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ZWEITER VORTRAG, Stuttgart, 27. Oktober 1922 : II ANTHROPOSOPHISCHE GRUNDLAGEN FÜR DIE ARZNEIKUNST II

ZWEITER VORTRAG, Stuttgart, 27. Oktober 1922 : II ANTHROPOSOPHISCHE GRUNDLAGEN FÜR DIE ARZNEIKUNST II

Die verschiedenen menschlichen Funktionen. Die Wesensglieder. Erleben im Ich-Punkt. Geschlechtsreife ist Höhepunkt der Tierentwicklung. Mensch: Physischer Leib: Laboruntersuchung. Ätherische Organisation: Struktur von Funktionen im belebten Flüssigen. Festes wird ins Flüssige eingelagert. Astralische Organisation: Greift ein im Luftförmigen. Gesetzmäßiger innerer Gasaustausch in Festem und Flüssigem. Fluktuierende Formung der Luftorganisation. Ich-Organisation: Unmittelbares Eingreifen in die Wärmedifferenzierungen. Weg der Nahrungsmittel bis zu Lymph- und Blutwegen. Beim Ptyalinisieren: Aufnahme ins Leben. Dann Überführen ins Gefäßsystem, in Herz-Lungen-Trakt, vom Unorganischen ins Lebendige. Der Sauerstoff der Atmung gliedert das Ätherische ins Physische ein. Kohlenstoff fixiert die physische Organisation. Kohlenstoff: Physische Organisation. Sauerstoff: Ätherische Organisation. Eiweißbildung. Nieren geben Zusammenhang des Astralischen mit übrigen Organen: Empfindungsfähigkeit, Beseeltheit. Kälte- und Wärmewirkungen: Nierenabsonderung. Bedeutung von Allantois und Amnion für die Keimesuntersuchung. Nierensystem und Stickstoff: Metamorphose von Harnsäure und Harnstoff. Ich-Organisation mit Wärmestruktur im Leber-Gallensystem. Tierreihe und Leber-Galle-Entwicklung. Letale Kinderkrankheiten bei Galleabsonderung. Ich-Organisation: Wasserstoff. Einjährige Pflanzen, Kartoffeln, Engerlinge. Verschiedene Strukturen der Stoffe in Blüten, Laubblättern, Wurzeln, Samen. Tees als Heilmittel.

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99 Wenn ich einrichten sollte ein medizinisches Studium für solche Menschen, welche unmittelbar an dieses Studium herankommen und dieses Studium im Verlaufe von einiger Zeit absolvieren wollen, so würde ich, nachdem die nötigen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse erworben sind, beginnen müssen mit der Auseinandersetzung der verschiedenen menschlichen Funktionen. Ich würde beginnen müssen damit, in einer Art anatomisch-physiologischer Weise, die Verarbeitung der Nahrungsmittel vom Ptyalinisieren durch das Pepsinisieren zunächst zu verfolgen bis zur Aufnahme der Nahrungsmittel in das Blut, würde also dann, nachdem der gesamte Verdauungsakt besprochen ist im engeren Sinne, übergehen müssen zu der Besprechung des Herz-Lungensystems mit allem, was damit zusammenhängt. Ich würde dann zu besprechen haben alles dasjenige, was zum Nierensystem des Menschen gehört. Das Nierensystem müßte dann besprochen werden im Zusammenhang mit dem ganzen Nerven-Sinnesapparat, der gar nicht so, ich möchte sagen, durch heute anerkannte Erkenntnis mit dem Nierensystem zusammenhängt, und dann müßte besprochen werden das Leber-, Galle-, Milzsystem, und auf dem Wege dieses Kreislaufes würde man langsam einen Überblick bekommen über die Einrichtungen im menschlichen Organismus, so wie man sie braucht, um dasjenige aufzubauen, was durch anthroposophische Geisteswissenschaft nun eigentlich erst aufgebaut werden muß. Dann würde man auf Grundlage, ich möchte sagen, der Durchleuchtung der sinnlich-empirischen Forschungsergebnisse, die so geordnet sein müßten, wie ich sie eben angegeben habe, zum Therapeutischen übergehen können.
Nun können Sie sich ja denken, daß über ein so umfassendes, weites Gebiet in ein paar Tagen nur einige Andeutungen gegeben werden können. Es können nur Andeutungen gegeben werden in der ganzen Medizinischen Woche von unseren verehrten ärztlichen Freunden, und es ist daher notwendig, daß ich eine Menge von
100 Dingen sage, die aufgebaut sind auf einer solchen Behandlung des empirischen Tatbestandes, die heute nicht üblich ist, die sich aber dennoch, wie ich glaube, zwanglos ergibt für jeden, der die entsprechenden physiologischen und auch therapeutischen Kenntnisse hat, so wie sie heute vorhanden sind. Natürlich wird manches hier anders gesagt werden müssen, als man es heute gewohnt ist, aber es ist eigentlich nichts, was, wenn man die heutigen sinnenfällig-empirischen Kenntnisse in ihrem ganzen Zusammenhang nimmt, nicht mit ihnen in irgendeinen Einklang schon gebracht werden konnte. Nun wird alles, was ich sagen kann, aphoristisch sein und im Grunde genommen nur das letzte Ziel angeben können. Der Ausgangspunkt würde aber sein die gegenwärtige sinnenfällige empirische Forschung, und der Zwischenweg, der müßte eigentlich gemacht werden durch die Arbeit der ärztlichen Freunde im weitesten Umfange, denn dieser Zwischenweg ist ein außerordentlich langer und ist schon durchaus notwendig aus dem Grunde, weil ja, so wie die Dinge heute liegen, dasjenige, was hier vorgebracht werden kann, im Grunde niemals voll anerkannt werden wird, bevor dieser Weg wenigstens für die wichtigsten Erscheinungen gemacht wird. Ich glaube auch nicht, daß das so schwierig ist, als das heute aussieht, wenn man nur sich dazu bequemt, die überall vorhandenen Vorarbeiten — manchmal außerordentlich guten, aber nur nicht gegipfelten Vorarbeiten, wie sie heute vorhanden sind — in den Rahmen einer solchen Gesamtauffassung, wie ich sie hier anzudeuten versuche, zu bringen.
Ich habe gestern versucht, Ihnen zu zeigen, wie man durch eine Erweiterung der gewöhnlichen Erkenntnis gewissermaßen an den Menschen herankommen kann. Nun, wenn Sie das berücksichtigen, was ich eben gesagt habe, so werde ich dazu auch noch das Folgende fügen dürfen. Sie werden es zunächst außerordentlich anstößig finden können, wenn auf dem Felde der Anthroposophie davon gesprochen wird, daß man den Menschen, so wie er einmal in der physischen Welt dasteht, gliedern müsse in ein physisch organisiertes System, in ein ätherisch organisiertes System, in ein — nun stoßen Sie sich eben nicht an Ausdrücken, sie sind nur da, um eine Terminologie zu haben —, in ein astralisch organisiertes System und dasjenige, was nun
101 den Menschen als eigentliches Ich-System so charakterisiert, daß er jene innere seelische Zusammenfassung, innerliche Seele entwickeln kann, die man beim Tier nicht findet, jene Zusammenfassung, welche auf der einen Seite dadurch erscheint, daß der Mensch sein inneres Erleben in einem, wenn ich mich so ausdrücken darf, Ich-Punkte vereinigen kann, von dem dann auch, wenigstens im bewußten Zustande, seine gesamte organische Tätigkeit in einem gewissen Sinne ausstrahlt, was sich andererseits dadurch ausdrückt, daß der Mensch wahrend seiner irdischen Entwickelung in einem anderen Verhältnisse steht zu der Geschlechtsentwickelung oder Geschlechterentwickelung als die tierische Organisation. Die tierische Organisation ist — selbstverständlich sind da immer Gründe zu einer ausnahmsweisen Entwickelung vorhanden — im wesentlichen doch diese, daß sie gipfelt in der Geschlechtsreife und daß ein gewisser Verfall da ist, der auch vielleicht unmittelbar nach der ersten Zeit der Geschlechtsreife nicht so ganz radikal auftritt, aber es ist ein gewisser organischer Verfall da, während beim Menschen tatsächlich die physische Entwickelung durch die Geschlechtsreife einen gewissen Aufschwung nimmt. So daß also äußerlich-empirisch, wenn man alle Faktoren berücksichtigt, sich schon eine gewisse Differenz zwischen dem Menschen und dem Tiere darbietet.
Nun könnten Sie sagen: So etwas ist ja eigentlich eine abstrakte Einteilung, wenn man spricht von physischer Organisation, ätherischer Organisation, astralischer Organisation und Ich-Organisation. Diesen Einwand, daß das eine abstrakte Einteilung wäre, haben auch manche Leute, besonders von Seiten der Philosophie her, gemacht. Man hat die Funktionen des menschlichen Organismus, und man unterscheidet sie — Unterscheidungen brauchen nicht immer auf sachliche Untergründe zurückzuweisen —, und so glaubt man, daß man es mit einer Abstraktion zu tun hätte. Das ist nicht der Fall. Was eigentlich hinter dieser Einteilung und Gliederung steckt, das wird sich uns im Verlaufe dieser Tage zeigen, aber es steckt nicht bloß die Sehnsucht dahinter, etwa so in Form eines Schemas die Dinge einzuteilen, sondern es ist tatsächlich so, daß, wenn wir von der physischen Organisation des Menschen reden, so umfaßt diese alles dasjenige,
102 was wir innerhalb des menschlichen Organismus so behandeln können, wie wir es behandeln in unseren Laboratoriumsversuchen und -Untersuchungen. Alles das umfassen wir, wenn wir von menschlicher physischer Organisation reden.
Wenn wir aber von der menschlichen ätherischen Organisation reden, so sind wir nicht in der Lage, unsere Denkweise gegenüber dieser ätherischen Organisation, die in die physische eingegliedert ist, so zu behandeln, daß wir stehenbleiben bei denjenigen Ideen und Gesetzmäßigkeiten, die wir an unseren Laboratoriumsversuchen und Laboratoriumsbeobachtungen haben. Und man möge zunächst denken wie man will über dasjenige, was sich der übersinnlichen Erkenntnis als ätherische Organisation des Menschen darbietet. Aber ohne daß man irgendwie einzugehen braucht auf die mechanistische oder vitalistische Methode, zeigt sich doch der unmittelbaren Anschauung — und das würde eben der Gegenstand langer Auseinandersetzungen sein, die sich einreihen würden in jenen Lehrplan, von dem ich vorhin gesprochen habe —, daß die gesamte ätherische Organisation, die Sie sich nur als eine Struktur von Funktionen zu denken brauchen, nun unmittelbar eingreift in alles dasjenige, was flüssiger Natur in der menschlichen Organisation ist. So daß wir die physische Denkweise beschränken müssen auf alles dasjenige, was fest in der menschlichen Organisation ist, also im Grunde genommen auf den festen Aggregatzustand, und daß wir zurechtkommen mit der menschlichen Organisation nur dann, wenn wir dasjenige, was flüssig ist in dieser Organisation, als nicht bloß Flüssiges, so wie wir es in der äußeren unorganischen Natur haben, sondern als Flüssiges betrachten, das durch und durch belebt ist, als lebendiges Flüssiges. Das ist das, was gemeint ist, wenn gesagt wird, daß der Mensch einen Ätherleib hat. Und wir brauchen gar nicht einzugehen auf Hypothesen über das Leben, sondern nur dasjenige zu nehmen, was wir zum Beispiel meinen, wenn wir sagen: Die Zelle ist belebt. Wir brauchen gar nicht weiterzugehen, gleichgültig, ob wir Mechanisten, Idealisten oder Spiritualisten sind. Wenn wir sagen: Die Zelle ist belebt, — so wie es der krasse Empiriker auch sagt, so zeigt sich für die unmittelbare Anschauung, die sich ergibt für die Methode, die ich
103 hier bespreche, daß das, was flüssiger Natur ist im Menschen, eben belebt ist. Das deckt sich aber mit dem, wenn wir sagen: Der Mensch hat einen Ätherleib. — So daß man alles Feste als Einlagerung in das Flüssige nehmen muß und damit schon jenen Gegensatz hat, daß man alles, was man in der unorganischen Welt kennenlernt an Ideen und Gesetzmäßigkeiten, auf das Feste im Menschen anwendet, und daß man nicht nur die kleinsten Organismen, die im Menschen sind, die Zellen, als lebendig behandelt, sondern daß man nun die Totalität des Flüssigen im Menschen als durchlebt ansieht.
Ferner, wenn man dann kommt zu demjenigen, was im Menschen gasförmiger Natur ist, so ergibt sich, daß alles dasjenige, was als Gasiges den Menschen erfüllt, in einem fortwährenden Austausch miteinander steht. Wir werden darauf aufmerksam machen müssen im Laufe dieser Tage, daß es nicht nur in einem unorganischen Austausch und auch nicht bloß in einem durch die festen Organe vermittelten Austausch steht, sondern daß im Menschen eine eigene Gesetzmäßigkeit herrscht, welche den inneren Gasaustausch, das Ineinanderwirbeln der Gase beherrscht. So wie wir eine innere Gesetzmäßigkeit haben nach dem Festen, sagen wir, die sich ausdrückt in dem Verhältnisse von Nieren und Herz, so müssen wir eine Gesetzmäßigkeit, die sich nicht erschöpft in der Gesetzmäßigkeit der physisch festen Organe, auch innerhalb des, wenn ich mich dieses Ausdruckes bedienen darf, Gas- oder Luftorganismus annehmen. Und diese Gesetzmäßigkeit, die nun dem Gas- oder Luftorganismus unmittelbar zugrunde liegt, bezeichnen wir in der Anthroposophie für den Menschen zunächst als die astralische Gesetzmäßigkeit, die astralische Organisation. Diese Gesetzmäßigkeit würde im Menschen nicht da sein, wenn der Mensch nicht eben durchsetzt hätte seine feste und flüssige Organisation mit der luftförmigen Organisation. In das Feste und Flüssige greift nicht unmittelbar die astralische Organisation ein, sondern sie greift unmittelbar in die luftförmige Organisation ein, und erst mittelbar greift wieder die luftförmige Organisation in jeder Art in die feste und flüssige ein, so daß nun im Luftmenschen, wenn ich mich so ausdrücken darf, eine organisierte astralische Organisation da ist, dadurch hat diese Luftorganisation eine bestimmte innere Formung,
104 die natürlich eine fluktuierende ist. Wir steigen einfach herauf durch die Aggregatzustände und kommen dazu, uns zu sagen: Betrachten wir den festen Menschen, so brauchen wir nicht etwas anderes anzunehmen als eine physische Organisation. Betrachten wir alles dasjenige, was als lebendiges Flüssiges die feste physische Organisation durchsetzt, so müssen wir etwas annehmen, was sich nicht erschöpft in der physischen Gesetzmäßigkeit, sondern da kommen wir zum ätherischen Organismus, der ein geschlossenes System darstellt. Und ebenso nenne ich astralische Organisation, was nun nicht unmittelbar eingreift in die feste und in die flüssige, sondern erst in die gasförmige Organisation. Ich nenne sie nicht astralische Gesetzmäßigkeit, sondern astralischen Organismus, weil es ein geschlossenes System ist.
Und ebenso kommen wir zur Ich-Organisation. Die greift unmittelbar nur ein in die Wärmedifferenzierungen, die im menschlichen Organismus sind, so daß man sprechen kann von einem Wärmeorganismus, einem Wärmemenschen. Und in diesen Wärmemenschen greift unmittelbar ein die Ich-Organisation, die natürlich dadurch, daß sie da ist als etwas Übersinnliches, die Wärmedifferenzierungen bewirkt, aber vor allen Dingen auch perzipiert, in ihnen lebt. In den Wärmedifferenzierungen lebt dann die Ich-Organisation unmittelbar, mittelbar im übrigen Organismus dadurch, daß die Wärme nun wirkt auf alle gasförmige, flüssige und feste Organisation.
So sehen Sie, wird der menschliche Organismus nach und nach durchsichtig. Aber alles dasjenige, was ich jetzt auseinandergesetzt habe, ist beim physischen Menschen auf dieser Erde so, daß es sich wiederum ausdrückt im physischen Menschen. Wenn wir gleich auf das hinschauen, was wir in gewissem Sinne die flüchtigste Organisation nennen können, die Ich-Wärmeorganisation, dann sehen wir, daß sie mittelbar hinunterwirkt auf die Gasorganisation, auf die flüssige Organisation und auf die feste Organisation, und ebenso die anderen, so daß sich immer in irgendeinem festen, zunächst durch äußere Anatomie konstatierbaren Organsystem dann ausdrückt, wie diese Gesamtgliederung eingreift in die menschliche Organisation, so wie man sie durch sinnlich-empirische Tatbestände kennt. Wir können
105 immer hinweisen auf Organsysteme, von denen nur das physische Organsystem unmittelbar in Beziehung steht zu seiner Gesetzmäßigkeit, also das Physisch-Feste, das Flüssige mittelbar, das Gasförmige noch mittelbarer und das Wärmeelement eben am allerentferntesten, aber eben doch auch durch Vermittlung in Beziehung steht.
Nun, alle die Dinge, die ich Ihnen jetzt nur wie in Zielgedanken andeuten kann, die können durch erweiterte Empirie einfach aus den Erscheinungen heraus überall belegt werden. Ich kann eben der kurzen Zeit wegen nur Zielgedanken anführen.
Wenn wir die menschliche Organisation nun nehmen, anatomischphysiologisch, dann können wir zunächst betrachten, welchen Weg das Nahrungsmittel nimmt, bis es an den Darmwandungen mit all den komplizierten Organen, die da sind, angelangt ist und aufgenommen wird in Lymph- und Blutwege. Also bis zur Aufnahme in Lymph- und Blutwege kann man zunächst, sagen wir, die Verdauung oder Ernährung in weitestem Sinne verfolgen. Wenn man sich zunächst auf dieses Gebiet beschränkt, dann kommt man mit dem, was man sich heute in der Naturwissenschaft aneignet durch eine allerdings nicht ganz mechanistische Betrachtungsweise, durchaus zurecht. Eine ganz mechanistische Anschauungsweise führt auch für dieses Gebiet eben nicht ganz zum Ziele, weil die Gesetzmäßigkeiten, die man äußerlich im Laboratorium beobachtet, und die man charakterisiert innerhalb der Naturwissenschaft als unorganische Gesetzmäßigkeiten, immerhin sich dann abspielen im Verdauungstrakt, also im lebendigen Organismus. Also das Leben nimmt sie von Anfang an auf. Sie werden ja sogleich beim Ptyalinisieren aufgenommen von dem Leben. Aber wenn man nur das berücksichtigt, daß gewissermaßen die äußere unorganische Gesetzmäßigkeit eingetaucht wird in das Leben des Verdauungstraktes, so kommt man eigentlich für das begrenzte Gebiet durchaus zurecht, wenn man sich nur hält an dasjenige, was innerhalb der physischen Organisation des Menschen beobachtet werden kann. Aber man muß dann sich eben durchaus klar darüber sein, daß gewissermaßen ein Rest der Ernährungstätigkeit, der Verdauungstätigkeit noch zurückbleibt, daß
106 die Ernährung auch nicht ganz fertig ist, wenn die Darmwand passiert ist, und daß man sozusagen für das Weitere eben andere Betrachtungsweisen einleiten muß. Aber für das begrenzte Gebiet kann man möglichst gut zurechtkommen, wenn man zunächst alle Umsetzungen, die stattfinden, ich möchte sagen, nach analogen Methoden betrachtet, wie dasjenige, was man äußerlich kennenlernt. Da findet man nun aber dasjenige, was nicht leicht von der heutigen Wissenschaft schon anerkannt werden kann, was aber dennoch eine Wahrheit ist, die sich schon aus der heutigen Wissenschaft durchaus ergibt. Und da würde es nun die Aufgabe unserer ärztlichen Freunde sein, die Dinge nun wirklich rein wissenschaftlich zu verfolgen und dann zu zeigen, daß sich einfach aus dem sinnenfälligempirischen Tatbestand heraus ergibt, daß durch die Aufnahme der Nahrungsmittel in das Ptyalinisieren und Pepsinisieren und so weiter die Nahrungsmittel so zubereitet werden, daß zunächst jede Spur ihres alten Seins in der äußeren Welt getilgt wird. Nicht wahr, wir nehmen Nahrungsmittel auf aus dem Mineralischen — vielleicht bestreiten Sie dafür den Ausdruck Nahrungsmittel, aber wir können uns ja verständigen, wenn ich irgendeinen Ausdruck gebrauchen will —, also nehmen wir aus dem mineralischen, pflanzlichen, tierischen Reiche Nahrungsmittel auf. Das, was wir da aufnehmen als Nahrungsmittel, ist durchgegangen durch die mineralische, die tierische und pflanzliche Organisation. Der menschlichen Organisation ist ja natürlich am ähnlichsten die Milch, die der Säugling von der Mutter empfängt. Er empfängt sie, unmittelbar nachdem sie die menschliche Organisation verlassen hat. Der Vorgang, der nun stattfindet innerhalb des menschlichen Organismus während der Nahrungsaufnahme, ist der, daß durch die Aufnahme in die verschiedenen Drüsenprodukte im wesentlichen jede Spur dieses Ursprunges getilgt wird. Man könnte sogar sagen, daß dasjenige, was es uns möglich macht, eine rein naturwissenschaftliche, unorganische Betrachtungsweise eintreten zu lassen, etwas ist, wofür uns die menschliche Organisation zu Hilfe kommt. In der Tat: Möglichst nahe kommt den äußeren physischen Prozessen der menschliche Nahrungsbrei in dem Momente, wo er vom Darm in die Lymph- und Blutbahn übergeführt
107 wird. Der Mensch tilgt das, was der Speisebrei äußerlich hat, noch aus. Er will ihn möglichst ähnlich haben unorganischer Organisation. Das braucht er, und dadurch unterscheidet er sich wiederum vom Tierreiche. Wenn Sie das Tierreich anatomisch-physiologisch verfolgen, so werden Sie finden, daß das Tier nicht in demselben Grade die Konstitution desjenigen tilgt, was in den Körper übergeht; für das, was Absonderungsprodukte sind, ist es etwas anderes. Was in den Körper übergeht, das bleibt beim Tiere noch ähnlicher der äußeren Organisation als beim Menschen, ähnlicher also dem Vegetativen und Animalischen, setzt sich noch gemäß seiner äußeren Konstitution in die Blutbahn hinein fort in seiner inneren Gesetzmäßigkeit. Beim Menschen ist die Organisation eben so weit fortgeschritten, daß der Mensch eigentlich, wenn er durchläßt seinen Speisebrei durch die Darmwand, ihn möglichst unorganisch gemacht hat. Da ist eigentlich tatsächlich der rein physische Mensch vorhanden in dem Gebiet, wo übergeht der Speisebrei aus dem Darm in die Herz-Lungenorganisation, wenn ich mich so ausdrücken darf.
Nun, hier ist es, wo zum ersten Male sozusagen die hier geübte Betrachtungsweise zur Ketzerei werden muß gegenüber der offiziellen Naturwissenschaft. Denn wenn Sie jetzt den ganzen Herz-Lungentrakt nehmen — also das Gefäßsystem —, wenn Sie diesen ganzen Trakt nehmen, so ist er eigentlich dasjenige, was nun überführt die, wenn ich mich so ausdrücken darf, ganz unorganisch gewordene Nahrung in Lebendiges. Die menschliche Organisation kann nicht bestehen, ohne daß sie ihr Lebendiges sich selber gibt. Es findet da nur in umfänglicherem Sinne — wir brauchen uns wieder nicht auf die innere Wesenheit einzulassen, sondern nur auf dasjenige, wovon wir in der Physiologie fortwährend reden — etwas Ähnliches statt wie in dem Momente, wo wir die unorganischen Partien, sagen wir des Eiweißes, in organisches, in lebendiges Eiweiß umgewandelt finden, totes Eiweiß in lebendiges Eiweiß. Wir können uns bei dem heutigen theoretischen Stande der Wissenschaft in der Kürze der Zeit nicht darauf einlassen, zu betrachten, wie die Pflanze lebendiges Eiweiß hervorbringt, aber tatsächlich findet dasjenige, was da geschieht, um das Eiweiß in lebendiges umzuwandeln, im Menschen
108 statt, nachdem der Speisebrei möglichst unorganisch gemacht worden ist, durch das Herz-Lungensystem, natürlich mit all seinen Anhängseln. So daß man sagen kann: Das Herz-Lungensystem ist da, um dasjenige, was physisches System ist, aufzufangen in die ätherische Organisation. Also wir haben ein Herz-Lungensystem als Menschen — beim Tiere ist es nicht in diesem Grade der Fall, da ist das viel verwischter —, beim Menschen ist es tatsächlich so, daß ein Vitalisieren stattfindet, ein Einfangen des Unorganischen in das Organische, ein Einfangen in das Vitale durch den Prozeß, der sich im Herz-Lungensystem abspielt. Dieser Prozeß hätte durchaus keine Möglichkeit, in unserer physischen Welt sich abzuspielen, wenn nicht gewisse Bedingungen erfüllt wären in der menschlichen Organisation. Sehen Sie, dasjenige, was ich Ihnen jetzt erzähle als Umwandlung des Speisebreies in eine ätherische Organisation, als ein Einfangen in eine ätherische Organisation, das kann sich eigentlich innerhalb der Gesetzmäßigkeit der Erde nicht ohne weiteres abspielen. Engel können das ausführen, aber wenn es ausgeführt würde, so müßten die Wesen, die das vollführen, es so vollführen, daß sie herumfliegen, daß sie bloß einen Mund hätten, eine Speiseröhre, und dann schließlich Magen- und Darmsystem, dann würde das aufhören und ins Ätherische verschwinden. Also es würden so Verdauungstrakte herumpendeln, und die würden getragen werden von unsichtbaren ätherischen Engelwesen. Dasjenige, was ich Ihnen schildere, könnte zunächst überhaupt in der physischen Welt gar nicht sich vollziehen, das wäre unmöglich. Es wird nur möglich gemacht dadurch, daß das ganze ätherische System nun heruntergerissen wird gewissermaßen in das Physische, eingegliedert wird in das Physische, und das geschieht durch die Aufnahme des Sauerstoffs in der Atmung. So daß der Mensch nicht jetzt ein Engel ist, sondern hier auf der Erde physisch wandeln kann, darauf herumgehen kann dadurch, daß sein Engelhaftes verphysiziert wird durch die Aufnahme des Sauerstoffs. Der projiziert das Ganze — aber real projiziert er es — in die physische Welt herein, und das Ganze vollzieht sich als physisches System; nämlich als Herz-Lungensystem vollzieht sich das, was sonst nur rein übersinnlicher Natur sein könnte.
109 So kommen wir dazu, einzusehen, daß so, wie der tierischen, pflanzlichen, menschlichen Organisation zugrunde liegt — auch der menschlichen Organisation, nur nicht so fest wie bei der Pflanze — der Kohlenstoff, indem er die eigentliche physische Organisation fixiert, ebenso zusammenhängt mit der ätherischen Organisation, in sofern sie sich im Physischen ausdrückt, der Sauerstoff. Jetzt haben wir die zwei Stoffe, welche im wesentlichen zunächst das geformte, das vitalistisch geformte Eiweiß konstituieren. Aber wir haben eine solche Betrachtung angestellt, welche man ebensogut anstellen könnte mit der Eiweißzelle, mit der Zelle selber. Wir dehnen nur jene Betrachtung, die an der Zelle angestellt werden könnte, die eigentlich erst beginnen müßte, dadurch aus, daß wir statt der mikroskopischen Betrachtung im Menschen eine makroskopische Betrachtung anstellen dadurch, daß wir so die Vorgänge betrachten, die den Zusammenhang bilden zwischen Verdauungstrakt und HerzLungentrakt, daß wir sie innerlich durchschauen, wie sie zusammenhängen, wie eine ätherische Organisation eingreift, und diese physisch fixiert wird durch die Aufnahme von Sauerstoff.
Nun, sehen Sie, damit würden wir aber erst bekommen ein Wesen, welches nun wiederum so in der physischen Welt existieren würde, daß es eine Verdauungsorganisation und eine Herz-Lungenorganisation hätte. Bis zu dem, daß es ein beseeltes Wesen ist, sind wir noch nicht gekommen. Das würde dennoch sich wieder erst im Übersinnlichen abspielen können, und wir haben noch die Aufgabe, darauf hinzuweisen, wie sich eingliedert diesem Ganzen, wodurch der Mensch schon ein festes und ein flüssiges Wesen ist, dasjenige, wodurch der Mensch ein empfindendes Wesen wird, wodurch also seine feste und flüssige Organisation so durchsetzt wird, daß er ein empfindendes, durchseeltes Wesen ist. Erst wenn wir das Beseelte verfolgen können, können wir den Menschen als beseeltes Wesen überschauen. Dadurch, daß wir die ätherische Organisation im physischen Leib an den Sauerstoff knüpfen, haben wir die ganze Organisation, in der der Sauerstoff eine Rolle spielt, nun drinnen im Menschen.
Die beseelte Organisation kann nicht zustande kommen, ohne daß
110 ein gewisser unmittelbarer Angriffspunkt da ist für den gasförmigen Menschen und dann sich weiter fortsetzt auf die physische Organisation. Da hat man etwas, was für die heutige Denkweise wirklich noch sehr entfernt liegt. Denn denken Sie sich nur einmal — ich muß Sie jetzt darauf aufmerksam machen —, wie durch Lungen- und Herzorganisation der Sauerstoff eingreift in das Ätherische, so greift von einem anderen Organsystem aus das Astralische ein in die menschliche Organisation. Dieses Astralische braucht ja unmittelbar auch ein physisches Organsystem. Wenn ich also dieses physische Organsystem schematisch zeichne, so geht dasjenige, was ich zunächst meine, nicht von diesen physischen Organen aus, sondern von dem, was nicht nur flüssig, sondern was gasförmig mit diesen physischen Organen in Zusammenhang steht, also von der gasigen Organisation, die in Verbindung ist mit diesen festen Organen. Von dieser gasigen Organisation strahlt nun aus die astralisch-organische Kräfteentfaltung im menschlichen Organismus. Und das physische Organ ist selbst erst durch die eigene Ausstrahlung auf dem Rückmarsch gebildet; es strahlt zunächst die gasige Organisation aus, macht den Menschen zu einem beseelten Organismus, durchseelt alle Organe, und strahlt dann erst auf einem Umwege wieder zurück, so daß dann auch ein physisches Organ wird dadurch, daß es nun an der physischen Organisation des Menschen teilnimmt. Das ist das Nierensystem, das ja in der Hauptsache gewöhnlich betrachtet wird als ein Apparat für die Absonderungen. Das ist aber ein Absonderungsapparat im sekundären Sinn, wie ich es noch heute oder morgen auseinandersetzen werde; ich werde über die Beziehung der Nierenabsonderungen zu der öheren Nierenfunktion noch zu sprechen haben. Aber neben dem, daß die Niere als physisches Organ ein Absonderungsorgan ist — natürlich ist sie auch eingereiht in die Vitalität —, ist sie in ihrer gasigen Grundlage das Ausstrahlungsorgan für den astralischen Organismus, der nun das Gasige durchsetzt und von da aus unmittelbar das Flüssige und Feste im menschlichen Organismus. So daß wir im Nierensystem dasjenige haben, was uns von der organischen Grundlage aus durchsetzt mit Empfindungsfähigkeit, mit Beseeltheit und so weiter, was uns also durchsetzt mit
111 einem astralischen Organismus. Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß, wenn Sie die durchaus überall heute in der sinnlich-empirischen Wissenschaft vorhandenen Angaben über Nierenfunktion kennen — es ist allerdings immer schwer, wenn man die Sache bloß aus Büchern kennt, sich eine deutliche Vorstellung zu machen — und wenn Sie dasjenige, was Sie gesehen und beobachtet haben an solchen Funktionen, mit einem gewissen instinktmäßigen innerlichen Anschauen durchdringen, Sie heute überall die Möglichkeit gegeben haben, die Beziehungen zu finden zwischen dem innerlichen empfindungsgemäßen Erleben und den Nierenfunktionen; nur daß die Absonderungen nur sekundäre Andeutungen sind desjenigen, wovon sie sich absondern. Wovon sie sich absondern, das ist durch die Funktionen der Nieren entstanden. Insoferne sie dem Empfindungssystem zugrunde liegen, drückt sich das auch noch aus in der verschiedenen Art der Absonderung.
Wenn Sie da eine Erweiterung der Wissenschaft brauchen, dann empfehle ich Ihnen: Versuchen Sie nur einmal bei Menschen, die etwas empfindsamer sind und die Ihnen verraten können bei der Untersuchung gewisse Dinge, möglichst zu verfolgen, wie, wenn der Mensch denkt, die Nierenabsonderung sich wesentlich ändert, ob er in einem kalten oder warmen Zimmer denkt. Also schon aus solchen rein empirischen Tatbeständen, die Sie entsprechend, wie es die heutige Wissenschaft macht, variieren müssen, werden Sie sehen, was sich ergibt. Wenn Sie nur darüber strenge systematische Untersuchungen anstellen, werden Sie sehen, was für ein Unterschied in der Nierenabsonderung ist zwischen dem Denken in einem kalten oder warmen Zimmer. Sie können den Versuch auch so machen, daß Sie jemanden denken lassen, gegenständlich denken lassen — Sie müssen nur die Versuchsbedingungen dazu ordentlich herstellen —, indem Sie ihm ein warmes Tuch auf den Kopf legen. Untersuchen Sie dabei die Nierenabsonderung und dann, wenn er dieselben Sachen denkt, wenn Sie ihm kalte Umschläge auf die Füße auflegen. Also Sie können ganz sinnenfällig streng empirisch solche Untersuchungen machen, die Ihnen das belegen.
Daß wir heute mit solchen Untersuchungen zu wenig versorgt
112 sind, rührt davon her, daß man eine Aversion hat, auf diese Dinge einzugehen. Man geht ja auch nicht ein, sagen wir, wenn man die Zellteilung untersucht, also bei der Keimesuntersuchung, auf die Allantois und das Amnion. Es werden ja auch durchsucht die Organe, die dann abfallen, aber um die gesamte menschliche Entwickelung kennenzulernen, müßte man während der Embryonalentwickelung die Anhangsorgane viel genauer untersuchen als die Vorgänge selbst, die sich aus der Spaltung der Keimzelle ergeben. Es handelt sich also auch hier darum, daß wir überall erst begründen müssen die Ausgangspunkte für eine sachgemäße Untersuchung. Die aber gibt etwas ungeheuer Bedeutungsvolles, denn sie führt uns erst auf den Weg, den wir einschlagen müssen, um den Menschen wirklich so zu durchschauen, daß wir zwar nicht eine sichtbare, aber eine unsichtbare Riesenzelle vor uns haben. Und das, was wir vom Menschen beschreiben, das beschreiben wir von der Zelle heute nicht, weil uns die Mikroskopie nicht dazu führt. Es ist nämlich das Eigentümliche, wenn man mit diesen Methoden, von denen ich hier spreche, ins Mikroskopische geht, daß alle die schönen Dinge herauskommen, die zum Beispiel von der Hertwigschen Schule gemacht werden. Man kommt bis zu einem gewissen Punkt, bis zu dem man durch das Mikroskopieren die Zelle verfolgen kann; da kann man nicht weiter, um die komplizierten Lebensvorgänge zu untersuchen. Nun hört man mit der gewöhnlichen empirisch-sinnenfälligen Wissenschaft auf, aber mit der Geisteswissenschaft können Sie die Sache fortsetzen. Sie schauen jetzt den ganzen Menschen an, und der kleine Zellpunkt, der setzt sich Ihnen für den ganzen Menschen fort, und Sie kriegen heraus, wie eingreift, ich möchte sagen, die rein physische Organisation in alles dasjenige, was mit der Struktur des Kohlenstoffes zusammenhängt, wie dann der Übergang in die ätherische Organisation zusammenhängt mit der Struktur des Sauerstoffes. Jetzt, wenn Sie zum Nierensystem übergehen in exakten Versuchsreihen, so bekommen Sie ebenso einen Zusammenhang mit dem Stickstoff, und Sie haben jetzt schon aufgenommen in Ihre Betrachtung: Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff. Und die Spur von all den Rollen, die der Stickstoff spielt bei der Durchastralisierung
113 des Organismus, brauchen Sie einfach zu verfolgen bei den Metamorphosen von Harnsäure und Harnstoff, die nur in ganz exakten Versuchsreihen durchforscht werden müssen. So daß Sie in alledem, was sich Ihnen ergeben wird in exakten Versuchsreihen in bezug auf die sekundären Absonderungen von Harnsäure und Harnstoff, bestätigt finden werden, daß das durchaus hindeutet auf ganz bestimmte Dinge, die einem zeigen, wie der Mensch durchastralisiert ist von dem Nierensystem aus. Das wird sich auch ergeben aus anderen Dingen, die in der Nierentätigkeit bis in die pathologischen Zustande hinein — wie ich morgen noch andeuten werde — eine Rolle spielen, wenn sich, sagen wir, diese oder jene Blutkörperchen im Harn finden. Das Nierensystem strahlt einfach die astralische Organisation in den menschlichen Organismus hinein. Wir dürfen nicht die physische Organisation ins Auge fassen, sondern dasjenige,was mit ihr verbunden ist als gasförmige Organisation, und der Stickstoff spielt wiederum die Rolle, daß ja das Ganze übersinnlich wäre, so wie wir ätherisch wären, wenn nicht der Sauerstoff eingreifen würde. Der Stickstoff macht das Ganze so, daß der Mensch auf der Erde wandeln kann, daß er ein Erdenmensch ist. Der Stickstoff ist dasjenige, was sich zu dritt damit verbindet.
Damit ist man fortwährend genötigt, aus den Prinzipien der Geisteswissenschaft heraus auf eine Fortsetzung der Methoden in der Anatomie und Physiologie hinzuarbeiten. Das geschieht durchaus nicht aus einer phantastischen Sache heraus. Daß sie nicht phantastisch ist, das ersehen Sie aus dem, bei dem man zunächst ankommt. Man fordert strikte: Gehe heran an das Nierensystem, untersuche so exakt wie möglich — exakter, als man es heute irgend untersucht — unter verschiedenen astralischen Voraussetzungen Harnstoff - und Harnsäureabsonderungen und so weiter, untersuche das Ganze systematisch, und du wirst alles Stück für Stück belegt finden, was in dieser Weise gesagt wird. Dadurch aber wirst du erst hineinschauen in die Konstitution des menschlichen Organismus.
So können wir sagen: Durch das Nierensystem wird alles dasjenige, was der Mensch durch die Nahrungsaufnahme in sich hereinbekommt, in den astralischen Organismus hereingefangen. Nun haben
114 wir es noch in die Ich-Organisation hineinzubringen. In die IchOrganisation wird alles aufgenommen zunächst durch das LeberGallensystem. Dasjenige, was in der Wärmestruktur und in alledem, was im Leber-Gallensystem als Wärmestruktur vorhanden ist, strahlt so aus, daß der Mensch durchzogen ist mit dem, was Ich-Organisation ist, die gebunden ist überhaupt an die Wärmedifferenzierungen im gesamten Organismus.
Zu dem, was ich jetzt sage, können Sie wirklich so exakt wie möglich Ihre Versuchsmethoden ausgestalten. Denn erstens: Sehen Sie sich niedere Tiere an, bei denen noch gar kein Anflug ist zu einer IchOrganisation, seelisch angesehen. Da finden Sie keine ausgebildete Leber, noch weniger Gallensäure im Prozeß. Diese Dinge entwickeln sich auch phylogenetisch durchaus erst im Laufe der Tierreihe, wenn es gegen die Ich-Organisation hingeht. Ganz parallel mit der Stärke der Ich-Organisation, die ein Wesen bekommt, geht seine LeberGallenausbildung. Und ebenso können Sie natürlich physiologische Versuchsreihen anstellen, die Sie nur ausdehnen müssen über die verschiedenen menschlichen Lebensalter. Dann werden Sie sehen, wie mit der Leberfunktion zusammenhängt, was als Ich-Organisation im Menschen vorhanden ist. Sie brauchen nur namentlich pathologische Zustände, sagen wir, gewisse Kinderkrankheiten zu beobachten, die letal ausgehen, und Sie werden schon finden, wie mit der Gallenabsonderung gewisse seelische, nicht nach der Empfindungsseite hin, sondern nach der Ich-Seite hin gehende Organisationen zusammenhängen. Dann werden Sie eben finden: da eröffnet sich eine ungeheuer fruchtbare Reihe von Versuchsmethoden, die zum Teil aber zusammengesucht werden können aus dem, was die sinnenfälligempirische Wissenschaft bietet, die nur ausgebildet werden müssen. Sie werden sehen, daß in ebensolcher Weise, wie die physische Organisation mit dem Kohlenstoff, die ätherische Organisation mit dem Sauerstoff, die astralische Organisation mit dem Stickstoff, so die Ich-Organisation mit dem Wasserstoff zusammenhängt. Sie werden die ganzen Wärmedifferenzierungen eingliedern können — ich kann das hier nur andeuten — in dasjenige, was der Wasserstoff als seine besondere Funktion, natürlich immer in Verbindung mit anderen
115 Substanzen, im menschlichen Organismus ausübt. Und so kommen wir dazu, indem wir aus dem Sinnlichen ins Übersinnliche sogleich heraufsteigen, aber dieses Übersinnliche dadurch packen, daß wir seine physischen Repräsentanten ins Auge fassen, den ganzen Menschen gewissermaßen als eine sehr komplizierte Zelle, die beseelt und durchgeistigt ist, auffassen zu können.
Sie sehen, auch da handelt es sich wiederum wirklich nur darum, daß man sich der Mühe unterwirft, unsere wunderbaren naturwissenschaftlichen Ergebnisse nicht einfach auf einem bestimmten Punkte liegen zu lassen, sondern sie aufzunehmen, zu verfolgen und fortzusetzen. Ich bin für meine Auffassung und Lebenserfahrung davon überzeugt: Wenn Sie sich heute hinsetzen würden und einfach dasjenige, was empirisch in der orthodoxesten Wissenschaft vorliegt, durchnehmen, und das Nächste mit dem Entferntesten zusammenbringen, wenn Sie darauf eingehen, wie die Dinge zusammenhängen, daß Sie dann restlos auf die Dinge hingewiesen werden, die ich hier auseinandersetze. Ich bin ganz voll überzeugt davon, daß Ihnen alle Okkultisten, die Sie studieren, überhaupt diejenigen, die nach dem Schnitte sind, was man heute so Okkultisten nennt, nichts helfen, daß Ihnen zu dem, was hier gemeint ist, viel mehr helfen kann eine wirkliche Verfolgung des empirischen Tatbestandes, wie er in der orthodoxesten Naturwissenschaft vorliegt. Die Naturwissenschaft selber führt Sie dahin, das anzuerkennen, was allerdings nur übersinnlich geschaut werden kann, aber von dem aus man hingewiesen wird: Man soll den empirischen Tatbestand nach dieser oder jener Richtung hin verfolgen. Die Methoden können Sie sich schon selber finden, Sie werden genötigt sein, sie durch die Tatbestände auszubilden. Es ist gar nicht nötig, daß man sich beschwert darüber, daß man durch diese regulativen Prinzipien jemanden voreingenommen macht oder ihn suggestioniert. Die Dinge ergeben sich ganz aus der Sache selber, aber es ergeben sich eben dann, ich möchte sagen, komplizierte Tatbestände. Und um nun die Sache weiter zu verfolgen, hat man folgendes nötig: Man hat alles dasjenige, was man in dieser Art erkennen lernt über den Menschen, nun wiederum in einem Zusammenhang mit der Außenwelt zu untersuchen.
116 Nun bitte ich Sie, einen kurzen Gedankengang mit mir zu machen, der mehr bloß als Exempel gemeint ist, aber der Sie auf den Weg bringen wird, wie man da vorgehen muß. Nehmen wir die einjährige Pflanze, die, sagen wir, also im Frühling herauswächst aus der Erde und nun ihren einjährigen Kreislauf durchmacht. Bringen Sie diese Erscheinungen, die Sie beobachten an der einjährigen Pflanze, in Zusammenhang mit anderen Dingen, die Sie beobachten können. Vor allen Dingen damit etwa, daß die Bauern, wenn sie die Kartoffeln überwintern lassen, Gruben aufmachen von einer gewissen Tiefe und die Kartoffeln hineingeben, so daß man sie im nächsten Jahre haben kann, während sie, wenn sie sie im gewöhnlichen offenen Keller aufbewahren, nicht so bleiben, daß man sie im nächsten Jahre haben kann. Sie wissen, daß alle entsprechenden Versuchsreihen dazu führen, daß man das, was entsteht in der Wechselwirkung zwischen Sonnenbescheinung und Erde, in den folgenden Wintermonaten weiter hineingesenkt in die Erde erleben kann. In der Erde spielen die Wärmeverhältnisse und auch die Lichtkraftverhältnisse; das Dynamische spielt sich dann unter der Erdoberfläche ab im Winter, so daß eigentlich die Nachwirkung des Sommers im Winter unter der Erdoberfläche drinnen ist. Der Sommer ist außer der Erdoberfläche, um uns herum. Dasjenige, was der Sommer werden kann später, das spielt sich während des Winters unter der Erdoberfläche ab. Und die Folge davon ist — ich muß natürlich sehr große Sprünge machen, aber die Dinge lassen sich alle durch empirische Tatbestände leicht verifizieren —, daß die Pflanze, wenn sie nun in dem einjährigen Verlaufe herauswächst aus der Erde, eigentlich zunächst wächst mit den Kräften, die die Sonne der Erde gegeben hat mindestens im vorigen Jahre, denn sie zieht ihre Dynamik aus dem Boden heraus. Diese Dynamik, die aus dem Boden herausgezogen wird, läßt sich noch verfolgen bis zum Fruchtknoten herauf; bis in die Samenbildung herein läßt sich das verfolgen. So daß man eine wirkliche, der totalen Physiologie entsprechende Botanik erst bekommt, wenn man nicht nur Rücksicht nimmt auf die Wärme-Lichtdynamik und die Lichtverhältnisse in dem Jahre, wo die Pflanze wächst, sondern wenn man, von der Wurzel ausgehend, von der Licht-Wärmedynamik
117 mindestens des vorigen Jahres ausgeht. Das kann man bis in den Fruchtknoten hinein verfolgen, so daß man im Fruchtknoten dasjenige hat, was noch im vorigen Jahre geschehen ist, was noch vom vorigen Jahre wirkt. Verfolgen Sie dagegen die Laubblätter schon, aber noch mehr die Blütenblätter, dann finden Sie bei den Laubblättern, ich mochte sagen, einen Kompromiß zwischen der Dynamik des vorigen Jahres und der Dynamik des jetzigen Jahres. Die Laubblätter haben dasjenige, was aus der Erde herausstößt, und dasjenige, was aus der Umgebung hereinwirkt. In den Blütenblättern kommt am reinsten dieses Jahr erst zum Vorschein. In dem, was die Blütenblätter tragen an Färbung und so weiter, ist nichts altes, das ist von diesem Jahre. Sie können eine einjährige Pflanze nicht verfolgen, wenn Sie nur die gegenwärtigen Verhältnisse ins Auge fassen. Verfolgen Sie einmal die aufeinanderfolgenden Strukturverhältnisse — jetzt zeitlich gemeint — von zwei aufeinanderfolgenden Jahren; aber dasjenige, was sozusagen die Sonne der Erde mitteilt, das zeigt sich noch viel länger. Machen Sie einmal Versuchsreihen in der Art und Weise, wie die Pflanzen noch schmecken solchen Wesen wie den Engerlingen, dann werden Sie sehen, wie Sie dasjenige, was Sie zunächst als Diesjähriges an der Pflanze betrachten, in Beziehung bringen müssen mit den Sonnenverhältnissen des vorigen Jahres. Sie wissen, wie lange nachher die Engerlinge erst erscheinen und an der Pflanze Gefallen finden, nachdem sie ihren Larvenzustand durchgemacht haben.
Diese Dinge müssen alle ganz exakt durchforscht werden. Nur die Richtlinien können gegeben werden aus der geistigen Welt heraus. Dann zeigt sich, daß die Strukturen der Stoffe, die man zum Beispiel in den Blütenblättern und in den Laubblättern findet, von wesentlich anderer Beschaffenheit sind als die Strukturen der Stoffe, die man findet in der Wurzel oder selbst bis zum Samen hin. Das ist eine riesige Verschiedenheit. Und das gibt Ihnen den Unterschied, ob Sie, sagen wir, einen Tee machen aus den Blütenorganen oder sogar noch aus den Laubblättern, oder ob Sie einen Absud wählen von Wurzeln oder Samen. Und Sie werden finden, daß auf dieser Verschiedenheit die anderen Verschiedenheiten beruhen, wie anders auf
118 die menschliche Verdauung ein Tee wirkt, der aus Blüten- oder Laubblättern bereitet ist, oder ein Absud, der aus den Wurzeln oder Samen bereitet ist. Auf diese Weise bringen Sie dann den Menschen in seiner Organisation in eine Beziehung zur Umwelt, können alles dasjenige, was Sie da finden, rein physisch-sinnlich verifizieren. Sie bekommen aber heraus, daß zum Beispiel Unordnungen in der Umsetzung des Speisebreis in die ätherische Organisation, wie sie sich vollzieht durch das Herz-Lungensystem, beeinflußt werden durch die Laubblätter, alles dasjenige, was mit dem Verdauungstrakt zusammenhängt, wesentlich beeinflußt wird durch dasjenige, was als ein Tee aus Blütenblättern gewonnen werden kann. Ein Absud aus Wurzel und Samen beeinflußt die weitere Tätigkeit in das Gefäßsystem bis in das Nervensystem hinein. Auf diese Weise bekommen Sie rationell den Zusammenhang zwischen demjenigen, was im menschlichen Organismus vorgeht, und demjenigen, woraus sich dann unser Heilmittelschatz rekrutieren kann.
Ich werde dann nachmittags fortzusetzen haben, indem ich Ihnen zeigen werde, wie ein innerlicher Zusammenhang besteht zwischen dem, was man als verschiedene Strukturen der Pflanze aufzeigen kann, und demjenigen, was beim Menschen als Nerven-Sinnesorganisation und als Verdauungstraktorganisation besteht.




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