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III ZUR THERAPIE II : ZWEITER VORTRAG, Dornach, 1. Januar 1924

III ZUR THERAPIE II : ZWEITER VORTRAG, Dornach, 1. Januar 1924

Salvarsan. Wismuth. Kein Antimon bei Lues. Schizophrenie durch Salvarsan möglich. Für erworbene und hereditäre Lues Bocksdornpräparat. Glaukomprozeß und Ohrenprozeß: Augenentstehung: Entzündungsprozeß; Ohrenentstehung: Geschwulstprozeß, polar. Für Otitis: Levisticum, Heileurythmie.
Fragenbeantwortung: Arthritis deformans: Phosphor-Stannum. Kummer und Schock, mürrischer Erzieher. Masern. Arsen, Stannum, Schwefelbäder, Arnica, Equisetum. Anpassung von Astralleib an Ätherleib. Astralleib-Verschiebung im Sexualgebiet bei Schock. Oxalsäure, Argentum. Therapie beim Bettnässen.


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184 Ich höre gerade, daß eine Unklarheit entstanden ist dadurch, daß ich von Quecksilberbehandlung auf der einen Seite sprach und von jenem Präparat, das ich ja gestern angegeben habe, auf der anderen Seite. Es handelt sich wirklich darum, daß die Quecksilberbehandlung nur angeführt worden ist als eine spezifisch wirksame, aber als eine solche, die eigentlich gefährlich ist und unterlassen werden kann. Ich meinte also gestern einen vollständigen Ersatz der Quecksilberbehandlung durch das angegebene Präparat der Tragantwurzel gegeben zu haben.
Ich werde gleich mit den Fragen beginnen, die noch auf dem alten Fragezettel stehen, wir haben dann ja morgen auch noch eine Stunde. Es ist unter den neu eingelaufenen Fragen, glaube ich, noch etwas, was im Zusammenhange ist: «Wie kann man den Erfolg der Salvarsantherapie bei Lues verstehen?»
Da würde es sich vor allen Dingen darum handeln, diesen Erfolg genauer zu beschreiben. Es handelt sich bei solch einer Therapie immer darum, daß ein gewisser Erfolg da sein kann, aber schädliche Nebenerfolge da sind. Und bei der Salvarsantherapie ist es ganz undenkbar, daß überhaupt von einer rationellen therapeutischen Behandlung gesprochen werden kann, weil einfach das Präparat, so wie es wenigstens beschrieben wird, ein solches ist, daß es die menschlichen Leiber auseinanderreißt, daß es den Menschen zerreißt. Es stimmt nichts zusammen. Unter Umständen kann man dem Körper einfügen, was man will, es kann immer ein Erfolg entstehen, aber was dann daraus wird, das ist eben gerade bei Salvarsan ganz zweifellos unübersehbar, weil sich die Dinge widersprechen. Daher kann man nur sagen: Die Salvarsantherapie ist so recht ein Kind der gegenwärtigen Denkweise. Und im Grunde genommen liegt die Sache so, daß man im Ernst auf so etwas gar nicht eingehen kann. Wünscht vielleicht jemand irgendwie darüber etwas weiteres zu sagen?
185 Dr. Rascher: Das dürfte sich dann auf die ganze moderne Metalltherapie überhaupt beziehen, also auch auf die Wismuttherapie?

Nicht wahr, die Wismuttherapie kann ja von unserem Standpunkte aus übersehen werden. Ich will sagen, in meinen Kursen selber ist von der Wismuttherapie die Rede. Aber das Präparat Salvarsan ist unmöglich zu übersehen. Es reißt den Körper auseinander. Natürlich kann es Wismutpräparate geben, die dasselbe machen, wenn man es mit anderen Präparaten zusammenbringt. Aber wie das Wismut selber wirkt, kann aus unseren Kursen hervorgehen.

Dr. Noll: Kann ein Antimonpräparat wirksam sein gegen Lues?

Das Antimon hat seine eigentliche Wirksamkeit zwischen dem Sexualtrakt und dem Atmungstrakt. So daß man also alles dasjenige, was in der menschlichen Organisation zwischen diesen beiden Trakten liegt, mit dem Antimon erfassen kann; das übrige nur insofern natürlich, als die Wirkung eines Traktes in die Gesamtorganisation ausstrahlt. Aber spezifisch den Sexualtrakt mit irgend etwas, was ihm fehlt, zu erfassen mit dem Antimon, das ist eigentlich nicht möglich. So daß natürlich Folgeerscheinungen der luetischen Erkrankungen sehr gut einmal mit Antimon behandelt werden können, aber ursprünglich Lues, also Syphilis zu behandeln mit Antimon, wird gewiß nicht zu einer vollständigen Ausheilung führen. Das Antimon erfaßt eben die ausgesprochene mittlere Organisation des Menschen, den ganzen Verdauungstraktus, den Übergang des Verdauungstrakts in den Zirkulationstrakt und natürlich auch jenen Teil der Zirkulation, der dann in die Sexualorgane übergeht. Aber es ist ausgesprochen auf diesen Trakt beschränkt.

Frau Dr. Kacer: Es ist ja genug die schlechte Wirkung des Salvarsans durch die Todesfälle bestätigt.

Die größte Wahrscheinlichkeit ist die folgende: Salvarsan ist angewendet worden, es ist noch nicht lange her. Die schlimmen Wirkungen in ihrer Kulmination werden sich ergeben bei dem Patienten nach etwa fünf bis zehn Jahren, vielleicht auch in einer siebenjährigen
186 Periode. Aber diese Krankheitsgeschichten werden leider heute nicht gemacht. Es ist ja für die Erkenntnis in der Medizin viel, viel wichtiger, daß man über die Heilung hinaus die Krankheitsgeschichte fortsetzt. Da gewinnt man viel mehr, als wenn man den innerlichen Bestand des Organismus erforscht vor der Erkrankung. Natürlich ist das unter Umständen ganz wichtig, aber da sind eigentlich zumeist äußere Dinge von ganz besonderer Wichtigkeit.
Da muß ich immer wiederum solche Fälle erwähnen: Unser Freund, Herr Dr. Haakenson, brachte mir in Christiania einen Patienten. Er hatte unerklärbare Ausschlagserscheinungen. Er war etwa fünfundvierzig Jahre alt, als er gebracht wurde, und das ganze Bild stellte sich für die Durchschnittsmedizin dar als ein unmöglich als zusammengehörig definierbarer Symptomkomplex. Sehen Sie, da können Sie, rein nach dem Organismus weitergehend, überhaupt nicht auf eine plausible Ursache stoßen. Natürlich ist der Arzt meistens dann angewiesen auf dasjenige, was ihm der Patient sagt. Ich konnte diesem Patienten auf den Kopf zu folgendes sagen. Ich sagte ihm — die Zwischenglieder will ich jetzt auslassen —: Sie müssen etwa zwischen dem neunten und elften oder zwölften Lebensjahre irgendeine Vergiftung bekommen haben.
Nun kam es nach und nach wirklich heraus, daß der Mann, der also dazumal etwa fünfundvierzig Jahre alt war, als Junge in der Schule einmal Durst hatte, es war zufällig neben dem Schulzimmer ein Laboratorium, auf dem Fenster stand schwache Salzsäurelösung, die hat er für den Durst ausgetrunken. Und es lag in dieser Vergiftung dasjenige, was sich noch mit dem fünfundvierzigsten Jahre zeigte.
So muß man gerade als auf das Wichtigste auf diese äußere Ursache sehen, wenn man eine Krankheit verstehen will. Aber hinterher muß man eigentlich sorgfältig nach der Heilung den Organismus weiter beobachten, was nun die Heilung im Organismus bewirkt.
Und das würde bei der Salvarsantherapie von ganz besonderer Wichtigkeit sein. Bei der Salvarsantherapie werden Sie sicher nicht das anwenden können, was ich gestern sagte für die Syphilisbehandlung überhaupt. Ich gab Ihnen an eine Art meditativer Behandlung hinterher, also mit abstrakten Begriffen, die in verschiedenem
187 Tempo, zunehmende Schnelligkeit, dann wiederum nachlassende Schnelligkeit, wirklich gewissenhaft ausgeführt werden müssen. Dadurch wird man eine allerdings Jahre dauernde psychische Nachkur gerade bei der Syphilis fruchtbar machen können, wenn sie auf eine solche Weise geheilt ist, wie ich gestern angegeben habe. Auch bei der Quecksilberbehandlung, obwohl ich dies nicht empfehle, würde eine solche psychische Nachbehandlung von Vorteil sein. Bei der Salvarsanbehandlung werden Sie wahrscheinlich, wenn Sie eine solche Nachkur machen, im späteren Alter herausbekommen eine, man kann nicht sagen Dementia praecox, aber etwas, was für das spätere Leben der Dementia praecox sehr ähnlich ist. Während es bei der Quecksilberbehandlung mit nichtpsychischer Nachkur eben infolge dessen, was ich gestern erwähnt habe, zu psychiatrischen Erscheinungen kommt. Aber bei der Salvarsanbehandlung wird sich eben wegen des Zerreißens herausstellen, daß tatsächlich eine Art von Schizophrenie eintreten wind, gerade wenn Sie eine Nachkur versuchen in psychischem Sinne.

Dr. Palmer: Es wäre sehr interessant, wenn Sie uns Ihre Stellungnahme zur sogenannten tertiären Lues und zur Jodtherapie mitteilen würden.

Nach dem, was darüber gesagt werden kann, ist ja dieses wesentlich, daß man es zu tun hat gerade bei einer solchen sehr generellen Erkrankung, wie es die Syphilis ist, erstens mit dem eigentlichen Krankheitsherd und seinen Ausstrahlungen, dann aber, weil die Syphilis den ganzen Menschen ergreift, bis in die Ich-Organisation heraufgreift, hat man es zu tun mit dem Gegenbilde in dem NervenSinnesmenschen. Man kann schematisch durchaus sagen: Die Krankheit sitzt im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen, hat aber ihr Gegenbild im Nerven-Sinnesmenschen, zu dem auch zum Beispiel der Kehlkopftrakt gehört, alles dasjenige, was mit der sich differenzierenden oberen Atmung zusammenhängt. Diese beiden Dinge stehen miteinander im innigen Zusammenhang. Dasjenige, was man mit Quecksilber vollbringt, bezieht sich auf die eigentliche Quelle und ihre Ausstrahlung. Dasjenige, was man mit dem Jodpräparat vollbringt, das bezieht sich auf das Obere. So daß also die poiarisch auftretenden
188 Erscheinungen in dem Nerven-Sinnesapparat durch Jod wieder paralysiert werden können, wenn Quecksilberbehandlung angewendet wird. Also das ist der Zusammenhang.
Nun habe ich ja gestern, wie Sie sich erinnern werden, im wesentlichen zwei Teile der ganzen Syphilisbehandlung angegeben. Das erste ist die Injektion mit dem Präparat, das zweite ist eine Badebehandlung, wodurch ausgetrieben wird. Das entspricht sich nun in einem viel natürlicheren, rationelleren Sinne geradeso wie hier Quecksilber und Jod. So ist das also gedacht. Es ist überhaupt so, daß zumeist die Therapie uns führt auf ein sich ausgleichendes Behandeln der beiden einander polarisch entgegengesetzten Organisationen.

Dr. Palmer: Dann sind also die Gummata zu betrachten als Folgezustände einer zu starken Quecksilbertherapie ?

Ja, das ist ganz ausgesprochen so. Ist noch etwas zu fragen, was gerade darauf bezüglich zu sagen ist?

Frau Dr. Kater: Wie ist die Wirkung des Arsens?

Die Wirkung des Arsens im allgemeinen ist diese, daß das Arsen im wesentlichen den menschlichen astralischen Leib energisiert. Das ist das Urphänomen der Arsenwirkung. Das Arsen, auch in seinen Verbindungen, wirkt so stark auf den Menschen, daß man sagen kann: Das Arsen energisiert den astralischen Leib. Daher, wenn Sie Arsen anwenden, insbesondere im flüssigen Zustand, einfach als Roncegno- und Levicowasser in entsprechender Dosierung, werden Sie immer wirken können dann, wenn es sich darum handeln muß, den astralischen Leib anzuregen, daß er sozusagen seine ihm natürlichen Impulse entfaltet.
Nun ist immer auch bei jeder solchen Erkrankung übrigens, bei Syphilis und auch bei anderen Sexualerkrankungen, ein Defekt im astralischen Leib entweder Ursache oder Folge. Daher ist es ganz natürlich, daß das Arsen auch darauf eine Wirkung hat, die man beobachten kann; aber es braucht nicht zu heilen. Es greift viel zuwenig tief, als daß man von Heilung reden könnte.
189 Frau Dr. …; Liegen bei kongenitaler Lues die Verhältnisse beim Kinde anders als beim Erwachsenen?

Sie meinen bei der hereditären Lues? Bei der Lues beim Kinde, da liegen die Verhältnisse natürlich absolut anders. Und beim Kinde, wenn Sie rechtzeitig diagnostizieren können, werden Sie gerade mit einer Arsenkur, aber nicht mit der Salvarsankur, sondern mit der Arsenkur etwas erreichen, wobei Sie das Arsen in seiner stärkeren Verdünnung anwenden und womöglich durch Versetzung mit Milchsäure oder ähnlichem weit genug im Körper vorwirken lassen. So werden Sie da sehr günstige Erfolge gerade beim Kinde haben können. Denn die hereditäre Lues ist eigentlich nicht eine Syphilis, sondern die hereditäre Lues unterscheidet sich dadurch von er Syphilis, daß die Syphilis unter den menschlichen Organisationsgliedern, namentlich beim Erwachsenen, wenn sie durch Infektion aufgetreten ist, ihre wesentliche Auswirkung im ätherischen Leib hat. Das Hereditäre geht nur in den physischen Leib über und ist dann nicht im ätherischen Leib. Und Sie können daher, wenn Sie den astralischen Leib stark anregen durch Arsen, das überführen auf den ätherischen Leib, und dann bekämpfen Sie es wirklich ganz rationell im physischen Leib. Die Schwierigkeit bei der hereditären Lues liegt eben darinnen, daß man gründlich ruiniert hat dasjenige, was für irdische Mittel so schwer zugänglich ist.
Hier kommt in Betracht dasjenige, was ich in dem allgemeinen Vortrage als den peripherischen Kräften unterworfen dargestellt habe. Wenn Sie überhaupt irgendwelche Einflüsse haben wollen auf solche Deformationen und Degenerationen, überhaupt Schädigungen, die zusammenhängen mit den peripherischen Kräften, dann müssen Sie irgendwie auch ätherische Kräfte in Bewegung setzen.
Nun dieser Bocksdorn, von dem ich gestern gesprochen habe, hat die Eigentümlichkeit, daß er verhärtet, verhornt ist und dadurch nicht eigentlich fortwährend umsprüht ist von noch ätherischen Kräften. Wenn man diese ätherischen Kräfte dann durch den Saft seiner eigenen Blüten und Blätter erhält, dann bekommt man eben ein Präparat heraus, wie ich es gestern beschrieben habe. Das ergibt dann ein rationelles Denken über die Sache.
190 Dr. Palmer: Es wird nochmals zur tertiären Syphilis gefragt.

Man kann zur tertiären Syphilis nur sagen: Wirklich rationell kann man sich nur so verhalten, daß man sie nicht herankommen läßt, daß man strebt, die Syphilis in ihrem ersten Stadium zu erfassen. Denn ist die Syphilis sekundär oder tertiär geworden, dann liegt gerade für eine okkulte Beobachtung ein so komplizierter Symptomenkomplex vor, der nicht bei zwei Patienten gleich zu sein braucht. Es sieht nur äußerlich so aus, innerlich braucht es nicht gleich zu sein. So daß es eben sehr schwer ist, der Sache beizukommen, weil man wirklich an einem Ende kuriert und am anderen Ende bricht es im entgegengesetzten Sinne aus. Daher kann man nur, wenn man eine Stellung einnehmen muß dazu, sagen: Die sekundäre Syphilis muß natürlich ebenso behandelt werden, wie ich es gestern gesagt habe, und bei der tertiären wird es sich eben darum handeln, daß man unter Umständen noch eine Heilung erzielt, daß sie aber immer problematisch bleibt.

Dr. Palmer: Zum Glaukomprozeß, zum Ohrenprozeß: Der Glaukomprozeß wird als eine Art Geschwulstprozeß angesehen; Ohrenprozesse sind Eiterprozesse, Entzündungsprozesse. Nun ist gerade das Auge in seiner ganzen Entstehung als ein Entzündungsprozeß aufzufassen, und in der Ohrenbildung haben wir einen Geschwulstbildungsprozeß zu sehen. Ist gerade der polarische Gegensatz dasjenige, was das Krankheitsbild des Glaukoms auf der einen Seite und der Ohreneiterung auf der anderen Seite ist?

Liegt das nicht auf der Hand? Wenn man im Auge bei Normalität einen Entzündungsprozeß hat, wenn man im Ohr bei Normalität einen Geschwulstprozeß hat, so muß der Krankheitsprozeß beim Auge ein Geschwulstprozeß, beim Ohre ein Entzündungsprozeß sein, nämlich dasjenige, was als das Gegenteil auftritt. Es liegt ja sozusagen auf der Hand, daß das so sein muß.
Nun, bei dieser Gelegenheit ist es vielleicht gleich möglich, von diesen polarischen Prozessen der Ohrenentzündung, namentlich der Mittelohrentzündung, zu sprechen. Man hat es bei der Ohrenentzündung ja ausgesprochen mit einem Überhandnehmen der ätherischen Organisation in diesem lokalen Trakt zu tun. Daß dies so ist, bringt nicht nur die okkulte Beobachtung, sondern der einfache Anblick
191 eines Endzustandes, Endstadiums einer Mittelohrentzündung bei der Verwachsung der Organe und so weiter.
Man kann schon dem physischen Organismus dann ansehen, daß es sich hier handelt um eine überhandnehmende Tätigkeit des ätherischen Leibes. Nun muß man sich klar sein darüber, daß diese überhandnehmende Ätherorganisation in diesem Trakt sofort herbeiführt eine Verstärkung der Ich-Organisation für diesen Trakt, die ins Unterbewußte hinuntergeht.
Wir haben also eine physische Bildung, die nicht da sein sollte und die von der Ich-Organisation abhängig ist. Wir können der Sache am besten dadurch beikommen, daß wir wiederum den Atmungsprozeß gewissermaßen in Schwung bringen. Innerlich medikamentös kann man den Atmungsprozeß, so daß die Ausatmung eine lebendigere wird, dadurch in Schwung bringen, daß man Levistikum anwendet innerlich in einer entsprechenden Dosierung. Das bringt den Atmungsprozeß — im entgegengesetzten Sinne des gestern Erwähnten für die Glaukombildung — in Schwung. Man atmet mehr so, daß die Verstärkung der Atmung nach innen geht, während es beim Levistikumprozeß nach außen gehen muß. Also es geht mehr nach innen die Verstärkung des Atmungsprozesses. Und dann wird sich als besonders günstig herausstellen für die Ohrenentzündung, so sonderbar es aussieht, wenn man auch bei der Ohrenentzündung Eurythmie anwendet, Heileurythmie. Und zwar wird es außerordentlich günstig sein, wenn man gerade L, M, S als Heileurythmisches üben läßt. Nämlich alles dasjenige, was sich auf das Ohr bezieht, ist wirklich nur ein lokalisierter Prozeß für einen Prozeß im ganzen menschlichen Ätherleib. Daher kann man auf alles dasjenige, was sich im Ohr lokalisiert, dadurch wirken, daß man die Atmung auch so fördert — man fördert ja dadurch auch nur die Atmung —, daß man die angeführten Buchstaben heileurythmisch ausführen läßt.
Nun mochte ich noch über einiges sprechen.

Dr. ….* Die Eurythmie müßte wohl verschieden sein bei Ohrenentzündungen und skierotischen Prozessen?

Wenn es sich um eine Sklerose handelt, wird man vorzugsweise eine
192 vokalische Heileurythmie anwenden müssen. Dann würde es sich um Vokalisieren handeln in der Heileurythmie. Bei Entzündungsprozessen muß es sich um Konsonantierung, und namentlich um L, M, S und solche Laute handeln.
Nun sind noch andere Fragen aufgeworfen worden, auf die ich der Reihe nach nun gern eingehen möchte. Da ist ja ganz besonders interessant der Fall, über den hier gefragt worden ist und über den schon einige Erfahrungen bei uns vorliegen. Es ist hier die Frage aufgeworfen worden:

Ist bei jahrzehntelang bestehender Arthritis deformans eine therapeutische Einwirkung noch möglich? Es wird zurzeit Phosphoröl ein Prozent und Stannum versucht. Ist da auch konsonantische Eurythmie angezeigt?

Vielleicht darf ich Herrn Dr. Palmer bitten, uns ganz kurz unseren Stuttgarter Fall von Arthritis deformans einmal zu referieren.

Dr. Palmer: Dieser Fall, den wir damals behandelt haben und dessen Therapie allgemein bekanntgeworden ist, bezog sich auf einen ganz frischen Fall von Arthritis deformans. Es war bei Frau X., wo nach vier- bis fünfwöchiger Behandlung mit einprozentigem Phosphoröl und vier bis fünf Prozent Stannumverreibung alle Symptome, die vorher anderweitig in Kliniken behandelt waren, zurückgingen. Die Patientin hat auch damals Heileurythmie noch neben der medikamentösen Heilung durchgemacht. Bei den Fällen, die zu uns in die Klinik kamen und wo wir dieselbe Therapie angewendet haben, haben wir natürlich nicht dieselben Erfolge gehabt, wie wir sie bei diesem frischen Fall hatten. Ein kleiner Junge, der bereits mit dem dritten, vierten Lebensjahr dies bekam, wurde auch mit Phosphoröl und Stannum behandelt, wir mußten aber zur Verstärkung der Wirkung auch noch Einspritzungen mit Levicowasser machen. Dieser Junge hatte damals ein ganz akutes entzündliches Stadium von Arthritis deformans in seiner Hüfte, und da sind auch die Symptome alle zurückgegangen, vollkommen schmerzlos geworden. Selbstverständlich war die Zerstörung in den Gelenken und die Zerstörung des Knorpels bereits derartig groß, daß in diesem Falle an eine Wiederherstellung der Gelenksbewegungsfähigkeit nicht mehr zu denken war.

Das ist ja natürlich überhaupt die Schwierigkeit. Wollen wir jetzt zunächst die zwei Fälle ins Auge fassen, weil das eine ganz lehrreiche Sache abgeben wird. Wie alt war unsere Patientin, Frau X?

Dr. Palmer: Vielleicht Ende der zwanziger Jahre, und der Junge wird zwölf oder dreizehn Jahre gewesen sein, es war der Amerikanerjunge.

Frau Dr. Kacer sagt, daß ihr Patient siebenundzwanzig Jahre alt ist und vom zwölften
193 Jahre ab leidend, ein zweiter Patient fünfundvierzig Jahre alt, seit drei Jahren leidend, und eine Patientin etwa siebzig Jahre alt sei.

Nun fragt es sich aber, ob Sie eine Heilung erzielt haben. Sie haben hier dieselbe Behandlung angewendet?

Frau Dr. Kacer sagt, daß sie jetzt eben erst die Sache angewendet habe.

Die Sache ist deshalb außerordentlich wichtig, weil wirklich bei dieser Erkrankung ungeheuer viel davon abhängt, mit welchem Menschen man es zu tun hat. Und man kann schon sagen, bei dieser Erkrankung, bei der Arthritis deformans, ist es wirklich so, daß man in allen Fällen eigentlich in einer gewissen Beziehung individualisieren muß, denn die Entstehung dieser Krankheit hängt nämlich stark zusammen mit der ganzen Entwickelung des Menschen. Sie müssen zuweilen bei einer Erkrankung, die in mittleren Jahren auftritt, wie bei dem Fall, um dessen Interpretation ich zuerst Herrn Dr. Palmer gebeten habe, da müssen Sie sich fragen: Ist die Ursache sehr weit zurückliegend in den Kindheitsjahren, oder Hegen die Ursachen erst in späteren Jahren?
Das Eigentümliche nämlich ist gerade dieses, daß bei entsprechender Körperdisposition, namentlich bei einer konstitutionellen Schwäche des ätherischen Leibes, in den meisten Fällen die Ursache der Arthritis deformans in psychischen Vorgängen liegt, namentlich bei Menschen, die ihren astralischen Leib hinuntersenken in einen schwachen ätherischen Leib beim Aufwachen, wo also der astralische Leib durch die Schwäche des ätherischen Leibes stärker wird, als er eigentlich sein sollte, wo er nicht genügend abgelähmt wird beim Hineindringen in den ätherischen Leib. Da wirken in der Seele auftretender Kummer, Sorge, Schocks, zehrender Jammer tatsächlich als Ursache für diese Erkrankung.
Nun ist aber das Eigentümliche dieses: Wenn Sie ein Kind haben, nehmen wir irgendeinen ideellen Fall, ein Kind im zehnten Jahre hat irgendwie, sagen wir, durch eine vorhergehende Masernkrankheit oder so etwas, einen auch nur zeitweilig geschwächten ätherischen Leib; der astralische Leib wirkt zu stark. Daher wirkt in dieser Lebenszeit bei dem Kinde — ich will nicht sagen zehn, sondern zwölf
194 Jahre, Sie werden gleich sehen, warum —, wenn es einen mürrischen Erzieher hat, der es in allerlei Zustände bringt, so daß es in sich selbst seelische Uneinigkeit bereitet, solcher kindliche Kummer zunächst prädominierend. Und nun lassen Sie das vierzehnte Jahr herankommen, approximativ natürlich, dann haben Sie vom zwölften Jahre zwei Jahre bis zum vierzehnten Jahre, und dann zwei Jahre bis zum sechzehnten Jahre, und im sechzehnten Jahr ist wiederum eine Möglichkeit, ebensolange hinter dem Abschluß der Periode hinter der Geschlechtsreife, wie der Insult vor der Geschlechtsreife aufgetreten ist, daß die Sache sich rhythmisch wiederholt, daß dann aber nicht neuer Kummer natürlich, der von außen kommen müßte, auftritt, sondern daß das organische Gegenbild des Kummers auftritt. Dann ist die Frage diese: Wie lange braucht nun nach den Perioden, die sich da herausbilden, dieser Prozeß, um gehörig peripherisch zu werden? Im einundzwanzigsten Jahre ist wiederum eine Periode, das heißt im neunzehnten, zwei Jahre vor dieser Periode, und zwei Jahre danach, mit dreiundzwanzig Jahren, ist bei diesem Kinde wiederum die Möglichkeit, daß irgendwie die Sache weiterschreitet. Nun handelt es sich nur darum, wie lange dieser Prozeß braucht, um gehörig peripherisch zu werden, daß er als Deformation auftritt? Das kann unter Umständen vom zwölften Jahre, wo die ersten Ursachen liegen, bis in die dreißiger Jahre, ja selbst bis in den Anfang der vierziger Jahre hineingehen. Dann hat man ein ganz anderes Bild, als wenn zum Beispiel irgend jemand die psychische Ursache erst erlebt nach seinem fünfzigsten Lebensjahre oder Ende seiner vierziger Lebensjahre, wo sie auch erlebt werden kann. Dann treten also diese Deformationen auf aus einer ganz anderen Tiefe des Organismus heraus. Und so kann man sagen, nehmen wir einmal an, wir haben es mit einem Patienten zu tun, der meinetwillen am Ende der dreißiger, Anfang der vierziger Jahre ist und der eine starke Arthritis deformans hat, die uns zeigt, daß eigentlich die Ursachen recht weit zurückliegen. Dann kann man unter Umständen die folgende Behandlung vorschlagen aus diesem Tatbestand heraus. Ich habe daher einen Idealfall auf Ihre Frage hin konstruiert, und es würde nun sich darum handeln, daß man in einem solchen Falle
195 dasjenige, was hier behandelt worden ist, durch die Arseninjektion und durch das Stannum und so weiter hervorruft, indem man Schwefelwasserstoffbäder gibt, also zunächst auf das NervenSinnessystem wirkt, auf das entsprechende Bader immer wirken, und dadurch den peripherischen Menschen von außen ergreift. Geben Sie dann von innen etwa, sagen wir, hochpotenzierte Arnikasubstanz, Arnikatinktur oder Equisetum, was in diesem Falle beides dasselbe sein würde, so wirken Sie in demselben Sinne von innen heraus, und Sie werden wahrscheinlich bei einer auch alteingesessenen Arthritis deformans eine Heilung erzielen.
Es ist durchaus so, daß man sagen kann: Das wäre ein Fall, der vielleicht so zu behandeln ist. Während Fälle, wie der erste von Dr. Palmer interpretierte, der ganz sicher seine Ursache gar nicht weit zurückliegen hatte, mit Stannum und mit Phosphoröl behandelt werden können. Ich erwähnte deshalb diesen Fall sehr gerne, weil es ja lehrreich ist, gerade an einer solchen, allerdings ganz tiefgehenden Erkrankung zu sehen, wie man individualisieren muß.

Es wird ein Fall geschildert, wo die Patientin in der Jugend etwas derartiges durchgemacht hat. In ihren zwanziger Jahren hat sie dann eine gonorrhoische Infektion durchgemacht und direkt anschließend daran eine sehr schwere chronische Arthritis bekommen. Sie ist jetzt ungefähr fünfundvierzig Jahre alt und ist m einem ganz desolaten Zustande.

Es ist ja fast so, wie wenn ich diesen Fall ideell vorhin konstruiert hätte! Schwefelwasserstoffbäder und innerlich Equisetum oder Arnika, womöglich, wenn es nicht unmittelbar angreift, Injektionen.

Frau Dr. Kacer: Der Fall, den Sie angeführt haben, ist genau der der siebenundzwanzigjährigen Frau unter meinen Patienten. Sie haben ihn genau skizziert, ohne ihn zu kennen.

Nun haben wir hier auch eine interessante Frage: Erkrankungen des Magen- und Darmtraktes infolge von Schockwirkung. Nun, die können auftreten infolge von Schockwirkungen, aber ich glaube auch infolge von anderen psychischen Wirkungen, zum Beispiel von anhaltendem Kummer und dergleichen, der immer wiederum neue Nahrung erhält; namentlich bei weiblichen Persönlichkeiten wird dies der Fall sein. Da können auftreten sehr schmerzhafte kolikartige
196 Zustände. Es kann auch eine Lethargie des ganzen Magen- und Darmtraktes auftreten, es kann sogar ein vollständiges Versagen unter Umständen auftreten, aber ein Versagen, das zu gleicher Zeit mit Schmerzempfindung sehr häufig verbunden ist. Ist nicht das Krankheitsbild ungefähr so? (Antwort: Ja!) — Das ist nun eine sehr häufig vorkommende Erkrankung, und da ist es sehr interessant, zu beobachten, was da eigentlich geschehen ist. In jedem solchen Falle ist folgendes geschehen: Der menschliche astralische Leib ist ja ein sehr differenzierter Organismus, und wenn Sie diesen menschlichen astralischen Leib kennenlernen, so paßt er sich für alle Organe, die hinter den Sexualorganen gegen den Nierentrakt zu liegen und nach oben hin durch Lungen- und Herztrakt begrenzt sind, also in dieser Partie, der astralische Leib sehr stark dem Ätherleib an. So daß man eigentlich sagen kann: Für diesen Trakt ist der Ätherleib das Maßgebende. Der astralische Leib nimmt in seinen Bewegungen, in seinen Formen das an, was der Ätherleib tut. Das ist ganz anders im Sexualtrakt. Im Sexualtrakt ist der Astralleib für sich sehr stark tätig, unterdrückt in einer gewissen Beziehung die Tätigkeit des Ätherleibes. Wenn eine Schockwirkung gerade von dieser Sorte hier auftritt, dann drängt sich die Tätigkeit, die der astralische Leib im Sexualtrakt entwickelt, in den Verdauungstrakt hinein, so daß man eine Verlagerung der astralischen Tätigkeit vorliegen hat, und alle Symptome sind dann die vorgenannten. Und man hat nötig, wirklich jenen Prozeß einzuleiten, der den Astralleib in einem solchen Fall wiederum an seinen rechten Ort bringt.
Man muß wirklich diesen Zusammenhang verstehen, der sich eigentlich ganz innerhalb der höheren Glieder des menschlichen Organismus abspielt. Das andere, was sich im physischen Leib abspielt, ist lediglich Folgeerscheinung, lediglich äußeres Symptom. Was sich abspielt, spielt sich zwischen Ätherleib und Astralleib ab, und zwar partiell in der bestimmten Körpergegend.
Sie werden in allen Fällen etwas erreichen, wenn Sie anwenden entweder Umschläge oder Einreibungen mit Oxalsäure, also einfach Oxalsäure, die Sie am besten gewinnen dadurch, daß Sie Klee auspressen. Sie pressen Klee aus, gewinnen auf diese Weise die Oxalsäure.
197 Da ist sie am wirksamsten. Und am besten ist sie natürlich durch Einreiben zu verwenden. Sie ist außerordentlich stark wirksam in der Energisierung des ätherischen Systems im Verdauungstrakt. Das kommt dadurch in eine besonders starke Tätigkeit. Und nun müssen Sie versuchen, dieses astralische Sexualsystem, das da hineingegangen ist, wiederum zurückzukriegen. Das bekommen Sie zurück entweder durch ein Silberpräparat per os in entsprechender Dosierung, oder durch eine in der fünften oder sechsten Dezimale angewendete Silberinjektion. Silber hat, sowohl in das Zirkulationswie in das Verdauungssystem gebracht, immer die Tendenz, Deformationen der höheren Organisationsglieder wieder herzustellen.
Sie sehen, wenn Sie diese beiden Prozesse hintereinander anwenden, so werden Sie gerade bei Schockwirkungen sehr schöne Erfolge erzielen. Gerade Schockwirkungen sind nämlich außerordentlich interessant. Und wenn Sie eine Heilung bewirkt haben bei einer Schockwirkung, wenn, sagen wir, eine solche typische Schockwirkung vorliegt, wie wir sie eben beschrieben haben, dann werden Sie, wenn Sie weiter den Patienten verfolgen, das Folgende bemerken können. Sie werden, wenn Sie entsprechend zu fragen verstehen, vom Patienten Antworten bekommen, die etwa so lauten: Es ist ganz merkwürdig, seit ich dazumal gesund geworden bin, seit der Zeit wirkt mein Herz ganz anders; seit der Zeit, wenn ich etwas Schreckhaftes, einen Kanonenschuß oder so etwas wahrnehme, dann wirkt mein Herz so, als wenn es mich selber beruhigen wollte, als wenn ich an ihm ein Wesen hätte, das mich selber beruhigen wollte.
Darinnen sehen Sie, wie wirklich polarische Prozesse bei jedem regelnden Eingriff, nicht nur bei einem Heileingriff, in dem menschlichen Organismus vorhanden sind. Diese Herzwirkung, von der der Patient spricht, die ja auch im wesentlichen im Ätherischen und im Astralischen verläuft, die ist die polarische Gegenwirkung zu dem, was Sie eigentlich getan haben für die Herstellung der richtigen Relation zwischen Sexualtrakt und Verdauungstrakt. Das ist dasjenige, was in bezug auf diese Schockwirkung zu sagen ist.
Nun werde ich dann morgen über eine interessante Frage, nämlich
198 über die Nervenkrankheiten, namentlich über die Rückenmarkskrankheiten, was sozusagen als erste Frage aufgeschrieben ist, noch etwas näher sprechen. Wir werden uns morgen wiederum gleich um halb neun Uhr zusammenfinden. Ich möchte jetzt nur noch etwas sagen, da es ja wirklich eine recht aktuelle Frage — es scheint mir wenigstens so — jetzt zu sein scheint, die hier auch auf dem Zettel steht, nämlich über das Bettnässen der Kinder. Es scheint in der Tat in einer sehr verstärkten Gestalt aufzutreten.
Beim Bettnässen der Kinder hat man es mit einer typischen Schwäche des astralischen Leibes zu tun. Der astralische Leib hat einfach die Stärke nicht, die er haben sollte. Wenn Sie aber gerade in dem Falle des Bettnässens Arsenik anwenden, auch in der gesunden Form von Levicowasser oder Roncegnowasser, dann werden Sie in der Regel zu einer zwar starken, aber außerordentlich kurzen Tätigkeit, gerade bei Bettnässern durch ihre esamtorganisation zu einer kurzen, dem astralischen Leib angemessenen Bewegung dieses astralischen Leibes kommen. Die Kinder werden dennoch beim Bettnässen bleiben; aber Sie werden ganz sicher gute Erfolge erzielen, wenn Sie anwenden bei Bettnässern diejenige Substanz, die Sie gewinnen können durch Auspressen der Blätter und Blüten, vom Johanniskraut, Hypericum perforatum. Ich weiß nicht, ob Sie wissen, daß es die einzige Pflanze ist, die in drei Büscheln stehende Staubgefäße hat. Sie gehört zu der 18. Linne-Klasse, sie hat gelbe Blumenblätter und sie hat Blätter, die aussehen, wenn Sie durchschauen, wie wenn lauter Locher in den Blättern wären. Wenn Sie diese Pflanze auspressen, so bekommen Sie einen Saft. Es liegt im wesentlichen an diesem bitteren Extraktivstoff, der in dieser Pflanze enthalten ist, auch ein Stoff, der sehr stark und dauernd auf die innere Beweglichkeit des astralischen Leibes wirkt und diesen stark macht. Und dadurch unter Umständen wird es zur Heilung kommen, wenn man dann noch moralisch auf das Kind einwirkt dadurch, daß man eben einfach sagt, es ist verpflichtet, achtzugeben auf seine Funktionen. Diese moralische Einwirkung sollte eigentlich stattfinden gerade bei solchen Dingen, die, nicht wahr, an der Grenze stehen zwischen Ungezogenheiten und Krankheiten. Ich bitte mich nicht mißzuverstehen,
199 ich weiß schon natürlich, daß es eine Krankheit ist, aber es steht an der Grenze zwischen Ungezogenheit und Krankheit. Und weil in der Tat der moralische Wille einen großen Einfluß hat, so soll man den nicht außer acht lassen. Denn wenn Sie eine solche Sache bei dem Kinde kurieren — natürlich kurieren können Sie es mit Hypericum — so schwächen Sie den Willen des Kindes, wenn Sie ihn nicht zu gleicher Zeit anspornen, ihm nicht einen Impuls geben nach der moralischen Seite hin. Das wäre in bezug auf das Bettnässen zu sagen.
Dann wollen wir morgen sprechen über neuropathische Kinder, besonders über Kinder mit Dementia praecox in den verschiedenen Formen. Dann noch über einige andere Fragen, und ich will versuchen, diese Fragen alle noch zu berücksichtigen.

Frau Dr. …: Es wird gefragt, wie alt der Saft sein darf.

Zu alt darf man ihn nicht werden lassen; aber wenn Sie ihn etwa so geben, daß Sie ihn möglichst gut auspressen, auf ein bestimmtes Quantum, sagen wir, ein Gramm Blatt und Blüte durcheinander, halb und halb, dann werden Sie die Möglichkeit bekommen, ein Glas Wasser damit zu versorgen, und das können Sie dann abteilen und ein halbes Jahr lang in dieser Weise gebrauchen.




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