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VI ANSPRACHE UND BESPRECHUNGEN BEI ÄRZTEZUSAMMENKÜNFTEN III : ZWEITE BESPRECHUNG, Dornach, 23. April 1924

VI ANSPRACHE UND BESPRECHUNGEN BEI ÄRZTEZUSAMMENKÜNFTEN III : ZWEITE BESPRECHUNG, Dornach, 23. April 1924

Viscum als spezifisches Heilmittel. Karzinom.
Vorwegbericht aus dem Buch «Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst». Beispiel: Von der Diagnose zur Therapie. Vierter Fall, Seite 97: Lähmung, Atrophiestellen des Ätherleibes, Astralleib dringt nicht ein. Zu starkes Eingreifen des Astralleibes im physischen Leib. Gelenkrheuma: Astralleib greift in den Gelenken unmittelbar in den physischen Leib ein: Krampf oder Entzündung. Verschlechterung der Zähne. Ursache von häufigen Träumen: Schwäche des Ätherleibes. Urinbefunde. Schwäche für Geruchseindrücke. Vorliebe für süße Speisen: Schwäche des Astralleibes. Okkulter Befund: Mangelhafte Ausbildung der Allantois. Aus der Beschaffenheit des Astralleibes diejenige der Allantois erkennen. Amnion: Physisches Korrelat des Ätherleibes. Allantois: Physisches Korrelat des Astralleibes. Chorion: Physisches Korrelat der IchOrganisation. Dort oft tiefliegende Schädigung durch Generationen hindurch. Auf die Ich-Organisation wirken, zur Harmonisierung von Astralleib und Ätherleib. Wirkung der Pyritsalbe: Astralleib lebhafter. Kaiserschwamm-Salbe-Wirkung. Solidago, Stellaria. Tee von Weidenrinde, Stannum: Große Wirkung bei schwierigem Kind. Schwierigkeiten bei Anamnese. Fünfter Fall aus dem Buch «Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst …»: Schwäche der Ich-Organisation bedeutet ungenügende Fettverdauung. Schwäche der Astralorganisation bringt ungenügende Verarbeitung der Kohlehydrate. Zu schwache Ätherorganisation bewirkt nicht richtige Eiweiß Verarbeitung. Therapie mit Kieselsäure setzt Empfindlichkeit von Astralleib und Ich-Organisation herab. Künstliche Empfindlichkeit durch Senfpflaster: Intimation. Ableiten der Astral-Tätigkeit auf Ätherleib durch Kupfer und Carbo animalis. Pancreaspräparat gegen Äther-Schwäche in den Verdauungsorganen. Silberinjektionen stärken den Ätherleib bei Fiebern. Schädigung mit Stoffwechselablagerungen durch Ich-Organisation. Heimtückische Abbauschädigungen durch Astralleib. Karzinombildung entspricht der Entstehung eines Sinnesorganes wie z.B. der Augenentstehung. Außermenschliche Prozesse wirken wie Fremdkörper. Es entstehen ätherische Einlagerungen. Die Bindung der Wesensglieder ist verschieden. Beim Ohr ganz anders. Mamma-Karzinome durch mechanische Insulte. Viscum-Injektionen gegen Tendenz zu Karzinom. Vererblichkeit. Geisteswissenschaftlich Konstatierbares in Krankheitsprozessen nach den Symptomen meditieren. Geisteswissenschaftliche Ursachen an Symptomen meditieren. Eurythmie: im menschlichen Organismus geht alles Bewußte auf Unbewußtes zurück. Zurückgehaltene Gliederbewegungen nach der Geburt (Beine straff einwickeln) fördert später die Sprachentstehung.


Seite Text
302 In Anknüpfung an die Frage, die gestern Herr Dr. Husemann gestellt hat, haben wir beschlossen, zwei Fälle aus dem Buche, das durch Frau Dr. Wegman demnächst erscheinen wird, vorzulesen. Es kann dann an die Vorlesung dieser Fälle das angeschlossen werden, was ja noch im Sinne Ihrer Frage als wissenswertes Bedürfnis auftritt.
Natürlich werde ich bitten, daß diese Fälle zunächst als ganz diskret betrachtet werden, weil sie integrierende Teile des demnächst erscheinenden Buches sein werden.
Es soll durch diese Fälle gezeigt werden, wie man namentlich durch Diagnose zur Therapie kommt. Gerade dieses soll anschaulich gemacht werden, und zwar aus der Anthroposophie heraus. Man wird sich bei diesem Buche nicht genieren, tatsächlich ganz anthroposophisch zu sprechen.

Frau Dr. Wegman verliest den im Buche «Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen» auf Seite 97ff. [S. 107ff. in GA 27,1984] beschriebenen «Vierten Fall»: «Ein Kind, das uns zweimal in die Klinik gebracht wurde, erst mit vier Jahren, dann mit fünfeinhalb Jahren. Dazu dessen Mutter und die Schwester der Mutter.»

Das ist wichtig, daß Mutter und Schwester dabei waren, Sie werden sogleich sehen, warum.

«Die Diagnose führte von der Erkrankung des Kindes sowohl zu derjenigen der Mutter, wie zu der der Schwester hinüber. Für das Kind konnten wir das Folgende feststellen: Es ist ein Zwillingskind, sechs Wochen zu früh geboren. Das andere Kind war im letzten Embryonalstadium abgestorben. Mit sechs Wochen erkrankte das Kind, schrie außerordentlich viel und wurde in ein Hospital verbracht. Dort stellte man die Diagnose Pylorospasmus. Das Kind wurde teilweise von einer Amme, teilweise künstlich ernährt. Mit acht Monaten wird es vom Hospital entlassen. Zu Hause angekommen, hatte es am ersten Tage einen Krampfanfall, der sich in den ersten zwei Monaten täglich wiederholte. Das Kind wurde dabei steif und verdrehte die Augen. Vor dem Anfall trat Ängstlichkeit und Weinen ein. Auch schielte das Kind mit dem rechten Auge und hatte Erbrechen, bevor der Anfall kam. Mit zweieinhalb Jahren trat wieder ein Anfall ein, der fünf Stunden dauerte. Das Kind wurde wieder steif, und lag wie tot da. Mit vier Jahren trat ein Anfall ein,
303 der eine halbe Stunde dauerte. Für diesen wurde uns zum ersten Mal die Begleitung mit Fiebererscheinungen gemeldet. Nach den Konvulsionen, die nach dem Zurückbringen aus dem Hospital eintraten, merkten die Eltern eine Lähmung des rechten Armes und des rechten Beines. Mit zweieinhalb Jahren kommt das Kind zum ersten Gehversuch, der so ausfällt, daß nur das linke Bein schreiten kann und das rechte nachgezogen wird. Auch der rechte Arm bleibt willenlos. Der gleiche Zustand war noch vorhanden, als uns das Kind gebracht wurde. Es handelte sich darum, festzustellen, wie es mit den Organisationsgliedern des Kindes stand. Dies wurde unabhängig von dem Symptomenkomplex versucht. Es stellte sich eine starke Atrophie des Ätherleibes heraus, der in gewissen Teilen nur einen sehr geringen Einfluß des astralischen Leibes aufnahm.»

Das ist im wesentlichen der Befund. Man hat es zu tun mit einem Ätherleib, der an den verschiedensten Stellen atrophiert ist und an den atrophierten Stellen die Wirkung des Astralleibes nicht aufnimmt. Es sind solche Aussparungen im Ätherieib (siehe Zeichnung). An den

Tafel


Stellen, wo der Ätherleib atrophiert ist, da dringt der Astralleib nicht ein. Es ist an verschiedenen Stellen des Organismus so gewesen.

304 «Die Gegend der rechten Brusthälfte war im Ätherleibe wie gelähmt. Dagegen zeigte sich etwas wie eine Hypertrophie des Astralleibes in der Magengegend.»
\Man muß da Ausdrücke gebrauchen, die ungewohnt sind. Geradeso wie der Ausdruck «Hypertrophie» gebraucht wird für zu tätige, zu regsame Stellen.

«Nun handelte es sich darum, den Symptomenkomplex mit diesen Befunden in Einklang zu bringen. Es ist zweifellos durch den astralischen Leib eine starke Inanspruchnahme des Magens bei der Verdauung vorhanden, die sich aber wegen der Lähmung des Ätherleibes beim Übergang vom Darm in die Lymphgefäße staut. Dadurch ist das Blut unterernährt. Wir müssen die Brechreizerscheinungen daher als besonders wichtige Symptome nehmen. Krämpfe treten immer ein, wenn der ätherische Leib atrophisch wird und der astralische Leib einen unmittelbaren Einfluß auf den physischen Leib erlangt ohne Vermittlung des Ätherleibes.»

Das ist etwas prinzipiell Wichtiges. Die Krampferscheinungen beruhen darauf, daß nicht der regelmäßige Zusammenhang da ist zwischen Astralleib, Ätherleib und physischem Leib. Man hat sich dieses so vorzustellen, daß der Astralleib nur mit Hilfe des Ätherleibes auf den physischen Leib einwirkt. Sind solche atrophische Stellen da, dann greift der Astralleib mit Ausschluß des Ätherleibes auf den physischen Leib. Überall tritt Krampf auf, wo das der Fall ist. Man weiß, daß an einer Stelle, wo Krampf auftritt, der Ätherleib nicht richtig vermittelt zwischen Astralleib und physischem Leib.

«Das war bei dem Kinde im höchsten Maße vorhanden. Wenn dieser Zustand während der Wachstumsperiode, wie es hier der Fall war, dauernd wird, so fallen diejenigen Vorgänge aus, welche das motorische System zur normalen Aufnahme des Willens geeignet machen. Das zeigte sich bei dem Kinde bei der Unbrauchbarkeit der rechten Seite. - Wir mußten nun den Zustand des Kindes mit dem der Mutter n Verbindung bringen. Diese ist 37 Jahre alt, als sie zu uns kommt. Sie gibt an, mit 13 Jahren schon so groß gewesen zu sein wie gegenwärtig. Sie hatte früh schlechte Zähne.»

Das bitte ich besonders zu bemerken. Sie ist vom dreizehnten Jahre bis jetzt nicht mehr gewachsen, so daß ihr ganzes Wachstum bis zur Geschlechtsreife ein abgeschlossenes war.

«Sie hatte früh schlechte Zähne, litt als Kind an Gelenkrheumatismus, behauptet rachitisch gewesen zu sein. Die Menses traten verhältnismäßig früh ein. Die Patientin erklärt, mit 16 Jahren eine Nierenkrankheit gehabt zu haben und spricht auch von
305 krampfartigen Zuständen, die sie gehabt hat. Mit 25 Jahren Obstipation wegen Krampf des Sphinkter ani, der gedehnt werden mußte. Hat auch jetzt bei der Entleerung Krampf. Der ohne Schlußfolgerung aus dem Symptomenkomplex in unmittelbarer Anschauung festgestellte Befund ergibt eine außerordentliche Ähnlichkeit mit dem des Kindes. Nur erweist sich alles in viel milderer Form. Man muß berücksichtigen, daß der Ätherleib des Menschen zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife seine besondere Entwickelung erfährt. Dies kommt bei der Patientin dadurch zum Ausdruck, daß die verfügbaren Kräfte des Ätherleibes, die wenig stark sind, ein Wachstum nur bis zur Geschlechtsreife möglich machen. Mit dieser beginnt die besondere Entwickelung des Astralleibes, der mit seiner Hypertrophie nun den Ätherleib überwuchert und zu stark in die physische Organisation eingreift.»

Das ist der Typus bei beiden gewesen. Mutter und Kind haben ein zu starkes Eingreifen des Astralleibes in den physischen Leib.

«Das tritt in dem stehenbleibenden Wachstum mit dem 13. Jahre zutage. Dabei ist die Patientin keineswegs zwerghaft, sondern sehr groß, was davon herrührt, daß die zwar geringen, aber vom Astralleib ungehemmten Wachstumskräfte des Ätherleibes eine starke Volumenausdehnung des physischen Körpers bewirkten. Diese Kräfte konnten dann noch nicht regulär in die Funktionen des physischen Leibes eingreifen. Das zeigte sich in dem Auftreten des Gelenkrheumatismus und später in den Krampfzuständen.»

Der Gelenkrheumatismus hangt als solcher auch damit zusammen, daß der Astralleib an den Gelenken unmittelbar in den physischen Leib eingreift. Durch dieses Eingreifen entstehen dort, wo sie entstehen können, auch Entzündungszustände. Also entweder hat man es mit Krampf- oder mit Entzündungszuständen zu tun.

«Durch die Schwäche des Ätherleibes tritt eine besonders starke Wirkung des Astralleibes auf den physischen Leib ein. Diese Wirkung ist eine abbauende. Sie wird in der normalen Lebensentwicklung durch die Aufbaukräfte im Schlafe, wenn der Astralleib von dem physischen und Ätherleib getrennt ist, ausgeglichen. Ist der Ätherleib zu schwach, wie im Falle unserer Patientin, so tritt ein Überschuß des Abbaues ein, was sich bei ihr darin zeigte, daß die Zähne schon im 12. Jahre die erste Plombe notwendig machten.»

Durch das zu starke Eingreifen des astralischen Leibes findet ein zu großer Abbau statt. Physischer Leib und Ätherleib bauen auf; Astralleib und Ich-Organisation bauen ab. Tritt nun ein Überschuß an abbauender Tätigkeit ein, dann zeigt sich das an einer solchen Erscheinung, daß sie schon mit zwölf Jahren Plomben tragen muß.
306 Jedesmal bei der Schwangerschaft hat sie schlechtere Zähne bekommen.

«Wird der Ätherleib noch besonders in Anspruch genommen, wie in der Schwangerschaft, so tritt jedesmal eine Verschlechterung der Zähne ein. Die Schwäche des Ätherleibes in bezug auf seine Verbindung mit dem Astralleibe zeigt sich noch besonders in der Häufigkeit der Träume und im gesunden Schlaf, der bei der Patientin vorhanden ist, trotz aller Unregelmäßigkeit.»

Ist volle Regelmäßigkeit vorhanden in der Verbindung zwischen Astralleib, Ätherleib und physischem Leib, so findet nicht ein Überschuß an Träumen statt. In dem Augenblick, wo der Astralleib überwiegen kann dadurch, daß der Ätherleib geschwächt ist, finden häufige und lebhafte Träume statt. Und außerdem, weil der Astralleib stark ist, kann er leicht herausgehen und der Schlaf bleibt doch gesund.

«Die Schwäche des Ätherleibes zeigt sich auch darinnen, daß im physischen Körper durch den Ätherleib nicht bewältigte Fremdprozesse sich abspielen, die im Urin als Eiweiß, vereinzelte hyaline Zylinder und Salze sich zeigen.»

Das sind die Abbauprodukte, die sich durch die Hypertrophie des Astralleibes bilden. Sie muß man immer suchen, wenn man es zu tun hat mit einer Hypertrophie des Astralleibes.

«Merkwürdig ist die Verwandtschaft dieser Krankheitsprozesse mit denen der Schwester der Mutter. Der Befund in bezug auf die Zusammensetzung der Teile der menschlichen Wesenheit ist fast ganz derselbe. Schwach wirkender Ätherleib, daher Überwiegen des Astralleibes. Nur ist der Astralleib selbst schwächer als bei der Schwester. Es kommt daher ebenso wie bei dieser zum frühen Eintritt der Menses, aber es treten bei ihr statt der Entzündungen bloße Schmerzen auf, die von einer Irritierung der Organe, zum Beispiel der Gelenke herrühren.»

Das ist wirklich sehr interessant. Man hat fast eine gleiche Krankheitskonstitution bei Mutter und Kind. Die Schwester, die parallel geht, bringt es nur bis zu schwächeren Symptomen, die hat alles in geringerem Maße, alles, ich möchte sagen, en miniature, in Andeutungen.
\«In den Gelenken muß der Ätherleib besonders tätig sein, wenn die Vitalität normal vor sich gehen soll. Ist die Tätigkeit des Ätherleibes schwach, so wird die Tätigkeit des physischen Leibes überwiegend, was sich hier in Schwellungen und in chronischer Arthritis zeigt. Auf die Schwäche des Astralleibes, der zu wenig auf
307 das subjektive Empfinden wirkt, weist die Vorliebe zu süßen Speisen hin, welche das Empfinden des Astralleibes erhöhen.»

Das ist sehr interessant. Man muß tatsächlich, um mit der Diagnose fertig zu werden, fragen, was der Betreffende gerne ißt: Süße oder bittere Dinge, Vorliebe für diese oder jene Sinneseindrücke. Manche haben eine eigentümliche Schwäche in bezug auf Geruchseindrücke. Das alles zeigt, daß der Astralleib irgendwie engagiert werden soll. Diese Vorliebe des Astralleibes zeigt, daß er nicht engagiert ist; er ist sofort engagiert, wenn er Süßigkeiten hat.

«Ist der schwache Astralleib durch das Tagesleben noch dazu abgenützt, so treten, wenn das Schwachsein erhalten bleibt, die Schmerzen bedeutender auf. Patientin klagt über die Zunahme der Schmerzen abends. Der Zusammenhang der Krankheitszustände der drei Patienten weist in der Aszendenz auf die den beiden Schwestern vorangegangene Generation hin, insbesondere auf die Großmutter des Kindes. Bei dieser muß die Ursache gesucht werden. Das gestörte Gleichgewicht zwischen Astralund Ätherleib bei allen drei Patienten kann nur in einem ebensolchen bei der Großmutter des Kindes begründet sein. Diese Unregelmäßigkeit muß in der mangelhaften Ausbildung der embryonalen Ernährungsorgane, insbesondere der Allantois durch Astral- und Ätherleib der Großmutter bedingt sein.»

Es ist dieser Fall deshalb ganz besonders interessant, weil man herausbekommt, daß die Ursache wirklich liegt in der mangelhaften Ausbildung der Allantois der Großmutter. Der ganze Zustand dieses Astralleibes, der sich natürlich vehement bei der einen, der Mutter, bei der anderen geringer darstellt, der führt zurück auf die Großmutter. Es ist nicht gebunden an einen Teil, sondern es geht konstitutionell durch den ganzen Astralleib und kann nur auf jene eigentümliche Bildung zurückgehen, auf die Allantois, auf die Embryonalzeit.
Man hat da einen okkulten Befund, den man aufnehmen muß. Aber wenn man darauf gekommen ist, dann sind die einzelnen Erscheinungen durchaus geeignet, verifiziert zu werden. Entschieden muß man sich angewöhnen, die Ursachen aus den Ursachen zu verifizieren. Die Zusammensetzung der Symptome ergibt doch eigentlich nur ein unklares Bild.

«Diese mangelhafte Ausbildung der Allantois muß bei allen drei Patienten gesucht werden. Bei uns wurde sie zunächst auf rein geisteswissenschaftliche Art festgestellt.
308 Die physische Allantois metamorphosiert sich, ins Geistige hinübergehend, in der Tüchtigkeit der Kräfte des Astralleibes.»

Das kommt dazu, das konnten wir nur als Prinzip andeuten, an der physischen Allantois, die ebenso nur eine embryonale sein kann; die sämtlichen Organe, die im Embryo abgehen, sind beim geborenen Menschen vorhanden als die höheren Glieder. Was als Nebenorgan physisch ist, das ist geistig im erwachsenen Zustand, so daß wir in der Allantois nur zu sehen haben das physische Korrelat der Embryonalzeit.

«Eine degenerierte Allantois erzeugt eine verminderte Tüchtigkeit des Astralleibes, die sich insbesondere in allen motorischen Organen äußert. Alles dieses ist bei den drei Patienten der Fall. Man kann wirklich aus der Beschaffenheit des Astralleibes diejenige der Allantois erkennen.»

Es ist so, daß man wissen muß: Ammon ist das physische Korrelat des Ätherleibes, Allantois ist das physische Korrelat des Astralleibes, Chorion ist das physische Korrelat der Ich-Organisation des erwachsenen Menschen.

«Man wird daraus ersehen, daß unser Hinweis auf die Aszendenz nicht einer gewagten Phantasie-Schlußfolgerung, sondern einer wirklichen geisteswissenschaftlichen Beobachtung entstammt.
Wen diese Wahrheit irritiert, dem möchten wir sagen, daß unsere Ausführungen durchaus nicht dem Triebe zum Paradoxen, sondern dem Verlangen, die nun einmal vorhandene Erkenntnis niemandem vorzuenthalten, entsprungen sind. Die mystischen Begriffe der Vererbung werden ja stets dunkel bleiben, wenn man sich scheut, die Metamorphose vom Physischen zum Geistigen und umgekehrt in der Folge der Generationen anzuerkennen.
Therapeutisch kann eine solche Einsicht ja nur dazu führen, eine Ansicht zu bekommen, an welchem Punkte man mit dem Heilungsprozeß anzusetzen hat.»

Nun geht es in das Therapeutische hinüber.

«Würde man nicht in einer solchen Art an das Hereditäre verwiesen worden sein, sondern einfach die Unregelmäßigkeiten im Zusammenhange zwischen Ätherleib und Astralleib bemerkt haben, so hätte man Heilmittel angewendet, welche auf diese beiden Teile des Menschen wirken. Diese würden aber in unserem Falle unwirksam geblieben sein, weil die Schädigung, die durch Generationen hindurch geht, zu tief liegt, um in diesen Gliedern der menschlichen Organisation selbst ausgeglichen zu werden.»
309 Es ist besonders wichtig, daß wir diesen Fall betrachten. Was da vorliegt, das knüpft an die Frage von gestern an. Würde man einfach den Befund haben, daß man sagt: Astralleib und Ätherleib sind nicht in inniger Zusammenstimmung, man hat nun diese oder jene Heilmittel zu nehmen — dann würde man kaum irgendeine besondere Wirkung erzielen. Geht man strikte weiter zu der Ursache, dann wird auch die Therapie eindeutiger. Indem wir abgetrieben wurden von der unmittelbaren Anschauung aus in die Generationenfolge, wurde der Weg gewiesen zu einer strikten Exaktheit.

«Man muß in einem solchen Falle auf die Ich-Organisation wirken und in dieser alles zur Auswirkung bringen, was auf die Harmonisierung und Stärkung von Äther- und Astralleib Bezug hat. Man kann das erreichen, wenn man in gewissermaßen verstärkten Sinnesreizen (Sinnesreize wirken auf die Ich-Organisation) der Ich-Organisation beikommt. Bei dem Kinde wurde dies auf folgende Art versucht: es wurde eine Bandage der rechten Hand mit einer fünfprozentigen Pyritsalbe und gleichzeitig Einreiben der linken Kopfhälfte mit Kaiserschwammsalbe angewendet.»

Nun haben Sie hier die Therapie: Unmittelbar auf die Hand hin wirken wir mit Pyrit, Schwefeleisen. Dadurch kommen wir in die Lage, den Astralleib und gleichzeitig den Ätherleib zu beeinflussen, um dadurch eine Harmonisierung hervorzurufen. Wir müssen dahin arbeiten, daß wir Ätherleib und Astralleib näher aneinander zusammenbringen. Darauf beruht die Heilung. Und zwar müssen wir anwenden Mittel, die über das Unmittelbare hinausgehen, weil es auf Generationen hinging.

«Der Pyrit, eine Verbindung von Eisen und Schwefel, wirkt äußerlich angewendet so, daß er die Ich-Organisation anregt, den Astralleib lebhafter zu machen und seine Affinität zum Ätherleib zu vergrößern. Die Kaiserschwammsubstanz mit ihrem besonderen Inhalte an organisiertem Stickstoff wirkt so, daß eine Wirkung vom Kopfe ausgeht, die durch die Ich-Organisation den Ätherleib lebhafter macht und dessen Affinität zum Astralleibe erhöht. Der Heilungsprozeß wurde unterstützt durch Heileurythmie, die die Ich-Organisation als solche in rege Tätigkeit versetzt. Dadurch wird, was äußerlich angewendet wird, in die Tiefen der Organisation geleitet. Der damit eingeleitete Heilungsprozeß wurde dann noch verstärkt durch Mittel, welche Astral- und Ätherleib besonders empfindlich machen sollten für die Wirkung der Ich-Organisation. In rhythmischer Tagesfolge wurden dazu angewendet Bäder mit einer Auskochung von Solidago, Rückenabreibungen mit Auskochung von Stellaria media und innerlich Tee von Weidenrinde (besonders auf die Empfänglichkeit des Astralleibes wirkend) und Stannum 0,001 (besonders
310 den Ätherleib empfänglich machend). Wir gaben auch noch Mohnsaft in schwacher Dosierung, um die geschädigte Eigenorganisation gegenüber den Heilwirkungen zurücktreten zu lassen.
Bei der Mutter wurde mehr die letzte Therapie angewendet, weil, als in einer Generation höherstehend, die Vererbungskräfte ja weniger gewirkt haben. Das gleiche gilt für die Schwester der Mutter. - Wir konnten noch, als das Kind in der Klinik war, konstatieren, daß es sich leichter dirigieren ließ und zu einer besseren seelischen Verfassung kam. Es wurde zum Beispiel gehorsamer; und die Bewegungen, die es sonst sehr ungeschickt machte, bewirkte es geschickter. Nachträglich wurde uns von der Tante berichtet, daß mit dem Kinde eine große Veränderung vorgegangen wäre. Es ist ruhiger geworden, das Übermaß unwillkürlicher Bewegungen hat abgenommen; es ist so geschickt geworden, daß es allein spielen kann; und in seelischer Beziehung ist der frühere Eigensinn verschwunden.»

Vielleicht möchten Sie gerne etwas sagen? Auf diese Weise leitet man die Diagnose in die Therapie hinüber. Da kommt das zustande, daß man zu Hilfe nimmt die höheren Glieder der Menschennatur. Da liegt im Ausgangspunkt das Krankheitsbild vor. Im Ausgangspunkt dieses Falles steht dieses: Es war der kranke Organismus einem Prozeß unterworfen, der einen bestimmten Lauf nimmt. Diesen Verlauf muß man zurückmachen. Dadurch, daß man den Verlauf sachgemäß durchschaut, gelangt man dazu, den Prozeß zurückzumachen, indem man darauf kommt, wie nicht nur ein Organ, sondern das ganze menschliche Innere in Zusammenhang steht mit dem, was draußen geschieht in der Welt.
Also sagen wir, Sie wollen erkennen, wie irgendeine Schädigung, sagen wir, in der Gallenblase zu behandeln ist. Da müssen Sie das studieren in dem entgegengesetzten Prozeß draußen; wenigstens den zu Hilfe nehmen, diesen entgegengesetzten Prozeß. Wenn man den einen, sagen wir, als den hingehenden Prozeß erkennt, erkennt man das andere als den hergehenden Prozeß und hat so den geschlossenen Kreislauf. Ist vielleicht noch eine Frage?

Man kann manchmal bei Erwachsenen, manchmal bei seelisch Regsamen die Diagnose erreichen. Ich habe das bei Kindern auch versucht; habe aber den Eindruck, daß ich zuweit gegangen bin in dieser Art der Diagnostik.

Daß Sie durch das Eindringen in das Seelische nicht das erreichten, was Sie meinten? Das ist etwas, was wahr sein kann und was unrichtig sein kann. Es hängt das ganz davon ab, wie weit man imstande
311 ist, die Dinge aus dem Kinde herauszukitzeln, die man haben will; dann auch davon, ob das Kind mitteilsam ist oder nicht. Auch von der Gedächtniswirkung; auch davon, ob man die richtigen seelischen Dinge herausbekommt. Prinzipiell kann das Kind wirklich Großartiges geben, insbesondere wenn verdichtete Seelenerscheinungen vorliegen. Wenn man mit dem Kindlichen rechnet, und es das von verdichteten Seelenerscheinungen Gesehene erzählt, kann man sehr tief hineinschauen in Unregelmäßigkeiten; die sind immer das Korrelat davon. Man muß den Fall ganz individuell betrachten.
Bei Erwachsenen ist natürlich das seelische Eindringen ziemlich leicht, wenn man den seelischen Organismus als solchen kennt, wenn man weiß, so erzählen einem die Leute irgend etwas. Nun schreitet man vor. Meist ist es nicht wahr, was sie erzählen. Zunächst fängt es damit an, daß der Patient nicht sagt, wie es ist. Nun muß man irgendwo einhaken. Man kommt auf etwas, was am meisten wahr ist. Hat man das erfaßt, dann kann man weitergehen. Man muß unterscheiden, ob das eine zu dem anderen stimmt. Es kann nicht ein Tier, das den Schnabel eines Adlers hat, zu gleicher Zeit die Füße eines Straußes haben. So passen auch die Dinge im Seelischen aufeinander. Man muß den Patienten darauf führen. Bis man eingehakt hat, glaubt man alles, das heißt man glaubt nichts, aber man macht ihm begreiflich, daß man ihm alles glaubt. Hat man eingehakt an einer Stelle, wo die Sache wahr sein muß, dann macht man ihn sehr scharf aufmerksam auf das, was nicht sein kann. Da kriegt man eine Art Seelenorganismus zustande, der sehr stark auf den körperlichen Organismus hinweist. So ist es schon nützlich, auf einer seelischen Diagnostik zu fußen.
\Ein Teilnehmer äußert sich.

Die Richtung, auf die Sie gestern hinwiesen, ist diese: Ich diagnostiziere, habe die Diagnose vor mir. Ich weiß, wenn sich dies herausstellt, stellen sich mir zur Verfügung diese Heilmittel. Unter denen kann ich auswählen. Nun wollten Sie wissen: Wie kann man eigentlich wählen? Die Antwort kann nur gegeben werden in der Weise, daß man sagt: Kann ich wählen zwischen mehreren Heilmitteln, so muß ich annehmen, daß ich die Diagnose noch nicht
312 fertig habe, daß ich weitergehen muß in der Diagnose, bis ich auf ein eindeutiges Heilmittel komme. Ein eigentlich willkürliches Wählen gibt es im Prinzip nicht. Dies war wirklich ein glücklicher Fall, über den ich erstaunt war. Daß man von der Beschaffenheit des Kindes zur Allantois der Großmutter geht, ist etwas, was sonst in der Diagnose nicht vorkommt. Ich war höchst erstaunt, daß das das Motiv war; auf der anderen Seite zeigt das Resultat, daß man bis zur letzten Ursache muß vorzudringen versuchen.

Frau Dr. Wegman verliest den in dem eingangs erwähnten Buche auf den Seiten 114—116 beschriebenen «Fünften Fall»:
«Eine 26jährige Patientin kam in unsere Klinik mit den schweren Folgen einer Grippe, die 1918 mit Lungenkatarrh verbunden durchgemacht worden ist, und die einer 1917 abgelaufenen Brustfellentzündung gefolgt war. Seit der Grippe konnte sich die Patientin nicht mehr so recht erholen. 1920 war sie sehr abgemagert, schwach und hatte leichtes Fieber und Nachtschweiße. Bald nach der Grippe setzten Kreuzschmerzen ein, die sich bis ins Spätjahr 1920 fortwährend steigerten; und dann zeigte sich unter heftigen Schmerzen eine Verkrümmung im Kreuz. Auch trat eine Schwellung des rechten Zeigefingers ein. Eine Liegekur brachte angeblich Besserung der Rückenschmerzen. - Als Patientin bei uns ankam, hatte sie einen Senkungsabszeß am rechten Oberschenkel, aufgetriebenen Leib mit etwas Aszites und über den Lungenspitzen katarrhalische Geräusche, sowohl rechts als links. Verdauung und Appetit ist gut. Urin ist konzentriert, zeigt Spuren von Eiweiß. Die geisteswissenschaftliche Untersuchung ergab: Überempfindlichkeit des Astralleibes und der Ich-Organisation; eine solche Abnormität drückt sich zunächst im Ätherleibe dadurch aus, daß derselbe nicht die eigentlichen Ätherfunktionen, sondern einen ätherischen Abdruck der Astralfunktionen entwickelt.»

Das ist sehr interessant, wenn in diesem Fall, wie hier, der Ätherleib so schwach ist, daß er nicht seine eigenen Funktionen ausführt, sondern wie eine Matrix, wie Wachs sich erweist, in das der Astralleib seine eigenen Funktionen hineindrückt. Wir haben einen Ätherleib, der eigentlich als maskierter Astralleib wirkt. Das ist hier der Fall.

«Die Astralfunktionen sind abbauende. Es mußten sich daher die Vitalität und der normale Prozeß in den physischen Organen verkümmert zeigen. Das ist immer verbunden mit gewissermaßen außermenschlichen Prozessen, die sich im menschlichen Organismus abspielen.»

Das müssen wir streng festhalten. Wenn irgend etwas in den menschlichen Organismus eintritt, sei es aus irgendeinem Aggregatzustand oder sei es warme Luft und so weiter, muß es in dem
313 menschlichen Organismus — grob gesprochen innerhalb der menschlichen Haut — eine Veränderung durchmachen. Nichts ist gleich außer und in dem menschlichen Organismus. Die menschliche Organisation muß alles, was von außen kommt, durcharbeiten. Kein Wärmeprozeß darf sich so im Körper abspielen wie im Stein er sich abspielt, wo einfach eine Temperatur durchgeht und den Stein durchwärmt. Werden wir von außen erwärmt, also wie ein unorganischer Körper, so verarbeiten wir die Warme, die an uns herantritt, so tief, daß sie ganz durchbelebt ist. Tritt eine Erkältungserscheinung ein, wenn auch eine innere Erkältungserscheinung der inneren Organe, so rührt sie nicht von innen, sondern von einem von außen aufgedrängten Wärmezustand her.
Das geht bis hinunter zu den Stoffwechselzuständen. Wenn eine Substanz eintritt, so muß sie bis in ihre intimsten Prozesse hinein umgewandelt werden im menschlichen Organismus. Haben wir irgend etwas — meinetwillen ein Kohlehydrat — aufgenommen: es findet im Organismus noch ein Prozeß statt. Der Kohlenstoff-Wasserstoff-Sauerstoff-Prozeß, der außer der menschlichen Natur stattfindet, darf nicht in derselben Weise da drinnen sein. Da ist ein der menschlichen Natur fremder Prozeß in dem Menschen drinnen. Darauf beruhen im wesentlichen alle Krankheitszustände, die auf Stoffwechselablagerung beruhen. Alle beruhen im Grunde darauf, daß nicht durch den Menschen selber Wärmeprozesse vorgehen, sondern Prozesse, die entstehen als eigentliche Prozesse der Materie, weil die menschliche Organisation in irgendeinem Teile nicht stark genug ist. Wenn zum Beispiel die Ich-Organisation zu schwach ist, wird man finden, daß das aufgenommene Fett nicht in richtiger Weise verarbeitet wird. Ist die Astralorganisation zu schwach, wird man finden, daß Kohlehydrate nicht richtig verarbeitet werden. Ist die Ätherorganisation zu schwach, so wird man finden, daß die aufgenommenen Eiweißzustände nicht in richtiger Weise verarbeitet werden. Das ist etwas, was zu beachten ist.

«Der Senkungsabszeß, die Rückenschmerzen, die Aufgetriebenheit des Leibes, die katarrhalischen Erscheinungen der Lungen und auch die mangelhafte Eiweißverarbeitung rühren davon her. Es handelt sich bei der Therapie darum, die Empfindlichkeit
314 des Astralleibes und der Ich-Organisation herabzusetzen. Man erreicht das dadurch, daß man Kieselsäure verabreicht, welche immer die Eigenkraft gegenüber der Empfindlichkeit verstärkt.»

Also Kieselsäure verstärkt immer die Eigenkraft gegenüber der Empfindlichkeit.

«Wir taten es in diesem Falle, indem wir pulverisierte Kieselsäure in die Speisen taten und als Klistiere gaben. Ebenso leiteten wir die Empfindlichkeit ab, indem wir auf den unteren Rücken Senfpflaster legten. Dessen Wirkung beruht darauf, daß es von sich aus die Empfindlichkeit bewirkt und sie dadurch dem Astralleib und der Ich-Organisation abnimmt.»

Sehen Sie, wie man sich hilft: Man legt unten Senfpflaster auf; dadurch wird künstliche Empfindlichkeit hervorgerufen. Diese künstliche Empfindlichkeit nimmt dem Astralleib seine innere Empfindlichkeit ab, schafft auf diese Weise eine Intimation. Das ist oft der Fall, wenn irgend etwas nicht in Ordnung ist in den menschlichen Gliedern, schafft man eine Intimation; also hier eine starke Intimation des astralischen Leibes nach unten. Wird die stark genug, dann ist die Empfindlichkeit nicht mehr da. Die Empfindlichkeit des Astralleibes nimmt nach unten ab. Zieht sich die Empfindlichkeit nach oben, so wird sie erhöht.

«Durch einen Prozeß, der die Überempfindlichkeit des Astralleibes im Verdauungstrakt dämpft, erreichen wir ein Ableiten dieser astralischen Tätigkeit auf den Ätherleib, wo sie normalerweise sein soll. Wir bewirkten das durch geringe Dosen von Kupfer und Carbo animalis. Der Möglichkeit, daß sich der Ätherleib der ihm ungewohnten normalen Verdauungstätigkeit entzieht, begegnen wir, indem wir Pankreassaft geben.»

Das ist nur eine Hilfe, eine letzte Hilfe.

«Der Senkungsabszeß wurde einige Male punktiert. Es entleerten sich durch Aspiration große Eitermengen. Der Abszeß ging zurück und die Bauchschwellung nahm ab, indem die Eiterbildung stetig nachließ und zuletzt verschwand. Während der Eiter noch floß, wurden wir eines Tages überrascht durch einen erneuten Fieberanstieg. Derselbe erschien uns nicht unerklärlich, da bei der oben geschilderten Konstitution des Astralleibes geringe psychische Aufregungen solches Fieber bewirken können. Man muß aber unterscheiden zwischen der Erklärlichkeit des Fiebers in solchen Fällen und seiner stark schädigenden Wirkung. Denn es ist unter den angegebenen Voraussetzungen solches Fieber geradezu der Vermittler für ein tiefgehendes Eingreifen der Abbauprozesse in den Organismus. Und man muß
315 sogleich für eine Stärkung des Ätherleibes sorgen, damit diese die schädigende Wirkung des Astralleibes paralysiert. Wir wandten hochpotenzierte Silberinjektionen an und erreichten Rückgang des Fiebers. - Patientin hat die Klinik mit 20 Pfund Gewichtszunahme und in gestärktem Zustande verlassen. Wir geben uns keiner Täuschung darüber hin, daß in diesem Falle noch eine Nachkur die Heilung befestigen muß.»

Also der Fall soll zeigen, wie man wirklich darauf kommen kann, dasjenige, was sonst mehr theoretisch über Astralleib und Ätherleib gesagt wird, therapeutisch zu verwerten. Man kann jetzt vor der Frage stehen, die immer von «wohlwollenden» Leuten aufgeworfen worden ist: Soll man die Ausdrücke, die hier gebraucht worden sind, als die nackte Wahrheit und Wirklichkeit sagen, oder soll man sie kaschieren? — «Wohlwollende» Leute haben gesagt, man soll nicht Ätherleib sagen, sondern funktionelle Prozesse oder ähnlich. Da kann man bis zum Astralleib nicht heraufkommen. Nun liegt die Sache so, daß die meisten Krankheiten nicht getroffen werden in ihrem Wesen, wenn man nicht bis zum Astralleib hinaufgeht. Die Schädigungen, die durch die Ich-Organisation eintreten, also die starken Schädigungen, die auftreten durch Stoff Wechselablagerungen: da liegt die Sache so, daß sie schon offenbar da sind, diese Schädigungen. Dagegen mehr heimtückisch sind die Abbauschädigungen, die durch den Astralleib auftreten. Gerade von dem muß man durchaus wirklich reden.
Nun wird die Sache so sein, daß man einfach sagen kann — ja, so werden viele Leute sagen —, man sollte nicht den Leuten gleich kommen mit Astralleib und Ätherleib. Aber wenn man den Leuten nicht damit kommt, ist gar kein Grund da, überhaupt zu glauben, daß hier irgend etwas Neues vorliegt. Die Leute glauben, es ist hier nur ein klein wenig das eine oder andere geändert, es wird hier ebenso wie anderswo gemacht, es ist höchstens so ein kleiner Fortschritt. So ist es nicht! Und das muß mit aller radikalen Deutlichkeit vor die Leute hingestellt werden. Wenn man zeigt, daß es nicht abstrakte Dinge sind, sondern in diesen vielen ganz konkreten Einzelfällen hinweist, wie die Einzelfälle beschaffen sind, und dann zeigt, wie die Diagnose in die Therapie hineinläuft, und wie, sobald
316 die Therapie angewendet wird, die Heilung fortschreitet: ist es doch so, daß das verstanden werden muß, sonst müßte man überhaupt am Verstehenkönnen der Menschheit verzweifeln. Ich bin vollständig überzeugt, daß nur diese Methode uns helfen kann: ganz mutig und kühn die Dinge sagen.

Es wird gefragt, wie sich das wissenschaftliche Bild darstellt beim intimen Studium des Karzinoms.
\Man hat es beim Karzinom überhaupt damit zu tun, daß an einer Stelle der Organisation, wo keine Veranlassung ist, ein Sinnesorgan hervorzurufen, ein Sinnesorgan hervorgerufen wird. Nehmen Sie die, ich möchte sagen, radikalste Sinnesorganisation — nur um die Sache einzusehen —, nehmen Sie das Auge.

Tafel 9


Wodurch kommt das Auge zustande? Sie wissen, es ist eigentlich halb von außen gebildet; es ist dem Organismus eingegliedert. Der Organismus spart von sich aus — grob gesprochen — die Augenhöhle aus. Dann wird das Auge eingelagert. Damit ist angedeutet, daß in der Bildung des Auges im wesentlichen außermenschliche Prozesse wirken. Das Auge wird nur umfaßt vom Menschen. Wenn wir so ein eklatantes Sinnesorgan haben wie das Auge, können wir sagen: Es wird dem menschlichen Organismus ein Fremdkörper eingegliedert. Das ist radikal gesprochen, weil es so ganz ungewohnt ist. Es würde nie aus dem menschlichen Organismus heraus so etwas wie die Form der Linse oder des Glaskörpers, oder die substantielle Zusammensetzung der Linse oder des Glaskörpers erfolgen. Nun das alles, was sich da einlagert, was zum Teil sogar noch beim Auge ätherische, nicht bloß physische Einlagerung ist, das wird umfaßt durch den astralischen Leib und die Ich-Organisation, die eigentlich möglichst emanzipiert sind vom Physischen und Ätherischen beim Auge. Beim Auge ist ein ganz anderer Zusammenhang zwischen Ich, Astralleib, Ätherleib und physischem Leib als, sagen wir, bei einem Stück Muskel. An einem Stück Wadenmuskel sehen Sie eine sehr innige Zusammenfügung von Ich, Astralleib, Ätherieib und physischem Leib. Es ist die normale Konstitution

317 in der Zusammenfügung darin. Wenn ich nach Art einer chemischen Formel schreiben würde, beim Auge ist das so, daß eng aneinander gebunden sind Ich und Astralleib (siehe Zeichnung I und A), ebenso sind die beiden andern intensiv aneinander gebunden! Lose Affinität ist zwischen Ätherleib und Astralleib. Das ist nur so beim Auge der Fall.

Tafel 9



Bei andern Sinnesorganen, zum Beispiel beim Ohr, ist es nicht so, da kann es nicht so ausgesprochen werden. Da ist schon eigentlich die lose Affinität zwischen der Ich-Organisation und dem Astralleib und wiederum zwischen physischem Leib und Ätherleib. Es ist bei jedem Sinn etwas anders.
Wenn irgendwo im menschlichen Organismus, wo keine Sinnesorganisation sein sollte, die Tendenz zu einer Sinnesorganisation auftritt — und an jedem Teil des menschlichen Organismus kann die Tendenz auftreten; das was an einem anderen Orte geschehen soll, es kann an irgendeinem anderen Orte die Tendenz dazu auftreten —, dann sieht man doch, wie physischer Leib und Ätherleib auf einer Seite, Astralleib und Ich auf der anderen Seite, auseinanderfallen. Nehmen Sie einen ganz konkreten Fall. Bei einem starken physiischen

318 Insult, sagen wir bei einem Stoß auf die Brustdrüse, setzt sich der Stoß nach innen so fort, daß er innerhalb der Haut — grob gesprochen — einen Wirkungsverlauf zeigt, der von außen seinen Ursprung hat, — also ein mechanischer Insult, der sich nach innen fortsetzt. Für ein Brustkarzinom wird dies in den meisten Fällen der wirkliche Ursprung sein. Es könnte nur noch ein längerer Überhitzungs- oder ein Verbrennungsprozeß sein. Immer wird es in dem Sinne — äußerlich gesprochen, wie ich es hier anführe — ein Insult sein, der das herbeiführt. Nun tritt in diesem Falle das ein, was sehr stark an der Stelle den Astralleib erscheinen läßt, der sonst absorbiert ist vom Ätherleib. Wenn der Astralleib plötzlich an der Stelle erscheint, dann zeigt er sich in, ich möchte sagen, Glimmerlicht; er tritt auf, wie wenn er brennen würde. Wird er so bemerkbar, dann hat man an der Stelle die Tendenz zur Bildung einer Sinneswirkung, da entsteht ein Karzinom. Da ist es nicht eine Frage, daß man mindestens mit den sieben ersten Impfungen beginnen kann.
Die Zusammenhänge da, die werden ganz besonders interessant, wenn man sieht, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt. Nehmen Sie an, Sie haben jemand, der nicht mehr ganz jung ist. Sie sind genötigt, das Karzinom zu entfernen. Es äußert sich aber dasjenige, was in einem ziemlich stark entwickelten Karzinom da ist, so, daß eigentlich im ganzen Körper, weil der Organismus doch eines ist, eine Tendenz vorliegt, außermenschliche Prozesse sich abspielen zu lassen. Es ändert sich das Karzinom in seinem Verlauf in ganz merkwürdiger Art. Das lokale Karzinom wird nach einiger Zeit ein Ventil, um die karzinomatöse Entwickelung zu konzentrieren. Schneiden Sie das Karzinom heraus, so ist plötzlich das Ventil weg. Aber Sie bekommen, wenn Sie es mit einem älteren Menschen zu tun haben, dieses Vermögen, Ventile für die vorhandene Neigung, Außermenschliches im Menschen zu haben, nun in das Organ hinein, das am meisten das unorganische Außermenschliche aufnimmt, in die Lunge. Daher werden Sie besonders bei im Alter vorhandenem Karzinom den Prozeß auflösen in Lungenentzündung. Wenn der Organismus skierotisch ist, so läuft der Prozeß im Alter mit Lungenentzündung aus. Das hängt damit zusammen, daß der alte
319 Organismus noch mehr und leichter als der jüngere das Außermenschliche aufnimmt. Dasjenige Organ, das am leichtesten außermenschliche Prozesse aufnimmt, ist die Lunge; es wird dabei geschädigt. Es gibt ein Organ, das die außermenschlichen Prozesse leicht aufnehmen kann und dabei nicht geschädigt wird; das ist die Leber. Die ist sehr dickfellig gegen außermenschliche Prozesse. Die Lunge nimmt sie auf, wird aber dadurch geschädigt. Das ist das Wesentliche, daß die Lunge leicht aufnimmt und dabei geschädigt wird.

Frage über die Vererblichkeit der Anlage zu Karzinomen.

Das hängt zusammen mit aufgenommenen Vorstellungen. An sich ist bei dem Menschen keine Neigung, sich vor dem Karzinom zu fürchten. Dies geht daraus hervor, daß diese Furcht eigentlich nur vorhanden ist mehr bei zivilisierten Menschen gebildeter Stände. Bauern auf dem Lande haben keine Furcht. Sie tragen das Karzinom, sterben daran, haben gar nichts von dem Karzinom gewußt. Das ist etwas, was auf Erziehung beruht, gegen die man wirken muß.

Wieweit ist bei diesen beiden Fällen übersinnliches Schauen nötig und wie ist es angewandt?

Die Vorgänge müssen diese sein: Zunächst muß man doch, um überhaupt anzufangen, geisteswissenschaftliches Schauen vollständig zu beherrschen — das stellt sich heraus im Laufe der Zeit —, sehen, wie dasjenige, was geisteswissenschaftlich konstatierbar ist, verbunden ist mit Symptomen nach außen. Ist sonst nichts angegeben, dann ist immer ersichtlich der rein geisteswissenschaftliche Befund.

Wie äußert sich das nach außen?

Ebensogut kann man jetzt wiederum sagen: Es sollte natürlich meditativ sein. Sie können den Gelenkrheumatismus meditieren, können Diabetes meditieren. Dadurch werden Sie aber wiederum zurückgetrieben. Es ist das ein sehr guter Weg, um zu geisteswissenschaftlicher Beobachtung zu kommen, wenn Sie einen Krankheitsprozeß nach den Symptomen meditieren. Es kann nur nicht leicht der umgekehrte Weg gegangen werden. Sie können es sogar machen
320 wie die Homöopathen, die den Symptomenkomplex zusammensetzen und nach diesem die Therapie machen. Nur da kommt es — ich sage nicht einmal: es kann, ich weiß, daß es so ist — immer wieder vor, daß Symptome überschätzt und unterschätzt werden, daß sie falsch zusammengestellt werden, so daß zuweilen ein Symptomenkomplex, der von Homöopathen zusammengesetzt ist, überhaupt eine Karikatur der Wirklichkeit ist. Wenn Sie das meditieren, meditieren Sie sich hinein in die Karikaturen. Wenn Sie eine wirkliche geisteswissenschaftliche Ursache haben, ist das maßgebend für den Symptomenkomplex, dann überschätzen und unterschätzen Sie keines der Symptome. Sie werden bemerkt haben, die Symptome haben wir vorangestellt, das sind keine Karikaturen, sondern gut ausgebildete Symptomenkomplexe. Wenn Sie meditieren, kommen Sie zur Unmöglichkeit, geisteswissenschaftliche Befunde zu machen. Und wenn jemand sagt, das geht nicht, da muß ich sagen: Probiere es einmal, aber nicht von einem beliebig zusammengestellten Symptomenkomplex, sondern von einem geisteswissenschaftlich konstatierten Symptomenkomplex.
\Worauf beruht die Eurythmie?

Im menschlichen Organismus beruht alles darauf, daß ein Bewußtes auf ein Unbewußtes zurückgeht. Eurythmie beruht darauf, daß der Mensch, wenn er auf die Welt kommt und sich ausleben will, ihm nicht eine Sprache als solche fehlt, sondern das Ausleben im Gebrauche der Gliederbewegungen. Das wird zurückgeschlagen, er darf es nicht tun und kann es nicht tun. Heute wird das nicht bemerkt, dieses Zurückgeschlagene, weil es schon durch die Vererbung zurückgeschlagen ist. Alles das gliedert sich ein, metamorphosiert sich um, kommt an die Luft gebunden heraus und lebt sich in die Sprache ein. Weiß man, wie das sich in die Sprache hineingelebt hat, weiß man, daß das der Ursprung der Sprache ist, so gelangt man zu den Bewegungen von der Sprache zurück, umgekehrt bewußt. Auch da ist es so: Geisteswissenschaftliche Diagnose beleuchtet den Symptomenkomplex. Bildet man sich ihn und meditiert ihn, so kommt man wieder zur geisteswissenschaftlichen Diagnostik.
321 Ich muß es bei diesen drei Stunden bewenden lassen; ich hoffe, daß wir uns wiedersehen werden. Aber wenn Sie öfters kommen, wird aus dem kleinen sozialen Wesen der Schlüssel für künftiges Wirken werden.
Jedenfalls war es schön, daß wir wieder einmal über die Dinge haben sprechen können.




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