ANTHROPOSOPHISCHER SEELENKALENDER
Vorwort zur zweiten Ausgabe 1918
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| 20 | Der Jahreslauf hat sein eigenes Leben. Die Menschenseele kann dieses Leben mitempfinden. Läßt sie, was von Woche zu Woche anders spricht aus dem Leben des Jahres, auf sich wirken, dann wird sie sich durch solches Mitleben selber erst richtig finden. Sie wird fühlen, wie ihr dadurch Kräfte erwachsen, die sie von innen heraus stärken. Sie wird bemerken, dass solche Kräfte in ihr geweckt sein wollen durch den Anteil, den sie nehmen kann an dem Sinn des Weltenlaufes, wie er sich in der Zeitenfolge abspielt. Sie wird dadurch erst gewahr werden, welche zarte, aber bedeutungsvolle Verbindungsfäden bestehen zwischen sich und der Welt, in die sie hineingeboren ist. In diesem Kalender ist für jede Woche ein solcher Spruch verzeichnet, der die Seele miterleben läßt, was in dieser Woche als Teil des gesamten Jahreslebens sich vollzieht. Das dieses Leben in der Seele erklingen läßt, wenn diese sich mit ihm vereinigt, soll in dem Spruche ausgedrückt sein. An ein gesundes «Sich eins fühlen» mit dem Gange der Natur und an ein daraus erstehendes kräftiges «Sich selbst finden» ist gedacht, indem geglaubt wird, ein Mitempfinden des Weltenlaufes im Sinne solcher Sprüche sei für die Seele etwas, wonach sie Verlangen trägt, wenn sie sich nur selbst recht versteht. |
Vorwort zur ersten Ausgabe 1912/13
| 21 | Mit der Welt und ihrem Zeitenwandel verbunden fühlt sich der Mensch. In seinem eigenen Wesen empfindet er das Abbild des Welten-Urbildes. Doch ist das Abbild nicht sinnbildlich-pedantische Nachahmung des Urbildes. Was die große Welt im Zeitenlaufe offenbart, entspricht einem Pendelschlage des Menschenwesens, der nicht im Elemente der Zeit abläuft. Es kann vielmehr fühlen der Mensch sein an die Sinne und ihre Wahrnehmungen hingegebenes Wesen als entsprechend der licht- und wärme-durchwobenen Sommernatur. Das Gegründetsein in sich selber und das Leben in der eigenen Gedanken- und Willenswelt kann er empfinden als Winterdasein. So wird bei ihm zum Rhythmus von Außen- und Innenleben, was in der Natur in der Zeiten Wechselfolge als Sommer und Winter sich darstellt. Es können ihm aber große Geheimnisse des Daseins aufgehen, wenn er seinen zeitlosen Wahrnehmungs- und Gedankenrhythmus in entsprechender Weise zum Zeitenrhythmus der Natur in Beziehung bringt. So wird das Jahr zum Urbilde menschlicher Seelentätigkeit und damit zu einer fruchtbaren Quelle echter Selbsterkenntnis. In dem folgenden Seelen-Jahres-Kalender wird der Menschengeist in derjenigen Lage gedacht, in welcher er an den Jahreszeiten-Stimmungen von Woche zu Woche das eigene Seelenweben im Bilde an den Eindrücken des Jahreslaufes erfühlen kann. Es ist an einfühlendes Selbsterkennen gedacht. Dieses fühlende Selbsterkennen kann an den angegebenen charakteristischen Wochensätzen den Kreislauf des Seelenlebens als zeitlosen an der Zeit erleben. Ausdrücklich sei gesagt, es ist damit an eine Möglichkeit eines Selbsterkenntnisweges gedacht. Nicht Vorschriften» nach dem Muster theosophischer Pedanten sollen gegeben werden, sondern vielmehr |
| 22 | auf das lebendige Weben der Seele, wie es einmal sein kann, wird hingewiesen. Alles, was für Seelen bestimmt ist, nimmt eine individuelle Färbung an. Gerade deshalb aber wird auch jede Seele ihren Weg im Verhältnis zu einer individuell gezeichneten finden. Es wäre ein leichtes, zu sagen: So, wie hier angeführt, soll die Seele meditieren, wenn sie ein Stück Selbsterkenntnis pflegen will. Es wird nicht gesagt, weil der eigne Weg des Menschen sich Anregung holen soll an einem gegebenen, nicht sich pedantisch einem «Erkenntnispfade» fügen soll. Auf eine Frage wegen der Datumverschiebung von Jahr zu Jahr ist folgende Antwort Rudolf Steiners überliefert: Die Hauptsache sei, dass immer mit der ersten Strophe zu Ostern begonnen werde. Die Verschiebung habe nicht viel zu bedeuten, da er immer drei Strophen der Wochensprüche in der gleichen Stimmung gehalten habe. |
FRÜHLING
| 23 | Oster-Stimmung 1.-6. April1) 1
Wenn aus den Weltenweiten
Ins Äußre des Sinnesalls
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| 24 | Dritte und vierte April-Woche 14.-24. April 3
Es spricht zum Weltenall,
Ich fühle Wesen meines Wesens: |
| 25 | Erste Mai-Woche 5.-11.Mai 5
Im Lichte, das aus Geistestiefen
Es ist erstanden aus der Eigenheit |
| 26 | Dritte Mai-Woche 19.-25. Mai 7
Mein Selbst, es drohet zu entfliehen,
Es wächst der Sinne Macht |
| 27 | Erste Juni-Woche 1.-8. Juni 9
Vergessend meine Willenseigenheit,
Zu sommerlichen Höhen |
| 28 | Dritte Juni-Woche 16.-22. Juni 11
Es ist in dieser Sonnenstunde
Der Welten Schönheitsglanz, |
| 29 | Fünfte Juni-Woche bis erste Juli-Woche 30. Juni-6. Juli 13
Und bin ich in den Sinneshöhen, |
SOMMER
| 29 | Erste Juli-Woche 7.-13. Juli 14
An Sinnesoffenbarung hingegeben |
| 30 | Zweite Juli-Woche 14.-20. Juli 15
Ich fühle wie verzaubert
Zu bergen Geistgeschenk im Innern, |
| 31 | Vierte Juli-Woche 28. Juli- 3. August 17
Es spricht das Weltenwort,
Kann ich die Seele weiten, |
| 32 | Zweite August-Woche 11.- 17. August 19
Geheimnisvoll das Neu-Empfang'ne
So fühl ich erst mein Sein, |
| 33 | Vierte August-Woche 25 .-31. August 21
Ich fühle fruchtend fremde Macht
Das Licht aus Weltenweiten, |
| 34 | Zweite September-Woche 8.-14. September 23
Es dämpfet herbstlich sich
Sich selbst erschaffend stets, |
| 35 | Vierte September-Woche 22.-28. September 25
Ich darf nun mir gehören
Natur, dein mütterliches Sein, |
HERBST
| 36 | Erste Oktober-Woche 6.-12. Oktober 27
In meines Wesens Tiefen dringen:
Ich kann im Innern neu belebt |
| 37 | Dritte Oktober-Woche 20.-26. Oktober 29
Sich selbst des Denkens Leuchten
Es sprießen mir im Seelensonnenlicht |
| 38 | Erste November-Woche 3.-9. November 31
Das Licht aus Geistestiefen,
Ich fühle fruchtend eigne Kraft |
| 39 | Dritte November-Woche 17.-23. November 33
So fühl ich erst die Welt,
Geheimnisvoll das Alt-Bewährte |
| 40 | Erste Dezember-Woche 1.-7. Dezember 35
Kann ich das Sein erkennen,
In meines Wesens Tiefen spricht |
WINTER
| 41 | Dritte Dezember-Woche 15 .-21. Dezember 37
Zu tragen Geisteslicht in Weltenwinternacht
Ich fühle wie entzaubert |
| 42 | Fünfte Dezember-Woche 29. Dezember-4. Januar 39
An Geistesoffenbarung hingegeben
Und bin ich in den Geistestiefen, |
| 43 | Zweite Januar-Woche 12.-18. Januar 41
Der Seele Schaffensmacht,
Es ist in diesem Winterdunkel |
| 44 | Vierte Januar-Woche 26. Januar-1. Februar 43
In winterlichen Tiefen
Ergreifend neue Sinnesreize |
| 45 | Zweite Februar-Woche 9.-15. Februar 45
Es festigt sich Gedankenmacht
Die Welt, sie drohet zu betäuben |
| 46 | Vierte Februar-Woche 23. Februar-1. März 47
Es will erstehen aus dem Weltenschoße,
Im Lichte, das aus Weltenhöhen |
| 47 | Zweite März-Woche 9.-15. März 49
Ich fühle Kraft des Weltenseins:
Es spricht zum Menschen-Ich, |
| 48 | Frühling-Erwartung 21.- 25. März 51
Ins Innre des Menschenwesens
Wenn aus den Seelentiefen |