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Dornach, 13. April 1921, ZWEITER VORTRAG : Heileurythmie-Kurs gehalten in Dornach für Eurythmisten und Ärzte II

Dornach, 13. April 1921, ZWEITER VORTRAG : Heileurythmie-Kurs gehalten in Dornach für Eurythmisten und Ärzte II

Charakter des Vokalischen und Konsonantischen. Sprache und Bewegung in inniger Verbindung in früheren Zeiten und gelockert heute. Das Wieder-in-Bewegung-Bringen des Körpers in der Eurythmie. Das Überführen der einzelnen Vokale aus der Eurythmie in das Therapeutische: I, U, O, E, A - Armbewegungen und Indikationen für die einzelnen Vokale und das Vokalisieren im Allgemeinen. Beinbewegungen zu den Vokalübungen. Das Sichinnerlich-Abphotographieren als das Wirksame für das therapeutische Konsonantieren. M, S, H im Verhältnis zu Luzifer und Ahriman.

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vor Ihnen zu besprechen. Wir brauchen uns nur zu vergegenwärtigen, wie aus der Geisteswissenschaft uns bekannt ist, daß Vokale eigentlich mehr aussprechen dasjenige, was im Inneren des Menschen lebt an Gefühlen, an Emotionen und so weiter. Konsonanten, die drücken mehr dasjenige aus, was das äußerlich Gegenständliche ist. Bleiben wir also innerhalb der Sprache, so gelten diese beiden Sätze: Vokale mehr Ausdruck, mehr Offenbarung für das Innere der Gefühle; wir offenbaren gewissermaßen uns im Vokal, also dasjenige, was wir über einen Gegenstand empfinden, was wir über einen Gegenstand fühlen. Konsonanten passen sich mit den Bewegungen, die Zunge, Lippen, Gaumen und so weiter ausfuhren, mehr plastisch an die äußere Form der Gegenstände an, die aber natürlich dann geistig empfunden werden, versuchen sie nachzubilden. Es sind so im Grunde alle Konsonanten eine Nachbildung mehr des äußerlichen Formseins der Dinge. Nun aber kann man so im Grunde genommen nur sprechen über Vokale und Konsonanten, wenn man im Auge hat einen früheren Zustand der Menschheitsentwickelung, einen Zustand, in dem eigentlich die Sprachentwickelung gegeben war, und in dem das Bewegen des ganzen [Leibes], also der Glieder des Leibes eine Selbstverständlichkeit war, in dem gewissermaßen die einzelnen Laute immer mit Bewegungen des Leibes verbunden waren. Diese Verbindung ist ja im Laufe der Menschheitsentwickelung gelockert worden. Die Sprache wurde mehr überhaupt nach dem Inneren genommen und die Bewegungsmöglichkeiten, die Bewegungsausdrücke hörten auf, und im gewöhnlichen Leben sprechen wir heute, ohne viel die Sprache mit den entsprechenden Bewegungen zu begleiten. In der Eurythmie holen wir nun wiederum dasjenige, was an Bewegungen die Vokale und Konsonanten begleitet hat, heran und bringen so den Körper wiederum in Bewegung. Nur müssen wir jetzt uns darauf besinnen, daß wir gewissermaßen bei dem Vokalsprechen die Bewegung weglassen und den ganzen Vokal, der gewissermaßen vorher in der äußeren Bewegung mitgelebt hat, daß wir diesen Vokal verinnerlichen. Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 315 Seite: 2 7 Wir nehmen ihm etwas weg auf seinem Wege nach innen. Wir nehmen ihm die Bewegung weg. Daher ist es beim Vokal so, daß wir dasjenige, was wir ihm auf dem Wege nach innen weggenommen haben, daß wir ihm das in der äußeren Bewegung wiederum geben. So daß beim Vokal alles so liegt, daß bei ihm außerordentlich viel auf die äußere Bewegung ankommt, wenn wir nun den Übergang suchen wollen von der Wirkung dieses Vokals, eurythmisch ausgedrückt, auf den ganzen Menschen. Das ist dasjenige, was wir dabei berücksichtigen müssen. Also indem wir heute vom Vokalischen sprechen, sprechen wir so rein von der Bedeutung desjenigen, was bewegungsmäßig, eurythmisch vokalisiert wird. Und es handelt sich da sehr darum, daß man sich eine Empfindung von dem erwirbt, was in die Bewegung gewissermaßen hineinfließt. Also daß man sich ein Anschauungsbewußtsein erwirbt, ob dasjenige, was mit dem entsprechenden Gliede des Menschen geschieht, ob das ein Strekken ist, ob es ein Runden ist und dergleichen. Man muß durchaus sich davon ein deutliches Bewußtsein erwerben. Das ist beim Vokalischen außerordentlich wichtig, daß man gewissermaßen die Bewegung oder die Haltung, die gemacht wird, fühlt. Das ist das Wichtige. Und von da ausgehend wollen wir jetzt einmal einzelne Vokale aus dem Eurythmischen ins Therapeutische herüberholen. Praktisch vorgeführt (Frau Baumann): Ein deutliches I durch Strecken mit beiden Armen. Dieses Strecken, das müßte man nun so bewirken, daß man jetzt wiederum zurückgeht [in die Ausgangsstellung]„ und jetzt dieselbe Bewegung etwas tiefer ausführt, wieder zurückgeht und beides horizontal macht. Jetzt gehen wir wieder zurück, und wenn Sie zuerst rechts vorne waren, so nehmen Sie jetzt, indem Sie nach unten gehen, rechts rückwärts, und nun nach vorn, jetzt etwas zurück und wiederum etwas tiefer. Nun will ich Sie nicht weiter plagen, aber wenn man nun das ausführen sollte, so könnte man es noch mehr komplizieren dadurch, daß man noch mehr Stellungen nimmt, daß man also geradezu von dem I ausgeht, zurückgeht, ein wenig weitermacht, wiederum zurückgeht, ein wenig weitermacht und so weiter, so daß man möglichst viele solche I-Stellungen hat, die man von oben bis nach unten macht mit immer wie- * Frühere Herausgeber-Hinweise «Ruhestellung» jetzt ersetzt durch «Ausgangsstellung», wie Rudolf Steiner selbst sagt bei den Anweisungen zur U-Übung. Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 315 Seite: 2 8 derum Zurückgehen der Sache [in die Ausgangsstellung]. Wenn man diese Bewegungen ausfuhren läßt, dann ist das ein Ausdruck für die menschliche Person. Es drückt sich die ganze individuelle Person dadurch aus. Nun können wir zum Beispiel die Bemerkung machen: Irgendein Kind oder meinetwillen auch ein erwachsener Mensch kann sich nicht ordentlich äußern als Person. Er ist irgendwie verhindert, als volle Individualität sich zu äußern. Er wäre also in gewissem Sinne vielleicht ein Träumer und dergleichen. Oder aber, wenn wir an ein physisches Übel denken bei einem Kinde, würden wir haben, sagen wir das physische Übel es lernt nicht ordentlich gehen, es geht ungeschickt, oder wir bemerken auch noch bei einem Erwachsenen, daß es wünschenswert ist, daß er aus gewissen hygienischen oder therapeutischen Gründen besser gehen lernt, dann wird diese Übung zunächst für diesen Zweck außerordentlich in Betracht kommen. Bei Erwachsenen bedeutet ja das, wenn sie einen, sagen wir zu wenig ausschreitenden Schritt haben, daß sie nicht ordentlich ausgreifen mit ihrem Schritt, das bedeutet eigentlich immer, daß darunter ihre Blutzirkulation leidet. Die Blutzirkulation leidet unter einem nicht genügend ausgreifenden Schritt. Also wenn die Leute so gehen (trippelnd), so hat das immer zur Folge, daß die Blutzirkulation in irgendeiner Weise langsamer wird, als sie für die betreffende Individualität werden soll. Dann muß man versuchen, daß diese Person weiter ausschreiten lernt, aber man wird ein sicheres Ziel erreichen, wenn man sie diese Übung machen läßt. Dann wird sie eben die größeren und durchgreifenderen Erfolge haben in bezug auf das ordentliche Gehenlernen. So daß man sagen kann, diese modifizierte I-Übung, die ist im wesentlichen fördernd für die Personen, die - nun, ich drücke es etwas radikal aus - nicht ordentlich gehen können. So kann man es ungefähr fassen für Personen, die nicht ordentlich gehen können. Nun können Sie sie aber noch weiter ausführen, diese Übung, und sie wird ebenso nützlich sein, wenn Sie gewissermaßen das Resümee dessen, was jetzt Frau Baumann gemacht hat, noch hinzufügen. Jetzt versuchen Sie, diese ganze I-Übung, ohne Zurückbringen der Arme [in die Ausgangsstellung], so zu machen, daß Sie die letzte Stellung durch das bloße Drehen herauskriegen: Drehen in der Ebene, schnell, schneller, noch schneller. - Das würde also dasjenige sein, wodurch man diese I-Übung, die man zuerst so gemacht hat, wie wir es beschrieben haben, wodurch man diese dann Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 315 Seite: 2 9 steigert, und das würde zu dem Resultat fuhren, daß Personen dadurch gefördert würden, die nicht ordentlich gehen können. Es wird dann außerordentlich leicht sein, sie zum ordentlichen Gehen zu bringen. Man kann sie dabei noch ermahnen, daß sie ordentlich gehen sollen, und es wird außerdem dieses Anders-gehen-Lernen einen entsprechenden Erfolg haben. Nun wird Frau Baumann so gut sein, uns eine U-Übung vorzumachen. Recht hoch hinauf, zurück die Arme, in die Ausgangsstellung zurück, jetzt ein wenig tiefer, wieder zurück, ein wenig tiefer, jetzt horizontal, jetzt wieder zurück, jetzt nach unten, jetzt wieder zurück, weiter nach unten; das ist das Prinzip. Und jetzt machen Sie es gleich so, daß Sie es nach oben machen und gehen Sie jetzt also, indem Sie herunterbewegen, - lassen Sie das U sein - und gehen Sie auf und ab und machen Sie es jetzt immer schneller, so daß Sie zuletzt eine ziemliche Schnelligkeit haben. Das würde ich bitten, jetzt als die Ausführung* der U-Bewegung ins Auge zu fassen. Und es ist dieses - wenn ich mich jetzt in derselben Weise zusammenfassen sollte, wie ich es früher gesagt habe - die Bewegung für Kinder oder erwachsene Menschen, die nicht stehen können. Beim I hatten wir: die nicht gehen können, beim U: die nicht stehen können. Nun, nicht stehen können heißt: überhaupt schwach mit den Füßen bestellt sein und sehr leicht ermüden beim Stehen. Es heißt auch zum Beispiel, nicht ordentlich genügend lange Zeit auf den Fußspitzen stehen können oder nicht genügend lange Zeit, ohne daß man gleich ungeschickt ist, auf den Fersen stehen können. Diese Übungen müssen ja bei Menschen gemacht werden - auf den Fußspitzen stehen können und auf den Fersen stehen können, das sind keine eurythmischen Übungen -, aber sie müssen von Menschen gemacht werden, welche schwach auf den Beinen sind, welche beim Stehen leicht müde werden oder welche überhaupt nicht ordentlich stehen können. Nicht ordentlich stehen können heißt auch: beim Gehen müde werden. - Also ich bitte, das ist technisch zu unterscheiden: Es ist etwas anderes, ungeschickt gehen oder beim Gehen müde werden. Wenn man also beim Gehen müde wird, so handelt es sich um die U-Übung. Ungeschickt sein beim Gehen oder eben durch seine ganze Konstitution es hervorrufen, daß es wünschenswert ist, daß man mehr ausschreiten lernt, * Im Stenogramm steht hier für «Ausführung»: «Ausbewegung», was aber eher ein Hörfehler sein könnte. Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 315 Seite: 3 0 das heißt, nicht gehen können, technisch gesprochen. Aber müde werden beim Gehen, das heißt, technisch gesprochen, nicht stehen können. Und für solche Leute ist diese U-Übung ganz besonders dasjenige, um was es sich handelt. Es ist dieses mit Dingen zusammenhängend, die wir dann, wenn wir weitergekommen sind, noch auseinandersetzen wollen. Wenn Sie vielleicht so gut sind und jetzt eine O-Bewegung machen, recht [weit] nach oben, und zurück [in die Ausgangsstellung] und jetzt etwas weiter nach unten, jetzt wieder zurück, wieder weiter nach unten und so fort. Aber jetzt machen Sie sie gleich so, daß Sie die O-Bewegung nach oben machen und jetzt aber richtig, also fühlen die Rundung der Arme in der Bewegung, indem Sie hinuntergleiten. Wenn Sie mit der O-Bewegung hinuntergleiten, so muß das O bleiben. Jetzt immer schneller und schneller. Nun, diese Bewegung, die würden Sie vollständig sehen, meine Freunde, in der glanzvollsten Anwendung, wenn Sie jetzt hier vor sich hätten eine richtig dickliche Person. Wenn also ein Kind unnatürlich dicklich wird oder auch eine erwachsene Person unnatürlich dicklich wird, dann wird diese Übung diejenige sein, die man dann anwenden muß. Es ist alles dasjenige, was im eurythmischen O, wenn es also dauernd gemacht wird, dadurch, daß man es so oft macht, und daß man es zuletzt gewissermaßen zu diesem faßförmigen Körper hier erweitert - denn es ist ja ein Faß, das man umschreibt, das man außer sich umschreibt -, dadurch wird tatsächlich dasjenige ausgeführt, was der Gegenpol ist zu denjenigen dynamischen Tendenzen, welche im Dicklichwerden der Menschen wirken. Es ist dasjenige, was also sehr gut hygienisch und therapeutisch angewendet werden kann, und Sie werden sich wohl überzeugen, daß, wenn Sie diese Bewegung bei solchen Menschen ausführen lassen, daß dann in der Tat eine Tendenz auftaucht, dünner zu werden, insbesondere wenn Sie noch andere Dinge ausführen lassen, die wir noch besprechen wollen. Aber es ist gleichzeitig dieses, daß die Bewegung - gerade bei dieser Bewegung ist das von besonderer Bedeutung - daß Sie die Bewegung so lange ausführen lassen, daß die Person nicht zu stark schwitzt, nicht zu warm wird. Also man muß schon versuchen, diese Bewegung so ausführen zu lassen, daß man immer wiederum ausruhen läßt inzwischen, wenn man das erreichen will, was erreicht werden soll. Nun wird Frau Baumann vielleicht so gut sein, uns eine E-Bewegung Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 315 Seite: 31 zu machen, recht hoch oben. Es ist erst eine E-Bewegung, wenn dieses drüber liegt, so daß es sich berührt. Nun gehen Sie zurück [in die Ausgangsstellung], etwas tiefer, Ihre rechte Hand über Ihren linken Arm, dann aber, damit das recht wirksam wird, machen wir es noch so, daß wir es mehr zurückliegend ausführen und jetzt wiederum von oben nach unten; denn das E muß gründlich gemacht werden. Und dann machen wir die eine Bewegung, indem wir das nach unten führen, die andere Bewegung, indem wir das nach unten führen, also weiter zurück, so lange, bis Sie sich da hinten die Ärmelnaht zerreißen. Nun, diese Bewegung ist diejenige, die fördernd sein wird insbesondere bei Schwächlingen, also bei Dünnlingen statt bei Dicklingen, bei solchen, bei denen das Schwachsein so recht von innen kommt, aber organisch bedingt ist. Es muß organisch bedingt sein. Nun die andere Übung, die mit dieser parallel betrachtet werden kann, muß man dann mit einiger Vorsicht anwenden, denn sie geht mehr auf das Seelische, und sie ist die folgende: Wenn Sie ein E nach rückwärts machen, so gut Sie es können, und jetzt so weit herein“, als Sie können. Das tut ernstlich weh. Das ist eine Bewegung, die als solche ein bißchen weh tut, und das ist auch der Zweck. Und es ist dieses auszuführen bei denjenigen Kindern oder erwachsenen Personen, bei denen seelische Gründe für das Dünnwerden vorliegen, abgehärmt sein und dergleichen. Da es überhaupt so ist, daß man vorsichtig sein muß mit einem von außen an den Menschen Herangehen mit Heilungen, von außen herangehen mit solchen geistigen Mitteln, so muß natürlich dieses auch mit Vorsicht angewendet werden. Das heißt also, man muß versuchen, auch die moralischen Einflüsse auf ein verzagtes Kind oder auf ein deprimiertes, auf ein Depressionserscheinungen zeigendes Kind anzuwenden und so weiter, wenn man es diese Übungen machen läßt. Wenn man sich aber mit dem Kinde sonst beschäftigt, daß man es tröstet, indem man es auch seelisch behandelt, so kann man es auch diese Übungen machen lassen. Sie sehen daraus, daß es gewissermaßen bei allen diesen Dingen darauf ankommt, daß man dasjenige, was in der Eurythmie als Kunst zum Ausdruck kommt, in einer gewissen Weise erweitert. Das gilt insbesondere für das Vokalische. * In früheren Auflagen «herauf», im Stenogramm aber deutlich «herein» Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 315 Seite: 3 2 Nun ist es sehr wichtig, daß wir uns das Folgende klarmachen. Sie wissen also, das Vokalische kann in einer solchen Weise ausgebildet werden, und es ist im wesentlichen der Ausdruck für das Innere. Allein man muß eine gefühlsmäßige, anschauungsmäßige Auffassung desjenigen haben, was da geschieht. Also bei demjenigen, den man diese Sachen dann zu Heilzwecken ausfuhren läßt, bei dem muß man durchaus darauf bedacht sein, daß er die Dinge fühlt, also beim E richtig das Bedecken des einen Gliedes durch das andere fühlt. Beim O kommt aber noch etwas in Betracht. Beim O soll nicht nur gefühlt werden dieses Kreisschließen, sondern es soll auch die Biegung gefühlt werden. Man soll also fühlen, daß man einen Kreis bildet. Also man soll den Kreis, der da durchgeht, fühlen. Und wenn besonders wirksam gemacht werden soll das O, dann mache man denjenigen, der es macht, aufmerksam darauf, daß er fühlen soll außerdem so, wie wenn er selbst oder ein anderer ihm einen Strich längs des Brustbeines machen würde, so daß gewissermaßen das Ganze nach rückwärts geistig durch das Gefühl abgeschlossen ist; also, wie wenn man so etwas fühlte, wie wenn man selbst oder wenn ein anderer einem einen Strich machte am Brustbein. Nun wollen wir ein A machen: Jetzt gehen wir wieder zurück [in die Ausgangsstellung], jetzt machen wir ein A tiefer, gehen wieder zurück, machen ein A horizontal, zurück, machen ein A gesenkt, zurück, machen ein A ganz tief, zurück, dann nach rückwärts; das brauchen Sie nur einmal zu machen, aber zurückgehen [in die Ausgangsstellung] zuerst. Und jetzt machen Sie das A oben und fahren, ohne den Winkel zu verändern, nach unten, jetzt ohne daß Sie das Gefühl haben, den Winkel zu verändern, gehen Sie nach rückwärts. Diese Übung, die kann auch wirksam werden dadurch eigentlich nur, daß man sie recht oft ausführen läßt. Also recht oft ausführen lassen. Und wenn man sie recht oft ausführen läßt, dann ist sie die Übung, die man anwenden soll bei Personen, die gierig sind, bei denen die Tiernatur besonders stark auftritt. Also wenn Sie so richtig in der Schule zum Beispiel haben ein Kind, das so richtig ein kleines Tierlein ist nach jeder Beziehung - und das organisch bedingt ist -, und Sie lassen es diese Übung ausfuhren, so werden Sie sehen, daß sie für dieses Kind eine ganz besondere Bedeutung hat. Diese Übungen, Sie sehen wiederum an ihnen, daß ja, wenn sie schul - Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 315 Seite: 3 3 mäßig eingeführt werden sollen, es notwendig ist, daß man die Kinder besonders dazu einteilt, und man wird sich auch überzeugen, daß die Kinder diese Übungen weit weniger gerne machen als die eurythmischen Übungen sonst. Zu den eurythmischen Übungen drängen sie sich, bei diesen Übungen wird man ihnen jedenfalls höchst wahrscheinlich sehr zureden müssen; denn sie werden sich zunächst so verhalten dazu, wie sich Kinder oftmals gegen das Einnehmen von Arzneien verhalten. Sie werden keine rechte Freude daran haben, aber das schadet eigentlich bei diesen Übungen allen nicht besonders, die sich auf das U, O, E und A beziehen; bei dem I schadet es etwas, wenn die Kinder keine Freude daran haben. Da muß man versuchen, das zu erreichen, daß diese I-Übung, wie wir sie gemacht haben, den Kindern Spaß macht. Bei den andern ist es so, daß, wenn sie es auf Autorität ausführen und wissen, sie sollen es pflichtgemäß tun, da schadet es nicht besonders, bei dem U, O, E, A. Bei dem I ist es aber wichtig, daß die Kinder Spaß haben dabei, weil das auf die ganze individuelle Person geht, wie ich schon gesagt habe. Sie werden noch etwas davon haben, wenn Sie etwa das sich zurechtlegen: Das I offenbart den Menschen als Person, das U offenbart den Menschen als Mensch, das O offenbart den Menschen als Seele, das E fixiert das Ich im Ätherleib, es prägt sehr stark das Ich in den Ätherleib hinein, und das A wirkt der tierischen Natur im Menschen entgegen. Nun handelt es sich darum, diese verschiedenen Wirkungen noch weiter zu verfolgen. Wenn Sie einen Menschen haben, der unregelmäßige Atmung hat, irgendwie durch seine Atmung belästigt wird und dergleichen, dann werden Sie gerade durch die Anwendung dieses Vokalisierens es erreichen, daß dieser Mensch eine gewisse Normalisierung des Atmens erreicht. Insbesondere aber werden Sie durch diese Übungen erreichen, daß zum Aussprechen, zum deutlichen Aussprechen des Konsonantischen, dieses Vokalisieren von großem Vorteil ist. Also wenn Kinder möglichst früh, wenn man sieht, es gelingt ihnen nicht, gewisse Konsonanten mit den Lippen oder mit der Zunge zu formen -für Gaumenlaute ist es weniger anwendbar, aber für Lippen- und Zungenlaute außerordentlich gut -, wenn man es versucht, Kinder, die Schwierigkeiten in dieser Bildung haben, solche Vokalübungen machen zu lassen, so ist das wiederum außerordentlich förderlich für sie. Man wird aber auch merken, daß, wenn Personen neigen zu chroniCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:315 Seite:34 sehen Kopfschmerzen, migräneartigen Zuständen, daß man dadurch wesentliche Erleichterungen haben wird gerade durch dieses Vokalisieren. Also auch bei chronischem Kopfschmerz und bei chronischen Migräneerscheinungen, auch bei Eingenommenheit des Kopfes, werden sich diese Dinge ganz besonders gut anwenden lassen. Ebenso die Übungen, die wir heute gemacht haben, die ja bei gewissen Kindern - zum Beispiel, die gar nicht aufmerksam sein können, die verschlafen sind -, wenn man sie bei diesen Kindern anwendet, so werden Sie diese Kinder in einem gewissen Sinne zum Gewecktwerden bringen. Also das ist eine hygienisch-didaktische Seite, die von einer gewissen Wichtigkeit ist. Aber auch bei erwachsenen Menschen wird sich das durchaus noch zeigen können, daß man, wenn sie Schlafmützen sind, daß man sie erwecken kann dadurch. Dann wird man merken, daß, wenn die Verdauung des Menschen schwach ist, träge ist, daß man gerade durch diese Übungen günstig eine zu träge Verdauung und dann natürlich auch alles das, was man als zusammenhängend betrachten muß mit einer zu trägen Verdauung, daß man das ganz besonders fördern kann nach der guten Seite hin. Es würde aber nun auch bei einer gewissen hygienischen Eurythmie gut sein, wenn man womöglich versuchen würde, die Bewegungen, die eigentlich für die Kunsteurythmie bloß mit den Armen ausgeführt werden, wenn man diese, allerdings schwächer - ich werde gleich darüber noch sprechen -, ausführen ließe in einer gewissen Weise mit den Beinen. Nun werden Sie sagen, wie kann man zum Beispiel I mit den Beinen machen? Das geht sehr leicht. Man braucht ja nur das Bein vorzustrecken und das Strecken drinnen haben. Das U würde einfach dieses sein, daß man sich mit vollem Bewußtsein auf beide Beine stellt, so daß man ein deutliches Streckegefühl in beiden Beinen hat. Das O aber sollte man lernen mit den Beinen. Das besteht darinnen - und man soll schon auch Leuten, bei denen man notwendig findet, in der Weise, wie ich es beschrieben habe, die O-Bewegung auszuführen, die sollte man schon auch gewöhnen, die O-Bewegung mit den Beinen zu machen - , in entsprechender Weise etwas nach Außen stellen, aber wenig, die Zehen, und dann versuchen, in dieser Weise sich zu stellen. Aber auf den Zehenspitzen dabei stehen und nach auswärts biegen, ein wenig stehenbleiben, zurückgehen in die Normalstellung, wiederum das bilden und so weiter. Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 315 Seite: 3 5 T2 Es ist notwendig, daß man dabei berücksichtigt das Verhältnis, das besteht zwischen der Bewegungsmöglichkeit, der inneren organisch bedingten Bewegungsmöglichkeit für den mittleren Menschen und den unteren Menschen. Die ist so, daß sich dasjenige, was man ausführt für den unteren Menschen, also solch eine Bewegung, daß sich' dieses nur in Drittelstärke ausführen läßt. Also so daß Sie, wenn Sie jemanden die O-Bewegung, wie wir sie gesehen haben, ausführen lassen, so müssen Sie dann das Gefühl haben, daß, was Sie etwa hinterher machen lassen für die Füße und Beine, daß das nur ein Drittel der Zeit nimmt, also ein Drittels-Kraftaufwand ist, möchte ich sagen. Besonders wirksam wird es aber sein, wenn Sie es in die Mitte hinein verlegen, so daß Sie ein Drittel, ein Drittel, ein Drittel haben, so daß Sie also haben, sagen wir A und dann noch einmal A, und in der Mitte B, die Fußbewegung hinein (siehe Schema) und Sie zusammen haben ein Drittel, ein Drittel, ein Drittel, das wird von besonderer Wirksamkeit sein. T2 '6 Y: Von besonderer Wirksamkeit ist aber auch, dasselbe auszuführen im Zusammenhang mit der gezeigten E-Bewegung für die Füße, wo Sie die Füße richtig übereinanderlegen. Aber man muß auf den Zehenspitzen * Im Stenogramm «daß man dieses …», hier wurde entsprechend dem Satzanfang geändert in «daß sich dieses». Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 315 Seite: 3 6 stehen und die Beine übereinanderlegen, so daß sich die Beine berühren. Wiederum ein Drittel und womöglich in die Mitte verlegen. Das ist etwas, was ganz besonders gut ausgeführt werden sollte bei Kindern und auch bei erwachsenen Personen, die Schwächlinge sind. Sie werden es natürlich um so weniger machen können, aber das ist gerade das, worauf es ankommt, daß sie es eben lernen zu machen. Und gerade bei diesen Dingen sieht man, daß für die verschiedenen Menschen dasjenige am wichtigsten ist zu lernen, was sie am allerwenigsten können. Das müssen sie dann lernen, weil es eben gerade zu ihrer Gesundung notwendig ist. T2 Das A ist ebenfalls notwendig, das habe ich Ihnen schon gestern gezeigt. Das besteht eben darinnen, daß man, sich womöglich auf die Zehen stellend, diese gespreizte Stellung einnimmt. Das soll ebenfalls in die ABewegung eingeführt werden und wird da ganz besonders günstig wirken. Nun kann man aber alle Bewegungen, die wir jetzt beschrieben haben, auch noch dadurch steigern, daß man sie im Gehen ausführen läßt. Und Sie werden zum Beispiel ganz besonders viel erreichen für ein Kind, das schwach ist, wenn Sie es anleiten, die E-Bewegung im Gehen auszuführen, wie wir sie jetzt gemacht haben, aber so, wie wir sie jetzt gemacht haben, im Gehen auszuführen, aber außerdem es so gehen lassen, daß es sich abwechselnd immer berührt. Indem es vorschreitet, nimmt es das [eine Bein] herüber, dann das [andere], so daß es immer ein Bein über das andere stellt, so daß es immer das Zurückliegende„ mit dem andern nach vorwärts berührt. Es wird natürlich nicht gut vorwärtskommen; aber es ist doch dasjenige, was gut ist, ausführen zu lassen, also dieselben Bewegungen im Gehen auszuführen. Sie werden sagen, es kommen komplizierte Bewe- * «Zurückliegende» unklar im Stenogramm, könnte auch als «Zurückgehende» gelesen werden. Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 315 Seite: 3 7 gungen dabei zum Vorschein; aber es ist gut, wenn solche komplizierten Bewegungen zum Vorschein kommen. Nun möchte ich Sie noch darauf aufmerksam machen, daß dasjenige, was wir jetzt über das Vokalische gesagt haben, zunächst recht scharf gesondert werden soll von demjenigen, was wir morgen über das Konsonantische üben werden. Das Konsonantische, das ist im allgemeinen so, daß es das Äußere ausdrückt, wie wir schon gesagt haben. Der Konsonant wird ja auch in der Sprache so geformt, daß sich Lippen, Zunge namentlich, in einer solchen Weise formen, daß da eine Nachbildung, eine Imitation der äußeren Form vorliegt. Nun, das Konsonantische hat ja, wie wir morgen auch sehen werden, dann ganz besondere Arten von Bewegungen, und in diesen Bewegungsformen liegt es schon, daß der Konsonant in einer gewissen Weise wiederum verinnerlicht wird, indem er in eurythmischen Formen gegeben wird. Er wird verinnerlicht. Es wird dasjenige, was er in der Sprache auf dem Wege nach außen verloren hat, das wird ihm wiedergegeben, und beim Konsonanten, sowohl beim Anschauen, indem man Eurythmie als Kunst nimmt, wie namentlich wenn sie ausgeführt wird zum Zwecke der Person, wenn man sie ausführen läßt beim Konsonanten, ist es ganz besonders wichtig, daß man nun nicht etwa in derselben Weise wie beim Vokal ein Gefühl, also das Streckgefühl, das Biegegefühl, das Weitegefühl hat, sondern daß man beim Konsonanten gleichzeitig sich selbst in der Form vorstellt, die man ausführt, wenn man den Konsonanten macht, also wenn man sich gewissermaßen selber zuschaut. Hier sehen Sie am allerdeutlichsten, daß man die Kunsteurythmisten ermahnen muß, nicht beide Dinge durcheinanderzuwerfen; denn die Kunsteurythmisten, die werden nicht gut tun, sich immer zuzuschauen, da werden sie sich die Unbefangenheit nehmen und so weiter. Dagegen, wenn Sie ein Kind oder eine erwachsene Person Konsonantisches ausführen lassen, so ist es wichtig, daß sie sich gewissermaßen mit dem Gedanken innerlich selbst abphotographiert; denn darinnen liegt das Wirksame, daß sie sich innerlich selbst abphotographiert, daß sie sich also gerade in der Stellung darinnen richtig innerlich sieht, die sie ausführt, und wenn das wirklich so ausgeführt wird, daß die Person eine innerliche Anschauung hat von dem, was sie ausführt. Also, wenn Sie noch so gut sind, vielleicht uns vorzuführen, sagen wir Copyright Rudolf Steinet Nachlass-Verwaltung Buch: 315 Seite: 3 8 ein M konsonantisch zuerst mit der rechten Hand, jetzt mit der linken Hand, aber das zurücknehmend, jetzt die rechte Hand ganz zurücknehmend, mit der linken Hand ein M machen, jetzt mit beiden Händen - das kann natürlich wiederum vermannigfaltigt werden in vielfacher Weise. (Fräulein Wolfram): Nun ein M - gehen wir von diesem Beispiel aus, ein M, was ist es denn zunächst sprachlich? Sprachlich ist das M ein außerordentlich wichtiger Laut. Sie werden ihn sprachlich empfinden in seiner Wichtigkeit, auch sprachphysiologisch in seiner Wichtigkeit empfinden, wenn Sie ihn im Gegensatz betrachten zu dem S. Vielleicht macht uns Frau Baumann jetzt ein graziöses S, rechts, links, jetzt mit beiden Händen. Nun ist ja scheinbar zunächst das so, daß, wenn das S ausgeführt wird, Sie das Gefühl haben werden oder haben müssen, daß Sie sich selbst mit etwas in Ihnen - es ist nämlich der Ätherleib - daß Sie sich mit etwas in Ihnen so bewegen (R. Steiner macht die Bewegung), eine Schlangenlinie haben. Diese Schlangenlinie, die darf bei einem besonders scharf ausgesprochenen S sich der Geraden sehr nähern und kann sogar als Gerade vorgestellt werden. \ / T2 Dagegen, wenn Sie sich anschauen das M, welches eben ausgeführt worden ist, so müssen Sie das Gefühl haben, das ist eigentlich - wenn auch die organische Form, in der das ausgeführt wird, [ähnlich ist] - nicht genau dasselbe Element, nicht linienhaft dasselbe. Und so ist dann das M dasjenige, was sich, angelegt an die S-Richtung, sich entgegenlebt der S-Richtung, und das ist im Grunde genommen, sehen Sie, der große Gegensatz zwischen einem S und einem M. Ein S und ein M, das sind die zwei polarischen Laute. Das S, das ist - wenn ich mich jetzt anthroposophisch ausdrücken darf - das S ist der eigentlich ahrimanische Laut, und das M ist dasjenige, was Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 315 Seite: 3 9 das Ahrimanische in seiner Eigenschaft mildert, abmildert, was ihm, wenn ich es so sagen darf, seine ahrimanische Stärke nimmt, das M. So daß, wenn wir unmittelbar einen Lautzusammenhang haben, in dem S und M sich finden, wie zum Beispiel wenn wir den Lautzusammenhang «Samen» haben oder gar «Summe», dann haben wir in diesem Lautzusammenhang zuerst das stark ahrimanische Wesen im S, aber dann ihm die Spitze genommen im M. c T2 Vielleicht machen Sie uns noch ein H (Fräulein Wolfram). Wenn Sie das H nun richtig anschauen, wenn Sie sich so recht drinnen fühlen in diesem H, dann werden Sie sich sagen: In diesem H liegt etwas, was unmittelbar luziferisch sich ausnimmt. Es ist also das Luziferische in dem H, das da zum Ausdrucke kommt. Und nun versuchen Sie selbst jetzt anzuschauen - hier kommt es weniger auf das Fühlen als auf das Anschauen an -, versuchen Sie selbst jetzt anzuschauen, wenn Frau Baumann uns das jetzt machen würde, wenn man das H macht und es gleich übergehen läßt jetzt in ein M. Machen Sie das H zuerst und lassen Sie es langsam übergehen in ein M. Nun sehen Sie das einmal an. Da haben Sie die ganze Anschauung des Luziferischen abgemildert, ihm die Spitze genommen, in dieser Bewegung zum Ausdrucke gebracht. Diese Bewegung ist wirklich so, wie wenn man den Luzifer aufhalten würde. Es ist richtig so, wie wenn man den Luzifer aufhalten würde. Und es ist das ja für Sie auch hörbar, wenn Sie sich einfach darauf besinnen - der heutige Zivilisationsmensch kann sich eigentlich gar nicht mehr recht auf diese Dinge besinnen -, aber wenn Sie sich darauf besinnen: Wenn jemand zu etwas Luziferischem zustimmen will, aber das richtige Luziferische, das Eifrige des Zustimmens gleich herabmindert, so macht er «Hm, hm»; da haben Sie das H und das M eigentlich recht sehr aneinandergelegt, und da haben Sie die ganze Liebenswürdigkeit des herabstimmenden Luziferischen unmittelbar drinnen. Daraus sehen Sie, daß, sobald man ins Konsonantische übergeht, man übergehen muß zugleich in das Anschauen der Form. Das ist das Wichtige, und davon wollen wir also morgen weiterreden.|


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