DANKESWORTE von Dr. med. Friedrich Husemann
| Seite | Text |
| 91 |
Bedürfnis, darauf noch einmal zurückzublicken. Wir haben, glaube ich,
empfunden, daß gerade mit diesem Kursus noch ein gewisser Höhepunkt
dessen gegeben ist, was wir bisher von Herrn Dr. Steiner als Anregungen für
die Medizin bekommen durften. Daß es möglich war, einen Kursus hier zu
halten für Ärzte und Künstlerinnen scheint mir doch ein Symbol gewissermaßen dessen, was wir eigentlich mit unseren anthroposophischen Bestrebungen in der Medizin wollen. Daß diese Synthese zustande kommen konnte
ist vielleicht doch auch eine Erfüllung dessen, was Goethe in bildhafter
Weise in seinem «Wilhelm Meister» einmal sagte, daß man die Medizinstudenten eigentlich nicht so sehr anatomisieren lassen sollte als vielmehr
synthetisieren. Man sollte sie unterrichten, den menschlichen Körper wiederum zusammenzusetzen aus den einzelnen Muskeln, Knochen und Organen,
und aus diesem Gefühl des Zusammensetzens heraus würde sich auch das
gesunde Gefühl des Heilens ergeben.
Das, glaube ich, ist gerade mit diesem Kurs doch vor uns hingestellt, wie
diese Möglichkeit des synthetischen Denkens und Fühlens wieder in uns
angeregt werden kann, und daß gerade ein solcher Kursus, der zeigt, wie das
Wort, wie das Geistige übergeht in die Bewegung, auf den Körper, daß er
uns geradezu zum Tun anregen sollte und nicht zum Reden. Das liegt ja
eigentlich in der ganzen Tendenz dessen, was uns hier gegeben ist.
Und darin liegt nun anderseits wieder eine kleine Schwierigkeit. Denn
gerade wenn man sich zum Tun angeregt fühlt, kann man ja dazu kommen,
zu viel zu tun, und es liegt so außerordentlich nahe, daß nun alle die
Anregungen, die hier gegeben sind, eben recht viel und überall angewendet
werden. Und da hat nun unsere Vereinigung gerade gebeten, noch einmal
doch das recht ernst zu nehmen, was Herr Dr. Steiner wiederholt betont hat,
daß man diese therapeutischen Anregungen eben doch als Therapeutische
betrachten möchte, das heißt als solche, die unter der Kontrolle oder unter
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 315 Seite: 91
der Mitwirkung eines Arztes eben angewendet werden sollen, daß man nicht
blind drauflos sie anwenden soll, denn das kann ja selbstverständlich zu
schweren Mißerfolgen führen, wenn das geschieht, und wir müssen andererseits ja auch bedenken, daß alles, was als Dilettantisches dann herauskommt
an die Öffentlichkeit, das dann doch schwer schädigend auf uns, auf unsere
Bewegung zurückwirken kann.
Deshalb wollten wir Sie bitten, diese Ermahnungen, die Herr Dr. Steiner
in dieser Beziehung gerade an uns gerichtet hat, doch recht ernst zu nehmen.
Das, was hier gegeben ist, muß eben von uns verarbeitet werden. Aber das
kann nur in ersprießlicher Weise geschehen, wenn wir eben zusammenarbeiten so, wie wir jetzt hier zusammengewesen sind. Deshalb möchte ich damit
schließen, daß wir unseren Dank gegenüber Herrn Dr. Steiner eben gerade
dadurch zum Ausdrucke bringen, daß wir wirklich das weiter verarbeiten,
aber daß wir uns auch nicht nur tätig hineinstellen in unsere Bewegung,
sondern gerade mit Verständnis. |