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III ZUR THERAPIE III : DRITTER VORTRAG, Dornach, 2. Januar 1924

III ZUR THERAPIE III : DRITTER VORTRAG, Dornach, 2. Januar 1924

Gonorrhoe. Giftwirkung von männlichem und weiblichem Samen. Parasiten. Therapie: Alkalicarbonat, Eucalyptusölumschläge. Asthma bronchiale, an Grenze zu rein Psychischem. Geisteskrankheiten können rein physische Erkrankungen sein. Asthma-Ursache im Embryonalleben: Schock und Kümmernisse der Mutter: Wirkung auf die Schleimhaut der Atmungsorgane. Innere Appetitlosigkeit. Rechte Verbindung Ätherleib und Astralleib unterbrochen: Salbeiblätter, Nußblätter, Eichenrinde, Weidenrinde, Veronica. Atmung meditieren. Nervenzusammenbruch, schlaflos, automatisches Denken: Heileurythmie, Equisetumbäder, Vokalisieren. Schleimhautwucherung am Gaumen: Schwäche des Ätherleibes: Apis, Vespa, Honig, Milch. Rückenmarkskrankheiten: Schwer zu therapieren: Phantom von Ich und Astralleib durch Kieselsäurewirkung. Arnica, Kalisalz, Kalksalz, Gerbsäure. Gummiartiges Eiweiß in Arnica. Phosphor, Vierhügelpräparat bei Rückenmarkserkrankung: Tabes dorsalis. Nervenerkrankung im Verdauungstrakt: Chamomilla-Injektionen. Tendenz zu Myopie, Hyperopie. Therapie. Glaukom: Vor dem 3. Lebensjahr mit Belladonna beginnen.

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200 Nun möchte ich noch einige von den Fragen, die mir vorgelegt worden sind, behandeln, und da scheinen mir vorzugsweise einige Fragen Ihnen noch wichtig zu sein.
Die eine Frage, die Gonorrhöe-, die Tripperfrage: Nun ist es auch da notwendig, wenn man einsehen will, was eigentlich zu tun ist, daß man das Wesen der Sache studiert. Nun scheint mir, als ob man gerade auf diesem Gebiete allzuleicht zufrieden wäre, indem man einfach sagt: Infektion, Infektion und wieder Infektion. Das ist ja dasjenige, was eigentlich gesagt wird. Gewiß, es liegt bei diesen und ähnlichen Erkrankungen eine wirklich außerordentlich große, außerordentlich starke Möglichkeit der Ansteckung vor; aber aus der Erkenntnis der Ansteckung heraus kann eigentlich ja am allerwenigsten folgen die Erkenntnis der heilenden Mittel. Man hat einfach nicht viel, wenn man weiß, die Sache ist ansteckend. Man hat nur das eine davon, daß man natürlich Vorkehrungen trifft, um die Ansteckungsgefahren zu vermindern. Das ist etwas, was ganz selbstverständlich ist. Aber es ist doch gut, wenn man gerade bei solchen Dingen eindringt in dasjenige, um das es sich handelt.
Nun, man muß sich klar sein darüber, daß der menschliche Organismus wirklich ein in sich abgeschlossenes System ist, und daß in größerem oder geringerem Grade für den menschlichen Organismus alles dasjenige giftig ist, was außerhalb seiner liegt. Also Gift ist eigentlich alles, was außerhalb des menschlichen Organismus liegt. Nur gibt es gewisse Anpassungen, in denen sozusagen die Wirkung, die sonst Giftwirkung ist, isoliert wird. Und diese Isolierung einer Wirkung, die sonst Giftwirkung ist, tritt für die Realisierung ätherischer Impulse und astralischer Impulse namentlich eben auf, wenn weiblicher und männlicher Same sich vereinigen. Sie tritt sonst auch in zahlreichen Fällen auf, besonders aber, wenn weiblicher und männlicher Same sich vereinigen. Die Wirkung ist eine eminent giftige, wenn die beiden polarisch entgegengesetzten Substanzen sich vereinigen.
201 Also die Wirkung ist eine eminent giftige, aber sie wird isoliert und in der Isolierung exponiert den Kräften des Kosmos, die man sogar im einzelnen beschreiben kann. Es sind die konzentrierten Sonnen- und Mondenkräfte, denen dann dasjenige, was aus der Vereinigung entsteht, exponiert wird.
Diese Exposition, die ist nur möglich, wenn tatsächlich nur ein Zusammenwirken stattfindet des männlichen und weiblichen Samens. Mit jeder Substanz, die außerhalb des weiblichen Samens liegt, die also in Organen erzeugt wird, die nicht die weiblichen Sexualorgane sind, gibt der männliche Same ein überall im menschlichen Organismus sowohl wie in der Welt draußen unbrauchbares Gift. Umgekehrt, der weibliche Same gibt mit jeder Substanz, ausgenommen diejenige, die vom männlichen Sexualorgan abgesondert wird, Gift, das nicht verarbeitet werden kann. Dieses Gift ist eigentlich im Grunde genommen, nur unter Metamorphosierung, das eine Mal Schankergift, das andere Mal Trippergift. Und damit haben wir es überhaupt mit Erkrankungen zu tun, die etwas wesentlich anderes darstellen als die Syphiliserkrankungen, die wir besprochen haben. Wir haben es zu tun mit der Erzeugung von Giften, die keine Exposition, weder im menschlichen Organismus noch über den menschlichen Organismus hinaus, aushalten.
Nun, solche Stoffe sind im wesentlichen auch ungeheuer starke Ansteckungsstoffe. Sie sind überhaupt die Träger von Parasiten kleinster Art, hypermikroskopischer Organismen. Und mit einer solchen Wirkung haben wir es zu tun, also mit einem Ineinanderwirken der astral-ätherischen Organisation im Männlichen und Weiblichen, das dann bei seinem Hinunterwirken in das Physische diese entsprechenden Gifte erzeugt. Das ist das Wesentliche. Die Ansteckungsgefahr ist das Sekundäre. Sie ist immer da, gerade weil auf diese Weise eben die stärksten Gifte überhaupt erzeugt werden, die es für das Organ gibt.
Ich meine, daß es außerordentlich wichtig ist, daß solche Dinge einmal eingesehen werden, damit man nicht immer eigentlich, ich möchte sagen, die entsprechenden Erscheinungen so betrachtet, wie einstmals die ganze Fortpflanzung des Menschengeschlechtes betrachtet
202 wurde, indem man auf den Eierstock der Eva zurückgeführt hat das ganze Menschengeschlecht in alle Zukunft der Erde. Das ist natürlich eine sehr leichte Betrachtung. So macht man es sich auch leicht, wenn man sagt: Diese Erkrankung ist angesteckt; die anstekkende ist wieder angesteckt, und man kommt zurück natürlich ins Unbestimmte, aber man kommt zu keiner eigentlichen Erkenntnis. Kommt man aber zu einer solchen Erkenntnis, wie ich sie eben angedeutet habe, dann fragt man sich natürlich folgendes. Dann sagt man: Wie ist nun beizukommen dem Wirken, das entsteht im menschlichen Organismus unter dem Einfluß dieses Giftes?
Man muß also etwas herstellen, dem man dieses Gift exponieren kann, wie man zum Beispiel den befruchteten weiblichen Keim exponieren kann dem Weltenall. Man muß also sozusagen eine Atmosphäre herstellen, im astral-ätherischen Organismus eine Atmosphäre herstellen, die eine gewisse Absorptionsfähigkeit ihat, nicht für das Gift, das dann ausgeschieden wird, wenn die gifterzeugenden Kräfte im Astralischen und Ätherischen absorbiert werden.
Und nun ist es gerade bei solchen Dingen sogar häufig so, daß man von zwei Seiten her die heilenden Kräfte zusammenwirken läßt, und man wird wirklich Gutes in einem solchen Fall erzeugen können, wenn man ein Präparat, etwa irgendein kohlensaures Alkali, Alkalikarbonat innerlich gibt und dann lokal behandelt mit Umschlägen, starke ölige Eukalyptusumschläge lokal macht, aber beide Dinge zusammenwirken läßt. Das wird ganz gewiß zu einer, wenn auch vielleicht langsamen, aber dann eben gründlichen Ausheilung führen können. Denn die Alkalikarbonate, die wirken im wesentlichen so, daß sie aus dem Gesamtätherleib des Menschen einen Spezialätherleib herstellen gewissermaßen; und der Eukalyptusauszug, der wirkt so, daß er diesen hergestellten Äthertrakt wie astralisch durchströmt. So daß man tatsächlich um den Genitaltrakt herum eine Atmosphäre herstellt, die die gifterzeugenden Kräfte absorbiert. Das ist das, was man dabei ins Auge fassen kann.
Möchte jemand vielleicht gerade darüber etwas sagen? Alle diese Dinge sind ja eigentlich nicht da zum Diskutieren, sondern zum Ausprobieren. Sie werden sich bewähren.
203 Nun möchte ich namentlich eingehen auf eine Frage, welche ich hier gefunden habe, und die ist:

Läßt sich ein durch schweres Asthma zum Morphinisten gewordener Patient wohl mit Erfolg entwöhnen, auch vom Morphium, mit dem vom Klinisch-Therapeutischen Institut in Stuttgart angewandten Mittel, Zitronensäure, Prunus spinosa und Nicotiana tabacum, behandeln?

Mit dem Asthma ist es ja eine schwierige Sache, weil das Asthma wesentlich auf der Tatsache beruht, daß die Ausatmung, der Ausatmungsstrom, bei seinem Durchgange durch die Luftwege Widerstände findet. Er hakt sich gewissermaßen ein. Das ist etwas, was im astralischen Organismus ganz stark zu sehen ist.
Es ist ja natürlich immer etwas problematisch, wenn man diese Dinge aufzeichnet, aber Sie sind ja alle Anthroposophen und werden die Dinge selbstverständlich so nehmen, wie sie gemeint sind. Also dem ausströmenden Luftstrom, dem sieht man tatsächlich entgegenstehen vom Astralischen des Menschen etwas wie Haken, in die er sich einstößt (siehe Zeichnung). Das ist der Befund. Und das bezeugt
Tafel

eben, daß das Asthma wirklich spezifisch diejenige Erkrankungsform ist, die hart an der Grenze steht an rein psychischen Erkrankungen, worunter ich nicht die sogenannten Geisteskrankheiten verstehe, sondern diejenigen Erkrankungen, die mit dem psychischen Leben zusammenhängen. Geisteskrankheiten brauchen gar nicht mit dem psychischen Leben zusammenzuhängen, sondern können lediglich physische Erkrankungen sein, wobei das Psychische lediglich Symptom ist. Also die sogenannten Geisteskrankheiten sollten meistens
204 gar nicht Geisteskrankheiten genannt werden, weil es sich fast immer um eine wirkliche organische Erkrankung handelt, die ein psychisches Gegenbild findet, einfach ein Schattenbild, und das ist lediglich Symptom. Man kommt am besten zum Heilen der sogenannten Geisteskrankheiten, wenn man aus dem physischen Befund als Symptomkomplex erkennt, ob eine Nierenkrankheit, Leberkrankheit, eine wirklich organische Gehirnkrankheit vorliegt. Unter psychischen Erkrankungen verstehe ich aber diejenigen, wo zum Beispiel wirklich psychische Wirkungen zugrunde liegen, wie auch Schockwirkungen oder Angstwirkungen und dergleichen, also wo psychische Ursachen vorliegen. Und beim Asthma ist es ja tatsächlich so, daß man oftmals sehr weit zurückgehen muß in den psychischen Ursachen.
Wenn man so alt geworden ist wie ich, sind einem ja Asthmafälle der mannigfaltigsten Art immer entgegengetreten, und ich muß schon sagen, oftmals muß man bei Asthmafällen, wenn man zurückgeht, um die Entstehungsursache — abgesehen von dem Karmischen also —, die Auslöseursache zu suchen, sogar ins Embryonalleben zurückgehen. Und die äußeren Ursachen liegen eigentlich oftmals wirklich im Embryonalleben. Sie liegen darinnen, daß die Mutter Schocks oder die Mutter Kümmernisse gehabt hat, die sich in unregelmäßigen Wiederholungen immer wieder ergeben haben während der Schwangerschaft. Solche Dinge, sie wirken außerordentlich stark auf das gesamte Schleimhautsystem des Atmungstraktes, und davon gehen dann während der Embryonalzeit schon die Ursachen für dasjenige aus, was später sich in den asthmatischen Erscheinungen kundgibt.
Nun ist aber bei den asthmatischen Erscheinungen von ganz besonderer Wichtigkeit das Folgende: Das Asthma lebt sich in ganz verschiedener Weise aus, je nach der Individualität des Menschen, und es hängt viel davon ab, daß man die sonstigen im Organismus bestehenden Folgeerscheinungen des Asthma wirklich richtig bekämpfen kann. Dann macht man den Organismus stark genug, daß er später selber etwas tun kann, um das Asthma zu bekämpfen. Und so möchte ich nun die Möglichkeiten angeben, wie man, da es sich ja wirklich um eine unregelmäßige Bewegung des astralischen Leibes
205 in der Bronchien-Lungengegend handelt, diesen Sachen gerade beikommt.
Da liegt nämlich etwas, ich möchte sagen, ganz Raffiniertes zugrunde, wie das Asthma überhaupt eine raffinierte Erkrankung ist. Untersucht man mit, wenn ich so sagen darf, okkultem Schauen einen Asthmakranken, so findet man, daß bei ihm vor allen Dingen ausgeschaltet ist das, was ich den inneren Appetit des Organismus nennen möchte.
Verständigen wir uns zunächst über diesen Begriff «innerer Appetit» des Organismus. Man kommt eigentlich auf diesen Begriff des inneren Appetits des Organismus erst, wenn man ganz kleine Kinder beobachtet. Die schmecken eigentlich nicht bloß mit der Zunge. Den Pädagogen habe ich das immer gesagt, die kleinen Kinder schmecken nicht bloß mit der Zunge, die schmecken eigentlich mit dem ganzen Organismus. Der ganze Organismus ist etwas wie ein feines Geschmacksorgan. Nur lokalisiert sich später dieses Schmecken eben sozusagen um Gaumen, Zunge und so weiter herum. Diese Differenzierung, die verhältnismäßig früh eintritt, ist aber nur eine teilweise. In unterbewußten Sphären schmeckt der Mensch und erzeugt also dieses innere Erlebnis von Appetit durch seinen ganzen Organismus. Einfach der ganze Organismus hat jene Strebekraft, die man als Appetit bezeichnet.
Nun, nicht wahr, wie es nun eine Appetitlosigkeit im abgesonderten Hauptestrakt gibt, die da erlebt wird, so gibt es eben, und das ist gerade beim Asthmatischen im hohen Maße der Fall, eine Appetitlosigkeit des Organismus. Und es tritt beim Asthmatischen eine Appetitlosigkeit des ganzen Organismus ein; er hat gar keine Lust, die eingenommenen Nahrungsstoffe gerade nach den Teilen hin aufzunehmen, die in den ganzen Kreislauf übergehen. Er hat sogar eine Abneigung, aber er weiß nichts davon, weil sie innerlich unbewußt ist, namentlich gegen Gekochtes. Man wird dieses aus äußerlichen Symptomen, die in seinem Leben auftreten, recht gut beobachten können. Dem muß man zuerst beikommen. Man muß den Organismus erst wieder appetitfähig machen.
Es ist überhaupt gut, wenn Sie wissen, wie man einem Organismus
206 beikommt, bei dem man zu bemerken glaubt, daß er appetitlos ist, daß also die rechte Verbindung zwischen Ätherorganismus und astralischem Organismus unterbrochen ist, denn das heißt appetitlos sein. Nun ist es gut, wenn man überhaupt weiß, was da gut ist. Und da ist immer gut, wenn man das in der richtigen Dosierung dem Organismus beibringt, was man in der Form von Gerbsäure gewinnen kann, zum Beispiel aus Salbeiblättern, aus Nußblättern, aus Eichenrinden oder Weidenrinden, kurz, wenn man, ich will sagen, dasjenige, was vielleicht der ersten Dezimale gleichkommt, eben nur prozentig, an Gerbsäure dem menschlichen Organismus beibringt. Das ist dasjenige, was ganz besonders wichtig ist für den Astralleib in einem solchen Falle. Der wird angeregt, seine Tätigkeit auf den Ätherleib auszudehnen, wenn man ihm diese Gerbsäure beibringt. Darauf reagiert wiederum nicht der Ätherleib. So daß man nur Unordnung erregt, wenn man einseitig Gerbsäure beibringt. Man muß auf der anderen Seite auch dem Ätherleib beikommen. Und dem kommt man bei, wenn man zum Beispiel aus Veronica officinalis, aus diesem Ehrenpreis einen Blätterauszug macht und daraus namentlich die bitteren Stoffe gewinnt, diese bitteren Stoffe, die in solchen Pflanzen sind — man kann sie auch aus anderen Pflanzen gewinnen, überall, wo diese bitteren Extraktivstoffe drinnen sind —, und man wird dann abwechselnd, meinetwillen am Morgen das eine geben, am Abend das andere, und man kann dann den Rhythmus regeln zwischen astralischem und ätherischem Leib und auf diese Weise die Heilung einleiten. Gibt man dann dem Kranken die Anweisung, in langer Geduld, wochenlang überhaupt nicht im Bette zu liegen, sondern in einem Stuhl zu schlafen, und wenn er den Versuch macht, einzuschlafen, die Atmung im Geist zu meditieren, also zu sehen oder zu spüren im Geiste: Einatmung, Atem ausbreiten, Ausatmung, — ganz bewußt atmen, wenn er einschläft; wenn er aufwacht, gleich wiederum ihn anfangen lassen, ein paar Minuten bewußt zu atmen. Wenn man auf diese Weise seine moralischen Kräfte in Anwendung auf den eigenen Organismus stärkt, nämlich auf das Atmen, aber so, daß er sie unbeirrt anwenden kann — bei jeder anderen Lage als bei
207 einem Schlafen in einem Stuhl, namentlich bei der Liegelage, ist es ganz unmöglich, daß der Patient die Sache durchführt — und dieses dann als den dritten Akt der Kur verwendet, so ist zu hoffen, daß man dem Asthma selbst noch in sehr späten Entwickelungsstadien beikommt. Der Morphinismus ist ja dann doch nur eine Folgeerscheinung, den wird man dann wegbringen. Man muß versuchen, den Morphinismus dann zu bekämpfen.
Nun einen anderen interessanten Fall, der mir vorgelegt worden ist. Ich möchte aber ausdrücklich betonen, daß es natürlich mehr oder weniger problematische Dinge sind, die man gibt, wenn man den betreffenden Patienten nicht sieht. Es ist eben nur, ich möchte sagen, der Fall auch idealiter zu konstruieren, aber wir wollen doch dasjenige kurz sagen, was da vorliegt bei diesem fünfundvierzigjährigen Postsekretär, der infolge von irgend etwas einen Nervenzusammenbruch erlitten hat, dann zunächst, wie es scheint, schlaflos geworden ist und in so etwas hineingekommen ist, wo der Kranke nicht mehr Herr wird über sich, wo der Kopf allein denkt, also automatisch ist. Das ist wohl das erste Stadium gewesen. Dann scheint dieses Stadium übergegangen zu sein in ein anderes, wo er ein Gliederzittern bekommen hat nach zwei Jahren und Krampfzustände wohl auch in den Gliedern.
Es wird sich nun darum handeln, in einem solchen Falle vor allen Dingen zu wissen, daß der ganze Zustand nicht in anderen Organen liegt als denjenigen, die von der Ich-Organisation und von der astralischen Organisation her dirigierend wirken auf das Willenssystem des Menschen. Das Willenssystem kommt in Betracht. Und das Unregelmäßige und Unnormale des Willenssystems wirkt schon in diesem eigentümlichen Hingegebensein an den Gedankenautomatismus. Das hat gar nichts mit den Gedanken zu tun, das hat zu tun mit dem Willen, der der Entwickelung des Gedankens zugrunde liegt. Alles geht aber darauf aus, tief in dem Unterbewußten unten zu wirken, um den Willen eigentlich in dem bloßen StoffwechselGliedmaßenorganismus zu bilden, ihn herauszuziehen aus dem rhythmischen Organismus, herauszuziehen aus dem Nerven-Sinnesorganismus. Es liegt also die Verlegung der ganzen physischen und
208 ätherischen Willensorgane nach dem unteren Organismus eigentlich als Tendenz vor.
Sie würden sicher das, was ich sage, in einem solchen Falle auch an äußeren Symptomen gut haben wahrnehmen können, wenn Sie die Gelegenheit gehabt hätten, sagen wir, von irgendeinem Zeitpunkte an diesen Postsekretär zu beobachten, und nach zwei Jahren wiederum; Sie würden so bemerken, daß in diesen zwei Jahren das wechselseitige Verhältnis zwischen Unterlippe und Oberlippe ein anderes geworden ist. Es würde Ihnen vor zwei Jahren vorgekommen sein, daß vielleicht ein bestimmtes, nicht ganz zusammenstimmendes Verhältnis im Bewegen der Oberlippe zur Unterlippe stattgefunden hat, daß man das Gefühl hat, das paßt nicht so zusammen, wie bei den normalen Menschen, und nach zwei Jahren wird das stärker geworden sein. Die Unterlippe wird ihre ungezogenen Bewegungen mehr fortgesetzt haben als die Oberlippe. Solche Dinge werden Sie beobachten können. Sie werden auch ein solches Wechselverhältnis beobachten können zwischen den Beinen und den Armen an nicht zusammenstimmenden Bewegungen. \Nun handelt es sich darum, daß in einem solchen Falle kombiniert werden sollte eine medikamentöse Behandlung, eine physische Behandlung, sagen wir, mit einer seelischen Behandlung in Heileurythmie. Diese zwei Dinge müssen hier kombiniert werden, und dafür ist der Fall sogar typisch.
Wenden Sie in einem solchen Falle Equisetumbäder an mit ziemlich starkem Zusatz von Equisetum, wodurch Sie dann auf die Kieselsäure rechnen. Equisetum hat ja einen sehr hohen Prozentsatz von Kieselsäure, also nehmen Sie Equisetumbäder, und Sie werden durch diese Equisetumbäder eine wesentliche Verstärkung der Ich-Organisation hervorrufen können. Aber die ist eben unter dem Einfluß des Bades da. Fortwährend ist die Gefahr vorhanden, daß sie nach kurzer Zeit wiederum verschwunden ist. Sie wird zur Tendenz getrieben, etwas Bleibendes zu sein, wenn Sie nun heileurythmisch vokalisieren lassen, einfach vokalisieren lassen, nachdem das Bad abgelaufen ist, eine Stunde lang heileurythmisch vokalisieren lassen. Da regen Sie das dann an,was zuerst nur veranlagt worden ist
209 im Equisetumbad. Und dann können Sie hoffen, auf diese Weise, vor allen Dingen von der Peripherie aus, von dem Gliedmaßenorganismus aus, die Sache zu bekämpfen. Man muß eben überall versuchen, den Punkt zu finden, von dem aus man die Dinge bekämpfen kann.
Nun hat mich etwas dieser andere Fall beschäftigt, der sehr interessant ist; er ist nur nicht ganz klar dargestellt. Es heißt hier:

Lupusartige, immer stärker sich ausbreitende Wucherung der Schleimhaut am Gaumen, die Schluckbeschwerden macht, bei einer siebenunddreißigjährigen Patientin, die vor sieben Jahren eine Lungentuberkulose hatte, zweiten, dritten Grades, die aber ziemlich verwachsen ist. Operiert an Gallensteinen, die nicht vorhanden waren.

Da hätte ich gerne gewußt, was unmittelbar eingetreten ist nach der Operation an Gallensteinen, die nicht vorhanden waren!

Leidet an Störungen des Ernährungstraktes, an Blähungen, die wohltätig beeinflußt werden mittels heileurythmischer S-Übung und in letzter Zeit minimal sind; hat seit Jahren schweren Kummer. Könnte eine mit Erfolg durchgeführte I-Übung die Lupuserkrankung verursacht haben? Was wäre zu tun?

Haben Sie denn die Meinung, daß es sich da wirklich um etwas Lupusähnliches handelt?

Es kann auch Skorbut sein; es sieht nur so aus.

Das muß man nicht voraussetzen. In Wirklichkeit kann es sich eigentlich nur darum handeln, daß die plastische Kraft des ätherischen Organismus einfach nicht bis in die peripherischen Trakte genügend wirkt. Es kann sich eben um nichts anderes handeln. Und dem würde man beikommen müssen, in-dem man einfach injiziert Bienengift in vielleicht sechster Dezimale und den Prozeß zu einem totalen macht, der dadurch entsteht, daß das Bienengift sehr stark den ätherischen Leib anregt zu einer wirklich nach dem ganzen menschlichen Organismus hin gerichteten Aufnahme der astralischen Kräfte.
Bienengift ist ein sehr interessanter Stoff. Das, was dem Bienengift zugrunde liegt, ist wirklich ein Kraftsystem, das zu gleicher
210 Zeit der ganzen Gestalt des menschlichen Organismus zugrunde liegt. Was da überhaupt wirkt in dem Bienenstock zwischen der Erzeugung des Bienengiftes mit der Bienennahrung und alledem, was die Biene aufnimmt, und dem, was dann die Wachszellen der Waben sind, das ist nicht für die einzelne Biene, aber für den ganzen Bienenstock wunderbar ähnlich den organischen Vorgängen im menschlichen Organismus. Nämlich wenn man die Bienen verfolgt von da an, wo sie auf die Blumen sitzen, bis da, wo sie zum Stock zurückkommen und die Produkte, die sie mitbringen, absondern und dann die Zellen verfertigen, so hat man eine Tätigkeit des Bienenstocks, die wirklich innerlich ichmäßig, astralmäßig, äthermäßig ganz ähnlich dem ist, was geschieht zwischen den Vorgängen, die innerlich im Gehirn vor sich gehen, wenn ein Mensch wahrnimmt, dann in die Wahrnehmungskräfte Substanzen hereinnimmt und bis in die Gestaltung, in diese merkwürdige Gestaltung der Knochenzellen hineingeht. Man sieht in den Bienenwaben etwas Weichgebliebenes, anders Gebliebenes, als in dem zu Knochenzellen Gewordenem, und man sieht in dem Sitzen der Biene auf der Blume die menschliche Wahrnehmung. So daß tatsächlich der ganze menschliche Organismus in seiner Tätigkeit eingeschlossen ist in dem, was zwischen dem Saugen der Bienen auf der Blume und dem Hersteilen der Wachszellen liegt.
Dem Ganzen liegt wiederum zugrunde, als das organisierende Prinzip vom Geistigen herein, das Bienengift. So daß Sie, wenn es sich darum handelt, daß Sie sehen können, daß gewissermaßen in der Peripherie abreißt die organische Wirkung, nicht hinein will in die Peripherie, immer sehr viel Gutes tun können mit Bienenoder Wespengift, und dann unterstützen von innen heraus die Wirkung der Injektion dadurch, daß Sie einen flüssigen Brei machen von Honig und Milch, und das dann eben als einen täglichen Nahrungszusatz geben.
Das ist etwas, was wirklich sich so darstellt, daß man sieht, der Organismus, der sich in sich zusammengekrampft hat und der solche anormalen Erscheinungen an verschiedenen Peripheriestellen zeigt, breitet wiederum seine Wirkung aus auf der einen Seite unter
211 dem Einfluß des Insektengiftes, das in das Zirkulationssystem hineingeht, auf der anderen Seite unter dem Einfluß desjenigen, was substantiell verwandt ist Milch und Honig, in der Organisation, entwickelt sich, breitet sich aus. Das ist dasjenige, was ich glaube, daß es in einem solchen Falle schon empfohlen werden kann.
Nun möchte ich über die Frage sprechen, die, wie es scheint, Ihnen auch am Herzen liegt. Das ist die Frage der Nervenkrankheiten, Rückenmarkskrankheiten und so weiter.
Von allen Nervenkrankheiten sind schon natürlich die Rückenmarkskrankheiten am schwersten zu erreichen. Den anderen Nervenkrankheiten ist noch viel eher beizukommen. Aber man würde doch viel eher den sogenannten Nervenkrankheiten beikommen können, wenn man in Erwägung zöge, daß im Nerv, im Nervenstrang, im Nerven überhaupt, eine fortdauernd nach der 2erbröckelung hintendierende Substanz vorhanden ist. Es ist im Nerv nichts vorhanden, wie in anderen Teilen des Organismus, von aufbauenden, sprießenden Kräften, von Wachstumskräften, sondern es ist im Nerven überall dasjenige vorhanden, das hinübertendiert nach der Ich-Organisation, dadurch, daß es eigentlich immer abscheiden und zerbröckeln will. Es muß nur immer fortwährend verhindert werden am Zerbröckeln, In dem Augenblick, wo die Ich-Organisation nicht stark genug ist, um den Nerven an diesem Zerbröckeln zu verhindern, dann entstehen eigentlich die verschiedensten Erscheinungen. Je nachdem es sich um die Ich-Organisation oder astralische Organisation handelt, die nicht stark genug sind, entstehen entweder die eigentlichen Nervenkrankheiten, wenn die astralische Organisation nicht stark genug ist, oder wenn die IchOrganisation nicht stark genug ist, entstehen die verschiedenen Neuralgien oder die verschiedenen Zustände mit halb psychischen Symptomen und so weiter.
Nun muß man sich eben darüber klar werden, wie man gerade so auf das Nervensystem wirken kann, daß im Nervensystem gewissermaßen eine Art Phantom des astralischen und des Ich-Organismus auftritt. Das tritt wirklich auf, wenn man den Versuch macht, die Kräfte — wenn also eine schon stark nervöse Erkrankung,
212 nicht eine partielle vorliegt — die Kieselsäurewirkung in das ganze Nervensystem hineinzubekommen. Das ist sozusagen etwas wie ein Postulat, in die Nervenorganisation die Kieselsäure hineinzubekommen.
Nun bekommt man schon die Kieselsäure, wenn nicht besondere Hindernisse und Hemmungen da sind, dadurch in das Nervensystem hinein, daß wirklich eine außerordentlich starke Affinität der Form des menschlichen Nervensystems zur Arnikasubstanz vorhanden ist. Die ist schon sehr groß. Und wenn Sie, eben in hoher Potenz natürlich, in der fünfzehnten, fünfundzwanzigsten, selbst dreißigsten Potenz, Arnikainjektionen geben, so werden Sie in den meisten Fällen finden, daß die Arnikainjektion so wirkt, daß der Kranke dann von sich aus auch sogar den Drang und Trieb bekommt, etwas zu tun gegen seine Nervenzustände. Denn dazu muß man es immer bringen, daß der Kranke plötzlich merkt: Das, was in den Nerven ist, das nimmt mir irgendein Heilmittel ab, und ich kann jetzt meine Ich-Organisation, meinen astralischen Organismus verwenden. Um das Abnehmen handelt es sich in diesem Falle. Bei einem Nervenkranken sind der Ich-Organismus und astralische Organismus intensiv beschäftigt mit dem Nervenprozeß. Man muß etwas hineinbekommen in den Nervenprozeß, was nachahmt die Ich-Organisation und die astralische Organisation. Und das tut gerade jene merkwürdige Konfiguration, die in der Arnika ist, die ja tatsächlich ein Mixtum compositum von allem möglichen ist, wirklich auch eine Art mikrokosmischer Nachahmung von allem möglichen Makrokosmischen. Das tut die Arnikasubstanz in ganz besonderem Maße.
Denken Sie doch, was da alles geschieht. Da hat man zunächst die Kieselsäure, die in Arnica montana drinnen ist. Das ist die Grundsubstanz. Die ist ungeheuer fein empfindlich, ein tief bedeutsames Reagens für alle möglichen kosmischen Einflüsse. Für alles, was auf die Erde wirkt, dafür ist die Kieselsäure ein ungemein feines Reagens. Dann besteht in Arnica montana immer die Tendenz, diese feinen Kieselsäure-, man mochte sagen, Wahrnehmungen des Kosmos zu übertragen und abzuformen plastisch in den Kalisalzen
213 und auch Kalksalzen, die in Arnica montana in einer wunderbaren Weise auch verteilt sind.
Nun denken Sie sich die ganze Wirkung, die ich vorhin auch geschildert habe für die Gerbsäure; diese Wirkung auf den astralischen Organismus ist da in der Arnika auch wiederum drinnen. So daß man dasjenige, was nun aus dem Kosmos hereingetragen wird, von der Kieselsäure abgedruckt wird gewissermaßen plastisch in den Kalium-Kalksalzen, unmittelbar in den Organismus hineinträgt durch den Gerbsäuregehalt der Arnika. Dann entwickelt die Arnikasubstanz wie durch ein Wunder gleichzeitig ein Beruhigungsmittel, so daß der Mensch nicht das Beunruhigende des Eindringens von fremder Substanz in das physische Korrelat des astralischen Leibes spürt. In der Arnikasubstanz ist nämlich etwas Kampferartiges drinnen. Es ist also das eigene Beruhigungsmittel drinnen. Dann enthält ja die Arnikasubstanz, in Gummi und ähnliche Stoffe wunderbar gebettet, Eiweißsubstanz, womit eine Affinität zum Ätherleib hin gegeben ist. Und dann haben wir drinnen Phosphoriges, nämlich ätherische öle, wodurch das ganze so aufgebaut wird, daß es direkt ein Phantom wird des menschlichen Ich-Organismus.
Bringen Sie daher in der richtigen Dosierung in den Organismus hinein — aber durch Injektion, die anderen Dinge werden nicht so stark wirken durch Injektion — eine Substanz von Arnica montana, so werden Sie in der Regel sehen, daß mindestens zunächst eine starke Beeinflussung des Nervensystems da ist. Der richtige Vorgang wird da sein, wenn Sie bemerken können, wie der Kranke sich nun stärker fühlt, wie er glaubt, er wird jetzt die Sache von sich aus bezwingen können. Dies Gefühl muß man hervorrufen. Kommt es nicht, dann nehmen Sie zu Hilfe alternierend mit der Arnica montana dasjenige, was ihn nun unterstützt dadurch, daß er die Wirkung der Arnica montana auch von der Atmungsseite her mehr in Schwung bringt, wechseln Sie also ab mit einer ziemlich hochprozentigen Ameisensäureinjektion. Sie werden sehen, daß dann die Sache auftreten kann.
Bringen Sie das nicht zustande, dann ist es natürlich notwendig, daß man aus dem Teile, bei dem man, je nachdem, ob es im Gehirn,
214 ob es im Rückenmark ist, den eigentlichen Quell der Krankheit konstatieren kann, einen Auszug macht aus dem betreffenden Teil des Nervensystems eines Tieres in hoher Potenz, und das dann statt der Ameisensäure in Alternierung mit der Arnika injiziert. Wenn Sie also zum Beispiel die Vermutung haben, daß die Nervenerkrankung, sagen wir, vom Sehbezirk ausgeht, da ihren Ursprung hat, dann nehmen Sie aus der Vierhügelsubstanz oder solch einer Substanz eines Tieres eben die Absonderung, ziehen sie aus, nehmen sie in einer ziemlich hohen Potenz und injizieren sie zur Unterstützung der Arnica montana. Lassen Sie die Unterstützung gerade dorthin gehen, wo es notwendig ist. Das sind Dinge, die man immer beobachten muß.
Allerdings tritt nun namentlich bei gelingenden Arnica montanaKuren eine gelinde Giftwirkung auf — es sollte die sogar auftreten —, die man an irgend etwas wahrnehmen kann. Aber immer werden Sie sehen, daß diese gelinde Giftwirkung durch per os genommene Alkalien in irgendwelcher Verbindung aufgehoben werden kann. Ich glaube, daß in dem, was ich da geschildert habe, tatsächlich etwas sehr Wesentliches liegt für das, was getan werden sollte bei nervösen Erkrankungen, auch bei Rückenmarkserkrankungen, die eben im rechten Stadium nur diagnostiziert werden konnten, und bei denen man sich jene medizinische Ungezogenheit abgewöhnen sollte, die namentlich im Westen Europas so grassiert, daß man fast alle Tabes dorsalis-Erkrankungen auf irgendwelche luetischen Ursachen zurückführt. Es ist ein völliger Unsinn. Und wenn man sich den freien Blick damit von vorneherein verbaut, so wird man natürlich mit seiner Anschauung nicht zurechtkommen. Die meisten der Rückenmarkserkrankungen rühren sogar durchaus nicht von irgendwelchen syphilitischen Ausgangspunkten her, sondern sie rühren von den den meisten Menschen harmlos erscheinenden Erkältungskrankheiten her, in gastrischen oder sonstigen Unterleibstrakten, also überhaupt in Unterleibstrakten, oder davon, daß die Wirbelsäule als solche einmal einer Erkältung ausgesetzt worden ist. Es ist nur das, daß ja, nun, nach den bekannten sozialen Zuständen der letzten Jahrzehnte natürlich die rein äußerliche Komplikation sehr häufig
215 von Syphiliserkrankung und Rückenmarkserkrankung zusammen kam, und der Blick wurde dann dadurch abgelenkt, und man tat nicht das Richtige, nämlich die Syphilisfolgen für sich zu bekämpfen und die der Rückenmarkserkrankungen durch so etwas, wie ich es jetzt beschrieben habe. Die müßte eigentlich immer als eine Nervenerkrankung angesehen und behandelt werden, wie ich es eben beschrieben habe.
Nun ist das Interessante, daß man dann, wenn man die Nervenerkrankungen noch im Verdauungstrakt oder gar im Magentrakt lokalisiert hat und sie nicht weiter über die Verdauungsorgane hinaus gehen, dasselbe erreichen kann — und das ist eben außerordentlich interessant —, wenn man statt Arnica montana Chamomilla nimmt, und geradeso durch Injektion behandelt, das übrige gleich macht. Und das ist deshalb interessant, weil Sie daraus sehen — denn der Ghamomilla fehlt fast vollständig die Kieselsäure —, daß die Kieselsäure erst notwendig ist, wenn man mit den Nerven über den Verdauungstrakt hinauskommt. Es fehlt die Kieselsäure. Dagegen ist Schwefel drinnen, der im wesentlichen gerade segensreich ist, wenn es sich um die Anregung des Ätherleibes im Verdauungssystem handelt.
Nun sind noch einige Fragen aufgetaucht, aber wir haben nicht mehr Zeit, die Dinge eingehend zu behandeln: «Was ist das Wesen von Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit?»
Nicht wahr, Sie haben die Meinung, ob man diese Dinge therapeutisch beeinflussen könnte? Die Ursachen davon liegen ja auf der flachen Hand, und die fragen Sie doch nicht in diesen Sachen. Sie meinen, wie man sie therapeutisch beeinflussen könne, ob man sie heilen kann durch bloße medizinische Heilmittel? Man wird sie heilen können, sowohl die Kurzsichtigkeit wie die Übersichtigkeit heilen können, und damit auch vorbauen, denn Sie haben ganz recht, es hängt ja natürlich das Glaukom mit der Ubersichtigkeit wesentlich zusammen. Nicht übersichtige Menschen werden nicht leicht glaukomkrank. Aber eine medikamentöse Heilung, die allerdings möglich ist, wird nur gelingen, wenn man sie einleitet vielleicht sogar vor dem dritten Lebensjahre. Man muß also sehr früh die
216 Anlage zur Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit im Kinde bemerken. Dann wird man durch hochpotenzierte Belladonna sehr viel tun können. Aber man muß es merken eigentlich, bevor das Kind vollständig sprechen und gehen gelernt hat. Wenn der Organismus einmal soweit seine physische Grundlegung erlangt hat, wie er sie erlangt hat, wenn er gehen, stehen und sprechen erlernt hat, ist ja auch schon die ganze Tendenz zur Formung der Kristalllinse und des Glaskörpers vorhanden, die der Hyperopie und Myopie zugrunde liegen. Und da ist dann, weil es etwas rein mechanisch Formales ist, schwer etwas zu machen. Dagegen, solange noch auf das Auge dasjenige wirken kann, was ungeformt ist in den zappelnden Bewegungen, in den noch nicht orientierten Armbewegungen und so weiter beim Kinde, und das in ein sehr innerliches von einem gewissen Spüren, von einer gewissen Empfindung durchzogenes Erlebnis durch hochpotenzierte Belladonna kommt, so könnte man ja denken, daß man da etwas machen kann. Aber wahrscheinlich wird es nicht leicht sein, da seine Beobachtungen zu machen. Das ist darüber zu sagen.
Nun müssen wir leider diese Betrachtungen abschließen. Ich hoffe, daß wir sie ja zu geeigneter Zeit wiederum fortsetzen werden. Es wird uns immer eine ganz besondere Befriedigung hier gewähren, wenn wir sozusagen in die angekündigte medizinische Hochschultätigkeit das einfügen können, daß wir den Ärzten einiges geben können, wenn sie zu solchen Versammlungen kommen. Ich hoffe, daß das in der Zukunft doch auf diese oder jene Weise immer wiederum herbeigeführt werden kann. Es wird ja im wesentlichen aber auch möglich sein, daß diejenigen Freunde, die in Verbindung bleiben mit der Dornacher Hochschule, von Zeit zu Zeit — wir werden dafür sorgen, daß das in der richtigen Weise gemacht wird — auch auf Fragen hin Mitteilungen bekommen können über diese oder jene Dinge. So daß also durchaus, wenn Sie an die Leitung, Frau Dr. Wegman, Fragen einschicken, wir zusammen Antworten geben werden, allerdings dann nicht im Beiblatt zum «Goetheanum» selbstverständlich, sondern in einer Form, in der es eben nur an die Ärzte kommen kann. Aber ich glaube, daß wir die Einrichtung so
217 treffen sollen, daß, wenn einer eine Frage stellt, an unsere anthroposophischen Ärzte überhaupt dann die Antwort komme, weil sie immer eigentlich für alle interessant ist und wir auf diese Weise am besten weiterkommen werden. Wir werden versuchen, auf diese Weise auch die Kommunikation mit den Ärzten von hier aus, von Dornach aus in entsprechender Weise einzuleiten.

Dr. Palmer: Hochverehrter Herr Dr. Steiner, Sie gestatten wohl, daß ich im Namen meiner Kollegen unseren herzlichsten Dank ausspreche, daß Sie trotz der vielen Arbeit, die Sie in den Weihnachtstagen gehabt haben, noch die Zeit gefunden haben, auch uns einige Stunden zu widmen. Wie sehr nötig wir diese Stunden haben, das wissen wir selbst, die wir am Klinisch-Therapeutischen Institut in Stuttgart arbeiten, und wir möchten Sie bitten, daß Sie uns auch fernerhin mit Ihrem Rat unterstützen und uns Ihre Hilfe angedeihen lassen.

Das einzige, was ich gewünscht hätte, wäre nur das gewesen, daß es mehr Stunden hätten sein können. Aber so viel wir auch mit Frau Dr. Wegman herumgedacht haben, es haben sich nicht mehr als diese drei Stunden ergeben. Wie gesagt, es wäre mein Wunsch gewesen, daß es mehr Stunden hätten sein können; hoffentlich aber ein anderes Mal!




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ablage/offen/rudolf_steiner/medizin/004_ga_314_physiologisch_therapeutisches/011_dritter_vortrag.txt · Zuletzt geändert: 2026/09/19 17:17

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