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Ansprache bei der Kremation von Fritz Mitscher

Ansprache bei der Kremation von Fritz Mitscher

** Basel, 5. Februar 1915**

Seite Text
122

Eine Hoffnung, uns beglückend:
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten,
Durch die Kraft des Seelenseins, \Sich dem Forschen zeigen möchten.

Lautrer Wahrheitliebe Wesen
War Dein Sehnen urverwandt;
Aus dem Geisteslicht zu schaffen,
War das ernste Lebensziel,
Dem Du rastlos nachgestrebt.

Deine schönen Gaben pflegtest Du,
Um der Geist-Erkenntnis hellen Weg
Unbeirrt vom Welten-Widerspruch
Als der Wahrheit treuer Diener
Sichern Schrittes hinzuwandeln.

Deine Geistorgane übtest Du,
Daß sie tapfer und beharrlich
An des Weges beide Ränder
Dir den Irrtum drängten
Und Dir Raum für Wahrheit schufen.

Dir Dein Selbst zur Offenbarung
Reinen Lichtes zu gestalten,
Daß die Seelen-Sonnenkraft
Dir im Innern machtvoll strahle,
War Dir Lebenssorg' und Freude.

Andre Sorgen, andre Freuden,
Sie berührten Deine Seele kaum,
Weil Erkenntnis Dir als Licht,
Das dem Dasein Sinn verleiht,
Als des Lebens wahrer Wert erschien.

123

Eine Hoffnung, uns beglückend:
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten
Durch die Kraft des Seelenseins
Sich dem Forschen zeigen möchten.

Ein Verlust, der tief uns schmerzt,
So entschwindest Du dem Feld,
Wo des Geistes Erdenkeime
In dem Schoß des Seelenseins
Deinem Sphärensinne reiften.

Fühle, wie wir liebend blicken
In die Höhen, die Dich jetzt
Hin zu andrem Schaffen rufen.
Reiche den verlaß 'nen Freunden
Deine Kraft aus Geistgebieten.

Höre unsrer Seelen Bitte,
Im Vertrau'n Dir nachgesandt:
Wir bedürfen hier zum Erdenwerk
Starker Kraft aus Geistes-Landen,
Die wir toten Freunden danken.

Eine Hoffnung, uns beglückend,
Ein Verlust, der tief uns schmerzt:
Laß uns hoffen, daß Du ferne-nah,
Unverloren unsrem Leben leuchtest
Als ein Seelen-Stern im Geistbereich.


Wie vorschwebend durch innerster Kräfte Denken, so, klar sich darlebende Seele, erschienst Du uns, lieber Freund, um zu wirken auf dem Gebiete jenes Geisteslebens, dem wir unser Herz, dem wir unsere Seelen in Treue zugetan, dem Du auch Deine Seele, Dein Herz in Treuezugetan zuwendetest. Wahrhaft, eine Hoffnung uns beglückend.

124 Und am heutigen Tage stehen wir vor dem Verluste, der tief uns schmerzt, mit der lieben Mutter, die so nahe unser aller Herzen steht, und die mit so tiefem, liebevollem Verständnis, verwandtem Geiste mit mir selbst seinem Lebenswege folgte, nicht allein nur folgte, sondern ihn Dir zubereitete mit tief innerlichster Erkenntnis Deines Wesens, mit tief innerlichster Liebe. Wir stehen da mit den lieben Geschwistern, von denen einige fern sein müssen, hingegeben der Pflicht, welche die Zeit von so vielen Menschen in der Gegenwart fordert. Wir stehen da und können der lieben Mutter, den lieben Geschwistern das eine Trosteswort bei Deinen sterblichen Resten nur sagen: Es möge ein Trost sein, ein Trost, der die Zeit überdauert, daß Dich, lieber Freund, so viele Dir geistverwandte Seelen liebgewonnen haben, die den Schmerz, den die Mutter, die Geschwister erleben, stets bereit sein werden mit ihnen zu teilen.
Du ergriffst dasjenige, was uns durchdringt als unser geistiges Wesen, wie Dein eigenes Wesen. Tief in Deiner Seele aber glimmt ein beharrlicher, ein ernster Forschertrieb, ein Forschertrieb, der mit Unerschrockenheit der Wahrheit stets zugewandt war, der Wahrheit allein als dem leuchtenden Licht. Oftmals sprach ich mit Dir über Deine Lebenswege hier auf Erden, oftmals aber war es auch, als ob Du dasjenige, was Dir die Erde hat geben können für den irdischen Lebensweg, beiseite drängtest, weil hell und leuchtend vor Dir stand das Geisteslicht, dem Deine Seele sich ganz widmen wollte, zu dessen Abglanz sich Deine Seele wendete.
Lernte man Dich näher kennen, dann war es, als ob Du tief, tief in Deiner Seele, die in Deinem Bewußtsein allerdings niemals weilende Überzeugung durch dieses oder jenes Wort aussprechen wolltest: Ich werde doch nicht nötig haben, mir Sorgen zu machen für meinen irdischen Lebensweg in dieser Inkarnation. - Und so wurde Dir wertloser und wertloser, was Dir eben solche Sorgen machen konnte. Dafür leuchtete Dir immer mehr und mehr in Deiner Seele auf ein schönes wunderbar helles Zusammenklingen unseres Geisteslebens, und was äußerlich als Schwäche erschien, als Stärke trat es vor die Seele…
Herrlich leuchtete aus Deiner Seele heraus eine verborgene geistige Welt, aus dem engen Horizont ein reiches Leben und Streben, und
125 wunderbar leuchtete Dir die geistige Welt. Wären Dir der Jahre mehr zugeteilt gewesen, es wäre zur schönsten Frucht gereift dasjenige, was in Deiner edlen Seele demütig, keusch als Forschersinn lebte. Sie war rein und keusch wie jene Forscherseelen, die sich emporarbeiten aus den tiefsten Klüften, aus denen sich Forscherseelen emporarbeiten müssen. Eine der Seelen, in denen die Kräfte langsam und allmählich sich entwickeln, damit sie dann auch jene Form annehmen können, die umwandelt den Forschertrieb zum Lehren-Können.
So standest Du, mein Freund, auf dem Wege vom Forschen zum Lehren-Können. Konnte Dich, wie es symbolisch in Deinem äußeren Wesen schon ausgedrückt war, dasjenige von der äußeren Welt nicht berühren, was so viele durchdringt mit Irrtum und falschen Vorstellungen gegenüber dem Lichte des geistigen Daseins, so war es auf der anderen Seite Dein starker Wille, bis zu den Quellen des Daseins durchzudringen, Erkenntnis Dir zu suchen und diese Erkenntnis Deinen Mitmenschen zu geben. Und Dein starker, starker Wille wußte sich zu durchleuchten mit jenem scharfen Sinn, der imstande war, den der Wahrheit entgegenstehenden Irrtum zu durchschauen. So war es. Du sprachst von dem, was Du schon zu verkündigen wußtest aus dem Quell des geistigen Lebens heraus, als einer von jenen ersten, die durch ureigene Kraft mit den göttlichen Gründen der Welt verknüpft, klare Wahrheit an die Stelle des Irrtums zu setzen wußten, der uns von allen Seiten, mißkennend und mißverstehend unser geistiges Streben, von der Welt entgegenkommt. Daher versprachst Du selbst, ein treuer Mitkämpfer in jener Schar zu werden, welche ergeben sein will der heiligen, ewigen Wahrheit, um die vergängliche Zeit zu beleuchten und zu durchwärmen, damit sie fester stehen und sich einfügen könne in den Strom des ewigen Seins.
Im Grunde ist es Dir selbstverständlich, mit dem, was wir das geistige Leben nennen, in eins verbunden zu sein. Und das machte es, daß dieses Wesen in seinem stillen, aber unbeugsamen Eifer so unendlich harmonisch auf alle Freundesseelen wirkte, diese Seelen wieder stärkte und kräftigte und in ihnen wieder anzündete den Funken, der sich entzünden muß im Menschen, wenn er den Weg finden soll von der Zeit in die Ewigkeit. Und war es manchmal schwach, was als Deine
126 irdische Lebenskraft erschien, so trat als besonders stark und kräftig stets uns entgegen Deines inneren Geisteslebens Energie, die sicheren Schrittes wußte zu wandeln den Weg, den sie sich aus der Erkenntnis heraus gewählt hatte. Wie ein Versprechen an die Zukunft standest Du vor uns, wie ein regsamer Kämpfer für die Sache, die eins war mit Deinem innersten Selbst, mit der Du eins gemacht hattest dieses Innerste.
Es kann nicht an uns sein, in dieser Stunde nur Trostesworte zu sprechen für diejenigen Seelen, die zurückbleiben müssen, für die liebe Mutter und die lieben Geschwisterseelen. Für alle, die in inniger Freundschaft Dir zugetan waren, geziemt es sich in heiligem Schmerz zu leben, da Du dieses irdische Feld verlassen hast. Aber durch das Vertrauen in den Geist, der uns beseelt, in den Geist, der so stark in Dir lebte, vertrauen wir auch im Schmerze der Seelen, daß er die Kraft finden wird, immerdar zu Dir hinaufzuschauen in die Regionen, in denen Du weilen wirst und uns unverloren bist durch die schönen, herrlichen Schätze, die Du durch Dein höheres Selbst, das Du während Deines Erdendaseins auszubilden strebtest, sammeltest.
Du weißt es, liebe Seele, wie stark gefährdet durch den Widerspruch der Welt, durch Irrtum und Mißverständnis dasjenige ist in unserer geistigen Strömung, das uns so sehr am Herzen Hegt. Du weißt es, wie wir, die wir hier stehen an Deinen sterblichen Resten, hinauf blicken in die Sphären, die das Geistige aufnehmen. Du weißt es, wie schwer es den Seelen wird in den Körpern, gegen bewußte und unbewußte Feinde, mit dem, was uns so teuer ist, anzukämpfen. Du weißt, wie wir blicken zu Dir mit der Bitte, fernerhin Deine Kraft mit der unsrigen zu vereinen. Du weißt, wie wir vertrauen nicht auf dasjenige, was uns von den Menschen in der sichtbaren Welt entgegentritt. Du weißt, daß wir zu der unsichtbaren Welt halten, weil wir sie durchkraftet wissen von denjenigen Seelen, die zu uns gehörten und ihren irdischen Lebensplatz verlassen haben. Wir aber, die da arbeiten unten, wollen Dich bitten, damit Du mit den Kräften, die Dir jetzt zu Gebote stehen, unter uns wirkest.
Wenn dasjenige, was manchmal in uns anstürmt und unsere Kraft allzu stark herausfordert, sich geltend macht, dann wirst Du es sein, der in unserem Streben wirkt. So unverloren, so in inniger Liebe mit uns vereint, möchten wir, denen Du unvergeßlich sein wirst fern-nahe,
127 in Gedanken mit Dir leben. Und Du wirst es können, aus den geistigen Regionen, die Dich aufgenommen haben, Deine starken Kräfte zu uns herabzusenden.
Unverbrauchte Kräfte erblicke ich in dem Leben, aus dem Dich nach kurzem Dasein der Tod hinweggerafTt hat. Aber Du bist durchgegangen durch des Todes Pforte mit den Seelenkräften, die stark beseligt sind durch des Christus Kraft, durch jenes Christus Kraft, den Du wußtest als Geist-Erkenntnis aufzunehmen in Dein innerstes Fühlen, in Dein innerstes Herzensgeheimnis, in Dein reiches Wissen, den Du verstandest aufzunehmen auch als lebendige Kraft, die lebendig durch die Ewigkeit hindurch dasjenige um uns erhält, was wir zu verbinden wissen mit dieser Christus-Kraft.
Du hast es verstanden, der Geisteswissenschaft Rätsel für Dich also zu lösen, daß Du treten ließest in den Mittelpunkt all Deines Sehnens und Forschens dasjenige, was der Erde Sinn verleiht, was als Menschheitsstreben allem Erdenleben einverleibt ist: die Kraft des Christus. Gestärkt und gekräftigt durch die Kraft des Christus-Impulses bist Du hindurchgegangen durch die Todespforte, mit der Kraft des ChristusImpulses bist Du weilend im Geiste. Und zu uns, die wir suchen nach dieser Kraft des Christus-Impulses, wird sich wenden dasjenige in Dir, was verbunden ist mit dieser Kraft des Christus-Impulses, damit mit unserem Feuer Dein Feuer eins werde, um zu erreichen jene Menschheitsziele, die sich einverleiben müssen in der Erde Streben und Wirken aus der Ewigkeit in die Zeit.
Geeint mit der lichtvoll erstandenen Christus-Kraft schauen wir jetzt, blicken wir liebend zu Dir auf, zu unserer starken Hilfe, zu unserem herben Verluste, aber auch zu unserem zuversichtlichen Tröste. So gehe denn in die lichterfüllte Welt und sei gewiß, daß unsere Liebe Dir folgt, wie wir gewiß sind, daß Dein Licht mit uns sein wird.

Eine Hoffnung, uns beglückend:
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten
Durch die Kraft des Seelenseins
Sich dem Forschen zeigen möchten.

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Lautrer Wahrheitliebe Wesen
War Dein Sehnen urverwandt;
Aus dem Geisteslicht zu schaffen,
War das ernste Lebensziel,
Dem Du rastlos nachgestrebt.

Deine schönen Gaben pflegtest Du,
Um der Geist-Erkenntnis hellen Weg
Unbeirrt vom Welten-Widerspruch
Als der Wahrheit treuer Diener
Sichern Schrittes hinzuwandeln.

Deine Geistorgane übtest Du,
Daß sie tapfer und beharrlich
An des Weges beide Ränder
Dir den Irrtum drängten
Und Dir Raum für Wahrheit schufen.

Dir Dein Selbst zur Offenbarung
Reinen Lichtes zu gestalten,
Daß die Seelen-Sonnenkraft
Dir im Innern machtvoll strahle,
War Dir Lebens sorg' und Freude.

Andre Sorgen, andre Freuden,
Sie berührten Deine Seele kaum,
Weil Erkenntnis Dir als Licht,
Das dem Dasein Sinn verleiht,
Als des Lebens wahrer Wert erschien.

Eine Hoffnung, uns beglückend:
So betratest Du das Feld,
Wo der Erde Geistesblüten
Durch die Kraft des Seelenseins
Sich dem Forschen zeigen möchten.

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Ein Verlust, der tief uns schmerzt,
So entschwindest Du dem Feld,
Wo des Geistes Erdenkeime
In dem Schoß des Seelenseins
Deinem Sphärensinne reiften.

Fühle, wie wir liebend blicken
In die Höhen, die Dich jetzt
Hin zu andrem Schaffen rufen.
Reiche den verlaß'nen Freunden
Deine Kraft aus Geistgebieten.

Höre unsrer Seelen Bitte,
Im Vertrau'n Dir nachgesandt:
Wir bedürfen hier zum Erdenwerk
Starker Kraft aus Geistes-Landen,
Die wir toten Freunden danken.

Eine Hoffnung, uns beglückend,
Ein Verlust, der tief uns schmerzt:
Laß uns hoffen, daß Du ferne-nah
Unverloren unsrem Leben leuchtest
Als ein Seelen-Stern im Geistbereich.




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