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201 Die in diesem Band enthaltenen Vorträge hielt Rudolf Steiner im Jahr 1911 auf Einladung von Prager Theosophen.
In Prag - das damals als Hauptstadt des Königreiches Böhmen zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehörte - gab es in diesen Jahren vor dem ersten Weltkrieg drei verschiedene theosophische Gruppierungen. Neben der «Böhmischen Sektion Prag der Theosophischen Gesellschaft (Adyar)» hatte sich eine Gruppe von Tschechen unter der Leitung von Jan Bedrnicek schon seit dem Jahr 1906 direkt an den von Rudolf Steiner geleiteten Besant-Zweig in Berlin angeschlossen; sie führte offiziell den Namen «Abteilung Prag des Besant-Zweiges, Berlin». Außerdem gab es eine unabhängige theosophische Arbeitsgruppe etwa seit 1909, die «Bolzano-Gruppe», die sich im Jahr 1912 als «Bolzano-Zweig» ebenfalls der Deutschen Sektion und später der Anthroposophischen Gesellschaft anschloß. Die Leiterin dieser Gruppe war Berta Fanta.
Die Initiative, Rudolf Steiner zu einem Vortragszyklus nach Prag zu bitten, ging von der tschechischen Gruppe aus. Am 25. Mai 1910 fuhr deren Leiter Jan Bedrnicek nach Hamburg, um mit Rudolf Steiner, der dort die Vortragsreihe über «Die Offenbarungen des Karma» hielt, Termin und Themen zu besprechen. Zwischen den verschiedenen theosophischen Gruppierungen hat es damals eine gute Zusammenarbeit gegeben. So trat als offizieller Veranstalter von Rudolf Steiners Vorträgen die «Böhmische Sektion» auf, die die Einladungen verschickte (siehe Seite 200) und die Vorträge im «Prager Tagblatt» Nr. 74 vom 15. März 1911 mit folgender Anzeige ankündigte:

Die Theosophische Gesellschaft in Prag veranstaltet im laufenden Monate einen öffentlichen Vortragszyklus, gehalten von dem hervorragenden Philosophen und Okkultisten Dr. Rudolf Steiner über «okkulte Physiologie» und zwar vom 19. bis 28. März (präzise 8 Uhr abends) im Saale des kaufmännischen Vereins «Merkur», Niklasstraße. Anmeldungen an das Sekretariat der Sektion Prag, Weinberge, Bocelgasse 2, 2. St.

Das Thema «Eine okkulte Physiologie» geht mit Sicherheit auf Rudolf Steiner selbst zurück, hatte er sich doch schon seit Jahren mit einer okkulten Betrachtung des menschlichen Organismus beschäftigt. So sagte er zum Beispiel in einem Vortrag, der anläßlich der 5. Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft gehalten wurde (Berlin, 21. Oktober 1907 vormittags, in GA101):

«Es ist… möglich, die Organe des Menschen zu studieren in ihrer verschiedenen Wertigkeit, wenn man zurückgeht auf die Urgründe, die in den geistigen Welten zu finden sind. Wir finden, daß Leber, Galle, Milz und so weiter etwas
202 ganz anderes sind, wenn man weiß, wie verschiedene Welten an ihrer Gestaltung beteiligt sind. … Sie sind Erbteile aus der geistigen Welt heraus. Es müssen alle Organe beim Menschen aus ihren geistigen Ursprüngen heraus von uns betrachtet werden, wenn wir deren Bedeutung richtig verstehen wollen. Da sehen wir hin auf eine zukünftige Behandlungsweise des menschlichen Leibes, wo man sich dieses geistigen Ursprunges der Organe bewußt sein wird und diese Erkenntnisse anwenden wird in der alltäglichen Medizin.»

und in München - nachdem das Thema für den Prager Zyklus schon feststand - am 26. August 1910 (in GA125):

«Es wäre im Sinne dessen, was ich selbst als geisteswissenschaftliche Bewegung ansehen muß, mein dringendster Wunsch, daß diejenigen, welche eine physiologisch-ärztliche Vorbildung haben, sich so weit mit den Tatsachen der Geisteswissenschaft bekanntmachen, daß sie in bezug auf ihren Tatsachencharakter die Ergebnisse der Physiologie einmal durcharbeiten können. Ich werde selbst im nächsten Frühjahr nur höchstens die Grundlinien dieser geisteswissenschaftlichen Physiologie ziehen können…»

Über die Teilnehmer an dem Prager Vortragszyklus ist nur wenig bekannt; insbesondere konnte bisher nicht herausgefunden werden, welche Ärzte teilgenommen haben. Nur einige wenige Namen sind dokumentarisch gesichert: Dr. Ludwig Noll aus Kassel, der während dieser Zeit die erkrankte Marie von Sivers behandelte (siehe «Marie Steiner-von Sivers - Ein Leben für die Anthroposophie», Seite 201 ff.), sowie die drei Münchner Ärzte Dr. Felix Peipers - der selbst in theosophischen Zusammenhängen schon Vorträge gehalten hatte über okkulte Anatomie und Medizin —, Dr. Max Hermann und Dr. Hanns Rascher.
Ein Wiener Mitglied berichtet:

«Ein finanziell glücklicher Zufall machte es mir damals möglich, verspätet zu dem Vortragszyklus Dr. Steiners über okkulte Physiologie nach Prag zu fahren. Die Vorträge, denen ein großer Teil der Prager Intelligenzkreise beiwohnen konnte, gaben den ersten Ausblick in eine neue Betrachtungsweise des Menschen. Die Stimmung dieses Neuen herrschte namentlich unter den anthroposophischen Wissenschaftlern und Ärzten (darunter Dr. Peipers und Dr. Hermann). An den öffentlichen Vorträgen «Wie widerlegt man Theosophie?» und «Wie verteidigt man Theosophie» nahmen auch viele Menschen der Zionistischen Bewegung teil und ich kam bei dieser Gelegenheit in nahen Kontakt zu dem jungen Philosophen Hugo Bergmann (jetzt Professor in Jerusalem), dessen Schwiegermutter und Tante (Frau Fanta und Frau Freund) im Mittelpunkt der theosophischen Bewegung in Prag standen. … Die Tage von Prag, an denen fast alle Wiener Theosophen teilnahmen, bekamen noch ihren besonderen Glanz durch den Eindruck einer in der Einheit des theosophischen Strebens gegründeten echten Verbindung zwischen Deutschen und Tschechen. Dies gab eine innere Wärme, in der auch Dr. Steiner sich besonders wohl zu fühlen schien. Unter den tschechischen Theosophen fiel besonders
203 ein greiser Musikprofessor auf, dessen Äußeres stark an Leo Tolstoi erinnerte.» (Aus einem undatierten Manuskript «Erinnerungen» von Dr. Ernst Müller, Wien.)

Am Schluß der Veranstaltungen fand noch ein ursprünglich im Programm nicht vorgesehener Vortrag Rudolf Steiners statt über die Beziehung der Theosophie zur Philosophie. Dieser Vortrag liegt bereits gedruckt vor im Band der Gesamtausgabe «Die Mission der neuen Geistesoffenbarung», GA127, wird aber wegen seiner direkten Beziehung zu den Vorträgen über okkulte Physiologie in den hier vorliegenden Band mit aufgenommen. Die beiden öffentlichen Vorträge vom 19. und 25. März 1911 «Wie widerlegt man Theosophie?» und «Wie verteidigt man Theosophie?» sind in der Gesamtausgabe noch nicht erschienen, sie waren - nach einer mangelhaften Nachschrift - abgedruckt in «Mensch und Welt», Blätter für Anthroposophie 1968, Nrn. 1-4.
Zu der Zeit, als Rudolf Steiner diese Vorträge hielt, stand er mit seiner Geisteswissenschaft noch innerhalb der Theosophischen Gesellschaft. Er verwendete die Worte «Theosophie» und «theosophisch» jedoch immer im Sinne seiner später «Anthroposophie» genannten Geisteswissenschaft. Die Ausdrücke «Theosophie», «Geisteswissenschaft» oder «Geistesforschung» sind hier jeweils so wiedergegeben, wie sie von den Stenographen festgehalten wurden.

Der Titel des Vortragszyklus ist von Rudolf Steiner.

Die Zeichnungen im Text wurden von Hedwig Frey und Leonore Uhlig nach den Skizzen der Stenographen ausgeführt. Originaltafelzeichnungen sind nicht erhalten.

Textunterlagen: Eine wortwörtliche stenographische Mitschrift dieser Prager Vorträge Rudolf Steiners gibt es nicht. Wohl haben verschiedene Teilnehmer mitgeschrieben, doch reichten ihre stenographischen Fähigkeiten nicht aus, um einen ganzen Vortrag durchgehend wörtlich festhalten zu können.
Von den vorliegenden Unterlagen - es sind insgesamt neun verschiedene Textfassungen - sind acht sogenannte Ausarbeitungen (die neunte besteht nur aus stichwortartigen Notizen), das heißt, sie geben nicht nur die ursprünglich stenographisch oder handschriftlich festgehaltenen Wortlaute wieder, sondern sie sind von den jeweiligen Schreibern mehr oder weniger bearbeitet worden (stilistisch zu einem lesbaren Text formuliert, Interpunktion eingefügt, gelegentlich inhaltlich ergänzt, Lücken nach eigenem Verständnis oder Gedächtnis ausgefüllt und anders mehr). Da sich keinerlei Originalstenogramme erhalten haben, iüt es schwierig, den Grad der «Bearbeitung» im einzelnen festzustellen. Deshalb wurden bei den Vorarbeiten für die Neuausgabe 1991 zunächst alle vorliegenden Textfassungen Satz für Satz miteinander verglichen, woraus sich folgendes Bild ergibt:
Vier Stenographen (Walter Vegelahn, Fritz Mitscher, Wilhelm Friedrich und ein unbekannter) haben sich bemüht - entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten -, die Vorträge weitgehend wörtlich mitzuschreiben. Ihre Klartextübertragungen
204 wurden in unterschiedlicher Weise und zum Teil mehrmals bearbeitet und zwar von den Nachschreibern selbst. Die übrigen Nachschriften sind Zusammenfassungen der Vortragsinhalte. Im einzelnen liegen vor:

- Nachschrift Walter Vegelahn in zwei stark voneinander abweichenden Fassungen:
a) Erstübertragung des Stenogramms, geringfügig bearbeitet (maschinegeschrieben)
b) von Vegelahn selbst überarbeitete Fassung von a), durch dessen eigene Einfügungen oft stark verändert (maschinegeschrieben)

- Nachschrift Fritz Mitscher in zwei Fassungen:
a) Erstübertragung des Stenogramms (handschriftlich)
b) bearbeitete Fassung, zum Teil unter Berücksichtigung des Vegelahntextes (maschinegeschrieben)

- Nachschrift Wilhelm Friedrich (handschriftliche Übertragung des Stenogrammtextes)

- Nachschrift eines unbekannten Stenographen (handschriftlich)

- Kurznachschrift (referatartig) von Jan van Leer (maschinegeschrieben)

- Kurznachschrift (referatartig) von Fritz Rascher (maschinegeschrieben)

- Kurznotizen von unbekannter Hand (handschriftlich).

Als offizieller Stenograph war der Berliner Walter Vegelahn, der schon mehrjährige Erfahrungen im Mitschreiben von Vorträgen hatte, mit nach Prag gereist. Jedoch gelang es ihm diesmal nicht - aus welchen Gründen auch immer -, die Vorträge wirklich wörtlich mitzuschreiben. Vielleicht waren ihm die Thematik und das Vokabular ungewohnt, vielleicht waren die räumlichen oder akustischen Verhältnisse ungünstig, vielleicht lag auch eine persönliche Indisposition vor - all das läßt sich heute nicht mehr feststellen. Das Ergebnis seiner Mitschrift, die Übertragung des Stenogramms, war jedenfalls sehr unbefriedigend.
Am 2. Mai 1911 schrieb Marie von Sivers aus Portorose, wo sie und Rudolf Steiner sich damals aufhielten, an die Leiterin des Phüosophisch-Theosophischen Verlages, Johanna Mücke: «Der Doktor möchte doch gern alle Vorträge über <Okkulte Physiologie haben. Schicken Sie sie also bitte, so wie Sie es beabsichtigen, und auch den zweiten öffentlichen in Prag.» - Doch obgleich Rudolf Steiner ausdrücklich schon so bald um die Nachschriften gebeten hatte, sind die Vorträge zu seinen Lebzeiten nicht gedruckt worden. Man darf annehmen, daß er die Druckerlaubnis nicht gegeben hat, weil er mit der Qualität des Vegelahnschen Textes unzufrieden war und für eine Bearbeitung nicht die erforderliche Zeit hatte.
Vegelahn, der sich über die Mangelhaftigkeit seiner Nachschriften wohl selbst klar war, hat diese später noch einmal überarbeitet und so eine zweite Textfassung erstellt, die sich von der ersten dadurch unterscheidet, daß er dem Wortlaut seines ursprünglichen Stenogrammtextes alle möglichen Zutaten beifügte (Füllworte, Wiederholungen vorangegangener Satzpassagen oder Gedankengänge, Nachahmung bestimmter Eigentümlichkeiten von Rudolf Steiners Sprechstil
205 und so weiter). Die auf diese Weise entstandenen Satzkonstruktionen sind häufig so unklar gegliedert, daß ihr Sinn nur schwer verständlich ist. Solche Satzkonstruktionen stammen also nicht von Rudolf Steiner, sondern sind durch die nachträgliche Bearbeitung Vegelahns entstanden.
Erst im Jahr 1927 wurden die Vorträge erstmals gedruckt und zwar als Manuskriptdruck für Mitglieder, bezeichnet als «Zyklus OP». Sowohl dieser Erstdruck wie auch die folgenden Auflagen innerhalb der Gesamtausgabe basierten auf der oben beschriebenen Textbearbeitung Vegelahns, können also nicht als die authentische Wiedergabe des Wortlautes Rudolf Steiners angesehen werden.
«erfordert Theosophie … das genaueste, präziseste logische Formulieren», so sagt Rudolf Steiner im Vortrag vom 28. März 1911 (siehe Seite 181/182), und nach Ausführungen über «Wortfüllsel» und «rhetorische Verbrämungen» fügt er hinzu: «Wenn man das Vorgetragene ganz genau nimmt, so darf man in den Sätzen nicht nur nichts ändern, sondern man muß auch genau auf die Grenze achten, die in die Formulierungen mit aufgenommen ist.» -
Bald nach dem Erscheinen von «Zyklus OP» im Jahr 1927 meldeten sich eine Reihe von Ärzten, die auf Fehler in den Texten aufmerksam machten und entsprechende Korrekturen vorschlugen. Für die späteren Auflagen 1957 und 1971 konnte der Herausgeber Dr. med. H. W. Zbinden durch Prüfung der damals vorliegenden Nachschriften einige sachliche Korrekturen durchführen; die Vegelahnsche Textbearbeitung wurde dadurch jedoch nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Die Tatsache, daß es sich bei dieser keineswegs um den originalen Wortlaut Rudolf Steiners handelt, konnte erst in jüngster Zeit festgestellt werden durch einen genauen Vergleich mit den anderen, auf Stenogramme zurückgehenden Nachschriften. Einige dieser Unterlagen hat die Nachlaßverwaltung erst in den letzten Jahren erhalten.
Trotz der zahlreichen Differenzen in den einzelnen Wortlauten der verschiedenen Nachschriften sind Inhalt, Aufbau und Verlauf der Vorträge von allen Nachschreibern gleich wiedergegeben. Diese Tatsache ermöglichte es, nunmehr für die Neuausgabe 1991 eine neue Textfassung zu erarbeiten, deren Grundlage die am wenigsten bearbeiteten Niederschriften der Stenographen sind:
- die Erstausschriften von Walter Vegelahn und Fritz Mitscher, sowie die handschriftlichen Stenogrammübertragungen von Wilhelm Friedrich und von Unbekannt. Die Referate von van Leer und von Fritz Rascher wurden inhaltlich mit beigezogen. Auch diese verbesserte Textfassung enthält Unklares und Lükkenhaftes, das mangels eines wortgetreuen Stenogrammes nicht rekonstruiert werden kann. Inhalt und Aufbau der Vorträge sind jedoch durch die zahlreichen Unterlagen gesichert.



Hinweise zum Text

206 Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nummer angegeben. Siehe auch die Übersicht am Schluß des Bandes.


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13 die geistige, übersinnliche Grundlage der Organe, der Lebensformen, der Lebensprozesse: In seiner Schrift «Anthroposophie - Ein Fragment aus dem Jahre 1910» (GA 45) gibt Rudolf Steiner im Kapitel IV «Die Lebensvorgänge» eine Schilderung des Sinneslebens des Menschen im Verhältnis zu seinem inneren Leibesleben. Diese inneren Lebensvorgänge werden dort charakterisiert als Atmen, Wärmung, Ernährung, Absonderung, Erhaltung, Wachstum und Hervorbringung. Erweiterte und modifizierte Darstellungen finden sich in den Vorträgen vom 12. August 1916, enthalten im Band «Das Rätsel des Menschen» (GA 170), und vom 29. Oktober 1921, enthalten im Band «Anthroposophie als Kosmosophie - Zweiter Teil» (GA 208). Siehe hierzu auch in Heft Nr. 58/59 der «Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe» die Aufzeichnungen Rudolf Steiners zu den Sinnesbereichen und Lebensstufen, mit einem Vorwort von Hendrik Knobel.
16 -was über die Bedeutung der Organe in bezug auf den Menschen gesagt wird, das kann nicht… in gleicher Weise für die Tiere gesagt werden: Ausführliche Darstellungen darüber gibt Rudolf Steiner u. a. in folgenden Berliner Vorträgen: «Menschenseele und Tierseele», «Menschengeist und Tiergeist», am 10. und 17. November 1910, beide enthalten im Band «Antworten der Geisteswissenschaft auf die großen Fragen des Daseins» (GA 60), «Der Ursprung der Tierwelt im Lichte der Geisteswissenschaft» am 18. Januar 1912, enthalten im Band «Menschengeschichte im Lichte der Geistesforschung» (GA 61), «Menschenwelt und Tierwelt nach Ursprung und Entwickelung dargestellt im Lichte der Geisteswissenschaft» am 15. April 1918, enthalten im Band «Das Ewige in der Menschenseele» (GA 67), sowie am 28. Juli 1922 in Dornach, enthalten in dem Band «Das Geheimnis der Trinität» (GA 214).
17 daß Goethe, Oken… den Blick darauf gerichtet haben, daß die Schädelknochen gewisse Formähnlichkeiten haben mit den Wirbelknochen des Rückgrates: Lorenz Oken (1779-1851), Professor in Jena und München, ab 1832 in Zürich, veröffentlichte 1807 beim Antritt seiner Professur in Jena ein Programm: «Über die Bedeutung der Schädelknochen», in dem er die von Goethe 1790 entdeckte Wirbeltheorie als seine Entdeckung vortrug. Goethe hatte seine Wirbeltheorie des Schädels schon 1790 im Freundeskreise vorgetragen, sie jedoch erst nach Oken veröffentlicht. Siehe hierzu in «Goethes naturwissenschaftliche Schriften», 5 Bände, herausgegeben und kommentiert von Rudolf Steiner in Kürschners «Deutsche National-Litter atur», GA la-e, in Band I «Bildung und Umbildung organischer Naturen» die Aufsätze Goethes «Zwischenknochen», Abschnitt VIII, und «Das Schädelgerüst aus sechs Wirbelknochen auf erbaut», sowie die dazugehörigen Fußnoten Rudolf Steiners (a.a.O. Seite 316-323). Goethe schreibt dort: «… ein solches Gewahrwerden, Auffassen, Vorstellen, Begriff, Idee, wie man es nennen mag, behält immerfort, man gebärde sich, wie man will, eine esoterische Eigenschaft; im ganzen läßt sich's aussprechen, aber nicht beweisen…» - und Rudolf Steiner in einer Fußnote dazu:
«Eine solche ideelle Wahrheit kann und muß zunächst ganz allgemein, abgesehen von jedem einzelnen Falle, aufgefaßt werden. Daß sie sich als solche nun nicht beweisen läßt, hat seinen guten Grund. Ein Beweis kann immer nur die Begründung irgend eines Satzes durch etwas anderes sein. Jene Wahrheit trägt aber ihre Gewähr in sieb selbst, kann also nicht durch etwas anderes begründet werden. Dies zu erkennen, geht nun freilich jenen ab, welche glauben, allgemeine Wahrheiten seien nur abstrakte Sätze aus unzähligen Beobachtungen abgeleitet. Die Aufgabe der empirischen Wissenschaft kann nur sein, zu zeigen, wie sich eine allgemeine, ihre Gewähr in sich selbst tragende Wahrheit in ihrer Verwirklichung im Individuellen darstellt.»
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18 in unserem Gehirn ein differenziertes Rückenmark: Ergänzende Ausführungen in bezug auf die kosmische Evolution des Hauptes, wenn man zurückgeht bis zur Mondenentwickelung, finden sich u. a. in folgenden Vorträgen: Am 20. Dezember 1914, enthalten im Band «Okkultes Lesen und okkultes Hören» (GA 156); am 26. und 27. November 1920, enthalten im Band «Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit und dem Physischen des Menschen» (GA 202); am 12. Januar 1924, enthalten im Band «Mysterienstätten des Mittelalters» (GA 233 a), sowie in den Vorträgen des Bandes «Die Sendung Michaels» (GA 194).

Siehe: Rudolf Steiners Aufsatz «Goethes Naturanschauung gemäß den neuesten Veröffentlichungen des Goethe-Archivs» (heute enthalten in GA 30), worin er über eine Tagebuchaufzeichnung Goethes aus dem Jahr 1790 berichtet. «Das Hirn selbst ist nur ein großes Hauptganglion. Die Organisation des Gehirns wird in jedem Ganglion wiederholt, so daß jedes Ganglion als ein kleines subordiniertes Gehirn anzusehen ist.»
25 die menschliche Aura: Ausführlich dargestellt in Rudolf Steiners «Theosophie» (GA 9), im Kapitel «Von den Gedankenformen und der menschlichen Aura», sowie in dem Aufsatz «Von der Aura des Menschen», enthalten im Band «Lucifer - Gnosis. Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie» (GA34).
30 sogenanntes blaues Blut: Die populäre Vereinfachung, das venöse Blut als «blau» und das arterielle Blut als «rot» zu bezeichnen, läßt sich nicht auf den Lungenkreislauf anwenden: hier führen die vom Herzen zur Lunge gehenden Arterien «blaues» Blut, die von der Lunge zum Herzen führenden Arterien dagegen «rotes» Blut. Über die Besonderheiten des Lungenkreislaufes sagt Rudolf Steiner am 26. Mai 1922 (in «Menschliches Seelenleben und Geistesstreben» (GA 212): «Das Ich… schlüpft in die Organe der Lunge hinein; mit den Adern, die von der Lunge zum Herzen hineingehen, nähert sich das Ich immer mehr dem Herzen. Das Ich folgt immer mehr und mehr, … innig verbunden mit dem Blutkreislauf, dem Wege dieses Blutkreislaufes. So daß… das Ich eingreift in dasjenige, was aus dem Zusammenschluß des ätherischen und des astralischen Herzens gebildet worden ist.»
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31 Nebenströmung…, welche ins Gehirn führt: Gemeint sind die beiden Kopfschlagadern.
38 wie die äußere Wissenschaft von einer spekulativen Lebenskraft gesprochen hat: Die Anschauung von der Lebenskraft, der «vis vitalis», welche bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts verbreitet war, ist ein Produkt rein spekulativen Denkens; sein eigentliches Wesen, das «vitale Prinzip», ist unbekannt, unbegründbar und phänomenologisch nicht zu erfassen. Daß mit der Bezeichnung «Ätherleib» etwas ganz anderes gemeint ist als mit der «Lebenskraft» der älteren Naturwissenschaft, schreibt Rudolf Steiner in seinem Buch «Theosophie» (GA 9) in einer Fußnote zum Kapitel «Das Wesen des Menschen», in Abschnitt IV. Leib, Seele und Geist. Ergänzendes u. a. in den Vorträgen vom 7. Februar 1918 in «Das Ewige in der Menschenseele» (GA 67) und vom 6. April 1921 in «Die befruchtende Wirkung der Anthroposophie auf die Fachwissenschaften» (GA 76).
40 in dem Blutsystem ein Abbild des Ich… und in dem Nervensystem ein Abbild des Astralleibes: Siehe hierzu auch Rudolf Steiners Ausführungen im Vortrag vom 21. Oktober 1907 vormittags, enthalten im Band «Mythen und Sagen» (GA 101).
52 was wir das sympathische Nervensystem nennen: Siehe hierzu: Dr. Rudolf Steiner / Dr. Ita Wegman «Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen» (GA 27), Kapitel VI. Blut und Nerv. Man unterscheidet ein sympathisches und ein parasympathisches System und faßt beide als vegetatives bzw. autonomes Nervensystem zusammen. Es bestehen jedoch weniger anatomische als physiologische Unterscheidungsmerkmale. Der Ausdruck «parasympathisches Nervensystem» wurde erst im Jahr 1905 eingeführt, es findet in den Darstellungen Rudolf Steiners keine Erwähnung.

Sonnengeßecht: Das mächtigste Geflecht des Sympathikus wird als Plexus solaris bzw. Plexus coeliacus bezeichnet und befindet sich im Oberbauch. Ergänzende Ausführungen Rudolf Steiners über das Sonnengeflecht finden sich u.a. in folgenden Vorträgen: 26. September und 7. Oktober 1905 im Band «Grundelemente der Esoterik» (GA 93 a), und 8. Juni 1912 im Band «Der Mensch im Lichte von Okkultismus, Theosophie und Philosophie» (GA 137).
56 die mystische Versenkung: Ausführlich dargestellt in den Vorträgen vom März 1910 im Band «Makrokosmos und Mikrokosmos» (GA 119).

daß alles, was im leidenschaftlichen Blute ist, mit hineingeprägt wird in das sympathische Nervensystem: Siehe hierzu Rudolf Steiners Vortrag vom 14. Januar 1917, enthalten im Band «Zeitgeschichtliche Betrachtungen - Zweiter Teil» (GA 174): «Das wirkliche Ich greift als bildsame Kraft durch das Sonnengeflecht in die ganze Organisation des Menschen ein. … Da das Gangliensystem die ganze Zirkulation des Blutes mitbedingt, so widerspricht das auch nicht der Tatsache, daß das Ich im Blute seinen Ausdruck hat. … Was nun als Gangliensystem, als Sonnengeflecht im Menschen lebt, ist schon vor der Mondenentwickelung herübergekommen und stellt gewissermaßen das Haus für das Ich dar.»
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57 wenn ich durch mein sympathisches Nervensystem hellsichtig werde: In späteren Jahren spricht Rudolf Steiner von «Bauchhellsehen». Siehe hierzu u. a. die Vorträge vom 27. März und vom 1. Mai 1915, beide enthalten im Band «Wege der geistigen Erkenntnis und der Erneuerung künstlerischer Weltanschauung» (GA 161), vom 4. Januar 1915 (2. Teil des Vortrages), enthalten in «Kunst im Lichte der Mysterienweisheit» (GA 275), vom 15. Februar 1915 im Band «Die geistigen Hintergründe des ersten Weltkrieges» (GA 174 b), vom 2. März 1915 im Band «Menschenschicksale und Völkerschicksale» (GA 157).
59 wenn wir den äußeren Rhythmus des Kosmos wiedererkennen im BlutPulsschlag: Der Frühlingsaufgangspunkt der Sonne - also der Punkt innerhalb des Tierkreises, an dem die Sonne zum Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche im Frühling aufgeht - bleibt bekanntlich nicht immer der gleiche, es verschiebt sich dieser Punkt vielmehr im Verlaufe von 72 Jahren um ein Grad. Der Zeitraum, in welchem die Sonne so den ganzen Tierkreis durchläuft, beträgt etwa 25920 Jahre. Man nennt dies ein Weltenjahr oder ein platonisches Jahr. - Der Mensch atmet innerhalb einer Minute normalerweise 18mal, das sind in einer Stunde 1080, in einem Tage = 25920 Atemzüge. 25 920 Erdentage wiederum sind die durchschnittliche Lebensdauer des Menschen, etwa 72 Jahre. Rudolf Steiner hat auf diese Zusammenhänge häufig aufmerksam gemacht, besonders ausführlich in den Vorträgen vom 28. Januar 1917 im Band «Zeitgeschichtliche Betrachtungen - Zweiter Teil» (GA 174), vom 13. Februar 1917 im Band «Bausteine zu einer Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha» (GA 175) und vom 24. September 1924 im Band «Die Schöpfung der Welt und des Menschen» (GA 354).
62 Es wäre nun… interessant zu sehen, ob die äußere Physiologie solche Dinge… bestätigen würde: Ein erster Versuch der experiementellen Bestätigung dieser Anschauungen wurde von Lilly Kolisko unternommen mit ihrer Arbeit «Milzfunktion und Plättchenfrage», Stuttgart 1922. In späteren Kursen für Ärzte hat Rudolf Steiner wiederholt auf diese Arbeit hingewiesen.
64 Daß ein System sich abschließt: Vom kosmologischen Aspekt aus hat Rudolf Steiner auf diese Probleme hingewiesen in den Vorträgen «Die Evolution vom Gesichtspunkt des Wahrhaftigen» (GA 132), ergänzend zu dem in dem Buch «Die Geheimwissenschaft im Umriß» (GA 13) Dargestellten.
66 enthalten Mythen und Sagen wirkliche Weisheiten über das menschliche Wesen, wirkliche Physiologie: Siehe hierzu die Vorträge vom Oktober 1907 im Band «Mythen und Sagen» (GA 101).

Namen wie Kain und Abel: Siehe hierzu die Vorträge vom 27. März 1913 enthalten im Band «Welche Bedeutung hat die okkulte Entwickelung des Menschen für seine Hüllen und sein Selbst?» (GA 145) sowie vom 10. Juni 1904 im Band «Die Tempellegende und die Goldene Legende» (GA 93).

Wie haben wir es heute so herrlich weit gebracht!: Nach Goethes «Faust», I. Teil, Nacht (Zeile 573): Und wie wirs dann zuletzt so herrlich weit gebracht.
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67 in den Namen der Mythen und Sagen erst einen Sinn finden, wenn sie darin die Physiologie erkennen: Siehe Hinweise zu Seite 66. Anhand der griechischen Mythologie wurde dies dargelegt in den Vorträgen vom August 1911 in dem Band «Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen» (GA 129).
68 in dem ersten öffentlichen Vortrage: «Wie widerlegt man Theosophie?», Vortrag vom 19. März 1911, in der Gesamtausgabe noch nicht erschienen, nach einer mangelhaften Nachschrift abgedruckt in «Mensch und Welt, Blätter für Anthroposophie» 1968, Nr. 1-2.
80 Während wir durch den Atmungsprozeß die Außenwelt stofflich aufnehmen, nehmen wir im Wahrnehmungsprozeß… etwas durch einen vergeistigten Atmungsprozeß in unseren Organismen auf: Ergänzende Gesichtspunkte hierzu gibt R. Steiner u.a. in folgenden Vorträgen: Am 16. April 1921, im Band «Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie» (GA 313): «Das Sinneswahrnehmen ist nichts anderes als ein verfeinerter, das heißt ein ins Ätherische hineingetriebener Atmungsprozeß.» - Am 21. Juli 1924, im Band «Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin» (GA 319): «So haben wir also in der Atmung gegeben einen gröberen Prozeß, wo der eingeatmete Sauerstoff sich mit dem Kohlenstoff unseres Organismus verbindet und als Kohlensäure ausgeatmet wird. Daneben haben wir einen feineren Prozeß, wo sich der Sauerstoff mit dem Silizium zu Kieselsäure verbindet und als solche in die menschliche Organisation hinein abgesondert wird.» - Am 28. August 1924 in dem gleichen Band: «Diese Kieselsäure ist das äußerliche Korrelat, die Wirksamkeit nach außen für die Ich-Organisation. Astralischer Leib: das innerlich Spirituelle; Kohlensäureprozeß: das äußerliche Physische…».
82 Denen stehen andere [Weltanschauungen] gegenüber, die materialistischen: z.B.

Carl Vogt, 1817-1895: «Physiologische Briefe für Gebildete aller Stände» (1845, Seite 206): «Ein jeder Naturforscher wird wohl denke ich bei einigermaßen folgerichtigem Denken auf die Ansicht kommen, daß alle jene Fähigkeiten, die wir unter dem Namen der Seelentätigkeiten begreifen, nur Funktionen der Gehirnsubstanz sind; oder, um mich einigermaßen grob hier auszudrücken; daß die Gedanken in demselben Verhältnis etwa zu dem Gehirn stehen, wie die Galle zu der Leber oder der Urin zu den Nieren. Eine Seele anzunehmen, die sich des Gehirns wie eines Instrumentes bedient, mit dem sie arbeiten kann, wie es ihr gefällt, ist reiner Unsinn.»

Jacob Moleschott, 1822-1893. In «Der Kreislauf des Lebens» (1852, Seite 402) schließt sich dieser der Ansicht Carl Vogts an: «Der Vergleich ist unangreifbar, wenn man versteht, wohin Vogt den Vergleichspunkt verlegt. Das Gehirn ist zur Erzeugung der Gedanken ebenso unerläßlich, wie die Leber zur Bereitung der Galle und die Niere zur Abscheidung des Harns.»

Demgegenüber sagt Rudolf Steiner im Vortrag vom 30. Januar 1921, enthalten im Band «Die Verantwortung des Menschen für die Weltentwickelung» (GA 203): «Es ist ein Unsinn, denn das Umgekehrte ist richtig, daß nämlich von den Gedanken das Gehirn abgeschieden wird, natürlich immer neu abgeschieden wird, weil es immer wiederum vom Stoffwechselorganismus aus ersetzt wird.»
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82 Psychophysiscber Parallelismus: Eine 1860 von Gustav Theodor Fechner (1801-1887) begründete psychologische Teilwissenschaft, nach der Leib und Seele als zwei getrennte, doch einander korrespondierende Erscheinungen zusammenhängen.
83 £5 sind Seelenübungen notwendig, um den Menschen in die übersinnliche Welt hineinzuführen: Siehe «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten» (GA 10) und «Die Geheimwissenschaft im Umriß» (GA 13), Kapitel «Zur Erlangung übersinnlicher Erkenntnisse».
85 überall im Ätherleibe Strömungen sich entwickeln: Ergänzendes hierzu u. a. im Vortrag vom 25. August 1911, enthalten in «Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen» (GA 129) und vom 1. Oktober 1911 «Die Atherisation des Blutes», enthalten in «Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit» (GA 130).
95 wurde die Milz zu allen Zeiten in der okkulten Literatur… immer als ein besonders geistiges Organ angesehen und geschildert: Z. B. in H. P. Blavatskys «Geheimlehre».
107 daß das Außenlehen und das Innenleben des Menschen… in einem Gegensatz zueinander stehen und… in Spannungen zum Ausdruck kommt… in den Organen des Gehirnes, die wir als Zirbeldrüse und Gehirnanhang bezeichnen: Die Zirbeldrüse (Corpus pineale, Glandula pinealis, Epiphysis cerebri) ist schon beim Embryo mit 12 Wochen deutlich zu identifizieren. Die in ihr stattfindenden Mineralisierungsprozesse sind mit Beginn der Pubertät so weit vorgeschritten, daß sich der sogenannte «Hirnsand» nachweisen läßt, der biochemisch aus Kalk- und Magnesiumsalzen besteht. Die Epiphyse ist stark von Fasern des sympathischen Nervensystems durchdrungen und ist stark durchblutet. Eine intensive wissenschaftliche Erforschung der Zirbeldrüse setzte etwa 1959 ein; übereinstimmend wurde eine Abhängigkeit von Lichtverhältnissen und eine Tages- und jahreszeitliche Rhythmik des Organs festgestellt.
Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse, Glandula Pituitaria - Schleimdrüse) ist ein an der Hirnbasis in den Türkensattel des Keilbeins eingelagertes inkretorisches Organ, welches im wesentlichen die Funktionen der übrigen Hormondrüsen des Körpers reguliert. Sie hat die Größe einer Haselnuß. Es lassen sich insgesamt etwa 20 verschiedene Hypophysenhormone nachweisen, welche aus dem Vorderlappen (Adenohypophyse) und dem Hinterlappen (Neurohypophyse) ins Blut abgesondert werden. - Im Jahr 1911 - als diese Vorträge gehalten wurden - stand die Erforschung der Hypophyse noch ganz in den Anfängen. (Literatur: Dietrich Boie: «Das erste Auge», Stuttgart 1968.)
114 Das Blut ist nicht nur im Sinne des Dichterwortes «ein ganz besonderer Saft»: In Goethes «Faust» sagt Mephistopheles, nachdem Faust den Vertrag mit Blut unterzeichnet hat: «Blut ist ein ganz besondrer Saft» (Faust I, Studierzimmer, Zeile 1740). Rudolf Steiner hielt einen Vortrag mit diesem Titel am 25. Oktober 1906, enthalten im Band «Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit» (GA 55).
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114 das Verhältnis von menschlichem Blut zu tierischem Blut: Schon im Vortrag vom 21. Oktober 1907 vormittags hatte Rudolf Steiner ausgeführt: «IchWesen sind die Büdner und Baumeister dieses roten Blutes (beim Menschen). Sie wirkten von außen, damit das Ich sich in den Menschen versenken konnte. Die Tiere haben das Ich noch nicht. Wo beim Tier rotes Blut ist, da wirken Wesen von außen; die Tiere sind vom roten Blute <besessen>. Der Mensch aber kommt dadurch zur Freiheit, daß er von seinem Ich, von sich selbst <besessen> ist. Er mußte von sich selbst Besitz ergreifen, um die Herrschaft über sein Blut erlangen zu können.»
125 Phrenologie: Begründer der sogenannten Schädellehre (Phrenologie) war Franz Joseph Gall (1758-1828). Er glaubte, psychologische Eigenarten und moralische Qualitäten kämen in der Hirnoberfläche zum Ausdruck und ihre Über- oder Unterentwicklung könne durch Palpation des äußeren knöchernen Schädels festgestellt werden. Galls Lehre fand zu seiner Zeit weite Verbreitung, er trug sie 1805 auch in Gegenwart Goethes vor; in weiten Kreisen wurde die Phrenologie allerdings als Modetorheit aufgefaßt. - Nach Aussagen Rudolf Steiners ist eine individuelle Berechtigung der Phrenologie insofern gegeben, als sich Kräfte, die in einem vorangegangenen Leben erworben wurden, in den Höckerbildungen des Schädels ausdrücken: «… das, was die Individualität während des vorhergehenden Lebens … oft mit sich verbunden hat und was doch den Kopf nicht mehr hat umbilden können, das drückt sich da aus.» - Siehe hierzu auch die Ausführungen Rudolf Steiners im Vortrag vom 27. Juni 1916 im Band «Weltwesen und Ichheit» (GA 169) und im 3. Vortrag des «Heilpädagogischen Kurses» (GA 317).
131 Wenn ich… ein halbes Jahr über diese Dinge hier sprechen könnte: Erst vom Jahr 1920 an hat Rudolf Steiner auf Bitten von Ärzten viele Vorträge über Medizin gehalten: «Geisteswissenschaft und Medizin» 1920 (GA 312); «Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie» 1921 (GA 313); «Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft» 1920-1924 (GA 314); «Heileurythmie» 1921-1922 (GA 315); «Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst» 1924 (GA 316); «Heilpädagogischer Kurs» 1924 (GA 317); «Das Zusammenwirken von Ärzten und Seelsorgern» 1924 (GA 318); «Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin» 1923-1924 (GA 319).
138 «Es ist nichts in der Haut, was nicht im Knochen ist»: Goethe, im Gedicht «Typus»:

Es ist nichts in der Haut,
Was nicht im Knochen ist.
Vor schlechtem Gebilde jedem graut,
Das ein Augenschmerz ihm ist.
Was freut denn jeden? Blühen zu sehen
Das von innen schon gut gestaltet;
Außen mag's in Glätte, mag in Farben gehen:
Es ist ihm schon voran gewaltet.

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140 bestehen die Knochen zum Teil aus phosphorsaurem und kohlensaurem Kalk: Hierzu sagt Rudolf Steiner im Vortrag vom 4. Januar 1924, enthalten im Band «Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst» (GA 316): «… Der kohlensaure Kalk bildet für die Erde den substantiellen Angriffspunkt, um nach ihren Bildungskräften den Knochen zu formen. Der phosphorsaure Kalk bildet für den Kosmos den Angriffspunkt, um den Knochen zu formen.»
152 die übersinnliche Form, welche als ein aus den übersinnlichen Welten herausgeborenes Kraftsystem dazu bestimmt ist, die Materie aufzunehmen: In anderem Zusammenhang spricht Rudolf Steiner von «der Formgestalt des physischen Leibes, welche als ein Geistgewebe die physischen Stoffe und Kräfte verarbeitet, so daß sie in die Form hineinkommen, die uns als der Mensch auf dem physischen Plane entgegentritt» und nennt diese Formgestalt das «Phantom» des Menschen (im Vortrag vom 10. Oktober 1911, enthalten im Band «Von Jesus zu Christus», GA 131). Die verschiedenen Angaben Rudolf Steiners hierüber wurden von Maximilian Rebholz dargestellt in seinem Aufsatz «Beiträge zum Phantom-Problem», erschienen 1957 in «Studien zur Geisteswissenschaft».
167 eine Art Metalldampf: Durch Kondensation von Metalldämpfen an einer gekühlten, glatten Oberfläche werden Metallspiegel gewonnen. Indem das Metallwesen dem Kosmos durch diesen Destillationsprozeß angenähert wird, wird die Heilwirkung der Metalle gesteigert.
171 Alles, was über die Umwandlung der Organe gesagt worden ist, laßt sich nachweisen durch embryologische Untersuchungen: Siehe hierzu die Arbeiten von Erich Blechschmidt: «Die vorgeburtlichen Entwicklungsstadien des Menschen. Eine Einführung in die Humanembryologie», 1960, und «Der menschliche Embryo. Dokumentation zur kinetischen Anatomie», 1963.
172 Während nun das Rückenmark und das Lymphsystem auf früheren Stufen eine aufsteigende Tendenz zeigten, müssen wir von dem heutigen Rückenmark und Lymphsystem sagen, daß sie in absteigender Entwickelung begriffen sind: Siehe hierzu den Vortrag vom 21. Oktober 1907 vormittags, enthalten im Band «Mythen und Sagen» (GA 101).
178 die …Menschenseelen werden zu neuen Daseinsstufen fortschreiten: Siehe hierzu «Die Geheimwissenschaft im Umriß» (GA 13), Kapitel: «Gegenwart und Zukunft der Welt- und Menschheitsentwickelung».
181 Im Anschluß an die öffentlichen Vorträge «Wie widerlegt man Theosophie?» und «Wie verteidigt man Theosophief»: Die Vorträge wurden am 19. und 25. März 1911 gehalten und sind in der Gesamtausgabe noch nicht erschienen. Sie sind 1968 veröffentlicht worden in «Mensch und Welt», Blätter für Anthroposophie, Nrn. 1-4, allerdings nach einer mangelhaften Nachschrift.
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182 Es wurde gefragt…: Hiervon liegt keine Nachschrift vor.
189 Ein bedeutender Erkenntnistheoretiker der Gegenwart: Otto Liebmann (1840-1912) in seinem Werk «Zur Analysis der Wirklichkeit. Eine Erörterung der Grundprobleme der Philosophie», 3. Aufl., Straßburg 1900, S. 28. Wörtlich heißt es: «Gerade deshalb, weil in der Tat kein vorstellendes Subjekt aus der Sphäre seines subjektiven Vorstellens hinaus kann, gerade deshalb, weil es nie und nimmermehr mit Überspringung des eigenen Bewußtseins, unter Emanzipation von sich selber, dasjenige zu erfassen und zu konstatieren imstande ist, was jenseits und außerhalb seiner Subjektivität existieren oder nicht existieren mag, gerade deshalb ist es ungereimt, behaupten zu wollen, daß das vorgestellte Objekt außerhalb der subjektiven Vorstellung nicht da sei.»

in meinen erkenntnistheoretischen Schriften: Siehe «Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung mit besonderer Rücksicht auf Schiller» (1886) GA 2, sowie «Wahrheit und Wissenschaft» (1892) GA3.
190 ein bekannter und bedeutender Philosoph: Eduard von Hartmann, 1842-1906. Siehe Rudolf Steiner «Mein Lebensgang», GA 28, Kapitel IX, und den Aufsatz «Philosophie und Anthroposophie» im Band mit dem gleichen Titel, GA 35.
192 *) In der Nachschrift ist vermerkt, daß Rudolf Steiner an dieser Stelle hinwies auf die Begriffe «Ich» und «Nicht-Ich», wie sie von Carl Unger behandelt wurden in seiner Schrift «Das Ich und das Wesen des Menschen», die kurz zuvor im Philosophisch-Theophischen Verlag erschienen war. Dieser Aufsatz ist heute zugänglich in «Carl Unger, Schriften», Erster Band.




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