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Programme der Kurse Dornach 1920 und Stuttgart 1922

Programme der Kurse Dornach 1920 und Stuttgart 1922

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EINLADUNG
zu den
anthroposophischen Hochschnlkarsen
vom 26. September bis 16. Oktober 1920
an der
Freien Hochschule für Geisteswissenschaft
GOETHEANUM
in Dornach.



Dreiviertel Jahre vor Ausbruch des Weltkrieges wurde in Dornach, nahe an der Grenze des germanischen und romanischen Sprach- und Kulturgebietes, der Grundstein zur Freien Hochschule für Geisteswissenschaft Goetheanum gelegt. Als Arbeitsstätte für die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, wie sie von Rudolf Steiner vertreten wird, sollte dies Bauwerk in die mit Zerstörungskräften geladene abendländische Welt hineingestellt und als Quell aufbauender Kräfte in dieser Welt wirksam werden. Den verheerenden Wirkungen eines geistfremden Materialismus und einer die Welt verlierenden „Geistigkeit„ sollte vom Goetheanum aus wahre Geisteswissenschaft entgegengestellt werden, die den Geist nicht nur — als wirklichkeitsfremdes abstractum — verstandesmässig erschliessen, mystisch erahnen oder verehrend anbeten will, sondern die ihn mit streng methodisch geschulter anschauender Urteilskraft an den einzelnen Erscheinungen der Natur und in den Lebensäusserungen der menschlichen Seele — als gegliedertes concretum — fasst, aus dem sittliche Stosskräfte zu sozialer Aufbauarbeit entbunden werden können.
Aus der Weltkriegskatastrophe heraus türmten sich in den folgenden Jahren Hindernisse über Hindernisse auf. Aber ihnen allen zum Trotz wurde der Dornacher Bau so weit vollendet, dass heute der innere Doppelkuppelraum im wesentlichen zu seiner endgültigen Gestalt geformt ist.
In diesem Raum sollen die Herbstkurse, zu denen hiedurch eingeladen wird, stattfinden. Sie wollen dennoch nicht als „Eröffnungs“Veranstaltungen angesehen werden.

323 Denn dem Geist, der das Gcetheanum aus dem Boden gehoben hat, würde es widersprechen, eine „Eröffnung** als blosse Phrase vorzunehmen. Mehr als eine solche kann sie aber nicht sein, solange nicht aus der Welt, in die sich das Goetheanum hineinstellt, eine Antwort kommt, die ein Verständnis dafür offenbart, dass es sich beim Goetheanum um ihre Angelegenheit, nicht um die eines Sonderzirkels handelt.
Die Herbstkurse sollen also nicht Festveranstaltungen sein. Sie sollen in nüchterner Sachlichkeit geisteswissenschaftliche Arbeit vor die Welt stellen. Die sorgfältig ausgewählten und zusammengestellten Vorträge sollen ein erschöpfendes Bild davon geben, wie mit der geisteswissenschaftlichen Methode die Umwandlung aller Einzelwissenschaften und der Gesamtheit des wissenschaftlichen, künstlerischen, sozialen, wirtschaftlich-technischen Denkens und Schaffens in Angriff genommen wird. Sie sollen erweisen, dass Geisteswissenschaft fern voo allem Dilettantismus ist, dass sie auf Untergründen baut, die in einem strengeren Sinn als wissenschaftlich zu bezeichnen sind als diejenigen der landläufigen Wissenschaften. Diesen wird ihr relativer Wert nicht abgesprochen. Doch soll gezeigt werden, wie die modernen Natur- und Geschichtswissenschaften durch ihre Einseitigkeit und Begrenztheit dem Menschen das allerwichtigste für sein Geistesleben nicht nur nicht geben können, sondern es ihm geradezu nehmen.
Anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft soll dasjenige sein, was sie nie werden können, sondern was sie eigentlich in seinen Anlagen zerstören. Nicht durch Kritik, sondern durch Vorführung von positivem geisteswissenschaftlichem Wissen soll dies erwiesen werden. Und damit soll gezeigt werden, wie aus wahrer, bis in ihre eigenen Lebenswurzeln hinein wissenschaftlicher Wissenschaft heraus die von tiefer denkenden und empfindenden Menschen seit langem angestrebte Versöhnung von Wissenschaft, Kunst und Religion möglich ist
In erster Linie allerdings sollen die Herbstkurse zum wissenschaftlichen Gewissen der Gegenwart sprechen. Denn auf dem Felde der Wissenschaft, wo aus ungewussten Quellen die Zerstörungs- und Zersetzungskräfte kommen, die mit eindeutiger Entschiedenheit dem „Untergang des Abendlandes„ entgegendrängen, muss der Geisteskampf aufgenommen und der Sieg erkämpft werden.
Zum wissenschaftlichen Gewissen, das sich als Wille zu geistiger Tat über sich selber klar wird, und zu einem aus ihm erwachsenden neuen künstlerischen und religiösen Gewissen will Geisteswissenschaft sprechen. Sie will dies Gewissen auch für die Einsicht wecken, dass ein Gcetheanum, das unfertig dasteht, und dem durch Verständnis« losigkeit oder Anfeindung Hindernisse entgegengetürmt werden, zu deren Ueberwindung die einer geistigen Bewegung zur Verfügung stehenden Waffen nicht dienen, ein Vorwurf gegenüber der Welt ist, in der es steht.
'' '' Zum Besuche der Kurse ist Jedermann eingeladen.

'' '' „Verein Gcetheanismus“
'' '' als Veranstalter,

'' '' Bund für Anthroposophische Hochschularbeit,
'' '' als Mitveranstalter.
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