II Vor- und Nachtakte. Dramatische Eurythmie 17
** Dornach, 12. Dezember 1920* **
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die schon früher sich diese Aufführungen angesehen haben, wie
wir von Monat zu Monat weiterkommen. Wir haben früher durch
diese sichtbare Sprache der Eurythmie den dichterischen Inhalt im
Verlaufe der Rezitation gleichzeitig zur Darstellung gebracht. Jetzt
versuchen wir durch Vor- und Nachtakte, die rein durch Bewegungen gegeben werden, den ganzen Inhalt einer Dichtung oder
dergleichen zu geben, so daß die stumme, sichtbare Sprache der
Eurythmie also auch hier schon zur Geltung kommen kann.
Wir werden zunächst einzelne Stücke zur Schau bringen im ersten
Teil unserer Darbietung; im zweiten Teil, nach einer kurzen Pause,
werden wir versuchen, eine Szene aus einem meiner Mysteriendramen zu zeigen. Alles, was sich auf Übersinnliches bezieht, was
also ein Hereinragen des Übersinnlichen in die Sinnen weit bedeutet,
ist eurythmisch darzustellen, währenddem dasjenige, was, ich möchte
sagen, ganz in der Prosa des Tages abläuft, was also in der sinnlichen Welt abläuft, natürlich naturalistisch im Drama dargestellt
werden muß zunächst. Es besteht allerdings bei mir die Absicht,
auch für das Dramatische als solches eine Art Eurythmie zu finden.
Das ist aber noch im Werden. Dann wird sich auch herausstellen
wohl, daß die heute noch bestehende Unausgeglichenheit zwischen
dem Eurythmischen und dem rein Naturalistischen in der Dramatik
noch überwunden werden wird. Aber das sind eben durchaus Arbeiten, die noch gemacht werden müssen. Wir haben auch, indem wir
versucht haben, den Goetheschen «Faust» so darzustellen, daß wir
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dasjenige, was sich darinnen auf das Übersinnliche bezieht, eurythmisierten, gezeigt, und man hat daraus sehen können, daß gerade
diese übersinnlichen Elemente des Dramas erst recht zur Offenbarung kommen, wenn man die Eurythmie auf sie anwendet.
Ich möchte aber nur mit ein paar Worten sagen, daß nach der
Pause, im zweiten Teile dargestellt wird die Szene, in welcher eine
Etappe gegeben ist einer sich entwickelnden Seele. Es tritt einer
Seele in einem bestimmten Punkte ihres Werdens - äußerlich objektiviert - die eigene Jugend entgegen; es treten andere Seelenkräfte
ihr entgegen. Dasjenige, was sonst im Menschen sich abspielt, nicht
sinnlich greifbar wird, wird herausgestellt nicht als symbolische Figur, nicht übertragen allegorisch, sondern tatsächlich so, daß es in
unmittelbarer übersinnlicher, geistiger Realität dargestellt wird. Und
für das eben, weil so etwas nicht anders als eurythmisch gedacht
werden muß - man kann das nicht anders, als eurythmisch denken,
eurythmisch fühlen -, taugt die Eurythmie ganz besonders. |