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NATIONALÖKONOMISCHER KURS, ZEHNTER VORTRAG, Dornach, 2. August 1922

NATIONALÖKONOMISCHER KURS, ZEHNTER VORTRAG, Dornach, 2. August 1922

Der volkswirtschaftliche Gewinn. Im Tauschakt gewinnen beide Seiten. Entstehung des Geldes aus der Ware. Druckwirkung und Saugwirkung im volkswirtschaftlichen Prozeß. Die Gegenseitigkeit im volkswirtschaftlichen Prozeß. Zins. Er entsteht durch Verzicht auf Gegenseitigkeit im Leihen, welches durch Wiederleihen rechtmäßig vergolten wird. Methodisch: den volkswirtschaftlichen Prozeß in Bildern erfassen. Empfundene Erfahrungen. «Selbsttätige Vernunft» und «objektiver Gemeinsinn» durch Assoziationen. Er steht oberhalb der persönlichen Interessen. Objektive Selbstlosigkeit anstelle von subjektiver Moral. Das Wirtschaftsleben zwischen Rechtsleben und Geistesleben.

Seite Text
140 Nun, es ist nötig, daß heute etwas hier besprochen wird, was gestern schon einigen angedeutet worden ist. Das ist das Verhältnis zwischen der volkswirtschaftlichen Arbeit und demjenigen, was zugrunde liegt, wenn Natur durch Bearbeitung umgewandelt wird in ein volkswirtschaftliches Wertobjekt. Dann geschieht ja im weiteren Verlauf dieses, daß die organisierte oder gegliederte Arbeit aufgefangen wird in gewissem Sinn von dem Kapital, das sich dann emanzipiert und vollständig in die, man möchte sagen, freie Geistigkeit übergeht. So daß Sie daraus entnehmen können, daß man in der Arbeit nicht etwas von einem unmittelbaren volkswirtschaftlichen Wert hat - das haben wir ja schon auseinandergesetzt -, wohl aber, daß man in der Arbeit dasjenige hat, was den volkswirtschaftlichen Wert bewegt. Das Naturprodukt als solches kommt in die volkswirtschaftliche Zirkulation dadurch hinein, daß es bearbeitet wird. Und die Bearbeitung, die ihm den Wert gibt, die ist eigentlich die Ursache, warum sich zunächst wenigstens innerhalb eines gewissen Gebietes das volkswirtschaftliche Wertobjekt bewegt. Später ist es dann der in dem Kapital wirkende Menschengeist, der die Bewegung fortsetzt. Zunächst haben wir es zu tun mit dem Bewegen; denn sobald wir in die Kapitalsphäre hineinkommen, haben wir es zu tun mit der Bewegung durch das Handelskapital, dann durch das Leihkapital und dann durch das eigentliche Produktionskapital: durch das Industriekapital.
Wenn wir nun von dieser Bewegung sprechen, so müssen wir uns vor allen Dingen darüber klar sein, daß etwas da sein muß, das die Werte in die volkswirtschaftliche Zirkulation hineinbringt. Und um da zurechtzukommen, müssen wir uns heute schon einmal beschäftigen mit einer, ich möchte sagen, etwas kniffligen volkswirtschaftlichen Frage, die nicht ohne weiteres einzusehen ist, wenn man nicht versucht, das, was darüber gesagt werden kann, in der volkswirtschaftlichen Erfahrung immer weiter aufzusuchen und gewissermaßen die Dinge zu verifizieren.
141 Es kommt zunächst das in Betracht, was man nennen kann den volkswirtschaftlichen Gewinn. Die Gewinnfrage aber, sie ist eine außerordentlich schwierige Frage. Denn, nehmen wir an, daß sich abspielt ein Kauf. Der A kauft beim B. Nun, man wendet gewöhnlich im laienhaften Denken den Begriff des Gewinnes auf den Verkäufer allein an. Der Verkäufer soll gewinnen. Dann haben wir ja eigentlich nur den Austausch zwischen dem, was der Käufer gibt, und dem, was der Verkäufer gibt. Nun werden Sie aber keineswegs, wenn Sie die Sache genau durchdenken, zugeben können, daß bei einem Kauf oder auch bei einem Tausch lediglich der Verkäufer gewinnt; denn wenn lediglich der Verkäufer gewinnen würde im volkswirtschaftlichen Zusammenhang, so würde ja der Käufer immer der Benachteiligte sein müssen, wenn ohne weiteres ein Austausch stattfinden würde. Der Käufer müßte immer der Benachteiligte sein. Das werden Sie aber von vornherein zugeben, daß das nicht sein kann. Sonst würden wir es bei jedem Kauf zu tun haben mit einer Übervorteilung des Käufers; das ist aber doch ganz offenbar nicht der Fall. Denn wir wissen ja, daß derjenige, der kauft, durchaus vorteilhaft kaufen will, nicht unvorteilhaft. Unbedingt. Also auch der Käufer kann so kaufen, daß auch er einen Gewinn hat. Wir haben also die merkwürdige Erscheinung, daß zwei austauschen und jeder muß - wenigstens im normalen Kaufen und Verkaufen - eigentlich gewinnen. Das ist viel wichtiger zu beachten in der praktischen Volkswirtschaft, als man gewöhnlich denkt.
Nehmen wir also an, ich verkaufe irgend etwas, bekomme dafür Geld; so muß ich dadurch gewinnen, daß ich meine Ware weggebe und Geld dafür bekomme. Ich muß das Geld mehr begehren als die Ware. Der Käufer, der muß die Ware mehr begehren als das Geld. So daß beim gegenseitigen Austausch das stattfindet, daß das Ausgetauschte, sowohl das, was hinübergeht, wie das, was zurückgeht, mehr wert wird. Also durch den bloßen Austausch wird dasjenige, was ausgetauscht wird, mehr wert, sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite. Nun, wie kann das eigentlich sein?
Das kann ja nur dadurch sein, daß, wenn ich etwas verkaufe und Geld dafür bekomme, das Geld mir die Möglichkeit bietet, mehr damit zu erreichen als derjenige, der mir das Geld gibt; und der andere, der
142 die Ware bekommt, muß mit der Ware mehr erreichen, als ich mit der Ware erreichen kann. Es liegt also das vor, daß wir - jeder, der Käufer und der Verkäufer - in einem anderen volkswirtschaftlichen Zusammenhang drinnenstehen müssen. Diese Höherbewertung kann erst durch das zustande kommen, was hinter dem Verkauf und Kauf liegt. Also ich muß, wenn ich verkaufe, in einem solchen volkswirtschaftlichen Zusammenhang drinnenstehen, daß durch diesen volkswirtschaftlichen Zusammenhang bei mir das Geld einen größeren Wert hat als bei dem anderen, und bei ihm die Ware einen größeren Wert hat als bei mir durch den volkswirtschaftlichen Zusammenhang.
Daraus wird Ihnen aber schon hervorgehen, daß es in der Volkswirtschaft nicht allein darauf ankommen kann, ob man überhaupt kauft oder verkauft, sondern es kommt darauf an, in welchem volkswirtschaftlichen Zusammenhang Käufer und Verkäufer stehen. Wir werden also geführt, wenn wir genau uns die Sachen anschauen, von demjenigen, was sich unmittelbar an einem Orte abspielt, wiederum, wie wir schon öfter geführt worden sind, zum ganzen volkswirtschaftlichen Zusammenhang. Dieser volkswirtschaftliche Zusammenhang enthüllt sich uns aber noch bei einer anderen Gelegenheit.
Das kann man bemerken, wenn man ausgeht zunächst von dem Tauschhandel. Im Grunde genommen gerade eine solche Betrachtung, wie ich sie jetzt angestellt habe, kann Ihnen ja sagen: Eigentlich ist auch dadurch, daß Geld eingeführt wird in irgendeine Volkswirtschaft, der Tauschhandel nicht vollständig überwunden; denn man tauscht halt einfach Waren gegen Geld. Und gerade dadurch, daß jeder gewinnt, werden wir sehen, daß etwas ganz anderes das Wichtige ist, als daß der eine die Ware, der andere das Geld hat. Dasjenige ist das Wichtigste, was jeder mit dem machen kann, was er bekommt, durch seinen volkswirtschaftlichen Zusammenhang.
Aber wenden wir uns, um diese Sache genauer zu verstehen, zurück zum primitivsten Tauschhandel. Er wird uns dann zunächst beleuchten, was in einem komplizierteren volkswirtschaftlichen Zusammenhang ist. Nehmen Sie an, ich kaufe Erbsen. Nun, wenn ich Erbsen kaufe, dann kann ich mit diesen Erbsen das Verschiedenste anfangen. Ich kann sie essen. Nehmen wir also an, wenn ich Tauschhandel pflege,
143 ich tausche mir Erbsen ein für irgend etwas anderes, das ich fabriziert habe, was also Ware ist. Also ich tausche Erbsen ein. Ich kann sie essen; aber ich kann auch recht viele Erbsen eintauschen, recht, recht viele Erbsen eintauschen, und so viele, daß ich sie dann nicht aufessen kann, selbst mit einer großen Familie nicht aufessen kann. Nun wende ich mich an jemanden, der diese Erbsen brauchen kann und tausche mir bei dem etwas ein, was ich jetzt wiederum brauchen kann. Ich gebe ihm Erbsen für das, was ich nun wiederum brauchen kann. Die Erbsen sind substantiell dasselbe geblieben; volkswirtschaftlich sind sie durchaus nicht dasselbe geblieben. Volkswirtschaftlich haben sie sich dadurch geändert, daß ich diese Erbsen nicht selber konsumiert habe, sondern sie weiter in die Zirkulation gebracht habe und bei mir nur den Übergang im volkswirtschaftlichen Prozeß geschaffen habe. Was sind denn diese Erbsen volkswirtschaftlich jetzt bei mir geworden durch einen solchen Vorgang? Sehen Sie, es brauchte nur, sagen wir, gewisser Voraussetzungen und außerdem noch der gesetzmäßigen Festsetzung, daß man alles für Erbsen eintauschen soll - es müßten genügend Erbsen dann hervorgebracht werden und die gesetzliche Bestimmung müßte da sein, daß man alles für Erbsen eintauschen kann, dann wären die Erbsen das Geld. Es sind also im volkswirtschaftlichen Prozeß die Erbsen Geld geworden, ganz richtig im wahren Sinn des Wortes sind die Erbsen Geld geworden. Also, etwas wird nicht dadurch Geld, daß es, sagen wir, etwas anderes ist, als was sonst im volkswirtschaftlichen Prozeß da ist, sondern dadurch, daß es an einer bestimmten Stelle im volkswirtschaftlichen Prozeß eben eine Umwandlung von Ware in Geld durchmacht. Und das hat alles Geld durchgemacht. Alles Geld hat sich einmal aus Ware in Geld verwandelt.
Auch daraus können wir wiederum sehen, daß wir mit dem volkswirtschaftlichen Prozeß an den Menschen herankommen, daß wir also gar nicht anders können, als den Menschen hineinstellen in den volkswirtschaftlichen Prozeß. Nun wird ja ohnedies schon der Mensch in den volkswirtschaftlichen Prozeß hineingestellt als Konsument. Dadurch steht er ja schon von vornherein drinnen. Und gerade, wenn er volkswirtschaftlich in etwas tätig ist, was nicht innerhalb des Gebietes des Konsumierens Hegt, dann stellt er sich in ein ganz anderes Verhältnis
144 durch seinen volkswirtschaftlichen Zusammenhang, als er sich hineinstellt als ein bloßer Konsument. Diese Dinge müssen alle berücksichtigt werden, wenn man darauf hinarbeiten will, ein volkswirtschaftliches Urteil zu bilden. Und volkswirtschaftliche Urteile müssen ja in demjenigen gebildet werden, was ich die Assoziationen nenne. Es müssen also in den Assoziationen durchaus Leute sein, die aus der Praxis heraus ihr Urteil nach solchen Gesichtspunkten bilden.
Nun handelt es sich darum, daß wir, wenn wir irgend bearbeitete Natur oder gegliederte Arbeit im volkswirtschaftlichen Prozeß drinnen haben, daß wir dann untersuchen müssen, was gewissermaßen diese volkswirtschaftlichen Elemente in Bewegung, in Zirkulation bringt. Es ist gestern an einer andern Stelle darauf aufmerksam gemacht worden, daß man ja in das volkswirtschaftliche Denken hineinbringen sollte die Arbeit, die im Wirtschaftsprozeß tätig ist, ebenso wie zum Beispiel der Physiker die Arbeit in sein physikalisches Denken hineinbringt. Da muß dann gesagt werden: Ja, der Physiker bringt in sein physikalisches Denken die Arbeit dadurch hinein, daß er eine Formel sich ausbildet, in der Masse und Geschwindigkeit ist. - Nicht wahr, Masse aber ist etwas, was wir durch die Waage bestimmen. Wir haben also eine Möglichkeit, die Masse durch die Waage zu bestimmen. Ohne daß wir die Masse durch die Waage bestimmen könnten, hätten wir nichts, was da fortschreitet im physikalischen Arbeitsprozeß. Die Frage muß für uns entstehen: Ist nun etwas Ähnliches auch vorhanden im volkswirtschaftlichen Prozeß, so daß die Arbeit den Dingen Wert erteilt und auch später das geistige Eingreifen wieder den Dingen Wert erteilt? Ist im volkswirtschaftlichen Prozeß etwas drinnen, das sich vergleichen läßt gewissermaßen mit dem Gewichte, das irgendein Gegenstand hat, wenn man bei ihm reden will von physikalischer Arbeit?

Tafel 8

Nun, wenn ich einfach schematisch aufzeichne den Fortgang der volkswirtschaftlichen Einzelprozesse, so zeigt mir das, daß etwas da sein muß, das die ganze Sache in Bewegung bringt, das gewissermaßen die volkswirtschaftlichen Elemente von hier (siehe Zeichnung 6) nach Zeichnung 6 hier drückt. Und die Sache würde

145 noch bestimmter sein, wenn nicht nur von hier nach hier gedrückt würde, sondern wenn auch extra von der anderen Seite eine Saugwirkung stattfinden würde, wenn also das Ganze durch eine im volkswirtschaftlichen Prozeß befindliche Kraft weitergetrieben würde. Dann müßte in diesem volkswirtschaftlichen Prozeß etwas da sein, was weitertreibt.
Nun, was ist das, was da weitertreibt? Ich habe es Ihnen gerade vorhin gezeigt, daß fortwährend gewisse Kräfte entstehen, sowohl beim Käufer wie beim Verkäufer; bei jedem, der mit dem anderen etwas zu tun hat im volkswirtschaftlichen Prozeß, gar nicht im moralischen Sinn, sondern im rein volkswirtschaftlichen Sinn, entsteht Vorteil und Gewinn. So daß es keine Stelle im volkswirtschaftlichen Prozeß gibt, wo nicht von Vorteil und Gewinn gesprochen werden muß. Und dieser Gewinn, der ist nicht etwas bloß Abstraktes; dieser Gewinn, an dem hängt das unmittelbare wirtschaftliche Begehren des Menschen und muß daran hängen. Ob der Betreffende Käufer oder Verkäufer ist, es hängt sein wirtschaftliches Begehren an diesem Gewinn, an diesem Vorteil. Und dieses Hängen an diesem Vorteil ist dasjenige, was eigentlich den ganzen volkswirtschaftlichen Prozeß hervorbringt, was die Kraft in ihm ist. Es ist dasjenige, was beim physikalischen Arbeitsprozeß die Masse darstellt.
Bedenken Sie, daß man damit eigentlich etwas außerordentlich Gewichtiges im volkswirtschaftlichen Prozeß aufgezeigt hat, man möchte sagen, etwas wirklich Gewichtiges. Nicht wahr, das Gewicht tritt ja am meisten hervor bei den rein materiellen Erzeugnissen, bei den Erzeugnissen, die der Magen begehrt. Daher erklärt der Magen, daß allerdings für den Käufer, sagen wir, das Obst vorteilhafter ist als das Geld in dem Moment, wo er den Tausch besorgt. Da haben wir also durchaus in dem Menschen selber diesen Motor, der da treibt. Aber auch bei anderem als bei dem, das nur materielle Güter darstellt, haben wir diesen treibenden Motor. Bedenken Sie nur einmal, daß ja diese Stimmung, in Vorteil, in Gewinn sich hineinzuleben, auch vorhanden ist, wenn ich verkaufe, Geld bekomme: ich weiß, daß ich nun durch meine Fähigkeiten mit diesem Gelde mehr machen kann als mit den Waren, die ich habe. Da schon greife ich mit meinen geistigen Fähigkeiten ein.
146 Und übertragen Sie sich das jetzt einmal auf die gesamte Summe des Leihkapitals in einem volkswirtschaftlichen Körper, da werden Sie sehr bald sehen können, daß diejenigen, die irgend etwas unternehmen oder ausführen wollen und dazu Leihkapital brauchen, eben in dem Bedürfnis nach Leihkapital ganz genau denselben Motor haben, welcher liegt im Gewinnstreben. Nur wirkt das Leihkapital eigentlich, wenn ich den Gewinn als ein Schieben betrachte, wie aufsaugend; es wirkt saugend, aber nach derselben Richtung hin, wohin auch die Gewinne drücken. So daß wir in den Gewinnen und im Leihkapital durchaus dasjenige haben, was im volkswirtschaftlichen Prozeß drückt und saugt.
Wir bekommen dadurch eine deutliche Anschauung davon, daß, insofern der volkswirtschaftliche Prozeß eigentlich nur in der Bewegung besteht und durch die Bewegung im volkswirtschaftlichen Prozeß alles eigentlich bewirkt werden soll, was durch ihn bewirkt werden kann, daß wir überall in diesen volkswirtschaftlichen Prozeß den Menschen einfügen müssen, den Menschen hineinstellen müssen. Das kann ja für die objektive Volkswirtschaft etwas unbequem sein, weil der Mensch eine Art von inkommensurabler Größe ist, weil er wandelbar ist, weil man in verschiedener Weise auf ihn rechnen muß; aber das ist nun einmal da und es muß mit ihm in verschiedener Weise gerechnet werden.
Nun sehen wir aber schon, daß beim Leihen eine Art von Saugwirkung stattfindet innerhalb des volkswirtschaftlichen Prozesses. Sie wissen ja, daß es Zeiten gegeben hat, in denen das Zinsnehmen für Geliehenes als unmoralisch galt. Und es galt nur als moralisch, zinslos zu leihen. Da wäre kein Vorteil gewesen bei dem Leihen. In der Tat: das Leihen ging eigentlich ursprünglich nicht aus von dem Vorteil, den man durch das Leihen hat, von dem Zins; sondern das Leihen ging unter primitiveren Verhältnissen, als die heutigen sind, aus von der Voraussetzung, daß, wenn ich jemand etwas leihe und der kann etwas damit machen, was ich nicht machen kann - sagen wir nur: er ist in Not und er kann seiner Not abhelfen, wenn ich ihm etwas zu leihen imstande bin -, daß er mir jetzt nicht hohen Zins bezahlt, sondern daß, wenn ich wiederum etwas brauche, er mir auch wiederum
147 aushilft. Überall in der Geschichte, wo Sie zurückgehen, werden Sie sehen, daß die Voraussetzung des Leinens die ist, daß der andere wiederum zurückleiht, wenn es nötig ist.
Das wird sogar auf die komplizierteren sozialen Verhältnisse übertragen. Sie haben das zum Beispiel, wenn, sagen wir, jemand bei einer Leihanstalt etwas ausleiht, und er braucht dazu zwei Gutsteher, die da kommen und für ihn gutstehen müssen, daß die Leihanstalten dann immer die eigentümliche Erfahrung gemacht haben, daß selbst für diesen Dienst die Gegenseitigkeit eine außerordentlich große Rolle spielt. Denn, wenn der A kommt zu einer Leihanstalt und bringt den B und C mit, die Gutsteher sind, die also ihre Namen eintragen als Gutstehende, so rechnen die Leihanstalten immer darauf, daß dann der B kommt und bringt den A und C mit, und wenn der B die Sache bezahlt hat, dann kommt der C und bringt den A und B mit als Gutsteher. Und es gilt das unter gewissen Menschen als etwas ganz Selbstverständliches. So daß Volkswirtschafter behaupten, eine solche Gesetzmäßigkeit sei mit demselben Rechte zu behaupten, wie irgend etwas, was durch mathematische Formeln festgesetzt ist. Nun sind natürlich diese Dinge mit dem bekannten Gran Salz zu verstehen; man muß da immer mit der nötigen Zutat rechnen. Aber das gehört eigentlich auch in die Beweglichkeit des volkswirtschaftlichen Prozesses hinein, daß man damit rechnen kann.
So daß man sagen kann: Ursprünglich ist das Entgelt des Leihens bloß die Voraussetzung, daß einem der Beüehene wieder leiht, beziehungsweise wenn er einem nicht wieder leiht, wenigstens beim eigenen Leihen hilft, wenn man ihm beim Leihen geholfen hat. Es kommt gerade, wenn es sich um das Leihen handelt, die menschliche Gegenseitigkeit in einer ganz eklatanten Weise in den volkswirtschaftlichen Prozeß hinein.
Was ist denn dann, wenn die Dinge so sind, der Zins? Der Zins - das ist übrigens schon von einzelnen Volkswirtschaftern bemerkt worden -, der Zins ist dasjenige, das ich bekomme, wenn ich auf die Gegenseitigkeit verzichte, wenn ich also jemand etwas leihe und ausmache mit ihm, daß er mir niemals etwas zu leihen braucht; dann, wenn ich also auf diese Gegenseitigkeit verzichte, dann bezahlt er mir
148 dafür den Zins. Der Zins ist die Ablösung geradezu für etwas, was zwischen Mensch und Mensch spielt, ist die Vergeltung für dasjenige, was im volkswirtschaftlichen Prozeß als menschliche Gegenseitigkeit spielt. Nun sehen wir da etwas auftreten, was wir nur in der richtigen Weise hineinstellen müssen in den ganzen volkswirtschaftlichen Prozeß. Wir müssen dabei natürlich immer ins Auge fassen, daß es ja heute nur einen Sinn hat, solche volkswirtschaftliche Prozesse zu betrachten, die ganz im Zeichen der Arbeitsteilung stehen; denn mit solchen haben wir es ja im wesentlichen zu tun. Wenn die Arbeit auseinandergeteilt wird, dann geschieht das, daß die Menschen in einem viel höheren Grade auf die Gegenseitigkeit angewiesen sind, als wenn jeder sich nicht nur seinen eigenen Kohl baut, sondern auch seine eigenen Stiefel und Hüte fabriziert. Mit der Arbeitsteilung kommt das Angewiesenwerden auf die Gegenseitigkeit. Und so sehen wir in der Arbeitsteilung einen Prozeß, der eigentlich so verläuft, daß die einzelnen Strömungen auseinandergehen.

Tafel 8



Aber wir sehen im ganzen volkswirtschaftlichen Prozeß wiederum das auftreten, daß alle diese Strömungen sich vereinigen wollen, nur in einer anderen Weise, durch den entsprechenden Austausch, der sich also im komplizierten volkswirtschaftlichen Prozeß mit Hilfe des Geldes vollzieht. Die Arbeitsteilung macht also notwendig auf einer gewissen Stufe die Gegenseitigkeit, das heißt dasselbe im menschlichen Verkehr, was wir finden zum Beispiel beim Beleihen. Wo viel geliehen wird, da haben wir drinnen dieses Prinzip der Gegenseitigkeit, das aber nun abgelöst werden kann durch den Zins. Dann haben wir im Zins die realisierte Gegenseitigkeit. Wir haben sie nur in die abstrakte Form des Geldes verwandelt. Aber die Kräfte der Gegenseitigkeit sind eben einfach der Zins, sind metamorphosiert, sind etwas anderes geworden. Was wir da ganz deutlich sehen beim Zinszahlen, das findet aber überall im volkswirtschaftlichen Prozeß statt.

149 Darauf beruht die große Schwierigkeit, die besteht beim Bilden von volkswirtschaftlichen Vorstellungen; denn Sie können gar nicht anders volkswirtschaftliche Vorstellungen bilden, als lediglich indem Sie etwas bildhaft auffassen. Begriffe gestatten Ihnen gar nicht, den volkswirtschaftlichen Prozeß zu erfassen, Sie müssen ihn in Bildern erfassen. Das ist dasjenige, was heute nun von aller Gelehrtheit außerordentlich unbequem empfunden wird, wenn irgendwo gefordert wird, daß etwas übergehen soll aus der bloßen Abstraktheit der Begriffe in die Bildhaftigkeit. Wir werden aber niemals eine wirkliche Volkswirtschaftswissenschaft begründen können, ohne daß wir zu bildhaften Vorstellungen übergehen, ohne daß wir also in die Lage kommen, uns die einzelnen volkswirtschaftlichen Detailprozesse bildhaft vorzustellen und sie so vorzustellen, daß wir im Bilde selber etwas Dynamisches drinnen haben und wissen, wie solch ein volkswirtschaftlicher Detailprozeß wirkt, wenn er so oder so gestaltet ist.
Was da eigentlich in Betracht kommt, das werden Sie dann richtig verstehen, wenn Sie sich sagen, daß ja schließlich auch im volkswirtschaftlichen Prozeß, wenn auch auf primitiveren Stufen, Menschen drinnen stehen, die eigentlich in dem Sinn, wie Sie es im Verlaufe Ihrer Studien gelernt haben oder wenigstens hätten lernen sollen, die in dem Sinn nicht denken können. Diese Leute können manchmal ganz ausgezeichnete Wirtschafter sein, können manchmal ganz ausgezeichnet empfinden, ob irgend etwas gerade noch gekauft werden kann oder nicht gekauft werden kann, ob es Vorteil gibt oder nicht Vorteil gibt, wenn ich irgend etwas kaufe. So wird unter Umständen ein Bauer, der von volkswirtschaftlichen Begriffen keinen blauen Dunst hat, noch viel weniger als das hat, und der, wenn er ein gewisses Alter erreicht hat, sich eben'nur angeschaut hat da oder dort in seiner Nähe die Markt Verhältnisse, ganz richtig wissen - er kann sich natürlich irren, aber das kann man ja auch, wenn man volkswirtschaftliche Logik getrieben hat, es handelt sich ja nur darum, daß die Irrtümer nicht überwiegen -, der wird durchaus wissen, ohne auf Begriffen zu fußen, was das Bild bedeutet, wenn er eine gewisse Summe Geldes für ein Pferd gibt oder für einen Pflug gibt. Dieses Bild, das sich ihm zusammenstellt - eine gewisse Summe Geldes und ein Pflug -, das ruft in ihm
150 unmittelbar die Empfindung hervor: er kann noch so viel Geld geben oder er kann es nicht mehr geben. Er hat es unmittelbar aus der empfundenen Erfahrung. Nun, auch im allerkompliziertesten volkswirtschaftlichen Prozeß ist diese empfundene Erfahrung nicht auszuschalten. Das ist aber bildhaftes Vorstellen.
Abstraktes Vorstellen würde fruchtbar sein, wenn wir sagen könnten : Etwas ist Ware, etwas ist Geld, und wir handeln Ware für Geld und Geld für Ware. - Wenn wir das sagen könnten, da wäre die Sache einfach; aber ich habe Ihnen ja doch gerade vorhin gezeigt: selbst Erbsen könnten Geld werden. Es ist gar nicht wahr, daß wir im volkswirtschaftlichen Prozeß etwas davon haben, wenn wir Begriffe in ihn hineinarbeiten. Wir haben erst etwas, wenn wir Anschauungen in ihn hineinarbeiten. Wenn wir also die Anschauung haben: da wandern die Erbsen von dem Markttisch nur in die Münder der Leute, dann haben wir ein bestimmtes Bild. Wenn wir die andere Anschauung haben: da werden die Erbsen als Geld verwendet, dann haben wir ein anderes Bild.
Und auf solche Bilder - Bilder aus dem unmittelbar Anschaulichen - muß hingearbeitet werden, auch in der Volkswirtschaft. Das heißt aber mit anderen Worten: Wenn wir Volkswirtschaft richtig treiben wollen, müssen wir uns bequemen, in bildhafter Weise uns einzulassen auf Produktions-, Handels- und Konsumtionsereignisse. Wir müssen uns auf den realen Prozeß durchaus einlassen, dann bekommen wir annähernde Vorstellungen - auch nur annähernde Vorstellungen, aber doch solche annähernde Vorstellungen, daß uns diese etwas nutzen, wenn wir im Wirtschaftsleben selbst drinnen handeln sollen, und daß sie uns vor allen Dingen etwas nutzen, wenn das, was wir nicht selber empfindend wissen, woraus wir nicht selber uns empfindend Bilder gemacht haben, wenn das uns korrigiert wird durch die anderen, die mit uns in Assoziationen verbunden sind. Es gibt keine andere Möglichkeit, als das wirtschaftliche Urteil nicht zu bauen auf Theorie, sondern es zu bauen auf die lebendige Assoziation, wo die empfindenden Urteile der Menschen nun real wirksam sind, wo aus der Assoziation heraus fixiert werden kann aus den unmittelbaren Erfahrungen, wie der Wert von irgend etwas sein kann.
151 So sonderbar das klingt, man sage nicht: Man kann theoretisch bestimmen, worinnen der Wert eines Produktes bestehen kann - sondern man sage: Ein Produkt kommt durch die volkswirtschaftlichen Vorgänge in den volkswirtschaftlichen Prozeß hinein und was es wert ist an einer bestimmten Stelle, das hat zu beurteilen die Assoziation.
Worauf beruht es denn, daß sich solche Urteile bilden können, die nun wirklich, wenn sie in der richtigen Weise entstehen im volkswirtschaftlichen Prozeß, auch das Richtige treffen, worauf beruht denn das? Worauf das beruht, das können Sie am besten einsehen durch Analogie mit irgendeinem menschlichen oder tierischen Organismus. Dieser menschliche oder tierische Organismus, der verarbeitet die Nahrungsmittel, die in ihn hineinkommen. Wenn ich Sie zum Beispiel dabei aufmerksam machen soll auf etwas, was auf diesem Gebiete wissenschaftlich ist, so möchte ich sagen: Der Mensch nimmt die Nahrung auf, durchsetzt sie mit Ptyalin, Pepsin, treibt sie durch seinen Magen, treibt sie durch seine Gedärme. Dasjenige, was da notwendig ist, gleichgültig, ob Fleisch oder Pflanzen die Nahrung sind, was da hineingetrieben wird, muß zunächst abgetötet, abgelähmt werden. Das Leben muß heraus sein aus dem, was wir in den Gedärmen haben. Da wird dasjenige, was wir in den Gedärmen haben, aufgesogen durch die Lymphdrüsen und in uns selber wieder neu belebt, so daß also dasjenige, was dann von den Lymphdrüsen aus durch die Lymphgefäße geht in das Blut hinein, daß das wiederbelebte abgestorbene Naturprodukte sind, tierischer oder pflanzlicher Art. Wenn Sie nur bestimmen wollten theoretisch, wieviel da eine Lymphdrüse aufnehmen soll zur Wiederbelebung, dann würden Sie das nicht können; denn bei dem einen Menschen muß eine Lymphdrüse mehr, beim andern muß eine Lymphdrüse weniger aufnehmen. Aber nicht nur das, sondern beim selben Menschen muß eine an einem Orte gelegene Lymphdrüse mehr, eine am andern Orte gelegene Lymphdrüse weniger aufnehmen. Das ist ein außerordentlich komplizierter Prozeß, das Verdauen. Keine menschliche Wissenschaft könnte nachkommen dieser Weisheit der Lymphdrüsen, die sich alle so hübsch in die Arbeit teilen. Wir haben es da eben nicht zu tun mit den gefällten Urteilen, sondern mit real wirkenden Urteilen. Tatsächlich, zwischen unseren Gedärmen und
152 unseren Blutadern spielt sich eine solche Summe von Vernunft ab, daß Sie in menschlicher Wissenschaft noch lange nicht irgend etwas finden, was sich mit dem vergleichen läßt.
So nur auch ist es möglich, wenn in dieser Weise selbsttätige Vernunft sich geltend macht im volkswirtschaftlichen Prozesse, daß dieser in gesunder Konstitution ist. Das kann aber nicht auf andere Weise sein, als daß die Menschen vereinigt sind, die nun wirklich in Bildern den volkswirtschaftlichen Prozeß Stück für Stück innehaben und dadurch, daß sie vereinigt sind in den Assoziationen, eben sich gegenseitig ergänzen, gegenseitig korrigieren, so daß die richtige Zirkulation im volkswirtschaftlichen Prozeß vor sich gehen kann.
Nun handelt es sich natürlich darum, daß man zu einer solchen Sache Gesinnung braucht, aber daß die Gesinnung allein nicht ausreicht. Sie können meinetwillen Assoziationen begründen, die starke wirtschaftliche Einsichten haben; wenn in diesen Assoziationen etwas nicht drinnen ist, so werden auch die Einsichten nicht viel helfen. Darinnen sein muß in solchen Assoziationen dasjenige, was man eben darinnen haben wird, wenn solche Assoziationen überhaupt nur als notwendig anerkannt werden; darinnen wird in diesen Assoziationen Gemeinsinn sein müssen, wirklicher Sinn für den ganzen Verlauf des ganzen volkswirtschaftlichen Prozesses. Denn der einzelne, der unmittelbar verbraucht, was er einkauft, der kann nur seinen egoistischen Sinn befriedigen. Er würde eigentlich auch sehr schlecht laufen, wenn er seinen egoistischen Sinn nicht befriedigen würde. Er kann ja unmöglich, wenn er als einzelner Mensch in der Volkswirtschaft drinnensteht, sagen, wenn ihm einer einen Rock anbietet, sagen wir, für vierzig Franken: Es paßt mir nicht, ich gebe dir sechzig Franken. - Das geht nicht. Es ist etwas, wobei der einzelne im volkswirtschaftlichen Prozeß gar nichts machen kann. Dagegen in dem Augenblick, wo sich in den volkswirtschaftlichen Prozeß das assoziative Wesen hineinstellt, in diesem Augenblick wird ja das unmittelbar persönliche Interesse nicht da sein, sondern die Überschau wird tätig sein über den volkswirtschaftlichen Prozeß; es wird das Interesse des anderen mit in dem volkswirtschaftlichen Urteil darinnen sein. Und ohne das kann nämlich ein volkswirtschaftliches Urteil nicht zustande kommen, so daß
153 wir heraufgetrieben werden aus den volkswirtschaftlichen Vorgängen in die Gegenseitigkeit von Mensch zu Mensch und in das hinein, was sich dann aus der Gegenseitigkeit von Mensch zu Mensch des weiteren entwickelt: das ist in Assoziationen wirkender objektiver Gemeinsinn - Gemeinsinn, der nicht hervorgeht aus irgendwelcher Moralinsäure, sondern aus der Erkenntnis der Notwendigkeiten des volkswirtschaftlichen Prozesses.
Das ist dasjenige, was ich möchte, daß es bemerkt würde bei solchen Auseinandersetzungen, wie sie zum Beispiel in den «Kernpunkten der sozialen Frage » angeschlagen sind. Es fehlt heute nicht an Menschen, die herumgehen und sagen: Unsere Volkswirtschaft wird gut, furchtbar gut, wenn ihr Menschen gut werdet. Ihr Menschen müßt gut werden! - Stellen Sie sich einmal vor solche Foersters und dergleichen, die überall herumgehen und predigen, wenn die Menschen nur selbstlos werden, wenn sie den kategorischen Imperativ der Selbstlosigkeit erfüllen, dann wird schon die Wirtschaft gut werden! Aber solche Urteile sind eigentlich nicht viel mehr wert als auch das: Wenn meine Schwiegermutter vier Räder hätte und vorne eine Deichsel, wäre sie ein Omnibus, - denn es steht tatsächlich die Voraussetzung mit der Konsequenz in keinem besseren Zusammenhang als da, nur etwas radikaler ausgedrückt.
Dasjenige, was den «Kernpunkten der sozialen Frage» zugrunde liegt, ist nicht diese Moralinsäure, was auf anderem Felde schon seine große Rolle spielen kann; sondern es ist das, daß aus der volkswirtschaftlichen Sache selbst heraus gezeigt werden soll, wie die Selbstlosigkeit rein in der Zirkulation der volkswirtschaftlichen Elemente drinnenstecken muß. Das ist sogar bei den Beispielen der Fall. Wenn also einer in der Lage ist, Leihkapital auf Kredit zu bekommen, dadurch eine Unternehmung herstellen kann, eine Institution herstellen kann, mit dieser Institution produzieren kann, so produziert er so lange, als seine eigenen Fähigkeiten mit dieser betreffenden Institution verbunden sind. Nachher geht durch eine nicht von Mensch zu Mensch bewirkte, sondern durch eine im volkswirtschaftlichen Gang sich vollziehende Schenkung in der vernünftigsten Weise das, was da gewirkt hat, auf den über, der die nötigen Fähigkeiten dazu hat. Und
154 es ist nur nachzudenken, wie durch eine Dreigliederung des sozialen Organismus eben Vernunft in diese Schenkung hineinkommen kann. Da grenzt das Volkswirtschaftliche an das, was nun im umfassendsten Sinn überhaupt das Soziale im Menschen ist, was zu denken ist für den gesamten sozialen Organismus.
Und das können Sie sich ja auch von der anderen Seite vorhalten. Ich habe Ihnen gezeigt, wie beim einfachen Tausch, indem es sich immer mehr und mehr um Geld handelt, oder indem der Tausch überhaupt anerkannt wird, daß da die Volkswirtschaft unmittelbar hineinkommt in das Gebiet des Rechtswesens. In dem Augenblick, wo Vernunft in die Volkswirtschaft hineinkommen soll, handelt es sich ja darum, daß man wiederum dasjenige, was im freien Geistesleben figuriert, in die Volkswirtschaft hineinströmen lassen kann. Dazu müssen eben die drei Glieder des sozialen Organismus in dem richtigen Verhältnis stehen, daß sie in der richtigen Weise aufeinander wirken. Das meinte eigentlich die Dreigliederung; nicht die Auseinanderspaltung in die drei Glieder! Die Auseinanderspaltung ist eigentlich immer da; es handelt sich nur darum, daß man findet, wie die drei Glieder zusammengebracht werden können, so daß sie nun tatsächlich im sozialen Organismus mit einer solchen inneren Vernunft wirken, wie, sagen wir, das Nerven-Sinnessystem, das Herz-Lungensystem und das StofTwechselsystem im menschlichen natürlichen Organismus wirken. Darum handelt es sich. Davon wollen wir dann morgen weiter reden.




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