NATIONALÖKONOMISCHER KURS, ZWÖLFTER VORTRAG, Dornach, 4. August 1922
Was hinter der Preisbildung wirkt: das Objektive im Subjektiven. Das Geld und seine herkömmlichen Merkmale. Als Kaufgeld vermittelt es den Tausch. Es entsteht aus der Ware, aber es ist ein unreeller Konkurrent der Ware. Als Leihgeld (Unternehmergeld) empfängt es seinen Wert durch den menschlichen Geist. Als Schenkungsgeld wird es für Erziehung oder als Stiftung ausgegeben und vor einer Kapitalisierung im Grund und Boden bewahrt. Übergang von Leihgeld in Schenkgeld. Metamorphosen des volkswirtschaftlichen Geldwertes in der Zirkulation. Altwerden und Sterben des Geldes. Altgeld als Schenkgeld. Assoziative Vermittlung von Leihen und Schenken. Zähmung des Geldes durch Assoziation. Der Ausgleich zwischen Kaufgeld, Leihgeld, Schenkgeld, Geldschöpfung durch eine Assoziation.
| Seite | Text |
| 170 | Ich habe Ihnen ja gestern eine sehr wichtige Frage formuliert, die aufgetreten ist, als die Volkswirtschaft sich anschickte, immer mehr und mehr überzugehen in die Weltwirtschaft. Nun, gerade dadurch bekommt aber die Preisfrage eine wesentlich andere Bedeutung, als sie vorher im Wirtschaftsleben hatte. Und wir müssen noch einiges uns ansehen, bevor wir uns eine Vorstellung machen können von den Faktoren, die eigentlich den Preis bestimmen; denn dasjenige, was zuletzt auftritt auf dem Markt oder überhaupt in der Zirkulation der Güter als Preis - als offenbarer Preis, möchte ich sagen -, das ist ja eigentlich von einer viel geringeren volkswirtschaftlichen Bedeutung als dasjenige, was hinter der Preisbildung liegt, was erst zuletzt zu der Preisbildung führt und was auch zugrunde liegt den Schwankungen des Preises. Nun ist es ja so, daß diese Dinge, die vor der Preisbildung liegen, sowohl auf der Seite des Kaufenden wie auf der Seite des Verkaufenden, daß die sich hineinstellen in soziale Zusammenhänge, von denen es abhängt, in welcher Lage überhaupt der Käufer ist, ob der Käufer einer bestimmten Geldsumme einen größeren oder geringeren Wert beilegen muß - Wert nicht nur etwa im subjektiven Sinne. Volkswirtschaftlich kommt ja das Subjektive nur insofern in Betracht, als es richtig in objektiven Vorgängen begründet ist, als es auf einer richtigen Beurteilung der objektiven Vorgänge beruht. Aber es kommt der Wert des Geldes vor allen Dingen auch in objektiver Beziehung in Betracht. Denn es läßt sich heute nicht die wirtschaftliche Frage ganz abgesondert von der sozialen Frage betrachten. Nur wenn man das Ineinanderspielen der beiden wirklich ins Auge faßt, kann man zu einem gültigen Urteil kommen. Und so muß man schon berücksichtigen, daß die Unzufriedenheit, die soziale Unzufriedenheit, die dann den sozialen Unruhen zugrunde liegt, zusammenhängt vor allen Dingen mit demjenigen, was vor der Preisbildung liegt und sich zuletzt in der Preisbildung auslebt. Indem ich Ihnen gezeigt habe, daß ja |
| 171 | auch in dem Entlohnen, also in derjenigen Preisbildung, die zuletzt in der Lohnhöhe sich innerhalb der heutigen Wirtschaft ausdrückt, eigentlich ein Kauf und Verkauf vorliegt, werden Sie verstehen, daß alles, was zu den Lohnkämpfen führt, im Grunde genommen auf den sozialen Zusammenhängen beruht, in denen sowohl der Arbeiter wie der Unternehmer drinnenstehen, und deren Abschluß in derjenigen Preisbildung eben vorliegt, die die Entlohnung bildet. So daß wir also vor allen Dingen wissen müssen: In welcher Weise wirkt dasjenige, was ja sowohl bei Kauf und Verkauf, wie bei der Entlohnung, wie auch im übrigen der Volkswirtschaft, eben heute schon einmal die große Rolle spielt, inwiefern wirkt das Geld als solches innerhalb des wirtschaftlichen Prozesses ein auf die Preisbildung? - Wir müssen unterscheiden zwischen dem, was zuletzt als Geldpreis zustande kommt, und dem, was eigentlich den Wert des Geldes in einer Hand, möchte ich sagen - sowohl in der Hand des Verkäufers wie in der des Käufers -, ausmacht. Wir müssen daher heute etwas das Geld betrachten. Nun finden Sie ja allerlei schöne Dinge in volkswirtschaftlichen Auseinandersetzungen über das Wesen des Geldes. So zum Beispiel finden Sie über das Wesen des Geldes erzählt in volkswirtschaftlichen Darstellungen eben die Eigenschaften, die Geld, wenn es überhaupt brauchbar sein soll als Geld, haben soll. Nun, diese Eigenschaften, die da angeführt werden, die müssen wir uns doch kritisch einmal ein klein wenig vor Augen stellen, damit Sie sehen, wie man heraus arbeiten muß aus mancherlei, was gegenwärtig volkswirtschaftswissenschaftliche Vorstellungen sind, in etwas Gesondertes hinein. Da wird angeführt, das Geld müsse erstens einen allgemein anerkannten Wert besitzen. Nun handelt es sich darum, wer der Anerkennende in diesem Falle ist, der richtig Anerkennende. Denn damit, daß man sagt, das Geld müsse einen allgemein anerkannten Wert besitzen, hat man noch gar nichts gesagt, sondern damit hat man nur darauf hingewiesen, daß es eine Eigenschaft haben soll; man hat aber nicht gesagt, wie es diese Eigenschaft erhalten kann. Die zweite Eigenschaft ist noch merkwürdiger. Da wird zum Beispiel gesagt: Das Geld soll einen kleinen Umfang haben können und dann doch, weil es sehr selten ist, bei |
| 172 | kleinem Umfang einen hohen Wert haben können. Nun ist das das beste Mittel - das hat schon Lykurg eingesehen, der etwas umfangreicheres Geld eingeführt hat als Mittel gegen die unrechtmäßige Bereicherung ~, nun ist diese Eigenschaft des Geldes ganz besonders dazu geeignet, daß man es leicht aufbewahren kann, und daß es schon aus diesem Grunde einen verhältnismäßigen Anreiz zur Bereicherung bildet; denn wenn die Zwanzigmarkstücke so groß wären wie ein Tisch, so würde man es schwerer haben, sie aufzubewahren. Es würde die Sache nicht so bequem gehen mit dem Reichwerden wie jetzt; man würde das Reichwerden leichter bemerken und dergleichen. Also es handelt sich schon darum, daß dieses schließlich ja nur aus recht äußerlichen Gründen heraus gesagt werden kann. Dann wird gesagt, das Geld müsse beliebig teilbar sein. Das ist auch etwas, was ich in einem nationalökonomischen Handbuch gefunden habe. Aber das kann man ja auch nicht anders vollziehen als durch irgendeine Anerkennung, durch irgend etwas, was erst geleistet wird. Das ist also etwas, was ziemlich nebulos ist. Dann wird gesagt, es muß leicht aufzubewahren sein. Nun, diese Eigenschaft des Leichtauf bewahrens, das ist es gerade, was uns erst in seiner ganzen Bedeutung entgegentreten wird, wenn wir unsere heutige Betrachtung eben anstellen. Wir müssen uns nämlich nicht nur darüber klar werden, daß dasjenige, was Natur ist, eigentlich erst einen volkswirtschaftlichen Wert bekommt, wenn es in die Zirkulation der Volkswirtschaft hineinkommt, von der Arbeit in Anspruch genommen wird, wir müssen uns nicht nur klar darüber sein, daß auch die Arbeit einen volkswirtschaftlichen Wert erhält durch die Art und Weise, wie sie organisiert ist, gegliedert ist, und daß auch das Kapital nur einen Wert bekommt dadurch, daß es vom Geist des Menschen erfaßt und in den volkswirtschaftlichen Prozeß hineingearbeitet wird, sondern wir müssen uns auch klar sein darüber, daß auch Geld als solches einen Wert durch die Zirkulation selber erhält. Nun müssen wir uns überlegen, wie Geld im Laufe der Zirkulation sich verändert. Dazu liegen schon die Voraussetzungen in dem, was ich Ihnen vorgebracht habe. Wir haben es beim Geld zunächst zu tun mit gewöhnlichem Kaufgeld, mit demjenigen Geld also, das wir verwenden, um uns etwas zu |
| 173 | kaufen, was uns zum Verbrauch dient. Wir haben es aber dann auch zu tun mit Leihgeld - das haben wir ja auch schon gesehen. Nun fragt es sich, ob denn das Leihgeld durch seinen volkswirtschaftlichen Zusammenhang ganz dasselbe ist wie das Kaufgeld. Wenn Sie das Kaufgeld in Betracht ziehen, so werden Sie sich fragen müssen: Wie kommt denn das Kaufgeld unter den übrigen Elementen des Kaufens und Verkaufens zustande? Nun, es kommt dadurch zustande, daß derjenige, welcher sich des Geldes bedient, daß der nicht nur damit, mit dem Geld, etwas gegeben hat, was einen unmittelbaren Austausch bewirkt, sondern was einen Austausch vermittelt, was sich in den Austausch hineinstellt. So daß alles dasjenige - wie ich schon auseinandergesetzt habe in diesen Tagen - Geld ist, was sich vermittelnd in den Austausch hineinstellt. Ich habe Ihnen gesagt, es könnten von diesem Gesichtspunkt aus Erbsen Geld sein. Wenn ich nicht bloß so viel Erbsen erwerbe, als ich selber aufessen kann, sondern Erbsen erwerbe, um sie dazu zu verwenden, wiederum einen Gebrauchsgegenstand für mich einzuhandeln, so verwandle ich einfach durch die Tätigkeit des Vermitteins dasjenige, was sonst durchaus ein Gebrauchsgegenstand sein kann, in Geld. Es ist sehr geistreich, was in dieser Beziehung Spengler sagt, der ja alle Dinge in einer unbrauchbaren Ideenrichtung verwertet, aber manches vollkommen richtige Apergu hat, daß namentlich in einer gewissen Zeit der römischen Entwickelung, volkswirtschaftlich aufgefaßt, Menschen zu Geld geworden sind, nämlich die Sklaven. Solange ich den Sklaven selber brauche, das heißt nur so viele Sklaven erwerbe als alter Römer, als ich in meiner Wirtschaft verwende, solange ist der Sklave natürlich Produktionsmittel; in dem Augenblick aber, wo der Sklave auch ausgeliehen wird, wo man, wie es in einer gewissen Zeit der Römerherrschaft der Fall war, ein solches Heer von Sklaven hatte, daß man sie ausleihen konnte, daß man sie zu allerlei nutzbringenden Dingen verwenden konnte, welche man also einhandeln konnte durch Sklaven, da wurde der Sklave zu Geld, so daß man sagen kann für jene Zeiten: Menschen wurden Geld. Das ist ein durchaus richtiges Apergu bei Spengler. Daraus aber können wir entnehmen, wie das, was als Kaufgeld wirkt, sich herausbildet aus demjenigen, was sonst nur dem Tausch unterliegt. Und es wird sich |
| 174 | darum handeln, daß dasjenige, was man dann als Geld verwendet, als Geld am brauchbarsten sein wird, wenn es nicht, ich möchte sagen, hin und her schillert zwischen Aufgegessenwerden und Weitergegebenwerden, wie es die Erbsen wären, wodurch im Zirkulationsprozeß der Wert ja auch wesentlich schwanken würde, sondern wenn es - und dazu bedarf es eben dann einer gewissen, wenn auch stillschweigenden Übereinkunft derer, die sich des Geldes bedienen - etwas ist, was zu sonst nichts verbraucht wird als zum Tausch, zum Vermitteln. Das ist das Wesentliche, daß man es nur gebraucht zum Vermitteln, zum Tausch, also nicht zum Aufessen. Nun sehen Sie aber, von diesem Kaufgeld unterscheidet sich ganz wesentlich dasjenige, was Leihgeld ist; denn bei dem Kaufgeld haben Sie keine anderen Gründe für seinen Wert, für seine Schätzung, also für seine Bewertung, keine andere Bewertungsnotwendigkeit als diese, wieviel Sie dafür bekommen. Und das ändert auch die Zeit nicht im wesentlichen; denn Sie müssen, ob Sie heute sich ein Pfund Fleisch kaufen oder ob Sie sich in einiger Zeit ein Pfund Fleisch kaufen, das Pfund Fleisch nach seinem Konsumwert beurteilen; und es kann in bezug auf das Pfund Fleisch wohl das Geld einen anderen Wert bekommen haben, aber für den essenden Menschen kann das Pfund Fleisch eigentlich einen anderen Wert im Verlauf der Zeit nicht bekommen. Nur ist es wesentlich, daß das Pfund Fleisch nur eine gewisse Zeitlang gegessen werden kann, daß es also nur innerhalb einer gewissen Zeit einen Wert haben kann, weil es verdirbt. Das gehört auch in das Volkswirtschaftliche hinein, daß alle Dinge, die nun wirkliche Gebrauchsgegenstände sind, eben verderben. Wenn wir nun das Geld verwenden als ein Äquivalent im reinen Tausch, dann haben wir allerdings in dem Gelde gegenüber den verderblichen Gegenständen einen unreellen Konkurrenten, einen richtigen unreellen Konkurrenten, weil das Geld eben unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht zu verderben scheint - ich sage das ausdrücklich: nicht zu verderben scheint. Ja, da sehen wir, was in das Volkswirtschaftliche etwas Ungesundes hineinbringt, wenn man andere Verhältnisse in der Volkswirtschaft spielen läßt, als diejenigen sind, die in der Wirklichkeit spielen. Wir haben es auf der einen Seite mit solchen |
| 175 | Einrichtungen zu tun, daß Geld unter allen Umständen seinen Zahlenwert hat, gleichgültig, wie es sonst in der sozialen Position drinnen steht - Geld hat seinen Zahlenwert und behält diesen Zahlenwert scheinbar. In Wirklichkeit behält es ihn aber nicht. Alle anderen Dinge sind ehrlich. Fleisch beginnt zu riechen in der Zeit, in der es eben nach seinen Qualitäten beginnen kann zu riechen; Geld tut das nicht, in welcher Qualität es auch auftritt. Geld tut es nicht offenbar. Und dennoch, wir müssen uns sagen: Wenn nun irgendein Artikel durch irgendwelche Umstände in einer bestimmten Zeit teurer geworden ist oder billiger geworden ist, da der Artikel in sich selber durch seine Qualitäten im Menschenleben denselben Wert behalten muß - er muß ihn durch die Konstellation behalten, indem er zur rechten Zeit verbraucht werden muß und Neues auftreten muß -, das Geld das aber nicht tut, so ist das Geld als solches, rein als Tauschmittel, dadurch ein unreeller Konkurrent, weil es nicht in irgendeiner Weise zur Erscheinung bringt, daß es eigentlich auch Veränderungen unterliegt. Wenn ich mir heute ein Pfund Fleisch für eine Summe Geldes kaufen muß und in vierzehn Tagen dasselbe Pfund Fleisch für eine andere Summe Geldes kaufen muß, so liegt es nicht an dem Pfund Fleisch, daß ich zum Beispiel das nächste Mal mehr Geld ausgeben muß, sondern es liegt am Geld. Es liegt lediglich am Geld. Und wenn das Geld dann noch dieselbe Zahl an sich trägt, so beginnt das Geld eigentlich zu lügen; denn es ist weniger wert geworden. Wenn ich mehr hergeben muß im Austausch für ein Pfund' Fleisch, ist es weniger wert geworden. Das ist ja ganz selbstverständlich. Also ich bringe dadurch etwas in den Prozeß hinein durch die Zirkulation des Geldes, das eigentlich volkswirtschaftlich gar nicht da ist. Volkswirtschaftlich verhält sich die Sache ganz anders. Volkswirtschaftlich verhält sie sich so, daß das Geld einfach durch den wirtschaftlichen Prozeß selbst Veränderungen durchmacht. Und wir müssen nun die Gelegenheiten aufsuchen, wo das Geld Veränderungen durchmacht. Außer dem gewöhnlichen Kaufgeld haben wir das Leihgeld, das Leihgeld, das also jemand bekommt, um irgendeine Unternehmung zu entrieren, das für ihn kein Kaufgeld ist, sondern für ihn eben Unternehmergeld wird. Dieses Unternehmergeld, |
| 176 | dieses Leihgeld hat einen wesentlich anderen Wert, eine wesentlich andere Eigenschaft. Es ist eigentlich im Grunde genommen dieses Leihgeld etwas ganz anderes als das Kaufgeld. Es bleibt nicht viel übrig, wenn Kaufgeld Leihgeld wird, als, sagen wir, daß Gold oder Silber oder Papier hineingetragen wird in das andere Lebensgebiet. Wert wird die Sache durch ganz andere Dinge. Denn es handelt sich ja jetzt, wenn das Leihgeld in Zirkulation kommt, darum, daß der Geist des Menschen eingreift, daß menschliches Denken eingreift, und durch dieses Eingreifen des menschlichen Denkens bekommt nun das Leihgeld seinen eigentlichen Wert. Es wäre viel wichtiger, auf die Banknote, die geliehen wird dem Mann, der etwas unternimmt, in dem Momente, wo er diese Banknote in Gebrauch überführt, darauf zu schreiben, ob der Mann ein Genie ist in wirtschaftlichen Dingen, oder ob er ein Idiot ist; denn von der Art und Weise, wie er sich damit verhält, hängt nun der Wert dieses Leihgeldes in der volkswirtschaftlichen Situation ab. Und wenn wir nun von dem Leihgeld zu demjenigen übergehen, was ich Ihnen als eine dritte Art genannt habe, was heute gewöhnlich gar nicht besprochen wird, aber die denkbar größte Rolle spielt im volkswirtschaftlichen Prozeß, wenn wir übergehen von dem Leihgeld zu dem Schenkungsgeld - Schenkungsgeld ist im Grunde genommen alles, was für die Erziehung ausgegeben wird, das spielt eben eine ungeheure Rolle im volkswirtschaftlichen Leben; Schenkungsgeld ist auch alles dasjenige, was für Stiftungen ausgegeben wird, und alles dasjenige, was bewirkt, daß sich nicht in einer störenden Weise Kapital staut auf Grund und Boden durch die Kapitalisierung von Grund und Boden, wodurch die Volkswirtschaft eben ruiniert wird -, wenn wir uns dieses Schenkungsgeld anschauen, so müssen wir sagen: Dieses Schenkungsgeld, das wird für denjenigen, der angewiesen ist für sein Leben auf Kauf geld, einfach wertlos. Es verliert seinen Wert. Schenkungsgeld in bezug auf Kaufgeld ist das Entgegengesetzte nämlich, was ja auch schon daraus hervorgeht, daß derjenige kaufen kann, der Schenkung kriegt, während derjenige, der nicht Schenkung kriegt, nicht kaufen kann mit diesem Geld. Sie haben also drei Arten von Geld, die qualitativ ganz voneinander |
| 177 | verschieden sind, Kaufgeld, Leihgeld, Schenkungsgeld. Nun, wie es sich aber verhält zwischen Kaufgeld, Leihgeld und Schenkungsgeld, das ist nur dann zu beurteilen, wenn wir volkswirtschaftliche Zusammenhänge, sagen wir, so rivatwirtschaftlicher Natur, wie wir es gestern hypothetisch angenommen haben, daß sie in gewisser Weise eine Art abgeschlossenen Gebietes darstellen, wenn wir solche betrachten. Da werden wir nämlich finden, daß nach einer bestimmten Zeit alles dasjenige, was Leihgeld ist, in Schenkungsgeld übergeht. Anders kann es auch nicht sein bei dem geschlossenen Wirtschaftsgebiet, das die Weltwirtschaft ist. Leihgeld muß nach und nach ganz in Schenkungsgeld übergehen. Leihgeld darf sich gewissermaßen nicht zurückstauen in das Kaufgeld hinein, um das zu stören. Leihgeld geht in das Schenkungsgeld hinein. So muß es sich im geschlossenen Wirtschaftskreislauf darstellen. Was tut es auf dem Gebiet, wo das Schenkungsgeld arbeitet? Da entwertet es sich. So daß wir sagen können: Indem wir das Gebiet des Kaufgeldes haben, wird das Geld einen gewissen Wert darstellen. Auf dem Gebiet des Schenkens hat das Geld für alles dasjenige, was auf dem Gebiet des Kaufens besteht, einen negativen Wert, läßt diesen Kaufwert verschwinden. Und dazwischen drinnen wird der Übergang bewirkt beim Leihgeld. Das Leihgeld verschwindet allmählich hinein ins Schenkungsgeld. Sie werden vielleicht sagen: Das ist schwer einzusehen. - Das ist es ja auch; aber es ist ja schade, daß wir hier nicht monatelang können Angaben machen über die einzelnen Fälle, an denen man beobachten kann, wie tatsächlich sich das so verhält, wie ich das jetzt gesagt habe, mit dem Bewerten und Entwerten des Geldes. Das aber würde gerade die Aufgabe sein, daß Sie gewissermaßen dasjenige, was hier in diesem ganz kurzen Kurs gesagt werden kann, als eine Unterlage betrachten würden für weitere volkswirtschaftliche Arbeiten. Nur Anregungen kann man natürlich geben im Verlaufe von vierzehn Tagen. Sie werden aber finden, daß diese hier vorgebrachten volkswirtschaftlichen Behauptungen überall durch die einzelnen Untersuchungen sich umwandeln in volkswirtschaftliche Wahrheiten, die dann wissenschaftlich und auch praktisch verwertet werden können. Das geschieht nun in Wirklichkeit, daß einfach im volkswirtschaftlichen |
| 178 | Prozeß das Geld sich metamorphosiert, daß es verschiedene Qualitäten bekommt, indem es Leihgeld oder Schenkungsgeld wird. Das aber kaschieren wir, wenn wir einfach das Geld Geld sein lassen und nach seiner ihm aufgeschriebenen Zahl uns richten für die Einheit und dergleichen - das kaschieren wir, dem setzen wir eine Maske auf. Die Wirklichkeit rächt sich, indem sie diese Rache in den Schwankungen der Preise zeigt, die einfach da sind im volkswirtschaftlichen Prozeß, denen wir mit unserer Vernunft gar nicht nachkommen, die wir aber mit der Vernunft eben erreichen sollen. Man soll, möchte ich sagen, das Geld nicht einfach so in die Zirkulation hineinströmen lassen und ihm nun volle Freiheit geben, zu tun, was es tun will; denn dadurch machen wir eigentlich in der Volkswirtschaft etwas ganz Eigentümliches. Nicht wahr, wenn wir, sagen wir, zu irgendeinem Arbeitszusammenhang Tiere brauchen, so zähmen wir sie uns, und wir verwenden sie dann als gezähmte Tiere. Denken Sie, wie lange man ein Reitpferd einreiten muß, bis man es benutzen kann und so weiter. Denken Sie nur, was wäre, wenn wir Tiere nicht zähmen würden, sondern als wilde verwenden würden, wenn wir gar keine Mühe auf das Zähmen verwenden würden! Das Geld lassen wir so ganz wild im volkswirtschaftlichen Prozeß zirkulieren. Wenn es ihm einfallt, möchte ich sagen, lassen wir ihm jenen Wert beikommen, den es hat als Leihgeld, den es hat als Schenkungsgeld, und warten dann ab, wenn von irgendwoher irgendein Mensch, der ein Industrieller ist, ein Geld hat, das unrichtig sich verwandelt hat aus seinem Leihgeld in Schenkungsgeld, wenn der dann seine Arbeiter bezahlt, daß das anders sich ausnimmt, als wenn er seine Arbeiter, sagen wir, aus dem reinen Kaufgeld bezahlen würde. Je mehr man darauf angewiesen ist, seine Arbeiter aus dem reinen Kaufgeld zu bezahlen, desto weniger kann man ihnen geben, das heißt desto billiger müssen sie einem ihre Produkte geben; je mehr man in der Lage ist, aus schon verwandeltem Geld, aus einem Geld, das bereits in die Sphäre des Leihgeldes oder Schenkungsgeldes übergegangen ist, zu bezahlen, desto mehr Lohn kann man ihnen geben, desto teurer können sie ihre Erzeugnisse auf den Markt bringen. Es handelt sich also darum, daß wir diese Sache einmal vernunftgemäß erfassen. |
| 179 | So, wie die Dinge nun einmal liegen, mußte ja die Funktion des Geldes fortwährend korrigiert werden. Nehmen Sie einmal an, eine Volkswirtschaft, die an eine andere angrenzt, die kann sehr leicht dadurch, daß sie das Geld als einen solchen Wildling funktionieren läßt, ohne daß Vernunft hinein verwendet wird, in Kalamitäten kommen mit dem Preis für irgendein Gut, für irgend etwas, was man braucht. Solange die Volkswirtschaft unter anderen Volkswirtschaften ist und nicht Repressalien dagegen ergriffen werden, importiert man einfach den Artikel, es vergrößert sich der Import. Dadurch werden die Dinge korrigiert. In der Weltwirtschaft gibt es keine Korrektur, weil man vom Mond keine Artikel einführen kann. Sonst würde die Weltwirtschaft auch nur eine Volkswirtschaft sein, wenn man vom Mond oder der Venus und so weiter importieren und dahin exportieren könnte; aber darinnen besteht gerade die große Frage, was da wird aus der Volkswirtschaftslehre dadurch, daß die Erde eben ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet wird. Tafel 10 Nun, nehmen Sie einmal an, Sie nehmen es in die Hand, das Geld alt werden zu lassen. Sie haben also irgendein Geldstück, was es auch immer hat für einen Stoff oder für eine Zahl, sagen wir 1910, und nehmen Sie ein anderes Geldstück mit der Jahreszahl 1915; nehmen Sie an, das Geldstück, das die Jahreszahl 1915 trägt, also damals als volkswirtschaftliches Geld entstanden ist, würde durch vernünftige Behandlung dasjenige werden, was sonst auch Austauschprodukte werden: dieses Geld würde entwertet sein nach einiger Zeit. Sagen wir, es würde dieses Geld - nicht wahr, die Zahlen, die ich jetzt angebe, sind nebensächlich, können nur verdeutlichend sein, was in der Wirklichkeit hervortreten muß, ist erst Gegenstand unendlich vieler, aber erreichbarer Kalkulationen, wie wir noch sehen werden -, aber nehmen wir an, dieses Geldstück würde 1940 entwertet sein für den volkswirtschaftlichen Verkehr. Dieses Geldstück würde also nur zwischen 1915 und 1940 einen bestimmten Wert haben. Da würde es einen Wert haben, der, wie wir gleich sehen werden, bestimmbar ist. Wenn also Geld nach fünfundzwanzig Jahren seinen Wert verliert im volkswirtschaftlichen Prozeß, dann hat das Geldstück, <ias die Jahreszahl 1910 trägt, seinen Wert verloren im Jahre 1935. Es ist so, daß nun, |
| 180 | wenn ich Geld bei mir trage, ich dadurch eine gewisse Eigenschaft meinem Gelde beilege, eine Art Alter lege ich meinem Gelde bei. Dieses Geld hier, von 1910, das ist älter, das wird früher sterben als das andere Geld hier, das 1915er Geld. Sie können nun sagen: Das ist ein Programm. - Nein, das ist gar kein Programm, sondern was ich Ihnen hier jetzt auseinandergesetzt habe, das ist die Wirklichkeit. So will es auch der volkswirtschaftliche Prozeß. Er macht es selbst, daß das Geld alt wird. Und daß es scheinbar nicht alt wird, daß man scheinbar mit einem Geld von 1910 im Jahre 1940 noch kaufen kann, das ist nur eine Maske. Man kauft nämlich dann nicht in Wirklichkeit mit diesem Gelde, sondern nur mit einem eingebildeten Geldwert. Wenn das Geld in dieser Weise, daß die Jahreszahl seiner Entstehung etwas bedeutet, in meinem Portemonnaie alt wird - Altwerden nenne ich Immer-näher-Kommen seinem Sterben -, dann wird ja gerade dadurch dem Geld ein Wert aufgedrückt durch sein Altwerden, wie dem Menschen durch sein Altwerden ein Wert aufgedrückt wird. Jedem lebenden Wesen wird ein Wert aufgedrückt; das Geld wird plötzlich lebendig, es wird ihm ein Wert aufgedrückt. Warum? Nehmen Sie einmal an: Junges Geld, also für das heurige Jahr heuriges Geld, also richtig 1922er Geld, dieses 1922er Geld, das wird ja selbstverständlich ein gutes Kaufgeld sein; aber wenn nun jemand Unternehmer ist, und er fragt sich: Bei meiner Unternehmung, wie werde ich mich mit Geld versorgen? Werde ich mich bei meiner Unternehmung, die vielleicht nach meiner Kalkulation, sagen wir, auf zwanzig Jahre veranlagt werden muß, werde ich mich da mit altem oder jungem Geld versorgen? Wenn ich altes Geld nehmen werde, so wird es eventuell in fünf oder zwei Jahren entwertet sein; also ich kann mich nicht einlassen darauf, altes Geld zu verwenden, sondern ich brauche, wenn ich mit einer Kalkulation auf lange Zeit zu rechnen habe, junges Geld. - Das junge Geld also bekommt unter dem Einfluß langfristiger Unternehmungen einen besonderen volkswirtschaftlichen Wert, einen viel größeren volkswirtschaftlichen Wert als das alte Geld. Dieser volkswirtschaftliche Wert ist dann da, das ist sein Wert jetzt. Nehmen wir aber an, ich habe eine Unternehmung zu machen, die voraussichtlich das, was ich zu kalkulieren habe, nur auf eine Frist von drei Jahren kalkulieren |
| 181 | will. Da wäre ich doch ein schlechter Volkswirtschafter, wenn ich jetzt ganz junges Geld nehmen würde; denn das junge Geld ist dadurch am wertvollsten und am teuersten. Also ich werde mir billigeres Geld verschaffen, wenn ich es kürzere Zeit brauche. Und so sehen Sie, daß auf diese Weise das Alter des Geldes für denjenigen, der den Geist anzuwenden hat auf das Geld, eine Rolle zu spielen anfangen wird, die ihm bewußt wird. Bitte, bedenken Sie aber nun, daß das nicht etwas ist, was nicht sonst auch ist. Nur ist es sonst in der Wildheit vorhanden, und es stören sich die Dinge gegenseitig nur und dadurch werden ungesunde volkswirtschaftliche Zustände hervorgerufen. Dagegen, wenn Sie das Geld nun zähmen, wenn Sie wirklich das hineinfügen, daß Sie dem Geld ein Alter geben und junges Geld als Leihgeld wertvoller sein lassen als altes Geld, dann prägen Sie dem Geld denjenigen realen Wert auf, den es geltend macht, den es durch seine Position im volkswirtschaftlichen Prozeß hat. Dieser Wert ist wesentlich nur da, indem das Geld Leihgeld ist; denn, auch wenn das Geld Leihgeld ist, als Kaufgeld behält es ja seinen früheren Wert. Sie brauchen sich auch gar nicht so ungeheuer stark zu überlegen, ob Sie nun für das, was Sie als Unternehmer konsumieren, sich noch anderes Geld verschaffen sollen und dergleichen, das korrigiert sich schon von selbst. Nun aber denken Sie, es kommen jene Schenkungen zustande, die ja im volkswirtschaftlichen Prozeß auch durchaus ihre Bedeutung haben, jene Schenkungen, von denen ich ja schon in vielfacher Beziehung gesprochen habe. Schenkung ist alles das, was man in das Erziehungswesen zum Beispiel hineinsteckt, namentlich wenn es sich um freies Geistesleben handelt. Aber es ist das jetzt auch schon so, nur daß es die Leute nicht merken. Wenn Sie direkt schenken, dann ist Ihre Vernunft drinnen. Jetzt schenken Sie auch, nur wird es in die Steuer und so weiter hinein gemacht, da verschwindet es im allgemeinen Nebel des Wirtschaften und man bemerkt die Geschichte nicht. Dadurch aber eben geht die Sache wild, sonst würde Vernunft hineinkommen. Aber überlegen Sie sich einmal, was für Geld Sie verwenden werden, wenn es sich um Schenkungen handelt, wenn Sie nun wirklich volkswirtschaftlich denken werden? Wenn es sich um Sehenkungen |
| 182 | handelt, werden Sie altes Geld verwenden, das möglichst bald nach der Schenkung seinen Wert verliert, so daß gerade noch derjenige kaufen kann, der die Sache geschenkt bekommt. Dann handelt es sich darum, daß im volkswirtschaftlichen Prozeß selbstverständlich die Verjüngung eintreten muß, daß das Geld Nachkommenschaft haben muß. Aber Sie werden leicht einsehen, daß dasjenige, um was es sich nun hier handelt, eben das ist, daß einfach nicht in beliebiger Weise oder durch das allgemeine wirtschaftliche Chaos, das der Wirtschaftsstaat über alles ausbreitet - der eben alles dadurch in die Wertkonfusion hineinbringt, daß er durcheinanderwirft Leihgeld, Kaufgeld und so weiter, während es sich in der Wirklichkeit doch auseinandersondert -, Sie werden leicht begreifen, daß, wenn man die Sache nicht der Willkür überläßt, sondern Vernunft in die Sache bringt, daß Sie bloß die nötigen assoziativen Vereinigungen zu stellen brauchen zwischen Kaufgeld, Leihgeld, Schenkungsgeld und Gelderneuerung. Sie müssen einfach, sagen wir, denjenigen, der Geld verleiht, nicht in sinnloser Weise das Geld verleihen lassen, sondern der steht in Verbindung mit seiner Assoziation. Die vermittelt ihm die vernünftigste Art und Weise, wie er leihen kann, und vermittelt ihm die vernünftigste Art, wie er schenken kann. Wenn geschenkt wird - wobei es jedem selbst freistehen kann, zu schenken -, dann macht aber das Geld gerade, wenn es einen Jahreswert hat, denselben Prozeß durch. Nur handelt es sich darum, daß im volkswirtschaftlichen Prozeß zuletzt dasjenige vernunftgemäß herbeigeführt werden muß, was ohnedies geschieht, was nur maskiert wird, nämlich daß einfach das Geld, wenn es ausgedient hat, gesammelt wird. Und es bekommt jetzt wiederum im Beginne des Kauf- und Verkaufsprozesses seinen ursprünglichen Wert, das heißt es bekommt seine neue Jahreszahl; aber es geht über an denjenigen, der nun wiederum ein Naturprodukt, ein nun eben in die Arbeit übergehendes Naturprodukt zu behandeln hat - wo es sich um Kauf und Verkauf allein handelt. Das ist die Vermittlung auf assoziativem Weg. Die drei Geldarten müssen in verschiedener Weise behandelt werden. Sie müssen so behandelt werden: Vom Schenkungsgeld, das das älteste Geld sein wird, von dem aus müssen Sie es einer Assoziation |
| 183 | übergeben, das wertlose Geld wiederum in den Prozeß hineinzubringen, und zwar da, wo das Naturprodukt beginnt, sich mit der Arbeit zu vereinigen, was ja eine volkswirtschaftliche Schwierigkeit gar nicht bieten kann. Also worin besteht denn nun eigentlich dasjenige, was da anders sein würde als jetzt? Ja, es besteht darinnen, daß in diesem geschlossenen Wirtschaftsgebiet, das nicht eine Volkswirtschaft ist, die an eine andere angrenzt, wo man Export und Import treiben kann, daß darin drei Gebiete entstehen in bezug auf Geld: Leihgeldgebiet, Kaufgeldgebiet, Schenkungsgeldgebiet. Und wenn irgendwo dasjenige eintritt, was sonst korrigiert werden muß von der Nachbarschaft her durch Export und Import, so wird das jetzt korrigiert von den drei Gebieten. Richtet das Kaufgeld eine Störung an, dann fließt Geld in der entsprechenden Weise zu oder ab in die Kaufgeldsphäre, die Leihgeldsphäre - so wie sonst aus anderen Ländern - oder die Schenkungsgeldsphäre. Das regelt sich aber aus dem Grunde selber, weil, wenn Unregelmäßigkeiten auftreten - sie treten auf, sie müssen sich korrigieren: Leben kann nicht darin bestehen, daß keine Unregelmäßigkeiten auftreten, es ist einfach eine Unregelmäßigkeit, wenn Sie den Magen vollgefüllt haben, Sie müssen es wiederum verdauen -, so müssen fortwährend Zustände entstehen, unter denen für gewisse Waren Kaufgeld zu teuer oder zu billig ist, dann fließt das billige Geld in das andere Gebiet hinein, so daß es nach der anderen Seite wiederum teurer wird als Kaufgeld. Was sonst nur durch Export und Import fortwährend korrigiert wird, korrigiert sich innerhalb des Gebietes von selber. Was man nötig hat, ist nur wirklich menschliche Vernunft. Die bringt man dadurch hinein, daß die Assoziationen dasitzen, die aus ihren Erfahrungen heraus beobachten können und nach den Beobachtungen die entsprechenden Dinge in Wirklichkeit überführen können. So daß man sagen kann: Es handelt sich heute wirklich darum, das Wesen des Geldes vor allen Dingen richtig zu erfassen. Dieses Wesen des Geldes, das erfaßt man einfach aus dem Grunde nicht, weil man das Geld eigentlich immer als etwas vor sich hat, dem man gar nicht ansieht, was es eigentlich ist; denn es gibt nicht Geld als solches, sondern nur diese drei Sorten von Geld im sozialen Organismus, und noch |
| 184 | dazu wird jede Sorte das, was es da ist, erst im Moment, wo es eben eintritt in den volkswirtschaftlichen Prozeß oder von einer Art des volkswirtschaftlichen Prozesses in eine andere übertritt. Es wird auch im Prozeß fortwährend verändert. Es handelt sich darum, daß man erst einmal das Geld ordentlich kennenlernt, bevor man etwas sagen kann darüber, was es für eine Rolle spielt, wenn es zum Ausdruck des Preises für etwas anderes wird. Denn es ist einfach nur dann der volkswirtschaftliche Prozeß zu durchschauen, wenn man nicht an seiner Oberfläche stehenbleibt und sich bloß anschaut, wie die Dinge an der Oberfläche ausschauen. An der Oberfläche angeschaut, ist natürlich ein Zehnfrankenstück heute ein Zehnfrankenstück, ob daraufsteht 1910 oder 1915 oder 1920, es ist immer dasselbe Zehnfrankenstück, äußerlich angesehen, und im gewöhnlichen Kauf nimmt es sich auch so aus. Das merke ich nur, wenn ich weniger habe, da merke ich, daß der Unterschied aufgetreten ist, oder wenn die Dinge teurer geworden sind. Aber in diesem Wenigerhaben oder Teurergewordensein liegt eben das, was ich Ihnen hier gezeigt habe in dem Altersein und Jüngersein des Geldes. Man wird also eben nicht zu sprechen haben, wenn man den volkswirtschaftlichen Prozeß durchschauen will, von teurem oder billigem Geld, oder teuren oder billigen Waren, sondern vor allen Dingen, weil das Geld das ist, womit wir den volkswirtschaftlichen Prozeß heute bewältigen - daß die Geldsurrogate in ähnlicher Weise zu behandeln sind, davon werden wir morgen noch sprechen -, wird das Geld erst in seiner Wesenheit erkannt werden müssen. Das ist das Allerwichtigste. Da müssen wir uns schon nicht davor scheuen, unter die Oberfläche in die Tiefe hineinzudringen, um zu sehen, was da eigentlich zugrunde liegt. Und wir müssen verzichten darauf, in der Volkswirtschaft von billigem und teurem Gelde zu sprechen im Verhältnis zu den Waren, sondern wir werden uns klar sein müssen, daß im Lebensprozeß der Volkswirtschaft wir zu sprechen haben von altem und von jungem Geld. |