Gedächtnisworte für Georga Wiese
** Dornach, 6. Januar 1924**
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| 282 | Meine lieben Freunde! Die anthroposophische Bewegung hat heute morgen einen schweren Verlust erlitten, einen großen Schmerz erfahren. Unsere liebe Freundin Georga Wiese aus Norwegen ist von dem physischen Plan hinweggegangen. Es kann uns mit dem Gefühle tiefer Tragik erfüllen, wenn wir bedenken: Georga Wiese hat durch Jahre hindurch an dem zugrunde gegangenen Goetheanum intensiv mitgearbeitet. Manche Form, die an dem alten Goetheanum war, ist mit unter ihren Händen entstanden. Sie war immer wieder und wiederum gekommen, ist hier vielen teuer, lieb geworden, mit vielen verbunden worden und fühlte schon neben ihrer geliebten nordischen Heimat das Goetheanum als ihre zweite Heimat, fühlte sich innig mit diesem Goetheanum verbunden. Sie kam zu unserer Weihnachtstagung hierher, um teilzunehmen in ihrem Enthusiasmus und in ihrer auch immer inneren opferwilligen und opferfreudigen Hingabe an die anthroposophische Sache, und hatte, ehe sie an derselben teilnehmen konnte, ehe diese begann, einen Unfall, einen Oberarmbruch erhalten, mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Durch Komplikationen, wie sie in diesem Alter sehr leicht auftreten können, kam es dann, daß sich eine Lungenschädigung einstellte. Mit einer Lungen-Embolie endete für diesen physischen Plan dieses uns und der ganzen anthroposophischen Bewegung so wertvolle Leben heute morgen. Mit einem lichten Blicke hinein in die geistige Welt, hoffend, mittun zu können an demjenigen, was geschehen soll, in ihrem Herzen, konnte man sie noch finden am Tage, der der Nacht voranging, da sie hinstarb. Wir, meine lieben Freunde, folgen ihrer Seele, die mit uns vereint bleibt. Wir wollen mit dieser Seele vereint bleiben und wissen das Milde, Schöne, Liebe ihres Geistes wirklich auch in inniger Liebe hier in diesem Saale, in dem sie so oftmals gesessen hat und hingebungsvoll mit uns Anthroposophie gepflegt hat. Wann wir die liebe Seele geleiten sollen bei ihrem Aufstieg nach |
| 283 | den geistigen Welten, beim letzten Erdengang ihr folgen wollen, das muß noch bekanntgegeben werden. Es wird erst dafür gesorgt werden müssen, die Verwandten aus Norwegen entweder hierher zu bekommen oder ihre Anordnungen zu hören. Heute aber, meine lieben Freunde, wollen wir zunächst uns in treuem Gedenken an unsere liebe Freundin und in dem Bewußtsein, daß wir wollen mit unseren Gedanken ihrer Seele folgen nach denjenigen Zielen hin, die nach ihrem ganzen Wesen ganz gewiß große, gute sein werden, um ihr Andenken zu ehren, jetzt von unseren Sitzen erheben. |