Bewußtseinsebenen und Entwickelungsimpulse der alten Völker Asiens
ZWEITER VORTRAG, 25. Dezember 1923
Das Welterleben der alten Zeit. Erleben der irdischen Umgebung als unterstes Gebiet eines vierstufigen, einheitlich-geistigen Weltganzen. Tagesbewußtsein: träumendes Wachen, das die Eindrücke der Welt in Imaginationen verwandelt; Erleben der Elementargeister. Schlaf: dumpfes Bewußtsein von der Welt der dritten Hierarchie; Vertiefung bis zur Welt der zweiten Hierarchie. Bewußtsein der Eingeweihten: Vorausnahme des heutigen Wachbewußtseins; Lesen und Schreiben; Erfahren der Geistentleerheit; Moralität; Ausgleich durch Begegnung mit Wesen der ersten Hierarchie. Verlauf der äußeren Geschichte in grausamen Eroberungskriegen. Der Impuls der Weiterentwickelung darin: Auseinandersetzung junger Völker mit älteren, um an deren Todeskräften Bewußtsein, Besonnenheit zu erwerben. Anders später die Griechen: ihr
Überschuß an Todeskräften über die Lebenskräfte; der Trojanische Krieg als Angstkrieg.
| Seite | Text |
| 27 |
wie man eine richtige Anschauung über den geschichtlichen Verlauf
der Menschenentwickelung auf der Erde nur dadurch bekommen
kann, daß man sich einläßt auf die durchaus verschiedenen Seelenzustände, die vorhanden waren in den verschiedenen Zeitaltern.
Und ich versuchte ja gestern zu begrenzen die eigentliche altorientalische, die asiatische Entwickelung, versuchte hinzuweisen auf jenen
Zeitabschnitt, in dem die Nachkommen der atlantischen Bevölkerung nach der atlantischen Katastrophe ihren Weg herübergefunden
haben vom Westen nach dem Osten und nach und nach Europa,
Asien bevölkert haben. Dasjenige, was dann durch diese Völkerschaften in Asien abläuft, es stand ja ganz unter dem Einflüsse eines
Gemütszustandes dieser Menschen, der an das Rhythmische gewöhnt war. Im Beginne haben wir noch die Nachklänge, die deutlichen Nachklänge desjenigen, was ja in der Atlantis vollständig vorhanden war: das lokalisierte Gedächtnis. Dann geht es während der
orientalischen Entwickelung in das ryhthmische Gedächtnis über.
Und ich zeigte Ihnen ja, wie mit der griechischen Entwickelung erst
der Umschwung zum Zeitgedächtnis eintritt.
Damit aber ist die eigentliche asiatische Entwickelung - denn
das, was die Geschichte darstellt, sind ja schon Dekadenzzustände -
diejenige ganz andersgearteter Menschen, als es die Menschen
späterer Zeit sind, und die äußeren geschichtlichen Geschehnisse
sind in jenen alten Zeiten viel mehr abhängig von dem, was im
Menschengemüte lebte, als später. Was in jenen älteren Zeiten im
Menschengemüte lebte, das lebte eben im ganzen Menschen. Man
kannte nicht ein so abgesondertes Seelen- und Denkleben wie
heute. Man kannte nicht dieses Denken, das gar keinen Zusammenhang mehr fühlt mit den inneren Vorgängen des menschlichen
Hauptes. Man kannte nicht dieses abstrakte Fühlen, das gar nicht
mehr sich im Zusammenhang weiß mit der Blutzirkulation, sondern
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:233 Seite: 27
man kannte nur ein Denken, das man zu gleicher Zeit innerlich als
Geschehen des Hauptes erlebte, ein Fühlen, das man erlebte im
Atmungs- und Blutrhythmus und so weiter. Man erlebte, man empfand den ganzen Menschen in ungetrennter Einheit.
Das alles war aber damit verbunden, daß man auch das Verhältnis zur Welt, zum Weltenall, zum Kosmos, zum Geistigen und Physischen im Kosmos ganz anders erlebte als später. Der heutige
Mensch erlebt sich auf Erden mehr oder weniger auf dem Lande oder
in Städten. Er ist umgeben von dem, was er als Wälder anschaut, als
Flüsse, als Berge, oder er ist umgeben von dem, was Gemäuer der
Städte ist. Und wenn er von dem Kosmisch-Übersinnlichen spricht,
ja, wo ist es denn eigentlich? Der moderne Mensch weiß ja sozusagen
keine Sphäre anzugeben, wo er das Kosmisch-Übersinnliche sich
denken soll. Es ist nirgends eigentlich für ihn greifbar, faßbar, ich
meine auch nicht seelisch-geistig greifbar, faßbar. Das war so nicht
in jener alten orientalischen Entwickelung, sondern in jener alten
orientalischen Entwickelung war eigentlich die Umgebung, die wir
heute als physische Umgebung bezeichnen würden, nur die unterste
Partie einer einheitlich gedachten Welt. Da war um den Menschen
herum dasjenige, was in den drei Naturreichen enthalten ist, was in
Fluß und Berg und so weiter enthalten ist, aber das war zu gleicher
Zeit geistdurchwachsen, wenn ich so sagen darf, geistdurchströmt,
geistdurchwoben. Und der Mensch sagte: Ich lebe mit Bergen, ich
lebe mit Flüssen, aber ich lebe auch mit den Elementargeistern der
Berge, der Flüsse. Ich lebe im physischen Reich, aber dieses physische Reich ist der Körper eines geistigen Reiches. Um mich herum
ist überall die geistige Welt, die unterste geistige Welt.
Da war dieses Reich, das nun für uns das irdische geworden ist,
unten. Der Mensch lebte darinnen. Aber er stellte sich eben in
Tafel 3 seinem Bilde vor (siehe Zeichnung), daß, wo dieses Reich (hell)
nach oben hin aufhört, eben ein anderes beginnt (gelb-rot), in
welches das untere übergeht, und dann wieder ein anderes (blau),
und zuletzt das höchste, das noch zu erreichen ist (orange). Und
wenn wir nach dem, was unter uns in der anthroposophischen Erkenntnis üblich geworden ist, diese Reiche benennen wollten - im
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:233 Seite: 28
alten orientalischen Leben hatten sie andere Namen, aber das kommt
nicht darauf an, wir wollen sie so benennen, wie sie für uns heißen -,
so würden wir da oben die erste Hierarchie haben: Seraphim, Cherubim, Throne, dann die zweite Hierarchie: Kyriotetes, Dynamis, Exusiai, und die dritte Hierarchie: Archai, Archangeloi, Angeloi.
oröt nq«
Tafel 3
Und nun kam das vierte Reich, wo die Menschen drinnen leben,
wo wir heute nach unserer Erkenntnis nur die Naturgegenstände
und Naturvorgänge ansetzen, wo diese Menschen die Naturvorgänge
und Naturdinge durchwoben fühlten von den Elementargeistern des
Wassers, der Erde. Und das war Asien (siehe Zeichnung).
Asien bedeutete das unterste Geisterreich, in dem man als Mensch
noch darinnen ist. Allerdings, was heute unsere gewöhnliche Anschauung ist, die der Mensch für sein gewöhnliches Bewußtsein hat,
das hatte man in jenen alten orientalischen Zeiten nicht. Es wäre
ganz unsinnig zu denken, daß man in jenen alten orientalischen
Zeiten die Möglichkeit gehabt hätte, geistlose Materie irgendwo zu
vermuten. Was wir heute reden von Sauerstoff, Stickstoff, es wäre ja
für jene alten Zeiten zu denken die reine Unmöglichkeit gewesen.
Sauerstoff war das Geistige, das belebend, erregend wirkte auf das
schon Lebendige, das beschleunigend auf das Leben des Lebendigen
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 23 3 Seite: 29
wirkte. Stickstoff, den wir heute uns so vorstellen, daß er dem Sauerstoff beigemengt in der Luft enthalten ist, Stickstoff war jenes Geistige, das die Welt durchwebt und das, indem es auf das lebendige
Organische wirkt, dieses Organische bereitmacht, in sich Seelisches
aufzunehmen. Nur so kannte man zum Beispiel Sauerstoff und
Stickstoff. Und so kannte man alle Naturvorgänge als im Zusammenhange mit Geistigem, weil man die Anschauung, die man heute als
Mann auf der Straße hat, gar nicht hatte. Einzelne hatten sie, und
das waren gerade die Eingeweihten, die Initiierten. Die anderen Menschen hatten für das gewöhnliche Alltägliche einen
Bewußtseinszustand, der sehr ähnlich ist einem Wachtraum, aber
eben ein Traumzustand, wie er bei uns nur noch in abnormen
Erlebnissen vorhanden ist. Mit diesem Träumen ging der Mensch
herum. Mit diesem Träumen ging er an die Wiesen, an die Bäume,
an die Flüsse heran, an die Wolken, und er sah alles in dieser Weise, wie man es sehen und hören kann in diesem Traumzustande.
Sie müssen sich nur einmal vorstellen, was da zum Beispiel geschehen kann für den heutigen Menschen. Der Mensch ist eingeschlummert. Plötzlich tritt vor ihm auf das Bild, das Traumesbild eines feurigen Ofens. Er hört: Feurio! Draußen fährt die Feuerwehr vorbei, um
irgendwo ein Feuer zu löschen. - Wie weit verschieden ist dasjenige,
was trocken die menschliche Vernunft, wie man sagt, und das gewöhnliche sinnliche Anschauen von diesem Tun der Feuerwehr vernehmen, von dem, was der Traum dem Menschen vorspiegeln kann.
Aber so in Träume gegossen war alles das, was jene alte orientalische
Menschheit erlebte. Da verwandelte sich alles, was draußen in den
Reichen der Natur war, in Bilder. Und in diesen Bildern erlebte man
die Elementargeister des Wassers, der Erde, der Luft, des Feuers.
Und jener Plumpsackschlaf, den wir haben-ich meine, jener Schlaf,
wo man eben ganz daliegt wie ein Sack und gar nichts von sich
weiß -, den hatten die Menschen in damaliger Zeit nicht. Nicht
wahr, diesen Schlaf gibt es doch heute. Den hatten aber die Menschen in der damaligen Zeit nicht, sondern sie hatten auch während
dieses Schlafes ein dumpfes Bewußtsein. Während sie auf der einen
Seite, wie wir es heute nennen, ihren Körper ausruhten, wob das
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 233 Seite: 30
Geistige in ihnen in einem Tätigsein der äußeren Welt. Und in
diesem Weben nahm man wahr dasjenige, was die dritte Hierarchie
ist. Asien nahm man wahr im gewöhnlichen Wach-Traumzustande,
das heißt in dem alltäglichen Bewußtsein von damals. Die dritte
Hierarchie nahm man wahr im Schlafe. Und in den Schlaf tauchte
dann zuweilen ein noch dumpfes Bewußtsein ein, aber ein Bewußtsein, welches seine Erlebnisse tief in das Menschengemüt hineingrub. So daß es also für diese orientalische Bevölkerung dieses Alltagsbewußtsein gab, wo alles sich in Imaginationen und Bilder
wandelte. Sie waren nicht so real, wie jene der älteren Zeit, zum
Beispiel der atlantischen oder gar der lemurischen Zeit oder der
Mondenzeit, aber es waren immerhin Bilder, die da noch vorhanden
waren auch während dieser orientalischen Entwickelung.
Also diese Menschen hatten diese Bilder. Dann hatten sie in den
Schlaf zuständen dasjenige, was sie in die Worte kleiden konnten:
Entschlummern wir dem gewöhnlichen irdischen Dasein, dann
treten wir ein in das Reich der Angeloi, Archangeloi, Archai und
leben unter ihnen. Die Seele macht sich frei vom Organismus und
lebt unter den Wesen der höheren Hierarchien.
Zu gleicher Zeit war man sich klar darüber, daß, während man in
Asien lebte, mit Gnomen, Undinen, Sylphen, Salamandern, das
heißt mit den Elementargeistern der Erde, des Wassers, der Luft, des
Feuers, daß man in dem Schlafzustand, in dem der Körper sich ausruhte, erlebte die Wesenheiten der dritten Hierarchie, aber zu
gleicher Zeit erlebte mit dem planetarischen Dasein, mit demjenigen, was in dem Planetensystem lebt, das zur Erde gehört. - Dann
aber trat manchmal herein in das Schlafbewußtsein, wo man die
dritte Hierarchie wahrnahm, ein ganz besonderer Zustand, in dem
der Schlafende fühlte: Es kommt ein ganz fremdes Bereich an mich
heran. Es nimmt mich etwas an sich, es holt mich etwas weg aus dem
irdischen Dasein. Das fühlte man noch nicht, indem man in die
dritte Hierarchie versetzt war, aber indem dieser tiefere Schlafzustand kam, fühlte man dieses. Eigentlich war niemals ein deutliches
Bewußtsein davon vorhanden, was während dieses Schlafzustandes
der dritten Art geschah. Aber tief, tief bohrte sich ein in das ganze
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 233 Seite:31
menschliche Sein dasjenige, was da erlebt wurde aus der zweiten
Hierarchie heraus. Und der Mensch hatte es bei seinem Aufwachen
in seinem Gemüte, und er sagte: Ich bin begnadet worden von
höheren Geistern, die über dem planetarischen Dasein ein Leben
haben. - Und so sprachen diese Menschen dann von jener Hierarchie,
welche die Exusiai, die Kyriotetes und die Dynamis umfaßt. - Und
dieses, was ich Ihnen jetzt erzähle, das war sozusagen im älteren
Asien im Grunde das gewöhnliche Bewußtsein. Die zwei Bewußt -
seinszustände, das Wachend-Schlafen, Schlafend-Wachen, und den
Schlaf, in den die dritte Hierarchie hereinragte, das hatten schon
von vornherein alle. Und manche hatten durch ihre besondere
Naturanlage dann dieses Hereinragen eines tieferen Schlafes, wo die
zweite Hierarchie in das menschliche Bewußtsein hereinspielte.
Und die Eingeweihten in den Mysterien, sie bekamen einen weiteren Bewußtseinszustand. Welchen? Das ist eben gerade das Überraschende. Wenn man die Antwort darauf gibt: Welchen Bewußtseinszustand bekamen nun die Eingeweihten der damaligen Zeit? -,
so lautet sie: Den Bewußtseinszustand, den Sie heute am Tage immer
haben. - Sie entwickeln ihn in Ihrem zweiten, dritten Lebensjahre
auf natürliche Weise. Der alte Orientale ist auf natürliche Weise nie
dazu gekommen, sondern er mußte ihn künstlich heranbilden. Er
mußte ihn heranbilden aus dem wachenden Träumen, träumenden
Wachen. Während er, wenn er herumging mit seinem wachenden
Träumen, träumenden Wachen, Bilder überall sah, die mehr oder
weniger symbolisch nur dasjenige gaben, was wir heute mit scharfen
Konturen sehen, kamen die Eingeweihten dazu, die Dinge dazumal
so zu sehen, wie sie der Mensch heute mit dem gewöhnlichen Bewußtsein alle Tage sieht. Und die Eingeweihten kamen dazumal
dazu, durch dieses erst heranentwickelte Bewußtsein das zu lernen,
was heute jeder Schulknabe und jedes Schulmädchen in der Volksschule lernt. Und der Unterschied bestand nicht darin, daß der
Inhalt etwas anderes war. Allerdings jene abstrakten Buchstabenformen, die wir heute haben, die hatte man damals nicht. Die
Schrift wies Charaktere auf, welche in innigerem Zusammenhange
mit den Sachen und Vorgängen der Welt standen. Aber immerhin,
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:233 Seite: 32
das Schreiben, das Lesen lernten in diesen alten Zeiten nur die Eingeweihten, weil man schreiben und lesen eben nur lernen kann in
dem verstandesmäßigen Bewußtseinszustand, der heute der natürliche ist.
Wenn Sie sich also vorstellen würden, daß irgendwo wiederum
auftreten würde diese altorientalische Welt mit Menschen jener Art,
wie sie damals waren, und Sie unter diese Menschen treten würden
mit Ihrer Seelenartung von heute, so wären Sie für jene Menschen
dazumal alle Eingeweihte. Der Unterschied liegt eben nicht im Inhaltlichen. Sie wären Eingeweihte, aber Sie würden von den Menschen der damaligen Zeit in dem Augenblicke, wo Sie als Eingeweihte erkannt würden, mit allen möglichen Mitteln aus dem Lande
getrieben werden, weil die Leute sich darüber klar waren, daß man
als Eingeweihter die Dinge nicht so wissen darf, wie die heutigen
Menschen sie wissen. Man darf zum Beispiel - das war die Anschauung der damaligen Zeit, ich charakterisiere sie durch dieses Bild -
nicht schreiben können, nach der Ansicht der damaligen Leute, wie
die Menschen der heutigen Zeit schreiben können. Wenn ich mich
hineinversetze in ein Gemüt der damaligen Zeit und es träte einem
ein solcher Pseudoeingeweihter, das heißt ein gewöhnlicher Mensch,
ein gewöhnlich gescheiter Mensch der Gegenwart entgegen, so
würde dieser Mensch der damaligen Zeit sagen: Der kann schreiben,
er macht Zeichen auf das Papier, die etwas bedeuten, und er ist sich
nicht einmal bewußt, wie unendlich teuflisch es ist, so etwas zu tun
und nicht das Bewußtsein in sich zu tragen, daß man dies nur im
Auftrage des göttlichen Weltbewußtseins tun darf, daß man Zeichen, die etwas bedeuten, auf das Papier nur machen darf, wenn
man sich bewußt ist: Der Gott wirkt in den Händen, in den Fingern,
der Gott wirkt in der Seele, so daß die Seele sich ausdrückt durch
diese Buchstabenformen. - Dieses, das nicht in der Verschiedenheit
des Inhaltes liegt, das in der menschlichen Auffassung der Sache
liegt, das ist es, was eben die Eingeweihten der alten Zeit noch ganz
anders hatten als die heutigen Menschen, welche dasselbe inhaltlich
haben. Sie werden, wenn Sie in meiner Schrift «Das Christentum als
mystische Tatsache», die jetzt wiederum in Neuauflage erschienen
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Veiwaltung Buch: 233 Seite: 33
ist, nachlesen, gleich im Anfange angedeutet finden, daß darinnen
eigentlich das Wesen des Eingeweihten der alten Zeit lag. Und es
ist eigentlich immer so in der Weltenentwickelung: Was in einer
späteren Zeit auf natürliche Art in dem Menschen erwächst, das
ist in einer früheren Zeit durch die Einweihung zu erringen.
Gerade indem ich so etwas darstelle, werden Sie den gründlichen
Unterschied verspüren zwischen der Gemütslage dieser alten orientalischen Völker der vorhistorischen Entwickelung und den Menschen, die später in die Zivilisation eingetreten sind. Es ist schon
eine andere Menschheit, die den untersten Himmel Asien nannte
und das eigene Land darunter verstand, die Natur, die einen
umgab. Man wußte, wo der letzte Himmel ist. Vergleichen Sie
das mit den Anschauungen von heute, wie wenig die Menschen
der Gegenwart dasjenige, was sie umgibt, als den letzten Himmel betrachten. Die meisten können ihn ja nicht als den letzten betrachten, weil sie die vorhergehenden auch nicht kennen.
Nun, wir sehen also, daß das Geistige bis tief in das Naturdasein
hereinragt in dieser alten Zeit. Und dennoch, wir treffen etwas unter
diesen Menschen wiederum, das uns in der gegenwärtigen Zeit
unendlich barbarisch erscheinen möchte, wenigstens vielen von uns.
Den Menschen dazumal wäre es furchtbar barbarisch erschienen,
wenn jemand so hätte schreiben können, mit solcher Gesinnung,
wie man heute schreiben kann. Es wäre ihnen überhaupt teuflisch
erschienen. Einer großen Anzahl von Menschen der Gegenwart
erscheint es aber ganz gewiß wiederum barbarisch, wie in jenem
Asien drüben es etwas ganz Selbstverständliches war, daß eine
Völkerschaft, die von Westen nach dem Osten weiter hinüberzog,
oftmals mit großer Grausamkeit eine andere, die schon seßhaft war,
sich Untertan machte, deren Land eroberte, die Bevölkerung zu
Sklaven machte. Das ist überhaupt im weiteren Umfange der Inhalt
dieser orientalischen Geschichte über ganz Asien. Während diese
Menschen eine hohe spirituelle Anschauung hatten in der Art, wie
ich es eben charakterisiert habe, verlief die äußere Geschichte in
fortwährenden Eroberungen fremden Landes, deren Bevölkerung
untertänig gemacht worden ist. Das erscheint gewiß vielen MenCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 33 Seite: 3 4
sehen in der Gegenwart wiederum barbarisch. Und wenn heute auch
noch irgendwie Eroberungskriege vorhanden sind, so hat man doch
dabei, selbst diejenigen, die sie verteidigen, nicht ein ganz gutes
Gewissen. Man merkt das den Verteidigungen der Eroberungskriege
schon an: man hat nicht ein ganz gutes Gewissen dabei. In der
damaligen Zeit hatte man gerade gegenüber den Eroberungskriegen
das allerbeste Gewissen, und man fand, daß dieses Erobern überhaupt gottgewollt ist. Und dasjenige, was dann später als die Friedenssehnsuchten über einen großen Teil Asiens sich ausgebreitet
hatte, das ist eigentlich Spätprodukt der Zivilisation. Dagegen ist
Frühprodukt der Zivilisation für Asien das fortwährende Erobern
von Ländern und Untertänigmachen der Bevölkerungen. Je weiter
man in die vorhistorischen Zeiten zurückschaut, desto mehr findet
man dieses Erobern, von dem nur ein Schatten noch dasjenige
ist, was Xerxes und ähnliche Leute getan haben.
Aber diesem Prinzip der Eroberungen liegt ja etwas ganz Bestimmtes zugrunde. In der damaligen Zeit war eben durch jene
Bewußtseinszustände bei den Menschen, die ich Ihnen geschildert
habe, der Mensch auch im Verhältnis zu den anderen Menschen und
zur Welt in einer ganz anderen Lage als heute. Gewisse Unterschiede in den Bevölkerungsteilen der Erde haben heute ihre prinzipielle Bedeutung verloren. Dazumal waren sie in einer ganz
anderen Weise vorhanden als heute. Und so wollen wir einmal
etwas, was oftmals real war, als Beispiel vor unsere Seele hinstellen.
Nehmen wir an, wir hätten hier links das europäische Gebiet
(Zeichnung Seite 36), hier rechts das asiatische Gebiet. Eine er- Tafel 3
obernde Bevölkerung (rot) konnte, auch vom Norden von Asien,
herüberkommen, dehnt sich über irgendein Gebiet in Asien aus,
macht die Bevölkerung Untertan (rot um gelb).
Was lag da eigentlich vor? In den charakterisierten Fällen, welche
die eigentliche geschichtliche Entwickelung im Fluß erhielten, war
immer die Bevölkerung, die erobernd auftrat, als Volk oder als Rasse
jung - jung, voller Jugendkraft. Nun, was heißt heute unter den
Menschen der gegenwärtigen Erdenentwickelung jung sein? Unter
den Menschen der gegenwärtigen Erdenentwickelung heißt jung
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:233 Seite: 35
Tafel 4
«V.y;',
sein, so viel Todeskräfte in jedem Augenblick seines Lebens in sich
tragen, daß man die Seelenkräfte, die die absterbenden Vorgänge
des Menschen brauchen, versorgen kann. Wir haben ja die sprießenden, sprossenden Lebenskräfte in uns; die machen uns aber nicht
besonnen, sondern die machen uns gerade ohnmächtig, bewußtlos.
Die abbauenden, die Todeskräfte, die fortwährend in uns auch wirken, die nur immer von den Lebenskräften während des Schlafes
überwunden werden, so daß wir eben nur am Ende des Lebens zusammenfassen all die Todeskräfte in dem einmaligen Tode, diese
Todeskräfte müssen fortwährend in uns sein. Die bewirken die Besonnenheit, das Bewußtsein. Das ist aber eben ein Charakteristikum der gegenwärtigen Menschheit. Solch eine junge Rasse, ein
junges Volk, das litt an seinen überstarken Lebenskräften. Was
da Mensch war, hatte fortwährend das Gefühl: Ich drücke dauernd
mein Blut gegen meine Körperwände. Ich kann es nicht aushalten. Mein Bewußtsein will nicht besonnen werden. Ich kann
meine volle Menschlichkeit wegen meiner Jugendlichkeit nicht entwickeln.
So sprachen allerdings nicht die gewöhnlichen Menschen, so
sprachen aber die Eingeweihten in den Mysterien, die diese ganzen
geschichtlichen Vorgänge dazumal noch leiteten und lenkten. Und
so hatte eine solche Bevölkerung zuviel Jugend, zuviel Lebenskräfte,
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:233 Seite:36
zuwenig von dem in sich, was Besonnenheit geben konnte. Dann
zog sie aus, eroberte ein Gebiet, wo eine ältere Bevölkerung lebte,
die schon in irgendeiner Weise Todeskräfte in sich aufgenommen
hatte, weil sie bereits in die Dekadenz gekommen war, zog aus,
machte sich diese Bevölkerung untertänig. Es brauchte nicht eine
Blutsverwandtschaft einzutreten zwischen den Eroberern und den zu
Sklaven Gemachten. Dasjenige, was sich unbewußt im Seelischen
abspielte zwischen den Eroberern und den versklavten Leuten, das
wirkte verjüngend, und auf die Besonnenheit hin wirkte es. Und der
erobernde Mensch, der sich seinen Hof begründet hatte, wo er nun
seine Sklaven hatte, er brauchte eben auch nur den Einfluß aufsein
Bewußtsein. Er brauchte nur hinzulenken seinen Sinn auf diese
Sklaven, und, ich möchte sagen, abgedämpft in der Sehnsucht nach
der Ohnmächtigkeit wurde die Seele, und Bewußtheit, Besonnenheit trat ein.
Dasjenige, was wir heute als individueller Mensch erreichen müssen, wurde dazumal im Zusammenleben mit den anderen Menschen erreicht. Man brauchte sozusagen um sich eine Bevölkerung,
die mehr Todeskräfte in sich hatte als eine herrisch auftretende, aber
junge, nicht zu voller Besonnenheit kommende Bevölkerung. Die
rang sich hinauf zu dem, was sie als Menschen brauchten, dadurch,
daß sie eine andere Bevölkerung überwanden. Und so sind diese
oftmals so furchtbaren, uns heute so barbarisch anmutenden altorientalischen Kämpfe nichts anderes als die Impulse der Menschheitsentwickelung überhaupt. Sie mußten da sein. Sie sind die
Impulse der Menschheitsentwickelung. Die Menschheit hätte auf
der Erde sich nicht entwickeln können, wenn nicht diese uns heute
barbarisch anmutenden furchtbaren Kämpfe und Kriege vorhanden
gewesen wären.
Die Eingeweihten der Mysterien, die sahen dann eben die Welt
doch schon so, wie sie heute gesehen wird, nur verbanden sie damit
eine andere Seelenverfassung, eine andere Gesinnung. Für sie war
dasjenige, was sie in scharfen Konturen erlebten, so wie wir heute
beim sinnlichen Wahrnehmen die äußeren Dinge in scharfen Konturen erleben, für sie war das immerhin dasjenige, was von den
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 23 3 Seite: 37
Tafel 3
Göttern kam, auch für das menschliche Bewußtsein von den Göttern
kam. Denn wie trat das vor einen damaligen Eingeweihten?
Sehen Sie, da war vielleicht, sagen wir, der Blitz. Nehmen wir
ein recht anschauliches Bild. Nun, ihn sieht der heutige Mensch
so, wie Sie ja wissen, daß man eben den Blitz sieht (siehe Zeichnung, oben). Das sah der alte Mensch nicht so. Der sah hier lebend-geistige Wesenheiten sich bewegen (gelb), und die scharfen Konturen
des Blitzes verschwanden vollständig. Das war ein Heereszug oder eine
Prozession von Geistwesen, die über dem oder im Weltenraum vorwärtsdrangen. Den Blitz als solchen sah er nicht. Er sah einen Geisterzug durch den Weltenraum schweben. Für den Eingeweihten
wurde das so, daß er ja auch wie die anderen Leute diesen Heereszug
sah, aber für sein Schauen, das in ihm entwickelt worden war,
konnte sich, indem das Bild von dem Heereszug allmählich sich
dämpfte und dann verschwand, der Blitz herausentwickeln in der
Gestalt, wie ihn heute jeder sieht. Die ganze Natur, wie sie heute
jeder sieht, mußte in alten Zeiten erst durch die Initiation errungen
werden. Aber wie empfand man dieses? Auch dieses empfand man
durchaus nicht in der Gleichgültigkeit, mit der man heute ErkenntCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 3 3 Seite: 3 8
nisse oder Wahrheiten empfindet. Man empfand dieses durchaus
mit einem moralischen Einschlag. Und wenn wir uns das anschauen,
was mit den Jüngern der Mysterien geschah, so müssen wir uns das
Folgende sagen: Sie wurden eingeführt in diejenige Naturanschauung, die dann später die naturgemäße, allen zugängliche war. Einzelne nur wurden durch harte innere Prüfungen und Proben zu
dieser Naturanschauung hingeführt. Dann aber hatten sie ganz
naturgemäß folgende Empfindung: Da ist der Mensch mit seinem
gewöhnlichen Bewußtsein. Er sieht diesen Heereszug von Elementarwesen durch die Lüfte reiten. Aber er ist dadurch, daß er eine solche
Anschauung hat, bar des menschlichen freien Willens. Er ist ganz
hingegeben an die göttlich-geistige Welt. - Denn in diesem
wachenden Träumen, träumenden Wachen lebte der Wille nicht als
freier, sondern als derjenige, der in den Menschen einströmte als
der göttliche Wille. Und der Eingeweihte, der den Blitz nun herauskommen sah aus diesen Imaginationen, der empfand das so, daß er
sagen lernte durch seinen Initiator: Ich muß ein Mensch sein, der in
der Welt sich auch bewegen darf ohne die Götter, für den die Götter
auswerfen ins Unbestimmte den Welteninhalt. - Es war gewissermaßen für die Initiierten dasjenige, was sie in scharfen Konturen
sahen, der von den Göttern ausgeworfene Welteninhalt, an den der
Eingeweihte herantrat, um unabhängig zu werden von den Göttern.
Sie begreifen, es wäre ein unerträglicher Zustand gewesen, wenn
er nicht irgendein ausgleichendes Moment gehabt hätte. Das hat er
aber gehabt. Denn indem der Eingeweihte auf der einen Seite Asien
erleben lernte gottverlassen, geistverlassen, lernte er auf der anderen
Seite einen noch tieferen Bewußtseinszustand kennen als derjenige
war, der zur zweiten Hierarchie hinreichte. Er lernte kennen
zu seiner entgötterten Welt die Welt der Seraphim, Cherubim und
Throne.
In einer bestimmten Zeit der asiatischen Entwickelung, die etwa
die mittlere ist - wir werden über die Zeiten noch genauer zu sprechen haben -, war der Bewußtseinszustand dieser Menschen, dieser
Eingeweihten so, daß sie über die Erde hingingen und ungefähr
schon den Anblick von den Erdenreichen hatten, den der moderne
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 23 3 Seite: 3 9
Mensch hat; aber das fühlten sie eigentlich in ihren Gliedern. Sie
fühlten ihre Glieder befreit von den Göttern in der entgötterten
Erdenmaterie. Aber dafür begegneten sie in diesem götterlosen
Lande den hohen Göttern der Seraphim, Cherubim und Throne.
Man lernte als Eingeweihter nicht mehr bloß kennen jene graugrünen Geistwesen, welche die Bilder des Waldes, die Bilder der
Bäume waren, sondern man lernte als Eingeweihter kennen den
Wald geistlos, aber man hatte dafür das Ausgleichende, daß man in
dem Walde gerade den Angehörigen der ersten Hierarchie begegnete, irgendeinem Wesen aus dem Reiche der Seraphim, Cherubim
oder Throne.
Das alles als soziale Konfiguration aufgefaßt, ist eben das
Wesentliche im geschichtlichen Werden des alten Orients. Und
die treibenden Kräfte der Weiterentwickelung, sie sind diejenigen,
die den Ausgleich suchen zwischen jungen Rassen und alten Rassen,
so daß die jungen Rassen an den alten reif werden können, gerade
an den unterworfenen Seelen reif werden können. Und so weit wir
nach Asien hinüberblicken, überall finden wir dies, daß junge
Rassen, die durch sich selber nicht besonnen werden können, die
Besonnenheit im Erobern suchen. Aber wenn wir den Blick von
Asien herüberlenken nach Griechenland, dann finden wir, daß da
etwas anders wird. In Griechenland drüben war auch schon in den
herrlichsten Zeiten der griechischen Entwickelung eine Bevölkerung,
welche allerdings das Älterwerden verstanden hat, aber nicht verstanden hat, das Älterwerden zu durchdringen mit voller Geistigkeit. Ich habe ja öfter aufmerksam machen müssen auf jenen charakteristischen Ausspruch des weisen Griechen: Besser ein Bettler
sein in der Oberwelt als ein König im Reiche der Schatten. - Mit
dem Tode draußen und mit dem Tode auch drinnen im Menschen
kam der Grieche nicht zurecht. Aber auf der anderen Seite hatte er
diesen Tod wieder in sich. Und so war bei dem Griechen nicht eine
Sehnsucht nach Besonnenheit, die als Impuls in ihm vorhanden
gewesen wäre, sondern bei dem Griechen war es die Angst vor dem
Tode. Diese Angst vor dem Tode empfanden die jungen orientalischen Völker nicht, denn sie zogen auf Eroberungen aus, wenn die
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:233 Seite: 4 0
Menschen als Rasse den Tod nicht in der richtigen Weise erleben
konnten.
Der innere Konflikt aber, den die Griechen mit dem Tode erlebt
haben, der führte als ein innerer Menschheitsimpuls zu dem, wovon
uns berichtet wird als dem Trojanischen Krieg. Die Griechen brauchten nicht den Tod bei einer fremden Bevölkerung zu suchen, um
die Besonnenheit sich zu erobern, die Griechen brauchten aber
gerade für dasjenige, was sie vom Tode empfanden, das innere
lebensvolle Geheimnis vom Tode. Und das führte zu jenem Konflikte zwischen den Griechen als solchen und den Menschen, von
denen die Griechen hergekommen waren in Asien. Der Trojanische
Krieg ist ein Sorgenkrieg, der Trojanische Krieg ist ein Angstkrieg.
Wir sehen, wie einander gegenüberstehen im Trojanischen Kriege
die Repräsentanten der kleinasiatischen Priesterkultur und die Griechen, die den Tod schon in sich fühlen, aber mit dem Tode nichts
anzufangen wissen. Die übrige orientalische Bevölkerung, die auf
Eroberungen auszog, die wollte den Tod, die hatte ihn nicht; die
Griechen hatten den Tod, wußten aber mit ihm nichts anzufangen.
Sie brauchten einen ganz anderen Einschlag, um mit dem Tode
etwas anfangen zu können. Achill, Agamemnon, alle diese Leute
tragen den Tod in sich, wissen aber nichts mit ihm anzufangen. Sie
schauen hinüber nach Asien. Und sie haben in Asien drüben eine
Bevölkerung, die in der umgekehrten Lage ist, die unter dem unmittelbaren Eindruck der entgegengesetzten Seelenlage leidet. Da
drüben sind diejenigen Menschen, die den Tod nicht in dieser intensiven Weise fühlen wie die Griechen, die den Tod fühlen als etwas,
was im Grunde doch lebenstrotzend ist.
In einer wunderbaren Weise hat das eigentlich Homer zum Ausdrucke gebracht. Überall, wo die Trojaner den Griechen gegenübergestellt werden - sehen Sie sich an die charakteristischen Figuren
Hektor und Achill -, überall ist dieser Gegensatz da. Und in diesem
Gegensatze drückt sich aus, was an der Grenze von Asien und
Europa geschieht. Asien hatte in jener alten Zeit sozusagen einen
Überschuß des Lebens über den Tod, sehnte sich nach Tod. Europa
auf griechischem Boden hatte einen Überschuß von Tod im MenCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:233 Seite: 41
sehen, mit dem man nichts anzufangen wußte. So standen sich Europa und Asien von einem zweiten Gesichtspunkte aus gegenüber:
auf der einen Seite der Übergang des rhythmischen Erinnerns in das
zeitliche Erinnern, auf der anderen Seite das ganz verschiedene Erleben gegenüber dem Tode in der menschlichen Organisation.
Wir werden dann morgen diesen Gegensatz, den ich Ihnen am
Schlüsse der heutigen Betrachtung nur andeuten konnte, genauer
betrachten, um so jene tief in die Menschheitsentwickelung einschneidenden Übergänge kennenzulernen, die von Asien nach
Europa herüberführen und ohne deren Verständnis im Grunde
genommen doch auch nichts in der gegenwärtigen Entwickelung der
Menschheit zu verstehen ist. |