Die Erlebnisse zwischen dem Tode und einer neuen Geburt
NEUNTER VORTRAG, Penmaenmawr, 27. August 1923
Übergang vom Physischen zum Moralischen. Schönheit beruht auf Schmerz. Sphäre der drei ehernen Notwendigkeiten (ägyptische Mysterien). «Ex deo nascimur». Christus als Führer: «In Christo morimur». Geistes-Erwachen: «Per spiritum sanctum reviviscimus». Umkehrung der Zeit nach dem Tode. «Das Rad der Geburten». Gefahr, den Zusammenhang mit der geistigen Welt zu verlieren. Autos und Schreibmaschinen. Gegengewicht durch geistige Arbeit erforderlich.
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Menschen, wie sie gewissermaßen die Vorverkündigungen der Erlebnisse nach dem Tode sind, zu skizzieren. Diese Erlebnisse, die
der Mensch im Schlafe durchmacht, liegen durchaus jenseits der
sogenannten Schwelle, die wir ja öfters in diesen Tagen erwähnt
haben. Und das, was ich zu schildern haben werde, sind wirkliche
Erlebnisse eines jeden Menschen auch für den Schlaf, nur daß sie
als Erlebnisse während des Erdenlebens nicht in das gewöhnliche
Bewußtsein heraufkommen, sondern nur in die Imagination, Inspiration und Intuition. Aber wir dürfen deshalb durchaus nicht etwa
glauben, daß diese Erlebnisse, obwohl sie nicht ins Bewußtsein
eintreten, nicht da wären. Sie sind da. Der Mensch macht sie durch.
Es ist so, wenn ich mich eines Bildes bedienen darf, wie wenn der
Mensch mit verbundenen Augen durch ein Zimmer geführt wird:
Er sieht die Dinge nicht, aber er muß gehen, muß die Anstrengungen des Gehens machen, er kann im Zimmer mancherlei erleben,
das er nur nicht sieht. So ist gewissermaßen das, was ich gerade für
die Zeit zwischen dem Einschlafen und Aufwachen zu schildern
haben werde, für das Bewußtsein in Finsternis getaucht, weil das
Bewußtsein dafür blind ist. Aber, wie gesagt, es wird vom Menschen durchaus durchlebt, durchgemacht, und es treten die Wirkungen des im Schlafe Erlebten während des Wachlebens durchaus
ein. So daß wir dasjenige, was der Mensch vom Aufwachen bis zum
Einschlafen durchmacht, nur richtig verstehen, wenn wir es ansehen als ein Zusammenwirken dessen, was als Nachwirkung des
letzten Schlafes zusammenkommt mit demjenigen, was sich dann
durch physischen Leib und Atherleib während des Tages vollzieht.
Wenn der Mensch nun einschläft, dann kommt über ihn
zunächst eine Art unbestimmter Angst. Diese Angst wird im
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gewöhnlichen Erdenleben eben nicht ins Bewußtsein heraufgehoben, nicht vorgestellt, aber sie ist als Vorgang im menschlichen
Astralleib und im menschlichen Ich vorhanden, und der Mensch
trägt die Folgen seiner Angst während des Schlafes durchaus in den
Tageszustand mit herüber. Würde er nicht diese Angst mit herübertragen, würde diese Angst nicht als Kraft während des wachen
Lebens im physischen und im Ätherleib wirken, dann würde der
Mensch nicht in der Lage sein, seine physische Konstitution zusammenzuhalten, so zusammenzuhalten, daß sie zum Beispiel in
der richtigen Weise Salze und ähnliche Stoffe absondert. Die Absonderung, die für den Organismus notwendig ist, die ist durchaus
eine Wirkung der unterbewußten Angst während des Schlaflebens.
Wir treten also ein, indem wir einschlafen, zunächst in eine Sphäre,
ich möchte sagen, der Ängstlichkeit.
Dann tritt ein Zustand der Seele ein, der so ist wie ein fortwährendes Hinüber- und Herüberschwingen von einem innerlich beruhigten und einem innerlich unberuhigten Zustande, ein Hinüberund Herüberschwingen so, daß der Mensch in jedem Augenblicke,
wenn er bewußt diesen Zustand durchleben würde, glauben könnte, daß er in eine Art von Ohnmacht versinkt und dann wiederum
aus dieser Ohnmacht erwacht. Also ein Herüberpendeln zwischen
Sich-Halten und Ohnmächtigsein, das ist es, was die Angst
durchsetzt.
Und das dritte ist das Gefühl, vor einem Abgrunde zu stehen,
keinen Boden unter den Füßen zu haben und in jedem Momente
versinken zu können.
Sie sehen, daß schon hier im Momente, wo der Mensch einschläft, die Dinge beginnen, im Weltenall aus dem Physischen sich
herauszuheben und in das Moralische unterzutauchen. Denn der
zweite Zustand, in den wir da schlafend eintauchen, läßt sich
eigentlich nur beurteilen, wenn wir kosmisch-moralische Gesetze
gleich den auf der Erde sonst wirksamen naturalistischen Gesetzen
anerkennen, wenn wir sie mit derselben Sicherheit, wie wir uns
sagen, ein Stein fällt zur Erde, oder die Dampfmaschine wird durch
den Dampf vorwärts getrieben, wenn wir sie mit derselben Realität
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empfinden. Doch wird der Mensch in seinem gegenwärtigen Erdenleben, weil er eben in diesem nur einen bestimmten Grad von
Stärke hat, durch die gütige Weltenlenkung davor behütet, jetzt
schon im Erdenleben mit seinem vollen Bewußtsein dasjenige zu
erleben, was er eigentlich unbewußt jede Nacht durchmacht.
Es ist eben durchaus im Kosmos so eingerichtet, daß auch diejenigen Dinge, die uns in höchster Schönheit entgegenstrahlen, in
herrlichstem Glänze, ruhen müssen auf Schmerz, Leid, Entbehrung; und gewissermaßen im Hintergrunde von all dem, was im
Vordergrunde schön erscheint, steht eben Schmerz, Entbehrung.
Das ist so notwendig im Weltenall, wie notwendig ist, wenn wir ein
Dreieck aufzeichnen, daß die Winkelsumme 180 Grad ist. Und der
ist eigentlich einfältig, welcher demgegenüber die Frage stellt:
Warum haben die Götter den Kosmos nicht so eingerichtet, daß er
nur zum menschlichen Wohlgefallen erscheint? Das Sein wirkt
eben Notwendigkeiten. Das wurde ja schon empfunden zum Beispiel innerhalb der ägyptischen Mysterienlehre, welche das bewußte Wahrnehmen desjenigen, was da im Schlaf auftrat, der Angst des
Hin- und Herschwingens zwischen Sich-Halten und Ohnmächtigsein, des Vor-dem-Abgründe-Stehens, die Welt der drei ehernen
Notwendigkeiten nannte. Die ägyptische Mysterienlehre, die aus
alter instinktiver Hellseherkunst heraus von solchen Dingen noch
wußte, hat daher gesagt: Wenn der Mensch bewußt in diejenige
Welt eintritt, in die er jede Nacht während des Schlafes unbewußt
eintritt, so muß er in die Sphäre der drei ehernen Notwendigkeiten
getaucht werden.
Was da der Mensch erlebt, erzeugt nun in ihm wiederum unbewußt eine tiefe Sehnsucht, die Sehnsucht nach dem Göttlichen, das
er dann erlebt als ausfüllend, durchdringend, penetrierend den ganzen Kosmos, wie er ihn jetzt erlebt, denn der Kosmos selber löst
sich auf in eine Art von schwebenden, webenden, sich bewegenden
Wolkengebilden, könnte man sagen, in denen man drinnen lebt, in
denen man in jedem Augenblicke lebend sich fühlen könnte, aber
ebensogut in jedem Augenblicke in diesem ganzen Weben und
Leben untergehen könnte. Da fühlt der Mensch sein Verwobensein
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mit dem die Welt durchwebenden, durchwellenden, durchbewegenden Göttlichen. Und jenes pantheistische Gottesgefühl, das bei
jedem gesunden Menschen auftritt während des wachen Tageslebens, ist eine Nachwirkung, eine Konsequenz desjenigen, was unbewußt im Schlafe als dieses pantheistische Gottesgefühl erlebt
wird. Und der Mensch empfindet tatsächlich da seine Seele angefüllt mit einer, man möchte sagen, aus Angst und Ohnmacht heraus
geborenen inneren, eben unbewußten Überzeugung, aber zu gleicher Zeit mit demjenigen, was ihm statt des äußeren Schwerpunktes der physischen Wirkungen einen inneren Schwerpunkt gibt.
Innerhalb der rosenkreuzenschen Geheimlehre wurde dasjenige,
was da den Menschen überkommt, wenn er in die Sphäre der drei
ehernen Notwendigkeiten untertaucht, zum Ausdrucke gebracht.
Es wurde den Schülern gedeutet, was sie eigentlich nach dem Einschlafen unmittelbar erleben. Es wurde ihnen zum Bewußtsein
gebracht: Da versinken eure Tageserlebnisse in sich bewegende,
aber Wesenhaftes offenbarende, schwebende Wolkengebilde. Ihr
selbst werdet verwoben mit diesen Wolkengebilden, in Angst und
Ohnmachtmöglichkeit in ihnen stehend über einem Abgrunde.
Aber ihr habt dasjenige gefunden, was ihr euch jetzt in drei Worten
zum Bewußtsein bringen sollt, die eure ganze Seele durchweben
sollen: Ex Deo nascimur.
Dieses bei dem gewöhnlichen Bewußtsein unbestimmte, bei den
Schülern der neuen Mysterien ins Bewußtsein heraufgehobene Ex
Deo nascimur, das ist dasjenige, was der Mensch zunächst erlebt,
wenn er aus dem wachenden Zustande hinüberkommt in den schlafenden Zustand.
Wir werden im weiteren Verlauf dieser Vorträge sehen, wie dieses Ex Deo nascimur zu gleicher Zeit in der Weltentwickelung der
Menschheit eine historische Rolle spielt. Die Rolle aber, die ich
Ihnen hier schildere, ist die persönliche, individuelle, die es im
Leben jedes einzelnen Menschen hier im Erdendasein spielt.
Wenn dann der Mensch weiterschläft, dann tritt zunächst dasjenige ein, daß der gewohnte Anblick, den er hier von der Erde aus
für den Kosmos hat, aufhört; während der Mensch hier auf der
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Erde steht, nächtlich die Sterne hat, die herunterglänzen und herunterleuchten, den Mond hat, tags die Sonne hat, deren Wirkungen
in seine Sinne fallen, sieht er in einem gewissen Zeitpunkte des
Schlafens wie verschwinden diese ganze Sternenwelt. Die Sterne
hören auf, physische Wesen zu sein. Aber da, wo die Sterne für den
Sinnesanblick physische Wesen waren, da treten gewissermaßen
aus der Sternenstrahlung heraus - die Sternstrahlung selber verschwindet - die Sternengenien, die Sternengeister, die Sternengötter. Und der Kosmos verwandelt sich in dasjenige, was dann für die
bewußte Inspiration wahrnehmbar ist, in ein sprechendes Weltenall, in ein Weltenall, das sich durch die Sphärenmusik und durch
das Weltenwort kundgibt. Geistlebende Wesen bilden den Kosmos, statt des Sinnenkosmos, der hier vom Gesichtspunkte der
Erde aus gesehen werden kann.
Hier geht der Mensch so durch, daß er, wenn er das, was er
erlebt, sich zum Bewußtsein bringen könnte, in der Tat so empfinden würde, wie wenn die Welt zu dem, was er ist als Menschenwesen durch seine guten, durch seine bösen Taten, von allen Seiten
des Geistesalls herunter das Urteil spräche. Der Mensch fühlt sich
da auch in seinem Menschenwert als eins mit dem Kosmos.
Aber zunächst ist das, was ihn befällt - wenn er es bewußt
erleben konnte, wie es die Inspiration erlebt, würde er das merken -, es ist verwirrend. Der Mensch braucht einen Führer. Im
gegenwärtigen Zeitalter der Menschheitsentwickelung tritt dieser
Führer ein, wenn der Mensch in diesem Erdenleben in seiner Seele,
in seinem Herzen die Beziehungen zu dem Mysterium von Golgatha gewoben hat, wenn er innerhalb des Erdenlebens sein Verhältnis gewonnen hat zu dem Christus, der als Jesus durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Und das Gefühl, das da den
Menschen im unmittelbar gegenwärtigen Zeitalter erfaßt - welche
Gefühle den Menschen in anderen Zeitaltern erfaßt haben, davon
will ich dann morgen sprechen -, das Gefühl, das den Menschen im
gegenwärtigen Zeitalter erfaßt, ist dasjenige, daß seine verwirrte
Seele sich auflösen müßte in der Sphäre, die er jetzt betritt, wenn
das Wesen, das in seine Vorstellungen, in seine Gefühle, in seine
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herzlichen Impulse sich eingelebt hat, wenn das Christus-Wesen
nicht in dieser Sphäre ihm der Führer würde.
Und es ist wiederum so, daß das Gefühl des herannahenden
Christus, der der Führer wird, und den man sich vorzustellen hat
in dieser Sphäre als ebenso zusammenhängend mit dem Sonnenleben, wie der Mensch selbst mit dem Erdenleben zusammenhängt,
daß dieses Herannahen des Christus so empfunden wird, wie es
wiederum eine mittelalterliche Schule, eine mittelalterliche Mysterienschule ihren Schülern wachend vor die Seele geführt hat in
dem: In Christo morimur. Denn es ist das Gefühl, daß die Seele
ersterben müßte, wenn sie nicht in Christus erstürbe, und dadurch
für sie der Seelentod zum kosmischen Leben würde.
Und so lebt sich der Mensch in den Schlaf hinein und durch den
Schlaf durch. Und indem er die kosmischen Sterne als Wesenhaftes
wahrgenommen hat, indem er in dieser ihm ungewohnten Umgebung war, tritt in ihm nun die Sehnsucht auf, weil er mit Bewußtsein nicht erwachen kann in dieser Sphäre, wiederum in die Sphäre
des Bewußtseins zurückzugelangen. Das ist dann der Grund des
Aufwachens. Das ist die Kraft, die uns aufwachen macht. Und man
hat die Empfindung, die wiederum nur nicht zum Bewußtsein
kommt, daß man durch das, was man aus den Sternen gesogen hat,
eigentlich aus den Sternenwesen, den Sternengöttern gesogen hat,
daß man dadurch nicht geistlos aufwacht, sondern den Geist, der in
der Seele wohnt, mitbringt in das körperliche Dasein des Tages.
Dieses Gefühl, das das dritte Glied der nächtlichen Erlebnisse
bildet im persönlichen Erleben des Menschen im Erdendasein, das
wurde wiederum in einer mittelalterlichen Mysterienschule den
Schülern zum Bewußtsein gebracht in dem dritten Spruche: Per
Spiritum Sanctum reviviscimus.
So daß dieses dreigliedrige Durchleben der geistigen Welt jenseits des Hüters der Schwelle, der eben nur vom gegenwärtigen
Menschen ignoriert wird, als drei Schritte zu empfinden ist, die zu
gleicher Zeit dasjenige in die menschliche Seele einprägen, was man
im wahren Sinne die Trinität nennen kann, welche das geistige
Leben durchtränkt und durchwebt und durchlebt.
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Was ich Ihnen hier geschildert habe, erlebt der Mensch allnächtlich im Bilde. Und in dieses Bild weben sich die Erlebnisse hinein,
die er während des Tages durchgemacht hat, rückwärtsgehend.
Geradeso wie wir unsere Erlebnisse hier auf der Erde verwoben in
die Ereignisse der Naturvorgänge während unseres Wachens auf
Erden finden, so finden wir während dieses Rückwärtserlebens
während der Nacht dasjenige, was wir wiederholen, rückwärtsgehend, verwoben in die Erinnerungen der Sternenwelt. Aber all
das ist zunächst Bild.
Realisieren kann es sich erst, nachdem der Mensch durch die
Pforte des Todes gegangen ist. Hier auf dieser Erde ist es, rückwärts erlebt, Bild. Realisiert wird es, wenn wir jene Rückschau, die
ich gestern geschildert habe, nach drei, vier Tagen vollendet haben
und nun in Wirklichkeit, nicht bloß bildhaft, wie es jede Nacht
geschieht, in die geistige Welt eintreten.
Wenn man die Vorgänge, die nun der Mensch bewußt durchlebt,
nachdem er durch die Pforte des Todes gegangen ist, sich richtig
verständnisvoll vor die Seele rücken will, so muß man das folgende
berücksichtigen. Die Götter, das heißt die geistigen Wesen,
welchen wir begegnen - ich möchte sagen aus den verwandelten,
metamorphosierten Sternen -, die leben in einer ganz anderen kosmischen Richtung als wir Erdenmenschen während unseres Erdendaseins. Ich sage damit eine sehr bedeutsame Wahrheit über die
geistigen Welten, eine Wahrheit, die nur gewöhnlich selbst da, wo
mehr theoretisch und weniger anschaulich von den geistigen Welten die Rede ist, nicht berücksichtigt wird. Wir Erdenmenschen
tragen in unserem Erdendasein dann, wenn wir bewußt sind, einen
physischen und einen ätherischen Leib an uns. Dieser physische
und dieser ätherische Leib sind so eingerichtet, daß wir unser Erleben so haben, daß wir von dem Früheren zu dem Späteren leben,
daß wir uns also in der Zeit in einer gewissen Strömung befinden.
Ich will diese Strömung mit einer roten Pfeillinie bezeichnen (siehe
Schema a). Das ist die Eigentümlichkeit unseres physischen und
Ätherleibes, daß sie im Kosmos diese Richtung haben (roter Pfeil
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von links nach rechts). Wenn dieses (siehe Schema b) unser physischer Leib ist (Kreis rot) und dieses unser Ätherleib (Kreis gelb), so
bewegen sich physischer Leib und Ätherleib in dieser Richtung
(Pfeil b von links nach rechts). Und unser ganzes Erleben in der
Welt geschieht, sofern wir Menschenwesen sind, in dieser Richtung.
h) jefh •
Diejenigen Wesenheiten, denen wir begegnen, wenn wir in das
Dasein hinaufrücken zwischen dem Tode und einer neuen Geburt,
wo wir das Erleben realisieren, was wir hier während des Schlafes
im Bilde erleben, bewegen sich in der entgegengesetzten Richtung.
Sie kommen uns fortwährend entgegen. So daß im Verhältnis zu
dem, was wir im Erdenleben die Zeit nennen, wir sagen müssen:
Die Götter tragen Geistleiber an sich, meinetwillen Lichtleiber, mit
denen sie sich aber von der fernsten Zukunft gegen die Vergangenheit hinbewegen. So daß also die Götter sich in dieser Richtung
bewegen (Pfeil von rechts nach links, Schema C).
- Geistasmensct)
7 •vV
Und wenn wir in die Zeit eintreten, die wir verbringen zwischen
dem Tode und einer neuen Geburt, so nehmen wir ebenso, wie wir
hier auf Erden aus den physischen Substanzen unseren physischen
Leib annehmen, beim Durchgange durch die Zeit zwischen dem
Tode und einer neuen Geburt die göttlichen Leiber an. Wir umCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 27 Seite: 210
kleiden uns da mit den göttlichen Leibern; wir umkleiden uns da
mit dem göttlichen Leibe desjenigen, was ich in meiner «Theosophie» den Geistesmenschen und den Lebensgeist genannt habe. So
daß also wir selber, indem wir durch die Pforte des Todes treten,
anlegen einen Lebensgeist (weiß) und einen Geistesmenschen
(grün), aber dadurch die umgekehrte Richtung im Weltenall bekommen und nach dem Tode zunächst unser Leben zurückleben
bis zu der Geburt, beziehungsweise bis zur Empfängnis hin.
Wir sind also im Leben hier auf Erden von der Geburt oder
Empfängnis gegangen - wenn ich dasjenige, was gerade verläuft,
nun als Kreis zeichne, um uns die Sache zu verdeutlichen -,
Geburt' ^ /ad
'„Ö&s
wir sind gegangen während unseres Erdendaseins in dieser Richtung (obere Hälfte des Kreises) und gehen nach dem Erdendasein
in dieser Richtung zurück (untere Hälfte des Kreises) bis zu unserem zeitlichen Geburts- oder Empfängnisorte. Geradeso wie
wenn wir von unserer Heimat einen Ausgang machen, uns zu irgendeinem Orte hinbegeben und wiederum zurückgehen, wir dann
im Räume gewissermaßen einen Umkreis beschreiben, so beschreiben wir der Zeit nach - denn in dieser Welt, in die wir eintreten,
ist kein Raum mehr, ist aber die Zeit noch vorhanden - einen Hinund Hergang, so daß wir hingehen zwischen Geburt und Tod, und
zunächst, nachdem wir zwischen Geburt und Tod das durchgemacht haben, rückwärtsgehend durchlaufen die nächtlichen Erdenerlebnisse als geistige Realitäten, bis wir zu unserem Ausgangszeitorte wieder zurückkommen. Wir haben den ersten Umkreis vollendet von denjenigen Umkreisen, die wir nach dem Tode zu vollenden haben. Sehen Sie, von diesen Umkreisen im Leben, im Gesamtcopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 2 7 Seite: 211
leben, wird heute in der materialistisch denkenden Zeit wenig gesprochen, und wir müssen schon in der Menschheitsentwickelung
auf Erden etwas zurückgehen, wenn wir auf eine Sprache auftreffen
wollen, die wirklich entspricht diesen wahren Vorgängen des Menschenlebens. Wenn wir zurückgehen in die orientalische Weisheit,
die aus einer nicht so bewußten Einsicht, wie wir es wieder können, sondern aus einem etwas traumhafteren Hellsehen heraus diese Dinge erkannte, so treffen wir innerhalb der orientalisch-indischen Weisheit auf einen wunderbaren Ausdruck. Und wir merken, daß dieser wunderbare Ausdruck entstammt der Einsicht, die
wir uns heute wiederum erwerben können, wenn wir wirklich verständnisvoll die Schwelle überschreiten, an dem Hüter der Schwelle
bewußt vorbeigehen und bewußt in die geistige Welt eintreten.
Wird aus irgendwelchen Theorien, die aus dem Verstande heraus
wenigstens halb konstruiert sind, die geistige Welt geschildert, so
wird sie auch so geschildert, wie die materialistische Vorstellung
sich ungefähr das Weltenall vorstellt, daß der Mensch lebt: Mit der
Geburt beginnt er, dann wird er ein Kind, ein Jüngling oder eine
Jungfrau, älter, dann geht es bis zum Tode, dann geht es weiter,
weiter, weiter, und man zieht so eine Linie, an deren Ende man natürlich nicht kommt, selbstverständlich nicht. Denn jeder, der die
Initiation kennt, der weiß, daß es einfach ein Unsinn ist, von diesem
Ende zu sprechen, denn diesen Weg bis zum Ende gibt es gar nicht.
Es gibt die in sich selber zurückkehrenden Wege. Und der wunderbare Ausdruck, mit dem einstmals die orientalischen Initiierten
diese Tatsache benannt haben, der heißt das «Rad der Geburten».
Von diesem «Rad der Geburten» wird ja viel gesprochen, aber es
wird heutzutage wenig auf die Realität hingewiesen. Wir haben in
der Tat das erste Rad der Geburten absolviert, wenn wir am Ende
unserer Sternenwanderung ankommen, die wir in einem Drittel des
Gesamtlebens zurücklegen, das heißt in so viel Zeit, als wir zum
Schlafen während der Erdenzeit gebraucht haben. Wir haben dann
das erste Rad der Geburten zurückgelegt und wir können dann harren in dem Leben, das wir durchleben zwischen dem Tode und einer
neuen Geburt, der Umkreise der weiteren Räder der Geburten.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 227 Seite: 212
So ist es, wenn man wiederum mit jenem Erwachen, das für die
menschliche Erkenntnis eintritt durch Imagination, Inspiration und
Intuition, in jene Welten eindringt, die hinter dem Schleier der
sinnlichen Welt liegen, für diejenige Erkenntnis, die einstmals in
einer alten Zeit der historischen Weltentwickelung die Menschen
als Erbgut jener Vergangenheit besaßen, in der sie den Ihnen schon
geschilderten Umgang mit den göttlichen Geistwesen gehabt haben. Wenn man so aus irgendeiner Einsicht in die geistigen Welten
zurückkommt zu dem, was so in alten Zeiten die Menschen von
den geistigen Welten her gewußt haben, dann trifft man erst auf die
Möglichkeit auf, das zu verstehen, was aus den alten Weisheiten
herauf zu uns gekommen ist. Und da beginnt dann die ungeheure
Bewunderung vor der Urweisheit der Menschheit. So daß eigentlich derjenige, der die Initiation in der Gegenwart in sich aufnimmt, gar nicht anders kann, als mit Bewunderung, mit Verehrung gerade zu den ältesten Zeiten des Erdendaseins des Menschen
hinaufzuschauen.
Aber Sie sehen daraus auch noch ein anderes. Sie sehen dies
daraus, daß man eigentlich nur dann zu der wahren Gestalt dieser
alten Anschauungen kommen kann, wenn man sie wiederfindet
durch die moderne Geisteswissenschaft. Daher verstehen diejenigen, welche die moderne Geisteswissenschaft ausschließen wollen,
ja gar nicht die Sprache, welche gesprochen worden ist von denjenigen, die die alte Urweisheit der Menschheit besessen haben; sie
können daher im Grunde genommen gar nicht historisch schildern.
Es ist manchmal naiv, wie diejenigen, die nichts wissen von der
geistigen Welt, die alten Urkunden der Urvölker auslegen, interpretieren. Da tönen in den Schriften, die sonst vielleicht schon
verdunkelte Urweisheit haben, solche wunderbaren Worte wie das
«Rad der Geburten». Die muß man verstehen, indem man wiederfindet dasjenige, worauf sie als eine Wirklichkeit deuten. Will man
also die Geschichte der Menschheit auf Erden wirklich der Wahrheit gemäß schildern, dann darf man nicht davor zurückschrecken,
erst sich mit der Sprachbedeutung bekanntzumachen, die in alten
Zeiten vorhanden war.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:227 Seite:213
Ich hätte ja gut gleich damit beginnen können, die geschichtliche Entwickelung der Menschheit zu schildern und die Ausdrücke zu gebrauchen, die man in den Urkunden findet; dann
hat man aber Worte, nichts als Worte, wie sie heute vielfach in
der Welt herumflattern, wenn von den alten Urkunden gesprochen wird. Daher muß man, um auch nur jenes Stück von der
Welt der Wirklichkeit gemäß zu schildern, das der Mensch
während seiner historischen Zeit durchlebt hat, zunächst die
Beziehung des Menschen zu den geistigen Welten schildern,
denn dadurch nur gewinnt man die Möglichkeit, sich in diese
Sprache und in all das hineinzufinden, was getan worden ist in
alten Zeiten, um eine Verbindung mit den geistigen Welten zu
erhalten. Ich habe Ihnen gestern geschildert, was einstmals die
Druidenpriester im Aufstellen der Steine und im Bedecken der
Steine getan haben, um aus dem Schatten, der da innerhalb eines
solchen Gebildes entstand, mit dem Durchschauen durch die
Gesteine den von der geistigen Welt in die physische hereindringenden Willen der geistigen Welt zu erkunden.
Aber das war noch mit etwas anderem verbunden. In der geistigen Welt ist alles nicht bloß ein Hingang, sondern alles hat auch
einen Hergang. Wenn diejenigen Zeitkräfte, die uns tragen durch
das physische Erdendasein, uns nach dem Tode wiederum zurücktragen, dann gibt es auch Kräfte, welche in diesen Gebilden von
oben nach unten gehen, aber auch solche, welche von unten nach
oben gehen. So daß in diesen Gebilden eine abwärtsgehende und
eine aufwärtsgehende Strömung von den Druidenpriestern beobachtet worden ist. Und wenn die Druidenpriester an der rechten
Stelle des Erdbodens diese Gebilde angebracht hatten, dann konnten sie nicht nur den vom Kosmos herunterwandernden Willen der
göttlichen Geister in ihnen erkennen, sondern - weil Eindimensionalität herrschte im Hinaufgehen, sofern das Gebilde an der richtigen Stelle stand - auch die Gutheit oder Schlechtheit der Menschen, die zu ihren Gemeinden gehörten, und die zum Weltenall
heraus sprach. So waren diese Steine auch ein Observatorium der
Druidenpriester, um in das Innere der Seelen zu schauen, die in
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Kommunikation mit dem Kosmos standen, der Seelen, die zu den
betreffenden Gemeinden gehörten.
Alle diese Geheimnisse, alle diese Mysterien knüpfen sich an
dasjenige an, was aus alten Zeiten her in einem so dekadenten Zustande übriggeblieben ist. Man versteht es erst, wenn man die
Geistwelt wiederum durch die Kraft der eigenen Imagination, Inspiration und Intuition herauf hebt aus ihrem verborgenen Dasein
in das Bewußtsein der Menschen.
Solche Kreisbewegungen, die natürlich so, wie ich sie gezeichnet
habe, figürlich gemeint sind, denn man bewegt sich ja in der Sphäre
der Eindimensionalität, macht der Mensch in seinem Lebenslauf
zwischen dem Tod und einer neuen Geburt wiederholt durch. Und
geradeso wie dieser Kreislauf - hingehend von der Geburt bis zum
Tode, zurückgehend von dem Tode bis zur Geburt - , so verlaufen
hingehend und hergehend Kreisläufe in dem ganzen Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, aber so, daß immer ein
Gradunterschied ist im Erleben zwischen dem Hingang und dem
Hergang. Hier bei diesem ersten Rad der Geburt liegt ja der Unterschied vor, daß wir den hingehenden Teil erleben bis zum physischen Tode und dann den anderen, den hergehenden Teil unmittelbar in der Zeit, die sich an den physischen Tod anschließt und
die dauert, wenn wir sie bemessen würden nach der Zeit hier auf
Erden, ein Drittel der irdischen Lebensdauer. Dann ist dieses erste
Rad der Geburt vollendet. Dann schließen sich andere an, und wir
vollenden solche Räder, Zirkel, bis wir angelangt sind an einer ganz
bestimmten Stelle, von der aus wir den Rückweg, die Rückwanderung antreten können in der Art, wie ich das dann morgen schildern werde. Wir vollenden solche Räder, bis wir angelangt sind an
demjenigen Punkte unseres gesamten kosmischen Erlebens, der da
andeutet den letzten Tod, den wir erlebt haben in unserer vorhergehenden Erdeninkarnation.
Wir durchleben also in solchen Kreisgängen, aber in der ersten
Zeit unseres Erlebens nach dem Tode rückschauend und rückerlebend, dasjenige, was wir durchgemacht haben zwischen dem letzCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:227 Seite:215
ten Tode und derjenigen Geburt, die wir als die letzte zu dem
Erdendasein durchlebt haben, aus dem wir eben herausgestorben
sind. Und jede solche Kreisbewegung entspricht in ihrem Hingange, ich möchte sagen, einem kosmischen Schlafesleben.
Wenn ich diese Kreise weiterzeichnen würde, von hier aus also
weiter verlaufend, so würde immer der Hingang entsprechen einem
Leben nach dem Tode, indem der Mensch mit seinem ganzen
Wesen mehr in dem Kosmos aufgeht, indem er das Bewußtsein hat,
er lebt eigentlich in der kosmischen Welt, er ist eins mit der kosmischen Welt.
Gehurt
Der Hergang entspricht immer dem, wenn der Mensch aus der
kosmischen Welt gewissermaßen in sich zurückkehrt, daß er dasjenige, was er erst im Kosmos erlebt hat, in sich nun verarbeitet, mit
seinem Selbst verbunden erlebt. Wie wir hier im Erdenleben durchleben müssen, damit wir ein gesundes Erdendasein haben, den
Wechsel zwischen Schlafen und Wachen, so müssen wir in der Zeit
zwischen dem Tode und einer neuen Geburt immer wiederum
gewissermaßen ein solches Ausfließen in den Kosmos erleben, wo
wir uns so groß, so umfassend fühlen, wie der Kosmos ist, wo wir
die Gebilde und die Tatsachen des Kosmos als unsere eigenen
Gebilde und eigenen Tatsachen empfinden, wo wir uns so weit mit
dem Weltenall identifizieren, daß wir sagen: Dasjenige, was du mit
deinen sinnlichen Augen angeschaut hast, als du noch ein Erdenbürger warst, das dir da in seinem sinnlichen Abglanz als der
Kosmos der sinnlichen Sterne entgegengeschaut hat, in dem lebst
du jetzt drinnen. Aber es sind nicht die physischen Sterne, es sind
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die göttlich-geistigen Wesenheiten, die ihr Dasein mit deinem Dasein verbinden. Du bist gewissermaßen aufgelöst in das kosmische
Dasein. In dir leben die göttlich-geistigen Wesen des Kosmos. Mit
denen hast du dich zu identifizieren.
Das ist gewissermaßen der eine Teil der Erlebnisse zwischen
dem Tod und einer neuen Geburt - ob Sie es nun kosmische Nacht
oder kosmischen Tag nennen, was Sie da durchleben, die irdischen
Ausdrücke, die wir verwenden, sind ja natürlich den Göttern, die
in der geistigen Welt leben, höchst gleichgültig. Wir müssen uns
nur durch unsere irdischen Ausdrücke das vergegenwärtigen, was
wir da draußen erleben. Wir müssen es aber auch in entsprechender
Weise schildern.
Dann folgen auf solche Zeiten, in denen wir gewissermaßen zum
Weltenall anwachsen, uns mit dem Weltenall identifizieren, andere
Zeiten, in denen wir uns zurückziehen in unser eigenes Selbst,
gewissermaßen an einen einzigen Punkt, den Punkt unseres Selbstes zurückziehen, wo wir wie in einer kosmischen Erinnerung das
alles nun in uns, mit uns als in unserem Selbst vereinigt empfinden,
was wir erst ausgegossen in den ganzen Kosmos erlebt haben. Wir
fühlen gewissermaßen dieses Rad der Geburt so, daß es eigentlich
immer ein Wirbel ist, daß wir dasjenige, was wir mit dem Kosmos
erleben, wie da draußen erleben, dann uns aber in unser Selbst
zurückziehen und in unserem Selbst den kleineren Dritteil erleben;
dann geht es wiederum hinaus; dann folgt wiederum das Zusammenziehen in der Spirale. So daß dieses «Rad der Geburten» auch
als eine Spiralbewegung geschildert werden kann, die sich immer
wieder und wieder in sich zurückzieht.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 27 Seite: 217
So ist das Fortschreiten in dem Selbsterleben und in der Selbstentäußerung zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. So wie
man die irdischen Ereignisse schildern würde im Ablauf von je
vierundzwanzig Stunden, und man da drinnen nur schildern würde: die Menschen schlafen und wachen -, so hat man damit dasjenige geschildert, was sich nun für die geistige Welt im Durchgange des Menschen vom Tod zu einer neuen Geburt erlebt. Diese
Selbstentäußerung, diese Selbstzurückziehung ist in der geistigen
Welt wie Schlafen und Wachen hier im Erdendasein des Menschen.
Und wie sich in das Erdendasein des Menschen erst die Ereignisse
hineinstellen, die man durchlebt, so stellen sich in dieses Vollenden
der Räder von Geburten und Toden jene geistigen Ereignisse hinein, die der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt
durchlebt. Um diese Ereignisse zu begreifen, muß man sich eine
gesunde Vorstellung von dem bilden, wie der Mensch eigentlich
hier im Erdendasein dasteht.
Er wacht ja eigentlich nur mit Bezug auf seine Vorstellungswelt
und einen Teil der Gefühlswelt, die sich an die Vorstellung anschließt. Was geschieht, wenn der Mensch die Absicht hat, dies
oder jenes zu tun, auch nur eine Kreide zu ergreifen? Dasjenige,
was da geschieht, indem die Absicht in der Vorstellung lebt, hinuntersaust in den Willen, der Wille die Muskeln in Anspruch nimmt,
bis wir wieder ansichtig werden, wie die Hand die Kreide ergriffen
hat - was ja wieder Vorstellung ist -, dasjenige also, was sich hineingliedert in das Erdenleben als Willensäußerung, als Begierdeäußerung, das bleibt für das Erdenleben so in Finsternis gehüllt wie
das Schlafesleben des Menschen, auch indem es bei Tag verläuft.
Nur in bezug auf das Vorstellen und einen Teil unseres Fühlens
wachen wir für das gewöhnliche Bewußtsein. Mit Bezug auf den
anderen Teil des Fühlens, der sich an den Willen anlehnt - wo wir
billigen oder mißbilligen das, was wir tun wollen - und mit Bezug
auf den Willen selber, schlafen wir.
Die Gedanken nehmen wir aber nicht mit in das Leben nach
dem Tode, ebensowenig wie in die Nacht hinein. Ebensowenig
nehmen wir die Gedanken, die wir auf der Erde hier gehegt haben,
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mit in das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Dort müssen
wir uns schon unsere eigenen, jener anderen Welt angemessenen
Gedanken bilden.
Was wir aber mitnehmen, das ist das, was hier im Unterbewußten bleibt, der Wille und ein Teil der Gefühle, die sich an den
Willen anschließen. Gerade mit demjenigen, dessen wir uns hier im
Erdenleben unbewußt sind - das ist das, was in unseren Trieben, in
unseren Begierden, in unserer ganzen sinnlichen Willensnatur lebt,
und alles das, was als Geistiges in dieser Willensnatur lebt -, mit all
dem leben wir durch die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen
Geburt und machen uns dort über das, was wir so hier unbewußt
erleben, bewußt die kosmischen Gedanken.
Da müssen wir uns zum Beispiel klar sein, wenn wir auch nur
die Zeit, die wir durchleben im allerengsten Anschluß an die Todespforte, verstehen wollen, daß dasjenige, was wir ja hier auf
Erden schon mit Bezug auf den physischen Leib seelisch durchzuleben haben, in dem Augenblicke ein anderes Gesicht bekommt,
wo wir keinen physischen Leib mehr haben und durch den Tod
gegangen sind. Ihr physischer Leib, die Stoffe, die die Chemie
aufzählt, die erleben nicht Durst und Hunger. Das innere Erlebnis
von Durst und Hunger ist ein Seelenerlebnis. Aber die Erfüllung
dieses Begehrens Durst und Hunger wird hier im Erdendasein
durch den physischen Leib herbeigeführt. Der Hunger lebt in der
Seele, die Befriedigung des Hungers hier im Erdendasein lebt durch
den Leib; der Durst lebt in der Seele, die Befriedigung des Durstes
lebt hier auf Erden durch den Leib. Wenn Sie durch die Pforte des
Todes treten, dann haben Sie den physischen Leib nicht. Sie haben
aber noch Durst und Hunger. Den gewöhnlichen Durst und den
gewöhnlichen Hunger tragen Sie durch die Todespforte hindurch,
und Sie haben die Zeit, die ja ein Drittel des Erdenlebens ist, das
Rückwärtsleben des Nachtlebens, dazu zu verwenden, sich gewissermaßen abzugewöhnen, durstig zu sein, hungrig zu sein, die anderen, nur durch den Leib erfüllbaren Begierden zu erleben. Darin
besteht das innere Erleben dieses Lebensdrittels im Verhältnis zum
Erdenleben nach dem Tode: daß dasjenige, was nur durch den Leib
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oder nur auf Erden hier befriedigt werden kann, aus der Seele
herausgewöhnt wird, daß die Seele sich freimacht von denjenigen
Begierden, die zwar in ihr leben müssen, aber nur durch Leib und
Erdenereignisse befriedigt werden können. Was weiter ist, das
werden wir später sehen.
Damit habe ich Ihnen einen Teil dessen geschildert, was der
Mensch nun zunächst nach dem Durchschreiten der Todespforte
durchmacht auf Grundlage dessen, was wir heute gesehen haben.
Wir werden morgen weiterschreiten in der Betrachtung dieses Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt und seinem Zusammenhang mit der gesamten Menschheitsentwickelung auf Erden.
Aber bewußt müssen wir uns werden, welche Ereignisse sich in
dieses Erdenleben hineinstellen. Was heute wiederum durch Imagination, Inspiration und Intuition erforscht werden kann, hatte
einstmals die Menschheit in einer Art instinktiven Schauens. Die
Nacht war nicht so verschlossen für die Menschen. Der Tag verlief
mehr traumhaft und bot in den Traumgebilden auch mehr von der
geistigen Welt dar.
Wir leben gerade in dem Zeitalter - und darauf möchte ich heute
schon aufmerksam machen, der Zusammenhang wird uns in den
nächsten Tagen klar vor die Seele treten -, in dem die Menschheit
am meisten der Gefahr ausgesetzt ist, daß sie überhaupt den Zusammenhang mit der geistigen Welt verliert. Und es wird vielleicht
gerade hier, wo noch so nahe sind die Stätten alter europäischer
Druidenerinnerungen, es wird hier der Ort sein, auf gewisse Symptome hinzudeuten, welche nicht an sich das Schlimme sind, aber
als Symptom darauf hinweisen, was sich nun nicht allein physisch
in unserem Erdendasein vollzieht, sondern was gewissermaßen
hinter den Kulissen des Daseins geistig geschieht.
Betrachten Sie noch den mittelalterlichen Menschen mit all seinen Schattenseiten, was man heute das finstere Mittelalter nennt,
vergleichen Sie ihn mit der heutigen Menschheit. Nur zwei der
Symptome möchte ich heute hervorheben, die uns aufmerksam
machen können, wie man vom geistigen Gesichtspunkte aus die
Welt betrachten soll.
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Sehen Sie sich ein mittelalterliches Buch an. Jeder einzelne Buchstabe ist wie hingemalt. Man sieht, wie das Auge geruht hat auf
diesem Buchstaben. Die ganze Seelenverfassung des Menschen, die
also auf dem geschriebenen Buchstaben ruhte, die war noch eher
geeignet, sich einzuleben in das, was als Offenbarungen der geistigen Welt über sie kommen konnte.
Und schauen sie sich heute manches Geschriebene an - es ist ja
gar nicht mehr zu lesen! Dies sind nicht Buchstaben, die man
empfindet wie irgend etwas, woran man seine malerische Freude
hat; das ist etwas aus einer mechanischen Handbewegung heraus
Geworfenes: [es wird sehr nachlässig das Wort «Penmaenmawr»
auf die Tafel geschrieben] - so sieht es schon fast aus, was man
heute ab und zu sieht auf diesem oder jenem Papier!
Dazu kommt, daß wir beginnen zu schreiben nicht mehr, indem
wir mit dem Menschen dabei sind, sondern Schreibmaschinen in
Bewegung setzen, wo wir gar keine Erlebnisbeziehung mehr haben
zu dem, was uns entgegentritt.
Das, mit den Autos zusammen, macht ungefähr diejenigen Symptome aus, aus denen heute geschaut werden kann, was hinter den
Kulissen des Daseins vorgeht, wie der Mensch immer mehr und
mehr herausgetrieben wird aus der geistigen Welt.
Nun glauben Sie nicht, daß ich als Stockreaktionär vor Ihnen
auftreten will und für die Verbannung der Autos, der Schreibmaschinen und selbst dieser schrecklichen Schriftzeichen eintreten
möchte! Derjenige, der den Gang der Welt durchschaut, weiß
schon, daß diese Dinge alle kommen müssen, berechtigt sind. Also
nicht auf das Ausmerzen zielt dasjenige ab, was ich sage, sondern
gerade auf die Pflege. Sie müssen kommen; man muß sie hinnehmen, wie man Tag und Nacht hinnehmen muß, obwohl die Begeisterung für diese Dinge eine sehr einseitige werden kann unter den
Menschen, die gerade sehr stark zur materialistischen Welt hinneigen. Aber das, was in dieser Weise in der Welt auftritt, was so
fürchterlich rumort in den unleserlichen Schriftzeichen, was so
fürchterlich rumort in den Schreibmaschinen, und ganz gräßlich
die Welt durchsaust in den Autos, dem muß eben gegenübergestellt
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werden, damit die Menschheit in gesunder Weise sich entwickelt,
ein starkes Hineingehen in eine geistige Erkenntnis, in ein geistiges
Fühlen, in ein geistiges Wollen.
Nicht darum handelt es sich, das Materielle irgendwie zu bekämpfen, sondern es gerade in seiner Wirklichkeit, in seiner Notwendigkeit kennenzulernen, zu erfassen; aber auch zu erschauen,
wie notwendig es ist, daß dem, was sonst die Menschheit zermalmt
im physischen Dasein, entgegengestellt werde die starke Geistigkeit. Dann wird durch den Pendelschlag zwischen Autos und
Schreibmaschinen und den in geisteswissenschaftlicher Arbeit erarbeiteten Imaginationen, Einsichten in die geistige Welt, die gesunde
Entwickelung der Menschheit gerade gefördert werden können,
während sie sonst nur beeinträchtigt werden könnte.
Das darf insbesondere hier in Penmaenmawr gesagt werden,
denn hier ist es, wo man auf der einen Seite als ein Erbgut aus alter
Druidenzeit empfindet, wie die Imaginationen - ich habe es schon
geschildert - gleichsam stehenbleiben; aber man erfährt auch, mit
welcher robusten Gewalt diese stehenbleibenden Imaginationen
durch die durch die Atmosphäre sausenden Autos von Grund auf
zerstört werden. |