III Aus Briefen von Rudolf Steiner und Marie Steiner 16
Oktober 1924
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… Wegen des Programms von morgen habe ich große Schmerzen.
Durch den Ausfall von Donath ist es tief unbefriedigend. Das
heutige ging ja, weil wir es noch ordnen konnten für die letzte
Vorstellung in Dornach, an der Du nicht dabei warst. Aber das
zweite Programm, das «öffentliche», ist durchaus mangelhaft. Was
wir versucht haben bei der sogenannten Generalprobe am Montag
vor der Abreise hält nicht stand. …
Da es nun unser Reiseprogramm werden muß, werde ich versuchen,
es dadurch aufzubessern, daß ich den «Herbst» von Steffen hineinnehme. Ob es eine so günstige Stelle kriegen kann, wie im MichaeliProgramm, weiß ich noch nicht.
Die heutige Vorstellung scheint große Begeisterung hervorgerufen
zu haben. … Wenn Du nicht anders kannst als auch im Bett arbeiten,
wären da einige Formen für Gedichte nicht eine angenehme Abwechslung? Das Künstlerische ist ja eines Deiner Lebenselemente.
Aber ich will gar nicht, wenn es eine Anstrengung ist, die irgendwie
an den Kräften zehrt. Nur, wenn es Dir leicht fällt. In dem Fall
hätte ich gern einige Gedichte angegeben. In der neuen Auflage
«Wegzehrung» z.B. folgendes zur Auswahl: Seite 27 - 32 - 19 -
113 - 112 - 108 - 91 - 89 - 88. Mackenzie könnte ein Exemplar der
neuen Auflage Dir gleich hinschicken. - Sehr gern hätte ich einige
der starken Gedichte von Morgenstern, - vielleicht kann ich in
Barmen bei Frau Wittenstein nachschlagen. Und dann würde ich aus
meinem Büchlein einige Weihnachtssprüche von Rudolf Steiner abschreiben, und schicken, - wenn wirklich Berlin ausfällt und diese
Arbeit keine zu anstrengende ist.
An Marie Steiner auf Eurythmiereise Goetheanum, 8. Oktober 1924
… Den Weihnachtsspruch schicke ich mit; ich werde nun Steffen
vornehmen und sehen, ob ich aus dem einen oder dem andern von
Dir Angegebenen etwas machen kann. - …
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:277 Seite: 474
An Marie Steiner auf Eurythmiereise Goetheanum, 9. Oktober 1924
Es ist mir von den vorgeschlagenen Steffen-Nummern bisher nur
gelungen 2 in Formen umzusetzen; ich werde mich aber weiter bemühen - bei den andern treten Schwierigkeiten auf: macht man sie
Solo oder mit wenig Personen, dann braucht man viel Formen-Erfindung; und macht man von vornherein viel Personen, so ist Dir bei
einem Reise-Programm wohl wenig gedient.
Ich schicke mit dieser Sendung auch noch mit, was ich gestern für den
Weihnachtsspruch vergessen habe: Bekleidung und Beleuchtung. …
An Rudolf Steiner in Dornach Barmen, 9. Oktober [1924]
… Hannover lief glücklich ab. Es wurde so viel geklatscht, daß eine
Ecke davon irritiert wurde. Man weiß dann nicht recht, ob es Andächtige oder Gegner sind. Bei der internen Aufführung war es die
Tochter des früheren Reichskanzlers Michaelis, die aus Andacht das
Klatschen nicht wollte. Bei der öffentlichen Aufführung sagte freilich
von der Decken, daß 6 «Kaffeehaus-Ästheten» unter sich besprochen
hatten, die Sache «zum Kippen» zu bringen. Er hätte sich dann mit
mehreren Freunden hinter ihre Stühle gesetzt; zum Schluß wären sie
zahm geworden. Das ist, was den Eurythmie-Reisen in Deutschland
die etwas enervierende Spannung gibt. Man muß jedes Mal damit
rechnen, daß der Versuch gemacht werden wird, die Sache zum Kippen zu bringen. Irgendwelche Symptome für Gegnerwühlereien gibt
es immer.
Hier haben wir nun einen Saal, der ja modern elegant ist, aber
natürlich nicht so angenehm und wirksam wie ein Theater. …
Das Programm ist ja nun doch ein recht effektvolles; aber die TonEurythmie überwiegt. Ich habe es nicht anders schaffen können; damit
das Interesse bis zum Schlüsse gesteigert wird und keine Kleiderpausen
entstehen, mußte es so gestaltet werden: Larghetto/Händel/Seele
fremd. - Fahrt b. Nacht. - Davidsbündler. - Vernichtung oder Verjüngung - Pugnani. Etüde Chopin. Herbst, Steffen. Allegro, Tartini.
Dann: Romanze, Brahms. Gärtner, Mörike. Schön Rotraut. - Intermezzo, Brahms. Gavotte, Bach. Allegretto, Beethoven. «Das Huhn».
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 4 7 5
Fasching, Schumann und humoristisches Rondo. Das führen wir nun
bis Berlin auf Reisen herum, und auch nachher. In Berlin kommt
dann für die zweite Aufführung: «Johannisnachtstraum». …
Ich werde Stuten mit seiner Musik nach Berlin bitten, - wenn
man uns bis dahin noch heil gelassen hat. …
Jetzt, wo wir die neu hinzugekommenen Szenen üben, hat man das
Bedürfnis wieder weiter zu gehn, und die Streitszene zwischen
Oberon und Titania auch eurythmisch zu gestalten. …
Am glücklichsten sind unsere Damen, wenn sie die «Grundsteinlegung» machen dürfen. … In Berlin soll es zwei Mal kommen.
An Marie Steiner auf Eurythmiereise Goetheanum, 11. Oktober 1924
Zwei Stücke aus Steffen konnte ich noch zustande bringen; ich
hoffe, daß sie Dir gefallen werden, denn ich habe mir viel Mühe
damit gegeben. Eines ist als Gruppe, das andre als Solo gedacht.
Zu andern habe ich Formenzugänge gesucht; aber bisher noch nicht
finden können. …
An Marie Steiner auf Eurythmiereise Goetheanum, 12. Oktober 1924
Nun habe ich noch ein Steffen-Gedicht gefunden, daß halb Solo, halb
Gruppe geworden ist; ich denke, so könnte es jedenfalls auf der
Bühne ganz eigenartig wirken. …
An Marie Steiner auf Eurythmiereise Goetheanum, 13. Oktober 1924
Nun weiß ich nicht, ob Dich einigermaßen befriedigen kann, was ich
da über Oberon-Titania gemacht habe; ich habe mir alle Mühe gegeben; doch ist es schwer, so etwas aus der Mitte heraus zu ergänzen, wenn das «vorher» und «nachher» doch nicht so ganz
lebendig vor der Seele steht. Aber vielleicht ist doch etwas Schönes
herausgekommen; stilgemäß scheint es mir ja gewiß zu sein. Ich
habe also doch auch die Szene S. 31 mit dem Zettel gemacht.
Die Dinge aus Steffen, die ich gemacht habe, habe ich auch wirklich
gern gemacht. Ich glaube auch nicht, daß irgendeines anders ausgefallen wäre, wenn ich vorausgesetzt hätte, Du machst alle erst hier;
von den meisten habe ich das ja auch angenommen. Denn wo sollte
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 476
Hannover, 6. Oktober 1924
Barmen, 9. Oktober 1924
Hamburg, 12. Oktober 1924
Bremen, 14. Oktober 1924
Kiel, 16. Oktober 1924
Lübeck, 19. Oktober 1924
Berlin, 26. Oktober 1924
Kassel, 6. November 1924
PROGRAMM
Larghetto aus der 4. Violinsonate G. Fr. Händel
Aus «Wegzehrung» Albert Steffen
Die Seele fremd …
Fahrt bei Nacht …
Davidsbündler Tan^, Nr. 11 Robert Schumann
Vernichtung oder Verjüngung Robert Hamerling
Präludium, Allegro Pugnani-Kreisler
Etüde, E-Dur, Op. 10, Nr. 3 Fr. Chopin
Herbst Albert Steffen
Allegro aus der 2. Violinsonate, g-moll G. Tartini
Romanze, F-Dur, Op. 118, Nr. 5 Johannes Brahms
Der Gärtner Eduard Mörike
Schön Rohtraut Eduard Mörike
Interme^o, es-moll, Op. 118, Nr. 6 Johannes Brahms
Gavotte aus der Suite, D-Dur J. S. Bach
Allegretto aus «Sechs leichte Variationen» . L. van Beethoven
Das Huhn Christian Morgenstern
Allegro aus «Ein Faschings schwank» . . . Robert Schumann
Humoristisches Rondo Max Schuurman
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 4 77
auf der Reise die Zeit und Kraft herkommen, die Dinge zu üben. Ich
habe nur gedacht, Du brauchtest das eine oder das andere zur Korrektur des Programms. Es gibt ja im Grunde für ein Gedicht nur
eine richtige Form.
Nun aber sind die Telegramme über die schönen Erfolge gekommen
- besonders Hamburg scheint ja außerordentlich gewesen zu sein. Ich
bin so froh, daß die Kraft, Mühe und Gesundheit, die da hinaus
gesetzt wird, doch wenigstens in Menschenherzen Wurzeln faßt. …
An Marie Steiner auf Eurythmiereise Goetheanum, 15. Oktober 1924
… Die Bearbeitung der Oberon-Titania-Szene habe ich nach Lübeck
gesandt. Hoffentlich findest Du sie dort vor. Ich denke: ich kann
auch diesen Brief noch nach Lübeck adressieren, da ja das Verzeichnis ausweist, Du seiest bis zum 19. dort.
Über den Hamburger Erfolg, über den Hemsoths Telegramm berichtet, habe ich mich ungeheuer gefreut. Von Bremen habe ich noch
nichts gehört. …
An Rudolf Steiner in Dornach
Hamburg, 12. Oktober 1924 [Fortsetzung 15. Okt.]
Dies wird wohl die glänzendste Vorstellung gewesen sein auf dieser
Reise. Das Haus war ausverkauft, es ist sehr groß und hat sich seit
dem Kriege wieder viel schöner herausgeputzt. Der Teppich z. B. war
so schön, daß alle unsere Farben und Beleuchtungen doppelt so schön
drauf aussahen wie sonst. Alles ging glatt…. Gegner haben sich nicht
geregt.
… Münch und Räther haben mir beide geschrieben. … Sie bitten
auch von mir den Sprachkursus neben den Eurythmie-Vor Stellungen.
Ich weiß nun wirklich nicht, ob ich das tun soll, denn neben den
zwei öffentlichen soll zweimal die interne Vorstellung stattfinden,
und diese stellt starke Anforderungen an die Stimmkräfte. Die zweite
öffentliche Vorstellung mit den Oberonszenen und einem neuen
Mörike im ersten Teil muß ich so gut wie neu einstudieren, und den
etwas holprigen deutschen Shakespeare-Text doch selbst bei den
Proben sprechen, damit er glatt geht. …
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 47 8
Neulich als ich Dir die Reclam-Blätter für die Titania-Szene
schickte, blieb das letzte liegen. Ich füge es nun diesem Briefe bei.
Es ist der Schluß drin jener Szene, die für jetzt wohl kaum in Betracht kommt: Titania, die Elfen und Zettel.
Wir werden in Hamburg auch die interne Vorstellung geben, am
21. Oktober, auf der Rückreise von Lübeck, im KammerspielTheater, um 5 Uhr, mit zwei Proben, am 20. und 21. um 8 Uhr
morgens. Das ist das weniger schöne Theater, wo wir das erste Mal
waren.
Fortsetzung Bremen, 15. Oktober [1924] 9 Uhr morgens
Nun haben wir gestern hier die Aufführung gehabt. Es war ein
großer Saal ohne Beleuchtungsmöglichkeiten, aber es herrschte große
Begeisterung, und es war viel Jugend da. Immerhin über 1000 Menschen. Frl. Münch lebt jetzt in Bremen als Eurythmie-Lehrerin. Also
es hat sich schon gelohnt die Sache zu machen, aber wir waren nur
auf eine Beleuchtung eingestellt. Nun geht es ins Auto und nach
Kiel.
An Marie Steiner auf Eurythmiereise Goetheanum, 18. Oktober 1924
Es freut mich, nun zu hören, daß es auch in Bremen trotz der
mangelnden Beleuchtung gut gegangen ist, und daß sich Frau
Hemsoth um Deine Versorgung die gute Mühe gibt. Heute bist Du
nach dem Programm in Lübeck. So ist also noch am 21. Oktober
eine Vorstellung in Hamburg. Das Interesse scheint in so erfreulicher
Art groß zu sein.
Ich will weiter Deine Arbeit verfolgen mit den besten Gedanken,
die ich Dir nur schicken kann.
An Rudolf Steiner in Dornach Lübeck, 18. Oktober 1924
… In Kiel war eine mühsam errungene Beleuchtungsmöglichkeit zu
Stande gekommen. Der Saal war immerhin besser als in Bremen, groß
und kahl, - die Bühne ordentlich. Der Saal faßt 1300 Menschen und
es waren zirka 800 Menschen da, bei einer sehr geringen Mitgliederzahl. Es war eine gute Aufnahme, - bei den heitern Sachen schien
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 27 7 Seite: 4 79
es (im zweiten Teil), als ob einige Damen unwohlwollend kicherten,
aber das verlor sich im Applaus. Ich hatte, als ich die versunkene
Größe dieser Stadt sah, die aber noch eine große Universität in sich
hat, einige Befürchtungen gehabt. Vielleicht war es auch ganz gut,
daß wir nicht das große Theater hatten. Hier in Lübeck haben wir
ein herrliches Theater. Man ist bloß ängstlich wegen des Besuchs
der Matinee, denn auch die Theater-Abende seien schlecht besucht,
auch die Strauß-Pfitzner-Veranstaltungen.
… Mit den Formen arbeite ich schon viel, kopierend, verteilend
und einlebend. - Bei Oberon und Titania wird uns die Streitszene
sehr helfen. In Kiel konnte ich die Bühne des Gewerkschaftshauses
am Freitagmorgen zu einer Probe bekommen, und da haben wir das
zweite Berliner öffentliche Programm entwerfen können. - Ob wir mit
der Szene von Titania, Zettel und den Elfen zurecht kommen, kann
ich noch nicht wissen. Wir müßten dann auch Stuten als Zettel
haben, und es scheint mir doch gewagt, ohne Deine Begutachtung
so etwas zu riskieren. Aber probieren werde ichs. So dumm, daß
das eine Blatt aus dem Buche fehlte, das ich Dir letzthin schickte.
Bei der Einteilung des Textes in die Form hinein, deckte sich die
Form grade mit dem zugeschickten Text. Aber das letzte Stückchen
scheint mir schon was neues zu verlangen.
Es ist fatal, Dir solch ein Flickwerk zuzumuten, - und wirklich
nur durch die Not gekommen. So gern hätte ich alle Formen abgezeichnet und Dir geschickt. Aber wo die Zeit hernehmen?
Noch ein Stückchen scheint mir geboten, damit sich die Geschichte
der Verzauberung recht einprägt. Wir haben nun die Streitszene, den
an Droll gegebenen Auftrag, die Blume zu pflücken. Droll zieht ab
(Seite 20, Akt 2, Sz. I) und Oberon müßte noch tanzen können:
«Hab ich nur
den Saft erst, so belausch' ich, wenn sie schläft,
Titanien, und träufl* ihr ihn ins Auge.
Was sie zunächst erblickt, wann sie erwacht,
Sei's Löwe, sei es Bär, Wolf oder Stier,
Ein naseweiser Äff! ein Paviänchen:
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 4 80
Sie soll's verfolgen mit der Liebe Sinn.
Und eh ich sie von diesem Zauber löse,
Wie ich's vermag mit einem andern Kraut,
Muß sie mir ihren Edelknaben lassen.»
Das scheint mir ziemlich notwendig. Nicht wahr?
Fortsetzung Montag, 20. Oktober [1924]
Nun ist auch die Vorstellung in Lübeck geglückt. Das sehr schöne
Theater war nicht voll, aber immerhin ordentlich besetzt. Jedenfalls
haben wir das bestbesetzte Haus gehabt seit langer Zeit hier. Die
Strauß- und Pfitzner-Festspiele sind ein Reinfall für die Direktoren
gewesen, sie hatten schlecht besuchte Häuser und große Verluste.
Die Aufnahme war eine sehr freundliche, ohne Gegenstimmung; sogar die Schauspieler hinter den Kulissen waren sehr freundlich.
… Jetzt geht's gleich nach Hamburg, wo wir morgen 5 Uhr im
Kammerspiel-Theater das Michaeli-Programm haben. Heute morgen
konnten wir noch eine Probe hier im Theatersaal arrangieren. Um
8 Uhr morgens bis 10 - morgen früh - haben wir die Generalprobe in Hamburg. Dann gehen wir nach Berlin, die einen am Mittwoch, die andern am Donnerstag und üben am Johannisnachtstraum.
Wie sich wohl Stutens Musik in alles einreihen wird! Ich laß ihn
nun nach Berlin kommen. …
Am Freitag haben wir schon Probe im Lessing-Theater für das
erste öffentliche Programm.
An Marie Steiner in Berlin Goetheanum, 23. Oktober 1924
Ich habe nun noch alles in die Oberon-Titania-Szenen eingefügt,
wofür es mir gelungen ist, Formen zu finden. Es scheint sich also
bis zu Titan.: «… zur Laube finden» alles zusammenzuschließen. -
Nur «Bohnenblüte, Senfsamen» geht nicht, muß man auslassen. Was
aber da nachfolgt auf S. 46: beim besten Willen ich kann keine
Form finden; ich glaube, das könnte die Wirkung auch nur verderben.
So glaube ich, daß Du jetzt alles hast, was Du haben kannst. …
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:277 Seite:481
An Marie Steiner Goetheanum, 23. Oktober 1924 [zweite Fassung]
Ich denke, ich habe nun alles Gewünschte so gut gemacht, als es nur
irgend geht. Es wird sich in den neuen Blättern, die ich mitschicke,
alles finden, was Du brauchst.
… Sehr erfreut bin ich über den heute morgen angekommenen
Brief aus Lübeck und tief befriedigt über die Nachricht, daß es auch
das zweite Mal in Hamburg gut gegangen ist.
An Rudolf Steiner in Dornach [Berlin] Freitag abend, 24. Oktober 1924
… Jetzt haben wir alles, was wir brauchen für den Johannisnachtstraum, sogar mehr, denn für die Szenen mit Zettel wird die Zeit
doch nicht reichen. Das werden wir uns denn aufsparen für das
Zusammenwirken mit den Schauspielern. Es fehlt jetzt übrigens gar
nicht viel, um die Geisterszenen vollständig zu haben. Und ich
dachte schon, daß es Dir vielleicht recht wäre, da Du ja jetzt im
Bilde bist dessen, was Du selbst dabei willst, ob ich Dir nicht gleich
alle die Szenen schicke, in denen noch etwas fehlt. Ich füge sie hier
bei. Ich habe die Seiten angegeben, und die Stellen angestrichen, an
denen noch etwas zu machen ist. Was übrig geblieben ist, bezieht
sich meistens auf die Abenteuer der Athener. Das habe ich auch
innerhalb der Reden, die wir jetzt zur Darstellung bringen, gestrichen. Das würde aber nötig sein, wenn wir mit den Schauspielern
zusammenwirken. So lege ich sie Dir denn auf alle Fälle zur Begutachtung bei.
Nun haben wir unsere erste Matinee hinter uns. Sie verlief ausgezeichnet, und es hat sich gar keine Gegenstimmung gezeigt, - nur
Beifall. Was die Presse bringen wird, könnte ja anders sein. Es
heißt, es wäre am Freitag ein Schmähartikel im Berliner Tageblatt
erschienen. Jedenfalls hat er bei der Matinee keine Wirkung ausgeübt; das Lessingtheater war ausverkauft, und das Publikum ging
restlos mit.
Im allgemeinen hat uns die Presse dies Mal gut behandelt. Manchmal wider Willen, wie in den Hamburger Nachrichten, aber grade
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 482
dadurch, heißt es, Eindruck machend. Nur auf mich haben sie hin und
wieder geschimpft, oder haben Gedichte unnütz gefunden. …
Hier habe ich aber nun eine etwas beängstigende Aufgabe an den
Johannisnacht-Szenen; denn ich habe doch einige ungeschickte Leute
für den Chor und wenig Zeit. Ich habe jeden Tag neben der Aufführung Probe, die Elfenszenen geprobt und das war eine große
Anstrengung. (Wir durften uns im Lessing Theater ziemlich ausgiebig aufhalten.) … Morgen muß ich sehr viel proben: das MichaeliProgramm für Dienstag und Mittwoch, und das neue.
Fortsetzung 3. November [1924]
… So muß ich von Dank und Glück sprechen, daß die Aufführung
gestern gelungen ist. Sie wurde mit Begeisterung aufgenommen. …
An Marie Steiner in Berlin Goetheanum, 31. Oktober 1924
… Es war so schön, als das Berliner Telegramm kam und den guten
Verlauf der Vorstellung berichtete. Seither habe ich allerdings nichts
von der Nachwirkung dieser Vorstellung gehört. So z. B. gar nichts
darüber, ob diejenigen, die alles, auch wovon sie gar keine Ahnung
haben, in gedrucktem Urteil «dem Tage» servieren, sich haben vernehmen lassen, oder nicht. … |