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VI ANSPRACHE UND BESPRECHUNGEN BEI ÄRZTEZUSAMMENKÜNFTEN II : ERSTE BESPRECHUNG, Dornach, 22. April 1924

VI ANSPRACHE UND BESPRECHUNGEN BEI ÄRZTEZUSAMMENKÜNFTEN II : ERSTE BESPRECHUNG, Dornach, 22. April 1924

BESPRECHUNGEN MIT PRAKTIZIERENDEN ÄRZTEN (Nachschriften fragmentarischen Charakters)

Leukämie: Verschiedene Ursachen. Störung im rhythmischen Menschen: Therapie mit harz- oder milchartigen Säften und pflanzlichem Wachs. Wenn die Störung im Stoffwechsel, dann mit dieser Therapie keine Wirkung. Gegenseitige Beeinflussung von Atherleib und Astralleib.
Pockenerkrankung; Schwäche der Ich-Organisation und Affinität zur geistigen Welt. Innere Erschütterungen beim Erkennen der Tierkreiswirksamkeiten. Ansteckungsgefahr bei Pocken stark, weil physisch und psychisch möglich. Ansteckungsverhinderung durch Verobjektivierung und Sichabschließen.
Pocken-Impfung: Kein Schaden, wenn anthroposophisch gearbeitet wird. Bei materialistischen Gedanken anders: Impfung verstärkt ahrimanische Kraft: Sich nicht mehr zum Geistigen erheben können. Statistik. Ein Sichaufrechterhalten gegen ein unberechtigtes Geistiges schützt ebenso. Wenn diese Erziehung nicht möglich ist, muß man impfen, nicht sich fanatisch dagegen einstellen.
Unruhe und schlechtes Einschlafen: Möglicher Grund: Jahrelange Störungen in der Ernährung im Krieg. Wechselwirkung Astralleib und Ätherleib im Darmgebiet unmöglich. Verwandlung der Nahrungsmittel bei der Verdauung. Ätherleib wird im 7. Jahr frei, geboren. Er sollte vom Astralleib aus durchorganisiert werden: Dort «Verdauungsstörung». Außermenschliche Prozesse rationell physisch bekämpfen: Kohlensaures und phosphorsaures Kalzium. Atemnot und Angst.
Lokale Brustwirbelerkrankung: Traumatisch, oder Lungenschrumpfung, oder Tbc. - Therapie: Verdünnte Tabakinjektionen, eventuell Phosphor, dazu Vitalkräfte anregen.
Therapie von Quecksilber-Schädigungen: Heiße Bäder und Nachschwitzen. Eventuell Arsenik-Bad. Gegen destruktive Tendenz des Quecksilbers: Nachkur mit Geometrieübungen täglich V2 Std. -


Seite Text
285 Ein Teilnehmer fragt nach der Bedeutung von Wolfsmilch- und Löwenzahnsäften als Heilmittel bei Leukämie. Dies Mittel habe sich ihm bei einer Meditation ergeben.

Natürlich handelt es sich da darum, daß man doch ein wenig die Begleiterscheinungen in Betracht ziehen muß, denn Leukämie kann die verschiedensten Ursachen haben. Handelt es sich darum, daß ein deutliches Bewußtsein davon vorhanden sein kann, daß man es zu tun hat mit einer Störung irgendwie im rhythmischen Menschen, dann werden Sie recht haben; dann werden Sie zu Resultaten kommen. Die Sache ist so: Überall, wo man anwendet solche Produkte aus dem Pflanzenreich, welche in sich noch die Reste des Ätherleibes haben - und das ist der Fall bei harz-, bei diesen milchartigen Säften, sowohl bei Löwenzahn wie in der Wolfsmilch; das ist auch der Fall bei Wachs, zum Beispiel bei Pflanzenwachs -, bei all diesen Stoffen gibt es schon eine starke Wirkung auf das rhythmische System des Menschen. Handelt es sich aber darum etwa, daß man es zu tun hat in der primären Ursache mit etwas, was nicht im rhythmischen System des Menschen begründet ist, sondern um etwas, was im Stoffwechsel begründet ist - die Dinge gehen ineinander über, aber man muß sie dennoch prinzipiell unterscheiden -, werden Sie kaum damit Erfolg haben. Alles dasjenige, was den Ätherleib noch in sich enthält, wirkt sehr stark auf die innerliche Beweglichkeit des Astralleibes, regt damit vom Astralleib aus die ganze Tätigkeit des Organismus an. Und man kann auf diese Weise die Erfolge erzielen. Es beruht das darauf, daß der Astralleib stark beeinflusst wird von diesen Stoffen und daß er, weil er auf den Ätherleib wirkt, dann im Ätherleib auch wieder einen Ausgleich hervorruft.
286 Welches sind die Bedingungen für das Zustandekommen einer Pockenepidemie? Es scheint, daß diese Krankheit ihren bösartigen Charakter eingebüßt hat. Ich habe solche Fälle beobachtet.
Was sagt die Geisteswissenschaft zur Impfung?

Bei dieser Sache, wie bei der Pockenkrankheit, hat man es bei den einzelnen Menschen zu tun mit einem starken Zurücktreten der Ich-Organisation von allen drei anderen Menschenleibern, sowohl von dem physischen wie dem Äther- und dem Astralleibe. Dieses starke Zurücktreten, dieses Schwachwerden der Ich-Organisation, das kann darauf beruhen, daß der Mensch gewissermaßen hineinschlüpft stark mit seinem gegenwärtigen Ich in die Iche der früheren Erdenleben; und es ist dadurch eine starke Affinität der Ich-Organisation überhaupt zur geistigen Welt vorhanden. Und merkwürdig bei Pockenkrankheit ist, daß da eine gewisse Ähnlichkeit vorliegt mit dem, was der Mensch durchmacht, wenn er gewisse Arten der Initiation durchmacht. So sonderbar das erscheint, es ist so.
Wenn der Mensch kennenlernt zum Beispiel, wirklich innerlich kennenlernt die Wirksamkeit der Tierkreisgestalten auf den Menschen, so sind solche Erkenntniszustände mit starken inneren Erschütterungen verknüpft. Da kann wenigstens der Mensch durchmachen, indem es mehr beherrscht, mehr seelisch wirkt, das, was bei der Pockenerkrankung vorliegt, weil es sich darum handelt, daß bei der Pockenerkrankung der Mensch sehr stark im Geistigen drin lebt, wenn auch auf andere Art.
Man kann sagen, daß die Ansteckungsgefahr doch eine außerordentlich starke ist bei der Pockenerkrankung. Nur sollte man nicht so leichtsinnig sein, just immer gleich an physische Vermittlung zu denken bei der Übertragung, sondern es sind sogar bei der Pockenerkrankung besonders stark vorliegend die psychischen Anlagen. Dafür könnte ein Beweis der sein, daß man sich sehr gut schützen kann, wenn man in der Lage ist, sich in rechter Art abzuschließen. Ich darf darüber deshalb sprechen, weil ich einmal als zweiundzwanzigj ähriger Mensch - die Umstände brauche ich nicht zu erwähnen - einen Schüler unterrichtet habe, dessen Mutter mit schwarzen Pocken unmittelbar daneben lag, nur durch eine spanische Wand
287 getrennt von der Stube, in der ich meinen Unterricht gab. Ich habe nichts dagegen gemacht, habe den Unterricht die ganze Zeit fortgesetzt, bis die Mutter wieder gesund geworden ist. Aber ich habe das ganz gern getan, namentlich auch, um zu sehen, wie man sich schützen kann, wenn man absolut den Pockenkranken, also auch den an schwarzen Pocken Erkrankten, nimmt ganz objektiv wie ein anderes Objekt, wie einen Stein oder einen Strauch, dem gegenüber man gar keine weiteren Furchtgefühle noch sonst psychische Regungen hat, sondern ihn nimmt als eine objektive Tatsache. Da ist in der Tat der Ansteckungsgefahr in hohem Maße zu begegnen. Daher kann schließlich der psychische Faktor auch bei der Ansteckung stark mitspielen.
Ich habe mich überhaupt niemals davor gescheut, irgendwie mich selber einer Ansteckungsmöglichkeit auszusetzen, und bin eigentlich nie angesteckt worden, habe nie unter Ansteckung einer Krankheit gelitten. Ich konnte dadurch gerade feststellen, daß schon einfach das Bewußtsein, das starke Bewußtsein von dem Dasein einer Krankheit vom Astralleib aus Krankheitsursache sein kann. Das starke Bewußtsein einer Krankheit kann vom Astralleib aus Krankheitsursache sein.
Und die Pockenimpfung? Da ist man in einem eigentümlichen Fall. Sehen Sie, wenn man jemand impft, und man hat den Betreffenden als Anthroposophen und erzieht ihn anthroposophisch, so schadet es nichts. Es schadet nur denjenigen, die mit vorzugsweise materialistischen Gedanken heranwachsen. Da wird das Impfen zu einer Art ahrimanischer Kraft; der Mensch kann sich nicht mehr erheben aus einem gewissen materialistischen Fühlen. Und das ist doch eigentlich das Bedenkliche an der Pockenimpfung, daß die Menschen geradezu mit einem Phantom durchkleidet werden. Der Mensch hat ein Phantom, das ihn verhindert, die seelischen Entitäten so weit loszukriegen vom physischen Organismus wie im normalen Bewußtsein. Er wird konstitutionell materialistisch, er kann sich nicht mehr erheben zum Geistigen. Das ist das Bedenkliche bei der Impfung. Natürlich handelt es sich darum, daß da die Statistik immer ins Feld geführt wird. Es ist die Frage, ob eben gerade in diesen Dingen auf die Statistik so viel Wert gelegt werden muß. Bei der Pockenimpfung handelt es sich sehr
288 stark um etwas Psychisches. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß da der Glaube, daß die Impfung hilft, eine unberechenbar große Rolle spielt. Wenn man diesen Glauben durch etwas anderes ersetzen würde, wenn man naturgemäß erziehen würde die Menschen, so daß sie beeindruckbar wären durch etwas anderes als dadurch, daß man sie impft, etwa dadurch, daß man die Menschen wiederum an den Geist näher heranbrächte, so wäre es durchaus möglich, daß man gegen das unbewußte Hereindringen: hier ist Pockenepidemie! - durch vollständiges Bewußtsein davon: hier ist ein Geistiges, wenn auch ein unberechtigtes Geistiges, gegen das ich mich aufrechthalten muß! - ebenso gut wirken würde, wie man überhaupt den Menschen stark machen müßte gegen solche Einflüsse.

Wenn die Verhältnisse so liegen, wie zum Beispiel in unserer Gegend, wo die Einwirkung durch die Erziehung und so weiter sehr schwierig ist, wie soll man sich da verhalten?

Da muß man eben impfen. Es bleibt nichts anderes übrig. Denn das fanatische Sichstellen gegen diese Dinge ist dasjenige, was ich, nicht aus medizinischen, aber aus allgemein anthroposophischen Gründen, ganz und gar nicht empfehlen würde. Die fanatische Stellungnahme gegen diese Dinge ist nicht das, was wir anstreben, sondern wir wollen durch Einsicht die Dinge im Großen anders machen. Ich habe das immer, wenn ich mit Ärzten befreundet war, als etwas zu Bekämpfendes angesehen, zum Beispiel bei Dr. Aschy der absolut nicht geimpft hat. Ich habe das immer bekämpft. Denn wenn er nicht impft, so impft eben ein anderer. Es ist ein völliges Unding, so im einzelnen fanatisch vorzugehen.

Dr. Kolisko: Als Schularzt mußte ich beobachten, daß die Kinder, die in die Schule kommen, eine kolossale innere Unruhe zeigen, die sich besonders im Schlafe äußert, so daß die Eltern der im 6., 7. Lebensjahr stehenden Kinder klagen, daß die Kinder in der Nacht von Alpdrücken, von motorischer Unruhe geplagt werden, daß sie schlecht einschlafen. Auf was für Verhältnisse ist das zurückzuführen?

Die Zustände, die die Kinder zeigen, wenn sie jetzt zur Schule kommen, das heißt in Deutschland, die rühren davon her, daß durch die nicht allgemeinen Verhältnisse, sondern durch die Ernährungsverhältnisse, die schon jahrelang herrschen, die innere Ernährungsfähigkeit -
289 nicht die zunächst im Magen vor sich gehende, sondern die innere, da wo es darauf ankommt, aus dem Darm heraus den Ernährungsbrei weiter zu treiben - in hohem Grade gestört ist. Es ist das so, daß eigentlich eine Unfähigkeit eintritt bei diesen Kindern, ihren Astralleib in richtiger Weise mit dem Ätherleib in Wechselwirkung zu bringen. Dadurch sind diese Kinder in der Regel nicht in der Lage, dasjenige, was sie als Nahrung aufnehmen, selbst wenn sie es durch Wohltätigkeit aufnehmen, wirklich in den Organismus überzuführen. Nicht wahr, jedes Nahrungsmittel hat seine eigene Gesetzmäßigkeit in sich, es muß in einem bestimmten Stadium der Verdauung übergehen, jedes Nahrungsmittel muß übergehen in den unorganischen Zustand. Das ist etwas, was man in der äußeren Wissenschaft nicht weiß, daß zum Beispiel das genossene Eiweiß, das wir als pflanzliches oder tierisches Eiweiß aufnehmen, durchaus desorganisiert werden muß, ins Mineralische übergeführt und dann zurückverwandelt wird in menschliches Eiweiß. Es findet der ganze Vorgang im Status nascendi statt, aber er findet statt. Diese Umsetzung muß stattfinden, sonst verläuft der Prozeß nicht als menschlicher, sondern als fremder. So kann man sagen, daß innerhalb der menschlichen Haut, grob gesprochen, außer der Anwesenheit von direkten Salzen nichts sein darf, was außerhalb des menschlichen Organismus vorkommt. Es gibt nichts innerhalb der menschlichen Haut, was außerhalb ist, außer Salz. Alles übrige wird ummetamorphosiert. Nun verlieren diese Kinder gerade, wenn ihr Ätherleib frei wird - der wird frei, wenn sie ins volksschulmäßige Alter hineintreten -, die Fähigkeit, diesen frei werdenden Ätherleib in richtiger Weise durchzuorganisieren vom Astralleib aus. Dadurch findet diese Verdauungsstörung statt. Die haben außermenschliche Prozesse in sich; und solche Sachen muß man ganz rationell physisch bekämpfen. Wir haben dazu dieses Mittel, das wir damals hergestellt haben, als wir einige besonders schlimme Exemplare solcher Kinder hatten. Da werden Sie, wie ich glaube, immer nach dieser Richtung einen ausgezeichneten Erfolg haben. Sie erinnern sich, Herr Dr., an den kleinen blassen Knaben in der zweiten Klasse? Was ist mit ihm?

Er ist viel besser.
290 Er ist jetzt ganz ordentlich, verhältnismäßig.

Wir haben es auch bei vielen anderen Kindern angewendet.

Das war die nächste Veranlassung: Da war ein blasser Knabe, den die Ärzte bereits aufgegeben hatten; er sollte in nächster Zeit sterben. An ihm haben wir dieses Mittel angewandt: kohlensaures und phosphorsaures Kalzium. Da hat sich denn herausgestellt, daß dieses Mittel in ganz ausgezeichneter Weise die Verdauung weiterleitet; dann werden die inneren Zustände besser. Daß Atemnot und Atembeschwerden auftreten, ist immer der Fall, wenn der astralische Leib nicht richtig arbeiten kann. Wird er zurückgestaut, dann tritt Atemnot auf, die auch die Ursache sein kann von kaschierten Angstzuständen. Das alles kann man mit diesem Mittel bessern. Dieses Mittel ist von der Art, daß man sagen kann, wenn der Mensch nicht mehr in der Lage ist, trotzdem er ißt, von dem zu Essenden etwas zu haben, so ist dieses Mittel ein außerordentlich gutes.

Was machen Sie bei einer Spinal (lähmung)?

Mit welchen Symptomen?

Nur eine Druckempfindlichkeit über dem kranken Wirbel. Das Röntgenbild zeigt, daß der betreffende Wirbel auf einer Seite vielleicht etwas zusammengeschmolzen ist, daß der Wirbel statt seiner normalen Form nun diese (gezeigte oder gezeichnete) Form angenommen hat.

Tafel 8 links



Es ist natürlich, daß man bei solchen Dingen, wo so stark lokalisierte Zustände vorliegen, sehr schwer an die Sache herankommen kann, wenn man nicht auf die primäre Ursache zurückgeht. Der wievielte Wirbel ist es?

Der sechste Brustwirbel.

Ist irgendwie ein äußerer mechanischer Insult nachweisbar?

Nein, aber der Befund ist so, daß er sich ableitet von Lungentuberkulose.

Aber Veränderung der Hilusdrüsen.

Es ist so, daß man im Röntgenbild an dieser Stelle größere Schatten findet, die versprengt in das Lungengewebe eintreten.

Wie alt ist der Patient?

Fünfunddreißig Jahre.

291 Hat er die Sache schon lange? Ist sie schon lange bemerkt worden?

Seit etwa drei Monaten. Ich habe vier solcher Patienten, alles Patientinnen. Bei zweien ist ein Trauma durch Fallen die Treppe hinunter auf dem Rücken. Bei den zwei andern ist das Röntgenbild so, daß man daraus schließen könnte, daß die Sache von der Lunge ausgeht.

Kann man nicht nachweisen, daß auch der Nachbarwirbel angegriffen ist?

Kein einziger. In einem Fall ist es der zehnte, in anderen Fällen der sechste. Das sind Erwachsene, etwa 36 bis 39 Jahre alt. Bei einem Kinde ist der Fall traumatisch, bei einem zwanzigjährigen Mädchen ist es ebenfalls traumatisch.

In einem solchen Falle wird man versuchen müssen, zu untersuchen, ob nicht die Lunge - die Sache hat natürlich nicht da ihre Ursache - an irgendeiner Stelle zu wenig Platz hat, vielleicht dadurch, daß sie ausgeweitet ist. Und man wird schon in diesem Falle im Bereich der Lungenentfaltung nach vorne irgend etwas finden. Und da wird es sich darum handeln, daß man höchstwahrscheinlich für diese Schrumpfung - es ist ein Schrumpfungsprozeß - Weiterungen in irgendeinem Lungenbereich, Ausdehnungen findet. Vielleicht ist es nicht im Lungenbereich; es könnte sogar im Knochen irgendeiner der Rippen sein. Das wird man suchen müssen*. Dann wird es sich darum handeln, etwas zu verwenden, was geeignet ist, die Formation des menschlichen Körpers auszugleichen. Nun haben wir einen Stoff, der sich in ganz vorzüglicher Weise eignet, Traumatik auszugleichen. Das ist Tabak. Injiziert in Verdünnung erweist er sich als das, was Deformationen ausgleicht. Handelt es sich darum, daß man das Mittel zur freien Wirkung im Organismus bringen soll, muß man dazu Phosphor anwenden. Dann wird man auf diese Weise ganz sicher Heilungsprozesse erzielen können. Man kann unbedingt sagen, man werde Heilungsprozesse erzielen, wenn der Betreffende unter achtundzwanzig Jahren alt ist. Aber es ist nicht ausgeschlossen, besonders bei Frauen, daß auch noch im späteren Alter Heilungsprozesse erzielt werden. Und wenn man sehr hartnäckige Naturen hat, die sehr widerstreben, müßte man diese dazu bringen, daß sie künstlich aufgeheitert werden, daß man ihre Wachstumskräfte, ihre Vitalkräfte etwas aufheitert
292 und auf diese Weise die Wirkung fördert. Das ist, was ich meine, daß man in einem solchen Falle machen könnte.

Ich möchte im Anschluß an das, was über Syphilis gesprochen worden ist, anfragen, wie man einen Patienten, der Quecksilber und Salvarsan bekommen hat, von den Arzneischäden befreien kann?

Außerordentlich viel kann bei Schädigungen, die durch Quecksilber hervorgerufen wurden, dadurch gebessert werden: Man gibt dem Pa'tienten ein sehr heißes Bad jeden Tag oder jeden anderen Tag, und läßt den Patienten vollständig, gründlich im Dampf ausschwitzen. Dann wird der Organismus schon dadurch außerordentlich stark angeregt, gegen das Quecksilber sich zu wehren. Es ist notwendig, daß man sich bis in die Knochen hinein gegen das Quecksilber wehrt, wenn man damit behandelt worden ist. Denn Sie haben vielleicht alle gehört, daß bei Quecksilberkuren bis in die Knochen hinein kleine Quecksilbertröpfchen nachweisbar sind, wenn die Autopsie gemacht wird. Wenn der Organismus durch die heißen Bäder gestärkt wird, ist schon damit ein starker Helfer dem Organismus erwachsen. Daß es genügend hilft, bemerkt man daran, daß das Badewasser sich schwärzt von dem zurückkommenden Quecksilber. Haben Sie das nicht bemerkt? Man muß es doch bemerken! Denn man begreift nicht, wieso das Badewasser so sehr dunkel ist. Wenn das nicht eintritt, müßte man ein Arsenikbad nehmen, etwa 5 % eines arsenhaltigen Wassers in das Bad hineingeben; wiederum in warmem Bad nehmen lassen und namentlich darauf sehen, daß der eigentümliche Tintengeruch, der da entsteht, auch wirklich gerochen wird von dem Patienten, so daß er einen sinnlichen Eindruck hat davon. (Lücke im Text.)
Nun braucht man in einem solchen Falle eine Nachkur. Denn es kann das Quecksilber fast ganz heraus sein; es bleibt aber im Organismus diese destruktive Tendenz, die durch das Quecksilber hineingebracht worden ist. Man muß bedenken, daß das Quecksilber eine außerordentlich starke Wirkung auf den menschlichen Organismus hat. Man muß bedenken: Was ist Quecksilber für den menschlichen Organismus? Wenn Sie die embryonale Entwickelung verfolgen, so haben Sie eine aufsteigende embryonale Entwickelung, also vom Keim
293 aufsteigend zu dem, was Mensch wird, und Sie haben eine absteigende Entwickelung, etwas was abfällt, was stufenweise zerstört wird. Der Regulator dieses ZerstÖrens ist dasjenige, was beim Menschen die innere quecksilbrige Natur ist. Und wenn sich etwa ergeben würde, daß da zu viel Vitalkräfte sind, so könnten Sie das durch Quecksilber zurückdämmen, das konstitutionell auf die Zerstörung des Menschen hinwirkt. Diese destruktive Tendenz des Quecksilbers muß psychisch bekämpft werden. Wenn Sie den Menschen dazu veranlassen können, daß er ganz regelmäßig eine ganz abstrakte Wissenschaft treibt, Geometrie zum Beispiel pflichtgemäß jeden Tag eine halbe Stunde, dann ist das die Nachkur. Scharfe, logisch sich verbindende und sich trennende Gedanken, die den Geist anspannen und die zu innerer Regsamkeit helfen, nicht das passive Sichhingeben an die Welt, sondern dieses innerlich Regsame, das ist es, was eigentlich sehr lange angewendet werden muß. Dann erzielen Sie, daß Sie jemanden von den Quecksilberkräften heilen können.

Manchmal finden sich bei Frauen knötchenartige Verhärtungen in der Brustdrüse. Kann man da ohne Gefahr das Viscum prophylaktisch zur Anwendung bringen, auch wenn die Diagnose auf Karzinom fraglich ist?

Haben Sie gefunden, daß die Prophylaxe in diesem Falle irgendwelche Schädigungen hervorruft?

Sie sagten einmal, daß man mit diesem Mittel, das gegen eine Erkrankung in Betracht kommt, auch Gefahr liefe, im unrichtigen Falle etwas hervorzurufen.

Wir wenden die Viscuminjektion in einer ganz bestimmten Weise an. Nehmen wir den Fall an, es sei ein Irrtum in der Diagnose vorgekommen. Das kann der Fall sein. Natürlich wird man nicht prophylaktisch vorgehen, da man die Diagnose gestellt hat, daß das Karzinom im Anfang ist. Sobald die Neigung da ist, kann die Prophylaxe nicht mehr schaden. Nehmen wir aber an, es ist ein Irrtum vorgekommen. Nun injizieren wir siebenmal hintereinander; dann machen wir eine Pause. Wenn wirklich ein Irrtum vorgekommen wäre, würden wir das sofort sehen, da eine Art von karzinomatöser Neigung entstanden ist, die sofort verschwinden würde, wenn wir die zweiten sieben Injektionen machen. Da würden wir nicht weiter
294 gehen. Das, was sich erzeugen würde, würde sich durch einen gleichgearteten Prozeß wiederum zurückverwandeln. Wenn man vorsichtig ist, ist es ganz ausgeschlossen, daß man mit der Viscumbehandlung irgendwelches Unheil anstiftet.

Dr. Koller: Ich hatte mit einem Laienarzt über die Karzinombehandlung eine Unterhaltung. Ich sagte zu ihm, daß ich glaube, Viscum sei ein Heilmittel gegen dieses. Er antwortete, das wäre auch der Fall, aber man müßte etwas anderes dazunehmen, nämlich Quendel; sonst würde man nicht die Möglichkeit haben, an die Krankheit mit Viscum heranzukommen. Quendel sei dasjenige, was die Möglichkeit vermittelt.

Hat der Mann das von sich aus gewußt?

Dr. Koller; Ich lernte ihn dadurch kennen, daß er eine merkwürdige Heilung vollbracht hatte. Ein Mädchen, das beinahe erblindet war, hat ihn aufgesucht. - Er ist Augendiagnostiker. Wie er das macht, ist nicht klar. Er hat 750 Sorten Tee. Es ist so schwer, sich mit diesen Leuten zu unterhalten. Bei den Leuten ist etwas charakteristisch, sie sind kolossal optimistisch. Er sagte, man kann alles heilen, auch Krebs. Er fragte nicht, wie wir es machen, sondern er sagte, durch Mistel. Er erzählte mir, er sei mit ein paar Freunden einmal durch eine Landschaft gegangen, hätte da einen Kirschbaum mit Mistel angetroffen; der Baum war verkümmert, war krebsig. Da sagte sich der Mann, da steckt eine große Heilkraft in der Mistel drin.
\Das Viscum ist schon das Spezifikum für das Karzinom. Da ist gar nichts dabei zu machen. Nur werden selbstverständlich, weil ja im Grunde genommen jede Erkrankung etwas anderes dadurch wird, daß jeder Organismus in einer bestimmten Verfassung ist, die Heilmittel unter Umständen durch Zugabe von etwas anderem gefördert. Es ist möglich, daß er durch Mistel geheilt hat. Er verwendet sie nicht als Injektion. Da wäre es möglich, daß man etwas als Zugabe brauchte. Aber wenn man Viscum als Injektion verwendet, ist es das spezifische Heilmittel. Nur muß man im einzelnen die Unterschiede beachten - ob man die Mistel von einem Eichbaum, einem Kirschbaum oder einem andern Baum, etwa einem Apfelbaum, hat. Das Wesentliche ist ja auch dieses, daß ja die Verwendung des Mistelsaftes wirklich davon abhängt, daß wir ihn noch eigentlich steigern müssen in seiner Wirkung. Ich weiß nicht, ob Sie gesehen haben, daß wir nicht etwa in einer so einfachen Weise nach der Verwendung von Viscum streben, sondern daß wir dazu einen Apparat brauchen. Erst bringen wir die
295 Mistelsäfte in eine vertikale Bewegung, und diese lassen wir durchsetzen

Tafel 8 Mitte

von einer horizontal rotierenden Bewegung. Es handelt sich darum, daß man erreicht, daß der Mistelsaft tropft und im Tropfen durchkreist wird, sich verbindet in Horizontalkreisen wieder mit Mistelsaft, so daß bis in die kleinsten Kreise hinein eine besondere Struktur hervorgerufen wird. Das ist eigentlich erst das Heilende des Viscums, was da entsteht. Gewiß, es ist schon an sich ein wirksames Heilmittel; aber das unbedingt spezifische Mittel entsteht erst auf diese komplizierte Art. Es kann sich nur darum handeln, daß wenn die Krankheit kompliziert auftritt, Quendel gebraucht wird. Denn das reine Karzinom, das eine abgeschlossene Erkrankung ist, ist nicht so wie zum Beispiel Influenza oder Grippe, wo alles mögliche hinzukommt. Es ist eine abgeschlossene Krankheit, die mit einem abgeschlossenen Heilmittel getroffen wird.
Interessant ist, daß so ein Mensch auf eine solche Sache kommt, nur aus dem Grunde, weil das, was er Ihnen erzählt hat und was Sie gesagt haben, nur eine Maske ist, nicht eine von ihm gewußte Maske; denn das Wissen kann einem solchen Menschen nur im Schlafe kommen. Den Seinen gibt es der Herr im Schlafe, wirklich. Da liegt im Schlafe eine prophetische Voraussicht vor, daß er eine Mistel sucht. Dann erinnert er sich an dieses unbewußte prophetische Erlebnis, gerade als er an die Mistel kommt. Da spielt sich ein für die Sache selbst ganz unbedeutendes Gespräch ab. Man muß sich klar sein, daß besonders in Krankheitsfällen ein gewisses Vorherwissen möglich ist. Darauf kann man etwas geben. Ich erinnere Sie an den Fall Schleicbs: da wußte der Betreffende, daß er in der nächsten Nacht stirbt.

Dr. Koller: Im Grunde stellte sich heraus, daß er noch auf andere Art heilt. Er sagte, es hätte ihm keine Ruhe gelassen; er glaubte doch nicht, daß ich weiter käme.

Er injiziert nicht. Wenn man als innerliche Arznei das Mittel, die Mistel, gibt, kann man den Krebs nicht treffen. Da trifft man mehr sein Seelisches. Aber da trifft man eine Mißbildung im ätherischen Leibe, die sich ausdrückt durch eine Beeinträchtigung des Sensoriums. Man'kann nicht innerlich heilen mit Mistel, sondern nur durch Injektion.

296 Ich begreife, was er zu Ihnen sagt; er traut sich nicht an die Sache heran.

Ist die Krebsursache bei Frauen und Männern die gleiche? Ist die Ursache beim oberen und beim unteren Menschen verschieden? Ich glaube bemerkt zu haben, daß das Mittel bei Magenkrebs befriedigte, dagegen bei Uteruskrebs nicht befriedigte. Der Erfolg war deutlich bei Magenkrebs von Männern. Dagegen bei Uteruskrebs zieht sich die Sache hin. In einigen Fällen können wir nicht beikommen, wir haben injiziert immer in die Peripherie, auch bei Uteruskrebs.

Es liegt natürlich dieses vor, daß man schon einen Unterschied machen muß, ob man weiter weg von der Stelle, an der der Krebs sitzt, injiziert, oder ob man ganz nahe herankommt. Wenn Sie ganz nahe herankommen an den Herd, werden Sie rascher Wirkung erzielen, als wenn der Krebs so sitzt, daß Sie nicht nahe herankommen.

Beim Uterus kann man nahe herankommen ringsherum, während man bei Magenkrebs viel weiter weg ist.

Das ist schon richtig. Aber auf der anderen Seite ist eine viel größere Kommunikation zwischen Oberfläche und Magen als zwischen Oberfläche und Uterus. Der Uterus ist ein mehr innerliches Organ. Damit ist aber der verschiedene Erfolg nicht begründet, daß ein Unterschied zwischen Männern und Frauen vorliegt. Es müssen andere Verhältnisse vorliegen. Man muß alle Fehlerquellen ausschließen. Es ist entschieden so, daß ein Teil unserer Mittel in den Ruf gekommen ist, weniger wirksam zu sein, weil die Mittel in der Art, wie sie früher zubereitet worden sind, nicht so sehr dauerhaft waren. Jetzt, glaube ich, kommt das nicht mehr in derselben Weise vor; wenn sie alt geworden sind, werden sie nicht mehr weniger gut wirken.

Bei einigen der Mittel stehen wir immer noch in den Versuchen.

Es ist mir das vielmehr vor Augen getreten, daß das Karzinommittel, wie es bisher hergestellt worden ist, sehr stark verliert, wenn es ein Jahr alt ist, während es unbedingt wirksam ist, wenn es nicht besonders alt ist. Also diese Sache müßte auch ausgeschlossen, als Fehlerquelle ausgeschlossen und aufgenommen werden. Möglicherweise ist auch beim Uteruskrebs eine wesentlich größere Dosis anzuwenden.
297 Ein Teilnehmer möchte wegen eines Mädchens fragen, das jetzt 29 Jahre alt ist und das zwischen 18 und 19 Jahren irrsinnig geworden ist. Es war als Kind immer renitent und ungezogen; jetzt ist es ganz stumpf geworden. Besonders während der Periode ist es wild geworden. Während der Zeit, wo es immer stumpfer geworden ist, wurde es auch immer dicker; es wiegt jetzt 97 Kilo. Also vorher war sie das, was man nennen könnte ein ungezogenes Mädchen; dann zwischen 18 und 19 Jahren große Steigerung dieser Ungezogenheit, Stumpfheit, Blödsinn, nichtreagierend, während der Periode Toben, so daß die Zwangsjacke angelegt werden mußte; dann wurde sie immer stumpfer, immer weniger regsam, immer dicker, bei regelmäßiger Periode. Sie wurde mit Schilddrüsenextrakt behandelt mit dem Erfolg, daß die Stumpfheit und das Dickerwerden nachließen.

Diese Symptome deuten alle darauf hin, daß sie eine sehr starke Schwächung der Ich-Organisation hatte. Und es ist sehr wahrscheinlich, daß man in einem solchen Falle eine Stärkung der Ich-Organisation durch eine Kieselsäurekur, eine Siliziumkur herbeiführt, wobei man raten müßte, die Kur doppelt zu machen, also Kieselsäure eingeben und namentlich Kieselsäurebäder. Auch Equisetum, das ist eine gute Sache. Es ist wahrscheinlich, daß man auf diese Weise bei ihr etwas erreichen kann.

Kieselsäure hat sie bekommen eine Zeitlang, Bäder nicht, vor zwei Jahren; doch ist alles beim alten geblieben.

Ich würde Wert legen auf Einwirkung von Kieselsäure durch Bäder namentlich darum, weil diese, wenn sie zur Wirkung gebracht würde, schon spezifisch wirken würde. Die eigentümlichen rhythmischen Zustände, die durch Kieselsäure auftreten, würden diese Fettbildung zurückhalten, würden außerdem die Stumpfheit bekämpfen, würden sie umgänglicher machen. Es könnte auch sein, daß sie in einem Zustande wäre, wo sie die Kieselsäure nicht aufnimmt. In diesem Falle müßte man einen Versuch machen mit einem sehr hoch potenzierten phosphorsauren Salze, mit phosphorsaurem Kalium. Man müßte die Sache erst wieder zur Wirksamkeit bringen.

Auf weitere Frage:

Die Kieselsäure so etwa in der 6. Dezimale. Aber zum innerlichen Eingeben wirklich Quarz verwenden, zum Bade Equisetum.

Frage um einen Neurastheniker. Die Sache ging sehr schon weg auf Ameisensäure-
298 Einspritzungen, kam aber dieses Jahr wieder und verlor sich nicht mehr auf Ameisensäure-Einspritzungen. Schließlich kam ich auf falsche Fährte, indem ich einen eingewachsenen Zehennagel herausnahm. Danach wurde die Sache noch schlimmer. Ich versuchte noch einmal Ameisensäure, verstärkt mit Silizium; ich drang aber nicht durch. Die Schmerzen wurden unerträglich, vom Fuße ausgehend bis in die Wade. Es waren verschiedene Schmerzen, einmal rhythmisch. Ich mußte ihm Morphiumeinspritzungen geben, die ich sehr verstärken mußte; ich berührte ihn kaum, um die Schmerzen im Bereich des Erträglichen zu halten. Er konnte nicht mehr schlafen. Er saß da und hielt seinen Fuß, klagte über wahnsinnige Schmerzen; ich versuchte Fußwechselbäder. Der Fuß mußte amputiert werden in der Mitte der Wadengegend. Ich frage, weil der Prozeß leider auch am andern Bein auftreten will. Was kann man da machen?

Es handelt sich darum, bei solcher Sache darauf zu kommen, was die primäre Ursache ist.

Er führt es auf die Militärzeit zurück, wo er meist nicht sehr gutes Schuhzeug hatte. Er ist 47 Jahre alt und hat oft im Nassen liegen müssen.

Aber da sind die Schmerzen doch vielleicht zuerst aufgetreten nicht im Bein, sondern vielleicht im Unterleib? Es ist durchaus möglich, daß der ganze Fall herrührt davon, daß eine Deformation an irgendeiner Stelle im Darm vorliegt, daß er einen Splitter gekriegt hat, vom Pferde heruntergefallen ist, sich aufgestoßen hat, und daß davon eine Darmdeformation herrührt. Diese Darmdeformation hat die Eigentümlichkeit, daß sie hinunterwandert und solche Zustände, wie Sie sie beschrieben haben, in den Beinen hervorruft, zuerst in dem einen, springt aber dann über in das andere. Gewöhnlich endet das mit Knochentuberkulose. Aber erreichen kann man, wenn die Sache so liegt, wie es wahrscheinlich ist, etwas mit dem Mittel, das gegen die Deformation wirkt: Tabak. In solchem Falle mit Tabakklistieren (s. Hinweis S. 326).

Er raucht ziemlich stark.

Das hat gar nichts damit zu tun. Der Tabakrauch macht auf den Organismus gar nicht einen ähnlichen Eindruck, wie wenn Sie Tabak verwenden injizierend oder als Klistiere. Sie brauchen nur sehr verdünnte Klistiere (s. Hinweis S. 326), wenn Sie diese verwenden. Das ist überhaupt eine ganz andere Wirkung auf den Organismus. Beim
299 Rauchen kommt der Tabak gar nicht dazu, seine re-deformierende Wirkung auszuüben.

Ein Knabe, der jetzt elfjährig ist, hat mit einem Jahr gehen gelernt, hat auch etwas sprechen können. Mit zwei Jahren ist er bei einer Schießübung mit Kanonen etwas nahe gestanden. Man sagt, daß er seit dieser Zeit taubstumm geworden sei. Seine Sprache ist ein unverständliches Lallen, er hört absolut gar nichts. Läßt sich da noch etwas tun? Gehen kann er; er sieht sogar sehr intelligent aus.

Sonst sind keine Störungen da außer dem Nichthören und -sprechen? Wie ist es, wenn man irgendwie Eindruck auf das Auge macht?

Dann reagiert er ganz wie ein normaler Mensch; nur im Ohr und im Sprechen ist eine Veränderung da.

Wie war das zweite Zahnen?

Ganz normal mit siebeneinhalb Jahren.

Da müßte man doch annehmen, daß auf irgendeine Weise die Vitalität des Gehörnervs kaputt gegangen ist. Nun haben wir immerhin doch ganz beträchtliche Erfolge mit Edelweiß, ganz besonders in der 10. Dezimale; oder erst in der 6., dann in der 10., zur Wiederbelebung des Gehörnervs. Es gibt allerdings auch Mißerfolge, aber diese sind doch im Grunde beobachtet worden bei ziemlich alten Personen; dagegen bei jüngeren Personen nicht eigentlich. Ich glaube schon, daß Sie das versuchen können. Es ist tatsächlich außerordentlich schwierig, diesen entvitalisierten Nerven beizukommen; aber man kann mit Edelweiß ganz bestimmt unter Umständen Erfolg haben.

Eine Patientin hatte während des Krieges irgendeinen Schreck erlitten. Sie glaubte, ihr Verlobter wäre tot. Sie war allein zu Hause und konnte mit niemand darüber sprechen. Seitdem ist sie nun epileptisch. Die Anfälle kommen jedesmal vor dem Eintreten der Periode. Die Anfälle treten auf mit Zungenbiß und so weiter, ganz typisch. Sowie die Periode eintritt, ist das vorbei. Sie ist in einer Anstalt, wo Epileptische sind, trotzdem die Anfälle nur vor der Periode eintreten.

Wie wird sie behandelt?

(Antwort fehlt)

Sie beginnen in einem solchen Falle mit Belladonna. Wenn das nicht hilft, gehen Sie weiter, gehen über zu Rentierflechte in 6. Dezimale, zuletzt impfen Sie Fliegenschwamm. Nach dieser Richtung nun
300 ist es sehr schwer, gerade bei diesem Falle etwas Bestimmtes zu sagen, wenn man den Patienten nicht sieht. Es können alle möglichen Ursachen vorliegen.

Ein fünfzigjähriger Mann hat es in früheren Jahren sehr schlecht gehabt. Elf Jahre lang hatte er Gelenkrheumatismus, an dem ein Bruder von ihm gestorben ist. Jetzt ist noch im linken Knie eine Veränderung nachzuweisen. Bis vor zwei Jahren hat er Zustände gehabt, daß ihm das Blut in den Kopf gestiegen ist. Vor zwei Jahren ist ein deutlicher Wechsel eingetreten. Er ist dicker geworden, dann ist dieser Blutandrang nach dem Kopfe geschwunden. Aufgetreten ist aber das, was er kurz als Asthma bezeichnet. Er hat Atembeschwerden, er muß japsen, wenn er redet. Ich habe den Eindruck, daß die Sache jetzt in den Bronchien sitzt.

Mit 48 Jahren. Wie der Andrang früher nach dem Kopfe ging, so jetzt nach der Brust hin. Nun ist es so, daß der Mann zuweilen sich etwas verfärbt; es braucht nur leise zu sein, daß er etwas blau wird.

Es ist möglich.

Sehr wahrscheinlich bei diesem Manne ist dieses, daß er zuviel in der Lage war, den aufgenommenen Sauerstoff in Kohlensäure umzuwandeln, so daß er immer zuviel Kohlensäure im Blut hat. Sie können die Probe machen, ob der Mann sich nicht erleichtert fühlt, wenn man ihm sauerstoffreichere Luft gibt. Ist das der Fall, dann ist es ganz klar. Dann bereitet der Mann zuviel Kohlensäure, und man hat die Notwendigkeit, diesem Manne - was ist er? -

- Ingenieur -

Silizium in erster Dezimale zu geben, also fünfprozentig, und man müßte ihn anhalten dazu, wenn er das genommen hat, etwa eine halbe Stunde, die auf das Nehmen des Siliziums folgt, irgendwie sich geistig anzustrengen. Dann kann er besser werden. Er kommt dann dazu, die überschießende Kohlensäureerzeugungs-Fähigkeit zurückzunehmen.

Wir müssen nun schließen, morgen in demselben Sinne weiter.

Ich finde nicht fruchtbar diese Art von Fragen. Der einzelne hat viel davon, die andern aber haben nicht viel davon. Man sollte mehr allgemein fragen, etwas Interessanteres, Morgen sollte man es doch etwas anders machen. Sind Sie nicht auch der Meinung, Herr Doktor?
301 Ich bin bereit, auf alles einzugehen, was gefragt wird. Man kann von jeder Frage aus einen ganzen Vortrag halten. Ich hätte, als der erste gefragt hat, über die Sache reden können bis jetzt; aber dann würde nur einer darangekommen sein. Ich meine, es ist ganz gut gewesen, etwas Mannigfaltiges zu hören. Es kommt ja nicht darauf an, daß wir zufrieden sind, sondern daß das Auditorium es ist.

Ich finde, daß da etwas getrieben wird, wie in der Art des Klinikhaltens in der Universität, weil bei der Art zu fragen die andere Frage nicht Zustandekommen kann, wie man das Verständnis in sich entwickeln kann.

Das würde sofort kommen, wenn eine diesbezügliche Frage gestellt würde. Also morgen gleich eine diesbezügliche Frage einbringen, dann kann es so kommen. Ich glaube nicht, daß es ganz unnützlich ist, auf diese Frage einzugehen. Aber es kommen doch andere Antworten vor. Wir werten sie nur so, daß das Auditorium zufrieden sein kann.

Wenn Sie etwas sagen würden über die Vertiefung der Diagnose? Wir können uns über einen Patienten eine Menge Gedanken machen. Da kommen einem eine Menge von Fragen, und man steht öfters vor der Schwierigkeit, sich zu entscheiden, was zu tun ist. Intellektuell kann man es nicht; man muss einen Willensentschluß fassen. Ich möchte fragen: Kann man nicht in dem Augenblick diesen intellektuellen Willensimpuls zurückdrängen, so daß einem das kommt, was man machen muß? Vielleicht könnten Sie darüber etwas sagen?

Sie meinen, wie man die Diagnose durchsichtiger machen kann?

Man steht in der Behandlung vor verschiedenen Möglichkeiten. Man kann sich nicht entschließen, ob man pflanzliche oder mineralische Mittel anwenden soll; man muß sich für etwas entscheiden. Man sollte die Möglichkeit haben, aus tieferen Gründen heraus an den Patienten heranzukommen, und diese ganzen Vorstellungen einmal zusammenzuschmelzen, so daß man dazu kommt, daß man weiß: das ist das Richtige.

Wir werden morgen irgend etwas fingieren, und dann eine ideelle Diagnose entwickeln.




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ablage/offen/rudolf_steiner/medizin/004_ga_314_physiologisch_therapeutisches/015_erste_besprechung.txt · Zuletzt geändert: 2026/09/19 17:17

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