IV Zwei Leseproben zur Klassischen Walpurgisnacht aus «Faust» II von Goethe
Zur eurythmisch-dramatischen Aufführung am Goetheanum
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Felsbuchten des Ägäischen Meers
Erste Szene
Zweite Szene
Verwandlung
Dritte Szene
Verwandlung
Vierte Szene
SZENARIUM
Pharsalische Felder:
Erichtho - Homunkulus - Mephistopheles - Faust
- Greife - Ameisen - Arimaspen - Sphinxe -
Sirenen
Peneios, umgeben von Gewässern und Nymphen:
Peneios - Faust - Nymphen - Chiron
Vor dem Tempel der Manto:
Faust - Chiron - Manto
Am obern Peneios wie zuvor (Pharsalische Felder):
Sirenen - Seismos - Sphinxe - Greife - Ameisen -
Pygmäen - Daktyle - Die Kraniche des Ibykus
Mephistopheles in der Schlucht:
Mephistopheles - Lamien - Empuse - Oreas -
Homunkulus - Anaxagoras - Thaies - Dryas -
Die Phorkyaden
Felsbuchten des Ägäischen Meers:
Sirenen - Nereiden und Tritonen (als Meerwunder) - Thaies und Homunkulus - Nereus - Proteus - Teichinen von Rhodus auf Hippokampen
und Meerdrachen - Psyllen und Marsen auf Meerstieren, .Meerkälbern und Widdern - Doriden -
Drei Jünglinge auf Delphinen - Galatee |
Erste Leseprobe, Dornach, 20. August 1918
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«Klassischen Walpurgisnacht».
Nun erinnern Sie sich, daß zu den Worten Fausts:
Geheilt will ich nicht sein! mein Sinn ist mächtig!
Da war' ich ja wie andere niederträchtig
die Szene verwandelt worden ist. Dann kam die andere Szene, in der
Chiron sagt:
Versäume nicht das Heil der edlen Quelle!
Geschwind herab! Wir sind zur Stelle
bis zum Auftreten der Manto. Das war also eine andere Szene; die
fehlt in den Ausgaben, diese Angabe der Verwandlung. Nun aber
soll die Szene wiederum zurückrücken bis zu der, die in unserer Darstellung eigentlich die allererste war. Gemeint ist allerdings im Buch,
daß es zurückgeht bis zu der Szene: Peneios, umgeben von Gewässern und Nymphen; zu der soll zurückgegriffen werden. Aber,
nicht wahr, bei unserer Darstellung waren in dieser Szene - Peneios,
umgeben von Gewässern und Nymphen - die Sphinxe nicht mehr zu
sehen, währenddem jetzt die Sphinxe natürlich da sein müssen. Also
wir müssen uns ähnlich der ersten Szene aufstellen, der allerersten
Szene, die wir gehabt haben.
Das Wesentliche ist, daß also Goethe zunächst einmal anschaulich
zu machen bestrebt ist den Unterschied zwischen der ganzen nordischen Welt und der griechisch-klassischen Welt. Geister der nordischen Welt, der fünften nachatlantischen Zeit, wie wir sagen, sind
im wesentlichen gebunden an eine ruhige Erde. Erdbeben gibt es
eigentlich nur bis Göttingen; was nördlich von der Göttinger
Zone ist, ist ja eigentlich erdbebenfreies Gebiet. Und mit diesen
Dingen hängen natürlich die Erscheinungen im weiteren zusammen,
die hier gemeint sind.
Das ganze. Gefüge der griechischen Götterwelt hing schon damit
zusammen, daß die Natur selber unruhig war, die Natur gewisserCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 508
maßen in sich geeignet war, sich zu metamorphosieren, mitmachte
dasjenige, was die Menschheit machte, was die Geisterwelt machte.
Aber gerade dazu soll ja Faust zurück in die vierte nachatlantische
Zeit, in die griechische Welt, damit sein Schicksal in Gemeinsamkeit
mit der Natur verlaufen kann. Und das bestrebt sich hier Goethe zu
zeigen, indem er anschließt an die Szene, die wir früher gehabt
haben: am oberen Peneios.
Es sind zunächst die Sirenen, die Sirenen, die zunächst etwas ihre
Stimme halten können, weil sie gewissermaßen unter sich sind jetzt,
hier nicht auf Menschen wirken. Aber das Eigentümliche ist, daß sie
überrascht werden eben gerade von der Bewegung der Erde, von dem
Erdbeben. Sie wollen zuerst der Gesang des Wassers, der Gesang des
Peneios sein. Die ersten Verse sind gewissermaßen die in dem Wasser
stehengebliebenen Wellen. Die Wasserwellen rinnen unter, den Tonwellen fort, so daß die Sirenen unter die Wellen untertauchen, aber
die Wasserwellen rinnen fort; die Sirenenwellen bleiben stehende
Wellen, wollen nur auf und ab wogen in den fortrinnenden Wasserwellen. Das ist der Sinn der ersten Sirenen-Zeilen. Also in dieser Art:
SIRENEN: Stürzt euch in Peneios Flut!
Plätschernd ziemt es da zu schwimmen,
Lied um Lieder anzustimmen,
Dem unseligen Volk zugut.
Das unselige Volk ist hier das Wasservolk, alle Wassergeister.
Ohne Wasser ist kein Heil!
Führen wir mit hellem Heere
Eilig zum Ägäischen Meere,
Würd* uns jede Lust zuteil.
Sie sind eben nicht gesonnen, zum Ägäischen Meere zu fahren, sondern sie bleiben als stehende Wellen, während das Wasser unter ihnen
fortfließt. Und während sie so mit dem Wasser spielen, kommt das
Erdbeben, das sie überrascht, das sie zunächst dadurch sehen, daß die
Welle zurückschlägt. Sie dachten, die Welle gehe fort; die Welle
schlägt aber zurück.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite:509
Erdbeben
SIRENEN: Schäumend kehrt die Welle wieder,
Fließt nicht mehr im Bett darnieder;
Grund erbebt, das Wasser staucht,
Kies und Ufer berstend raucht.
Flüchten wir! Kommt alle, kommt!
Niemand, dem das Wunder frommt.
Fort! ihr edlen frohen Gäste,
Zu dem seeisch heitern Feste,
Blinkend, wo die Zitterwellen,
Ufernetzend, leise schwellen;
Da, wo Luna doppelt leuchtet,
Uns mit heiligem Tau befeuchtet.
Dort ein freibewegtes Leben,
Hier ein ängstlich Erdebeben;
Eile jeder Kluge fort!
Schauderhaft ist's um den Ort.
Also: dunkel, rhythmisch, das Schaudern nur andeutend, im Künstlerischen das Schaudern verfließen lassend.
Nun kommt der Erdboden herauf. In der Nähe des Peneios erhebt
sich der Erdboden. Die Wellen haben zuerst das Erheben des Erdbodens angedeutet. Aus der Tiefe schiebt das Erdbeben einen Berg
heran. Im Berg-Heranschieben sichtbar wird der Gott des Erdbebens,
der Gott der bewegten Erde: Seismos. Man hört ihn zuerst, indem er
noch nicht sichtbar ist, in der Tiefe:
SEISMOS Einmal noch mit Kraft geschoben,
(in der Tiefe Mit den Schultern brav gehoben!
brummend und So gelangen wir nach oben,
Wo uns alles weichen muß.
Das bemerken nun die Sphinxe, welche die Ruhe im bewegten Kosmos darstellen, die das Gegenstück sind zu diesem bewegten Kosmos.
SPHINXE: Welch ein widerwärtig Zittern,
Häßlich grausenhaftes Wittern!
Welch ein Schwanken, welches Beben,
Schaukelnd Hin- und Widerstreben!
Welch unleidlicher Verdruß!
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 510
Doch wir ändern nicht die Stelle,
Bräche los die ganze Hölle.
Etwas Pause.
Nun kommt der Berg, der immerfort herauftaucht. - Ich bin bloß
gespannt, wie Sie das alles machen werden! - Der Berg wird immer
höher und höher.
SPHINXE : Nun erhebt sich ein Gewölbe
Wundersam.
Sie betrachten den Berg nicht mit Wohlwollen, eher mit Entsetzen.
SPHINXE Es ist derselbe,
(weiter): Jener Alte, längst Ergraute,
Der die Insel Delos baute,
Einer Kreißenden zulieb'
Aus der Wog* empor sie trieb.
Nämlich: der Leto zulieb, die den Apollo gebären wollte, hat er die
Insel Delos heraufgehoben, der Seismos.
Einer Kreißenden zulieb'
Aus der Wog' empor sie trieb.
Er, mit Streben, Drängen, Drücken,
Arme straff, gekrümmt den Rücken,
Wie ein Atlas an Gebärde,
Hebt er Boden, Rasen, Erde,
Kies und Gries und Sand und Letten,
Unsres Ufers stille Betten.
Nun tut sich ein Spalt auf.
So zerreißt er eine Strecke
Quer des Tales ruhige Decke.
Und nun kommt eine Karyatide herauf; die sieht man bis zur Taille,
einen Felsenberg herauf heben aus der Erde.
Angestrengtest, nimmermüde,
Kolossalkaryatide,
Trägt ein furchtbar Steingerüste,
Noch im Boden bis zur Büste.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 511
Also die Karyatide ist bis zur Büste noch im Boden; so trägt sie
diesen Steinansatz herauf. Nun wehren die Sphinxe:
Weiter aber soll's nicht kommen,
Sphinxe haben Platz genommen.
Also sie wollen ruhig bleiben; sie sind ja die Ruhe im bewegten Kosmos. Seismos läßt sich aber in seinen Geschäften, oder will sich wenigstens nicht stören lassen, sondern hebt nun auch die guten Seiten seines
Amtes hervor. Also, indem er da das Ganze herauf befördert hat, die
Kolossalkaryatide ihm geholfen hat, verteidigt er sich gegen die
Sphinxe:
SEISMOS : Das hab' ich ganz allein vermittelt,
Man wird mir's endlich zugestehn:
Und hätt' ich nicht geschüttelt und gerüttelt,
Wie wäre diese Welt so schön? -
Wie ständen eure Berge droben
In prächtig-reinem Ätherblau,
Hätt* ich sie nicht hervorgeschoben
Zu malerisch-entzückter Schau?
Als, angesichts der höchsten Ahnen,
Der Nacht, des Chaos, ich mich stark betrug
Und, in Gesellschaft von Titanen,
Mit Pelion und Ossa als mit Ballen schlug.
Wir tollten fort in jugendlicher Hitze,
Bis überdrüssig, noch zuletzt
Wir dem Parnaß als eine Doppelmütze,
Die beiden Berge frevelnd aufgesetzt …
Apollen hält ein froh Verweilen
Dort nun mit seliger Musen Chor.
Selbst Jupitern mit seinen Donnerkeilen
Hob ich den Sessel hoch empor.
Er schiebt weiter.
Jetzt so, mit ungeheurem Streben,
Drang aus dem Abgrund ich herauf
Und fordre laut, zu neuem Leben,
Mir fröhliche Bewohner auf.
Also er stürmt herauf mit seinen Welten. Die Sphinxe sind eben
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 512
eigentlich eine Art Ruhe in dem Ganzen; gegen die hat sich der
Seismos nun verteidigt gehabt. - Die Sphinxe haben ihm zugehört
und nehmen jetzt ihrerseits Stellung zu dem, was er gesagt hat.
SPHINXE: Uralt, müßte man gestehen,
Sei das hier Emporgebirgte,
Emporgebirgt ist schon ein ganz gutes deutsches Wort; es heißt also:
nach Art der Gebirge emporgehoben. Goethe versucht, von Gebirge
ein Verbum zu machen: es entsteht das Gebirge = emporgebirgt.
Hätten wir nicht selbst gesehen,
Wie sich's aus dem Boden würgte.
Bebuschter Wald verbreitet sich hinan,
Noch drängt sich Fels auf Fels bewegt heran;
'ne Sphinx wird sich daran nicht kehren:
Wir lassen uns im heiligen Sitz nicht stören.
Ein Sphinx - ist falsch; es muß heißen: 'ne Sphinx.
Zu dem Berg gehen nun die Greifen:
GREIFE : Gold in Blättchen, Gold in Füttern
Durch die Ritzen seh* ich zittern.
Laßt euch solchen Schatz nicht rauben;
Imsen auf! es auszuklauben.
Und nun kommen die Imsen; die wollen so heran; das sind die
Naturgeister des aufstrebenden Berges, die sich da alle geltend
machen. Und mit dem aufgetriebenen Berg kommen nun auch die
Imsen heran:
CHOR DER Wie ihn die Riesigen
AMEISEN : Emporgeschoben,
Ihr Zappelfüßigen,
Geschwind nach oben!
Behendest aus und ein!
In solchen Ritzen
Ist jedes Bröselein
Wert, zu besitzen.
Das Allermindeste
Müßt ihr entdecken
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Veiwaltung Buch: 277 Seite: 513
Auf das geschwindeste
In allen Ecken.
Allemsig müßt ihr sein,
Ihr Wimmelscharen;
Nur mit dem Gold herein!
Den Berg laßt fahren.
GREIFE: Herein! Herein! Nur Gold zu Häuf!
Wir legen unsere Klauen drauf,
Sind Riegel von der besten Art,
Der größte Schatz ist wohlverwahrt.
Und nun kommt von einer anderen Seite der Chor der Pygmäen herauf. Das muß eine ganze Schar sein, viele Kinder, die Pygmäen
sind; vorne eine Pygmäen-Älteste, dann ein Generalissimus, ein
Pygmäen-Feldmarschall, der sie anführt; so kommt dieses Pygmäenheer heran:
PYGMÄEN : Haben wirklich Platz genommen,
Wissen nicht, wie es geschah.
Fraget nicht, woher wir kommen,
Denn wir sind nun einmal da!
Zu des Lebens lustigem Sitze
Eignet sich ein jedes Land;
Zeigt sich eine Felsenritze,
Ist auch schon der Zwerg zur Hand.
Zwerg und Zwergin, rasch zum Fleiße,
Musterhaft ein jedes Paar.
Weiß nicht, ob es gleicherweise
Schon im Paradiese war.
Doch wir finden's hier zum besten,
Segnen dankbar unsern Stern;
Denn im Osten wie im Westen
Zeugt die Mutter Erde gern.
Jetzt kommen aus irgendeiner Ecke heraus - das muß dann eingeteilt
werden - fünf kleine Gestalten: vier Fingerlinge und ein Däumerling. Das sind die Daktyle.
DAKTYLE : Hat sie in einer Nacht
Die Kleinen hervorgebracht;
Sie wird die Kleinsten erzeugen;
Finden auch ihresgleichen.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:277 Seite: 514
PYGMÄEN- Eilet, bequemen
ÄLTESTE: Sitz einzunehmen!
Eilig zum Werke!
Schnelle für Stärke.
Noch ist es Friede;
Baut euch die Schmiede,
Harnisch und Waffen
Dem Heer zu schaffen.
Ihr Imsen alle,
Rührig im Schwalle,
Schafft uns Metalle!
Und ihr, Daktyle,
Kleinste, so viele,
Euch sei befohlen,
Hölzer zu holen!
Schichtet zusammen
Heimliche Flammen,
Schaffet uns Kohlen.
GENERA- Mit Pfeil und Bogen
LISSIMUS : Frisch ausgezogen!
An jenem Weiher
Schießt mir die Reiher,
Unzählig nistende,
Hochmütig brüstende,
Auf einen Ruck,
Alle wie einen!
Daß wir erscheinen
Mit Helm und Schmuck.
Der muß ein Schwert haben.
Jetzt die Daktyle - das sind die Fingerlinge - und die Imsen zusammen :
IMSEN UND Wer wird uns retten!
DAKTYLE: Wir schaffend Eisen,
Sie schmieden Ketten.
Uns loszureißen
Ist noch nicht zeitig.
Drum seid geschmeidig.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 515
DIE KRANICHE Mordgeschrei und Sterbeklagen!
DES IBYKUS: Ängstlich Flügelflatterschlagen!
Welch ein Ächzen, welch Gestöhn
Dringt herauf zu unsern Höhn!
Alle sind sie schon ertötet,
See von ihrem Blut gerötet,
Mißgestaltete Begierde
Raubt des Reihers edle Zierde.
Weht es doch schon auf dem Helme
Dieser Fettbauch-Krummbein-Schelme.
Ihr Genossen unsres Heeres,
Reihenwanderer des Meeres,
Euch berufen wir zur Rache
In so nahverwandter Sache.
Keiner spare Kraft und Blut,
Ewige Feindschaft dieser Brut!
Zerstreuen sich krächzend in den Lüften.
Jetzt ist hier der Berg - in der Mitte -, drüben - links - die
Sphinxe, und da irgendwo - ganz rechts - taucht der Mephisto auf,
der durch den Berg gehindert wird, zu den Sphinxen zurückzukehren. Er ist auf dem Weg zu den Sphinxen zurück; er hat ja
versprochen, daß er wiederkommen wird; aber er sieht sie nicht, weil
der Berg entstanden ist.
MEPHISTOPHELES : Die nordischen Hexen wüßt' ich wohl zu meistern,
Mir wirds nicht just mit diesen fremden Geistern.
Der Blocksberg bleibt ein gar bequem Lokal,
Wo man auch sei, man findet sich zumal.
Frau Ilse wacht für uns auf ihrem Stein,
Auf seiner Höh1
wird Heinrich munter sein,
Die Schnarcher schnauzen zwar das Elend an,
Doch alles ist für tausend Jahr getan.
Wer weiß denn hier nur, wo er geht und steht,
Ob unter ihm sich nicht der Boden bläht?
Ich wandle lustig durch ein glattes Tal
Und hinter mir erhebt sich auf einmal
Ein Berg, zwar kaum ein Berg zu nennen,
Von meinen Sphinxen mich jedoch zu trennen
Schon hoch genug - hier zuckt noch manches Feuer
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:277 Seite: 516
Durchs Tal hinab, und flammt ums Abenteuer …
Noch tanzt und schwebt mir lockend, weichend, vor,
Spitzbübisch gaukelnd, der galante Chor.
Nämlich die Lamien}
die jetzt wiederum ihm nachkommen.
Nur sachte drauf! Allzugewohnt ans Naschen,
Wo es auch sei, man sucht was zu erhaschen.
Also die Lamien müssen hier so kostümiert werden, daß sie mit einer
Haut überzogen werden, in sehr schöner Maske; die muß so angezogen werden, daß sie rasch nach rückwärts abgeworfen werden
kann, und daß die Lamien die Gestalten annehmen, wie sie hier beschrieben werden. Also die Lamien sind Metamorphosen, müssen
sich rasch verwandeln können. Die Lamien kommen also:
LAMIEN Geschwind, geschwinder!
(Mephistopheles Und immer weiter!
nach sich jdehend): Daf m wiede r 2au dernd,
Geschwätzig plaudernd.
Es ist so heiter,
Den alten Sünder
Uns nachzuziehen;
Zu schwerer Buße
Mit starrem Fuße
Kommt er geholpert,
Einher gestolpert;
Er schleppt das Bein,
Wie wir ihn fliehen,
Uns hinterdrein!
Mephistopheles rechts.
MEPHISTOPHELES Verflucht Geschick! Betrogne Mannsen!
(stillstehend): Von Adam her verführte Hansen!
So schimpft er sich selber, die Männer!
Alt wird man wohl, wer aber klug ?
Warst du nicht schon vernarrt genug!
Man weiß, das Volk taugt aus dem Grunde nichts;
Geschnürten Leibs, geschminkten Angesichts;
Nichts haben sie Gesundes zu erwidern,
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 517
Wo man sie anfaßt, morsch in allen Gliedern.
Man weiß, man sieht's, man kann es greifen,
Und dennoch tanzt man, wenn die Luder pfeifen!
Er faßt sie an, findet, daß sie morsch sind; sie sind eben ganz ausgestopft, mit etwas überzogen. Die Lamien halten etwas stille:
LAMIEN Halt! er besinnt sich, zaudert, steht;
(innehaltend): Entgegnet ihm, daß er euch nicht entgeht!
Also sie wollen ihm näherkommen. Mephistopheles schreitet etwas
vor.
. MEPHISTOPHELES Nur zu und laß dich ins Gewebe
(fortschreitend): Der Zweifelei nicht törig ein;
Denn wenn es keine Hexen gäbe,
Wer, Teufel, möchte Teufel sein!
LAMIEN Kreisen wir um diesen Helden,
(anmutigst): Liebe wird in seinem Herzen
Sich gewiß für eine melden.
MEPHISTOPHELES : Zwar bei Ungewissem Schimmer
Scheint ihr hübsche Frauenzimmer,
Und so möcht' ich euch nicht schelten.
Und nun kommt die Schlimmste, die Empuse; die geht ganz auf ihn
zu; sie ist eine von den Lamien:
EMPUSE Auch nicht mich! als eine solche
(eindringend): Laßt mich ein in eure Folge.
LAMIEN: Die ist in unserm Kreis zu viel,
Verdirbt doch immer unser Spiel.
EMPUSE Begrüßt von Mühmichen Empuse,
(zu Mephistopheles): Der Trauten mit dem Eselsfuße!
Du hast nur einen Pferdefuß,
Und doch, Herr Vetter, schönsten Gruß!
Also sie hat einen Eselsfuß. Da nimmt sie nun das Tuch zurück und
hat einen Eselskopf auf. Vorher schaut er nur nach ihr hin, und es
sieht so aus, wie wenn sie sehr schön wäre. Hier muß sie nun das
Tuch zurückschlagen. Sie ist nämlich sehr schön, aber ihr Kopf verwandelt sich, wie sich alle metamorphosieren, in einen Eselskopf.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 518
MEPHISTOPHELES: Hier dacht ich lauter Unbekannte
Und finde leider Nahverwandte,
Es ist ein altes Buch zu blättern:
Vom Harz bis Hellas immer Vettern!
Empuse links.
EMPUSE: Entschieden weiß ich gleich zu handeln,
In vieles könnt' ich mich verwandeln;
Doch euch zu Ehren hab' ich jetzt
Das Eselsköpfchen aufgesetzt.
MEPHISTOPHELES : Ich merk', es hat bei diesen Leuten
Verwandtschaft Großes zu bedeuten;
Doch mag sich, was auch will, ereignen,
Den Eselskopf möcht ich verleugnen.
LAMIEN : Laß diese Garstige, sie verscheucht,
Was irgend schön und lieblich deucht;
Was irgend schön und lieblich war',
Sie kommt heran, es ist nicht mehr.
MEPHISTOPHELES : Auch diese Mühmchen, zart und schmächtig,
Sie sind mir allesamt verdächtig;
Und hinter solcher Wänglein Rosen
Furcht' ich doch auch Metamorphosen.
LAMIEN: Versuch' es doch! sind unsrer viele.
Greif zu! Und hast du Glück im Spiele,
Erhasche dir das beste Los.
Was soll das lüsterne Geleier?
Du bist ein miserabler Freier,
Stolzierst einher und tust so groß! -
Nun mischt er sich in unsre Scharen;
Laßt nach und nach die Masken fahren
Und gebt ihm euer Wesen bloß.
MEPHISTOPHELES: Die Schönste hab' ich mir erlesen…
Sie umfassend.
O weh mir! welch ein dürrer Besen!
Also er umfaßt sie ein wenig, und nun fliegt nach hinten ihre Hülle
ab. Also er hat eine ganz Schmächtige, Dürre, Besenartige in der
Hand. Er ergreift eine andere :
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 519
Und diese? … Schmähliches Gesicht!
LAMIEN: Verdienst du's besser? dünk' es nicht.
MEPHISTOPHELES : Die Kleine möcht ich mir verpfänden…
Also eine dritte.
Lacerte schlüpft mir aus den Händen!
Und schlangenhaft der glatte Zopf.
Dagegen faß' ich mir die Lange, …
Da pack* ich eine Thyrsusstange.
Den Pinienapfel als den Kopf.
Wo will's hinaus ? … Noch eine Dicke,
An der ich mich vielleicht erquicke;
Zum letztenmal gewagt! Es sei!
Recht quammig, quappig, das bezahlen
Mit hohem Preis Orientalen …
Doch ach! der Bovist platzt entzwei!
Die muß also ganz entzweiplatzen! - Ich bin nur neugierig, wie Sie
das inszenieren!
LAMIEN: Fahrt auseinander, schwankt und schwebet!
Blitzartig, schwarzen Flugs, umgebet
Den eingedrungnen Hexensohn!
Unsichre, schauderhafte Kreise!
Schweigsamen Fittichs, Fledermäuse!
Zu wohlfeil kommt er doch davon.
Sie gehen fort, sie verschwinden, die Lamien. Mephistopheles
schüttelt sich.
MEPHISTOPHELES Viel klüger, scheint es, bin ich nicht geworden;
(sich schüttelnd): Absurd ist's hier, absurd im Norden,
Gespenster hier wie dort vertrackt,
Volk und Poeten abgeschmackt.
Ist eben hier ein Mummenschanz,
Wie überall ein Sinnentanz.
Ich griff nach holden Maskenzügen
Und faßte Wesen, daß mich's schauerte…
Ich möchte gerne mich betrügen,
Wenn es nur länger dauerte.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:277 Seite: 520
Sich zwischen dem Gestein verirrend.
Wo bin ich denn? Wo will's hinaus?
Das war ein Pfad, nun ist's ein Graus.
Ich kam daher auf glatten Wegen,
Und jetzt steht mir Geröll entgegen.
Vergebens klettr' ich auf und nieder,
Wo find' ich meine Sphinxe wieder?
So toll hätt' ich mir's nicht gedacht,
Ein solch Gebirg in einer Nacht!
Das heiß' ich frischen Hexenritt,
Die bringen ihren Blocksberg mit.
Das ist gerade das, worauf es ankommt: im Norden bringen die
Hexen ihren Blocksberg nicht mit; hier sind sie so mit der Natur verwandt, daß sie ihren eigenen Blocksberg mitbringen; hier gehört
die Natur noch zu. den Wesen dazu.
Nun aber zeigt sich oben auf den Felsen eine Oreade. Das ist also
eine Felsennymphe; die muß man nach oben setzen.
OREAS Herauf hier! Mein Gebirg ist alt,
(vom Naturfels): Steht in ursprünglicher Gestalt.
Verehre schroffe Felsensteige,
Des Pindus letztgedehnte Zweige.
Schon stand ich unerschüttert so,
Als über mich Pompejus floh.
Daneben, das Gebild des Wahns,
Verschwindet schon beim Krähn des Hahns.
Dergleichen Märchen seh* ich oft entstehn
Und plötzlich wieder untergehn.
MEPHISTOPHELES: Sei Ehre dir, ehrwürdiges Haupt!
Von hoher Eichenkraft umlaubt.
Der allerklarste Mondenschein
Dringt nicht zur Finsternis herein. ^
Doch neben am Gebüsche zieht
Ein Licht, das gar bescheiden glüht.
Wie sich das alles fügen muß!
Fürwahr! es ist Homunkulus.
Woher des Wegs, du Kleingeselle?
Also mittlerweile hat sich Homunkulus eingefunden, der ja auch hier
den Weg in die Natur finden soll, in die Natur und in die Menschencopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 5 21
natur. Faust rindet sich zu Helena, mit der er sich vereinigt, nachdem
er mit ihr die Elemente durchlaufen. Der Homunkulus sucht Anschluß an das Grüne, bis zum Muschelwagen der Galatee, an dem er
zerschellt, also in die Natur hinein; und der Mephistopheles sucht
Anschluß an Wesen, Gestalten, die noch mit der Natur so verwandt
sind wie er, und findet sich zu den Phorkyaden. Alle suchen den
Anschluß an die Natur. Während man im Norden den Menschen aus
der Natur herausgestellt, herausversteinert hat - ist hier mit der Natur
alles verbunden. Und wenn im Menschenleben etwas geschieht, so
geschieht auch in der Natur etwas.
HOMUNKULUS: Ich schwebe so von StelP zu Stelle
Und möchte gern im besten Sinn entstehn,
Voll Ungeduld, mein Glas entzwei zu schlagen;
Allein, was ich bisher gesehn,
Hinein da möcht' ich mich nicht wagen.
Nur, um dir's im Vertraun zu sagen:
Zwei Philosophen bin ich auf der Spur,
Ich horchte zu, es hieß: Natur! Natur!
Von diesen will ich mich nicht trennen,
Sie müssen doch das irdische Wesen kennen;
Und ich erfahre wohl am Ende,
Wohin ich mich am allerklügsten wende.
MEPHISTOPHELES : Das tu auf deine eigne Hand.
Denn, wo Gespenster Platz genommen,
Ist auch der Philosoph willkommen.
Damit man seiner Kunst und Gunst sich freue,
Erschafft er gleich ein Dutzend neue.
Wenn du nicht irrst, kommst du nicht zu Verstand.
Willst du entstehn, entsteh' auf eigne Hand!
HOMUNKULUS : Ein guter Rat ist auch nicht zu verschmähn.
MEPHISTOPHELES: So fahre hin! Wir wollen's weiter sehn.
Trennen sich.
Der Homunkulus bleibt da; der Mephistopheles geht etwas weiter
ab. Zu dem Homunkulus treten jetzt heran die zwei Philosophen,
wovon der eine die Ansicht vertritt, daß alles durch das Wasser entCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:277 Seite:522
standen ist, was sich ja von selbst widerlegt, denn hier ist durch den
Seismos - also durch Vulkane, Erdbeben, Feuerkräfte - der Berg aufgeschüttet worden. So ist der Thaies von vornherein durch die Situation widerlegt. Der Anaxagoras vertritt die Ansicht, daß alles durch
Feuer entsteht; Feuerkräfte, vulkanische Kräfte. So ist also der Thaies
hier von vornherein im Nachteil, denn er wird widerlegt durch die
Situation. Der Homunkulus soll lernen, wie man entsteht, eben gerade
an dem Gebrodel, an dem, was da vorgeht. Da mischen sich die zwei
Philosophen hinein, griechische Naturphilosophen, die noch mehr als
die späteren Philosophen verbunden sind mit der Natur und daher
noch etwas verstehen von der Natur. Sie sprechen: Anaxagoras, der
mehr begeistert ist; Thaies, der mehr Behäbige, Breitere.
ANAXAGORAS Dein starrer Sinn will sich nicht beugen,
(zu Thaies): Bedarf es weiteres, dich zu überzeugen?
Thaies links.
THALES : Die Welle beugt sich jedem Winde gern,
Doch hält sie sich vom schroffen Felsen fern.
ANAXAGORAS : Durch Feuerdunst ist dieser Fels zuhanden.
THALES : Im Feuchten ist Lebendiges erstanden.
HOMUNKULUS Laßt mich an eurer Seite gehn,
(zwischen beiden): Mir selbst gelüstet's, zu entstehn!
ANAXAGORAS : Hast du, o Thales, je in Einer Nacht
Solch einen Berg aus Schlamm hervorgebracht?
Also: der widerlegt seine Rede; seine Rede ist Unsinn. Thales behauptet, es wäre alles aus Schlamm, Wasserkraft abgesetzt worden.
THALES : Nie war Natur und ihr lebendiges Fließen
Auf Tag und Nacht und Stunden angewiesen.
Sie bildet regelnd jegliche Gestalt,
Und selbst im Großen ist es nicht Gewalt.
ANAXAGORAS : Hier aber war's! Plutonisch grimmig Feuer,
Äolischer Dünste Knallkraft, ungeheuer,
Durchbrach des flachen Bodens alte Kruste,
Daß neu ein Berg sogleich entstehen mußte.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 7 7 Seite: 5 2 3
Thaies links.
THALES: Was wird dadurch nun weiter fortgesetzt?
Er ist auch da, und das ist gut zuletzt.
Mit solchem Streit verliert man Zeit und Weile
Und führt doch nur geduldig Volk am Seile.
Anaxagoras rechts.
ANAXAGORAS: Schnell quillt der Berg von Myrmidonen,
Die Felsenspalten zu bewohnen;
Pygmäen, Imsen, Däumerlinge
Und andre tätig kleine Dinge.
Zum Homunkulus.
Nie hast du Großem nachgestrebt,
Einsiedlerisch-beschränkt gelebt;
Kannst du zur Herrschaft dich gewöhnen,
So lass' ich dich als König krönen.
HOMUNKULUS: Was sagt mein Thaies?
THALES: Will's nicht raten;
Mit Kleinen tut man kleine Taten,
Mit Großen wird der Kleine groß.
Sieh hin! die schwarze Kranich wölke!
Sie droht dem aufgeregten Volke
Und würde so dem König dröhn.
Mit scharfen Schnäbeln, Krallenbeinen,
Sie stechen nieder auf die Kleinen;
Verhängnis wetterleuchtet schon.
Ein Frevel tötete die Reiher
Umstellend ruhigen Friedensweiher.
Doch jener Mordgeschosse Regen
Schafft grausam-blutigen Rachesegen,
Erregt der Nahverwandten Wut
Nach der Pygmäen frevlem Blut.
Was nützt nun Schild und Helm und Speer?
Was hilft der Reiherstrahl den Zwergen?
Wie sich Daktyl und Imse bergen!
Schon wankt, es flieht, es stürzt das Heer.
Also er findet, daß alles untergeht. Und all das Scheinleben, das gefällt ihm nicht. Er findet, daß die Natur und die Erde gan2 anders
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 524
härten entstehen sollen, als alles entstanden ist. Es gibt natürlich selbst
beste Philosophen, die stellen Theorien auf, die nicht mit der Natur
stimmen. Und dann sagen sie: «Um so schlimmer für die Natur!»
Was da nun entstanden ist, ist ja durch Mondenkräfte entstanden,
also in der Erdenevolution zurückgebliebene Mondenkräfte, und
Anaxagoras bezieht das nun auch auf den Mond. Es tritt eine feierliche Pause ein, nachdem der. Thaies seine Bourgeois-Philisterrede
vorgebracht hat.
Thaies ist das schon im Bourgeoistum aufgehende Griechentum,
das Philisterium. Also, eine feierliche Pause tritt ein. Der Mond geht
auf. Anaxagoras großartig.
ANAXAGORAS Könnt' ich bisher die Unterirdischen loben,
(nach einer So wend' ich mich in diesem Fall nach oben …
Pause, feierlich): Du , dr o be n ewig Unveraltete,
Dreinamig-Dreigestaltete,
Dich ruf ich an bei meines Volkes Weh,
Diana, Luna, Hekate!
Du, Brust-Erweiternde, im Tiefsten-Sinnige,
Du Ruhig-Scheinende, Gewaltsam-Innige,
Eröffne deiner Schatten grausen Schlund,
Die alte Macht sei ohne Zauber kund!
Pause.
Es ist ihm, wie wenn er feurige Massen, Feuerwolken, kommen
sehen würde. Anaxagoras ängstlich.
ANAXAGORAS: Bin ich zu schnell erhört?
Hat mein Flehn
Nach jenen Höhn
Die Ordnung der Natur gestört?
Und größer, immer größer nahet schon
Der Göttin rundumschriebner Thron,
Dem Auge furchtbar, ungeheuer!
Ins Düstre rötet sich sein Feuer …
Ängstlicher, furchtsam.
Nicht näher! drohend-mächtige Runde,
Du richtest uns und Land und Meer zugrunde!
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite:52 5
So war' es wahr, daß dich thessalische Frauen
in frevelnd magischem Vertrauen
Von deinem Pfad herabgesungen?
Verderblichstes dir abgerungen? …
Das lichte Schild hat sich umdunkelt,
Auf einmal reißt's und blitzt und funkelt!
Welch ein Geprassel! Welch ein Zischen!
Ein Donnern, Windgetüm dazwischen! -
Demütig zu des Thrones Stufen -
Verzeiht! Ich hab' es hergerufen.
Wirft sich aufs Angesicht.
Thaies kommt verständnislos etwas näher.
THALES : Was dieser Mann nicht alles hört' und sah!
Ich weiß nicht recht, wie uns geschah,
Auch hab' ich's nicht mit ihm empfunden.
Gestehen wir, es sind verrückte Stunden,
Und Luna wiegt sich ganz bequem
Auf ihrem Platz, so wie vordem.
Er ist eben der Urphilister, Bourgeoisphilister!
HOMUNKULUS: Schaut hin nach der Pygmäen Sitz,
Der Berg war rund, jetzt ist er spitz.
Ich spürt' ein ungeheures Prallen,
Der Fels war aus dem Mond gefallen;
Gleich hat er ohne nachzufragen,
So Freund als Feind gequetscht, erschlagen.
Doch muß ich solche Künste loben,
Die schöpferisch, in einer Nacht,
Zugleich von unten und von oben,
Dies Berggebäu zustand gebracht.
Also da ist noch eine Spitze entstanden am Felsen. Das ungeheure
Prallen, das war das, was der Anaxagoras gesehen hatte.
THALES : Sei ruhig! Es war nur gedacht,
Sie fahre hin, die garstige Brut!
Daß du nicht König warst, ist gut.
Nun fort zum heitern Meeresfeste,
Dort hofft und ehrt man Wundergäste.
Entfernen sich.
CopyrightRudolfSteinerNachlass-VerwaltungBuch:277Seite:526
Auf der anderen Seite kommt der Mephistopheles heran, sich unwillig
räuspernd.
MEPHISTOPHELES Da muß ich mich durch steile Felsentreppen,
(an der Gegenseite Durch alter Eichen starre Wurzeln schleppen!
kletternd): ^ u £ meme m Harz der harzige Dunst
Hat was vom Pech, und das hat meine Gunst;
Zunächst der Schwefel … hier, bei diesen Griechen
Ist von dergleichen kaum die Spur zu riechen;
Neugierig aber war' ich, nachzuspüren,
Womit sie Höllenqual und -flamme schüren.
Nun kommt eine Dryade, in der Mitte.
DRYAS : In deinem Lande sei einheimisch klug,
Im fremden bist du nicht gewandt genug.
Du solltest nicht den Sinn zur Heimat kehren,
Der heiligen Eichen Würde hier verehren.
Mephistopheles, rechts stehend.
MEPHISTOPHELES : Man denkt an das, was man verließ,
Was man gewohnt war, bleibt ein Paradies.
Doch sagt: was in der Höhle dort,
Bei schwachem Licht, sich dreifach hingekauert?
Da 2eigt er auf die Höhle, wo die Phorkjaden sind, rechts.
DRYAS: Die Phorkyaden! Wage dich zum Ort
Und sprich sie an, wenn dich nicht schauert.
MEPHISTOPHELES : Warum denn nicht! - Ich sehe was und staune!
So stolz ich bin, muß ich mir selbst gestehn:
Dergleichen hab' ich nie gesehn,
Die sind ja schlimmer als Alraune …
Wird man die urverworfnen Sünden
Im mindesten noch häßlich finden,
Wenn man dies Dreigetüm erblickt?
Wir litten sie nicht auf den Schwellen
Der grauenvollsten unsrer Höllen.
Hier wurzelt's in der Schönheit Land,
Das wird mit Ruhm antik genannt…
Sie regen sich, sie scheinen mich zu spüren,
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 5 27
Also sie sind untereinandergekommen.
Sie zwitschern pfeifend, Fledermaus-Vampiren.
PHORKYADEN : Gebt mir das Auge, Schwestern, daß es frage,
Wer sich so nah an unsre Tempel wage.
MEPHISTOPHELES : Verehrteste! Erlaubt mir, euch zu nahen
Und euren Segen dreifach zu empfahen.
Ich trete vor, zwar noch als Unbekannter,
Doch, irr' ich nicht, weitläufiger Verwandter.
Altwürdige Götter hab' ich schon erblickt,
Vor Ops und Rhea tiefstens mich gebückt.
Ops ist die Schwester und Gattin des Saturn; Rhea, das wissen wir ja.
Die Parzen selbst, des Chaos, eure Schwestern,
Ich sah sie gestern - oder ehegestern;
Doch euresgleichen hab' ich nie erblickt.
Ich schweige nun und fühle mich entzückt.
PHORKYADEN: Er scheint Verstand zu haben, dieser Geist.
MEPHISTOPHELES! Nur wundert's mich, daß euch kein Dichter preist.
Und sagt! wie kam's, wie konnte das geschehn?
Im Bilde hab' ich nie euch Würdigste gesehn;
Versuches der Meißel doch, euch zu erreichen,
Nicht Juno, Pallas, Venus und dergleichen.
PHORKYADEN: Versenkt in Einsamkeit und stillste Nacht,
Hat unser Drei noch nie daran gedacht!
MEPHISTOPHELES: Wie sollt' es auch? da ihr, der Welt entrückt,
Hier niemand seht und niemand euch erblickt.
Da müßtet ihr an solchen Orten wohnen,
Wo Pracht und Kunst auf gleichem Sitze thronen,
Wo jeden Tag, behend, im Doppelschritt,
Ein Marmorblock als Held ins Leben tritt.
W o -
PHORKYADEN: Schweig still und gib uns kein Gelüsten!
Was hülf es uns und wenn wir's besser wüßten?
In Nacht geboren, Nächtlichem verwandt,
Beinah uns selbst, ganz allen unbekannt.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 528
MEPHISTOPHELES : In solchem Fall hat es nicht viel zu sagen,
Man kann sich selbst auch andern übertragen.
Euch dreien gnügt ein Auge, gnügt ein Zahn;
Da ging' es wohl auch mythologisch an,
In Zwei die Wesenheit der drei zu fassen,
Der dritten Bildnis mir zu überlassen,
Auf kurze Zeit.
EINE: Wie dünkt's euch! ging es an?
DIE ANDEREN: Versuchen wir's! - Doch ohne Aug' und Zahn.
MEPHISTOPHELES: Nun habt ihr grad das Beste weggenommen,
Wie würde da das strengste Bild vollkommen!
EINE: Drück' du ein Auge zu, 's ist leicht geschehn,
Laß allsofort den einen Raffzahn sehn,
Und, im Profil, wirst du sogleich erreichen,
Geschwisterlich vollkommen uns zu gleichen.
MEPHISTOPHELES : Viel Ehr'! Es sei!
PHORKYADEN:
MEPHISTOPHELES
Es sei!
Da steh' ich schon.
(als Phorkyas im Profil): Des Chaos vielgeliebter Sohn!
PHORKYADEN : Des Chaos Töchter sind wir unbestritten.
MEPHISTOPHELES : Man schilt mich nun, o Schmach, Hermaphroditen.
PHORKYADEN: Im neuen Drei der Schwestern welche Schöne!
Wir haben zwei der Augen, zwei der Zähne.
MEPHISTOPHELES : Vor aller Augen muß ich mich verstecken,
Im Höllenpfuhl die Teufel zu erschrecken.
Ab.
Mephistopheles nach rechts ab.
Das ist eine gewaltige Szene. - Ich bin bloß neugierig, wie Sie das
alles machen werden! - Die Lamien zum Beispiel müssen zuerst sehr
schön sein, dann die eine häßlich; eine ein dürrer Besen, die andere
eine Thyrsusstange mit dem Pinienapfel auf dem Kopf; eine muß
auseinanderplatzen, die muß er spalten; das ist nämlich ein Schwamm,
Bovist, der auseinanderplatzt.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 529
Die Empuse - da ist es besser, ein Tuch darüber zu machen; sie
steht im Profil da, das braucht nur Mephistopheles genau zu sehen,
das Gesicht; dann wird das Tuch weggezogen, und der Eselskopf
bleibt übrig.
Die Sirenen wie im vorigen Jahre kostümiert.
Oreade vom Naturfels. Das ist ein alter Berg, der ist nicht neu,
ein alter Berg mit Eichenlaub; der ist schon lange da. Was neu heraufgehoben wird, das können im Grunde Felsenmassen sein; das hat
keine Bäume noch Erdmassen, Felsenmassen.
Die Kraniche sind schwer. Es können, Puppen sein, die von oben
heruntergelassen werden. Die Worte sind stark zu sprechen, etwas
verkrächzend; da könnte man etwas Musik dazu machen. Man
könnte es vielleicht singen. |
Zweite Leseprobe, Dornach, 23. August 1918
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Peneios ergießt, an dessen beiden Ufern früher die Szene war. Auf
den Klippen umhergelagert sind die Sirenen, die namentlich mit den
Kräften des Mondenlichtes arbeiten. Gerade aus dieser Szene geht
hervor, daß Goethe durchaus im Sinne hatte, daß die Sirenen eben in
der Mehrzahl dasjenige sind, was dann im Norden die Lorelei geworden ist; in der Einzahl die Lorelei, die Sirenen in der Mehrzahl. Und
sie arbeiten als Zauberwesen mit den Strahlen des Mondenlichtes. In
der Szene hier, wo sie besonders wirksam arbeiten sollen, steht der
Mond mitten am Himmel, im Zenit. Zu denken ist er natürlich eigentlich zwischen den übrigen Sternen. Die Sirenen haben außer dem, was
sie sonst sind, zu ihrer Hauptbeschäftigung dieses: daß sie die
Schiffer betören. Die Schiffer werden betört durch die Sirenen;
dadurch gehen die Schiffe unter und verlieren ihre Beute, ihren Inhalt. Dasjenige, was da die Schiffe als Beute, als Inhalt verlieren, das
wird auf diese Weise gewissermaßen zugeschanzt den Nereiden und
Tritonen und anderen Meerwesen. Also diese Nereiden und Tritonen
und andere Meerwesen leben eigentlich von der Gunst der Sirenen.
Die Sirenen betören die Schiffer; die Schiffe gehen unter, verlieren
ihr Strandgut, und das sammeln dann die Nereiden und Tritonen.
Die Nereiden sind die Töchter des Nereus, und Nereus ist eine Art
Wassergottheit, eine Art ahrimanisches, wenigstens ahrimanisch gefärbtes, göttliches Wesen, welches in alten Erdenzeiten eine andere
Rolle hatte als in der Zeit, von der hier die Rede ist. In alten Erdenzeiten waren solche Wesen wie Nereus, Proteus und so weiter Wesen,
welche den dazumal noch andersgearteten Elementen vorstanden.
Also: das Wasser in Urzeiten hatte andere Kräfte als das abstrakte
Wasser, das heute das Meer erfüllt. Dadurch aber sind im Kosmos,
in der kosmischen Entwickelung solche Geister, die früher dem mehr
lebendigen Wasser vorgestanden haben, in Pension versetzt und
haben andere Aufgaben in der Welt, in der kosmischen Evolution,
sind - pensioniert. Aber sie haben dann ihre neuen Aufgaben. Sie
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:277 Seite:531
hatten ihre richtigen Aufgaben in uralten Zeiten, als die Menschen
nicht so waren, wie sie heute sind, als die Menschen noch auf einer
geistigeren, das heißt, mehr ihrer Mondenstufe näheren Art standen.
Nun, da sehen wir namentlich zuerst die Sirenen, auf Klippen umhergelagert, dasjenige betonen, was eben ihre Aufgabe ist.
SIRENEN Haben sonst bei nächtigem Grauen
(auf den Klippen Dich thessalische Zauberfrauen
umher gelagert Frevelhaft herabgezogen,
flötend und singend): ^,. , , . , ^
Blicke ruhig von dem Bogen
Deiner Nacht auf Zitterwogen
Mildeblitzend Glanzgewimmel
Und erleuchte das Getümmel,
Das sich aus den Wogen hebt.
Das ist alles an den Mond gerichtet.
Dir zu jedem Dienst erbötig,
Schöne Luna, sei uns gnädig!
Also, das ist der Sirenengesang, den sie hier mehr für sich, man
möchte sagen, wiederholend, sirenenhaft-meditierend, erwähnen; ihre
eigentliche Aufgabe ist aber, die Schiffer zu betören.
Die Töchter des Nereus und der Doris - die Doriden - sind die
Schwestern der Nereiden. Die Doriden sind mehr der Doris ähnlich
gestaltet, die Nereiden mehr dem Vater - Nereus. Aber sie sind
Geschwister. Die Nereiden sind frauenhafte, dämonische Wesen, die
sich ausstatten mit dem Strandgut, das die Sirenen erbeuten. Und die
Tritonen sind fischähnliche Wesen, auf welchen die Nereiden reiten
können, also sich mehr vorwärts bewegen können. Diese zusammen
nun, Nereiden und Tritonen, antworten gewissermaßen auf den
Sirenengesang:
NEREIDEN UND Tönet laut in schärfern Tönen,
TRITONEN Die das breite Meer durchdröhnen,
(als Meerwunder): Volk der Tiefe ruft fortan! -
Vor des Sturmes grausen Schlünden
Wichen wir zu stillsten Gründen,
Holder Sang zieht uns heran.
Der Gesang der Sirenen zieht sie heran.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 532
Seht! wie wir im Hochentzücken
Uns mit goldnen Ketten schmücken;
Auch zu Krön' und Edelsteinen
Spang' und Gürtelschmuck vereinen.
Alles das ist eure Frucht.
Schätze, scheiternd hier verschlungen,
Habt ihr uns herangesungen,
Ihr Dämonen unsrer Bucht.
Die Sirenen, die das hören, antworten darauf:
SIRENEN: Wissen's wohl, in Meeresfrische
Glatt behagen sich die Fische,
Schwanken Lebens ohne Leid;
Doch! ihr festlich regen Scharen,
Heute möchten wir erfahren,
Daß ihr mehr als Fische seid.
Also die Tritonen sollen mehr als Fische sein; sie sind doch zugleich
zurückgebliebene Wesen aus früheren Zeiten, also alles ahrimanisch
angehauchte Gestalten. Und sie sind diejenigen, die dadurch beweisen können, daß sie mehr als Fische sind, daß sie die Kabiren herholen.
Das sind Götter und Göttinnen von Samothrake, die unter anderem
auch die Aufgabe haben, die Fischer und die SchifTe, wenn sie in Gefahr sind, auf dem Meere zu beschützen. Wir werden noch von ihnen
sprechen, denn sie treten ja auf. Die Kabiren haben wesentlich auch
tiefere Aufgaben.
NEREIDEN UND Ehe wir hieher gekommen,
TRITONEN : Haben wir's zu Sinn genommen,
Schwestern, Brüder, jetzt geschwind!
Heut* bedarf's der kleinsten Reise,
Zum vollgültigsten Beweise,
Daß wir mehr als Fische sind.
Entfernen sich.
Nun entfernen sie sich, um ihre Mission auszuführen bezüglich der
Kabiren. Die Sirenen bleiben zurück. Die Sirenen hocken überhaupt
jetzt weiter da während der ganzen Szene.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:277 Seite:533
SIRENEN: Fort sind sie im Nu!
Nach Samothrake gradezu,
Verschwunden mit günstigem Wind.
Was denken sie zu vollführen
Im Reiche der hohen Kabiren ?
Sind Götter! wundersam eigen,
Die sich immerfort selbst erzeugen,
Und niemals wissen, was sie sind.
Also das sagen die Sirenen von den Kabiren. Es ist vielleicht so am
leichtesten nahezukommen der Gesamtverfassung dieser Kabiren,
wenn Sie an die Stelle in der Bibel denken, wo von den Elohim die
Rede ist, die eigentlich erst, nachdem sie ihr Tagewerk geschaffen
haben, sehen, daß es gut war, oder eigentlich, wie es dort steht, daß
es schön war. Es ist natürlich für Menschen etwas schwer zu verstehen, weil Götter - die Kabiren - gerade, um die es sich hier handelt,
nicht ein solches Bewußtsein haben wie Menschen oder wie gewisse
spätere Götter. Die Kabiren sind Götter ersten Entstehens, und sie
gehen auf in diesem Entstehen. Daher sind sie von einer viel zu großen Lebendigkeit, als daß sie ein voll ausgebildetes Bewußtsein haben.
Sie gehören auch zusammen in dieser Beziehung. Es sind in Samothrake vier solcher Kabirengötter. Eigentlich sind es wohl acht;
aber für Samothrake selbst kommen nur die vier in Betracht. Und
nun natürlich kann man sagen: «Wundersam eigen, die sich immerfort selbst erzeugen, und niemals wissen, was sie sind.» Das kann
man von den dreien, von den drei Hauptgöttern, welche die Erzeugungsgötter sind, schon sagen: von Axieros Axiokersos und Axiokersa. Von denen kann man schon sagen, daß sie nicht wissen, was
sie sind. Aber so wenig diese drei zusammen wissen, was sie sind, so
gut weiß der vierte für die drei. Also, wenn Sie sich denken: der
Mensch bestehe aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich,
und das Ich vollführt das Bewußtsein, so müssen Sie sich denken:
diese Kabiren sind vier. Während beim Menschen diese vier Glieder
zusammenhalten, sind aber diese Kabiren vier getrennte Wesen. Und
Axieros ist physischer Leib, Axiokersos ist Ätherleib, Axiokersa ist
Astralleib; die haben also kein Bewußtsein. Dagegen Kadmilos, der
dem Ich entsprechende, der denkt für alle drei. Also das ist das Eigencopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 7 7 Seite: 5 3 4
tümliche dieser Götter, daß der vierte eigentlich ihr Bewußtsein
zugleich ist.
Wenn Sie den Zyklus nehmen, wo ich von den Elohim gesprochen
habe, ist es auch so ähnlich, daß eigentlich der siebente für die sechs
denkt.
Nun, nachdem die Sirenen auf dieses Geheimnis der Kabiren hingewiesen haben, wenden sie sich wiederum zu ihrer eigentlichen
göttlichen Kraft, zum Mond:
SIRENEN : Bleibe auf deinen Höhn,
Holde Lima, gnädig stehn;
Daß es nächtig verbleibe,
Uns der Tag nicht vertreibe!
Also, sie sind Nachtgötter! Das ist ja klar.
Nun kommt am Ufer der Bucht Thaies, links, zu Homunkulus gewendet.
THALES Ich führte dich zum alten Nereus gern;
(am Ufer zu Zwar sind wir nicht von seiner Höhle fern,
Homunkulus): Doc h ha t e r dne n harte n Kopf j
Der widerwärtige Sauertopf,
Das ganze menschliche Geschlecht
Macht's ihm, dem Griesgram, nimmer recht.
Er liebt nämlich die Menschen nicht - Nereus. Nereus hat früher, als
die Menschen den Göttern noch näherstanden, wenn auch atavistisch
geistiger, die Menschen lieber gehabt; aber seit die Menschen zweibeinig geworden sind und diese wenig denkerische und wenig spirituelle Form angenommen haben, die sie jetzt haben, da haben sie
sich die Liebe des Nereus mehr oder weniger verscherzt; da stehen
sie ihm und seinem alten Wasserelement ferner. Daher Hebt et sie
nicht.
Doch ist die Zukunft ihm entdeckt,
Dafür hat jedermann Respekt
Und ehret ihn auf seinem Posten;
Auch hat er manchem wohlgetan.
Nun, nicht wahr, der Thaies, der übersetzt alles ins PhiliströsBourgeoishafte. Aber der Homunkulus, der möchte doch entstehen,
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 53 5
er möchte Körper haben zu seinem Elemente. Daher will er sich einlassen darauf.
HOMUNKULUS: Probieren wir's und klopfen an!
Nicht gleich wird's Glas und Flamme kosten.
Nereus tritt auf aus seiner Höhle, als ein etwas ahrimanisch angehauchter Geist; rechts.
NEREUS: Sind's Menschenstimmen, die-mein Ohr vernimmt?
Wie es mir gleich im tiefsten Herzen grimmt!
Also so, wie die Menschen Bauchgrimmen kriegen, wenn sie etwas
nicht richtig Entsprechendes gehabt haben, so grimmt es bei ihm im
Herzen, wenn er von Menschen auch nur hört, weil die ihm zuwider
sind.
Gebilde, strebsam Götter zu erreichen,
Und doch verdammt, sich immer selbst zu gleichen.
Seit alten Jahren könnt' ich göttlich ruhn,
Doch trieb mich's an, den Besten wohlzutun;
Und schaut' ich dann zuletzt vollbrachte Taten,
So war es ganz, als hätt' ich nicht geraten.
Nereus ist sehr unzufrieden.
THALES : Und doch, o Greis des Meers, vertraut man dir;
Du bist der Weise, treib' uns nicht von hier!
Schau diese Flamme, menschenähnlich zwar,
Sie deinem Rat ergibt sich ganz und gar.
NEREUS: Was Rat! Hat Rat bei Menschen je gegolten?
Ein gutes Wort erstarrt im harten Ohr.
So oft auch Tat sich grimmig selbst gescholten,
Bleibt doch das Volk selbstwillig wie zuvor.
Wie hab' ich Paris väterlich gewarnt,
Eh' sein Gelüst ein fremdes Weib umgarnt.
Am griechischen Ufer stand er kühnlich da,
Ihm kündet' ich, was ich im Geiste sah:
Die Lüfte qualmend, überströmend Rot,
Gebälke glühend, unten Mord und Tod:
Trojas Gerichtstag, rhythmisch festgebannt,
Jahrtausenden so schrecklich als gekannt.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 536
Des Alten Wort dem Frechen schien's ein Spiel,
Er folgte seiner Lust, und Iüos fiel -
Ein Riesenleichnam, starr nach langer Qual,
Des Pindus Adlern gar willkommnes Mahl.
Ulyssen auch! sagt' ich ihm nicht voraus
Der Circe Listen, des Zyklopen Graus?
Das Zaudern sein, der Seinen leichten Sinn,
Und was nicht alles! bracht' ihm das Gewinn?
Bis vielgeschaukelt ihn, doch spät genug,
Der Woge Gunst an gastlich Ufer trug.
THALES: Dem weisen Mann gibt solch Betragen Qual;
Der gute doch versucht es noch einmal.
Ein Quentchen Danks wird, hoch ihn zu vergnügen,
Die Zentner Undanks völlig überwiegen.
Denn nichts Geringes haben wir zu flehn:
Der Knabe da wünscht weislich zu entstehn.
Man muß nur achtgeben, daß der Thaies nicht aus der Rolle fällt. Er
ist ja ein richtiger Philister, nicht wahr, gegenüber dem Nereus, der
ein großartiger Kerl eigentlich ist, wenn er auch etwas ahrimanisch
angehaucht ist.
NEREUS : Verderbt mir nicht den seltensten Humor!
Ganz andres steht mir heute noch bevor;
Die Töchter hab' ich alle herbeschieden,
Die Grazien des Meeres, die Doriden.
Nicht der Olymp, nicht euer Boden trägt
Ein schön Gebild, das sich so zierlich regt.
Sie werfen sich, anmutigster Gebärde,
Vom Wasserdrachen auf Neptunus' Pferde,
Dem Element aufs zarteste vereint,
Daß selbst der Schaum sie noch zu heben scheint.
Im Farbenspiel von Venus Muschelwagen
Kommt Galatee, die Schönste nun, getragen,
Die, seit sich Kypris von uns abgekehrt,
In Paphos wird als Göttin selbst verehrt.
Also Galatee ist die schönste von seinen Töchtern, die schönste der
Doriden. Von ihr wird später gesagt, daß sie besonders der Mutter
ähnlich sah.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 7 7 Seite: 5 3 7
Also Kypris hat sich abgekehrt, die andere Meeresgöttin, und sie,
Galatee, wird als Göttin verehrt, ist also eine Art Meer-Aphrodite.
Und so besitzt die Holde lange schon
Als Erbin Tempelstadt und Wagenthron.
Hinweg! Es ziemt in Vaterfreudenstunde
Nicht Haß dem Herzen, Scheltwort nicht dem Munde.
Hinweg zu Proteus! Fragt den Wundermann:
Wie man entstehn und sich verwandeln kann.
Entfernt sich gegen das Meer.
Nereus geht weiter gegen das Meer hinaus, weil er nun die Ankunft
der Galatee erwartet.
THALES : Wir haben nichts durch diesen Schritt gewonnen,
Trifft man auch Proteus, gleich ist er zerronnen,
Und steht er euch, so sagt er nur zuletzt,
Was staunen macht und in Verwirrung setzt.
Du bist einmal bedürftig solchen Rats,
Versuchen wir's und wandeln unsres Pfads!
Entfernen sich.
Die Sirenen oben auf den Felsen sind geblieben, und sie künden an,
wie von weitem die Nereiden und Tritonen mit den Kabiren herankommen.
SIRENEN Was sehen wir von Weiten
(oben auf den Felsen): Das Wellenreich durchgleiten ?
Als wie nach Windes Regel
Anzögen weiße Segel,
Also: als wenn nach der Regel des Windes weiße Segel herankommen!
Wir sehen es so, es schaut so aus, wie wenn nach der Regel des Windes
weiße Segel heranzögen.
So hell sind sie zu schauen,
Verklärte Meeresfrauen.
So hell sind diese Nereiden und Tritonen zu schauen.
Laßt uns herunterklimmen,
Vernehmt ihr doch die Stimmen.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 538
Nereiden und Tritonen kommen an.
NEREIDEN UND Was wir auf Händen tragen,
TRITONEN: Soll allen euch behagen.
Chelonens Riesenschilde
Entglänzt ein streng Gebilde:
Sind Götter, die wir bringen;
Müßt hohe Lieder singen.
Also sie bringen auf einem großen Schilde diese Götter, die aber
ausschauen wie Töpfe. Sie sehen möglichst primitiv aus, diese Götter,
die Kabiren. Man kann einfache, aber griechische, noch sehr aus der
griechischen Urzeit herrührende primitive Töpfe formen, und das
würden die Kabiren sein. Das ist die Gestalt dieser hohen Götter.
Sie sind sehr klein, breit und putzig. Sie sind sehr hohe Götter, aber
sie zeichnen sich durch ihre Zwerggestalt aus, sind eigentlich Götterzwerge, aber sehr mächtig, ganz mächtig. Daher, weil sie Entstehungsgötter sind, braucht man sie auch: der Homunkulus möchte
entstehen. Daher braucht man sie. Natürlich konnte Goethe sich nicht
etwa berufen auf die Naturwissenschafter, welche die Entstehung,
nicht wahr, durch den Meeresschleim und so weiter annehmen, sondern er berief sich auf die Kabiren, auf die das Leben aus dem Elemente hervorrufenden Kabiren. Aber sie haben noch eine einfache
Gestalt. Sie sind also hohe Götter, wichtige Götter, aber sie sind
zwerghafte Götter.
SIRENEN : Klein von Gestalt,
Groß von Gewalt,
Der Scheiternden Retter,
Uralt verehrte Götter.
«Der Scheiternden Retter», weil sie den Schiffern helfen, die das Meer
durchfurchen, durchqueren müssen. Das ist insbesondere wichtig,
nicht wahr. Den Schiffern sind sie durch ihre Eigenschaft wichtig,
die Kabiren; durch ihre ganze Funktion im Weltenall sind sie eigentlich furchtlose Götter, das, was man couragierte Götter nennen
kann. Nicht wahr, furchtsam wird man durch den Verstand, dadurch,
daß einen der Verstand fortwährend auf Gefahren aufmerksam macht,
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:277 Seite:539
daß er einen immerfort nachdenkerisch macht und so weiter. Wenn
man nicht durch den Verstand beirrt würde, würde man nicht furchtsam sein. Diese Kabiren, mit Ausnahme des vierten, des Kadmilos,
nicht wahr, der ihr Bewußtsein darstellt, namentlich die drei, sind
furchtlose Götter. Dadurch können sie auch die Beschützer der Schiffer sein.
NEREIDEN UND Wir bringen die Kabiren,
TRITONEN: Ein friedlich Fest zu führen;
Denn wo sie heilig walten,
Neptun wird freundlich schalten.
SIRENEN: Wir stehen euch nach;
Wenn ein Schiff zerbrach,
Unwiderstehbar an Kraft
Schützt ihr die Mannschaft.
NEREIDEN UND Drei haben wir mitgenommen,
TRITONEN: Der vierte wollte nicht kommen;
Er sagte, er sei der Rechte,
Der für sie alle dächte.
Also der mit dem Bewußtsein wollte nicht kommen; sie haben nur die
drei Unbewußten mitgebracht.
Die Sirenen betrachten diese ganze Anordnung ein wenig vom
Standpunkte des kosmischen Humors aus.
SIRENEN: Ein Gott den andern Gott
Macht wohl zu Spott.
Ehrt ihr alle Gnaden,
Fürchtet jeden Schaden.
Die Götter arbeiten natürlich einander entgegen: ein Gott macht wohl
den anderen zum Spott.
NEREIDEN UND
TRITONEN: Sind eigentlich ihrer sieben.
Im ganzen sind es eigentlich acht. Aber die acht, respektive sieben,
die haben nur die Ägypter gekannt.
SIRENEN: Wo sind die drei geblieben?
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 540
NEREIDEN UND Wir wüßten's nicht zu sagen,
TRITONEN: Sind im Olymp zu erfragen;
Dort wes't auch wohl der achte,
An den noch niemand dachte!
In Gnaden uns gewärtig,
Doch alle noch nicht fertig.
Diese Unvergleichlichen
Wollen immer weiter,
Sehnsuchtsvolle Hungerleider
Nach dem Unerreichlichen.
Dieses «Hungerleider» hat keinen bösen Beigeschmack. Sie sind begierig nach der größten Vollkommenheit. Also sie haben die denkbar größte Begierde des Werdens, des Entstehens in sich; sind Hungerleider nach dem Unerreichlichen.
SIRENEN: Wir sind gewohnt:
Wo es auch thront,
In Sonn' und Mond
Hinzubeten; es lohnt. .
Also die Sirenen wollen alles tun, was die Tritonen wollen.
NEREIDEN UND Wie unser Ruhm zum Höchsten prangt,
TRITONEN: Dieses Fest anzuführen!
SIRENEN: Die Helden des Altertums
Ermangeln des Ruhms,
Wo und wie er auch prangt,
Wenn sie das Goldne Vlies erlangt,
Ihr die Kabiren.
Das Goldne Vlies, nicht wahr, das ist also die Anschauung des
Astralischen. Das singen zunächst die Sirenen. Und dann antworten
Sirenen und Nereiden zusammen, und jeder sagt:
Wiederholt als Allgesang.
Wenn sie das Goldne Vlies erlangt,
Wir! \ ,. „ , .
, > die Kabiren,
Ihrl! j .
Nereiden und Tritonen ziehen vorüber.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 541
Nun ziehen die vorüber, Homunkulus schaut sie sich an:
HOMUNKULUS: Die Ungestalten seh' ich an
Als irden-schlechte Töpfe,
Nun stoßen sich die Weisen dran
Und brechen harte Köpfe.
Das sind die Gelehrten, nicht wahr, die nachdenken über diese Sache;
sie bringen nichts heraus; denn dasjenige, was die äußere Wissenschaft über die Kabiren erforscht hat, das war zu Goethes Zeiten
zwar noch nicht so dumm als heute, aber es war schon auch gehörig
töricht.
THALES: Das ist es ja, was man begehrt:
Der Rost macht erst die Münze wert.
Der könnte nun wirklich ein Universitätsprofessor und Theosoph
sein, nicht wahr, der Thaies! Es ist ganz klar, daß er der Anschauung ist, der Rost erst mache die Münze wert! Also das Altertum zu erforschen, das macht erst dasjenige wert, was da geistig verehrt worden ist in alten Zeiten.
Den Proteus bemerkt man noch nicht ganz; man hört ihn erst
sprechen; aber er hat alles das gehört.
PROTEUS So etwas freut mich alten Fabler!
(unbemerkt): Je wunderlicher, desto respektabler.
THALES : Wo bist du, Proteus ?
PROTEUS (bauchrednerisch, bald nah, bald fern):
Hier! und hier!
Da muß also jemand weiter weg stehen und jemand näher; und der
eine sagt: Hier! - und der andere dort sagt: Hier! - Es tönt weit
weg das eine Mal; er kann von zwei Orten sprechen.
THALES: Den alten Scherz verzeih* ich dir;
Doch, einem Freund nicht eitle Worte!
Ich weiß, du sprichst vom falschen Orte.
PROTEUS (als aus der Ferne):
Leb' wohl!
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite:542
THALES Er ist ganz nah. Nun leuchte frisch!
(leise zu Er ist neugierig wie ein Fisch;
Homunkulus): Un d WQ e r auc h gesta l t e t
stockt,
Durch Flammen wird er hergelockt.
HOMUNKULUS: Ergieß' ich gleich des Lichtes Menge,
Bescheiden doch, daß ich das Glas nicht sprenge.
PROTEUS (in Gestalt einer Riesenschildkröte):
Was leuchtet so anmutig schön?
Proteus in Gestalt einer Riesenschildkröte: Ja, da muß er eben ein
großes Dach haben, wodurch er die Gestalt einer Riesenschildkröte
annimmt. Der Thaies deutet an, wo er ist. Das ganze Dach muß er
nachher hinunterfallen lassen, und er ist dann erst der Proteus. Also:
zunächst Proteus in Gestalt einer Riesenschildkröte!
Was leuchtet so anmutig schön?
THALES Gut! Wenn du Lust hast, kannst du's näher sehn,
(den Homunkulus Die kleine Mühe lass' dich nicht verdrießen
verhüllend): Un d 2eig e dk h au f menschHch beiden Füßen.
Mit unsern Gunsten sei's, mit unserm Willen
Wer schauen will, was wir verhüllen.
Nun läßt er - Proteus - die Schildkrötengestalt fallen und erscheint
eigentlich als ein sehr schöner Mann.
PROTEUS (edel gestaltet):
Weltweise Kniffe sind dir noch bewußt.
THALES : Gestalt zu wechseln bleibt noch deine Lust.
Hat den Homunkulus enthüllt.
Er enthüllt jetzt den Homunkulus. Proteus ist links.
PROTEUS (erstaunt):
Ein leutend Zwerglein! Niemals noch gesehn!
Thales rechts.
THALES : Es fragt um Rat und möchte gern entstehn.
Er ist, wie ich von ihm vernommen,
Gar wundersam nur halb zur Welt gekommen.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:277 Seite:543
Ihm fehlt es nicht an geistigen Eigenschaften,
Doch gar zu sehr am greif lich Tüchtighaften.
Bis jetzt gibt ihm das Glas allein Gewicht,
Doch war' er gern zunächst verkörperlicht.
PROTEUS: Du bist ein wahrer Jungfernsohn,
Eh' du sein solltest, bist du schon!
THALES Auch scheint es mir von andrer Seite kritisch,
(leise): Er ist, mich dünkt, hermaphroditisch.
PROTEUS: Da muß es desto eher glücken;
So wie er anlangt, wird sich's schicken.
Doch gilt es hier nicht viel Besinnen,
Im weiten Meere mußt du anbeginnen!
Da fängt man erst im Kleinen an
Und freut sich, Kleinste zu verschlingen,
Man wächst so nach und nach heran
Und bildet sich zu höherem Vollbringen.
Also er meint: er kann ruhig hermaphroditisch sein, solange er ein
Geist ist. Wenn er unter den Menschen anlangt, so wird es schon sich
differenzieren.
HOMUNKULUS : Hier weht gar eine weiche Luft,
Es grunelt so, und mir behagt der Duft!
PROTEUS: Das glaub' ich, allerliebster Junge!
Und weiterhin wird's viel behaglicher,
Auf dieser schmalen Strandeszunge
Der Dunstkreis noch unsäglicher;
Da vorne sehen wir den Zug,
Der eben herschwebt, nah genug.
Kommt mit dahin!
THALES : Ich gehe mit.
HOMUNKULUS: Dreifach merkwürd'ger Geisterschritt!
Da gehen sie also dem Zug entgegen, dem Zug der Teichinen. Die
Teichinen sind auch solch ahrimanische Wesen; sie sind die Helfer der
ersten Denkmalskünste. Die Teichinen sind eigentlich diejenigen geistigen Wesenheiten, die die Formen der Menschen und der anderen
CAA
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 5 44
Wesen bedingen - nicht das Leben, sondern die Formen. Dieser
ganze Chor stürmt eigentlich jetzt heran. Die Teichinen von Rhodus
sind also solche Erzzauberer, Erzgeister, die eben Formen gaben.
Sie reiten auf Hippokampen daher als Meerdrachen; Hippokampen,
das sind also halb Fische und halb Pferde. Den Dreizack Neptunens
haben sie als Waffe. Nun kommen sie also an.
TELCHINEN VON Wir haben den Dreizack Neptunens geschmiedet,
RHODUS Womit er die regesten Wellen begütet.
(auf Hippokampen Entfaltet der Donn'rer die Wolken, die vollen,
und Meerdrachen, Entgegnet Neptunus dem greulichen Rollen;
Neptunens Dreizack TT j • i t_ i • i i- ^ ..
h dh b dV
wl e auc ^
vo n
°^en es Zäckig erblitzt,
Wird Woge nach Woge von unten gespritzt;
Und was auch dazwischen in Ängsten gerungen,
Wird, lange geschleudert, vom Tiefsten verschlungen;
Weshalb er uns heute den Zepter gereicht, -
Nun schweben wir festlich, beruhigt und leicht.
Sie bringen nun das Sonnenhafte mit. - Nicht wahr, Sie müssen sich
vorstellen, daß Goethe sehr mit der Natur gelebt hat, das heißt mit
dem Geiste der Natur. Dasjenige, was sich also bis jetzt abgespielt
hat an der Bucht des Ägäischen Meeres in der vorhergehenden
Szene - hier ist ja ein Szenenwechsel, bevor die Telchinen kommen -,
was sich vorher abgespielt hat, dauert so von Mitternacht bis zum
Morgen. Also es ist jetzt, man könnte sagen Morgenrötestimmung,
die da herankommt. Der Mond ist noch da, und alle Sterne sind noch
da. Aber es ist jetzt Morgenrötestimmung.
Also diese Entstehung, die der Homunkulus sucht, der Morgenrötestimmung zuschreibend: das ist eigentlich Goethes Absicht.
SIRENEN: Euch, dem Helios Geweihten,
Heiteren Tags Gebenedeiten,
Gruß zur Stunde, die bewegt
Lunas Hochverehrung regt!
Also der Mond neigt sich schon zum Untergange; die Sonne ist noch
nicht aufgegangen; aber sie wird schon von den Sirenen gefeiert.
TELCHINEN: Allieblichste Göttin am Bogen da droben!
Du hörst mit Entzücken den Bruder beloben.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Vei waltung Buch: 2 7 7 Seite: 5 45
Also das sagen sie zu dem Mond, daß er den Sonnenbruder hört
mit Entzücken loben.
Der seligen Rhodus verleihst du ein Ohr,
Dort steigt ihm ein ewiger Päan hervor.
Beginnt er den Tagslauf, und ist es getan,
Er blickt uns mit feurigem Strahlenblick an.
Die Berge, die Städte, die Ufer, die Welle
Gefallen dem Gotte, sind lieblich und helle.
Kein Nebel umschwebt uns, und schleicht er sich ein,
Ein Strahl und ein Lüftchen, die Insel ist rein!
Da schaut sich der Hohe in hundert Gebilden,
Als Jüngling, als Riesen, den großen, den milden.
Wir ersten, wir waren's, die Göttergewalt
Aufstellten in würdiger Menschengestalt.
Also die Teichinen sind diejenigen, welche die Formen gegeben haben.
Die Göttergewalt haben sie aufgestellt in lieblichster Menschengestalt.
Der Proteus will doch auf seine Aufgabe etwas eingehen:
PROTEUS : Laß du sie singen, laß sie prahlen!
Der Sonne heiligen Lebestrahlen
Sind tote Werke nur ein Spaß.
Das bildet, schmelzend, unverdrossen;
Und haben sie's in Erz gegossen,
Dann denken sie, es wäre was.
Was ist's zuletzt mit diesen Stolzen?
Die Götterbilder standen groß -
Zerstörte sie ein Erdestoß;
Längst sind sie wieder eingeschmolzen.
Das Erdetreiben, wie's auch sei,
Ist immer doch nur Plackerei;
Dem Leben frommt die Welle besser;
Dich trägt ins ewige Gewässer
Proteus-Delphin.
Er verwandelt sich.
Schon ist's getan!
Also: die Sonne leidet nicht die bloßen Formen; die Sonne will den
Formen Leben, also das Ätherische, den Ätherleib hinzugeben.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 546
Und nun verwandelt sich der Proteus wiederum; er nimmt eine
Fischgestalt an:
Schon ist's getan!
Da soll es dir zum schönsten glücken:
Ich nehme dich auf meinen Rücken,
Vermähle dich dem Ozean.
Der Homunkulus soll also im Wasser das Entstehen beginnen; er
soll sich mit dem Elemente des Wassers vereinigen. Proteus nimmt
ihn auf seinen Rücken und will, daß der Homunkulus sich eigentlich
mit dem Wasserelemente vereinigt, um allmählich Mensch zu werden.
THALES : Gib nach dem löblichen Verlangen,
Von vorn die Schöpfung anzufangen!
Zu raschem Wirken sei bereit!
Da regst du dich nach ewigen Normen,
Durch tausend, abertausend Formen,
Und bis zum Menschen hast du Zeit.
Homunkulus steigt hinauf auf den Proteus-Delphin.
Homunkulus besteigt den Proteus-Delphin.
PROTEUS : Komm geistig mit in feuchte Weite,
Da lebst du gleich in Läng' und Breite,
Beliebig regest du dich hier;
Nur strebe nicht nach höhern Orten:
Denn bist du erst ein Mensch geworden,
Dann ist es völlig aus mit dir.
Das habe ich ja nun schon öfter gesagt, daß es nicht «Orden» heißt,
sondern «Orten», denn Homunkulus ist noch nicht so ein Mensch,
der nach Orden strebt! Es ist nur von Goethe in frankfurterischem
Deutsch diktiert worden, und der Schreiber hat ein «weiches d»
geschrieben.
Thaies ist nicht damit einverstanden. Nicht wahr, er will wie der
richtige Bourgeois-Philister immer weiter, weiter streben.
THALES : Nachdem es kommt; 's ist auch wohl fein,
Ein wackrer Mann zu seiner Zeit zu sein.
PROTEUS So einer wohl von deinem Schlag!
(zu Thales): Das hält noch eine Weile nach;
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 5 4 7
Denn unter bleichen Geisterscharen
Seh' ich dich schon seit vielen hundert Jahren.
Nun, der Proteus durchschaut ihn schon!
SIRENEN Welch ein Ring von Wölkchen rundet
(auf den Felsen): Um den Mond so reichen Kreis ?
Tauben sind es, liebentzündet,
Fittiche, wie Licht so weiß.
Paphos hat sie hergesendet,
Ihre brünstige Vogelschar;
Unser Fest, es ist vollendet,
Heitre Wonne voll und klar!
Also die ganze Erscheinung des Mondes, wie die Wolken sich um ihn
gruppieren: daß in diesem Elemente geistige Wesenheiten sind, das
wird hier besonders betont. Goethe hat auf diese Stelle einen ganz
besonderen Wert gelegt, weil er durch solche Dinge darauf hindeuten
wollte, daß er nicht bloß eine Lufterscheinung sieht, sondern in der
Lufterscheinung zugleich die Offenbarung eines tieferen Geistigen.
Nereus bespricht noch einmal das, was die Sirenen schon besprochen
haben:
NEREUS Nennte wohl ein nächtiger Wandrer
(zu Thaies tretend): Diesen Mondhof Lufterscheinung;
Doch wir Geister sind ganz andrer
Und der einzig richtigen Meinung:
Tauben sind es, die begleiten
Meiner Tochter Muschelfahrt,
Wunderflugs besondrer Art,
Angelernt vor alten Zeiten.
Also er verwahrt sich dagegen, daß man darin bloß eine Lufterscheinung sieht, also nicht bloß äußere Lufterscheinung, sondern
Tauben, geistige Lufterscheinungen. - Eine Taube ist ja auch erschienen bei der Taufe des Christus. - Also Tauben, die den Mond umfliegen, und die zuerst bei seiner Tochter Muschelfahrt erschienen
sind.
THALES: Auch ich halte das fürs Beste,
Was dem wackern Mann gefällt,
CAO
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 5 48
Wenn im stillen, warmen Neste
Sich ein Heiliges lebend hält.
Nun kommen Psyllen und Marsen. Das sind eigentlich - beide Arten,
sowohl Psyllen wie Marsen -, man könnte sagen, diejenigen geistigen
Wesenheiten, welche die Schlangen beseelen und mit den Schlangen
verwandt sind. Sie tragen her die anderen, das heißt, sie kommen
auf Meerstieren und Meerkälbern und -widdern. Wieder sind sie diejenigen, die heranbringen mit der Morgenröte zu gleicher Zeit die
Doriden und die schönste der Doriden, die Aphrodite des Meeres:
Galatee. Dadurch also wird die ganze Kraft des Meeres herangetragen.
Homunkulus, der vom Delphin in das Meer getragen ist, ausfließt
in das Meer, er wird dadurch zum Menschen. Und der Mensch, der
aus dem Meere ausfließt, das ist ja die Helena nachher.
PSYLLEN UND In Cyperns rauhen Höhlegrüften,
MARSEN Vom Meergott nicht verschüttet,
(auf Meer stieren, Vom Seismos nicht zerrüttet,
Meerkälbern und Umweh t
von ewigen Lüften,
-widdern): ,, , • • j »u ^ TUnd, wie in den ältesten Tagen,
In stillbewußtem Behagen
Bewahren wir Cypriens Wagen,
Und führen beim Säuseln der Nächte,
Durch liebliches Wellengeflechte,
Unsichtbar dem neuen Geschlechte,
Die lieblichste Tochter heran.
Also diese, die da die Galatee heranbringen, herrschen auf Cypern.
In Cypern war schon alles mögliche; nicht wahr. Cypern ist ein Land,
das von allem möglichen beherrscht war. Sie scheuen weder den
römischen Adler noch den geflügelten Leuen, die andere Herrschaft;
weder das christliche Kreuz noch den türkischen Halbmond. Alles
das hat ja Cypern beherrscht. Das fürchten sie alles nicht; sie fühlen
sich als die richtigen Herrscher von Cypern, denen die Insel eigentlich
gehört, und trotzdem da Christen und Türken und Heiden und Adler
und Leu und alles mögliche war, so üben sie hier ihre Herrschaft
aus.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite:549
Wir leise Geschäftigen scheuen
Weder Adler noch geflügelten Leuen,
Weder Kreuz noch Mond,
Wie es oben wohnt und thront,
Sich wechselnd wägt und regt,
Sich vertreibt und totschlägt,
Saaten und Städte niederlegt.
Wir, so fortan,
Bringen die lieblichste Herrin heran.
SIRENEN : Leicht bewegt, in mäßiger Eile,
Um den Wagen, Kreis um Kreis,
Bald verschlungen, Zeil' an Zeile,
Schlangenartig, reihenweis,
Naht euch, rüstige Nereiden,
Derbe Fraun, gefällig wild,
Bringet, zärtliche Doriden,
Galateen, der Mutter Bild:
Ernst, den Göttern gleich zu schauen,
Würdiger Unsterblichkeit,
Doch wie holde Menschenfrauen,
Lockender Anmutigkeit.
Also die Doriden sind schon Schwestern der Nereiden, aber sie, die
Doriden, geraten mehr der Mutter nach:
Bringet, zärtliche Doriden,
Galateen, der Mutter Bild.
Weil sie der Mutter so ähnlich ist, ist sie das Abbild der Mutter:
Ernst, den Göttern gleich zu schauen,
Würdiger Unsterblichkeit,
Doch wie holde Menschenfrauen,
Lockender Anmutigkeit.
DORIDEN Leih' uns, Luna, Licht und Schatten,
(im Chor an Nereus Klarheit diesem Jugendflor!
vorbeiziehend, sämtlich Den n w j r 2eigen liebe Gatten
ep inen;. Unserm Vater bittend vor.
Zu Nereus.
Knaben sind's, die wir gerettet
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 55 0
Also die haben Schiffbruch gelitten, und die haben sie gerettet.
DORIDEN: AUS der Brandung grimmem Zahn,
Sie, auf Schilf und Moos gebettet,
Aufgewärmt zum Licht heran;
Die es nun mit heißen Küssen
Treulich uns verdanken müssen;
Schau die Holden günstig an!
NEREUS: Hoch ist der Doppelgewinn zu schätzen:
Barmherzig sein, und sich zugleich ergötzen.
DORIDEN: Lobst du, Vater, unser Walten,
Gönnst uns wohlerworbne Lust,
Laß uns fest, unsterblich halten
Sie an ewiger Jugendbrust.
Also sie wollen sich nicht mehr trennen von den Jünglingen, die sie
gerettet haben.
NEREUS : Mögt euch des schönen Fanges freuen,
Den Jüngling bildet euch als Mann;
Allein, ich könnte nicht verleihen,
Was Zeus allein gewähren kann.
Also Nereus kann nicht ein Ewiges, Unsterbliches der Freundschaft
einhauchen; das könnte nur Zeus, welcher der Seele Ewigkeit gibt.
Zeus könnte auch der Freundschaft Unsterblichkeit geben. Aber die
Doriden haben nichts anderes zu geben als die Welle; das findet sich
und trennt sich, wie die Welle sich findet und trennt. Das will er hervorheben.
Die Welle, die euch wogt und schaukelt,
Läßt auch der Liebe nicht Bestand,
Und hat die Neigung ausgegaukelt,
So setzt gemächlich sie ans Land.
DORIDEN: Ihr, holde Knaben, seid uns wert;
Doch müssen wir traurig scheiden:
Wir haben ewige Treue begehrt,
Die Götter wollen's nicht leiden.
DIE JÜNGLINGE: Wenn ihr uns nur so ferner labt,
Uns wackre Schifferknaben;
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 551
Wir haben's nie so gut gehabt
Und wollen's nicht besser haben.
Nun nähert sich Galatee auf dem Muschelwagen.
NEREUS: Du bist es, mein Liebchen!
GALATEE: O Vater! das Glück!
Delphine, verweilet! mich fesselt der Blick.
NEREUS : Vorüber schon, sie ziehen vorüber
In kreisenden Schwunges Bewegung!
Was kümmert sie die innre, herzliche Regung!
Also sie ziehen vorüber.
Ach! nähmen sie mich mit hinüber!
Doch ein einziger Blick ergötzt,
Daß er das ganze Jahr ersetzt.
Er sieht ihr traurig nach.
THALES: Heil! Heil! aufs neue!
Wie ich mich blühend freue,
Vom Schönen, Wahren durchdrungen …
Alles ist aus dem Wasser entsprungen!!
Alles wird durch das Wasser erhalten!
Ozean, gönn' uns dein ewiges Walten!
Wenn du nicht Wolken sendetest,
Nicht reiche Bäche spendetest,
Hin und her nicht Flüsse wendetest,
Die Ströme nicht vollendetest,
Was wären Gebirge, was Ebnen und Welt?
Du bist's, der das frischeste Leben erhält.
Der Thaies entwickelt also hier seine philiströse Theorie. Alles war
so furchtbar schön, großartig; aber der abstrahiert, der sieht in allem
nur seine abstrakten Theorien.
Alles ist aus dem Wasser entsprungen!!
Er könnte ebensogut sagen: Habe ich's nicht schon lang gesagt?! -
Nun: alle, die da sind - das sind also alle die geistigen Wesenheiten,
die Doriden, die Nereiden und so weiter: alle, alle!
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 552
ECHO (Chorus der sämtlichen Kreise):
Du bist's, dem das frischeste Leben entquellt.
NEREUS : Sie kehren schwankend fern zurück,
Bringen nicht mehr Blick zu Blick;
In gedehnten Kettenkreisen,
Sich festgemäß zu erweisen,
Windet sich die unzählige Schar.
Also sie drehen sich im Kreise; sie kommen zurück.
Aber Galatea's Muschelthron
Seh* ich schon und aber schon,
Er glänzt wie ein Stern
Durch die Menge.
Geliebtes leuchtet durchs Gedränge!
Auch noch so fern
Schimmert's hell und klar,
Immer nah und wahr.
HOMUNKULUS : In dieser holden Feuchte,
Was ich auch hier beleuchte,
Ist alles reizend schön.
PROTEUS : In dieser Lebensfeuchte
Erglänzt erst deine Leuchte
Mit herrlichem Getön.
NEREUS : Welch neues Geheimnis in Mitte der Scharen
Will unseren Augen sich offenbaren?
Was flammt um die Muschel um Galatees Füße?
Bald lodert es mächtig, bald Heblich, bald süße,
Als war es von Pulsen der Liebe gerührt.
THALES : Homunkulus ist es, von Proteus verführt…
Es sind die Symptome des herrischen Sehnens,
Mir ahnet das Ächzen beängsteten Dröhnens;
Er wird sich zerschellen am glänzenden Thron;
Jetzt flammt es, nun blitzt es, ergießet sich schon.
Da langt er an. Es wird ihm ganz - er weiß nicht wie …
SIRENEN : Welch feuriges Wunder verklärt uns die Wellen,
Die gegeneinander sich funkelnd zerschellen?
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 7 7 Seite: 5 5 3
So leuchtet's und schwanket und hellet hinan:
Die Körper, sie glühen auf nächtlicher Bahn,
Und rings ist alles vom Feuer umronnen;
So herrsche denn Eros, der alles begonnen!
Heil dem Meere, heil den Wogen!
Von dem heiligen Feuer umzogen;
Heil dem Wasser, heil dem Feuer!
Heil dem seltnen Abenteuer!
Jetzt! All-alle, die verschiedenen Geister:
ALL-ALLE: Heil den mildgewognen Lüften!
Heil geheimnisreichen Grüften!
Hochgefeiert seid allhier,
Element* ihr alle vier!
Da zerschellt der Muschelwagen. Galatee geht im Meere auf. Das ist
der aus dem Meere ersteigende Eros, die Liebe, die auf diese Weise
die Helena gebiert. Aus dem Homunkulus, der sich an Galatees
Muschelwagen zerschellt, und aus der Morgenröte heraus - mit der
Galatee - wird dann die Helena.
Bei den letzten Zeilen ist Musik, weil die Sirenen mitsingen; es kann
eurythmisch gehüpft werden. |