Ansprache beim Tode von Sophie Sünde
Berlin, 18. November 1915
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| 150 | Für diejenigen, die infolge der schweren Kriegsereignisse durch die Pforte des Todes gegangen sind, sprechen wir auch heute unsere Formel:
Geister Eurer Seelen, wirkende Wächter,
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| 151 | ersten intimen Vorträge über unsere Sache, die ich in München zu halten hatte, konnte ich im Jahre 1904 in ihrem und ihrer Freundin, der Gräfin Pauline Kalckreuth Hause halten. Und man darf sagen: Von diesem ersten Mal an, da uns Fräulein Stinde näher trat, verband sie nicht nur ihre ganze Persönlichkeit, sondern ihre ganze, auch so wertvolle, so ausgezeichnete, so tief in die Waagschale fallende Arbeitskraft mit unserer Sache. - Sie verließ ja dasjenige, was ihr vorher als ein künstlerischer Beruf - Fräulein Sophie Stinde war Landschaftsmalerin - teuer war, um sich ganz und einzig, mit ihrer ganzen Kraft in den Dienst unserer Sache zu stellen. Und sie hat in einer selten objektiven, in einer ganz unpersönlichen Weise seit jener Zeit intensiv für diese unsere Sache im engeren Kreise und im weiteren Kreise gewirkt. Für München war sie die Seele unseres ganzen Wirkens. Und sie war eine solche Seele, von der man sagen konnte, daß sie durch die inneren Qualitäten ihres Wesens die allerbeste Garantie dafür abgab, daß an diesem Orte, in München, unsere Sache in der allerbesten Weise sich entwickeln könne. Sie wissen ja, es hatten die Aufführungen der Mysterienspiele und all dasjenige, was damit verbunden war für München, den dort für uns tätigen Persönlichkeiten in den früheren Jahren - eine ganze Reihe von Jahren hindurch - eine riesige Arbeitslast auferlegt. Dieser Arbeitslast unterwarf sich Fräulein Stinde mit ihrer Freundin in der allerintensivsten Weise, und vor allen Dingen darf gesagt werden, in der allerverständnisvollsten Weise, die ganz aus dem innersten Wesen unserer Sache herausgeboren war, aus dem Wollen, das nur selber aus diesem inneren Wesen unserer Sache herausgeboren werden kann. Und man darf vielleicht auch andeuten, daß die intensive Arbeit, welche Fräulein Stinde geleistet hat, wirklich ihre Lebenskraft in den letzten Jahren sehr stark verzehrt hat. So daß man wirklich sich gestehen muß: Diese wertvolle, vielleicht etwas zu schnell in den letzten Jahren aufgezehrte Lebenskraft, war in der schönsten, in der tief befriedigendsten Weise unserer Sache gewidmet. - Und es ist wohl unter denen, welche Fräulein Stinde näher kannten, niemand, der sich des Eindruckes je ganz erwehren konnte, daß gerade diese Persönlichkeit zu unseren alier-allerbesten Arbeitern gehörte. |
| 152 | Es ist gewiß manches auch in der Tätigkeit von Fräulein Sünde da oder dort mißverstanden worden, und es steht zu hoffen, daß auch diejenigen unserer Freunde und Anhänger, welche das Wirken Fräulein Stindes durch Vorurteil verkannt haben, nachträglich das sonnenhaft Kraftvolle, das von dieser Persönlichkeit ausgegangen ist, voll anerkennen werden. Und jene, die aus unserem weiteren Kreise beobachten konnten, was Fräulein Stinde für unsere Sache tat, die werden ihr mit all denen, die ihr nähergestanden haben, das allertreueste Andenken bewahren. Wie wir gerade von ihr sicher sein können, daß wir das Wort ganz besonders betonen dürfen, welches in diesen Tagen öfters ausgesprochen werden mußte in Anknüpfung an den Abgang vom physischen Plane mancher unserer Freunde. Es darf gerade im Hinblick auf Fräulein Stinde - bei dem vielen Angefochtenwerden und bei der Gegnerschaft, die unsere Sache in der Welt hat - dieses Wort betont werden: Wir, die wir treu und ehrlich zu den geistigen Welten uns bekennen, zählen jene, die nur die Form ihres Daseins gewechselt haben, die aber, trotzdem sie durch die Pforte des Todes gegangen sind, als Seelen treu mit uns vereint sind, zu unseren wichtigsten, bedeutungsvollsten Mitarbeitern. - Jene Schleier, die noch vielfach diejenigen umgeben, die im physischen Leibe verkörpert sind, sie fallen ja nach und nach ab, und die Seelen dieser unserer teuren Toten wirken - dessen sind wir uns gewiß - mitten unter uns. Und wir brauchen gerade solche Hilfe. Wir brauchen solche Hilfe, die nicht mehr angefochten wird vom physischen Plane aus, solche Hilfe, die auch keine Rücksicht mehr zu nehmen hat in bezug auf die Hemmnisse des physischen Planes. Und wenn wir den tiefen, ernsthaftesten Glauben an das Fortkommen unserer Sache in der Weltkultur haben, so ist es mit darum, daß wir uns vollbewußt sind, daß diejenigen, die einmal zu uns gehört haben, auch dann, wenn sie mit geistigen Mitteln aus der geistigen Welt unter uns wirken, unsere besten Kräfte sind. Manchmal wird das Vertrauen, das wir brauchen in unsere Sache, sich erhärten müssen daran, daß wir wissen: Wir danken unsern toten Freunden, daß sie mitten unter uns sind, und daß wir, mit ihren Kräften vereint, die Arbeit für die geistige Weltenkultur leisten können, die uns obliegt. |
| 153 | In diesem Sinne nur wollte ich mit ein paar Worten heute schon dieses schmerzliche Ereignis berühren und will nur noch Ihnen sagen, daß die Kremation am nächsten Montag um 1 Uhr in Ulm stattfinden wird. |