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Gedenkworte für Anna Riebensahm

Gedenkworte für Anna Riebensahm

Berlin, 14. Dezember 1915

Seite Text
180 Meine lieben Freunde!

Bevor wir zu unseren Betrachtungen kommen, habe ich Ihnen davon zu sprechen, daß unsere liebe Freundin, Fräulein Anna Riebensahm, gestern abend durch die Pforte des Todes gegangen ist.
Sie kennen sie ja fast alle, die uns so liebenswerte Persönlichkeit des Fräulein Riebensahm, Sie haben mit ihr zusammen hier an unseren geistigen Bestrebungen teilgenommen. Und es waren gewiß viele unter Ihnen, die das liebe, innige Geistesstreben von Fräulein Riebensahm mitfühlend mitgemacht haben, denn wir dürfen sagen, daß in bezug auf stilles, inniges Verwobensein mit der geistigen Welt, die wir suchen, gerade Fräulein Riebensahms Seele zu denjenigen gehörte, die wirklich wie Muster des idealen, des spirituellen Strebens hingestellt werden dürfen.
In dieser Erdeninkarnation hatte Fräulein Riebensahm zeit ihres Lebens zu kämpfen mit einem physischen Leibe, der nicht nur dem äußeren Leben, sondern oftmals auch der strebenden Seele schwere, schwere Hemmnisse in den Weg legte. Mit einer innerlich tapferen Dulderseele hat diese Persönlichkeit sich ihren Weg gebahnt durch die Welt. Mit starkem Geiste hat sie den Anschluß gefunden an diejenige geistige Strömung, die wir suchen, und mit wärmster Innigkeit war sie mit den Impulsen verbunden, die wir innerhalb unserer Geistesströmung zu ergreifen versuchen, und die sie mit uns ergriffen hat in ihrer stillen, aber deshalb nicht weniger energischen Art.
Sie ist uns lieb und wert geworden, wie sie in den letzten Jahren an der Seite eines unserer ältesten Mitglieder, unseres lieben Fräulein Motzkus, die mit ihr Freude und Leid, aber auch Strebensinhalt geteilt hat, die Wege zu gehen suchte, die wir uns vorgezeichnet haben.
Es war für denjenigen, der dies mitansehen durfte, eine wunderbare, mustergültige, geistige Gemeinschaft zwischen diesen unseren beiden Mitgliedern, zwischen derjenigen, die schon seit langer Zeit mit unserem geistigen Leben verknüpft ist und alles dasjenige kennt, was
181 innerhalb unseres geistigen Lebens angestrebt wird, die dieses unser geistiges Leben als die eigenen Kräfte ihrer Seele kennt, - und es war schön und herrlich anzusehen, wie diejenige, die später in dieses geistige Leben hineingekommen ist, sich ihr angeschlossen hat, wie dann die beiden Seelen zusammen den Weg gegangen sind.
Und jetzt stehen wir mit Schmerz an der Todespforte, da zu anderer Menschendaseinsform die Seele unseres lieben Fräulein Riebensahm sich angeschickt hat. Wir denken mit Wehmut daran, wie sie durch einen äußeren Unfall dieses ihr Erdenleben zu beenden hatte. Wir denken aber auch daran, wie gerade ein solch irdisches Leben, das durch die äußere Verkörperung hier zwischen Geburt und Tod manche Schwierigkeiten hatte, diese Schwierigkeiten umgeändert haben wird auf dem Wege des geistigen Strebens, der sich für sie nun fortsetzt. Und wir gedenken der Seele unseres Fräulein Riebensahm als einer weiter mit uns strebenden Seele, zu der wir immer in Liebe und Treue aufblicken wollen.
Ich habe nur noch zu sagen, meine lieben Freunde, daß am Freitag um 11 Uhr im hiesigen Krematorium die Kremation sein wird.




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