirklichen
Christus-Kraft, einer religiösen Erneuerung, die viele Menschenseelen
der Gegenwart so ergreifen kann, wie sie ergriffen sein wollen, wie sie
aber nicht ergriffen werden können innerhalb der traditionellen religiösen Bekenntnisse der Gegenwart. Und ich mußte ein Wort aussprechen, auf das mir außerordentlich viel anzukommen scheint bei der
Entwickelung dieser religiösen Erneuerungsströmung, ich mußte das
Wort aussprechen: Es muß in rechtem Sinne gesucht werden nach Gemeinschaftsbildung, nach einem Elemente im religiösen und Seelsorgerwirken, das Menschen an Menschen bindet. - Und ich sagte zu den
Freunden, die zu mir gekommen sind: Mit abstrakten Worten, mit der
Predigt im gewöhnlichen Sinne, mit den spärlichen gottesdienstlichen
Handlungen, die vielfach heute noch übriggeblieben sind in dem oder
jenem Bekenntnisse, kann man nicht gemeinschaftsbildend auf religiösem Boden wirken. ~ Dasjenige, was auch in dem Religiösen immer
mehr und mehr nach dem Intellektualistischen sich hinbewegt, hat bewirkt, daß wahrhaft eine nicht geringe Anzahl heutiger Predigten ganz
und gar durchsetzt von einem rationalistischen, intellektualistischen
Element ist. Durch dasjenige, was heute so an die Menschen herankommt, werden diese nicht zusammengebunden, sondern im Gegenteil vereinzelt, ihre soziale Gemeinschaft wird atomisiert. Und das
muß begreiflich erscheinen dem, der ja weiß: das Rationelle, das Intellektuelle, das kann ich mir erwerben als einzelne menschliche IndiviCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 25 7 Seite: 10 9
dualität. Ich kann mir, wenn ich nur eine bestimmte Bildungsstufe in
meiner individuellen menschlichen Entwickelung erreicht habe, ohne
mich anzulehnen an andere Menschen, das Intellektualistische erwerben
und kann es in mir immer weiter und weiter vervollkommnen. Denken
kann man allein, Logik treiben kann man allein, und man wird es sogar
vielleicht um so vollkommener tun, je mehr man es allein tut. Man hat
sogar das Bedürfnis, möglichst sich zurückzuziehen von der Welt, auch
von der Welt der Menschen, wenn man in rein logischem Denken verharrt. Aber der Mensch ist zu solcher Einsamkeit denn doch nicht
allein veranlagt. Und wenn ich mich heute bemühen will, in bildhafter,
nicht intellektualistischer Weise dasjenige zu verdeutlichen, was in den
Tiefen der Menschenherzen nach Gemeinschaftsleben sucht, so muß
das aus dem Grunde geschehen, weil wir im Übergänge zu der Ausbildung der Bewußtseinsseele in der menschlichen Natur leben, weil
unser Leben immer bewußter und bewußter werden muß. Bewußter
werden heißt nicht intellektualistischer werden. Bewußter werden
heißt, man kann nicht mehr beim bloß instinktiven Erleben stehenbleiben. Aber gerade auf anthroposophischem Boden muß versucht
werden, dasjenige, was in bewußte Klarheit heraufgehoben wird, dennoch in vollem elementarischem Leben, ich möchte sagen in einem Leben, das gleichgeartet ist für menschliches Empfinden dem naiven
Wahrnehmen und Empfinden, darzustellen. Das muß gelingen. Nun
gibt es eine Art von Gemeinschaft im menschlichen Leben, die für alle
offenkundig ist, die über den ganzen Erdball hin zeigt, daß die Menschheit auf Gemeinschaft angelegt ist. Eine Gemeinschaft, auf die auch im
heutigen Kultur-, ja politischen und wirtschaftlichen Leben überall,
und zwar zumeist in einer sehr schädlichen Weise hingewiesen wird,
von der man aber lernen kann, wenn auch in primitiver Weise.
Das Kind in den ersten Lebensjahren wird in eine menschliche Gemeinschaft hineingeführt, die eine reale, konkrete menschliche ist, ohne
die es nicht leben kann. Es ist die Gemeinschaft der menschlichen
Sprache. In der Sprache haben wir, ich möchte sagen, die uns von der
Natur vor das Seelenauge gestellte Gemeinschaftsform. Durch die
Sprache, insbesondere durch die Muttersprache, die sich dem menschlichen Gesamtwesen einimpft in der Zeit, da noch der kindliche ÄtherCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:257 Seite: 110
leib ungeboren ist, wird das erste Gemeinschaftsbildende an den Menschen herangebracht. Und es ist nur Schuld unseres rationalistischen
Zeitalters, daß man zwar in agitatorisch-politischer Weise heute die
Sprachen der Völker empfindet und die Volkstümer nach den Sprachen
empfindet, daß man aber gar nicht die tiefen, intimen Seelenkonfigurationen, die ungeheuren Schicksalswerte und Karmawerte, die an die
Sprache und ihren Genius gebunden sind, beachtet als die natürliche
Grundlage des Schreiens des Menschen aus seiner Naturanlage heraus
nach Gemeinschaft. Was wären wir, wenn wir aneinander vorbeigehen
müßten, ohne daß wir das gleiche Seelenleben ertönend finden in einem
gleichlautenden Worte bei einem andern, in einem Worte, in das auch
wir hineinlegen können dieses unser eigenes Seelenleben? Und wir
brauchen ein jeder nur ein wenig Selbsterkenntnis zu üben, so werden
wir das erreichen können, was ich hier der Kürze der Zeit willen nicht
entwickeln kann, eine Überschau über alles dasjenige, was wir für eine
erste, primitivste menschliche Gemeinschaftsbildung der Sprache verdanken.
Aber es gibt etwas Tieferes noch, wenn auch zwar seltener im Leben
Auftretendes als die menschliche Sprache. Die menschliche Sprache ist
wohl etwas, was auf einem gewissen äußeren Niveau die Menschen
zum Gemeinschaftsleben bindet, aber nicht ganz tief in die intimsten
Untergründe des Seelenlebens dringt. Für das irdische Leben merken
wir in gewissen Momenten noch etwas anderes Gemeinschaftsbildendes
als die Sprache, etwas über die Sprache Hinausgehendes. Und das
empfindet derjenige, welcher mit andern Menschen, die er als Kinder
schon gekannt hat, einmal, wenn das Schicksal es fügt, sich im späteren
Leben zusammenfindet. Denken wir uns den idealen Fall, daß jemand
durch das Schicksal sich zusammenfinden konnte mit drei, vier, fünf
Jugendgenossen, Kindheitsgenossen im späteren Lebensalter, vielleicht
im vierzigsten, fünfzigsten Lebensjahre, mit Genossen, mit denen er
nicht beisammen war durch Jahrzehnte, mit denen er aber vielleicht
die Zeit durchlebt hat, die zwischen dem zehnten und zwanzigsten
Lebensjahre liegt. Nehmen wir gute menschliche Beziehungen, fruchtbare menschliche Beziehungen, liebedurchtränkte menschliche Beziehungen zwischen diesen Menschen und versetzen wir uns im Geiste in
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den Gedanken, was es bedeutet, wenn solche Menschen nun gemeinsam
ihre Seelen gegenseitig berührt werden lassen von den Erinnerungen an
jene Zeit, die sie in der Kindheit miteinander durchlebt haben. Erinnerung liegt tiefer als alles dasjenige, was auf dem Niveau der Sprache
liegt. Und die Seelen klingen intimer zusammen, wenn die reine seelische Sprache der Erinnerungen Mensch an Mensch binden kann, wenn
auch vielleicht nur zu kurzer Gemeinschaft. Und es sind gewiß nicht -
derjenige, der Erlebnisse auf diesem Gebiete hat, kann das wissen -, es
sind gewiß nicht bloß die einzelnen Tatsachen, die man aus der Erinnerung hervorruft und die von Seele zu Seele hinschlagen, wenn jenes
ungeheuer Intime, Tiefe in den Seelen der Menschen auftritt, das in
einem solchen Idealfall auftreten könnte, wie ich ihn eben konstruiert
habe. Es ist etwas ganz anderes. Es ist nicht der konkrete Inhalt der
Erinnerungsgedanken, es ist ein ganz unbestimmtes und doch wieder so
bestimmtes Erleben, gemeinschaftliches Erleben in diesen menschlichen
Seelen, es ist ein Wiederauferstehen desjenigen, mit dem man einmal zusammen war in hundertfältigen Einzelheiten, die aber zu einerTotalität
zusammenschmelzen, und es ist alles dasjenige, was von der andern
Seele kommt an Miterinnerung, das Erweckende für ein Totalerlebnis.
Das ist so für das irdische Leben. Und aus einer Verfolgung dieser
seelischen Tatsache in das Geistige hinein mußte ich dazumal jenen
theologischen Freunden, welche mit der gekennzeichneten Absicht zu
mir gekommen sind, sagen: Wenn wirkliche Gemeinschaftsbildung bei
der Arbeit in der religiösen Erneuerung auftreten soll, dann braucht
man einen für die Gegenwart anwendbaren und abgestimmten Kultus.
Das gemeinsame Erleben des Kultus, das gibt etwas, was in der Menschenseele die Gemeinschaftsempfindung einfach durch seine eigene
Wesenheit hervorruft. Und die Bewegung für religiöse Erneuerung hat
verstanden, sie hat diesen Kultus angenommen, und ich glaube, es war
ein gewichtiges Wort, das in diesen Tagen hier von dieser Stelle aus
Dr. Rittelmeyer gesagt hat: Von dieser Seite der Gemeinschaftsbildung
erwächst vielleicht eine der größten Gefahren für die anthroposophische Bewegung von Seiten der Bewegung für religiöse Erneuerung her.
Denn in diesem Kultus liegt ein ungeheuer bedeutsames Element der
Gemeindebildung. Er bindet Mensch an Mensch. Ja, was ist denn an
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diesem Kultus, was da Mensch an Mensch bindet, was aus den einzelnen, die atomisiert worden sind durch das Intellektualistische, Logische,
wiederum Gemeinde machen kann und ganz sicher Gemeinde machen
wird? Das hat offenbar Dr. Rittelmeyer gemeint; da ist vorhanden das
Mittel für die Gemeindebildung. Da aber auch die Anthroposophische
Gesellschaft nach Gemeinschaftsbildung hintendiert, so wird sie finden
müssen das für sie geartete Mittel, wenn ihr nicht von der Bewegung
für religiöse Erneuerung eine gewisse Gefahr drohen soll.
Nun, was ist das Geheimnis des Gemeinschaftserzeugenden im Wesen
des Kultus, wie er namentlich gerade mit diesem Ziele für die Bewegung
für religiöse Erneuerung gefunden worden ist? Dasjenige, was sich in
den Kultformen, seien sie nun gegeben in der Zeremonie, seien sie gegeben im Worte, ausspricht, das ist ein Abbild von wirklichen Erlebnissen; allerdings nicht von wirklichen Erlebnissen, die hier auf der
Erde durchgemacht worden sind, sondern von wirklichen Erlebnissen
in jener Welt, die der Mensch in seinem vorirdischen Dasein durchmacht, wenn er auf dem zweiten Teile des Weges zwischen dem Tode
und einer neuen Geburt ist, aus jener Welt, die der Mensch durchschreitet von jenem Zeitpunkte, der da liegt in der Mitternachtsstunde
des menschlichen Daseins zwischen dem Tode und einer neuen Geburt,
bis zum Herabsteigen zum Erdenleben. In dem Gebiete, das da der
Mensch durchmacht, liegt die Welt, liegen die Ereignisse, liegen die
Wesenhaftigkeiten, die ein wirkliches Abbild finden in den echten,
wahren Kultformen. Was empfindet daher derjenige, der den Kultus
miterlebt, mit dem andern, mit dem er von irgendeinem Karma zusammengeführt wird - und das Karma ist so verwickelt, daß man durchaus überall Karma voraussetzen darf, wo wir mit Menschen zusammengeführt werden? Gemeinsame Erinnerungen an das vorirdische Dasein
erlebt er mit ihm zusammen. Das taucht in den unterbewußten Tiefen
der Seele auf. Wir haben, bevor wir zur Erde heruntergestiegen sind,
zusammen eine Welt durchlebt, die hier im Kultus vor unserer Seele
auf Erden steht. Das ist eine mächtige Bindung, das ist ein wirkliches
Hereinholen nicht nur der Bilder, sondern der Kräfte der übersinnlichen Welt in die sinnliche. Das ist aber ein Hereinholen derjenigen
Kräfte aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche, die den Menschen
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intim angehen, die verbunden sind mit den intimsten Hintergründen
der menschlichen Seele. Deshalb bindet Kultus, weil im Kultus heruntergetragen ist aus den geistigen Welten dasjenige, was Kräfte dieser
geistigen Welten sind, weil der Mensch das in seinem Erdenleben vor
sich hat, was überirdisch ist. Nicht hat er es vor sich in dem rationalistischen Worte, das das Vergessen an die geistige Welt bewirkt, auch
in den unterbewußten Seelengründen, sondern er hat es vor sich in dem
lebendigen Bild, das kraftdurchsetzt ist, das nicht bloß Sinnbild, das
nicht totes Bild, das Kraftträger ist, weil er dasjenige vor sich hat, was
zu seiner geistigen Umgebung gehört, wenn er nicht im irdischen Leibe
ist. Eine umfassende, ins Geistige hinüberzielende gemeinsame Erinnerung, das ist es, was die gemeinschaftsbildende Kraft des Kultus ist.
Eine solche Kraft braucht auch die Anthroposophische Gesellschaft,
damit in ihr Gemeinschaftswesen auftauchen kann. Aber anders geartet kann der Grund zur Gemeinschaftsbildung in der anthroposophischen Bewegung sein als in der Bewegung für religiöse Erneuerung,
obwohl das eine das andere nicht ausschließt, sondern das eine mit dem
andern in der schönsten Harmonie stehen kann, wenn die Beziehung
empfindungsgemäß richtig verstanden wird. Aber es muß eben auch
erst verstanden werden, wie ein anderes gemeinschaftsbildendes Element in das menschliche Leben hereintreten kann. Eine ins Geistige
umgesetzte Erinnerung strahlt uns entgegen aus der Kultgestaltung.
Die Kultgestaltung spricht zu Tieferem als dem menschlichen Intellekt,
die Kultgestaltung spricht zu dem menschlichen Gemüte, denn das
menschliche Gemüt versteht im Grunde genommen die Sprache des
Geistigen, obwohl für dieses Erdenleben zunächst diese Sprache des
Geistigen nicht ins unmittelbare Bewußtsein hereintritt. Und nun, um
das andere Element, das eine entsprechende Rolle spielen muß in der
Anthroposophischen Gesellschaft, zu verstehen, ist vor allen Dingen
notwendig, daß Sie nicht nur nach dem Geheimnis der Sprache und
der Erinnerung mit Bezug auf das Wesen der Gemeinschaftsbildung
hinschauen, sondern daß Sie noch auf etwas anderes hinschauen im
menschlichen Leben. Nehmen Sie den Zustand des träumenden Menschen, und vergleichen Sie diesen Zustand des träumenden Menschen
mit dem vollwachen Menschen im Tagesleben.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 257 Seite: 114
Die Welt des Traumes, sie mag schön, sie mag großartig, sie mag
bilderreich, vielbedeutend und vieldeutig sein, aber sie ist eine Welt,
die für das irdische Leben den Menschen isoliert. Mit der Welt seiner
Träume ist der Mensch allein. Da liegt der eine Mensch, schläft und
träumt, andere sind um ihn herum, meinetwillen schlafend oder
wachend, die Welten, die in ihren Seelen sind, sie haben zunächst für
dasjenige, was er im Traumbewußtsein erlebt, sie haben mit seinem
Traumbewußtsein nichts zu tun. Der Mensch isoliert sich in seiner
Traumwelt, noch mehr in seiner Schlafenswelt. Wachen wir auf, leben
wir uns hinein in ein gewisses Gemeinschaftsleben. Der Raum, in dem
wir sind, in dem der andere ist, die Empfindung, die Vorstellung dieses
Raumes, die er hat, haben wir selber auch. Wir erwachen an unserer
Umgebung in einem gewissen Umfange zu demselben inneren Seelenleben, wie er erwacht. Indem wir aus der Isoliertheit des Traumes erwachen, erwachen wir bis zu einem gewissen Grade in menschliche
Gemeinschaft hinein einfach durch dieses Wesen unserer Beziehung als
Mensch zur Außenwelt. Wir hören auf, so entschieden in uns selbst, so
eingesponnen und eingekapselt zu sein, wie wir in der Traumwelt eingesponnen und eingekapselt waren, auch wenn wir noch so schon, so
großartig, so vielbedeutend und vieldeutig träumen. Aber, wie wachen
wir auf? Wir wachen auf an der äußeren Welt, wir wachen auf an dem
Lichte, wachen auf an dem Ton, an den Wärmeerscheinungen, an allem
übrigen Inhalte der Sinneswelt, wir wachen aber eigentlich auch - wenigstens für das gewöhnliche alltägliche Leben - an dem Äußeren der
andern Menschen auf, an der Naturseite der andern Menschen.Wir wachen für das alltägliche Leben an der natürlichen Welt auf. Diese weckt
uns auf, diese versetzt uns aus der Isoliertheit in ein gewisses Gemeinschaftsleben. Wir wachen noch nicht auf - und das ist das Geheimnis
des alltäglichen Lebens - als Mensch am Menschen, am tiefsten Inneren
des Menschen. Wir wachen auf am Lichte, wir wachen auf am Ton,
wir wachen auf vielleicht an der Sprache, die der andere zu uns spricht
als zugehörig zum Natürlichen am Menschen, wir wachen auf an den
Worten, die er von innen nach außen spricht. Wir wachen nicht auf
an dem, was in den Tiefen der Menschenseele des andern vor sich geht.
Wir wachen auf an dem Natürlichen des andern Menschen, wir wachen
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 57 Seite: 115
in dem gewöhnlichen alltäglichen Leben nicht auf an dem GeistigSeelischen des andern Menschen.
Das ist ein drittes Erwachen oder wenigstens ein dritter Zustand des
Seelenlebens. Aus dem ersten erwachen wir in den zweiten hinein durch
den Ruf der Natur. Aus dem zweiten erwachen wir in den dritten Zustand hinein durch den Ruf des Geistig-Seelischen am andern Menschen. Aber wir müssen diesen Ruf erst vernehmen. Genau so, wie man
in der rechten Weise für das alltägliche Erdenleben aufwacht durch die
äußere Natur, gibt es ein höherstufiges Aufwachen, wenn wir in der
richtigen Weise an dem Seelisch-Geistigen unseres Mitmenschen aufwachen, wenn wir ebenso in uns fühlen lernen das Geistig-Seelische des
Mitmenschen, wie wir fühlen in unserem Seelenleben beim gewöhnlichen Aufwachen das Licht und den Ton. Wir mögen noch so schöne
Bilder in der Isoliertheit des Traumes schauen, wir mögen außerordentlich Großartiges erleben in diesem isolierten Traumbewußtsein - lesen
zum Beispiel werden wir kaum zunächst, wenn nicht besonders abnorme Zustände folgen. Diese Beziehung zur Außenwelt haben wir
nicht. Nun, wir mögen noch so schöne Ideen aufnehmen aus der Anthroposophie, aus dieser Kunde von einer geistigen Welt, wir mögen
theoretisch durchdringen alles dasjenige, was von uns vom Äther-,
Astralleib und so weiter gesagt werden kann, wir verstehen dadurch
noch nicht die geistige Welt. Wir beginnen das erste Verständnis für
die geistige Welt erst zu entwickeln, wenn wir am Seelisch-Geistigen
des andern Menschen erwachen. Dann beginnt erst das wirkliche Verständnis für die Anthroposophie. Ja, es obliegt uns, auszugehen von
jenem Zustande für das wirkliche Verständnis der Anthroposophie,
den man nennen kann: Erwachen des Menschen an dem Geistig-Seelischen des andern Menschen.
Die Kraft zu diesem Erwachen, sie kann dadurch erzeugt werden,
daß in einer Menschengemeinschaft spiritueller Idealismus gepflanzt
wird. Man redet ja heute viel von Idealismus. Aber Idealismus ist heute
innerhalb unserer Gegenwartskultur und Zivilisation etwas ziemlich
Fadenscheiniges. Denn der wirkliche Idealismus ist nur vorhanden,
wenn der Mensch sich bewußt werden kann, daß er genau ebenso, wie
er, indem er die Kultusform hinstellt, eine geistige Welt ins Irdische
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:257 Seite: 116
hinunterhebt, er etwas, das er im Irdischen erschaut, im Irdischen erkennen und verstehen gelernt hat, in das Übersinnlich-Geistige hinaufhebt, indem er es ins Ideal erhebt. In das kraftdurchsetzte Bild bringen
wir das Überirdische, wenn wir die Kultusgestalt zelebrieren. In das
Übersinnliche heben wir uns mit unserem Seelenleben hinauf, wenn
wir dasjenige, was wir erleben in der physischen Welt, spirituell-idealistisch so erleben, daß wir es empfinden lernen als erlebt im Übersinnlichen, wenn wir so empfinden lernen, daß wir uns sagen: Dasjenige,
was du hier in der Welt der Sinne wahrgenommen hast, wird plötzlich
lebendig, wenn du es zum Ideal erhebst. Es wird lebendig, wenn du es
in der richtigen Weise durchdringst mit Gemüt und Willensimpuls.
Wenn du dein ganzes Inneres vom Willen durchstrahlst, Begeisterung
auf es wendest, dann gehst du mit deiner sinnlichen Erfahrung, indem
du sie idealisierst, den entgegengesetzten Weg, wie du ihn gehst, wenn
du das Übersinnliche in die Kultusgestalt hineingeheimnißt. Denn,
haben wir eine kleine, haben wir eine große anthroposophische Gemeinschaft, so können wir dasjenige, was in dieser Charakteristik gegeben ist, in einem gewissen Sinne erreichen. Wir können es dann erreichen, wenn wir tatsächlich imstande sind, durch die lebendige Kraft,
die wir hineinlegen in die Gestaltung der Ideen vom Geistigen, etwas
von einem Erweckenden zu erleben, etwas von dem, was nicht bloß
das sinnlich Erlebte so idealisiert, daß das Ideal ein abstrakter Gedanke
ist, sondern so, daß das Ideal ein höheres Leben gewinnt, indem wir
uns in es hineinleben, daß es das Gegenbild des Kultus wird, nämlich
das Sinnliche ins Übersinnliche hinauferhoben. Das können wir auf
gefühlsmäßige Weise erreichen, wenn wir uns angelegen sein lassen,
überall dort, wo wir Anthroposophisches pflegen, diese Pflege von
durchgeistigter Empfindung zu durchdringen, wenn wir verstehen,
schon die Türe, schon die Pforte zu dem Raum - und mag er sonst ein
noch so profaner sein, er wird geheiligt durch gemeinsame anthroposophische Lektüre - als etwas zu empfinden, was wir mit Ehrerbietung
übertreten. Und die Empfindung müssen wir hervorrufen können, daß
das in jedem einzelnen der Fall ist, der sich mit uns vereinigt zu gemeinsamem Aufnehmen anthroposophischen Lebens. Und das müssen
wir nicht nur zu innerster abstrakter Überzeugung bringen können,
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sondern zu innerem Erleben, so daß in einem Räume, wo wir Anthroposophie treiben, wir nicht nur dasitzen als so und so viele Menschen,
die aufnehmen das Gehörte oder aufnehmen das Gelesene und es in
ihre Gedanken verwandeln, sondern daß durch den ganzen Prozeß
des Aufnehmens anthroposophischer Ideen ein wirkliches real-geistiges
Wesen anwesend wird in dem Räume, in dem wir Anthroposophie
treiben. Wie in den in der sinnlichen Welt sich abspielenden Kultformen die göttlichen Kräfte auf sinnliche Art anwesend sind, müssen
wir lernen, mit unseren Seelen, mit unseren Herzen durch unsere innere
Seelenverfassung übersinnlich anwesend sein zu lassen eine wirkliche
Geistwesenheit in dem Räume, in dem das anthroposophische Wort
ertönt, und unsere Rede, unser Empfinden, unser Denken, unsere Willensimpulse müssen wir einrichten können im spirituellen Sinne, das
heißt nicht in irgendeinem abstrakten Sinne, sondern in dem Sinne,
daß wir uns so fühlen, als schaute herunter auf uns und hörte uns an
ein Wesen, das über uns schwebt, das real-geistig da ist. Geistige Gegenwart, übersinnliche Gegenwart müssen wir empfinden, die dadurch da
ist, daß wir Anthroposophie treiben. Dann fängt die einzelne anthroposophische Wirksamkeit an, ein Realisieren des Übersinnlichen selbst
zu werden.
Gehen Sie in die primitiven Gemeinschaften, da gibt es noch etwas
anderes als bloß die Sprache. Die Sprache ist dasjenige, was im oberen
Menschen sitzt. Fassen Sie den ganzen Menschen ins Auge, so finden
Sie in primitiven Menschengemeinschaften dasjenige, was Mensch an
Mensch bindet, in dem gemeinschaftlichen Blute. Die Blutsbande halten die Menschen zur Gemeinschaft zusammen. Aber in dem Blute lebt
das als Gruppenseele oder als Gruppengeist, was bei einer freien
Menschheit sich nicht in derselben Weise findet. In eine Gruppe von
Menschen, die durch Blutsbande zusammengebunden war, war eingezogen ein gemeinsames Geistiges, gewissermaßen von unten herauf.
Da, wo gemeinsames Blut durch die Adern einer Anzahl von Menschen
strömt, ist ein Gruppengeist vorhanden. So kann auch durch dasjenige,
was wir gemeinsam erleben, indem wir gemeinsam Anthroposophisches
aufnehmen, zwar nicht ein solcher Gruppengeist durch das Blut, aber
doch ein realer Gemeinschaftsgeist herangezogen werden. Vermögen
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wir diesen zu empfinden, dann binden wir uns als Menschen zu wahren
Gemeinschaften zusammen. Wir müssen einfach Anthroposophie wahr
machen, wahr machen dadurch, daß wir ein Bewußtsein hervorzurufen
verstehen in unseren anthroposophischen Gemeinschaften, daß, indem
die Menschen sich finden zu gemeinsamer anthroposophischer Arbeit,
der Mensch am Geistig-Seelischen des andern Menschen erst erwacht.
Die Menschen erwachen aneinander, und indem sie sich immer wieder
und wiederum finden, erwachen sie, indem jeder in der Zwischenzeit
ein anderes durchgemacht hat und etwas weitergekommen ist, in einem
gewandelten Zustand aneinander. Das Erwachen ist ein Erwachen im
Sprossen und Sprießen. Und wenn Sie erst die Möglichkeit gefunden
haben, daß Menschenseelen an Menschenseelen und Menschengeister
an Menschengeistern erwachen, daß Sie hingehen in die anthroposophischen Gemeinschaften mit dem lebendigen Bewußtsein: Da werden wir erst zu so wachen Menschen, daß wir da erst Anthroposophie
verstehen miteinander, und wenn Sie dann auf Grundlage dieses Verständnisses in eine erwachte Seele - nicht in die für das höhere Dasein
schlafende Seele des Alltags - die anthroposophischen Ideen aufnehmen, dann senkt sich über Ihre Arbeitsstätte herunter die gemeinsame
reale Geistigkeit. Ist es denn Wahrheit, wenn wir von der übersinnlichen Welt reden und nicht imstande sind, uns aufzuschwingen zum
Erfassen solcher realen Geistigkeit, solches umgekehrten Kultus? Erst
dann stehen wir wirklich im Ergreifen, im Erfassen des Spirituellen
drinnen, wenn wir nicht nur die Idee dieses Spirituellen abstrakt
haben und etwa sie theoretisch wiedergeben können, auch für uns selbst
theoretisch wiedergeben können, sondern wenn wir glauben können -
aber glauben auf Grundlage eines beweisenden Glaubens -, daß Geister
im geistigen Erfassen geistige Gemeinschaft mit uns haben. Sie können
nicht durch äußere Einrichtungen die anthroposophische Gemeinschaftsbildung hervorrufen. Sie müssen sie hervorrufen aus den tiefsten
Quellen des menschlichen Bewußtseins selbst.
Ich habe Ihnen einen Teil des Weges dazu heute gezeigt; ich werde
morgen in meinen Schilderungen darüber fortfahren. Ich möchte durch
solche Schilderungen ein wenig hinweisen darauf, daß ja das Wichtigste
ist für die Anthroposophische Gesellschaft, wenn sie sich weiterentwikCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 25 7 Seite: 119
kein will, daß sie ergriffen wird wirklich von wahrem Verständnis für
die Anthroposophie. Ist dieses wahre Verständnis für die Anthroposophie da, dann ist dieses Verständnis der Weg nicht bloß zu Ideen
vom Geiste, sondern zu Gemeinschaft mit dem Geiste. Dann aber ist
das Bewußtsein dieser Gemeinschaft mit der geistigen Welt auch gemeinschaftsbildend. Und die Gemeinschaften, die vom Karma vorausbestimmt sind, werden sich bilden. Sie werden eine Wirkung des rechten anthroposophischen Bewußtseins sein. Nicht äußerliche Mittel
können angegeben werden. Wenn sie Ihnen ein Mensch schildert, schildert er Ihnen etwas Scharlatanhaftes.
Nun, bis zu einem gewissen Grade sind solche Dinge dennoch in den
zwei Jahrzehnten anthroposophischer Entwickelung verstanden worden, verstanden auch von vielen in spirituellem Sinne, und ich werde
darüber vielleicht noch morgen genauer zu sprechen haben, denn ich
werde diese Betrachtung morgen fortsetzen und auf ein anderes Ziel
hinweisen. Aber jetzt möchte ich nur mit ein paar Worten etwas anfügen an dasjenige, was vielleicht bei Ihnen durch diese Schilderung
der spirituellen Untergründe anthroposophischen Gemeinschaftslebens
erregt worden sein mag. Auf der einen Seite steht doch nun wirklich in
der anthroposophischen Bewegung das darinnen, aus dem heraus solche
Schilderungen kommen müssen, wie ich sie Ihnen eben gegeben habe.
Da mag die Anthroposophische Gesellschaft in gewissen Epochen so
oder so ausschauen - die Anthroposophie ist unabhängig von jeder anthroposophischen Gesellschaft und kann unabhängig von einer solchen
gefunden werden. Sie kann aber allerdings auf besondere Art auch
dadurch gefunden werden, daß Mensch an Mensch zu erwachen versteht und sich auf diese Weise, aus diesem Erwachen heraus Gemeinschaftsbildungen ergeben. Denn man erwacht mit den Menschen, mit
denen man sich zusammenfindet, immer aufs neue, deshalb bleibt man
mit ihnen zusammen. Da sind innere spirituelle Gründe da. Das muß
immer mehr und mehr verstanden werden innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft; und eigentlich müßte alles, was zum Gedeihen
der Anthroposophischen Gesellschaft vorgebracht wird, durchdrungen
sein von Kräften, die zuletzt doch überall hineinführen in das Anthroposophische als solches.
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Ich war tief befriedigt, als ich neulich, nachdem ich wochenlang die
Versammlungen mitgemacht hatte, kleinere und größere Versammlungen, in denen vorbereitet worden ist dasjenige, was jetzt in diesen
Tagen auf der Delegiertenversammlung geschah, nachdem man da debattiert hatte, etwa wie man es in Parlamenten, wie man es in Vereinen
und sonst macht aus den gewöhnlichen rationalistischen alltäglichen
Erwägungen heraus, in eine Jugendversammlung, in eine Versammlung
junger Akademiker kam. Da wurde auch gesprochen über dasjenige,
was geschehen soll. Nun, man sprach eine Zeitlang über Äußeres; aber
man war unversehens nach einer gewissen Zeit mitten in echt anthroposophischer Erörterung darinnen. Es floß von selbst die Angelegenheit
des alltäglichen Lebens in eine solche Strömung hinein, daß man die
Dinge nurmehr besprechen konnte, wenn man anthroposophisch
sprach. Das wäre das Schönste, wenn man nicht in künstlicher, in sentimental-künstlicher, in nebuloser Weise, wie es oftmals auch geschah,
an den Haaren anthroposophische Theorien herbeizöge, sondern wenn
man auf einem selbstverständlichen Weg aus den gewöhnlichen Bedürfnissen des Lebens, aus der Besprechung derselben darauf käme:
Jetzt weiß man nicht mehr, wie man studieren soll, wie man Chemie,
Physik studieren soll, wenn man nicht anfängt, um sich über die Notwendigkeiten des Studiums zu informieren, von Anthroposophie zu
reden. Das ist der Geist, der unter uns herrschen kann.
Aber wir kommen zu keinem Ergebnis bis morgen abend, wenn die
Dinge in derselben Weise fortlaufen, wie sie bisher gelaufen sind. Wir
kommen nur in ein ungeheures Chaos, in ein tragisches Chaos hinein.
Denn wir müssen vor allen Dingen nicht sentimental allerlei an den
Haaren herbeiziehen, sondern wir müssen anthroposophische Impulse
in unsere Herzen gießen, anthroposophische Impulse in voller Klarheit. Dann werden unsere Verhandlungen fruchtbar verlaufen.
So aber, wie die Sachen jetzt sind, so sehe ich in diesem Saale zwei
Menschenparteien, zwei Menschengruppen, die sich gegenseitig gar
nicht verstehen und die zum gegenseitigen Verständnis auch noch nicht
den allerersten Schritt haben vollziehen können. Warum? Weil auf der
einen Seite geredet werden muß aus einem zwei Jahrzehnte alten Erleben, aus demjenigen heraus, was ich am Anfange heute ein wenig zu
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schildern mir erlaubte, und auf der andern Seite kein Interesse vorhanden ist für dieses Erleben. Das ist durchaus nicht in irgendeinem
kritischen Sinne gemeint, sondern in dem Sinne eines besorgten Zusprechens nur. Haben wir es doch erlebt, daß sich Menschen gefunden
haben, gutmeinende Menschen, für die Anthroposophie in ihrer Art
begeisterte Menschen, die einfach unsere Erörterungen hier kupiert
haben, indem sie gesagt haben: Was interessieren uns alle diese Referate, wenn sie uns weiter aufgetischt werden? - in dem Momente, wo es
sich doch darum handelt, daß diejenigen, die sie noch nicht kennen, die
schweren Gefahren kennenlernen wollen, denen die Anthroposophische Gesellschaft ausgesetzt ist. - Da ist auf der einen Seite ein elementares, naturhaftes, mochte ich sagen, Interesse für das Leben in der
Anthroposophischen Gesellschaft, ein Leben, das etwas Familienhaftes
hat, aber auch die guten Seiten des Familienhaften hat; da ist auf der
andern Seite dasjenige, was sich dafür nicht interessiert, was nur eine
allgemeine Vorstellung von einer Anthroposophischen Gesellschaft hat.
Beides ist so, wie die Sachen heute liegen, berechtigt, so berechtigt, daß,
wenn wir nicht bald zu einer ganz andern Form unserer Diskussion
kommen, es das allerbeste ist- ich spreche nur meine Meinung aus, denn
dasjenige, was geschehen soll, muß aus dem Schoß der Gesellschaft hervorgehen -, wenn wir auf der einen Seite die alte Anthroposophische
Gesellschaft ließen, wie sie ist, und daneben gründen für alle diejenigen,
welche nun etwas ganz anderes wollen, eine Vereinigung freier anthroposophischer Gemeinschaften. Die beiden könnten, jede Partei auf ihrem
Boden, dasjenige, was ihr am Herzen liegt, pflegen. Wir hätten auf der
einen Seite die alte Anthroposophische Gesellschaft, wir hätten auf der
andern Seite eine lose, aber innig zusammenhängende Vereinigung freier
Gemeinschaften. Die zwei Gesellschaften könnten einen Modus, miteinander zu leben, finden. Besser wäre es immerhin, daß dieses entstünde, als das Aussichtslose, das sich ergeben müßte für morgen abend,
wenn die Diskussion in dieser Weise weiterlaufen wird, wie sie bisher
verlaufen ist. Deshalb bitte ich Sie, auch diesen angedeuteten Gedanken bei der weiteren Diskussion hereinzuwerfen, ob Sie nicht eine Unwahrheit vermeiden wollen, die in einem Leimen bestehen würde,
gleichgültig, ob man das Alte läßt oder es umformt. Wenn die Dinge
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so bleiben, daß die eine Seite die andere nicht versteht, so möge man
diese skizzierten zwei Vereinigungen innerhalb der anthroposophischen
Bewegung begründen. Das sage ich Ihnen aus einem besorgten, aus
einem besorgtesten Herzen heraus; denn das wird mir ja niemand absprechen, daß ich verstehe, was es heißt, Sorge zu tragen für die anthroposophische Sache. Man wird mir ebensowenig absprechen, daß ich
selber weiß, was es heißt, lieben die anthroposophische Sache. Aber
besser ist es, zwei einander liebende Geschwister zu haben, ein jedes
seinen eigenen Weg gehend, die sich nur zusammenfinden in einem gemeinsamen Ideale, als etwas zu haben, was nach kurzer Zeit dennoch
wiederum ins Chaos hineinführen würde.
Meine lieben Freunde, Sie dürfen doch nicht übersehen, daß die
Dinge, die uns die Schwierigkeiten machen, die einzelnen Begründungen sind. Das hätte sollen scharf herausgearbeitet werden. Ich will gar
nicht einmal behaupten, daß der letzte Zentralvorstand im wesentlichen materiell an Arbeiten mehr geleistet hat als der frühere, jedenfalls nicht mehr, als ich auf zentralem Gebiet ähnliches geleistet habe,
als ich Generalsekretär war. Aber darum handelt es sich nicht. Es handelt sich darum: Was hätte geschehen sollen im anthroposophischen
Sinn, nachdem die einzelnen Begründungen hier in Stuttgart entstanden sind? - Diese Frage muß beantwortet werden. Denn heute können
wir diese Gründungen nicht aus der Welt schaffen. Wir müssen uns
informieren über ihre Lebensbedingungen, nachdem sie da sind. Aber
wenn wir nicht verstehen lernen, im anthroposophischen Sinne zu gestalten, was wir nicht verstanden haben in den letzten vier Jahren,
wenn wir sie hineinstellen als Fremdkörper in die anthroposophische
Bewegung, wie es geschehen ist, dann ruinieren uns die Gründungen,
die seit dem Jahre 1919 entstanden sind, die ganze anthroposophische
Bewegung. Dann ruinieren sie jeden Zentralvorstand, mag er wie
immer heißen. Daher handelt es sich darum, sachliche und nicht persönliche Diskussionen zu führen und sich klar zu werden, wie die Anthroposophische Gesellschaft zu gestalten ist, nachdem sie nun einmal
diese Begründungen in sich aufgenommen hat, von denen die eine eine
so wunderschöne ist wie die Waldorfschule. Davon ist gar nicht irgendein Ton gesprochen worden, weil diejenigen, die bekannt und vertraut
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sind mit den Dingen, die in Stuttgart vorgehen, eigentlich bisher sich
mehr oder weniger ausgeschwiegen haben. Ich mochte insbesondere
wünschen, daß die beiden Herren vom Zentralvorstand - ich nehme
den dritten Herrn, Herrn Leinhas, immer aus, der als der einzige in
einer wichtigen Angelegenheit mir intensiv geholfen hat und hilft, bei
dem kann ich nicht einmal wünschen, daß er sich dem Zentralvorstand
widme, obwohl er im eminentesten Sinne hineingehört —, ich möchte
wünschen, daß die beiden andern Herren des Zentralvorstandes sich
zu dieser Sache äußern. Um Verteidigung oder dergleichen handelt es
sich nicht, sondern darum, was sie zu sagen haben über eine solche zukünftige Gestaltung der Anthroposophischen Gesellschaf t, die die Möglichkeit in sich hat, die Begründungen, die seit dem Jahre 1919 da sind,
in sich aufzunehmen. Sonst sind diese Begründungen unverantwortlich
geschehen. Das dürfen sie nicht, weil sie einmal da sind. Die Fragen
sind im eminentesten Sinne ernst. Und wir müssen uns um sie bekümmern, wir müssen sachlich und nicht persönlich die Diskussion führen.
Ich meinte die Worte, die ich jetzt hier spreche, durchaus sachlich,
nicht so sehr an eine Person oder Personen im Zentralvorstand gerichtet. Persönlichkeiten sind nicht verunglimpft, aber ich meine, dasjenige, was ich jetzt wiederum scharf hingestellt habe, muß besprochen
werden. Wenn eben die beiden Vereinigungen begründet werden, so
könnte die, die die Fortsetzung der alten Anthroposophischen Gesellschaft ist, sich bekümmern, wie man sich bekümmern muß um dasjenige, was nun einmal aus dem Schöße der Gesellschaft hervorgegangen ist; und die andere könnte, weil sie sich nicht dafür interessiert,
den anthroposophischen Weg im engeren Sinne nachgehen. Ich wollte
das kurz skizziert hinstellen. Von dem Sachlichen werde ich dann morgen um zwölf Uhr eingehender sprechen. |