I Die Erneuerung der alten Tempel-Tanzkunst durch die neue Raumbewegungskunst 3
** Dornach, 25. August 1918, anläßlich des Besuchs des holländischen Prinzgemahls, mit einer Darstellung aus Goethes «Faust» I, «Prolog im Himmel»**
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mit der eurythmischen Kunst verbinden. Ein Stückchen von dieser
eurythmischen Kunst soll ja zur Vorstellung kommen.
Wir denken uns unter dieser eurythmischen Kunst etwas, ich
möchte sagen wie eine Erneuerung, aber in durchaus moderner Form,
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der alten Tempel-Tanzkunst. Denkt man heute an die Inaugurierung
von dergleichen, so ist es natürlich notwendig, daß man dann den
ganzen Sinn der menschlichen Kunstentwickelung überhaupt ins Auge
faßt, wenn irgend etwas, das neu sein soll, in die Gegenwart hereinkommt. Wenn man heute die verschiedenen Zweige der Geistesentwickelung der Menschheit ansieht, so bewegen sie sich nebeneinander. Kunst, Religion, Wissenschaft, überhaupt alle menschlichen
Geistesbewegungen sind eigentlich aus einer Wurzel entsprungen.
Man kann in älteren Zeitepochen, den Urkulturen sozusagen, sich die
göttlich-heiligen Geheimnisse der Menschheit ansehen; sie konnten,
insofern sie dem Sinnensein entnommen werden konnten, so angesehen werden, dann war es schöne Kunst. Dasselbe konnte auch
so angesehen werden, daß es auf das Erkenntnisvermögen wirkte,
Dornach, 25. August 1918
PROGRAMM
Musikalischer heiterer Auftakt . Musik von Leopold van der Pals
Die Nektar tropfen J. W. v. Goethe
Musikalischer Auftakt: Schau in dich . . . Leopold van der Pals
Aus dem Mysteriendrama: Die Pforte der Einweihung Rudolf Steiner
Das Märchen vom Lieben und Hassen
Das Märchen vom klugen Verstand
Musikalischer Auftakt: Plane tentan^
An Elise Friedrich Hebbel
Auf die Sixtinische Madonna Friedrich Hebbel
Gruß an die Elemente Friedrich Hebbel
An den Mistral Friedrich Nietzsche
Zum Neuen fahre . . J. W. v. Goethe
Schau in dich, schau um dich…
Liederseelen C. F. Meyer
Prolog im Himmel, aus «Faust» I J. W. v. Goethe
Musik von Jan Stuten
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dann war es Wissenschaft. Dasselbe konnte aber auch so angesehen
werden, daß es auf die menschliche Hingabe wirkte, dann war es
Religion.
So gliederten sich aus Religion, Kunst und Wissenschaft wiederum die einzelnen Kulturzweige in die einzelnen Künste. Wenn
man heute einen einzelnen Kunstzweig ins Auge faßt, insbesondere
einen solchen, wie er erstehen soll, dann handelt es sich darum, sich
in diesen ganzen geistigen Zusammenhang hineinzustellen, der uns
aus der Menschheitsgeschichte heraufschimmert und heraufleuchtet.
So etwas trat an uns heran, „als wir durch äußeres - man könnte
sagen - Schicksal veranlaßt wurden, an die Inaugurierung dieser
Eurythmie zu denken. Bei dieser handelt es sich nicht darum, irgend
etwas Willkürliches rein aus der Phantasie heraus zu schaffen, sondern
darum, etwas hineinzustellen in die Welt, das aus dem Geistigen, aus
den spirituellen Gesetzen des Weltendaseins selbst entnommen ist.
Aber alles das, was man in die Welt hineinstellen kann, findet sich in
irgendeiner Form an dem Menschen. Der Mensch ist wirklich eine
kleine Welt, ein Mikrokosmos, innerhalb der großen Welt, des Makrokosmos. Und diese Eurythmie ist entnommen dem Wirken und Weben
eines organischen Systems des Menschen, dem Wirken und Weben
der unsichtbaren Kräfte, die immer wirksam sind - sie werden die
ätherischen Kräfte in der Geisteswissenschaft genannt -, wenn wir
sprechen oder denken. Wir haben nicht nur diesen sichtbaren physischen Kehlkopf, der für die Anatomie oder Physiologie vorliegt,
sondern dahinter die unsichtbaren Kräfte des Kehlkopfes und der sich
anschließenden Organe. Da zeigt sich dem sehenden Auge, wie wir
sprechen, und wir sehen zu gleicher Zeit Bewegungen eines lokal
begrenzten Teiles dieses Organismus.
Nun handelt es sich darum, das, was sonst von Natur aus da ist,
zur Kunst zu erheben, ganz in dem Stil und Sinne, wie Goethe eine in
der Weise seiner Metamorphosenlehre verwandte Kunstauffassung
gedacht hat. Er hat, als er in Italien sich eine Vorstellung von den
griechischen Kunstwerken bilden wollte, gesagt: Da ist Notwendigkeit, da ist Gott. - Da, meinte er, offenbart sich das Göttliche im
Menschen. Und für ihn handelte es sich darum, daß in jeder Kunst
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der Mensch zum Bewußtsein seines Verbundenseins mit dem ganzen
All kommt. In seinem Sinne handelt man, wenn man dasjenige, was
in lokaler Abgrenzung in der Natur im Dasein wirkt, im unsichtbaren
Teile des Kehlkopfes, überträgt auf den ganzen Menschen.
Und so übertragen wir denn zunächst in Bewegungen der menschlichen Glieder dasjenige, was sonst im Sprechen, im Singen, im
Musikalischen nur ausgeführt wird von dem unsichtbaren Teile des
menschlichen Kehlkopfes und seinen Nachbarorganen. Hier ist nichts
Pantomime, sondern hier ist alles streng gesetzmäßig. Jeder einzelne
Vokal kehrt wieder, kehrt wieder in seinen entsprechenden Zusammenhängen, Satzformen, Gliederungen der Sprache, des Musikalischen. Das alles soll auch in dieser Raumbewegungskunst des Menschen zum Ausdruck kommen.
Nun haben wir, indem wir sprechen und singen, nicht nur den
unsichtbaren Kehlkopf in Bewegung, sondern wir senden in die Bewegungen des Kehlkopfes unser Gemüt, unser Herz hinein, unseren
ganzen Menschen. Das liegt nur in den Untertönen, man möchte
besser sagen, in der Untertönung dessen, was wir aussprechen. Wenn
wir Wärme, wenn wir Begeisterung, wenn wir Rhythmus, wenn
wir künstlerische Gestaltung hineinbringen in das Gesprochene, dann
ist das im Sprechen etwas Verhaltenes. Das lösen wir auf, und es
erscheint in den Gruppentänzen. Diejenigen Bewegungen, welche
die Gruppen ausführen, die herauskommen durch die Stellung der
einzelnen Persönlichkeiten in den Gruppen, entsprechen dem, was
nicht wirklich ausgeführt wird vom Menschen, sondern was nur in
diesem unsichtbaren Kehlkopf veranlagt ist, was Untertönung ist.
Dasjenige, was der einzelne Mensch für sich im Räume ausführt, das
ist ganz ein Abbild dessen, was in jedem Sprechen des Menschen der
unsichtbare Kehlkopf ausführt. So ist es also im wesentlichen ein Verwandeln des ganzen Menschen in einen lebendigen Kehlkopf, ein
In-Beziehung-Bringen zum einzelnen Menschen, so wie der Kehlkopf im gegenseitigen Sprechen in Beziehungen kommt. Es ist
Natur in die Kunst heraufgezogen. Goethe sagte: Kunst ist höhere
Natur in der Natur. - Das ist nun hier in der entsprechenden Kunst
gemeint.
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Ich bitte sehr, diesen Zweig, der eine Episode, ein Einschiebsel
unseres eigentlichen geisteswissenschaftlichen Wirkens ist, so zu betrachten, wie er sich jetzt darstellt. Er ist durchaus erst im Anfange.
Es sind erst schwache Versuche, die ausgeführt werden sollen. Aber
alles, was in die Welt tritt, kann ja erst keimhaft in die Welt treten,
gerade wenn es als erster Versuch auftritt. Als solche ganz anspruchslosen Versuche ist dasjenige zu nehmen, das wir nun in einzelnen
Dichtungen und in einer eurythmischen Ausgestaltung des Goetheschen «Prolog im Himmel», dem Anfang des «Faust», darzubieten
uns erlauben.
Dornach, 9. November
PROGRAMM
Spruch aus dem Seeknkaknder
1918
… . Rudolf Steiner
Kosmischer Auftakt Musik von Leopold van der Pals
Chor der Urträume Fercher von Steinwand
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Dornach, 15. November 1918, vor Beginn des Vortrages;
Meine lieben Freunde, Sie haben vor kurzem [am 9, November]
eurythmisiert den «Chor der Urträume» von Fercher von Steinwand
gesehen. Es wird nun vorbereitet jene Dichtung Fercher von Steinwands, die sich an den «Chor der Urträume» anreiht: der «Chor der
Urtriebe» für eine eurythmische Darbietung.
Es ist vielleicht bei dieser Dichtung ganz wünschenswert, wenn
Sie sich mit dem Gedanken der Dichtung erst bekanntmachen, weil -
während der eurythmischen Darstellung durch das gleichzeitige Aufnehmen des Eurythmischen und der Dichtung - die Aufmerksamkeit doch sehr stark in Anspruch genommen wird. Damit nun vor
der eurythmischen Aufführung es möglich ist, daß Sie sich schon mit
der Dichtung bekanntmachen, wird heute Frau Dr. Steiner den ersten
und den zweiten Absatz des Chores der Urtriebe rezitieren vor dem
Vortrag und morgen dann damit fortsetzen.
EURYTHMIE
Chor der Urtriebe
von Fercher von Steinwand
Rezitation
der
Chöre der Urtriebe
durch
Frau Marie Steiner
am
23. und 24. November 1918
Eurythmische Darbietung
am
30. November und 1. Dezember 1918
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1918 Silvester, Neujahr 1919
PROGRAMM
Wochenspruch aus dem Seelenkalender
von Rudolf Steiner
Olaf Ästeson
ein Traumlied aus: «Norske Folkeviser»
[in freien Formen]
Dornach, 16. Januar 1919 [vor Gästen]
18. und 19. Januar 25. und 26. Januar
PROGRAMM
«FAUST» II
Aus der «Klassischen Walpurgisnacht»
Felsbuchten am A.gäischen Meer
Musik von Leopold van der Pals
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D
er unterzeichnete Vorstand erlaubt sich, Sie
einzuladen zu dem Versuch; mit seinen
bescheidenen Mitteln eine Darbietung aus dem
Gebiete des Goetheanismus zu veranstalten.
Die Veranstaltung findet im geheizten provisorischen Saal des Goetheanum in Dornach,
dem Nebensaal der Schreinerei hinter dem
Hauptgebäude statt.
DER VORSTAND
DES VEREINS DES GOETHEANUM,
der freien Hochschule für Geisteswissenschaft,
PROGRAMM
Sonntag, den 2.Februar 1919, nachmittags 5 Uhr:
(Ende gegen 7 Uhr)
1. Conference von Dr. RUDOLF STEINER über
die letzte Szene der klassischen Walpurgisnacht im zweiten Teil von Goethes Faust.
2. Dramatisch - eurhy thmische Aufführung der
obengenannten Szene. |