Vorbemerkung der Herausgeber
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Steiner in München am 28. August 1913; die letzte Ansprache wurde von ihm in Torquay im August während der «Second International Summer School» gehalten. In München fand die Aufführung innerhalb der Sommerfestveranstaltungen für die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft anläßlich der Uraufführung des vierten Mysteriendramas von Rudolf Steiner «Der Seelen Erwachen» statt. In Torquay hatte die Eurythmie schon seit 1919 öffentliche Aufführungen gegeben. Eine Aufstellung am Ende des Buches gibt einen Überblick über die annähernd dreihundert Einführungen, welche Rudolf Steiner hielt. In seiner Selbstbiographie «Mein Lebensgang», XXV, schildert er, wie er in der «Dramatischen Gesellschaft» in Berlin um die Jahrhundertwende die Aufgabe übernommen hatte, die Vorstellungen, welche von dieser Gesellschaft veranstaltet wurden, « durch eine kurze hinweisende Rede (Conference) einzuleiten». Das war aus dem Grunde angebracht, weil die Gesellschaft Dramen herausbrachte, «die durch ihre besondere Eigenart, durch das Herausfallen aus der gewöhnlichen Geschmacksrichtung und ähnliches, von den Theatern zunächst nicht aufgeführt wurden. Solch eine Conference geschah nicht etwa vor jeder Vorstellung dieser Gesellschaft, sondern selten; wenn man für notwendig hielt, das Publikum in ein ihm ungewohntes künstlerisches Wollen einzuführen. Mir war die Aufgabe dieser kurzen Bühnenrede aus dem Grunde befriedigend, weil sie mir Gelegenheit gab, in der Rede eine Stimmung walten zu lassen, die mir selbst aus dem Geist heraus strahlte. Und das war mir lieb in einer menschlichen Umgebung, die sonst kein Ohr für den Geist hatte.» Ungefähr ein Jahrzehnt später hat dann Rudolf Steiner ähnliche Einführungen zu halten begonnen, als er die Einstudierung der Weihnachtspiele aus altem Volkstum, der Oberuferer Spiele, vornahm und wiederum den Zuhörern, Zuschauern etwas vorstellte, was ihnen bisher unbekannt geblieben war. Und dann hat er eben, wann immer nur es ihm möglich war, vor den Eurythmie-Aufführungen Ansprachen gehalten, um die Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 13 von ihm inaugurierte neue Bewegungskunst dem Publikum in ihren Grundlagen darzustellen und nahe zu bringen. Das war naturgemäß eine weitaus schwierigere Aufgabe, als er sie am Ende des vorigen Jahrhunderts in Berlin durchzuführen hatte, denn die Kultur hatte sich ja keineswegs in der Richtung entwickelt, wie man das noch um 1900 hat erwarten können. Und so liegt in den hier veröffentlichten Darstellungen der Versuch vor, immer von neuen Gesichtspunkten aus, die Gesetzmäßigkeiten einer neuen Kunst aufzuzeigen. Das war bei einer - wenigstens zu einem Teil - stets wechselnden Zuschauerschaft notwendig. Allerdings wurde diesen Versuchen nicht immer das zu erwartende Interesse entgegengebracht, weil man gewohnt war, rein auf das Inhaltliche der Ausführungen abzustellen und nicht die verschiedenartige Form dieser Einführungen berücksichtigte. Was Rudolf Steiner anstrebte, war, daß «ein Gefühl für die Darstellung von den verschiedenen Gesichtspunkten aus entwickelt werde». Das erwartete er überhaupt von den Vertretern der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, sowohl auf wissenschaftlichem als auch auf künstlerischem Gebiete. In einer Konferenz mit dem Lehrerkollegium der Freien Waldorfschule in Stuttgart am 31. Juli 1923 weist er auf solche aufzugreifenden Aufgaben durch die Lehrerschaft hin und sagt: «Ich habe ein Musterbeispiel davon geben wollen in den Einleitungen zu den verschiedenen Eurythmie-Vorstellungen, wenn ich versuche, es immer umzugießen, immer dasselbe von den verschiedensten Punkten aus zu geben. Das habe ich mit diesen Eurythmie-Einleitungen versucht. Als ich neulich - [bei der Delegierten-Tagung in Stuttgart, Ende Februar] - eine gehalten habe, da standen die Leute draußen und gingen nicht hinein dazu.» Es machte also Rudolf Steiner selbst darauf aufmerksam, wie schwer es war, auch hierfür ein weitgehendes Verständnis zu erwecken. Der Leser wird es daher in Kauf nehmen müssen, daß er diesen mit den Einführungen verbundenen Wiederholungen im Text ausgesetzt wird. Bei der Herausgabe mußte oftmals geprüft werden, die neue Variante ohne den sie begleitenden Gedanken, aus welchem sie sich entwickelte, zu bringen. Allein das konnte nur in vereinzelten Fällen geschehen, welche der Leser im Anhang findet. Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 14 Die Überschriften zu den Ansprachen wurden von den Herausgebern hinzugefügt, mit Ausnahme derjenigen zum 21./22. Juli 1923 und 27. April 1924, die von Marie Steiner herrühren. Die Überschriften für die drei Ansprachen beim Summer Art Course 1921 sind entsprechend dem Manuskript Rudolf Steiners. Die Programme wurden nach den im Archiv vorliegenden Unterlagen wiedergegeben; die Wortlaute der Ankündigungen für die Zeitungen stammen von Rudolf Steiner. Was zum näheren Verständnis im einzelnen zu bemerken war, ist in den Hinweisen festgehalten. Auf die Übersicht über alle Ansprachen wurde schon aufmerksam gemacht. Als Einleitung zu dem Buch stehen Ausführungen Rudolf Steiners aus einem Vortrag, den er in Nürnberg am 14. März 1914 über den universellen Charakter der geisteswissenschaftlichen Bewegung hielt. Die Herausgeber |
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Die Bildhauerei, die in Ruhe dargestellt werden kann,
stellt eigentlich die schweigende Seele dar. Derjenige,
der unbefangen so etwas betrachten kann, empfindet
in den bildhauerischen Werken die schweigende Seele.
Indem wir hier den Menschen als Werkzeug verwenden, bringen wir die Seele unmittelbar in der Gebärde, in dem Ausdrucke, den wir dem Menschen
geben, zur Anschauung. So daß also die plastische
Kunst die Offenbarung der schweigenden Seele ist
und die Eurythmie die Offenbarung der sprechenden Seele.
Aus der Eurythmie-Ansprache vom 3. Mai 1924 in Dornach |