Einleitende Worte vor dem Vortrag vom 23. November 1923

Einleitende Worte vor dem Vortrag vom 23. November 1923

Bericht über die Gründung der Holländischen Landesgesellschaft

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die letzte der Landesgesellschaften zustande gekommen, die als vorbereitende Gründungen da sein sollen, wenn nun zu Weihnachten hier die Internationale Anthroposophische Gesellschaft aus diesen einzelnen Landesgesellschaften hervorgehen soll. Es wird ja die Aufgabe sein, dasjenige, was nunmehr auf Grundlage dieser einzelnen Landesgesellschaften geschieht, zu etwas wirklich Realem zu machen, zu etwas so Realem, daß die anthroposophische Bewegung vielleicht dadurch eben ein Instrument an der Gesellschaft haben kann. Es ist heute durchaus schon so, daß man an den mannigfaltigsten Einzelerscheinungen, den mannigfaltigsten Symptomen sieht, wie diese anthroposophische Bewegung an einer anderen Stelle viel, viel eindringlicher genommen wird als oftmals innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Ich meine damit nicht — ich bitte, mich nicht mißzuverstehen, meine lieben Freunde —, ich meine damit nicht, daß es innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft fehle an einzelnen Menschen, die mit Herz und Sinn bei der Bewegung sind, die ihre Gefühle laufend entfalten in der Richtung des Denkens und des Empfindens der Gesellschaft, wie es ja einmal sein muß. Was aber innerhalb der Gesellschaft fehlt, was eben immer den Worten zugrunde liegt, die ich über dieses Fehlen sprechen muß, das ist die reale Betätigung nach der Richtung hin, die durch die Impulse der anthroposophischen Bewegung gegeben ist. Ich sagte, in dieser Richtung geschieht viel mehr an einer anderen Stelle: nämlich bei den Gegnern. Es ist ja so, daß heute tatsächlich Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 3 2 Seite: 217 von einer mehr oder weniger gegnerischen — oder oftmals, wie man es auch nennt - objektiven Seite aus kaum irgendeine zusammenfassende Darstellung der Geistesströmungen der Gegenwart erscheint, ohne daß die anthroposophische Bewegung in kräftiger Weise mitberücksichtigt wird - natürlich zumeist mitberücksichtigt wird in abfälligem Sinne oder wenn nicht in einem abfälligen, so doch in einem solchen Sinne, daß der anthroposophischen Bewegung eben neuer Schaden zugefugt wird. Alle diese Dinge können nicht berücksichtigt werden, wenn nicht das tätige Interesse innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft sich ebenso entwickeln kann wie bei denen, die außerhalb stehen, sei es als Gegner, sei es als sogenannte Objektive. Das tritt einem überall entgegen. Gerade die Gegner nehmen Anthroposophie im höchsten Maße ernst. Ich bitte Sie, nur eines zu berücksichtigen. Wenn man so äußerlich die Dinge ansieht und das Gewicht der Anthroposophie in der Gegenwart abschätzt nach der Zahl der Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, so erscheint es ja fast lächerlich, möchte man sagen, daß von gegnerischer Seite diese Anthroposophie so wichtig genommen wird. Sie müssen nur bedenken, daß ja wirklich, wenn man die Mitgliederzahl der Anthroposophischen Gesellschaft zählt, sie wahrhaftig im Verhältnis zu irgendwelchen anderen Gesellschaften oder geistigen Zusammenhängen ein furchtbar kleines Häuflein ist. Und den großen alten geistigen Bewegungen müßte es ja höchst gleichgültig sein, was bei einem solchen kleinen Häuflein von Menschen geglaubt oder nicht geglaubt wird. Nicht daran liegt es also, daß die Anthroposophie gegenwärtig in einer so eklatanten Weise befehdet wird; sondern es liegt schon daran, daß die Gegner ganz gut wissen, was Anthroposophie ist. Die Gegner schätzen Anthroposophie - natürlich in ihrem Sinne — und sie schätzen sie tätig. Nun gewiß, es kann ja gesagt werden: Wir haben eben einmal innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft nicht Persönlichkeiten, die zur Aktivität veranlagt sind. — Gewiß, das ist durchaus ein Moment - denn die weitaus größte Zahl der Persönlichkeiten ist ja gekommen, um eben eine Weltanschauung aufzunehmen, nicht um Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 232 Seite: 218 tätig zu sein nach irgendeiner Richtung innerhalb der Gesellschaft. Aber auf der anderen Seite liegt heute diese Notwendigkeit vor: Wenn die Anthroposophische Gesellschaft bestehen will, so braucht sie tätige Arbeit, tätiges Wirken. Das muß immer wieder gesagt werden. Es mag ja ein Malheur sein, daß wir es brauchen, aber wir brauchen es eben. Das tritt einem besonders stark dann entgegen, wenn man sieht, ich will es ganz positiv sagen, wie notwendig es heute ist, mit starken Aussichten dafür rechnen zu können, daß zu Weihnachten aus den einzelnen Landesgesellschaften eine ganz kräftige anthroposophische internationale Gesellschaft entsteht; denn wir können doch eigentlich nicht die ganze anthroposophische Bewegung so lassen, wie sie ist. Die Notwendigkeit liegt eben vor, daß sich — gleichgültig, wer es ist —, aber daß sich innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft Menschen finden müssen, die ein Interesse haben für dasjenige, was in der Welt vorgeht, die sich zu befassen wissen mit dem, was in der Welt vorgeht! Es ist immer eigentlich ein großes Erstaunen, zu sehen, wenn irgend etwas angeführt wird von dem, was in der Welt vorgeht. Gewiß, ich weiß, daß viele ganz ausgezeichnete Menschen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft eigentlich es übel nehmen, wenn heute überhaupt von der Gesellschaft gefordert wird ein sich Hineinstellen in die geistige Evolution der Menschheit der Gegenwart. Ich kann auch verstehen, daß es vielen lieber wäre, wenn die Anthroposophische Gesellschaft eine Vereinigung von Menschen wäre, die ruhig auf ihren Stühlen sitzen und Weltanschauung treiben und sich nicht zu bekümmern brauchten um das, was sonst in der Welt vorgeht. Ich kann es begreifen, gewiß; aus dem ganzen Hergang, der sich vollzogen hat bei der Begründung und Entwickelung der Anthroposophischen Gesellschaft ist es begreiflich. Aber auf der anderen Seite sind doch wiederum eben die Notwendigkeiten der Welt auch da. Und da ist es ganz unerläßlich, daß wir in einem gewissen Sinne wenigstens uns diesen Notwendigkeiten doch fugen. Dasjenige, was das reine anthroposophische Wirken ist, geht ja überall gut. Man kann nur sagen: Es geht gut. Es war in bezug auf dieses anthroposophische Zusammendenken und ZusammenempfinCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 232 Seite: 219 den jetzt im Haag eine ausgezeichnete Stimmung. Es vollzogen sich die Vorträge, die ich als Zweigvorträge hielt über den Zusammenhang des Menschen mit der übersinnlichen Welt, bei einer ausgezeichneten Stimmung. Auch die Öffentlichen anthroposophischen Vorträge brachten eine ausgezeichnete Stimmung. Auch jene Vorträge, die im pädagogischen Sinne veranstaltet wurden, brachten eine ausgezeichnete Stimmung. Ferner hatten wir die Freude, eine kleine Waldorfschule im Haag begründet zu sehen mit einer ersten, vierten und achten Klasse, die einen außerordentlich befriedigenden Eindruck macht. Wir waren imstande, ebenso wie wir es schon in London und in Wien getan haben, in dem, was in anthroposophisch-medizinischer Richtung geleistet werden kann, einen Schritt vorwärts zu machen, indem auch da es zustande gekommen ist, daß im Haag vor Ärzten, die auf Einladung von Dr. Zeylmans, der eine Klinik in unserem Sinne dort errichtet hat, anthroposophisch-medizinische Vorträge gehalten werden konnten, veranstaltet von Frau Dr. Wegman und mir. Auch das konnte alles zustande kommen. Das ist alles, wie gesagt, ohne daß man das geringste dabei aussetzen kann. Die Dinge, die sachlich sind, gehen ausgezeichnet. Aber wenn es darauf ankommt, die Dinge zusammenzuhalten durch die Anthroposophische Gesellschaft, da geht es natürlich auch noch so weit, als es sich um Gefühlsmäßiges, Empfindungsmäßiges handelt; aber dann tritt sogleich das auf, daß eigentlich die Anthroposophische Gesellschaft so ein bißchen eine ausgebreitetere Familie sein möchte, die sich absperrt gegen die Außenwelt. Und sie ist auch so in ihren Usancen. Nicht wahr, meinetwillen können ja die Statuten gemacht werden, wie man will; die sind ja nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist, wie man sich verhält, verhält schon bei der Aufnahme von Mitgliedern. Bei der Aufnahme der Mitglieder kann man so verfahren, daß man die Gesellschaft absperrt, oder daß man sie möglichst zur Vergrößerung bringt. Und es ist einfach die Denkweise über das Hereinlassen von Mitgliedern in vieler Beziehung so, daß wir nicht darauf rechnen können, die Anthroposophische Gesellschaft nach der Richtung hin vergrößert zu sehen, nach der sie sich vergrößern muß, wenn sie in die Welt dasCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 232 Seite: 22 0 jenige tragen soll - ich sage nicht, in die Welt tragen will: Es steht einem ja heute nicht mehr frei, irgend etwas in die Welt tragen zu wollen oder nicht -, was die Anthroposophische Gesellschaft eben durch ihre Substanz geworden ist. Das steht ja einem heute nicht frei: Es müssen gewisse Dinge eben gemacht werden! Und dazu fehlt eben vielfach der Enthusiasmus. Diesen Enthusiasmus, den möchte man so gerne in der Gesellschaft sich entfalten sehen! Ich sage das eben nicht gerade, weil es etwa eine Erfahrung ist, die in den letzten Haager Tagen gemacht worden ist, sondern eine Erfahrung, die sich nun ergeben hat aus der Begründung der Landesgesellschaften und die schon einmal wiederum hingestellt werden muß, bevor wir darangehen, dasjenige zu begründen, weswegen ja die Landesgesellschaften da sind: die Internationale Anthroposophische Gesellschaft, die in Dornach eben ihren Mittelpunkt haben müßte Dies ist ein — scheinbar — nicht ganz sachlich geführter, aber vielleicht doch im Innern sachlicher als es zunächst äußerlich ausschaut, zu gebender Bericht über dasjenige, was im Haag sich vollzogen hat. |


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