III Laut-Eurythmie-Kurs 15
** Aufsatz im «Nachrichtenblatt» vom 20. Juli 1924**
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Kursus über Laut-Eurythmie abgehalten. Er hatte zum Inhalt eine
nochmalige Darstellung von vielem, was bisher auf diesem Gebiete
gegeben worden ist und zugleich eine Vertiefung und Erweiterung
dieses schon Bekannten. Die eurythmisierenden Künstler, die am
Goetheanum und von da aus an vielen Orten die Eurythmie als
Kunst ausüben, die auf diesem Gebiete Lehrenden, die Lehrkräfte
der von Marie Steiner in Stuttgart begründeten und geleiteten
Eurythmie-Schule, die für Eurythmie tätigen Lehrkräfte der Waldorfschule und der Fortbildungsschule am Goetheanum, Heü-Eurythmisten, und eine Reihe anderer Persönlichkeiten, die durch ihren
Beruf als Künstler oder Wissenschafter auf andern Gebieten für
Eurythmie Interesse haben, nahmen an dem Kursus teil.
Eurythmie macht ja möglich, das Künstlerische als solches in
seiner Wesenheit und seinen Quellen zur Anschauung zu bringen.
Darauf wurde bei Abhaltung dieses Kurses besonders gesehen. Als
eurythmischer Künstler kann nur wirken, wer aus innerem Beruf
und innerer Begeisterung Kunstsinn schöpferisch entfaltet. Um die in
der menschlichen Organisation liegenden Form- und Bewegungsmöglichkeiten zur Offenbarung zu bringen, hat man nötig, daß die
Seele ganz von Kunst erfüllt ist. Dieser universelle Charakter des
Eurythmischen lag allen Ausführungen zu Grunde.
Wer eurythmisieren will, muß in das Wesen der Sprachgestaltung
eingedrungen sein. Er muß vor allem an die Geheimnisse der LautSchöpfung herangekommen sein. In jedem Laute ist ein Ausdruck für
ein Seelenerlebnis gegeben. Im vokalischen Laute ein solcher für ein
gedankliches, gefühlsmäßiges, willensartiges Sich-Offenbaren der
Seele, im konsonantischen Laute für die Art, wie die Seele ein
äußeres Ding oder einen Vorgang vergegenständlicht. Dieser Ausdruck im Sprachlichen bleibt beim gewöhnlichen Sprechen zum
größten Teile ganz unterbewußt; der Eurythmist muß ihn auf ganz
exakte Art kennenlernen, denn er hat, was im Sprechen hörbar wird,
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in die ruhende und bewegte Gebärde zu verwandeln. Das innere
Gefüge der Sprache wurde deshalb in diesem Kurse bloßgelegt. Die
Lautbedeutung des Wortes, die der Sinnbedeutung überall zum
Grunde Hegt, wurde anschaulich gemacht. Von der eurythmischen
Gebärde aus läßt sich manches in dem Gesetzmäßigen der Sprache,
das gegenwärtig, wo das Sprechen in einer stark abstrakten Seelenverfassung ausgeführt wird, wenig erkannt wird, zur Darstellung
bringen. Das ist in diesem Kursus geschehen. Dadurch, so darf
gehofft werden, wird er auch Lehrern des Eurythmischen die ihnen
nötigen Richtlinien gegeben haben.
Der Eurythmist braucht die Hingabe an das Kleinste der Gebärde,
damit seine Darstellung wirklich zum selbstverständlichen Ausdruck
des Seelischen wird. Er kann die große Gebärde nur gestalten, wenn
ihm dieses Kleinste erst zum Bewußtsein, dann zur gewohnheitsartigen Äußerung des seelischen Wesens geworden ist.
Es wurde betrachtet, wie die Gebärde als solche Seelen-Erlebnis und
Geist-Inhalt offenbart, und auch wie diese Offenbarung zum Seelenausdruck sich verhält, der in der Laut-Sprache sich hörbar verwirklicht. Man kann an der Eurythmie das Technische der Kunst würdigen
lernen; aber gerade auch an ihr tief durchdrungen werden davon,
wie das Technische alle Äußerlichkeit abstreifen und ganz vom Seelischen ergriffen werden muß, wenn wahrhaft Künstlerisches leben
soll. In der Kunst auf irgendeinem Gebiete tätige Menschen sprechen
oft davon, wie die Seele hinter der Technik wirken soll; die Wahrheit
ist, daß in der Technik die Seele tätig sein muß.
Ein besonderer Wert wurde in diesen Vorträgen darauf gelegt, zu
zeigen, daß der ästhetisch empfindende Mensch in der wahr gestalteten
Gebärde das Seelische unmittelbar auf ganz eindeutige Art wahrnimmt. Es wurden Beispiele vorgeführt, die veranschaulichten, wie
ein Inhalt in der Seelenverfassung auf selbstverständliche Art in einer
gewissen Gebärdengestaltung gesehen werden kann.
Es wurde auch gezeigt, wie alle Sprachgestaltung, die in Grammatik, Syntax, in Sprachrhythmus, in poetischen Tropen und Figuren,
in Reim und Strophenbau sich offenbart, die entsprechende Verwirklichung auch in dem Eurythmischen findet.
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Die Zuhörer dieses Kurses sollten nicht nur in der Erkenntnis der
Eurythmie gefördert werden, sondern es sollte von ihnen erlebt
werden, wie alle Kunst getragen sein muß von Liebe und Begeisterung. Der Eurythmist kann seine Kunstschöpfung nicht von sich
ablösen und sie objektiv vor den ästhetisch Genießenden hinstellen
wie der Maler, der Plastiker, sondern er bleibt in seiner Darstellung
persönlich darinnen; man sieht an ihm, ob in ihm Kunst wie ein
göttlicher Weltinhalt lebt oder nicht. In unmittelbar künstlerische
Gegenwart muß am Menschen der Eurythmist das Künstlerische als
anschauliches Wesen hinstellen können. Das erfordert ein besonderes
innerlich-intimes Verhältnis zur Kunst. Zum Verständnisse davon
wollte dieser Kurs den Teilnehmern verhelfen. Er wollte zeigen, wie
in der Seele beim Anschauen der Gebärde das Gefühl, die Empfindung sich entzündet, und wie dann diese Empfindung zum Erleben des sichtbaren Wortes führt. Man kann vieles, was im hörbaren
Worte nur unvollkommen sich darleben kann, durch die eurythmische
Gebärde zur vollen Offenbarung bringen. Hörbares Wort in Rezitation und Deklamation in Verbindung mit dem sichtbaren Worte
geben dann einen Total-Aus druck, der intensivste künstlerische Geschlossenheit bewirken kann.
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Dornach, 3. August 1924, nachmittags 5 Uhr
Poesien der ernsten Art, Musikstücke getragenen Charakters in
Eurythmischer Kunst den geneigten Mitgliedern in Begeisterung
vorgeführt.
PROGRAMM
Pastorale aus dem Weihnachtsoratorium J. S. Bach
Andante J. E. Galliard
The Secret Gate Fiona Macleod
Arioso G. Fr. Händel
The Weaver of Snow Fion a Macleo d
Andante au s de r 1 . Violinsonate , A-Du r … . G . Fr . Hände l
Mo-Lennav-a-Chree Fiona Macleod
Time Fiona Macleod
Thomas the Rhymer W. Scott
The Bandruidh Fiona Macleod
Musik: Jan Stuten
p, h-moll Johannes Brahms
Elf-Stroke aus dem Dänischen
Prelude, Op. 51, Nr. 2 A. Scriabine
Dirge (Much ado about nothing) W. Shakespeare
Lullaby W. Shakespeare
Musik: M. Schuurman
Mignonne P. de Ronsard
Prelude, c-moll J. S. Bach
Laughing Song William Blake
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Stuttgart, 1. Oktober 1924
Hannover, 5. Oktober 1924
Hamburg, 21. Oktober 1924
Berlin, 28. und 29. Oktober 1924
PROGRAMM
Die Grundsteinlegung Rudolf Steiner
Pre'lude, es-moll J. S. Bach
Aus «Wegzehrung» Albert Steffen
In die schwarze, schlummerlose …
Ich irre ab …
Arioso G. Fr. Händel
Licht seh ich Albert Steffen
Aus den Jahressprüchen: Natur, dein Rudolf Steiner
Präludium (Allegro) Pugnani-Kreisler
Sprites (The Tempest) W. Shakespeare
Das Grammophon Christian Morgenstern
Schmetterling Jan Stuten
Vermächtnis Robert Hamerling
Larghetto affettuoso G. Tartini
aus der Violinsonate, g-moll (Teufelstriller)
Herbst Albert Steffen
Allegro (confuoco) aus der 2. Violinsonate, g-moli . . G. Tartini |