Gedenkworte für Admiral Grafton

Gedenkworte für Admiral Grafton

Dornach, H.September 1924

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317 Bevor ich heute den Vortrag beginne, möchte ich aus einem bestimmten Anlasse heraus ein Wort des Gedenkens für eine uns sehr wertvolle, von uns sehr geliebte Persönlichkeit sprechen. Wir hätten heute gelegentlich der Eurythmie-Aufführung ganz gewiß die Befriedigung gehabt, unter den Mitwirkenden den Admiral Grafton zu haben, wenn er noch auf dem physischen Plane hier weilen würde. Und ihm ein Gedenkwort gerade in diesen Tagen zu widmen, ist mir ein tiefes Herzensbedürfnis.
Der Admiral Grafton trat in unsere Reihen hier in Dornach ein mit einem allerherzlichst guten, dem anthroposophischen Streben zugewandten Sinn. Seine Verbindung mit dem anthroposophischen Streben war die denkbar innigste, und wenn er sprach von dieser seiner Verbindung mit der Anthroposophie, konnte man nur tief im Herzen bewegt sein. Der Admiral Grafton hatte ein langes arbeitsreiches Leben hinter sich, war während dieses der Außenwelt zugewandten arbeitsreichen Lebens immer durchaus dafür- interessiert, eine Weltanschauung, eine Lebensauffassung sich zu erwerben, und er hat mir oftmals davon gesprochen, wie er viele Jahre hindurch bei Herbert Spencer, dem mehr materialistisch geneigten Philosophen, seine Welt- und Lebensanschauung aus dem Zeitgeiste heraus gesucht hat, wie eben ein Mensch diesen Zeitgeist miterlebt, auf den zunächst mit aller Kraft und Macht dieser Zeitgeist so wirkt, wie er auf viele unserer Zeitgenossen wirken muß. Aber der Admiral Grafton war eine Persönlichkeit, die man im wahrsten Sinne des Wortes als eine suchende Persönlichkeit bezeichnen muß. Und so bezeichnete er es mir immer wieder und wiederum als die große Befriedigung seines Lebens, daß er, nachdem er sich lange bemüht hat, geradezu am entgegengesetzten Pol zu einer Überschau über das Leben zu kommen, zuletzt die Anthroposophie gefunden hat. Und man hatte immer das Gefühl, wenn diese Persönlichkeit über eine Verbindung mit der Anthroposophie sprach, so war das nicht nur aus allen Tiefen des
318 Herzens heraus, sondern es war auch in diesem Sich-Fühlen in der Verbindung ein wunderbarer, geradezu ein schönheitsvoller Enthusiasmus, ein Enthusiasmus, der wirklich als ein besonders schöner dann erscheinen muß, wenn er aus einem Herzen heraus gesprochen ist, aus einem Kopfe, der es in arbeitsreichem Leben zu hohem Alter gebracht hat.
Wenn ich an die Vorträge denke, die ich hier hielt, und während deren ich immer wiederum mit einer rührend herzlichen Aufmerksamkeit im Auditorium den Admiral Grafton sitzen sah, hingegeben an die Vorträge, so konnte man sich sagen: Da ist ein Herz, das zuhört. - Es war ein Herz, das zuhörte. Nur aus dem allgemeinen enthusiastischen Gefühl für die Geistigkeit der Anthroposophie konnte der Admiral Grafton zuhören, denn er verstand nicht Deutsch so weit, daß er einem Vortrage hätte folgen können. Er konnte nur folgen mit dem Herzen. Er konnte nur der Sache im großen und ganzen folgen. Und so war er, aber immer innerlich freudig erregt, immer mit herzlichem Enthusiasmus der Sache hingegeben.
Er hat mit einer unnennbaren Freude gesehen, daß sich sein Töchterchen der Eurythmie zugewendet hat, und hat darüber mit einer rührenden, freudigen Begeisterung gesprochen, wenn er davon gesprochen hat. Er war der Anthroposophie wirklich in musterhafter Weise zugetan. Eine Persönlichkeit voller Güte war er, die eigentlich nur leben konnte, wenn sie Taten der Güte gegen ihre Mitmenschen vollbringen konnte. Uns hat er dadurch vieles geholfen, daß er in unserem Eurythmie-Orchester immer wieder mitgewirkt hat als Flötenspieler. Und auch das hat er mit einer wirklich herzlichen, bewunderungswürdigen, ich darf auch sagen musterhaften Hingabe getan, denn ich habe manches erlebt in bezug darauf, daß Leute, die mitzuwirken hatten, zu spät gekommen sind. Der Admiral Grafton war nie unter ihnen. Er war immer an seinem Platze. Und er war vor allen Dingen immer dann an seinem Platze, wenn man seine Hilfe in irgend einer Weise im kleinen und im großen brauchte. Er hat uns in vielen Dingen außerordentlich geholfen. Es ist tatsächlich der Admiral Grafton hier eine Persönlichkeit gewesen, die von jedem geliebt worden ist, und ich weiß, daß ich aus dem Herzen vieler
319 heraus spreche, wenn ich diese kurzen Gedenkworte dem nun in die geistigen Welten von uns Gegangenen hier nachrufe.
Es war so, daß eigentlich in einer hingebungsvollen Beweglichkeit der Admiral Grafton da war in den letzten Tagen, bevor wir nach England reisten, und für das äußere Leben überraschend kam uns die Nachricht durch unseren lieben Freund Heywood-Smith zugesandt, daß der Admiral Grafton den physischen Plan während einer Operation verlassen habe. Wir waren alle, die wir diese Nachricht empfingen, tief betroffen. Und herzlich dankbar bin ich, der ich nicht selbst hier zugegen sein konnte bei dem Totenfeste für diesen unseren lieben Freund, daß in so schöner Weise die Freunde, allen voran unser Freund Heywood-Smith, es übernommen haben, dasjenige schön, hingebungsvoll, mit tiefem Verständnis für die Persönlichkeit des Admirals Grafton bei dem Totenfeste zu sagen, was ich gerne auch selber gesagt haben würde, wenn ich nicht pflichtgemäß in England abgehalten gewesen wäre.
Ich kann sagen, meine lieben Freunde, es ist gerade in diesem Falle so, daß die zahlreichen Persönlichkeiten, die jetzt da sind und von dem Admiral Grafton nichts vernommen haben, ihn nicht kannten, glauben dürfen, daß das Goetheanum den Admiral Grafton gern hatte, und daß von denen, die ihn hier liebten, die allerverbindendsten Gedanken ihm folgen werden nach den Stätten, die er, der auf so überraschend schnelle Weise durch die Todespforte gegangen ist, nunmehr betreten wird. Dankbar sind wir ihm für alles, was er unter uns hier durch seine unendliche Güte geleistet hat. Aber dankbar sind wir auch dafür, daß wir mitanschauen konnten den herzbewegenden Sinn und die edle Begeisterung für die anthroposophische Sache gerade an dieser vorher so stark in der Welt gestandenen Persönlichkeit. Und aus dieser Dankbarkeit heraus formen wir die Gedanken, die uns mit dem Geiste und mit der Seele des Admirals Grafton fernerhin verbinden sollen. Wissen können wir, daß er herunterschaut auf die anthroposophische Bewegung mit hingebendem Ich, mit kraftvoller Seele. Wissen können wir, daß unsere Gedanken, die zu ihm gehen, wirklich segensvollen Wünschen im geistigen Gebiete für das Gedeihen der anthroposophischen Sache begegnen.
320 Und so dürfen Sie alle, meine lieben Freunde, die Sie heute hier versammelt sind, versammelt sind mit dem Kreise zusammen, der mit dem Admiral Grafton hier an der Stätte des Goetheanums die letzten Jahre lebte, mit uns in diesem Augenblicke sich im Gedenken an diese edle Seele von Ihren Plätzen erheben. Mögen sich unsere Gedanken mit den seinigen vereinigen in freiem Willen, wie es das Richtige ist unter anthroposophischen Menschen, die da wissen, daß die Bande, die im Leben geknüpft sind hier auf Erden, fortdauern können, wenn sie ehrlich und echt sind, durch alle Zeiten und auch durch die Ewigkeiten hindurch.




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