JAHRESLAUF JAHRESFESTE

JAHRESLAUF JAHRESFESTE

Seite Text
79

Es wechseln in des Jahres Lauf
Des Sommers Wachstumskraft
Und Winters Erdenruh'.
Und in des Menschen Lebensbahn
Auch wechselt Wachens Kraft
Mit Schlafens Friedewalten;
Doch lebt im Schlaf und Wachen
Die geisterfüllte Seele fort.
So auch lebt die Erdenseele geistig
Im Sommers- und im Winters-Wandel.


'' '' undatierbar



WINTERWILLE

80

O Welten-Bilder,
Ihr schwebet heran
Aus Raumesweiten.
Ihr strebet nach mir,
Ihr dringet ein
In meines Hauptes
Denkende Kräfte.



SOMMERWILLE

80

Ihr meines Hauptes
Bildende Seelenkräfte,
Ihr erfüllet mein Eigensein,
Ihr dringet aus meinem Wesen
In die Weltenweiten
Und einigt mich selbst
Mit Weltenschaffensmächten.



'' '' V. Dornach 25. November 1923



Jahreszeitenerleben in alten Mysterien

81 Hochsommer

Empfange das Licht


Herbstwende

Schau um dich


Tiefwinter

Hüte dich vor dem Bösen


Frühlingswende

Erkenne dich selbst


'' '' V. Dornacb, 8. April 1923



FRÜHLING

82

Der Sonnenstrahl,
Der lichterfunkelnde,
Er schwebt heran.

Die Blütenbraut,
Die farberregende,
Sie grüßt ihn froh.

Vertrauensvoll
Der Erdentochter
Erzählt der Strahl,

Wie Sonnenkräfte ,
Die geistentsprossenen,
Im Götterheim
Dem Weltentone lauschen;

Die Blütenbraut,
Die farberglitzernde,
Sie höret sinnend
Des Lichtes Feuerton.



'' '' Für die Eurythmie 1921



Ostern

83

In Menschenseelen will ich lenken
Das Geistgefühl, dass willig es
Das Osterwort in Herzen wecke;

Mit Menschengeistern will ich denken
Die Seelenwärme, dass kräftig sie
Den Auferstand'nen fühlen können;

Es leuchtet hell dem Todesscheine
Des Geisteswissens Erdenflamme;
Das Selbst wird Welten-Aug und Ohr.



'' '' Ostern 1915



Ostern

84

Steh' vor des Menschen Lebenspforte:
Schau' an ihrer Stirne Weltenworte.

Leb' in des Menschen Seeleninnern:
Fühl' in seinem Kreise Weltbeginnen.

Denk' an des Menschen Erdenende:
Find' bei ihm die Geisteswende.



'' '' V. Dornach, 20. April 1924



Der Ostergedanke der ephesischen Mysterien

als Zusammenfassung alles dessen, was man je gewusst hat über des Menschen wahre Würde im ganzen Kosmos

85

Weltentsprossenes Wesen, du in Lichtgestalt,
Von der Sonne erkraftet in der Mondgewalt,

Dich beschenket des Mars erschaffendes Klingen
Und Merkurs gliedbewegende Schwingen,

Dich erleuchtet Jupiters erstrahlende Weisheit
Und der Venus liebetragende Schönheit -

Dass Saturns weltenalte Geist-Innigkeit
Dich dem Raumessein und Zeitenwerden weihe!



'' '' V. Dornach, 22. April 1924



Pfingst-Gedanke

86

Wesen reiht sich an Wesen in Raumesweiten,
Wesen folgt auf Wesen in Zeitenläufen.
Verbleibst du in Raumesweiten, im Zeitenlaufe,
So bist du, o Mensch, im Reiche der Vergänglichkeiten.
Über sie aber erhebt deine Seele sich gewaltiglich,
Wenn sie ahnend oder wissend schaut das Unvergängliche,
Jenseits der Raumesweiten, jenseits der Zeitenläufe.



'' '' V. Hamburg, 15. Mai 1910



Wesen reiht sich an Wesen in den Raumesweiten, -
Wesen folgt auf Wesen in den Zeitenläufen -
Willst du dringen aus der Vergänglichkeit Reich
In das Gebiet des Ewigen,
So schließe den Bund mit der Erkenntnis,
Denn nur so findest du das Ewige
In dir, das Ewige außer dir -
Jenseits aller Raumesweiten -
Jenseits aller Zeitenläufe - !




'' '' V. Hamburg, 24. Mai 1910



Pfingstspruch

87

Wo Sinneswissen endet,
Da stehet erst die Pforte,
Die Lebenswirklichkeiten
Dem Seelensein eröffnet;
Den Schlüssel schafft die Seele,
Wenn sie in sich erstarket
Im Kampf, den Weltenmächte
Auf ihrem eignen Grunde
Mit Menschenkräften führen;
Wenn sie durch sich vertreibet
Den Schlaf, der Wissenskräfte
An ihren Sinnesgrenzen
Mit Geistes-Nacht umhüllet.




'' '' V. Wien, 6. Mai 1915



DIE WELTENSEELENGEISTER

88

Im Lichte wir schalten,
Im Schauen wir walten,
Im Sinnen wir weben.
Aus Herzen wir heben
Das Geistesringen
Durch Seelenschwingen.
Dem Menschen wir singen
Vom Göttererleben
Im Weltengestaken.




'' '' Für die Eurythmie
'' '' Pfingsten 1921



Hochsommer

Uriel-Imagination

89

Mysterien der Höhen
unser Weben,
Das leuchtende Erregen,
Das wärmende Leben.


Mysterien der Tiefen
Lebe irdisch Erhaltendes
Und atmend Gestaltetes
Als wesenhaft Waltendes.


Mysterien der Mitte oder des menschlichen Innern
Fühle dein Menschengebeine
Mit himmlischem Scheine
Im waltenden Weltenvereine.


Wie eine kosmische Behauptung dieser Mysterien in das Ganze hineinklingend, wie mit Orgel- und Posaunentönen
Es werden Stoffe verdichtet,
Es werden Fehler gerichtet,
Es werden Herzen gesichtet.




'' '' V. Dornach 12. Oktober 1923



HERBST

Der Erdenleib und die Wärmeseele

90

Der Erdenleib,
Der Geistersehnende,
Er lebt im Welken.

Die Samengeister,
Die Stoff gedrängten,
Erkraften sich.

Und Wärmefrüchte
Aus Raumesweiten
Durchkraften Erdensein.

Und Erdensinne,
Die Tiefenseher,
Sie schauen Künft'ges
Im Formenschaffen.

Die Raumesgeister,
Die ewig-atmenden,
Sie blicken ruhevoll
Ins Erdenweben.



'' '' Für die Eurythmie 1922



Michaeli

91

Ringende Geisteskräfte
Streben in Stoff.
Sie finden nicht den Stoff,
Sie finden sich selber.
Sie schweben über Natürlichem,
Sie leben in sich selber
Michael-Kraft-atmend.



'' '' undatierbar



Michael-Imagination

92

Sonnenmächtige, ihr die leuchtenden
Kräfte, die ihr Welten begnadet,
Wallende wellende Hülle wird euer Licht
Hülle Michaels, des Menschentragenden.

So erscheint er, der Christusbote,
Künden mit ernstem Willen
Wird er die neue die helle Zeit
Als die Zeit des Geistesmenschen- Waltens.

Ihr, der Geist-Erkenntnis Schüler
Nehmt in eure Herzen seinen Willen -
Seht sein Weisen zu Christus
Der da strebet in euerer Seelen Wohnung.



'' '' Entwurf



Michael-Imagination

93

Sonnenmächten Entsprossene,
Leuchtende, Welten begnadende
Geistesmächte, zu Michaels Strahlenkleid
Seid ihr vorbestimmt vom Götterdenken.

Er, der Christusbote, weist in euch
Menschentragenden, heil'gen Welten-Willen;
Ihr, die hellen Atherwelten-Wesen,
Trägt das Christuswort zum Menschen.

So erscheint der Christuskünder
Den erharrenden, durstenden Seelen;
Ihnen strahlet euer Leuchte-Wort
In des Geistesmenschen Weltenzeit.

Ihr, der Geist-Erkenntnis Schüler,
Nehmet Michaels weises Winken,
Nehmt des Welten-Willens Liebe-Wort
In der Seelen Höhenziele wirksam auf.



'' '' V. Dornach, 28. September 1924



Michaels Schwert

Meteorisches Eisen

94

O Mensch,
Du bildest es zu deinem Dienste,
Du offenbarst es seinem Stoffeswerte nach
In vielen deiner Werke.
Es wird dir Heil jedoch erst sein,
Wenn dir sich offenbart
Seines Geistes Hochgewalt.



'' '' V. Dornach, 5. Oktober 1923



Wintersonnenwende

95

Erde verdecket die Sonne,
Sehende Kräfte erzwingen
Von Elementen der Erde
Freies Erblicken.



'' '' Notizbuch
'' '' Weihnachten 1922



Wintersonnenwende

97

Die Sonne schaue
Um mitternächtige Stunde
Mit Steinen baue
Im leblosen Grunde

So finde im Niedergang
Und in des Todes Nacht
Der Schöpfung neuen Anfang
Des Morgens junge Macht

Die Höhen lass offenbaren
Der Götter ewiges Wort
Die Tiefen sollen bewahren
Den friedevollen Hort

Im Dunkel lebend
Erschaffe eine Sonne
Im Stoffe webend
Erkenne Geistes Wonne. —



'' '' V. Berlin, 17. Dezember 1906



Weihnacht

98

In des Menschen Seelengründen
Lebt die Geistes-Sonne siegessicher;
Des Gemütes rechte Kräfte,
Sie vermögen sie zu ahnen
In des Innern Winterleben,
Und des Herzens Hoffnungstrieb:
Er erschaut den Sonnen-Geistes-Sieg
In dem Weihnacht-Segenslichte,
Als dem Sinnbild höchsten Lebens
In des Winters tiefer Nacht.



Christabend 1913 Dr. Rudolf Steiner

'' '' Handschrift für Sophie Sünde nach
'' '' V. Berlin, 23. Dezember 1913

99

Ave, Stern des Meeres,
Göttlich junge Mutter
Und ewige Jungfrau,
Du glückliche Pforte des Himmels.
Nehmend jenes «Ave»
Als eine Gabe Gabriels
Wurdest du uns die Grundlage zum Frieden,
Indem du umwendetest
Den Namen Eva !



'' '' Übertragung von Worten aus den
'' '' ersten christlichen Jahrhunderten
'' '' V. Berlin, 22. Dezember 1910


Ave Maris Stella
Dei mater alma
Atque semper virgo
Felix coeli porta.
Sumens Ülud Ave
Gabrielis ore
Funda nos in pace
Mutans nomen Evae!



Weihnacht

Übertragungen von Lukas 2.14

100

Offenbarung durch die Höhen dem Gotte,
Ruhe und Stille durch die Erdenräume,
Seligkeit in den Menschen.



'' '' V. Berlin, 22. Dezember 1908



Göttliche Offenbarung in geistigen Höhen,
Friede, Friede immer mehr und mehr
Allen Menschenseelen auf Erden,
Die eines guten Willens sind.



'' '' V. Dornach, 26. Dezember 1914

101

Offenbarung von göttlichen Kräften in den Hohen -
Und Friede den Erdenmenschen,
Die eines guten Willens sind.



'' ''' V. Dornach, 26. Dezember 1915



Es offenbaret sich das Göttliche
In den Höhen der Weltenweiten,
Und Friede wird ersprießen auf der Erde
Den Menschen, die eines guten Willens sind.



'' '' V. Dornach, 24. Dezember 1922

102

Im Seelenaug' tief spiegelt
Der Welten Hoffnungslicht,
Dem Geist ergebne Weisheit
Im Menschenherzen spricht:
Des Vaters ew'ge Liebe
Den Sohn der Erde sendet,
Der gnadenvoll dem Menschenpfade
Die Himmelshelle spendet.



Weihnacht

103

Im Seelenaug' sich spiegelt
Der Welten Hoffnungslicht,
Dem Geist ergebne Weisheit
Im Menschenherzen spricht:
Des Vaters ew'ge Liebe
Den Sohn der Erde sendet,
Der gnadevoll dem Menschenpfade
Die Himmelshelle spendet.



'' '' V. Dornach, 26. Dezember 1914



Zur Weihenacht 1919

104

Des irdischen Menschheits-Werdens
Sonnen-Aufgang:
Das ist das Hochgeheimnis
Auf dem Golgatha-Berg;
Im Weihenacht-Licht
Erstrahlt die Morgendämmerung.
In dieser Dämmrung
Mildem Licht
Verehr' die Seele:
Des eignen Wesens
Geistverwandte
Daseinsmacht und Quelle.



'' '' Rudolf Steiner

'' '' Für Helene Röchling



Zur Weihenacht 1920

105

Es schläft der Erde Seele
In Sommers heißer Zeit;
Da strahlet helle
Der Sonne Spiegel
Im äußern Raum.

Es wacht der Erde Seele
In Winters kalter Zeit;
Da leuchtet geistig
Die wahre Sonne
Im innern Sein.

Sommers-Freude-Tag
Ist Erdenschlaf;
Winters-Weihe-Nacht
Ist Erden-Tag.



'' '' Für Helene Röchling

106

Isis-Sophia,
Des Gottes Weisheit,
Sie hat Lucifer getötet
Und auf der Weltenkräfte Schwingen
In Raumesweiten fortgetragen.

Christus-Wollen
In Menschen wirkend,
Es wird Lucifer entreißen
Und auf des Geisteswissens Booten
In Menschenseelen auferwecken
Isis-Sophia,
Des Gottes Weisheit.



'' '' Weihnacht 1920 Rudolf Steiner



Für Marie Steiner

107

Sterne sprachen einst zu Menschen,
Ihr Verstummen ist Weltenschicksal;
Des Verstummens Wahrnehmung
Kann Leid sein des Erdenmenschen;

In der stummen Stille aber reift
Was Menschen sprechen zu Sternen;
Ihres Sprechens Wahrnehmung
Kann Kraft werden des Geistesmenschen.



'' '' 25. Dezember 1922 Rudolf Steiner



Ur-Weihenacht

108

In der Zeiten Wende
Trat das Welten-Geistes-Licht
In den irdischen Wesensstrom;
Nacht-Dunkel
Hatte ausgewaltet;
Taghelles Licht
Erstrahlte in Menschenseelen;
Licht,
Das erwärmet
Die armen Hirtenherzen;
Licht,
Das erleuchtet
Die weisen Königshäupter -

109

Göttliches Licht,
Christus-Sonne,
Erwärme
Unsere Herzen;
Erleuchte
Unsere Häupter;

Dass gut werde,
Was wir Aus Herzen gründen,
Was wir
Aus Häuptern
Zielvoll führen wollen.



'' '' V. Dornach, 25. Dezember 1923




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