NATIONALÖKONOMISCHER KURS, ELFTER VORTRAG, Dornach, 3. August 1922
Entwicklung des Wirtschaftslebens von der ländlichen Privatwirtschaft her über die Volkswirtschaft zum Weltverkehr und zur Weltwirtschaft. Hemmung durch die Staatswirtschaft. England als führende Wirtschaftsmacht. Das wirtschaftliche Denken kam nicht nach. Weltwirtschaftliches Denken. Das «geschlossene Wirtschaftsgebiet» ist das Kardinalproblem der Wirtschaftswissenschaft. - Bedeutung der Lebensdauer der Wirtschaftsgüter. Das Geld nutzt sich nicht ab im Verhältnis zur Ware. - Das Verhältnis der Menschen, die «Ernährung suchen», zu denen, die «Ernährung bieten». Notwendigkeit von Schenkungen im geschlossenen Wirtschaftsgebiet. Die große volkswirtschaftliche Frage: welche Art von Zahlung muß erstrebt werden, damit im geistigen Gebiet das an Werten verschwindet, was im materiellen Gebiet an Ernährungswerten geschaffen wird?
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| 155 | Sie werden ja vielleicht wissen, daß nach der Meinung einer gewissen Anzahl von Volkswirtschaftern es unmöglich war, daß der Weltkrieg so lange gedauert hat, als er gedauert hat; denn diese Volkswirtschafter haben aus ihren Erkenntnissen der volkswirtschaftlichen Zusammenhänge heraus erklärt, daß das Wirtschaftsleben, so wie es einmal ist, nicht gestattet, daß ein so ausgedehnter Krieg, wie dieser Weltkrieg, länger als einige Monate dauere. Die Wirklichkeit hat ja, wie Sie wissen, hier diese Sache ganz stark widerlegt, und wenn man in einer sachgemäßen Weise heute seine Überlegungen anstellen würde, so würde man aus einer solchen Tatsache heraus die Notwendigkeit ableiten müssen, die Volkswirtschaftslehre schon deshalb zu revidieren. Wenn Sie aber sich heute die Mühe machen würden, einzugehen auf die Gründe, welche wenigstens gewisse Volkswirtschafter gehabt haben zu dieser ihrer Behauptung, so würden Sie nicht etwa überall zu der Behauptung kommen können, daß das alles Idioten waren. Das waren sie nämlich gar nicht. Sondern Sie würden sehen, daß ihre Gründe eigentlich gar nicht schlechte waren, und daß die überzeugende Kraft, die aus diesen Gründen hervorgegangen ist, keine allzu schwache war. Dennoch hat die Wirklichkeit die Sache widerlegt. Das Ergebnis der Wirklichkeit war, daß länger Krieg geführt werden konnte, als aus Überlegungen der Volkswirtschaft heraus möglich war. Es hat also offenbar die Volkswirtschaftslehre nicht die Wirklichkeit umspannt, sondern diese Wirklichkeit war anders, als die Volkswirtschaftslehre gemeint hat. Man kann eine solche Sache nur verstehen, wenn man sich klarmacht, welches die Entwickelung des Wirtschaftslebens auf der Erde überhaupt ist. Denn diese Entwickelung des Wirtschaftslebens besteht eigentlich fortwährend in ihren einzelnen aufeinanderfolgenden Stadien, die auch nebeneinander noch fortwährend da sind. Genau ebenso, wie man sagen kann: Die heutigen niedersten organischen Formen haben eine gewisse Ähnlichkeit mit den ersten Lebewesen unserer |
| 156 | Erdenentwickelung, die aber heute noch immer da sind - wenn auch etwas anders, aber ähnlich sind sie da neben den bis heute vollkommenst entwickelten -, so sind auch die Erscheinungen primitiverer Zustände im volkswirtschaftlichen Leben heute durchaus da neben denen, die eine höhere Stufe erlangt haben. - Nur tritt da noch etwas ganz Eigentümliches ein. Während im, sagen wir Tierreich, die primitiveren Formen neben den entwickelteren auch räumlich leben können, greifen in der Volkswirtschaft die primitiveren Vorgänge in die entwickelteren fortwährend ein. Das können wir höchstens vergleichen mit den Fällen, wo, sagen wir, Bakterien in vollkommenere Organismen eingreifen. Aber in der Volkswirtschaft ist das unendlich viel komplizierter noch; dennoch kann man sich, ich möchte sagen, ihre gewisse Grundstruktur vor Augen halten und aus ihr heraus wiederum wichtige Beiträge zu dem erhalten, in das wir dann gipfeln lassen wollen unsere ganze Betrachtung, wie ich schon öfter gesagt habe. Die Volkswirtschaft muß ja in ihren primitiven Formen vorgestellt werden als die ländliche Privatwirtschaft von einer gewissen Größe. Diese Größe ist relativ; aber wir müssen uns schon klar sein darüber: Wenn diese ländliche Privatwirtschaft eine geschlossene ist, dann enthält sie in sich auch die anderen Glieder des sozialen Organismus, dann hat sie ihre eigene Verwaltung, unter Umständen ihre eigene Wehr, ihre eigene Verteidigung, auch ihre eigene Polizei, und dann hat sie ihr eigenes Geistesleben. Eine solche Privatwirtschaft, die ziemlich ins Riesenmäßige ausgewachsen war, aber doch den Charakter einer primitiven ländlichen Privatwirtschaft im wesentlichen beibehalten hatte, war dasjenige, was man das Reich der Merowinger nannte. Das Reich der Merowinger ist ja nur ein Reich dann, wenn man diesen Begriff sehr äußerlich betrachtet, aber ganz gewiß ist es kein Staat gewesen. Es war eigentlich ein großer Gutsbesitz, der eben nur eine sehr große Fläche umfaßt hat. Und die ganze soziale Struktur im Merowingerreich war eigentlich nicht anders, als daß das Wirtschaftliche gewissermaßen zugrunde lag, daß sich ein Verwaltungsapparat aufbaute nach den Anschauungen des damaligen Rechtes, das er auch zu verwirklichen hatte, und daß sich hineinstellte gerade damals ein für die damaligen Verhältnisse außerordentlich freies Geistesleben. Denn die |
| 157 | große Unfreiheit des Geisteslebens haben wir ja in der neueren Zivilisation erst heraufziehen sehen unter dem Einfluß des Liberalismus. Erst als dieser Liberalismus gekommen ist, ist eigentlich das Geistesleben immer unfreier und unfreier geworden, und den Gipfelpunkt der Unfreiheit wird Ihnen das Geistesleben ja zeigen in der Verwirklichung aller staatlichen Glückseligkeiten, in der Sowjetrepublik in Rußland. Da dürfen ja nur Bücher verkauft werden, die approbiert sind von der Sowjetregierung. Der Papst verbietet wenigstens nur die Bücher; die Sowjetregierung in Rußland regelt aber nicht nur die Verbote, sondern die regeln sich von selber, weil gar nicht andere Bücher erscheinen können als diejenigen, die erlaubt sind. Wenn wir nun die Entwickelung weiter verfolgen, so sehen wir, wie im Laufe der Entwickelung allmählich übergegangen ist das Privatwirtschaftliche in das Volkswirtschaftliche, das dann eingelaufen ist zu einer bestimmten Zeit im Beginne der neueren Geschichte in die Staatswirtschaft. Das geschieht ja sehr charakteristisch, indem die Privatwirtschaft, die Initiative der Privatwirtschaft allmählich übergeht in die Verwaltungskörper, indem das Fiskalische sich zur Wirtschaft auswächst. Und so sehen wir, wie übergeht das Wirtschaftliche in das Staatsleben, wie aufgesogen wird das Geistesleben vom Staatsleben, und wir sehen dann den neueren wirtschaftlichen und geistigen Staatsorganismus entstehen, der immer mächtiger und mächtiger geworden ist als Staatsorganismus, und von dem wir uns ja klar sind, daß er wiederum eine gewisse Gliederung erfahren muß, wenn das Wirtschaftsleben weitergehen soll. Nun aber, von alledem interessiert uns hier nicht diese Dreigliederung, sondern die Zusammenfügung von Privatwirtschaften, wie sie ja meist geschehen ist in einem größeren Komplex, so daß tatsächlich aus Privatwirtschaften sich so etwas ergibt, wie Wirtschaft in einem größeren Komplex:' Volkswirtschaft, also dasjenige, was eine neue soziale Struktur schafft, aber noch das Privatwirtschaftliche fort erhält, also das Primitive noch als Einschluß hat. Was entsteht da im eigentlichen volkswirtschaftlichen Sinn? Da entsteht Austausch zwischen den einzelnen Privatwirtschaften, Austausch, der in der verschiedensten Weise geregelt wird. Aber diese Regelung schwebt wie |
| 158 | eine Wolke über dem Ganzen. Aber es ist so, daß der Austausch, das heißt der Handel zwischen den einzelnen Privatwirtschaften, dasjenige ist, was durch dieses Zusammenlegen der Privatwirtschaften zur Volkswirtschaft im wesentlichen eintritt. Nun, das hat die Folge, daß, weil ja, wie wir gesehen haben gestern, beim volkswirtschaftlichen Austausch jeder einen Vorteil hat, wenigstens haben kann, daß die einzelnen Wirtschaften, die sich da zum Austausch, der ja wirtschaftlich das Wesentliche ist, zusammentun, daß sie Vorteil haben. Also wir erleben, daß die einzelnen Wirtschaften Vorteil haben durch diesen Zusammenschluß, einfach weil sie miteinander Austausch treiben können. Und man kann das ganz bilanzmäßig berechnen, wieviel die eine Privatwirtschaft an den anderen Privatwirtschaften, mit denen sie in einem wirtschaftlichen Verband ist, gewinnt. Jede gewinnt irgend etwas, was dann wiederum im volkswirtschaftlichen Sinn eine Bedeutung hat. Als nun die neuere Volkswirtschaftslehre in der verschiedensten Weise begründet worden ist, da war man im wesentlichen so weit, daß sich die volkswirtschaftlichen Körper aus den privatwirtschaftlichen heraus gebildet haben. Und wenn man zum Beispiel die volkswirtschaftlichen Anschauungen von Ricardo, von Adam Smith verstehen will, dann muß man dasjenige, was diese Leute an Gedanken über die Volkswirtschaft entwickelt haben, daraus verstehen, daß ihre Anschauung bestanden hat in diesem Zusammenwirken von Privatwirtschaften. Bei Adam Smith können Sie überall sehen, wie er vielfach aus Privatwirtschaften heraus denkt und seine Schlüsse zieht. Und das andere Bild war der Zusammenschluß zu einer Volkswirtschaft. Aber über diesen Zusammenschluß haben sie so gedacht, daß ihnen ein gut Teil des privatwirtschaftlichen Denkens geblieben ist, und so haben sie zumeist solche Ansichten ausgebildet, welche die Volkswirtschaft ähnlich behandelt haben wie die Privatwirtschaft, daß man die Fruchtbarkeit der Volkswirtschaft darin gesehen hat, daß nun wieder eine Volkswirtschaft mit der anderen in Austausch kommt, in Wechselwirkung kommt und dadurch Vorteil gewinnt. Das Merkantilsystem zum Beispiel hat darin bestanden, daß man es aufbaute aus den Vorteilen, die sich daraus ergaben. Nun wird sich aber schon beim Zusammenschluß einzelner Privatwirtschaften |
| 159 | zu einer großen Volkswirtschaft etwas herausstellen wie eine Art von Führung, die einfach die mächtigste Privatwirtschaft haben würde, welche aufgegangen ist in einem solchen Komplex. Diese Tatsache, die zweifellos eingetreten wäre beim Übergang des Privatwirtschaftens in das Volkswirtschaftliche, die ist eben gerade dadurch maskiert, kaschiert worden, ist nicht voll zum Ausdruck gekommen, daß das Staatliche übernommen hat diese Führung. Es würde sonst eben eine, nämlich die mächtigste, Privatwirtschaft die führende geworden sein. So daß, ich möchte sagen, allmählich hinübergeströmt ist, hinübergekollert ist dasjenige, was die einzelnen Privatwirtschaften hatten, in die Staatswirtschaft. Aber als dann wirklich im Verlauf der neueren Zeit nun wieder der Austausch, die Wechselwirkung zwischen den einzelnen Volkswirtschaften, das heißt der Weltverkehr, immer umfassender und umfassender wurde, da zeigte sich nun allerdings, daß diese Führung eintrat, und diese Führung, die trat ein, indem sich, wie etwas Selbstverständliches, in dem wirtschaftlichen Fortgang England mit seiner Volkswirtschaft als eben die dominierende Volkswirtschaft in der neueren Zeit ergeben hat. Und wenn ich Sie schon von einem anderen Gesichtspunkt aus darauf aufmerksam gemacht habe, daß ja England eine kontinuierliche Entwickelung hatte vom Handel nach der Industrie hin, so muß man auf der anderen Seite auch wiederum sagen, daß England während der Erwerbung seiner Kolonien das tonangebende Land geworden ist für die Festsetzung der Währung. Seine Kolonien haben sich ja, wie es sonst bei Privatwirtschaften war, zu einem größeren Wirtschaftskomplex zusammengeschlossen. Dadurch sind zunächst die inneren Vorteile entstanden, die immer beim Austausch entstehen; aber es ist auch jene mächtige wirtschaftliche Führerschaft eingetreten, der es dann möglich war, dadurch eine dominierende Stellung auszuüben im Wirtschaftsleben der Welt bei sich vervollkommnendem Weltverkehr. Das tonangebende Land ist England für die Festsetzung der Währung dadurch geworden, daß nur durch England die Goldwährung erzwungen worden ist in der Welt, wo sie durchgeführt worden ist, weil, wie leicht berechnet werden kann, gegenüber einem reichen goldwährigen Land im Wechselverkehr mit diesem das andere |
| 160 | Land, das nicht Goldwährung hätte, eben dadurch Nachteil haben würde. Nun, so können wir sagen: Es ist unter dem Einfluß des Weltverkehrs England die führende Wirtschaftsmacht geworden. Man kann eigentlich sagen; Solange das so war, konnte man seine volkswirtschaftlichen Begriffe, vielleicht immer mit einiger Änderung und Vervollkommnung, in der geradlinigen Fortsetzung desjenigen ausbilden, was da Hume, Adam Smith, Ricardo, und eigentlich im Grunde genommen in der Fortsetzung davon dann, nur ja stark auf den Kopf gestellt, Karl Marx ausgebildet haben. Denn alles das ist nur zu verstehen, wenn man von den Gedanken, die sich die Leute gemacht haben, die Bilder hat jenes Wirtschaftslebens, das entstanden ist unter dem dominierenden Einfluß der englischen Wirtschaftsmacht. Nun ist mit dem letzten Drittel des letzten Jahrhunderts der Weltverkehr übergegangen in die Weltwirtschaft, und das ist ein außerordentlicher Übergang, dieser Übergang vom Weltverkehr zur Weltwirtschaft. Wenn wir Definitionen geben, so sind sie natürlich nicht genau, weil die Dinge sukzessive ineinander übergehen wollen. Aber wir müssen sagen: Beim Weltverkehr haben wir die Wirtschaft der Welt darinnen bestehend, daß wir einzelne Volkswirtschaften haben, die untereinander austauschen. Und der Verkehr, der steigert den Austausch, fördert den Austausch und ändert dadurch im wesentlichen alle Preise, die ganze Struktur der Volkswirtschaft. Aber es ist nur dieses da: gewirtschaftet wird eigentlich, in bezug auf alles übrige, in den einzelnen Gebieten. Weltwirtschaft ist dann da, wenn die einzelnen Wirtschaftskörper nicht nur ihre Produkte miteinander austauschen, sondern wenn sie nun auch miteinander wirtschaften, das heißt, wenn zum Beispiel Halbfabrikate von dem einen Land in das andere gehen, wo sie weiterfabriziert werden. Da haben wir dann ein radikales Beispiel vom Zusammenwirtschaften. Wenn es sich nur handelt um die Rohprodukte, wird immer noch bilanzmäßig der reine Verkehr aufrechterhalten. Das kann man noch nicht ein Zusammenwirtschaften nennen. Wenn aber wirklich alle Faktoren des menschlichen Lebens, insofern sie vom Wirtschaftlichen berührt werden, also alle Produktion, aller Verkehr, aller Konsum, gespeist werden aus der ganzen Welt, nicht etwa bloß die Produktion oder der Konsum, sondern |
| 161 | alles ineinandergehend gespeist wird aus der ganzen Welt, dann entsteht die Weltwirtschaft. Dann werden aber durch die Entstehung der Weltwirtschaft gewisse Vorteile, die früher vorhanden waren, bei den Volkswirtschaften ausgelöscht. Sehen wir noch einmal zurück: wenn sich Privatwirtschaften zu Volkswirtschaften zusammenschließen, dann ist das so, daß sie im Ganzen gewinnen, Vorteile haben - jede einzelne. Was drängt aber außerdem noch dazu? Es ist ja nicht immer die Einsicht, die sie dazu drängt, diesen Zusammenschluß zu vollziehen. Es ist so, daß der Zusammenschluß eigentlich nicht durch die wirtschaftliche Einsicht bewirkt wird, weil zumeist das Freiheitsgefühl ein viel zu großes ist. Es ist den Privatwirtschaftern gar nicht so sehr darum zu tun, Vorteile einzuheimsen, die entstehen. Volkswirtschaftlich betrachtet sind dann diese Vorteile da; aber die Sache ist doch noch komplizierter. Die einzelnen Wirtschaften haben nämlich die Eigentümlichkeit eines jeden Organismus, daß sie übergehen in ein immer schwächeres und schwächeres Leben. Das ist einfach allgemeines Weltgesetz, auch für das Wirtschaftsleben. Ein Wirtschaftsleben, das keine Aufbesserung erfährt, geht herunter. Und Zusammenschlüsse entstanden im wesentlichen nicht deshalb, weil man die ursprünglich auf einer gewissen Höhe befindlichen Privatwirtschaften zu einer noch größeren Fruktifikation zusammenschließen wollte, sondern weil man sie behüten wollte vor dem Heruntergehen. So daß man sagen kann: Der Vorteil des Zusammenschließens ist da, wenn sie sich zusammenschließen. - Das ist ja auch für die einzelnen Zusammenschließungen verschieden. So daß man sagen kann: Was die einzelnen Wirtschaften verlieren an innerem Werte, das wird jedenfalls reichlich wettgemacht, gewöhnlich ist ein Überschuß da, durch den Zusammenschluß der Privatwirtschaften in Volkswirtschaften. - Dasjenige, was die Volkswirtschaften allmählich an inneren Werten verlieren, das wird reichlich wettgemacht durch den Weltverkehr und den Übergang zur Weltwirtschaft. Wenn aber die Weltwirtschaft da ist, mit wem soll denn die tauschen? Und wir haben in der Tat das gesamte Wirtschaftsleben der Erde allmählich einlaufen sehen in die Weltwirtschaft. Da hört die Möglichkeit auf, noch durch Zusammenschlüsse Vorteile zu erzielen. |
| 162 | Diejenigen Menschen nun, welche gesagt haben, der Weltkrieg könne nicht so lange dauern, wie er gedauert hat, die haben volkswirtschaftlich gedacht, nicht weltwirtschaftlich; denn wäre die Weltwirtschaft eine Volkswirtschaft gewesen, dann wäre es wahr gewesen. Aber indem tatsächlich der Weltkrieg von Anfang an die Tendenz gehabt hatte, sich immer mehr und mehr auszudehnen, so hatte er schon ein längeres Leben. Wenn volkswirtschaftlich weitergedacht wird innerhalb der Weltwirtschaft, so muß die Weltwirtschaft in einem bestimmten Punkt zusammenbrechen. Sie hätte das auch müssen, wenn man volkswirtschaftlich weitergedacht hätte, wenn nicht schon vorher aus allerlei dunklen Kräften heraus man diesen Zusammenbruch befördert hätte. So spielen deutlich erschaubare, aber natürlich weniger deutlich mit Zahlen erfaßbare Verhältnisse ins Wirtschaftsleben herein. Und das wird Ihnen bedeuten, daß es einfach unmöglich ist, in geradliniger Weise fortzusetzen die früheren volkswirtschaftlichen Begriffe, daß wir einfach vor der Notwendigkeit stehen, zu sagen: Wir brauchen heute eine Volkswirtschaftslehre, die aus der unmittelbaren Gegenwart heraus redet, und die auch einsieht, daß alle diejenigen volkswirtschaftlichen Kategorien, die man etwa vor einem Jahrhundert gebildet hat, heute nicht mehr gelten können. Wir brauchen heute wirklich eine Wirtschaftswissenschaft - müssen wir jetzt sagen -, die weltwirtschaftlich denken kann. Und hier sehen Sie eines unserer allergrößten historischen Probleme. Wenn die heutigen führenden Persönlichkeiten in Versailles, in Genua, im Haag zusammenkommen, dann hat ihnen die Wissenschaft zunächst nur volkswirtschaftliches Denken gegeben. Sie können also nichts anderes tun als dasjenige, was, bevor man es durchsetzt mit weltwirtschaftlichem Denken, notwendigerweise in den Untergang hineingeht. Können sie etwa leugnen, daß sie die Wirtschaft weiter zerpflücken, daß sie weitere Schranken aufbauen, so daß man verzögert diesen Übergang in die reine Weltwirtschaft? Daher die Tendenz der allerletzten Zeit, die Welt möglichst auch wirtschaftlich zu zerklüften, indem man dieses Zerklüften in politische und nationale Masken steckt. Aber man muß übergehen zu einer Weltwirtschaft, |
| 163 | Weltwirtschaftswissenschaft, oder aber ein unmögliches Erdengebilde in wirtschaftlicher Beziehung herstellen, das nur leben kann, wenn der eine Teil auf Kosten des anderen sich durch Valutadifferenzen wirtschaftliche Vorteile verschafft. Da sehen Sie in der Tat gerade auf dem Wirtschaftswege intensiv hinein in dasjenige, was unmittelbar in der Gegenwart eigentlich geschieht. Nun handelt es sich ja darum, daß, wenn wir uns das Weltwirtschaftliche vorstellen, wir uns klar darüber sein müssen, daß gewissermaßen an den Grenzen des Weltwirtschaftsgebietes andere Verhältnisse eintreten als im Wirtschaftsgebiete, das an andere angrenzt. Und das Weltwirtschaftsgebiet, es ist ja heute relativ da, aber so, daß auch die Weltwirtschaftswissenschaft relativ folgen muß. Das Weltwirtschaftsgebiet grenzt an nichts anderes an, und das macht notwendig, daß man noch genauer auf gewisse wirtschaftliche Vorgänge hinschaut, die sich unabhängig von den Grenzen innerhalb des geschlossenen Wirtschaftsgebietes nun herausstellen. Es ist heute als das Kardinalproblem für die Wirtschaftswissenschaft das des geschlossenen Wirtschaftsgebietes, Riesenwirtschaftsgebietes, zu lösen. Denn die kleinste Frage, auch die Frage des Preises zum Beispiel unseres Frühstückskaffees, ist etwas, was heute unter dem gesamten Einfluß des Wirtschaftslebens der Erde steht. Und wenn es das noch nicht ist, so bedeutet das, daß die Dinge relativ fortschreiten; aber es ist auf dem Weg und unser Denken muß da nachlaufen. Um aber im geschlossenen Wirtschaftsgebiet die wirtschaftlichen Verhältnisse zu studieren, müssen wir uns klar sein, daß wir innerhalb des Wirtschaftsgebietes in der Wechselwirkung von Produktion, Konsumtion und Verkehr - eigentlich Zirkulation - dasjenige haben, was nun konsumfähige Ware ist, verbrauchbare Ware ist, vielleicht auch im relativen Sinn Dauerware ist, und dasjenige, was Geld ist. Es ist ja ein wesentlicher Unterschied mit Bezug auf die Wirtschaftsform, der die Dinge unterliegen, ob wir ins Auge fassen das Gebiet der Lebensmittel zum Beispiel: das sind kurzlebige Produkte, oder das Gebiet der Kleidung: das sind schon längerlebige Produkte, oder, sagen wir dasjenige, was in Zimmereinrichtungen, in Häusern liegt: das ist noch längerlebig. Also in bezug auf den Gebrauch bekommen wir wichtige |
| 164 | Zeitunterschiede der wirtschaftlichen Ergebnisse. Ein Dauerprodukt des wirtschaftlichen Lebens wäre zum Beispiel, sagen wir, der ja von anderem Gesichtspunkte Ihnen schon vorgeführte Stein in der Krone von England oder in anderen Kronen, oder auch die Sixtinische Madonna und so weiter; da drinnen würden wir in gewissem Sinne eine Art von Dauerergebnissen sehen müssen; namentlich im Künstlerischen würden wir vielfach eine Art von Dauerergebnissen sehen müssen. Nun muß aber in dem sozialen Organismus, der der Arbeitsteilung unterliegt, der daher auch eine ausgebreitetere Zirkulation hat, für jedes Erzeugnis ein Äquivalent bestehen. Der Geldeswert, der der Preis ist, der muß bestehen. Aber Sie können ja durch ein ganz einfaches Überblicken des Wirtschaftsgebietes sehen, daß diese Äquivalenz zwischen dem Warenwert und dem Geldeswert schwankend ist, veränderlich ist. Ein Produkt ist da das wert, an einem anderen Ort etwas anderes wert. Ein Produkt kann mehr wert sein, wenn es so verarbeitet ist, oder mehr, wenn es anders verarbeitet ist. Aber jedenfalls kann Ihnen daraus hervorgehen, daß wir es im gesamten wirtschaftlichen Leben, abgesehen von einigen relativ sehr lang anhaltenden Dauergütern, zu tun haben mit Gütern, die durchaus auch vergehen, entwertet werden, nach einiger Zeit jedenfalls nicht mehr da sind. Just dasjenige, was Geld ist, das ist etwas, was merkwürdigerweise im volkswirtschaftlichen Leben, trotzdem es ganz in Äquivalenz steht mit den anderen volkswirtschaftlichen Elementen, sich nicht abnutzt. Radikal können Sie sich das dadurch vorstellen, daß Sie sich zum Beispiel denken: Ich habe für, sagen wir, fünfhundert Franken Kartoffeln. Wenn ich für diese fünfhundert Franken Kartoffeln habe, so muß ich dafür sorgen, daß ich sie losbringe, das heißt ich muß etwas tun, damit ich sie losbringe. Und nach einiger Zeit sind sie eben nicht mehr da, sind sie verbraucht, sind sie weg. Wenn das Geld in Äquivalenz steht mit den Gütern, mit den bearbeiteten Gütern, so müßte es sich abnützen. Das Geld müßte, genauso wie die anderen Güter, sich abnützen. Das heißt, wenn wir nicht abnutzbares Geld im volkswirtschaftlichen Körper drinnen haben, dann verschaffen wir unter Umständen dem Geld einen Vorteil gegenüber den abnützbaren Gütern. |
| 165 | Das ist außerordentlich wichtig. Und es wird erst ganz wichtig, wenn man folgendes bedenkt: Wenn man bedenkt, was ich anwenden muß, wenn ich, sagen wir, nach fünfzehn Jahren durch meine ganze Betätigung so weit gekommen sein soll, daß ich dadurch, daß ich heute eine Menge Kartoffeln habe, dann die doppelte Menge Kartoffeln habe, von den Kartoffeln, die es dann geben wird; und wenn man nun bedenkt, wie wenig jemand als einzelne Persönlichkeit zu tun braucht, wenn er heute in Geld fünfhundert Franken hat, um das Doppelte zu haben in fünfzehn Jahren! Es genügt, wenn er gar nichts tut, wenn er seine gesamte Arbeitskraft dem sozialen Organismus entzieht und die anderen arbeiten läßt, daß er beleiht und die anderen arbeiten läßt. Wenn er mittlerweile nicht selber für den Verbrauch sorgt: das Geld hat es nicht nötig, sich abzunutzen. Dadurch wird aber sehr viel von dem, was dann empfunden wird als eine soziale, sagen wir Unrichtigkeit, erst in den sozialen Körper hineingebracht. Im wesentlichen werden durch jene Umschichtungen und Umlagerungen, nicht etwa der Besitzverhältnisse - von denen will ich gar nicht reden -, aber der Arbeits Verhältnisse und der Betätigungsverhältnisse überhaupt, ungeheure Veränderungen auch in volkswirtschaftlicher Beziehung im sozialen Körper bewirkt, so daß man fragen kann: Diese Umwandlungen, diese Umschichtungen, die da bewirkt werden, in welchem Verhältnisse stehen sie zu einem anderen, an dem man sie in einer noch etwas besseren Weise fassen kann? Es hat noch etwas Unbestimmtes, wenn ich es Ihnen so empirisch, ich möchte sagen, schildere, was da als Unterschied des Geldes mit den Realien im volkswirtschaftlichen Organismus besteht. Wie kann man das im einzelnen im Bild nun fassen? Im Bild können Sie das dann fassen, wenn Sie sich zunächst vorstellen, wie grundlegend sein muß für die gesamte Volkswirtschaft eines geschlossenen Gebietes der Konsum aller Menschen, die da drinnen sind in diesem Gebiete. Das ist dasjenige, was einmal als die erste Voraussetzung da ist, der Konsum aller derjenigen Menschen, die in diesem Gebiete drinnen sind. Nun, etwas anderes hat auch noch eine gewisse grundlegende Bedeutung. Man hat diese grundlegende Bedeutung zum Beispiel bei den |
| 166 | Physiokraten sehr mißverstanden. Etwas ist aber doch daran, daß dieses andere, nämüch der Grund und Boden, nun doch - wenn es sich auch an sich so herausgestellt hat, daß er fortwährend entwertet werden muß - eine grundlegende Bedeutung hat. Er muß gerade deshalb entwertet werden, weil er eine grundlegende Bedeutung hat. Die Physiokraten haben folgenden Fehler gemacht: Sie haben in einer Zeit gelebt, in der, wie es ja heute auch noch der Fall ist, eben der Grund und Boden Kapitalwert hatte. Unter dem Einfluß dieser Tatsache haben sie gedacht, haben sie die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge nun auch verfolgt, sogar in einer recht anschaulichen Weise verfolgt - sie waren nämlich von allen Volkswirtschaftern noch die rationellsten -, und sind dazu gekommen, zu sagen von ihrem Standpunkt aus: Der volkswirtschaftliche innere Wert eines Wirtschaftsgebietes ruht eigentlich in der Kultur des Grund und Bodens, wenn wir unter Kultur des Grund und Bodens alles dasjenige zusammenfassen, was wir als Produktion solcher Güter aufzufassen haben, die im wesentlichen der Ernährung der Menschheit dienen. Solange wir innerhalb des Feldes der Ernährung stehenbleiben, haben wir in der Tat in Grund und Boden die Grundlage zu sehen, die mehr oder weniger feste Grundlage zu sehen für dasjenige, was den inneren Wert eines volkswirtschaftlichen Gebietes ausmacht. Denn denken Sie sich nur, daß ja diejenigen, die den Grund und Boden bearbeiten, also unmittelbar jene Naturprodukte mit Arbeit verbinden, die dann der Ernährung der Menschheit dienen, daß diese Arbeiter mit Bezug auf die Ernährung alle anderen miternähren; die anderen sind angewiesen auf sie; alle anderen werden miternährt von ihnen. Gewiß, die anderen können sich Mittel verschaffen, um das teuer zu bezahlen, aber im wesentlichen können wir ganz primitiv diese Sache auffassen. Wir können uns einfach vorstellen: Tafel 9 Es ist da eine gewisse Anzahl, A, von Essern. In dieser Anzahl A sind alle landwirtschaftlichen Arbeiter, Industriearbeiter, Geldleiher, Handelsleute, geistigen Arbeiter bis in das freieste Geistesleben hinauf enthalten: das sind diejenigen, die Ernährung suchen. Und es sind da diejenigen, die Ernährung bieten, B, die also wirklich etwas bieten mit ihrer Arbeit, was in die unmittelbare Ernährung, das heißt in denjenigen Teil des Konsums übergeht, der der Ernährungskonsum |
| 167 | ist. Wenn A1 größer als A ist und B gleich bleibt, so muß einfach mehr geteilt werden, muß einfach dasjenige, was die B produzieren, mehr aufgeteilt werden. Und wenn tatsächlich B sich nicht durch irgend etwas auch in seinem Wert erhöhen läßt, dann müssen Leute einwandern und die Kulturfähigkeit des Grund und Bodens muß erhöht werden. Sie können also nicht in einer beliebigen Art innerhalb eines Wirtschaftsgebietes zum Beispiel die Geistesarbeiter vermehren, ohne daß Sie dasjenige, was auf der anderen Seite liegt, diejenigen, die im wesentlichen die Produktion der Ernährung besorgen, auch vermehren. Oder es muß der andere Fall eintreten, daß die Kulturfähigkeit des Bodens erhöht wird. Das kann dann ausgehen von den geistigen Arbeitern. Da müssen aber die geistigen Arbeiter des Zeitalters, in dem die Kulturfähigkeit höher ist, gescheiter sein als die früheren, höhere Fähigkeiten haben als die früheren. Also in dieser Beziehung ist die Erhöhung der ländlichen Arbeit in gewissem Sinn äquivalent mit der Steigerung der Einsichten in die Bearbeitung desjenigen, was aus der Natur stammt. Das kann ja in der verschiedensten Weise sein. Dadurch, daß einer eine rationelle Vogelzucht einrichtet, dadurch kann er unter Umständen die Forstwirtschaft erhöhen. Das kann in der verschiedensten Weise geschehen; wir beschäftigen uns damit nur in prinzipieller Weise. Solange man bloß volkswirtschaftlich denkt, ist es klar, daß diese Verhältnisse eintreten können. Es können in ein Land von geringeren Einsichten einwandern diejenigen, die schon gescheiter sind in einem anderen Land. Die können dann die Kultur des Grund und Bodens weiter fördern. Oder aber es können, wenn mehr Menschen in die Stände hinaufrücken, die nicht zu dem Nährstand gehören, Leute ins Land gerufen werden, Arbeiter ins Land gerufen werden. Alle diese Dinge spielen sich ja ab in den Volkswirtschaften der Gebiete, die an andere angrenzen oder auch darüber hinaus. Das alles, was man über solche Dinge denken kann, kann man ausdrücken in der Frage: Wie hilft man ab, wenn auf der einen Seite, A, ein größerer Verbrauch entsteht, als B erzeugen kann? - Was man darüber volkswirtschaftlich denken kann, hört auf, gedacht werden zu |
| 168 | können, wenn Weltwirtschaft eintritt und die Verhältnisse sich für die Weltwirtschaft in gewissem Sinne schon eingerichtet haben. Und wir müssen uns einfach Vorstellungen darüber machen, was da anders sein muß, wenn ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet da ist. Das kann man eigentlich zunächst empirisch studieren, wenn man die Kleinwirtschaft nimmt, bei der man ziemlich absehen kann - es hat ja solches immerhin gegeben - von dem Export und Import. Man kann das empirisch studieren, was in einem geschlossenen Wirtschaftskreis eigentlich für Verhältnisse vorliegen. Beim geschlossenen Wirtschaftskreis ist es schon so: Wir nehmen die Grundlage, den Grund und Boden. Dann wird dasjenige, was von Grund und Boden kommt, der Arbeit unterzogen, wird bearbeitet und erhält dadurch einen Wert. Die Arbeit wird dann organisiert: da kommen wir schon in das Menschengebiet hinein, das nun nicht mehr Nährstand ist, sondern das wohl in bezug auf die Nahrungsmittel konsumiert, aber nicht mehr produziert. Und insbesondere, wenn wir heraufkommen zu den geistigen Arbeitern, dann haben wir da Konsumenten, nicht Produzenten in bezug auf Nahrungsmittel. So daß wir unterscheiden müssen im geschlossenen Wirtschaftsgebiet in bezug auf die Ernährung ein produzierendes Feld, das auch sehr stark, ich möchte sagen, sich darauf versteift, ein bloß produzierendes Feld zu sein und ein konsumierendes Feld. Natürlich sind diese Dinge ganz relativ. Es geht allmählich über. Aber wenn Sie sich nun das gesamte menschliche Leben denken in einem solchen geschlossenen Wirtschaftsgebiet, so muß eben strikte das da sein, was ich Ihnen vor einigen Tagen auseinandergesetzt habe: Es müssen, damit das Kapital nicht stockt, nicht eine Stauung erleidet, an derjenigen Stelle - natürlich ist das im ganzen Wirtschaftsgebiet ausgebreitet -, wo am entwickeltsten ist das geistige Leben in der Kapitalbildung, die erworbenen, erarbeiteten Überschüsse eben nicht hineinfließen in den Grund und Boden - sie würden sich da stauen -, sondern es muß dafür gesorgt werden, daß da Überschüsse nicht mehr vorhanden sind, daß da nichts an Kapital sich staut in Grund und Boden, das heißt, daß schon früher - durch Schenkungen desjenigen, das erarbeitet worden ist, an die geistigen Institutionen — verhindert worden ist, daß eine solche Stauung entstand, mit Ausnahme desjenigen, |
| 169 | was ich da als Samen bezeichnet habe. Ja, da tritt uns also der Begriff der Schenkung in seiner vollen Notwendigkeit entgegen. Diese Schenkung muß da sein. Studieren Sie solche geschlossenen Wirtschaftsgebiete, die in der Geschichte aufgetreten sind, so werden Sie auch sehen: diese Schenkungen sind schon überall da. Im wesentlichen sind es Schenkungen, auf die das geistige Leben angewiesen ist - im wirtschaftlichen Sinn Schenkungen. Sie sind da von dem Einfachen, daß sich Karl der Kahle aus dem, was er verschenken kann, seinen Hofphilosophen sogar hält, was sogar unter Umständen als ein sehr überflüssiges Möbel angesehen werden könnte - Scotus Erigena -, bis hinab zu dem Peterspfennig, wo die Katholiken aller Welt der Kirche ihre Schenkungen in ganz kleinen Dosen verabreichen. Sie haben überall, wo die Wirtschaft, wenn sie auch über gewisse Gebiete hin eine Riesenwirtschaft wird, ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet darstellt, das Verwandeln des Kapitals, das erarbeitet worden ist, in Schenkungskapital da, wo es sich handelt um den Unterhalt der geistigen Institutionen. Mit anderen Worten: Es müßte daran gedacht werden, wenn zwangsmäßig ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet da ist, wie es die Weltwirtschaft ist, daß gar nichts anderes geschehen könnte im volkswirtschaftlichen Sinn, als daß alles dasjenige, was sonst sich staut in Grund und Boden, in den geistigen Institutionen verschwindet. Es müßte in den geistigen Institutionen verschwinden, es müßte wirken gleich einer Schenkung. Das heißt wir haben nötig, für die heutige wirkliche Wirtschaftswissenschaft aufzusuchen die Beantwortung der Frage: Wie müssen wir im wirtschaftlichen Sinn kaufen und verkaufen, damit innerhalb des geistigen Gebietes dasjenige an Werten verschwinde, was innerhalb des rein materiellen Gebietes an Ernährungswerten geschaffen wird? - Das ist die große Frage. Ich formuliere sie noch einmal: Welche Art von Zahlung im wirtschaftlichen Verkehr muß erstrebt werden, damit immer innerhalb der geistigen Institutionen dasjenige verschwindet, was geschaffen wird durch die verarbeitete Natur da, wo eben die Produktion arbeitet für die Ernährung der Menschheit? - Das ist die große volkswirtschaftliche Frage, an deren Beantwortung wir dann morgen gehen wollen. |