Gedenkworte für Richard Kramer, den Jüngeren

Gedenkworte für Richard Kramer, den Jüngeren

Dornach, 15. August 1915

Seite Text
130 Unter dem Eindrucke der «Faust»-Aufführung stehend, darf etwas zunächst ausgesprochen werden, zu dem es die Seele drängen kann in diesem Augenblicke.
Zwar haben wir schon infolge der in die Weltengeschicke tief eingreifenden Ereignisse unserer Zeit so manche Seele in die geistige Welt hinaufgehen sehen hier vom physischen Plane aus, die dem Kreise, der durch unsere Geisteswissenschaft zusammengehalten wird, angehören. Auch solche zu uns Gehörende sind Opfer geworden dieser unserer so vieles an Schmerz und Traurigkeit erfordernden Zeit. Und vieles wäre zu sagen, was wir durch solche Hingänge unserer lieben Freunde infolge der traurigen Ereignisse erlebt haben.
Hier aber ist eine besondere Pflicht, zu gedenken des Hinaufsteigens der Seele eines Freundes, der an diesem Ort mit uns treulich mitgearbeitet hat zur Herstellung jenes Baues, den wir widmen wollen dem Streben unserer Geisteswissenschaft. Und weil er so treulich mit uns verbunden war in seiner Seele und ein so wunderschönes Streben hatte, mit uns zusammen an der Auferrichtung dieses Denkmals unserer Zeit mitzuwirken, so ist es unsere besondere Pflicht, aber gewiß auch der Impuls unserer besonderen Liebe, seiner zu gedenken in dieser Stunde, die unter der Nachwirkung stehen kann des Geheimnisses vom Hinaufgehen der Menschenseele, des Unsterblichen im Menschen in die geistige Welt.
Unser Heber Freund Kramer', der Jüngere, hat den physischen Plan verlassen, nachdem er sich mit uns vereint hatte, um dasjenige, was ihm durch sein Streben draußen in der Welt durch sein Lernenwollen und Arbeiten geworden war, in den Dienst unserer Sache zu stellen. Nachdem er die Möglichkeit gefunden hatte, in der Sonne seiner schönsten Gefühle und seines höchsten Zugetanseins zu unserer Sache selbstlos hier mit uns zu arbeiten, wurde er abberufen, und seine Seele ging hinauf in die geistigen Welten, nachdem seine Leibeshülle den kriegerischen Ereignissen im Osten zum Opfer gefallen war.
131 So wie wir in seine Seele schauen konnten, wie sie sich so ganz verwandt fühlte mit dem Strome des geistigen Lebens, den wir durch unsere Geisteswissenschaft suchen, so wie sie immer mehr und mehr ganz eins war mit diesem Strome, so wie ihr Ernst immer größer und größer wurde, so dürfen wir sagen, daß wir vieles, vieles gerade von diesem unserem Freunde Kramer auch für diesen physischen Plan erhofften.
Aber wir fügen uns, meine lieben Freunde, mit ihm selber der äußeren Notwendigkeit des Karmas. Wir wissen, daß er unter uns ist. Wir wissen sogar bei ihm, da wir ihn haben kennen lernen, daß er mit besonderer Liebe auch jetzt bei uns ist, da seine Seele in die geistigen Welten ging. Wir wissen, daß er sich zurücksehnt nach dem Ort, mit dem er, ich möchte sagen in Feierlichkeit sein Wissen und Können verbunden hat, bevor er an den Ort, wohin ihn die Pflicht gerufen hat, abgegangen ist. Und so wissen wir uns denn auch ferner mit ihm vereint, nachdem er nur die Form des Arbeitens dadurch verändert hat, daß seine Seele sich vom physischen Plan in die geistige Welt zurückgezogen hat.
Und in Liebe, in Trauer, in echt warmer Freundschaft und Brüderlichkeit lenken wir alle unsere Seele, heben wir unser geistiges Auge auf zu dem schützenden Geist, der ihn führt von Inkarnation zu Inkarnation, und rufen ihm die Worte nach, die wir an solche schützenden Geister, durch die Menschenseelen hineinfinden wollen in die geistig-seelischen Welten, hilfeflehend für diese Geister hinaufsenden.
Dazu erheben wir uns:

Geist seiner Seele, wirkender Wächter,
Deine Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Deiner Hut vertrautem Sphärenmenschen,
Daß, mit Deiner Macht geeint,
Unsere Bitte helfend strahle
Der Seele, die sie liebend sucht.




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