III Aus Briefen von Rudolf Steiner und Marie Steiner 14

Mai/Juni 1924

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… Nun habe ich die Gedichte alle, auch die Schwester Helene, gestaltet. Nur mit zwei Kleinigkeiten, die Du mir abgetippt gegeben hast, konnte ich nicht fertig werden. Ich hoffe, daß ich auch diese noch zustande bringe. Ich habe nun alles an Frl. Bauer zum Abzeichnen gegeben und diese beauftragt, Dir nach Eisenach Text und Formen zu senden. Ich hoffe, daß Du sie bald auf der Reise noch bekommst. … An Rudolf Steiner in Dornach Erfurt, 26. Mai 1924 In Nürnberg ging es uns recht gut, bis auf Stutens Erkrankung. Die Mitglieder sind dort recht rührig gewesen; der große Saal des Kulturvereins, - wohl der größte, in dem ich gesprochen habe (mit Ausnahme Wiens), - war voll. Oben in einer Loge entdeckten wir sogar einen akustischen Platz und ich glaube, es klang gut. Es war ein absoluter Erfolg, - Kritiken hat man uns noch nicht zugeschickt. Ein junger Mediziner, Schenk, las ganz ordentlich [als Einführung] aus dem «Goetheanum». … Eisenach hat ein ganz nettes Theater, … Die Aufnahme war eine sehr gute, - die Arbeiter sagten, die Eisenacher seien noch nie so warm geworden, aber das Theater war nicht halb gefüllt, vielleicht sogar [nur] ein drittel. Der Hotelier vom Rautenkranz, wo wir alle gut untergebracht waren, war sehr entzückt, und sagte, er höre von den verschiedensten Seiten nur Gutes; wir sollten nur ja wiederkommen; es würde dann sicher voll werden. - Heute geht es also in Erfurt los. Da soll der Direktor mit ziemlichem Widerstreben das Theater gegeben haben. Die Probe beginnt recht spät, alles an einem Tage. … Die Kritik des rechtsstehenden Blatts in Eisenach war durchaus günstig. Ein anderes Blatt findet das Ton-Eurythmische sehr schon. Morgen geht es nun nach Naumburg. Herr Ritter las in Eisenach und liest hier. Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 461 An Marie Steiner auf Eurythmiereise Paris, 27. Mai 1924 Herzlichsten Dank für Deinen Brief aus Nürnberg. Es freut mich, daß es so weit ganz gut gegangen ist. Hoffentlich hält sich Deine Gesundheit. An die muß ich viel denken. Wenn sich nur nicht solch frostige Dinge wie das beschriebene am Montag bei der Ulmer Vorstellung zu oft wiederholen! … An Rudolf Steiner in Dornach Hannover, 1. Juni 1924 … Wir sind nun in Hannover, hatten heute Generalprobe, morgen Vorstellung. … Das Theater - die Schauburg - ist sehr schön. Was uns wohl da blühen wird! In Hildesheim ging alles glatt, - der Besuch war gering, aber so, wie er im Hildesheimer Theater zu sein pflegt: 150 Menschen ungefähr. Eine Anzahl Hannoveraner waren aber brav herübergekommen, da es in Hildesheim nur das eine Mitglied Hensel gibt. Der Theaterdirektor war sehr entzückt (heißt es), und hat sogar statt der Miete die eingenommenen Mark zwischen uns zwei Parteien geteilt. Geklatscht wurde fleißig; bloß ein Rezensent von einer dort bekannten Zeitung, ein dummer Junge, sagt Hensel, soll über das Tanzen von Gedichten geschimpft haben. Sonst soll alles begeistert gewesen sein. - In Naumburg war der Saal ganz voll und die Stimmung eine sehr mitgehende, viel Beifall. Als alles zu Ende war, schwang sich ein Mensch auf die Bühne - erst sah es aus als ob er danken wollte für die Genüsse -, dann fing er an darüber zu reden, daß damit Anthroposophie zum ersten Mal in die Öffentlichkeit gekommen sei, daß man bedenken solle, wo man sei - im Rathaus, in der Reichskrone - hier wurde die Geschichte recht unverständlich — Er lege Verwahrung ein gegen den Mißbrauch deutscher Dichtung — Hier frug ich: Mit welchem Rechte stehen Sie denn überhaupt da und reden ?, - worauf sich unsere Herren in Bewegung setzten und ihn hinunterbeförderten. Das Publikum stand auf unserer Seite. Aber am andern Tage hörte ich, als Meinung gewisser Mitglieder, man hätte ihn doch zu hart behandelt und ihn zu Ende reden lassen sollen; er wäre ein «kunstkundiger» Mann. Er soll ein früherer Kommunist gewesen sein, ein Maler, dann Dadaist, und jetzt hätte Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 4 62 er eine Anstellung in reaktionären Kreisen; wäre aber empört, daß Stadt-Baurat Hossfeld (unser Mitglied) den [Bildhauer] Mund aus Leipzig beschäftige, statt ihn. Die Geschichte hat auch ein Nachspiel In der Zeitung. - Zwei Erfurter Zeitungen haben sich sehr lobend über die Eurythmie ausgesprochen, die dritte, die den Pfeifer angestellt hat, hat geschimpft, was das Zeug hält. In Erfurt wollte eine Theaterverschließerin mich nicht hinunterlassen ins Auto, denn sie sagte, es stünden da verdächtige Gestalten und man könne heutzutage nicht wissen, was passiere; sie kenne uns von München her. Es sollten erst andere mit dem Auto abfahren und mich später abholen. So geschah es; das Merkwürdige war, daß, als ich abfuhr, an 3 Ecken sich Polizisten in Gruppen aufgestellt hatten. Da ich unterwegs mehrere Briefe und Telegramme aus Görlitz und Breslau gehabt hatte, habe ich zugesagt, die Vorstellung dort zu geben; nur konnte ich nicht mehr eine extra Vorstellung für Pfingsten vorbereiten. Das wurde noch vor Erfurt beschlossen. Jetzt habe ich freilich nicht die Meinung, daß es gut ist, die Reise zu verlängern. Die Pässe reichen bis zum 20.; und ich hätte noch Stuttgart, Konstanz - oder Heidelberg, Konstanz anfügen können. … 2. Juni … Eben habe ich ein Programm aus Koberwitz erhalten, aus dem ich ersehe, daß wir erst am 17. werden abreisen können. Somit ist es klar, daß die Tournee damit abgeschlossen ist. … Kisseleff hat einen schönen Pfingstspruch von Dir. Vor der Abreise gab ich Dir so viel Englisches, daß ich damit Dir nicht kommen wollte. Wenn Du jetzt vielleicht eine Form dafür würdest machen wollen, so frage nach dem Spruch bei ihr; sie wird selig sein und wir auch. Hier wird heute abend ein Herr von der Decken, ein Priester, die einleitenden Worte sprechen; er hat recht geschickte Artikel über Eurythmie verfaßt, und scheint ein sehr intelligenter, rühriger Mensch zu sein. Morgen haben wir einen freien Tag und wollen auf den Brocken, womöglich da übernachten, und übermorgen nach Halle, Hotel Stadt Hamburg. … Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 4 63 Dornach, den 29. Juni 1924, nachmittags 5 Uhr Romantisches und auch Klassisches in Dichtung und Musik eurythmisiert. PROGRAMM Grave, aus der Suite, D-Dur J. S. Bach Grenzen der Menschheit J. W. v. Goethe Zum Adam- und Eva-Tag Albert Steffen Etüde, f-moll . Fr. Chopin An den Mistral Friedrich Nietzsche Alkgro aus der 4. Violinsonate G. Fr. Händel Prelude, H-Dur, Nr. 11 Fr. Chopin Mo-Lennav-a-Chree Fiona Macleod Larghetto affettuoso aus der Violinsonate, g-moll (Teufelstriller) . . . G. Tartini Nocturne, Es-Dur Fr. Chopin Um Mitternacht Eduard Mörike Diamanten Robert Hamerling Liebe im Schnee Robert Hamerling Allegro J. E. Galliard Allegretto aus «Sechs leichte Variationen» . L. van Beethoven Der Zauberlehrling J. W. v. Goethe Allegro aus der Violinsonate G-Dur, K.V. 301 . W. A. Mozart Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 4 64 Dornach, den 3. Juli 1924, 8 Uhr abends Dichterisches und Musikalisches von aller Art und Charakter und Sprachen eurythmisiert. PROGRAMM Arioso G. Fr. Händel A Song of Dreams Fiona Macleod Mo-Lennav-a-Chree Fiona Macleod Etüde, f-moll Fr. Chopin Etüde, E-Dur, Op. 10, Nr. 3 Fr. Chopin Persee et Andromede J. M. Heredia Harmonischer Auftakt Musik: Max Schuurman Papillons J. Rameau Musik: Jan Stuten La Grenouilk et le Bauf Lafontaine Scherzo, Allegretto, Des-Dur L. van Beethoven (Mondscheinsonate) Auf den Bergen … (russisch) Andrej Bjely Ariel''s Song (The Tempest) W. Shakespeare Intermesgo, es-moll, Op. 118, Nr. 6 Johannes Brahms Under the greenwoodtree … (As you like it) . . . W. Shakespeare Musik: L. van der Pals Venise A. de Musset Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 4 65 Dornach, 6. Juli 1924, nachmittags 5 Uhr Dichtung und Musik mannigfachster Art und verschiedenster Stile eurythmisiert. PROGRAMM Sarabande aus der 2. Cello-Suite, d-moll J. S. Bach Weihnacht Albert Steffen A Song of Dreams Fiona Macleod Arioso G. Fr. Händel Auf den Bergen Andrej Bjely Nixe Binsefuß Eduard Mörike Intermt(xp, es-moll, Op. 118, Nr. 6 Johannes Brahms Russischer Frühling Wladimir Solovjeff Le Samourai J. M. Heredia Allegro aus der Klaviersonate, c-moll (Pathetique) L. v. Beethoven ha Cigale et la Fourmi Lafontaine Alkgretto aus «Sechs leichte Variationen» . L. van Beethoven Le Loup et l'Agneau Lafontaine Prelude, Op. 49, Nr. 2 A. Scriabine Der Bahnvorstand Christian Morgenstern Die Tafeln Christian Morgenstern Humoristisches Rondo Max Schuurman Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 4 66 Dornach, den 10. Juli 1924, abends 8 Uhr Erhabenes, Anmutiges, Dichterisches in verschiedenen Sprachen und Musikalisches eurythmisiert. PROGRAMM Prelude, E-Dur Fr. Chopin Finsternis, Licht, Liebe Rudolf Steiner Arie aus der Suite D-Dur J. S. Bach Die Seele fremd Albert Steffen Vision Fiona Macleod Prelude, cis-moll S. Rachmaninoff The Weaver of Snow Fiona Macleod Prelude, c-moll J. S. Bach Love's Perjuries . . . W. Shakespeare Allegro aus der Klaviersonate, F-Dur, K.V.332 . W. A. Mozart Menuett für Flöte und Klavier Rosenberg Mignonne P. de Ronsard Intermesgo, Op. 10, Nr. 3 Johannes Brahms Edward, Altschottische Ballade J. G. Herder Prelude, Op. 51, Nr. 2 A. Scriabine The Castle by the Sea H. W. Longfellow Warum? Robert Schumann Hark, hark, … (Cymbeline) W. Shakespeare Auftakt L. van der Pals Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 4 67 Dornach, 13. Juli 1924, nachmittags 5 Uhr Klassische und auch andere Dichtung und Musik ernst und heiter eurythmisiert PROGRAMM Pastorale aus dem Weihnachtsoratorium J. S. Bach The Bandruidh Fiona Macleod Prelude, b-moll J. S. Bach Du hast mein Her% Albert Steffen Vision Fiona Macleod Russischer Frühling WL Solovjeff Interme^xp, h-moll, Op. 10, Nr. 3 Johannes Brahms Les Elfes Leconte de Lisle Alkgro aus der Klaviersonate, F-Dur W. A. Mozart Mrs. GUI and the Fairy W. de la Mare Allegretto aus «Sechs leichte Variationen» . L. van Beethoven Love's Perjuries (Love's Labour lost) W. Shakespeare Intermezzo, B-Dur, Op. 76, Nr. 4 Johannes Brahms Kle'arista v J. M. Heredia Präludium, Allegro. . Pugnani-Kreisler Eilidh, my Farvn Fiona Macleod Allegro G. Tartini 2. Satz aus der 2. Violinsonate, g-moll |


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