Die Schlaferlebnisse des Menschen als Vorverkünder der Erlebnisse nach dem Tode
ACHTER VORTRAG, Penmaenmawr, 26. August 1923
Verhältnis zwischen Schlafen und Wachen. Einverweben der Erinnerung nach zwei bis drei Tagen. Schlaf und Tod. Das Ablegen des Ätherleibes nach dem Tode. Übergang der erworbenen Gedankenschätze an das Universum. Mensch als Pflegestätte der Göttergedanken. Die dreidimensionale, zweidimensionale und eindimensionale Welt. Die verborgenen eindimensionalen Sonnenstrahlen in Steinsetzungen. Beurteilung unserer Handlungen durch den Kosmos. Rückerleben nach dem Tode des im Erdenleben Verschlafenen. Früher Anknüpfung an den letzten Bodhisattva; heute kann nur Christus Führer sein im Leben zwischen Tod und neuer Geburt.
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Wachens im Menschen auf der einen Seite und der Gliederung des
Menschen auf der anderen Seite konnte man sehen, wie der Mensch
mit dem Schlafe in der Tat eine tiefgehende Spaltung seines Erdendaseins erlebt. Wir haben aus den verschiedenen Erörterungen der
letzten Tage gesehen, wie wir am Menschen dasjenige zu unterscheiden haben, was an ihm sinnlich-physisch wahrnehmbar ist:
der physische Körper; dasjenige, was nicht mehr sinnlich-physisch
wahrnehmbar ist, was nur in der Imagination geschaut werden
kann: sein Äther- oder, wie ich auch sagen muß, sein Bildekräfteleib. Dieser Bildekräfteleib enthält die lebendigen Kräfte, die den
Menschen wachsen machen, die den Vorgängen der Ernährung, des
ganzen Aufbaues des Menschen zugrunde liegen und so weiter.
Dieser Bildekräfteleib enthält aber auch, wie wir gesehen haben,
das ganze System der menschlichen Gedanken. Eingegliedert in
diesen Bildekräfte- oder Ätherleib und in den physischen Körper
sind dann die zwei höheren Glieder der menschlichen Wesenheit,
dasjenige, was man - ich sagte schon, man soll sich an der Terminologie nicht stoßen - als den Astralleib und was man als die
eigentliche Ich-Organisation bezeichnen kann.
Wenn nun der Mensch sein Tagesleben durchlebt, so sind diese
vier Glieder der menschlichen Natur ineinander tätig, in Wechselbeziehung stehend, in einem innigen Zusammenhange. Wenn der
Mensch in den Schlafzustand übergeht, dann trennen sich von
Astralleib und Ich physischer Körper und Bildekräfteleib - sie bleiben, wenn ich mich so ausdrücken darf, im Bette zurück —, und in
eine rein geistige Welt treten ein die astralische Organisation und
die Ich-Organisation. So daß also der Mensch vom Einschlafen bis
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zum Aufwachen gespalten ist in seinem Wesen: auf der einen Seite
ist die physische Organisation mit der ätherischen Organisation
vorhanden, die zu gleicher Zeit die gesamte Gedankenwelt des
Menschen zurückhält, und auf der anderen Seite sind die IchOrganisation und die astralische Organisation vorhanden.
Ich glaube, es hat in diesen Tagen einmal jemand das Bedenken
geäußert: Wenn die gesamte Gedankenwelt zurückbleibt in der
Ätherorganisation während des Schlafes, so könnte man durch die
Gedanken, die man doch nur im wachen Zustande ergreift, nicht
hinüberwirken in den Schlafzustand. So daß gewissermaßen in
demjenigen, der dies gesagt hat, eine Art Angst zutage getreten ist,
als ob dann, wenn man zum Beispiel irgendwelche Wünsche, etwa
für seine Mitmenschen, in Gedanken kleidete, oder wenn sich solche Gedanken auf einen beziehen, der im Schlafzustande ist, verlorengehen könnte die Kraft dieser Gedanken, weil sie ja der Mensch
in den Schlaf nicht herübernimmt. Nun, ich möchte mit einem
Bilde darauf antworten.
Sie werden noch nie gehört haben, daß jemand, der mit einer Flinte
ein Ziel treffen will, gleich just die Flinte dahin werfen muß. Er läßt
die Ladung los, die Flinte behält er zurück. Man kann nun nicht den
Gedanken äußern, daß nichts nach dem Ziele geht, weil er die Flinte
zurückbehält. Ebensowenig bleiben die Wirkungen des Wachlebens,
des denkenden Wachlebens für das Schlafleben aus, weil man die
Gedanken im physischen und ätherischen Leib zurückhält, nicht selber hinüberschickt in das Schlafesleben. Es handelt sich gerade bei
diesen Dingen, die ja subtil sind, darum, daß man immer exakt, ganz
genau denkt, wie man es eigentlich für die physische Welt niemals
nötig hat, weil einen ja da sofort die Dinge der Außenwelt korrigieren. Aber man sieht aus demjenigen, was in diesen Tagen hier ausgesprochen worden ist, daß eine viel innigere Beziehung zwischen dem
physischen Körper und dem Ätherleib besteht als zum Beispiel zwischen Ätherleib und Astralorganisation. Denn während des ganzen
Erdenlebens bleiben physischer Körper und Ätherleib zusammen.
Sie trennen sich nie, auch eben im Schlafeszustand nicht. Der Ätherleib und der astralische Leib müssen sich trennen im Schlafe.
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Wiederum ist ein inniger Zusammenhang vorhanden zwischen
dem Ich und der astralischen Organisation, denn die trennen
sich wiederum niemals während des Erdenlebens. Aber der Zusammenhang zwischen dem astralischen Leib und dem ätherischen Leib, der ist ein loserer. Da kann eben die Spaltung
eintreten. Das hat für das menschliche Erdenleben und auch für
das außerirdische Leben des Menschen eine ganz bestimmte
Wirkung. Wenn wir im wachen Zustande sind, so beleben wir
mit unserem Ich unsere Sinne, mit unserem astralischen Leib
unser Nervensystem und schicken dann dasjenige, was auf diese
Weise zustande kommt, hinein in den ätherischen Leib und in
den physischen Körper; denn man muß, wenn man in der
physischen Welt leben will, alles dasjenige, was man im Ich und
im astralischen Leibe erlebt, hinunterschicken in den ätherischen
Leib und in den physischen Körper. Deshalb glaubt der Materialismus, daß der physische Körper alles sein könne im Menschenwesen, weil tatsächlich alles sich im physischen Körper abdrükken muß, sich offenbaren muß in dem Leben zwischen der
Geburt oder, sagen wir, der Empfängnis und dem Tode.
Aber diese Arbeit des Eingliederns der Erlebnisse des Erdendaseins in den ätherischen Leib und in den physischen Leib, das geht
nicht ohne Hindernisse und Hemmnisse vor sich. Wir sind niemals
ohne weiteres eigentlich imstande, dasjenige, was wir durch die
Sinne erleben, dasjenige, was wir durch unser Denken eingliedern
in unser Nervensystem, unmittelbar auch hinunterzuschicken in
die Organe, die zugehörig sind dem Bildekräfteleib und dem physischen Leib. Dasjenige, was wir aus der äußeren physischen Welt
aufnehmen, ist zunächst, indem wir es aufnehmen, so gestaltet, so
geformt, daß es dem äußeren Dasein gleicht. Wenn wir zum Beispiel irgend etwas wahrnehmen, das eckig gestaltet ist, so bildet
sich für uns zunächst innerhalb unseres Ich und unseres astralischen Leibes das Erlebnis des Eckigen aus. Aber das kann nicht
unmittelbar in den ätherischen Leib aufgenommen werden. Der
ätherische Leib sträubt sich zunächst gegen dieses Aufnehmen desjenigen, was wir an der sinnlichen Außenwelt erleben. In diese
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Verhältnisse kann nur die imaginative Erkenntnis aufklärend hineinwirken. Die gewöhnliche sinnliche Beobachtung oder auch das
sinnliche Experiment am Menschen oder die intellektualistische
Überlegung reichen nicht hin, um diesen Vorgang anzuschauen,
der da besteht in dieser notwendigen Umbildung und Umgestaltung desjenigen, was wir sinnlich wahrnehmen, damit es geeignet
werde, in unserem Ätherleib und physischen Leib nun fortzuleben,
so daß wir uns auch von ihm trennen können im Schlafe. Und erst
wenn man beobachten kann, wie das Verhältnis zwischen Wachen
und Schlafen beim Erdenmenschen eigentlich ist, dann kommt man
darauf, daß im Leben ein fortwährender Kampf stattfindet. Man
nimmt einen äußeren Eindruck auf, ein äußeres Erlebnis. Das kann
aber nicht sogleich hinunter in den physischen und ätherischen
Leib, weil, wenn ich mich dieses groben Beispiels bediene, das
Erlebnis, das man hat an einem eckigen Ding, hinein muß in den
ätherischen Leib, in den physischen Leib hinein, indem es erst
gerundet wird, indem es erst dessen eigene Form annimmt. Es muß
eine gründliche Umformung stattfinden.
Dieses Umformen dessen, was zunächst so flüchtig lebt, wie das
Ich und der astralische Leib selber, in ein plastisches Gebilde, das
dann leben kann im ätherischen Leibe, und in eine plastizierende
Bewegung, die dann fortexistieren kann im physischen Leibe, dieses Umformen, das gibt einen innerlichen Kampf, der für das gewöhnliche heutige menschliche Bewußtsein allerdings unbewußt
bleibt. Aber wer die imaginative Erkenntnis hat, kann diesen
Kampf anschauen, der in der Regel zwei bis drei Tage andauert.
Man muß zwei-, manchmal dreimal geschlafen haben über einem
Erlebnis, bis es sich verbindet mit den anderen Erlebnissen, die
schon Abdrucke im physischen und im ätherischen Leibe sind.
Man muß zwei- bis dreimal darüber geschlafen haben. Und die
Traumeswelt drückt eigentlich äußerlich, aber eben nur äußerlich
diesen Kampf aus. Indem der Mensch träumt, schieben sich, wie
ich schon auseinandergesetzt habe, sein Ich und der Astralleib in
den Ätherleib und physischen Leib hinein, stauen sich. Dieses
Stauen, das ist der Ausdruck des Kampfes, den ich Ihnen jetzt
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schildere und der ungefähr zwei bis drei Tage dauert. Wenn man
einmal über dem Erlebnis geschlafen hat, so ist es noch nicht genügend hineingesenkt in den ätherischen Leib. Erst wenn man zweibis dreimal darüber geschlafen hat, ist es eingesenkt in den ätherischen Leib. So daß man da, wo der Mensch lose verbunden ist in
bezug auf seinen astralischen Leib und ätherischen Leib, ein fortwährendes Ineinanderweben sieht.
Ganz roh schematisch gezeichnet [Originalzeichnung nicht erhalten]: Wenn dies der Ätherleib ist und das der astralische Leib im
Schlafe, dann findet beim Aufwachen oder Einschlafen an der
Grenze ein fortwährender Kampf statt, eine lebendige Regung, die
sich äußerlich im Traume ausdrückt, die aber innerlich dieses Einverweben der Erlebnisse in den ätherischen und physischen Leib
bedeutet. Und erst wenn der Mensch zwei-, dreimal, manchmal
öfter, über irgendeinem Erlebnis geschlafen hat, dann hat sich wieder verbunden dieses Erlebnis mit demjenigen, was schon verbunden war mit ätherischem und physischem Leib als Erinnerung;
denn das ist es, worauf es ankommt, daß sich das Erlebnis in Erinnerung umwandelt, die dann ebenso im Bette liegenbleibt, wenn
wir schlafen, weil sie im wesentlichen der Ausdruck des physischen
und ätherischen Leibes in Gedanken ist. - Also nach zwei bis drei
Tagen hat sich das Erlebnis erst der Erinnerung einverwoben.
Es ist ein ungeheuer interessantes Erlebnis für die imaginative
Erkenntnis, dies wahrzunehmen. Schon die Form, in der sich dieses
ausdrückt, ist bedeutsam. Wir gehen an die äußeren Erdenerlebnisse so heran, daß wir ihnen nach den naturalistischen Gesetzen bestimmte Konturen geben. Wir erleben eben dasjenige, was in unserem Erdendasein vorhanden ist, mit bestimmten Konturen, man
möchte sagen in naturgesetzlicher Form. Diese Naturgesetze werden aufgelöst, indem sich die Erlebnisse eingliedern in das Ätherische. Es geht alles, was hier bestimmte Konturen hat, in - ich
möchte sagen weich Bildliches über. Was ruht, wird bewegt, was
eckig ist, wird gerundet. Es geht alles über aus dem, was man als
intellektueller Mensch erlebt, in dasjenige, was man als künstlerischer Mensch erlebt.
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Das ist der innere Grund, warum in jenen älteren Zeiten, wo die
Menschen das, was ich Ihnen jetzt beschrieben habe, noch instinktiv schauten, die Kunst ganz anders im Leben wurzelte als heute.
Noch selbst in der Renaissance, beim Zurückgreifen auf die alte
Kunst, in Raffael, in anderen Renaissancekünstlern, waren wenigstens Traditionen an dieses Umformen des Intellektualistischen in
das Künstlerische. Denn in dem Augenblicke, wo man hinaufkommt ins Übersinnliche, geht das Intellektuelle in seiner intellektuellen Form sofort verloren, und es verwandelt sich alles in ein
Künstlerisches. Indem die Menschen heute in der Kunst so sehr auf
den Naturalismus angewiesen sind, alles nach dem Modell machen
wollen, zeigen sie, daß sie von dem eigentlichen Künstlertum abgekommen sind. Es muß sich die Menschheit wiederum hineinleben
in dieses eigentliche Künstlertum.
Und so setzt sich, wie ich beschrieben habe, das menschliche
Leben eigentlich so zusammen, daß man immer sagen kann: Ich
habe ein Erlebnis; das flutet durch drei Tage in den ätherischen
Leib hinein. Am nächsten Tag flutet das unmittelbar Erlebte um
einen Tag später hinein. Und so ist der Mensch in bezug auf seinen
ätherischen Leib mit einem Erlebnis sozusagen erst nach zwei bis
drei oder vier Tagen fertig.
Wenn nun der Mensch durch die Pforte des Todes geht, so
trennt sich - was im Erdendasein nie stattgefunden hat - der ätherische Leib von dem physischen Leib. Alles dasjenige, was jeweilig
durch zwei, drei, vier Tage hineinverwoben worden ist in den ätherischen Leib, das wird jetzt in dem vom physischen Leib freiwerdenden ätherischen Leib wiederum aufgelöst. Und die Auflösung
dauert ungefähr ebenso lange, als das Einverweben gedauert hat. Es
zeigt die Imagination, die in der richtigen Weise beurteilen kann,
wie der physische Leib dasjenige, was allmählich hinübergewandert
ist in den Ätherleib, durch seinen Widerstand zusammenhält. Ist
nun der physische Leib im Tode weg, so sieht man in den ersten
Tagen nach dem Tode, wie dasjenige, was sich da in den Ätherleib
hineinverwoben hat, wiederum in den allgemeinen kosmischen
Äther übergeht, sich wiederum auflöst. Und dieses Erlebnis des
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Sich-AuflÖsens des gesamten Erinnerungsgutes, das erlebt der
Mensch nun wiederum zwei, drei, vier Tage nach seinem Tode.
Man kann dies das Ablegen des Atherleibes nennen. Aber dieses
Ablegen ist eigentlich ein Immer-Größer- und Größerwerden der
Erinnerungen; die verlieren die dritte Dimension, werden zweidimensional, werden ganz bildhaft. Und das Gesamttableau seines
Lebens steht vor dem Menschen, in lebendigen Bildern ablaufend,
nachdem er durch die Pforte des Todes geschritten ist, ungefähr
zwei, drei, vier Tage lang, individuell verschieden nach dem einzelnen Menschen.
Aber geradeso wie derjenige, der Botanik studiert hat, dem
Pflanzenkeim ansieht, was für eine Pflanze daraus wird, so sieht
derjenige, der zu imaginativer Erkenntnis gekommen ist, nicht nur
bei dem Tode dieses Übergehen des Ätherischen, das heißt des
gesamten Erinnerungssystems an den Kosmos, sondern er sieht es
schon, wenn es im Bilde vorhanden ist. Und im Bilde ist es immer
beim Menschen vorhanden. Weiß man in der richtigen Weise aufzufassen, was da innert drei Tagen, eventuell mehr, ganz ineinander
übergeht, so sieht man in diesem Einverleiben der Erlebnisse in den
ätherischen Leib bildhaft vorbereitet dasjenige, was zwei, drei, vier
Tage, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten
ist, eben vom Menschen innerlich erlebt wird. Während der
Mensch im Erdendasein mehr oder weniger unbewußt, wenn er
nicht zur imaginativen Erkenntnis kommt, erlebt dieses Involvieren der Erlebnisse in der durch den physischen Leib zusammengehaltenen Erinnerung, erlebt er unmittelbar nach dem Tode das
Evolvieren, das Abwickeln und In-den-Kosmos-Übergehen seiner
Erinnerungen. Was wir also jedesmal zwischen dem Einschlafen
und Aufwachen als unsere Gedankenschätze zurücklassen, das geht
unmittelbar nach dem Tode, sich mit dem Kosmos verbindend,
eben in das ganze Universum über. Das ist dasjenige, was wir im
Sterben zu übergeben haben an das kosmische Dasein.
Diese Dinge muß man nicht nur mit dem Verstande aufnehmen,
sondern auch mit dem Gemüte. Denn man fühlt an einem solchen
Vorgang, wie der Mensch nicht bloß so dasteht, daß er sein Dasein
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egoistisch auffassen darf, sondern wie er dasteht in der Welt und
ein denkendes Wesen ist, aber diese Gedanken nicht bloß etwas
sind, das er bewahren darf, sondern Gedanken etwas sind, das nach
seinem Tode übergehen muß in den ganzen Kosmos, im Kosmos
fortwirkende Kräfte wird. Denken wir gut, so übergeben wir nach
dem Tode unsere guten Gedanken dem Kosmos. Denken wir
schlecht, so übergeben wir nach dem Tode unsere schlechten Gedanken dem Kosmos. Denn der Mensch ist im Erdendasein nicht
bloß da, damit er sich als ein freies Wesen entfaltet - das soll er,
und das kann er gerade auf dieser Grundlage, die außerdem noch
für ihn in Betracht kommt -, er ist auch da, um ein Wesen zu sein,
an dem die Götter selber arbeiten, um den Kosmos von Epoche zu
Epoche zu führen. Und ich möchte sagen: Das, was die Götter als
Gedanken dem Kosmos einzuverweben haben, das müssen sie
zubereiten durch dasjenige, was in dem einzelnen Menschenleben
gedacht und gesonnen werden kann. Da ist die Pflegestätte, jene
Stätte, in der die Götter jene Gedanken pflegen müssen, die sie
fortlaufend bei der Entwickelung der Welt brauchen, um sie als die
eigentlichen Kräfteimpulse ihrem Kosmos einzuverleiben.
Wenn der Mensch in dem Zustande ist zwischen dem Einschlafen
und Aufwachen, so lebt er ja mit seinem Ich und mit seiner astralischen Organisation außerhalb des physischen und des ätherischen
Leibes. In diesem Zustande ist er als seelisch-geistiges Wesen, als
Ich und astralischer Leib den geistigen Kräften, die den ganzen
Kosmos durchziehen, einverwoben. Er ist in derjenigen Welt, die -
wenn ich mich bildhaft ausdrücken darf - außerhalb seiner Haut
ist, er ist in derjenigen Welt, von der er vom Aufwachen bis zum
Einschlafen nur die Sinneseindrücke empfängt. Er tritt also in das
Innere der Dinge ein, die ihm ihre Außenseite während des Wachlebens zeigen. Aber nur dasjenige, was die astralische Organisation
da draußen außer dem physischen Leib und dem Ätherleib erlebt,
das kann zurückgebracht werden in die Gedanken des ätherischen
Leibes. Nicht kann zurückgebracht werden dasjenige, was das Ich
da draußen erlebt. Daher bleiben die eigentlichen Ich-Erlebnisse
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während des ganzen Erdenlebens, jene Ich-Erlebnisse, die im
Schlafe durchgemacht werden, für das gewöhnliche Bewußtsein
und selbst noch für das imaginative Bewußtsein unterbewußt. Sie
werden erst dem inspirierten Bewußtsein offenbar, wie ich es in
diesen Tagen geschildert habe.
So daß wir also sagen können: Für dasjenige, was der Mensch so
erlebt, daß es den Gedanken eingeprägt werden kann, dazu hat er
Kraft genug, im Schlafe gesammelte Kraft genug, um es in den
Ätherleib hinunter einzuprägen. Aber er hat nicht Kraft genug
während seines Erdenlebens für dasjenige, was das Ich vom Einschlafen bis zum Aufwachen erlebt an Wünschen, an Begierden, die
sich anlehnen an die irdischen Erlebnisse, und die eben auch vom
Einschlafen bis zum Aufwachen durchgemacht werden. So daß in
der Tat in unserer Epoche nur der in Gedanken zu verwandelnde
Teil oder der den Gedanken einzuprägende Teil des Schlafeslebens
übergeht in das bewußte Wachleben des Erdenmenschen. Dagegen
bleibt, ich möchte sagen hinter dem Schleier des Daseins, dasjenige
verborgen, was das eigentliche Ich während des menschlichen
Schlafes erlebt.
Nun treten hier Dinge zutage für imaginatives und inspiriertes
Bewußtsein, die zwar durchaus, wenn man unbefangen genug ist,
begreifbar sind für den gesunden Menschenverstand, denen sich
aber gerade in der heutigen Zivilisation ungeheure Vorurteile entgegenstellen. Schon die Tatsache, daß alles das, was hier in der
physischen Welt dreidimensional ist - und in der physischen Welt
wird ja im Grunde genommen alles dreidimensional erlebt -, wenn
es eingeprägt werden soll dem Ätherleib, aus der plastischen in die
bildhafte Form, aus dem Dreidimensionalen in das Zweidimensionale übergeht, schon das zu begreifen verlangt eine Unbefangenheit. Denn in dem Augenblicke, wo wir in die Imagination übergehen, haben wir es nicht mehr mit den drei Dimensionen zu tun
oder gar, wie eine abgeleitete Wissenschaft glaubt, mit vier Dimensionen; wir haben es dann mit zwei Dimensionen zu tun. Die
Schwierigkeit, sich das vorzustellen, was da erlebt wird, die liegt
darinnen, daß man ganz gewöhnt ist, in den Erdenerlebnissen mit
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drei Dimensionen zu rechnen, alles nach drei Dimensionen vorzustellen, und daß man daher, wenn man den Übergang finden soll zu
zwei Dimensionen, sagt: Ja, aber die zwei Dimensionen sind in den
drei Dimensionen drinnen; die zwei Dimensionen der Ebene können so oder so liegen, so daß man dennoch wiederum die dritte
Dimension hätte.
Das hat man eben nicht, sondern die dritte Dimension ist, sobald man in die imaginative Welt hineinkommt, ganz gleichgültig;
ob die Ebene so oder so steht, ist einerlei; die dritte Dimension
hört auf, eine Bedeutung zu haben in dem Augenblicke, wo man in
die ätherische imaginative Welt eintritt. Daher müssen alle Gleichungen für den Äther so transformiert werden, daß sie nicht in
der dreidimensionalen Welt, sondern in der zweidimensionalen
Welt spielen. Das ist nur eine Einschiebung, die ich für Mathematiker sage.
Nun aber, wenn man in die Welt übergehen will, die der Inspiration zugänglich ist, und in der wir als Ich zwischen dem Einschlafen und Aufwachen drinnen sind, dann wird diese Welt eindimensionale Welt. Dann haben wir es überhaupt nur mit einer eindimensionalen Welt zu tun. Und der Übergang zur eindimensionalen Welt, der vorausgesetzt wird von der Fähigkeit der Inspiration,
von der Fähigkeit, das Geistige, in dem wir leben zwischen dem
Einschlafen und Aufwachen, wirklich zu schauen, dieses Verständnis der eindimensionalen Welt, es wurde zu allen Zeiten getragen
von der Initiationswissenschaft.
Ich habe Ihnen geschildert, wie beim Jakob Böhme-Typus die
verborgenen Sonnenkräfte - nicht die äußere physische Licht-Sonnenkraft, sondern die verborgenen Sonnenkräfte - offenbar werden. Diese verborgenen Sonnenkräfte sind nun nicht so, daß sie
sich dreidimensional ausbreiten, sondern die werden nur in einer
Dimension wahrgenommen. Eine ältere, mehr instinktive Initiations-Erkenntnis konnte zu dieser Inspiration vordringen, ohne ein
selbstbewußtes, klares Erkennen davon zu haben, aber sie drang
vor. Und vieles selbst von dem, was noch überliefert ist in den
Urkunden aus älteren Menschheitsepochen, ist nur zu verstehen,
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Veiwaltung Buch:227 Seite: 194
wenn man weiß: Das ist so gemeint, daß es sich auf die geistige, auf
die durch Inspiration zu erlangende, eindimensionale Welt bezieht,
sich bezieht also für unser Erdenleben auf die verborgenen Sonnenund Sternenkräfte. Aber nicht in den offenbaren Sonnenkräften
leben wir zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, sondern in
den verborgenen Sonnenkräften.
Diese verborgenen Sonnenkräfte durchdringen zum Beispiel
gewisse Steine, wenn die physisch offenbaren Sonnenkräfte auch
durch diese Steine nicht durchgehen. Aber indem sie diese Steine
durchdringen, werden sie eindimensional. Und derjenige, der das
Schauen in Inspiration erlangt, der kann dann auch nicht etwa das
physische Licht, aber die verborgenen Sonnenkräfte sehen durch
die sonst undurchsichtigen Steine; so daß die Steine durchlässig
werden für die verborgenen Sonnenkräfte, aber auch durchlässig
werden für die Inspirationskräfte.
In älteren Zeiten, in ganz alten Zeiten der Menschheitsentwickelung auf Erden brauchte man solche Hilfsmittel nicht. Aber als das
alte instinktive Hellsehen, das den Grund der alten Initiations-Erkenntnis gegeben hat, schon im Abnehmen war, da griff man zu
solchen Hilfsmitteln, ich möchte sagen, zu Abbreviaturen, um dasjenige, was nun nicht mehr durch instinktiv inspirierte Erkenntnis
zu schauen war, um das doch zu schauen. Und da konnte man zum
Beispiel zu solchen Abbreviaturen greifen: Denken Sie sich, man
stellt eine Anzahl von Steinen zusammen - ich zeichne sie zunächst
so, wie wenn sie von oben angeschaut würden. Jetzt zeichne ich sie
von der Seite. Jetzt lege ich einen Stein darüber, von der Seite gezeichnet, so. Wenn nun dieses auf eine solche Art angebracht wird,
daß man bei gewissen Gelegenheiten die durchgehenden Sonnenstrahlen hat, so daß sie auffallen auf den Deckstein, dann werden
von dem Deckstein die physischen Sonnenstrahlen aufgehalten, die
verborgenen Sonnenstrahlen gehen durch (siehe Hinweis).
Wenn sich dann derjenige, der sich dazu trainiert hat, aufstellt
und nun von der Seite durchschaut, so sieht er die geistigen, eindimensionalen Sonnenstrahlen einfallen und in die Erde hinein verschwinden. Wenn man also eine solche Abbreviatur in den Zeiten,
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 227 Seite: 195
in denen das nicht mehr unmittelbar wahrnehmbar war durch instinktive Hellseherkräfte, aufstellte, so war man in der Lage, in
dem kleinen Schattenraum, der sich ergab, indem man von der Seite
hinschaute, diejenige Welt der geistigen Sonnenstrahlen wahrzunehmen, in der der Mensch schläft jede Nacht, das heißt, diejenige
Welt anzuschauen, die der Mensch durchlebt jedesmal zwischen
dem Einschlafen und Aufwachen. So daß man also in solchen
Vorrichtungen, die einem ja gerade hier in dieser Gegend entgegentreten, dasjenige sehen kann, wodurch in einer Übergangszeit, die
aber lange dauerte, von einer gewissen Art von weisen Führern der
Menschheit versucht wurde, einzudringen in die verborgenen Sonnenkräfte, gerade in dasjenige, wodurch wiederum ein Mensch wie
Jakob Böhme instinktiv durch das bloße Anschauen der irdischen
Dinge eingedrungen ist.
Auch wenn man solche Steinzusammenstellungen heute an den
geeigneten Orten sieht, so ist ihr eigentlicher Sinn nur zu erklären
aus dem, was die Geisteswissenschaft ergeben kann. Sonst wird
man selbst über diese Dinge mit einer äußerlichen, nicht die Sache
treffenden Erklärung hinweggehen.
Man kann natürlich dann solche Steine auch so aufstellen, daß
sie, im Kreise verteilt, die besondere Differenzierung der geistigen
Sonnenstrahlen nach den einzelnen Sternbildern zeigen.
Ich habe versucht begreiflich zu machen, in welcher Welt unser Ich
lebt zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Diese Welt ist
nicht zusammengehalten von dem, was in den Kräften des physischen und des ätherischen Leibes liegt. Nun kommen aber von
diesem physischen und ätherischen Leibe, die überhaupt das klare
Bewußtsein allein bewirken bei den Erdenmenschen, die Beurteilungen, die wir gefühlsmäßig und auch willensmäßig über unsere
eigenen Taten, über unsere eigenen inneren Erlebnisse und über
unsere Gedanken prägen. Wir urteilen daher, wenn wir wachen,
über unser äußeres Leben so, wie wir es eben können, je nachdem,
was wir imstande waren, unserem physischen und unserem ätherischen Leib einzuprägen an Gedanken. Aber es sagt zu dem, was
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CopyrightRudolfSteinerNachlass-VerwaltungBuch:227Seite:196
wir erleben, nicht bloß unser eigenes Selbst etwas, es sagt zu dem,
was wir erleben und was wir tun, der ganze geistige Kosmos etwas.
Der urteilt. Der heißt eine Handlung, einen Gedanken, eine Empfindung gut oder böse. Was wir zwischen dem Aufwachen und
Einschlafen selber urteilen über das, was wir als Mensch sind, das
sagen eben wir. Dasjenige, was der Kosmos, der Geistgehalt des
Kosmos, der, wie ich ja in diesen Vorträgen genügend dargestellt
habe, das Moralische wie Naturgesetze in sich schließt, zu unserem
Menschenwesen, zu unseren Menschentaten sagt, das macht das
Ich durch zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Und dieses
Ich erlebt - so zeigt es sich der Inspiration - auch für den kürzesten Schlaf noch einmal alles dasjenige, was der Mensch durchgemacht hat vom letzten Aufwachen bis zu dem Einschlafen, durch
das er eben zu diesem Schlaf gekommen ist, sei er kurz oder sei er
lang, in dem er sich jeweilig befindet. So daß der Mensch, wenn das
die aufeinanderfolgenden Zustände sind: Wachen, Schlafen, Wachen, Schlafen, im Schlafe immer wiederum erlebt das, was er in
der letzten Wachensperiode durchgemacht hat, insbesondere insofern er es selber durchgemacht hat.
Dieses Erleben bleibt, insofern es Erleben des Ich ist, für das
gewöhnliche Erdenbewußtsein zunächst unbewußt. Die Inspiration kann es herauf rufen in das Bewußtsein. Dann stellt sich die
besondere Natur dieses Erlebten gerade dar. Dann sieht man ein,
wie dieses Erleben ist. Nun, dieses Erleben ist so, daß man es gerade in der entgegengesetzten Richtung von derjenigen durchmacht, die man bei Tag durchlebt. Wenn Sie also bei Tag Ihre
Erlebnisse durchmachen - ich will jetzt kürzere Schlaferlebnisse
ausschließen - vom Morgen bis zum Abend, so durchleben Sie
während der Nacht schlafend rücklaufend Ihre Erlebnisse vom
Abend bis zum Morgen, richtig rücklaufend. Sie werden so durchlebt, daß das durchlebt wird, was der Kosmos, der Geistkosmos zu
unseren Tageserlebnissen sagt.
Aber das kann während des Erdenlebens für den gegenwärtigen
Menschen überhaupt nicht ins Bewußtsein hereingerufen werden.
Aber es muß ins Bewußtsein kommen, sonst würde der Mensch in
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seinem Dasein herausfallen aus dem kosmischen Dasein. Die inspirierte Erkenntnis zeigt nun auch, daß in dem Augenblick, wo nach
dem Tode der Mensch, wie ich gesagt habe, zwei, drei, vier Tage
lang jenes Tableau überschaut hat, die Erinnerungen hinausevolviert werden in den Kosmos, und daß dann, nachdem dieses Erlebnis der auf den Tod folgenden zwei, drei, vier Tage erfolgt ist,
während welcher die Ausbreitung der Erinnerungen geschieht -
was man oftmals auch nennt das Loslösen des Ätherleibes -, eine
Zeit beginnt für den Menschen, in der er in anderer Weise noch
zurückschauen kann auf das Erdenleben als vorher.
Wenn wir diese zwei, drei, vier Tage etwa nach dem Tode nehmen, so zeigt sich ein mächtiges Lebenstableau. Aber in diesem
Lebenstableau ist nur dasjenige zunächst drinnen, was man während der Tage, während der Wachensperiode erlebt hat. Aber der
Mensch hat ja in Wirklichkeit nicht bloß das durchgemacht, was er
in seinen Wachensperioden durchgemacht hat, sondern auch dasjenige, was er in seinen Schlafensperioden durchgemacht hat. Wenn
Sie zurückschauen in dem gewöhnlichen Erdenleben auch durch
die gewöhnlichen Erinnerungen, so lassen Sie immer Ihre Schlafensperiode aus. Sie schauen so zurück, als ob Sie den 25. August
1923 erlebt hätten, aber nicht die Nacht, in Ihren inneren Erlebnissen. Dann stückeln Sie gleich an den 25. Tag nicht die Nachterlebnisse an, die entziehen sich ja Ihrem Bewußtsein, sondern den 24.,
den 23. August und so fort bis zu dem Zeitpunkte nach Ihrer
Geburt, an den Sie sich nicht erinnern.
Das ist es ja in der Tat, was auch in der Zeit zwei bis drei Tage
nach dem Tode auftritt. Nachher tritt diejenige Periode auf, wo das
Seelisch-Geistige nach dem Tode nun stark genug geworden ist, um
in der geistigen Welt das zu erleben, was es nur unbewußt im Bilde
ausgestalten konnte jedesmal zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Das tritt als Erlebnis auf. Und der Mensch durchlebt nun
ungefähr ein Drittel seines Lebens, denn das ungefähr verschläft der
Mensch im normalen Erdenleben. Daher geht jetzt der Mensch
durch eine Periode durch nach seinem Tode, wo er seine Nächte
rücklaufend durchlebt ungefähr ein Drittel seines Lebens lang, entCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 27 Seite: 198
sprechend der Zeit des Erdenlebens. Da wird das menschliche Leben rücklaufend noch einmal durchlebt, erst die letzte Nacht, dann
die vorletzte, dann die drittletzte Nacht, und so fort, bis wir bei der
Geburt beziehungsweise Empfängnis angekommen sind.
Von anderen Gesichtspunkten aus habe ich dieses Durchgehen
des Menschen rücklaufend durch eine ganz andere Welt nach dem
Tode geschildert in dem, was ich in meiner «Theosophie» ausgeführt habe als Durchgang des menschlichen seelisch-geistigen
Wesens durch die Seelenwelt.
Nun, nachdem der Mensch auf diese Weise durch die Seelenwelt
gegangen ist - wenn er im Leben zwanzig oder einundzwanzig
Jahre geworden ist, sind das nach dem Tode etwa sieben Jahre,
wenn er sechzig Jahre geworden ist, etwa zwanzig Jahre; das ist
genau ebenso lang, als er vom Leben hier auf der Erde verschlafen
hat -, da steht er nun davor, dasjenige zu erleben, was durch sein
ganzes Wesen aus jenem Erdendasein geworden ist, das ja die
Götter geschaffen haben, um mit Hilfe des Menschengeschlechts
die Welt wiederum um ein Stück vorwärtszubringen. Bis zum
Ende dieses Rückwärtserlebens der Nächte hat der Mensch erfahren nach dem Tode, was aus ihm geworden ist, und was er bedeutet
für den Kosmos. Jetzt hat der Mensch zu erleben, was durch sein
Leben für die Erde selbst geschehen ist. Das erfordert lange Zeit -
wir werden morgen genauer darüber zu sprechen haben -, das füllt
die Hälfte der Zeit aus zwischen dem irdischen Tode und einem
neuen Erdenleben.
Zunächst kommen wir, wenn wir die Nachte rückwärtsgehen,
bei der Geburt an. Wenn wir da angekommen sind, wenn wir die
Seelenwelt durchwandelt haben und bei unserer Geburt wiederum
rücklaufend angekommen sind - wir gehen in der Zeit zurück nach
dem Tode -, dann haben wir den Weg bis zu unserem vorigen
Erdenleben durchzumachen. So daß der Mensch dann sein vorhergehendes Erdenleben mit hinübernehmen kann, gestaltend für ein
weiteres, ein drittes Erdenleben. Der Mensch muß also nicht nur
bis zu seiner Geburt zurückgehen, nachlebend nach dem Tode,
sondern bis zu seinem vorangehenden Erdenleben.
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Damit betreten wir ein Gebiet der alten Initiations-Wissenschaft, die heute erneuert werden muß in der Weise, wie es den
gegenwärtigen Menschenfähigkeiten angemessen ist, wo diese Initiations-Wissenschaft die Erkenntnis übergeführt hat in das religiöse Erleben des Menschen. Denn Initiations-Wissenschaft ist
immer wirkliche Erkenntnis, aber eine solche Erkenntnis, die aus
der sinnlichen Welt in die geistige hinüberführt, so daß sie den
Willen des Menschen in der Art anregen kann, daß dieser Wille
eben religiös gestaltet wird. Und da war es für die Initiations-Wissenschaft aller Zeiten eine sehr wichtige Erfahrung, die sich der
dritten Art der Erkenntnis, die ich in diesen Tagen charakterisiert
habe, der intuitiven Erkenntnis, ergibt, daß es für den Menschen
von ganz besonderer Wichtigkeit ist, daß er, indem er nun rückwärtswandelt durch das Leben bis zu seinem vorigen Erdenleben,
auf diesem Wege rückwärts trifft irgendein Wesen, das ihm Führer
werden kann nach dem Tode.
Auf einem gewissen Erdengebiete haben sich die Menschen gesagt: Ich muß aufnehmen im Erdenleben die Lehren des letzten
Bodhisattva, der auf Erden erschienen war. Der Mensch hat vielleicht gelebt, sagen wir, dreihundert Jahre nach dem Erscheinen des
Bodhisattva. Aber nachdem er nach dem Tode zurückgewandert ist
bis zu seinem vorigen Erdenleben - denn dieses Zurückwandern,
dieses Leben zwischen Tod und neuer Geburt dauert eben länger
-, gelangte er noch zu derjenigen Zeit, in der der letzte Bodhisattva
auf Erden war. Und dem Begegnen mit dem letzten Bodhisattva
schrieb man es in der alten Initiations-Wissenschaft zu, daß der
Mensch wirklich finden kann die Anknüpfung an sein vorhergehendes Erdenleben, das heißt, Kraft finden kann zum ewigen
Leben, die nur gefunden werden kann, wenn an das vorhergehende
Erdenleben angeknüpft werden kann.
Diese Möglichkeit, zu treffen auf die Bodhisattvas, die von gewissen Regionen des Geistigen heruntersteigen ins Irdische, hörte
in einem bestimmten Zeitmomente der Menschheitsevolution, der
Weltenentwickelung, auf. Und heute wäre der Mensch in einer
solchen Lage, daß, wenn er nach dem Tode durchgemacht hat jenes
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Rücklaufen bis zu seiner Geburt beziehungsweise Empfängnis, er
dann weiter den Weg suchen würde rückwärts bis zu den vorigen
Erdenleben, und er würde nicht finden können die Anknüpfung an
die vorigen Erdenleben.
Sehen Sie, diese Anknüpfung konnte man finden in den ersten
Jahrtausenden der Erdenentwickelung vor dem Mysterium von
Golgatha, indem man beim Zurückwandern auf das Zeitalter des
letzten Bodhisattva traf. Heute nützt es den Menschen nur, wenn
sie dieses Zurückwandern unter der Führerschaft desjenigen Wesens, das durch das Mysterium von Golgatha sich mit der Erde
vereint hat, durchmachen, das heißt mit anderen Worten, wenn
eine solche Beziehung des Menschen zum Mysterium von Golgatha eintritt, daß der Christus der Führer werden kann für die
Menschen, weil der Christus zusammenfaßt dasjenige, was an Führergewalten immer vorhanden war für das Leben zwischen dem
Tode und einer neuen Geburt durch die auf der Erde erscheinenden Bodhisattvas.
So ist also das Eintreten des Mysteriums von Golgatha gerade für
die Erlebnisse zwischen dem Tode und einer neuen Geburt mit eine
der wichtigsten Tatsachen in der ganzen Erdenevolution. Will man
daher die geistige Evolution der Erde und das Hereinstellen dieser
geistigen Evolution der Erde in die geistige Evolution des Kosmos
kennenlernen, und will man wiederum verstehen, was im Zusammenhange mit dieser geistigen Evolution von Erde und Kosmos der
Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in seinem geistigen Leben nach dem Tode durchmacht, dann muß man hineinstellen in die ganze Weltenentwickelung das Mysterium von Golgatha. So daß für den heutigen Menschen der Übergang gefunden
werden muß von der Beobachtung der Evolution des Menschen zu
der Beobachtung der Evolution der Welt, indem mit angeschaut
wird bei diesem Übergang das Mysterium von Golgatha in seiner
ganzen fundamentalen Bedeutung für die Geschehnisse der Erdenevolution und der Menschheitsevolution innerhalb des Irdischen.
Von diesen Dingen, insofern sie durch die moderne InitiationsWissenschaft nun enthüllt werden können, die sich abspielen in
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Anknüpfung an dasjenige, was der Mensch, nachdem er die Rückerinnerung an seine Nachterlebnisse gehabt hat, weiter nach dem
Tode erlebt, von diesen Erlebnissen des Menschen nach dem Tode
soll nun der morgige Vortrag im Zusammenhange mit der Weltentwickelung handeln. |