ANHANG
Hinweise
Zu dieser Ausgabe
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diesem Bande 84, teilweise nur in Auszügen, veröffentlicht. Die getroffene
Auswahl enthält inhaltlich alles, was für dieses Gebiet dargestellt wurde. Dazu
gehören noch die folgenden im Rahmen der Gesamtausgabe bereits erschienenen Einführungen: 28. 8. 1913 / 20., 21. 1. 1914 / 7. 10. 1914 / 19., 26. 2.
1918 / 14. 12. 1919 / 23. 12. 1923 / 20. 4. 1924 in «Die Entstehung und
Entwickelung der Eurythmie», GA 277a; 20. 4. 1924 in «Die Konstitution der
Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Freien Hochschule für
Geisteswissenschaft», GA 260a.
Wie die Übersicht auf Seite 601 zeigt, hat Rudolf Steiner nach der ersten
öffentlichen eurythmischen Darbietung in Zürich am 24. Februar 1919 kontinuierlich, soweit es ihm zeitlich möglich war, vor dem Beginn der Aufführungen
gesprochen. Die Übersicht weist drei zeitlich bedingte Abschnitte auf. Die
Vorträge oder Ansprachen wurden sowohl in Dornach als auch auf den Gastspielreisen im In- und Ausland gehalten. In Dornach und dort, wo das
Goetheanum-Ensemble wiederholt auftrat, konnte Rudolf Steiner auf früher
schon Ausgeführtes Bezug nehmen, während er sonst veranlaßt war, immer
wieder auf die Ausgangspunkte, die zur Inaugurierung der neuen Kunst geführt
hatten, zurückzugreifen. Da im Inhaltsverzeichnis gekennzeichnet ist, ob es sich
bei dem Abdruck um eine vollständige oder gekürzte Wiedergabe der Ansprache handelt, ist die Kürzung oder der Auszug im Text nicht noch einmal
erwähnt.
Nach der Rückkehr aus England im Frühherbst 1924 werden die Reiseprogramme zwar in Dornach aufgeführt, aber diesmal ohne einleitende Worte. Das
hatte einmal den Grund, daß die sieben- bis achthundert Zuschauer Mitglieder
der Anthroposophischen Gesellschaft und seit Jahren mit der Eurythmie,
vielfach durch einführende Kurse, bekannt waren, zum anderen aber Rudolf
Steiner tagtäglich mehr als gewöhnlich durch die zahlreichen Kurse und
Vorträge, welche damals stattfanden, in Anspruch genommen war.
Für sich stehen zwei Leseproben am 20. und 23. 8. 1918 zu «Faust»-
Aufführungen, bei denen — ausnahmsweise — nachgeschrieben werden durfte.
Eine Reihe von Goethe-Zitaten, die in den Ansprachen immer wiederkehren,
werden nur einmal, nicht aber bei den Wiederholungen nachgewiesen. Die
erwähnten grundlegenden Werke Rudolf Steiners sind in der Übersicht über die
Gesamtausgabe am Schluß des Bandes aufgeführt.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 5 84
Der Titel des Bandes wurde von den Herausgebern gewählt.
Die Überschriften der Ansprachen vom 21., 22. 7. 1923, 27. 4. und 3. 5. 1924
gehen auf Marie Steiner zurück; alle übrigen stammen von den Herausgebern.
Einzelausgaben:
Dornach, 21. und 22. 7. 1923:
Die imaginative Offenbarung der Sprache, Dornach 1928
Dornach, 27. 4. 1924:
Die Bewegung als Sprache der Seele, Dornach 1928
Dornach, 3. 5. 1924:
Eurythmie, die Offenbarung der sprechenden Seele, Dornach 1928
Fünfzehn Ansprachen 1919 bis 1924:
Eurythmie als Impuls für künstlerisches Betätigen und Betrachten, Dornach
1953
Zürich, 24. 2. 1919, Dornach, 14. 2. 1920, 1. 7. 1923, 27. 4. 1924:
Was ist und will die neue Bewegungskunst Eurythmie?, Dornach 1972, 1979
Zwei Leseproben, Dornach, 20. und 23. 8. 1918:
Zur Klassischen Walpurgisnacht aus «Faust» II von Goethe, Dornach 1956
Weitere Veröffentlichungen:
26. 1. 1919, 24. 7. 1921: in «Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu
Goethes <Faust>», II. Band, Dornach 1931.
9. 3. 1920: in «Prospekt der Schule für Eurythmische Kunst am Goetheanum»,
Dornach 1927.
17. 10. 1920: in «Die Kunst der Rezitation und Deklamation», Dornach 1928.
3., 9. 4. 1921: in «Zweiter anthroposophischer Hochschulkurs», Bern 1948.
27., 28. 3. 1923: in «Pädagogik und Kunst. Pädagogik und Moral», Stuttgart
1957.
15. 4- 1923: in «Die pädagogische Praxis vom Gesichtspunkte geisteswissenschaftlicher Menschenerkenntnis», Bern 1956.
24. 6. 1923: in «Eurythmie als sichtbarer Gesang», Dornach 1927, und in
«Johanni-Stimmung», Dornach 1959.
Zeitschriftenabdrucke: Sind nicht aufgeführt.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 5 85
Hinweise zum Text
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit
der Bibliographie-Nummer angegeben. Siehe auch die Übersicht am Schluß des Bandes.
13 Weihnachtspiele aus altem Volkstum: Einzelausgabe Dornach 1972 und 1976, in der
Gesamtausgabe vorgesehen in Bibl.-Nr. 49.
17 Wir müssen uns die Wahrheit %um Bewußtsein bringen: Rudolf Steiner spricht in diesem
Vortrag vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus über die Völker Europas. Siehe Hinweis zu S. 18/2.
in diesem Buche: Vgl. Rudolf Steiner «Mein Lebensgang», XXX. Kapitel, Bibl.-
Nr. 28, Gesamtausgabe Dornach 1962.
18 Dalcro^e: Emile Jacques-Dalcroze, 1865-1950, Schweizer Komponist, Gründer
einer rhythmischen Gymnastik.
durch diese beiden Vorträge: Nürnberg 13. und 14. März 1915, in «Das Geheimnis
des Todes», Bibl.-Nr. 159/160, Gesamtausgabe Dornach 1967.
19 in unserer fünften Kulturepoche: 1413-3573. Vgl. Rudolf Steiner «Die Geheimwissenschaft im Umriß»: Die Weltentwickelung und der Mensch.
die Kinder: Vgl. Rudolf Steiner «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte
der Geisteswissenschaft», Dornach 1978.
23 ein Mitglied unserer Gesellschaft: Clara Smits-Mess'oud Bey, 1863-1948. Vgl. Rudolf
Steiner «Die Entstehung und Entwickelung der Eurythmie», Bibl.-Nr. 277a, Gesamtausgabe Dornach 1965.
Man mußte sich erinnern: Vgl. Rudolf Steiner «Das Goetheanum in seinen zehn
Jahren», Dornach 1961.
26 Frau Smits: Siehe Hinweis zu S. 23.
28 «Das Wesen der Künste)): Berlin 28. Oktober 1918, in «Kunst und Kunsterkenntnis», Bibl.-Nr. 271, Gesamtausgabe Dornach 1961.
32 trat an uns heran: Siehe Hinweis zu S. 23.
Goethe … hat gesagt: Rom, 6. September 1787. «So viel ist gewiß: die alten Künstler haben ebenso große Kenntnis der Natur und einen ebenso sicheren Begriff
von dem, was sich vorstellen läßt und wie es vorgestellt werden muß, gehabt als
Homer. Leider ist die Anzahl der Kunstwerke der ersten Klasse gar zu klein.
Wenn man aber auch diese sieht, so hat man nichts zu wünschen, als sie recht zu
erkennen und dann in Frieden hinzufahren. Diese hohen Kunstwerke sind zugleich als die höchsten Naturwerke von Menschen nach wahren und natürlichen
Gesetzen hervorgebracht worden: alles Willkürliche, Eingebildete fällt zusammen; da ist die Notwendigkeit, da ist Gott.» Italienische Reise.
33 Goethe sagte: Vgl. die Abhandlungen « Über Wahrheit und Wahrscheinlichkeit der
Kunstwerke» und «Winckelmann und sein Jahrhundert». Siehe Hinweis zu S.32.
35 und morgen dann damit fortsetzen:
Frau Dr. Steiner wird heute vor dem Vortrage zu Ende rezitieren den «Chor
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 586
der Urtriebe» von Fercher von Steinwand, den Teil, der von ihr noch nicht rezitiert worden ist.
Ich möchte noch einige Worte vorausschicken, die ich Sie bitte ja nicht anzüglich zu nehmen. Sie sollen nur ganz sachlich gemeint sein. Wir haben das so eingerichtet, daß der Vortrag so beginnt, daß unsere Züricher Freunde, hoffe ich,
ihn zu Ende hören können, oder wenigstens bis zu einem solchen Punkt hören
können, daß ihnen nichts besonderes mehr entgeht. Ich möchte nur im Anschluß
an mancherlei Wünsche, selbstverständlich berechtigte Wünsche, die da oder dort
auftreten, eine Bemerkung nicht unterdrücken. Das ist diese, daß ich es nicht im
Sinne unserer Bewegung halten würde, wenn etwa die Meinung gar zu stark einreißen sollte, es sei das Hauptsächlichste in unserer Bewegung schon getan, wenn
man das Inhaltliche der Vorträge, die hier gehalten werden, dieses Inhaltliche der
Vorträge ins Auge faßt. Unsere Bewegung soll darinnenstehen im Ganzen der
Zeit, und sie soll berücksichtigen die Dinge, die aus den Forderungen der Zeit
heraus fließen. Und Sie können ganz sicher sein, daß wir auch dasjenige, was Sie
glauben durch Aufnahme des Inhaltes der Vorträge zu erreichen, daß wir das
nicht erreichen werden, wenn wir uns nicht entgegenkommend zeigen gerade den
neueren künstlerischen Bestrebungen, die innerhalb unserer Bewegung eingeschlagen werden.
Insbesondere, meine lieben Freunde, gilt das natürlich von der eurythmischen
Kunst, die in gewisser Beziehung eine neue Kunst sein soll, und die als neue
Kunst empfunden werden soll, gegenüber allem Ähnlichen auch als neue Kunst
empfunden werden soll. Aber ich selbst möchte, daß es bemerkt würde, daß es
auch gilt in bezug auf das Rezitatorische. Was man mit Bezug auf das Rezitieren,
wenn man künstlerische Empfindung in der Welt entfalten möchte, eigentlich
erleidet, das ist etwas ungeheuer Großes, etwas schrecklich Leidvolles, was einem
da passiert. Es ist ja wirklich von uns eine gewisse Methode ausgebildet worden,
die ganz im Sinne unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung liegt, gerade auch
namentlich mit Bezug auf die rezitatorische Kunst. Und nicht wahr, das möchte
ich nicht, daß es nur so angesehen würde, als ob es - nun ja - aus einer Liebhaberei von dem oder jenem nun auch als Beigabe zu unserer Sache gegeben
wird. Nein, es ist mit eines der wichtigsten Sachen, daß wir uns in eine neue
künstlerische Empfindungsweise hineinfinden.
Bezüglich des Rezitierens, meine lieben Freunde, haben ja die meisten Menschen - nun, wie soll ich's nennen, damit ich nicht den Ausdruck, der mir auf den
Lippen liegt, gebrauche - die primitivsten Vorstellungen. Eigentlich glaubt man
doch, rezitieren könne ein jeder, und rezitieren sei keine besondere Kunst.
Rezitieren ist in gewisser Beziehung eine der schwierigsten Künste, weil man
sich das Material erst sehr langsam und allmählich erarbeitet. Und wir streben
gerade an, das künstlerisch geformte Wort zur Geltung zu bringen, da dieses
mit ein Wesentliches ist. Daß Interesse da ist für die zukünftige soziale Ordnung
der Menschheit für solche Dinge, daß dieses Interesse nicht verlorengeht, daß
nicht da auch Platz greift die allgemeine bourgeoismäßige Versumpfung, die
gerade auf einem solchen Gebiete sich außerordentlich geltend macht, wie es das
Rezitatorische ist, was jeder nur für ein «Lesen» hält, das streben wir an. Und das
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bitte ich, nicht als eine Nebensache zu betrachten, die man unter Umständen, weil
die Züge so oder so gehen, eben auch in jede beliebige Tag- oder Nachtstunde
verlegen kann.
Wie gesagt: es sollte gar nicht anzüglich sein, was ich gesagt habe; aber ich
hatte einmal diese Meinung mit Bezug auf das, was sonst oftmals nur als «Rankenwerk» angesehen wird zu unserer Sache, einmal aussprechen wollen.
Nun soll der Schluß vom «Chor der Urtriebe» von Fercher von Steinwand zur
Rezitation kommen.
38 was Goethe ^u … Eckermann … sagte: Am 29. Januar 1827. «Aber doch ist alles
sinnlich und wird, auf dem Theater gedacht, jedem gut in die Augen fallen. Und
mehr habe ich nicht gewollt. Wenn es nur so ist, daß die Menge der Zuschauer
Freude an der Erscheinung hat; dem Eingeweihten wird zugleich der höhere Sinn
nicht entgehen, wie es ja auch bei der Zauberflöte und anderen Dingen der Fall
ist.
42 die Mysterien der Kabiren: Vgl. Rudolf Steiner «Mysteriengestaltungen», Bibl,-
Nr. 232, Gesamtausgabe Dornach 1974, Vortrag vom 21. XII. 1923.
45 Spinoza: Benedictus Spinoza, 1632-1677, holländischer Philosoph.
Winckelmann: Joh. Joachim Winckelmann, 1717-1768, Archäologe und Kunstwissenschafter.
48 wie Goethe %u der Vorstellung gelangt ist: Die Metamorphose der Pflanzen.
52 Goethe hat den … Ausspruch getan: Sprüche in Prosa, Kunst. «Das Schöne ist eine
Manifestation geheimer Naturgesetze, die uns ohne dessen Erscheinung ewig
wären verborgen geblieben.» Nr. 811, Taschenbuchausgabe Stuttgart 1967.
53 die … Abhandlung: Siehe Hinweis zu S. 48.
56 die er [Goethe] mit den Worten ausdrückt: Einfache Nachahmung der Natur, Manier,
Stil: Schriften zur Kunst. «Wie die einfache Nachahmung auf dem ruhigen Dasein und einer liebevollen Gegenwart beruht, die Manier eine Erscheinung mit
einem leichten fähigen Gemüt ergreift, so ruht der Stil auf den tiefsten Grundfesten der Erkenntnis, auf dem Wesen der Dinge, insofern uns erlaubt ist, es in
sichtbaren und greiflichen Gestalten zu erkennen.»
57 Goethe sagt: «Wenn die gesunde Natur des Menschen als ein Ganzes wirkt, wenn
er sich in der Welt als in einem großen, schönen, würdigen und werten Ganzen
fühlt, wenn das harmonische Behagen ihm ein reines, freies Entzücken gewährt,
dann würde das Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte, als an sein Ziel
gelangt aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens und Wesens bewundern.» In: Winckelmann und sein Jahrhundert.
61 In der neueren Zeit: Vgl. Rudolf Steiner «Gesammelte Aufsätze zur Dramaturgie
1889-1900», Bibl.-Nr. 29, Gesamtausgabe Dornach 1960.
68 z
u
unserem Bau: Das erste Goetheanum, 1913-1922. *
77 Pädagogik der Waldorf schule: 1919 durch Emil Molt begründet und durch Rudolf
Steiner bis zu seinem Tode geleitet. Nach der Eröffnungsfeier schrieb Emil Molt
an Frau Marie Steiner: «Nachdem nun die Waldorf-Schule begründet und
Eurythmie zu einem wichtigen Lehrfach geworden ist, bitten wir Sie ergebenst,
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 58 8
die Oberleitung über den Unterricht zu übernehmen und durch häufige Besuche
die Unterweisung fördern zu wollen.»
84 den Goetheseben Ausspruch: «… denn indem der Mensch auf den Gipfel der Natur
gestellt ist, so sieht er sich wieder als eine ganze Natur an, die in sich abermals
einen Gipfel hervorzubringen hat. Dazu steigert er sich, indem er sich mit allen
Vollkommenheiten und Tugenden durchdringt, Wahl, Ordnung, Harmonie und
Bedeutung aufruft und sich endlich bis zur Produktion des Kunstwerks erhebt,
das neben seinen übrigen Taten und Werken einen glänzenden Platz einnimmt.» -
Schriften zur Kunst. Winckelmann und sein Jahrhundert, Kapitel: Schönheit.
87 indem er sagt: «Die Idee ist ewig und einzig; daß wir auch den Plural brauchen, ist
nicht wohlgetan. Alles, was wir gewahr werden und wovon wir reden können,
sind nur Manifestationen der Idee; Begriffe sprechen wir aus, und insofern ist die
Idee selbst ein Begriff.» - Sprüche in Prosa, Das Erkennen. Nr. 185. Tasclienbuchausgabe Stuttgart 1967.
88 Wilbrcmdt: Adolf von Wilbrandt, 1837-1911. 1881-1887 künstlerischer Direktor
des Hof burgtheaters in Wien.
Devrient: Otto Devrient, 1838-1894. 1876 in Weimar Inszenierung von «Faust»
I und II.
Lassenscbe Musik: Eduard Lassen, 1830-1904, Komponist. Musik zu Goethes
«Faust».
90 Schwaben-Vischer: Friedrich Theodor Vischer, 1807-1887, Ästhetiker und Dichter.
95 Geistesaugen: Goethes Naturwissenschaftliche Schriften. Herausgegeben von
Rudolf Steiner. Band I. 1883. Erster Entwurf einer allgemeinen Einleitung in die
vergleichende Anatomie, ausgehend von der Osteologie. (Seite 262) «Wir lernen
mit Augen des Geistes sehen, ohne die wir, wie überall, fco besonders auch in der
Naturforschung, blind umhertasten.» Anmerkung von Rudolf Steiner: «In diesen
Worten liegt der Schlüssel zum Verständnis der Goetheschen Naturauffassung.
Mit den Augen des Geistes sehen ist nichts anderes, als die tierische Gestalt nicht
bloß in ihrer sinnenfälligen Realität, sondern in der ihr zugrunde liegenden Idee
in ihrer eigenen Form (intuitiv) erfassen können. Jede empirische Form zeigt
dann eine Abweichung davon, aber jene gibt uns die Norm und den Anhaltspunkt,
wie eine solche besondere Form zu erklären ist.» Ferner (Seite 107) über Kaspar
Friedrich Wolff in «Verfolg. -Bildung und Umbildung organischer Naturen»:
«… daß die Geistesaugen mit den Augen des Leibes in stetem lebendigem Bunde
zu wirken haben, weil man sonst in Gefahr gerät, zu sehen und doch vorbeizusehen.» Anmerkung von Rudolf Steiner: «Diese Worte beweisen wieder, wie
viel tiefer Goethes Anschauungen sind als der bloße Empirismus. \'ährend dieser
nichts anerkennt, als was man mit den Sinnen wahrnimmt, wollte Goethe vor
allem, daß mit den Augen des Geistes gesehen werde, das heißt, daß die nicht
durch den Sinn gegebene, nur für den Geist bestehende Gesetzlichkeit, welche
die sinnenfällig wirklichen Tatsachen beherrscht, zum Ziele der Forschung gemacht werde.» (Nachdruck Dornach 1975).
98 Kopernikus: Nikolaus Kopernikus, 1473-1543, Astronom.
Galilei: Galileo Galilei, 1564-1642, Physiker und Astronom.
Giordano Bruno: 1548-1600, Philosoph.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 589
101 Herman Grimm: 1828-1901. Goethe. Vorlesungen an der Universität in Berlin.
II. Band, 23. Vorlesung.
107 das schöne Wort gesagt: «Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen
anfängt, der empfindet eine unwiderstehliche Sehnsucht nach ihrer würdigsten
Auslegerin, der Kunst.» - Sprüche in Prosa, Nr. 810. Kunst. Taschenbuchausgabe Stuttgart 1967.
110 A.ls Goethe in Italien war: Rom, den 28. Januar 1787. «… Die zweite Betrachtung
beschäftigt s'ich ausschließlich mit der Kunst der Griechen und sucht zu erforschen, wie jene unvergleichlichen Künstler verfuhren, um aus der menschlichen
Gestalt den Kreis göttlicher Bildung zu entwickeln, welcher vollkommen abgeschlossen ist, und worin kein Hauptcharakter, so wenig als die Übergänge und
Vermittlungen fehlen. Ich habe eine Vermutung, daß sie nach eben den Gesetzen
verfuhren, nach welchen die Natur verfährt, und denen ich auf der Spur bin.»
Schwaben-Vischer: Siehe Hinweis zu S. 90.
112 mancherlei gesehen hat: Siehe Hinweise zu S. 88.
120 der Schauspieler La Röche: Karl von La Röche, 1794-1884.
121 Mysteriendarstellungen: Siehe Hinweise zu S. 88.
Howard: Luke Howard, 1772-1864, Meteorologe.
127 Olaf Ästeson: Siehe Rudolf Steiner, «Der Zusammenhang des Menschen mit der
elementarischen Welt. Kalewala, Olaf Ästeson, Das russische Volkstum», Bibl.-
Nr. 158, Gesamtausgabe Dornach 1970.
128 Weihnachtspiele: Siehe Hinweis zu S. 13.
Karl Julius Schröer: 1825-1900; von 1866-1895 Dozent für Literaturgeschichte
an der Technischen Hochschule in Wien.
Weinhold: Karl Weinhold, 1823-1901, Germanist.
134 Goetheschen Ausdruck: Vgl.: Gespräche mit Prof. H. E. G. Paulus, 1761-1851,
Orientalist. «Für Ahnungen über das Übermenschliche hatte Goethe eine erhebende, staunende Ansicht in sich: <Wie jenes Übersinnliche gleichsam von oben
her mit unserer Natur und Naturphilosophie zusammenhängt, dies>, rief er mir
einmal zu, (ist die Frage.)» (Artemis-Ausgabe, 22, 290.) Rudolf Steiner gebraucht
den Ausdruck im übertragenen, nicht wortwörtlichen Sinne.
139 Goethe sagt so schön empfunden: «Denn wozu dient alle der Aufwand von Sonnen
und Planeten und Monden, von Sternen und Milchstraßen, von Kometen und
Nebelflecken, von gewordenen und werdenden Wolken, wenn sich nicht zuletzt
ein glücklicher Mensch unbewußt seines Daseins erfreut?» Winckelmann und
sein Jahrhundert. Antikes.
156 Fräulein Hollenbach: Vgl. «Die Entstehung und Entwickelung der Eurythmie»,
Bibl.-Nr. 277a, Gesamtausgabe Dornach 1965, S. 119: Die ersten Anfänge der
Ton-Eurythmie. Der erwähnte Aufsatz schließt mit folgender Schilderung:
«Inzwischen war aus der Kindergruppe eine richtige Toneurythmieklasse geworden, womit ich im Glashaus übte. Nachdem mehrere kleine Gruppensachen
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 7 7 Seite: 59 0
2ur Aufführung gelangt waren, fing ich an, mit den begabtesten Kindern auch
Solostücke einzuüben, die fast immer in der Schreinerei zur Aufführung kamen.
Jetzt, 28 Jahre nach dem allerersten Auftreten, gehören einige der damaligen
Kinder zu den besten Künstlern des Goetheanumensembles. - Die Bühneneurythmistinnen fingen an, sich allmählich an kompliziertere Sachen zu wagen, und
jüngere Kräfte, die die nun systematisch eingerichteten Kurse oder auch Privatstunden durchgemacht hatten, konnten Frau Dr. Steiner vorgeführt werden, um
allmählich zum Auftreten zu kommen oder als Lehrerinnen an anderen Orten das
Gelernte weiterzugeben. Die Zahl der durch Herrn Doktor gegebenen Formen
mehrte sich sehr, und oftmals gab er für Einzelstücke schon Angaben, die später
im Toneurythmiekurs grundsätzlich behandelt wurden. Ein Schönes war es für
mich, als Dr. Steiner mir etwas bestätigte, wonach ich lange gesucht hatte und
was ich endlich meinte gefunden zu haben, nämlich den Zusammenhang zwischen
Tönen, Toneurythmiebewegungen und Planeten. Solange ich gesucht hatte mit
Zugrundelegung unseres gegenwärtigen Planetensystems, hatte ich ihn nicht finden können, bis mir eines Tages plötzlich kam, daß es die kosmische Entwicklung
war, womit ich die Töne zusammenstellen mußte. Da strahlte plötzlich neues
Licht auf die Toneurythmiebewegungen. Denn so wie in drei Stufen die Arme
abwärts gehen in Dur, um bei f und g in einer mittleren Lage zu beharren, um
dann wieder aufwärts zu gehen, so geht auch unsere Entwicklung durch Saturn,
Sonne, Mond bis zur Erdenentwicklung, die in die Stadien der Mars- und Merkurentwicklung zerfällt. Die gleiche Armhaltung bei f und g stand plötzlich im
neuen Lichte, und das Sicherheben über die Erdenschwere durch die kleinen
Sprünge bei g-a-h schien sinngemäß die Aufwärtsentwicklung zu geben, wo
durch das wieder Nach-oben-Gehen der Arme die Oktave erreicht wird, wie durch
die Jupiter- und Venus-Entwicklung hindurch die Vulkanstufe, die Stufe des
Geistesmenschen. Ursprünglich hatte Dr. Steiner auch angegeben, daß mit der
Oktave man auf eine höhere Stufe würde springen müssen, etwas was technisch
nicht leicht durchführbar war. Diese Gesetzmäßigkeiten des Abstieges und Wiederaufstieges des Geistes, oder der Evolution und Involution der Materie in den
Bewegungen der Töne in Dur und Moll gespiegelt zu sehen, war wie eine Erleuchtung, - und ich war innig befriedigt, als Herr Doktor, als ich zu ihm kam mit
einem Blatt, wo ich Planeten und Tonzeichen mit kleinen Zeichnungen der Toneurythmiebewegungen zusammengestellt hatte, es sich ansah und dann sagte:
<Ja, das ist richtig.) Später habe ich auch sehen gelernt wie, so wie in den diatonischen Skalen wir die Siebenheit der Planeten haben, wir in der Zwölf heit der
chromatischen Skala die in einer Oktave zusammengedrängte Zwölfheit des
Quintenzirkels haben, wovon Dr. Steiner uns sagte, daß sie mit der Zwölfheit
des Tierkreises zusammenhängt. Nehmen wir hierzu, was uns in dem Toneurythmiekurs 1924 gegeben wurde, und vieles was in Musik vortragen gesagt
wurde, dann sehen wir, aus welch wunderbaren Tiefen unsere Toneurythmie
geschöpft ist, und wie Welten von Empfindungen uns beglücken können, wenn
wir sie in der richtigen Weise üben.»
8. August 1948.
163 gegenüber diesen Hallerschen Worten: Albrecht von Haller, 1708-1777; Naturwissenschafter, Arzt und Dichter.
173 Schweizer Tob/er: Georg Christoph Tobler, 1757-1812, Übersetzer. Siehe «Zu dem
<Fragment) über die Natur», in «Methodische Grundlagen der Anthroposophie»,
Bibl.-Nr. 30, Gesamtausgabe Dornach 1961.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 5 91
176 Maximilian Rieger, 1828—1909, Germanist. «Goethes Faust nach seinem religiösen
Gehalt», Heidelberg 1881, S. 57: «…: wenn du eine schwere, peinigende Schuld
auf dein Gewissen geladen hast, so mache eine schöne Gebirgsreise, dann wird es
dir besser gehen.»
177 vielleicht einmal Formen ^u finden: Diese Formen hat Rudolf Steiner nicht gefunden;
er spricht davon aber immer wieder. Dagegen hat er im Kursus für «Sprachgestaltung und Dramatische Kunst», Herbst 1924, für die Darstellungskunst
grundlegende Gebärden gefunden. Vgl. Bibl.-Nr. 282, Gesamtausgabe Dornach
1969.
179 Blumenthal: Oskar Blumenthal, 1852-1917, Schriftsteller und Theaterdirektor in
Berlin.
Lindau: Paul Lindau, 1839-1919, Schriftsteller und Kritiker.
Sardou: Victorien Sardou, 1831-1908, französischer Dramatiker.
182 das schöne «Faust»-Wort: II. Teil, Zweiter Akt, Laboratorium. Homunculus.
191 Goethe hat geltend gemacht: Siehe Goethes «Naturwissenschaftliche Schriften» in
Kürschners «Deutsche National-Litteratur», herausgegeben und kommentiert von
Rudolf Steiner, 1884-1897, 5 Bände, Nachdruck Dornach 1975, GA la-c, Band
GA la, «Die Metamorphose der Pflanzen» XVIII, Wiederholung, Nr. 115, S. 57:
«Es mag die Pflanze sprossen, blühen oder Früchte bringen, so sind es doch immer
dieselbigen Organe, welche in vielfältigen Bestimmungen und unter oft veränderten
Gestalten die Vorschrift der Natur erfüllen. Dasselbe Organ, welches am Stengel
als Blatt sich ausgedehnt und eine höchst mannigfaltige Gestalt angenommen hat,
zieht sich nun im Kelch zusammen, dehnt sich im Blumenblatte wieder aus, zieht
sich in den Geschlechtswerkzeugen zusammen, um sich als Frucht zum letztenmal
auszudehnen.»
192 Spengler: Oswald Spengler, 1880-1936, Geschichtsphilosoph. Hauptwerk: «Der
Untergang des Abendlandes», 1918/22.
195 während dieses Kurses: «Die Kunst der Rezitation und Deklamation», Bibl.-Nr. 281,
Gesamtausgabe Dornach 1967.
207 Abderhalden: Emil Abderhalden, 1877-1950, Schweiz. Physiologe und physiologischer Chemiker. Grundlegende Arbeiten über Sozialhygiene und Sozialphysiologie.
215 eine einzige Wortbezeichnung: Ein Ausklang davon ist im griechischen Altertum
noch die Bezeichnung für CHOR: Reigen, mit Gesang verbundener Tanz.
228 in allerersten elementaren Anfängen: Im Anschluß an die Schrift «Die Kernpunkte
der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft»,
Bibl.-Nr. 23, Gesamtausgabe Dornach 1976.
ein einziges Wort: Siehe Hinweis zu S. 215.
Summer Art Course: Für die Übersetzung durch Baron A. Rosenkrantz hatte
Rudolf Steiner eine Inhaltsangabe verfaßt.
von neulich: Am 25. Dezember 1921.
deutscher Physiologe: Siehe Hinweis zu S. 207.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 5 92
269 eine S^ene: Zweites Bild aus «Der Seelen Erwachen».
272 der letzten faux pas: Die Bühnenverhältnisse waren im Saal der Anthroposophischen Gesellschaft in Stuttgart, Landhausstraße 70, nicht sehr geräumige.
307 Notizbucheintragung: Die zweite Bemerkung unter Ziffer 6 ist fragmentarisch.
309 Wir sehen Gebärden angewendet; Siehe Hinweis zu S. 177.
313 Schopenhauer: 1788-1860. «Die Welt als Wille und Vorstellung», Drittes Buch.
338 Fräulein Mitscher: Käthe Mitscher, 1892-1940, übte während der Proben zunächst
meist die Rezitation aus, um Frau Dr. Steiner dadurch bei der Einstudierung der
Programme zu entlasten. Sie gehörte zum engen Mitarbeiterkreis innerhalb der
Sektion für redende. Künste, speziell im Gebiet der Eurythmie.
342 über den Sprachgenius: Siehe Hinweis zu S, 177. Ferner: «Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen», München 1911, Siebenter Vortrag, Bibl.-
Nr. 129, Gesamtausgabe Dornach 1977.
345 Demosihenes: 383-322 v.Chr., größter Redner des Altertums.
350 läßt sich studieren: Siehe Hinweis zu S. 177; erster Vortrag.
352 . Fritz Mauthner, der das Wort «Seele»: «Beiträge zu einer Kritik der Sprache», 3
Bde., Stuttgart 1901, Cotta-Ausgabe, 1. Bd., S. 239: «… hat man sich doch vor
der Ungeheuerlichkeit nicht gescheut, das Gesicht, das Gehör, das Gefühl als
Ursache sichtbarer, hörbarer und fühlbarer Erscheinungen zu hypostatieren. Nach
Analogie dieser Worte müßte man auch von einem Geseel sprechen.»
354 Spenglerismus: Siehe Hinweis zu S. 192.
356 auf das Programm: Johanni-Imagination (Rötliche Gestalt mit Sonne und Mond).
Pastellskizze 1923. - Handdruck Dornach 1972.
369 was die Erzengel miteinander sprechen: Vgl. Vortrag vom 11. März 1923, in «Die
Impulsierung des weltgeschichtlichen Geschehens durch geistige Mächte», Bibl.-
Nr. 222, Gesamtausgabe Dornach 1976.
380 die unmittelbare Veranlassung: Siehe Hinweis zu S. 23.
386 Bekleidungskunst: Goethe zählt sie noch nicht in seiner Abhandlung über den
Dilettantismus zu den Künsten.
391 Max Müller: 1823-1900, Orientalist.
402 Wächterfreunde: Gemeint ist die am Goetheanum studierende Gruppe von jungen
Leuten, die auch - besonders nach dem Brand des ersten Goetheanum in der
Silvesternacht 1922/23 - das Gelände des Baues bewachten.
Fräulein D^iubaniuk: Ella Dziubaniuk, Eurythmistin und Malerin, gest. am
5. Februar 1944 in Paris; sie stammte aus Polen, war Ruthenin. Im Nachrichtenblatt der Anthroposophischen Gesellschaft vom 5. März 1944 schrieb Frau Marie
Steiner und in der Nummer vom 19. März 1944 Tatiana Kisseleff über das Leben
der bedeutenden Künstlerin.
404 Rihou'it: Simone Coroze-Rihouet, Eurythmistin und Schriftstellerin. Generalsekretärin der französischen Landesgesellschaft der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 7 7 Seite: 59 3
407 im «.Goetheanum»: Vgl. Rudolf Steiner «Der Goetheanumgedanke inmitten der
Kulturkrisis der Gegenwart», Gesammelte Aufsätze, Bibl.-Nr. 36, Gesamtausgabe Dornach 1961, S. 300 ff., 304.
eine Schrift: Lessing «Laokoon, oder über die Grenzen der Malerei und Poesie»,
1766.
414 Herr Stufen: Jan Stuten, 1890-1948. Musiker, Komponist und Dirigent, auch
Bühnenbildner; ab 1914 ständiger Mitarbeiter am Goetheanum.
417 Toneurythmie: Siehe Rudolf Steiner «Eurythmie als sichtbarer Gesang», acht Vorträge Dornach 19.-27. Febr. 1924. Bibl.-Nr. 278, Gesamtausgabe Dornach 1975.
In Ergänzung des in der Ansprache Ausgeführten bringen wir noch, was Rudolf
Steiner im Nachrichtenblatt der Anthroposophischen Gesellschaft geschrieben
hat:
«Es lag nun eine innere Notwendigkeit vor, in der Sektion für die redenden und
musikalischen Künste, deren Leiter Frau Marie Steiner ist, einen Kursus über TonEurythmie zu veranstalten. Die in Dornach lebenden ausübenden Künstler und
Lehrer der Eurythmie und diejenigen von auswärts, denen dieses möglich war,
ferner die Vorstandsmitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft und einige
für Musik und Eurythmie sich interessierende Persönlichkeiten haben daran teilgenommen.
Der Inhalt wird in entsprechender Weise, sobald dies möglich ist, auf geeignete
Art bekanntgemacht werden. Hier soll nur in einigen Sätzen über Absicht und
Haltung gesprochen werden. Die eurythmische Kunst hat bisher die <Laut>-
Eurythmie in einem bestimmten Maße ausgebildet. Wir sind selbst unsere strengsten Kritiker und wissen, daß auf diesem Gebiete alles, was schon jetzt geleistet
werden kann, nur ein Anfang ist. Aber das Angefangene muß eben weiter entwickelt werden.
Für die Ton-Eurythmie, den (sichtbaren Gesang), waren wir bisher nicht so
weit gekommen wie für die Lauteurythmie, das (sichtbare Wort). Wenn die Anfänge, die wir bisher hatten, auf dem rechten Wege fortgeleitet werden sollen, so
mußte gerade jetzt - in dem Stadium, in dem die Ton-Eurythmie praktiziert worden ist - eine Weiterbildung stattfinden. Das sollte durch diesen Kursus geschehen.
Dabei mußte aber auch auf das Wesen des Musikalischen selbst hingewiesen werden. Denn in der Eurythmie wird Musik sichtbar; und man muß ein Gefühl dafür
haben, wo diese ihre wahre Quelle in der Menschennatur hat, wenn man ihr
Grundwesen sichtbar machen will.
In der Ton-Eurythmie wird anschaulich, was in der Musik im UnanschaulichHorbaren lebt. Es ist gerade da die größte Gefahr vorhanden, unmusikalisch zu
werden. Ich hoffe, in den Vorträgen dieses Kursus den B. eweis erbracht zu haben,
daß dann, wenn Musik in Bewegung überströmt, das Bedürfnis entsteht, alles
Unmusikalische in der <Musik) abzustoßen und nur <reine Musik> in das Reich
des Sichtbaren hinüberzutragen. Wer allerdings der Ansicht ist, daß mit dem
Hinübertragen des Hörbaren in die sichtbare Bewegung und Form das Musikalische aufhöre, der wird gegen die ganze Ton-Eurythmie seine Bedenken haben.
Allein eine solche Anschauung ist doch wohl nicht im tiefsten Wesen eine künstCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 59 4
lerische. Denn wer Kunst in sich erlebt, der muß Freude an jeder Erweiterung der
künstlerischen Quellen und Formen haben. Und es ist nun einmal so, daß Musik
wie jede wahre Kunst aus dem Innersten des Menschen hervorquillt. Und dieses
kann sein Leben auf die mannigfaltigste Art offenbaren. Was im Menschen singen
will, das will sich auch in Bewegungsformen darstellen; und nur, was als Bewegungsmöglichkeiten in dem menschlichen Organismus liegt, wird in Laut- und
Toneurythmie aus ihm herausgeholt. Es ist der Mensch selbst, der sein Wesen da
offenbart. Die menschliche Gestalt ist nur als festgehaltene Bewegung verständlich; und die Bewegung des Menschen offenbart erst den Sinn seiner Gestalt. Man
darf sagen: wer die Berechtigung von Ton- und Lauteurythmie bestreitet, der
lehnt damit ab, den ganzen vollen Menschen zur Erscheinung kommen zu lassen.
Nun der Materialismus lehnt es ab, in der menschlichen Erkenntnis den Geist zur
Erscheinung kommen zu lassen; die Ablehnung der Eurythmie als einer neben
den andern Künsten und in Verbindung mit ihnen berechtigten Kunst wird wohl
in einer ähnlichen Gesinnung ihren Ursprung haben.
Es steht zu hoffen, daß die Eurythmiker einige Anregung durch diesen Kursus
empfangen haben, und daß damit zur Weiterbildung unserer eurythmischen Kunst
einiges hat beigetragen werden können.»
420 der ganzen Gestenfäbigkeit: Vgl. Rudolf Steiner «Sprachgestaltung und Dramatische
Kunst», Vortrag XIX. Bibl.-Nr. 282, Gesamtausgabe Dornach 1969.
422 Olaf Asteson: Siehe Hinweis zu S. 127.
in unserer Zeitschrift: Siehe Hinweis zu S. 407.
423 die antbroposopbiscbe Bewegung: Vgl. zu diesem ganzen Absatz die Ausführungen in
«Mein Lebensgang», Bibl.-Nr. 28, Gesamtausgabe Dornach 1962.
432 ein Kenner dieser Zusammenhänge: Siehe Hinweis zu S. 420.
440 ivenn man einen Menschen anschaut: Siehe Hinweis zu S. 420.
442 ein sehr berühmter . . . Physiologe: Siehe Hinweis zu S. 207.
452 das Oster-Eurythmieprogramm: Ostern, Drei Kreuze. Aquarell, 7. und 19. April
1924. - Farbige Reproduktion Dornach 1966.
455 ein toneurythmischer Kurs: «Eurythmie als sichtbarer Gesang», Bibl.-Nr. 278, Gesamtausgabe Dornach 1975.
Anastasius Grün: Anton Alexander Graf von Auersperg, 1806-1875.
457 Raffael-Aufsaß: Siehe Hinweis zu S. 101. Fragmente II., Berlin und Stuttgart
1902: Raphael als Weltmacht, erstes Kapitel, V.
Toneurythmie-Kurse: Siehe Hinweis zu S. 455.
461 Aus Briefen von Rudolf Steiner und Marie Steiner: Aus «Briefwechsel und Dokumente 1901-1925», Bibl.-Nr. 262, Gesamtausgabe Dornach 1967. Nähere Angaben
finden sich in dem Bande.
474 «Wegzehrung»: Wohl ist die Erde / Ja, er ist auferstanden / Drei Seufzer / Lange
war es / Vom Sterben noch versteift / Sieben Leichenpfleger / Kamst du her … /
Kräfte, daß ich heilig werde.
507 Zwei Leseproben: Die Einstudierung der ersten Szenen aus der «Klassischen
Walpurgisnacht» war im Dezember 1917 bis zum Bilde «Vor dem Tempel der
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 5 95
Manto» gelangt. Im Jahre 1918 mußte Rudolf Steiner im Januar nach Deutschland reisen, wo er vor allem in Berlin, München und Stuttgart Vorträge hielt;
er besuchte auch Wien und Prag, sprach dort über «Goethes persönliches Verhältnis zu seinem < Faust >» und kehrte erst Mitte August nach Dornach zurück.
Hier führte er sogleich die Inszenierung weiter und knüpfte in der Leseprobe an
die Winterarbeit an. Ausnahmsweise gestattete er, seine Ausführungen nachzuschreiben, so daß sich daher diese beiden Leseproben erhalten haben.
Der Dornacher Arbeit war ja die Festspielzeit in München von 1907 bis 1913
vorangegangen, die durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Sommer 1914
jäh abgebrochen werden mußte. In «Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu
Goethes <Faust>» (Bibl.-Nr. 273, Gesamtausgabe Dornach 1967) veranschaulicht
eine Zeittafel, wie sich die Arbeit an der Faustdichtung von 1915 bis 1919 entwickelte. In den darauffolgenden Jahren nahmen andere Aufgaben Rudolf Steiner
stark in Anspruch, so daß im Goetheanumbau nur bereits einstudierte Szenen zur
Aufführung gelangten; so am Silvesternachmittag 1922 der «Prolog im Himmel».
Als dann in der Silvesternacht das Goetheanum ein Raub der Flammen wurde,
wurden nur die Kostüme und Requisiten vom Feuer verschont, die sich in der
«Schreinerei», wo meistens gespielt wurde, befanden. Noch heute sind daher die
nach Rudolf Steiners Angaben geschaffenen Gestalten für das letzte Bild der
«Klassischen Walpurgisnacht» in den Goetheanum-Aufführungen zu sehen.
Bei den Regiebemerkungen fällt auf, wie Rudolf Steiner alles auf die Mitarbeit
der Beteiligten, vor allem natürlich auf die Initiative von Marie Steiner mit den
unter ihrer Leitung arbeitenden Eurythmistinnen abstellt, um mit Rat und Tat
einzugreifen, sobald ihm wiederum etwas Neues vorgeführt wurde. Daß sich im
Laufe der Arbeit auch andere bühnenmäßige Lösungen für die Inszenierung ergaben, versteht sich von selbst; das trifft beispielsweise hier für die Lamienszene
zu. Links und rechts ist vom Zuschauer aus gemeint. - Auf Grund der damals
dargestellten Szenen hat sich später die ungekürzte Gesamtaufführung des «Faust»
im Goetheanum - Uraufführung Sommer 1938 - in der Inszenierung von
Marie Steiner entwickelt.
535 den Zyklus: «Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte», München
1911, Bibl.-Nr. 122, Gesamtausgabe Dornach 1976.
556 Fritz Mauthner: 1849-1923, österreichischer Schriftsteller und Kulturphilosoph.
558 Woodrow Wilson: 1856-1924. Präsident der USA von 1913-1921.
559 Herman Grimm: Siehe Hinweis zu S. 101.
561 Emanuel Geibel: 1815-1884.
Ernst von Wildenbruch: 1845-1909.
562 Ich habe deshalb heute versucht: Vgl. Vortrag vom 17. Oktober 1918, Die Geschichte
der Neuzeit im Lichte geisteswissenschaftlicher Forschung, in «Die Ergänzung
heutiger Wissenschaften durch Anthroposophie», Bibl.-Nr. 73, Gesamtausgabe
Dornach 1973.
564 Dieses Buch: Palmström. - Das erste Gedicht: Das böhmische Dorf.
570 Therapeutische Eurythmie: Siehe auch die Ausführungen in: «Methodik und Wesen
der Sprachgestaltung», Bibl.-Nr. 280, Gesamtausgabe Dornach 1975.
Rudolf Treichler: 1883—1972. Einer der ersten Lehrer an der Freien Waldorfschule
in Stuttgart. |
Chronologische Übersicht der eurythmischen Entwickelung 1908-1924
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Anfang des Johannes-Evangeliums stellt er die
Frage an Margarita Woloschin: «Könnten Sie
das tanzen?» Ihre Antwort: «Ich glaube, man
kann alles tanzen, was man fühlt.» - «Aber auf
das Gefühl kommt es doch heute an» sagte
Rudolf Steiner. Diesen Satz wiederholte er - berichtet Marg. Woloschin in ihren Lebenserinnerungen «Die grüne Schlange» - «und blieb vor
mir stehen, indem er mich anschaute, als wenn
er auf eine Frage wartete. Ich fragte aber nicht.»
(Entstehung* S. 10)
1911 Mitte Dezember Erste Besprechung über eine neue BewegungsBerlin, Motz- kunst zwischen Rudolf Steiner und Frau Clara
Straße 17 Smits.
Erste Aufgabe für Lory Smits. (Entst. S. 8)
1912 29. Januar
Kassel
Juli, München
24, August
1. oder 2. Sept.
16.-27. Sept.
B ottmingen
1913 Düsseldorf
Haus Meer
weitere Aufgaben. (Entst. S. 13)
Luziferische und ahrimanische Wesen, 6. Bild
«Der Hüter der Schwelle». Erste Anfänge der
Eurythmie.
Uraufführung «Der Hüter der Schwelle».
Grundrichtungen für die Vokale IA O (noch
nicht für die Arme). (Entst. S. 18)
Erster Eurythmiekurs für Lory Smits in Anwesenheit von Marie von Sivers und Clara Smits.
Das dionysische Element. In der letzten Stunde
schlug Marie v. Sivers für die neue Bewegungskunst den Namen Eurythmie vor. (Entst. S. 19-44)
Eurythmische Arbeit im kleineren Kreise.
* Siehe «Die Entstehung und Entwickelung der Eurythmie», Bibl.-Nr. 277a,
Gesamtausgabe 1965.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 5 9 7
1913 26. April
22. August
München
28. August
31. August
Oktober
Düsseldorf
Haus Meer
1914 20. u. 21. Januar
Berlin
April
Dornach
August
Herbst
1915 11.April
Ostern
22. Mai
Pfingsten
15. August
18. August bis
11. September
Erster Text für die Eurythmie von Rudolf Steiner:
Der Wolkendurchleuchter. Neue Übungen.
(Entst. S. 46)
Uraufführung «Der Seelen Erwachen», im 2. Bild
werden die Sylphen und Gnomen eurythmisch
dargestellt. (Entst. S. 47)
Erste eurythmische Vorführung anläßlich eines
geselligen Beisammenseins. Erste Ansprache von
Rudolf Steiner vor der Eurythmie. (Entst.
S. 50)
Neue Aufgaben für Lory Smits. (Entst. S. 51)
Beginn einer intensiven Arbeit mit einer größeren Gruppe.
In den nächsten Monaten geben einige Eurythmistinnen in verschiedenen Städten Eurythmiekurse in den Mitgliederkreisen, z.B. in Stuttgart,
Hamburg, Leipzig, München, Berlin, Kassel,
London, Den Haag.
Eurythmie-Aufführung anläßlich der Generalversammlung. Zweite Ansprache von Rudolf Steiner Vor der Eurythmie. (Entst. S. 53)
Anfang einer eurythmischen Arbeit in Dornach
durch Tatiana Kisseleff, zunächst im «Hotel Jura».
Marie von Sivers übernimmt die Führung der
eurythmischen Arbeit im «Haus Hansi».
Beginn regelmäßiger eurythmischer Darbietungen auf der Bühne in der Schreinerei vor den
Vorträgen.
Faust L, Osternacht.
Faust II., Arielszene.
Faust II., Himmelfahrt.
Zweiter Eurythmiekurs: Das apollinische Element. Neue Texte für die Eurythmie: Planetencopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 5 9 8
1915-1918
November
1919 16. Januar
24. Februar
27. Februar
13. März
25. Mai
1920 Dornach
November
1921 12.-17. April
September
1922 u.a. Okt./Nov.
tanz, Zwölf Stimmungen, Das Lied von der Initiation. Erste Angaben für die Toneurythmie.
werden die verschiedensten Szenen aus Faust I
u. II nacheinander unter Mitwirkung der Eurythmie aufgeführt. - Regelmäßige Eurythmie-Darbietungen vor den Vorträgen für die Mitglieder.
Erste Formen von Rudolf Steiner für die «Chöre
der Urtriebe» von Fercher von Steinwand. Die
ersten Formen für die Jahressprüche des Seelenkalenders (noch ohne Vor- und Nachtakte).
Faust II. Klassische Walpurgisnacht (Schlußszene) vor deutschen Internierten, später Aufführungen vor geladenen Gästen.
Zürich: Erste öffentliche Eurythmie-Aufführung
im Pfauentheater.
Winterthur: Öffentliche Aufführung.
Dornach: Öffentliche Aufführung.
Stuttgart: Erste Öffentliche Eurythmie-Aufführung in Deutschland. Beginn regelmäßiger Gastspiele in Deutschland und in der Schweiz.
Vom Jahre 1919 ab fanden jedes Jahr EurythmieTourneen durch Deutschland statt.
Ausarbeitung von Szenen aus den Mysteriendramen unter Mitwirkung der Eurythmie.
Freiburg und Stuttgart: Öffentliche Aufführungen pädagogischer Eurythmie unter Mitwirkung
von Schülern der Waldorfschule, mit Ansprachen
von Rudolf Steiner.
Dornach: Heileurythmie-Kurs.
Erste eurythmische Darbietungen von Gedichten
in französischer, englischer und russischer Sprache mit Formen von Rudolf Steiner.
Erste Form für die Toneurythmie: Grieg
« Schmetterling ».
Eurythmie-Gastspiele in Holland und Kristiania.
Eurythmie-Gastspiele in Oxford, London und
Den Haag.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 599
1923 7./8. März
Stuttgart
April
Aug./Sept.
1924 19.-27. Febr.
März/April
20./22. April
30. April
24. Juni bis
12. Juli
August
Okt./Nov.
1925 Febr./März
29. März
Dornach
Vorträge für Lehrer «Das Tonerlebnis im Menschen». Intervallformen.
Eurythmie-Gastspiel in Prag.
Gastspiele in Ilkley, Penmaenmawr, London.
Dornach: Toneurythmie-Kurs.
Eurythmie-Gastspiele in Deutschland und Prag.
Dornach: «Grundsteinlegung» eurythmisch aufgeführt für Mitglieder.
Stuttgart: Konferenz im «Eurythmeum». Neue
Übung: IUA .
Dornach: Lauteurythmie-Kurs.
Neue Texte: Strebe nach Frieden…; Es keimen
der Seele…; Ich suche im Innern (Meditation);
Ich denke die Rede.
Gastspiele in Torquay und London.
Eurythmie-Tournee in Deutschland.
Eurythmie-Tournee in Deutschland.
Letzte Eurythmie-Aufführung vor dem Tod
Rudolf Steiners (30. März 1925). |