NATIONALÖKONOMISCHER KURS, VIERZEHNTER VORTRAG, Dornach, 6. August 1922
Lebendige Bilder nicht dogmatische Begriffe in der Auseinandersetzung über Geld und Preis. Das Geld als Weltbuchhaltung. Zeichenwert und Sachwert. Das Geld ist prinzipiell das Tauschmittel. Verfälschungen durch den Zwischenhandel mit Geld. Das Geld als Anweisung. Die körperliche Arbeit an der Natur als das volkswirtschaftlich Wertbildende. Die Geldmenge als Ausdruck für die Summe der brauchbaren Produktionsmittel. Naturwährung. Begriff des Produktionsmittels. Die letzte Grundlage des Preises: das Verhältnis der Bevölkerungszahl zu der brauchbaren Bodenfläche. Statt Wahrheit, Recht und Lebenspraxis herrschen heute Phrase, Konvention und Lebensroutine. Die Volkswirtschaft als ein wirtschaftlicher Wert.
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| 199 | Sie werden aus den Betrachtungen, die wir in dieser Zeit angestellt haben, gesehen haben, daß es sich hier wirklich darum handelt, Begriffe zu finden, Bilder, besser gesagt, über das wirtschaftliche Leben, durch die man nun tatsächlich in dieses wirtschaftliche Leben untertauchen kann. Es ist ja durchaus auf keinem der Gebiete, die innerhalb der anthroposophischen Bewegung heute getrieben werden und an deren Betreibung ich mich beteilige, etwa meine Überzeugung, daß alles kurz und klein geschlagen werden sollte, was an wissenschaftlichen Ergebnissen da ist; sondern es ist meine Überzeugung, daß wir innerhalb unserer Wissenschaften selbst vieles weitausgedehntes Brauchbare haben, daß nur die Handhabung dieses Brauchbaren, sowohl in der Naturwissenschaft wie auch in den Kulturwissenschaften, eine wesentliche Weiterentwickelung erfordert. Und so wollte ich Ihnen denn hauptsächlich solche BegrifFsbilder geben, welche Ihnen Anhaltspunkte bieten können, dasjenige, was ja auch in der Wirtschaftswissenschaft immerhin Brauchbares, in weitem Umfang Brauchbares da ist, das in der richtigen Weise zu gebrauchen. Deshalb gab ich solche Bilder, welche unmittelbar lebendig sein sollten. Das Lebendige aber - machen Sie sich das nur ganz klar! - ist immer ein Vieldeutiges. Daher wird mancher von Ihnen aus diesen Betrachtungen vielleicht weggehen können mit dem Gefühl, gegen das eine oder das andere sei dieses oder jenes einzuwenden. Ich bin in einem gewissen Sinne, wenn das mit einem wirklichen Forscherernst und Forschergeist geschieht, froh, wenn dieses Gefühl vorhanden ist; denn dieses Gefühl muß dem Lebendigen gegenüber immer vorhanden sein. Das Lebendige duldet keine dogmatische Theorie. Und so müssen Sie auch die Begriffsbilder, die ich gegeben habe, auffassen. Ein, ich möchte sagen, außerordentlich vieldeutiges Begriffsbild ist ja das des altwerdenden oder sich abnützenden Geldes. Aber mit solchen BegrifFsbüdern verhält es sich so, daß man ihnen gegenüber so zu stehen hat, wie man etwa, sagen wir, einem werdenden Menschen |
| 200 | gegenübersteht. Man hat das allgemeine Gefühl: der wird dieses oder jenes Tüchtige leisten können. Man kann dann vielleicht sich Vorstellungen darüber machen, wie er das leistet. Diese Vorstellungen aber, wie er es leistet, die brauchen ja nicht immer zutreffend zu sein. Der Betreffende kann das auf andere Weise leisten. Und so können Sie auch unter Umständen für den Begriff des sich abnützenden Geldes verschiedene Modalitäten finden, wie diese Abnützung des Geldes geschehen kann. Ich versuchte denjenigen Modus vor Sie hinzustellen, der sozusagen am wenigsten aus dem Bürokratischen heraus gedacht ist, der mehr so gedacht ist, daß er sich aus dem Wirtschaftsleben selbst heraus ergibt. Einwendungen über Einwendungen mögen da kommen. Ich will Sie aufmerksam darauf machen, wie man ja sehr leicht einwenden kann: Ja, wodurch sollte es denn bestimmt werden, daß zum Beispiel irgendein Unternehmer gerade junges Geld in seine Unternehmungen hineinstecken sollte, da man ja vielleicht in kurzer Zeit nicht mehr wissen kann, ob das junges Geld war oder nicht; denn der Betrieb geht eben fort. Ja, da müssen Sie aber wiederum bedenken, daß der das Geld ja nicht aus der Luft nimmt, sondern von jemand leiht, borgt. Und da Sie aus meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» sehen, daß ich nicht der Überzeugung bin, daß der Zins als solcher wegfallen muß von dem Geld, das Wert hat, sondern bis zu einem gewissen Grade eben notwendig ist im wirtschaftlichen Leben, so werden Sie sich sagen: Ja, wie soll ich als Unternehmer von den Leuten, die mir Geld leihen sollen, Geld bekommen, wenn ich ihnen nur für eine ungeheuer kurze Zeit Zins bezahlen würde? Die Leute werden mir Geld geben so, daß der Modus bestehen kann, daß sie möglichst lange aus meinem Unternehmen heraus ihre Zinsen bekommen. - Sie werden dann vielleicht finden, daß das noch gar nicht genügt, in der Weise das Geld alt werden zu lassen. Ja, dann können Sie über den Modus weiter nachdenken, daß man vielleicht für Geld, das heute ausgegeben worden ist, nicht die heutige Jahreszahl darauf schreibt, sondern eine künftige, so daß es bis dahin einen zunehmenden und dann erst einen abnehmenden Wert hat. Kurz, dasjenige, was lebt, kann in der verschiedensten Weise sich |
| 201 | verwirklichen. Daher ist in dem Momente, wo man lebendig selber hinstellt die Möglichkeit, sofort gegeben, daß diese in der verschiedensten Weise sich verwirklicht; wie ja auch ein Mensch in der verschiedensten Weise seine Tüchtigkeit anwenden kann. Das ist das Wesenhafte des nicht dogmatischen Begriffs. Aber wenn Sie solche Begriffe zu den Ihrigen machen, insbesondere in der Volkswirtschaftswissenschaft, dann werden Sie erst sehen, wie die Dinge ins Leben hineingreifen und wie Sie erst auf einer solchen Grundlage das brauchen können, was ja immerhin aus partiellen Beobachtungen in der sogenannten Nationalökonomie heute da ist. Nehmen Sie zum Beispiel die Auseinandersetzungen über den Preis, so werden Sie finden, daß da Ihnen gesagt wird, die Bedingungen der Preishöhe auf der Seite des Verkäufers seien diese: welches sein Geldbedarf ist, welchen Wert das Geld hat, welche Produktionskosten aufgebracht werden sollen und welche Konkurrenz von Seite der Käufer eben da ist. Wenn Sie aber dann diese Begriffe analysieren, so werden Sie überall finden, daß Sie zwar ganz richtig über diese Begriffe nachdenken können, daß Sie aber mit diesen Begriffen nicht in die wirtschaftliche Wirklichkeit hineinkommen können, aus dem einfachen Grunde, weil Sie sich ja erst fragen müssen: Ja, ist es denn auch ein wirtschaftlich gesunder Zustand, wenn gerade ein bestimmter Unternehmer zu einer bestimmten Zeit Geldbedarf hat und dadurch nach einer bestimmten Strömung hin, nach seinem Geldbedarf, die Preise sinken oder steigen, ist auch das, was man den Gebrauchswert des Geldes nennen kann, etwas, was in gesunder Weise wirken kann? - Beides kann in gesunder und krankhafter Weise wirken. Und wiederum, wenn Sie an die Produktionskosten denken, so kann es wünschenswert sein, zur Herstellung eines gesunden Preises nicht nachzudenken, wie sich die Preise stellen, wenn man die Produktionskosten als etwas Absolutes ansieht, sondern nachzudenken, wie die Produktionskosten für einen Artikel vermindert werden müßten, wenn er auf dem Markt einen gesunden Preis haben soll. Also es handelt sich darum, daß Sie solche Begriffe haben, die nun wirklich an ihrem Anfang anfangen können. Geradesowenig wie Sie einen lebendigen Menschen anfangen lassen zu leben in seinem fünfundzwanzigsten |
| 202 | Lebensjahre, ebensowenig sollte man Begriffe, die ins Leben hineinspielen, beliebig wo anfangen lassen. Man sollte nicht volkswirtschaftliche Begriffe bloß, sagen wir, bei der Konkurrenz der Käufer oder Verkäufer anfangen lassen; denn es handelt sich darum, ob unter gewissen Voraussetzungen nicht gerade das der prinzipielle wirtschaftliche Fehler ist, daß eine übertriebene Konkurrenz der Verkäufer oder auch der Käufer da ist. Das sind die Dinge, die man gerade bei dem Prinzipiellen ungeheuer stark berücksichtigen muß. Und ganz abgesehen davon, ob der eine das eine oder andere für richtig findet in den Auseinandersetzungen, die wir gepflogen haben: das ist angestrebt durch die ganze Folge der Betrachtungen hindurch, daß die Begriffe lebendige sind. Die zeigen dann schon selbst im gegebenen Falle, wo man sie modifizieren muß. Es handelt sich darum, daß wir auf den Pfad dieser lebendigen Begriffe gebracht werden. Und so können wir uns sagen: Wenn wir auf der einen Seite haben das sich abnützende Geld, das heißt das altwerdende Geld, so versuchte ich eben gerade dadurch, daß das Geld in Zirkulation kommt und als Kaufgeld, Leihgeld und Schenkungsgeld figuriert, gerade durch diese besonderen Eigentümlichkeiten des Geldes versuchte ich zu zeigen, wie, wenn es in ungehinderter, rein wirtschaftlicher Weise funktioniert, dadurch von selber, einfach durch die dann entstehenden Bedürfnisse, an der einen Stelle das Bedürfnis nach jungem Geld und an der anderen Stelle das Bedürfnis nach altem Geld entstehen wird. Das.alles müßte ich natürlich nun wochenlang ausbauen können, so würden Sie sehen, daß es sich restlos in eine gesunde Nationalökonomie einfügt, und wenn irgendwo eine Krankheit im wirtschaftlichen Körper auftritt, würde man sehen, daß gerade durch die Beobachtung dieser Dinge die Sache geheilt werden kann. Nun, was entsteht dann aber eigentlich, wenn wir uns in dieser Weise denken, daß wir in dem zirkulierenden Geld wirklich eine Art Abbild haben von dem, was in den verschiedensten Gebrauchswaren - denn geistige Leistungen sind ja auch Gebrauchswaren im wirtschaftlichen Sinn - nun eben auch abnützbar ist? In dem sich abnützenden Geld haben wir die Parallelströmung zu den sich abnützenden Waren, Gütern, Werten, also Sachwerten. Was haben wir also eigentlich, wenn |
| 203 | wir - wir können es gleich auf die ganze Weltwirtschaft ausdehnen - nun diesen Parallelismus von Zeichenwert und Sachwert überschauen? Wir haben eigentlich im Grunde genommen dasjenige, was man die über die ganze Weltwirtschaft ausgedehnte Buchführung, Buchhaltung nennen könnte. Es ist die Weltbuchhaltung; denn die Handlung, die ausgeführt wird, wenn irgendein Posten hinüber- oder herübergeht, bedeutet eben nichts anderes als das Hinschreiben eines Postens an einen anderen Ort. Das aber wird im Realen vollzogen dadurch, daß eben Geld und Ware von einer Hand in die andere übergeht. Es ist im Grunde genommen völlig einerlei, ob die Möglichkeit herbeigeführt wird, in einer Riesenbuchhaltung, die über die ganze Weltwirtschaft geht, die Posten an die richtige Stelle zu stellen und das Ganze dann zu dirigieren, so daß nur die Guthaben umgeschrieben werden, oder die betreffende Einzeichnung herauszuschreiben und dem Betreffenden zu geben, so daß die Sache realiter ausgeführt wird. Wir haben also als Geldumsatz die Weltbuchhaltung. Und das wäre dasjenige, was ja im Grunde genommen jeder einsehen kann, das eigentlich angestrebt werden muß. Denn dadurch haben wir dem Gelde wiederum zurückgegeben dasjenige, was es doch nur sein kann: das äußere Mittel für den Austausch. Denn sonst ist das Geld dennoch nichts anderes, wenn wir bis in die Tiefen der Volkswirtschaft hineinschauen, als das Mittel des gegenseitigen Austauschs der Leistungen. Denn die Menschen leben von Leistungen, und nicht von den Zeichen dieser Leistungen, in Wirklichkeit. Es kann ja allerdings gerade dadurch, daß das Geld in gewissem Sinne fälscht die Leistungen, das eintreten, daß dann auch durch eine Art von Zwischenhandel mit Geld eine Fälschung der ganzen Wirtschaft eintreten kann. Aber das ist eben dann Fälschung, die möglich ist, wenn man dem Geld nicht seinen wahren Charakter beilegt. Nun handelt es sich darum aber, daß wir ja sehen müssen - und ich habe das insbesondere gestern gezeigt -, daß die Leistungen in der verschiedensten Weise beurteilt werden müssen in bezug auf das, was als Werte im wirtschaftlichen Leben zirkuliert. Wir haben aufmerksam darauf machen können gestern, wie dasjenige, was zunächst aus der Natur gewonnen wird und worauf menschliche Arbeit verwendet |
| 204 | wird, in der Tat entspricht dem Bilde, daß da Arbeit zusammengefaßt wird mit dem Naturobjekt, so daß man den wirtschaftlichen Prozeß sozusagen an einer Stelle damit beginnen kann, daß man sagen kann: Der Wert wird erzeugt durch die Arbeit, die ich einem Naturprodukt hinzufüge. Aber im volkswirtschaftlichen Prozeß ist auch die entgegenlaufende Strömung, die dann eintritt, wenn eben geistige Leistungen auftreten. Dadurch, daß geistige Leistungen auftreten, ist es notwendig, eine andere Bewertungsformel, wenn ich so sagen darf, einzuführen. Das ist diese, daß eine geistige Leistung so viel wert ist, als sie dem Hervorbringer Arbeit erspart. Derjenige also, der ein Bild hervorbringt und damit einen Wert liefert, einen Wert, für den eben Interesse vorhanden ist, sonst wäre es kein Wert, der muß es - wenn es überhaupt ein gesunder Zustand in der Volkswirtschaft sein soll, daß dieses Bild hervorgebracht wird, daß der Maler da ist - so bewerten, daß ihm soviel Arbeit erspart wird, als er für sich braucht, bis er wiederum ein neues Bild in derselben Weise hervorgebracht haben kann. So daß man also sehen kann: Dadurch, daß im volkswirtschaftlichen Prozeß geistige Leistungen ntgegentreten den Leistungen, die lediglich auf Bearbeitung der Natur, also auf Handarbeit beruhen beziehungsweise auf Bearbeitung durch Produktionsmittel - dadurch, daß auf der einen Seite an die Produktionsmittel sich bindende Arbeit notwendig ist, auf der anderen Seite Arbeit erspart werden muß -, dadurch entsteht dieser wirtschaftliche Kreislauf mit zwei einander entgegengesetzten Strömungen, die sich in gesunder Weise kompensieren müssen. Nun fragt es sich allerdings: Wie sollen sie sich kompensieren? Nicht wahr, zunächst brauchen wir wirklich nur zu denken an die Generalbuchhaltung der ganzen Weltwirtschaft; denn innerhalb dieser Generalbuchhaltung würde sich ergeben dasjenige, was sich gegenseitig aufheben muß. Und da würde der Preis entstehen. Aber es handelt sich darum, daß ja die Posten in dieser Generalbuchhaltung etwas bedeuten müßten. Die Posten müßten etwas bedeuten. Es muß ein Posten, den ich einsetzein meine Generalbuchhaltung: A, entweder entsprechen dem, was ich nennen kann «mit Natur verbundene Arbeit», oder ein anderer Posten: B, muß entsprechen dem «so viel |
| 205 | wird durch diese Leistung Arbeit erspart». Also jeder solcher Posten muß eben etwas bedeuten. Er kann nur etwas bedeuten, wenn er etwas darstellt, was vergleichbar ist oder wenigstens durch die Volkswirtschaft vergleichbar gemacht wird; denn man kann nicht ohne weiteres fragen: Wieviel Nüsse ist eine Kartoffel wert? - Man kann das nicht ohne weiteres fragen. Es handelt sich darum, daß man fragen muß: Die Nuß bedeutet Naturprodukt, verbunden mit menschlicher Arbeit; die Kartoffel bedeutet Naturprodukt, verbunden mit menschlicher Arbeit; wie vergleichen sich beide Werte? Da wird es sich darum handeln, etwas aufzufinden, was nun wirklich die Möglichkeit, die volkswirtschaftlichen Werte gegenseitig aneinander abzuschätzen, ergibt. Noch schwieriger wird die Sache, wenn zum Beispiel ein Aufsatz geschrieben wird, der ja im volkswirtschaftlichen Sinn ebensoviel wert sein muß, als damit physische Arbeit an irgendeinem Produktionsmittel erspart wird, abzüglich der ganz kleinen Arbeit, die auf das Schreiben verwendet wird. Jedenfalls aber können Sie sich vorstellen, daß das nicht gerade eine einfache Sache ist, nun herauszurechnen, wie diese Dinge zu vergleichen sind, gegenseitig abzuschätzen sind. Und dennoch, wenn man den wirtschaftlichen Prozeß nun an einem andern Ende anfaßt, kommt man dazu, die Möglichkeit einer solchen Schätzung herbeizuführen. Wir haben ja auf der einen Seite die auf die Produktionsmittel - wozu also auch die Natur gehört - angewendete physische Arbeit, die für einen bestimmten Zeitpunkt eben eine ganz bestimmte Arbeit ist; das heißt mit anderen Worten: Für einen bestimmten Zeitpunkt ist eine bestimmte menschliche Arbeit notwendig, sagen wir, um auf einem a Quadratmeter großen Flächenstück Weizen zu produzieren, soweit bis der Weizen beim Kaufmann oder sonst irgendwo ist - also um Weizen zu produzieren. Das ist durchaus etwas, was eine gegebene Größe ist, eine Größe, die in einer gewissen Beziehung sogar herauszubringen ist; denn alle menschliche wirtschaftliche Leistung, wenn man sie überblickt, geht dennoch auf die Natur zurück. Es ist gar nicht anders möglich, als daß sie irgendwo auf sie zurückgeht. Der Landmann arbeitet direkt an der Natur; derjenige, der, sagen wir, für die Bekleidungen sorgt, arbeitet nicht direkt an der Natur, aber seine Arbeit geht auf die |
| 206 | Natur zurück. Seine Arbeit wird schon etwas von dem in sich enthalten, was ersparte Arbeit ist, insofern er auf seine Sache Geist anwendet. Aber jedenfalls geht seine Arbeit auf die Natur zurück. Bis zu den kompliziertesten geistigen Leistungen geht schließlich alles auf die Natur, beziehungsweise auf das Arbeiten mit Produktionsmitteln zurück. Sie können eine Überlegung anstellen, so unbefangen Sie nur wollen, Sie werden immer darauf kommen, daß alles Volkswirtschaftliche doch zuletzt zurückgeht auf das körperliche Arbeiten an der Natur, und daß dasjenige, was beginnt an der Natur wertebildend zu sein - die Aufwendung der Arbeit bis zu einem bestimmten, möglichst nahe der Natur liegenden Punkt -, daß das die Werte sind, die nun auf das gesamte Gebiet der in sich geschlossenen Volkswirtschaft verteilt werden müssen. Nehmen Sie noch einmal das Hypothetische, was ich gestern angeführt habe: Eine geschlossene Dorfwirtschaft! In dieser geschlossenen Dorfwirtschaft haben Sie also das, was die körperlichen Arbeiter sind, und von geistigen Arbeitern habe ich nur angeführt den Lehrer und den Pfarrer, vielleicht noch den Gemeindeverwalter. Nun, das ist eine sehr einfache Wirtschaft. Da werden die meisten Leute körperlich arbeiten, körperlich arbeiten am Boden; nur müssen sie das an körperlicher Arbeit mitleisten, was der Lehrer und der Pfarrer und der Gemeindeverwalter brauchen zum Essen, Kleiden und so weiter. Das müssen sie mitleisten; denn Lehrer und Pfarrer und der Gemeindeverwalter verrichten ihre Arbeit an der Natur nicht selber. Tafel 12 Nun denken Sie sich, diese geschlossene Dorfwirtschaft hätte dreißig Bauern und die drei - na, wie soll man sie nennen? - Honoratioren, die drei wären da. Diese drei liefern ihre geistigen Leistungen. Sie brauchen die ersparte Arbeit der andern. Nehmen Sie an: Jeder von diesen dreißig Bauern gibt den drei Personen, oder jedem einzelnen, ein Zeichen, einen Zettel, auf dem steht, sagen wir, so und so viel a = Weizen, womit gemeint ist der Weizen, der schon in bestimmter Weise bearbeitet ist. Ein anderer gibt einen Zettel, worauf etwas anderes steht, was sich mit Weizen vergleichen läßt in bezug auf den Konsum. Diese Dinge lassen sich finden. Nun, das heimsen der Pfarrer, der Lehrer und Gemeindeschreiber ein. Statt daß sie sich nun selber auf das Feld |
| 207 | begeben, den Weizen, das Korn, das Rindfleisch sich zu verschaffen, statt dessen geben sie dann die Zettel an die Leute ab. Die arbeiten es mit und geben ihnen dafür das Produkt. Das ist der Vorgang, der sich von selbst herausbilden muß. Der Vorgang kann gar nicht anders sein, selbst wenn es einem pfiffigen Kopf einfallen würde, statt der Zettel Metallgeld einzuführen. Der Vorgang ist einmal dieser, daß man die Möglichkeit schaffen muß, Anweisungen zu bilden auf Grundlage der aufgespeicherten materiellen Arbeit, der an den Produktionsmitteln geleisteten Arbeit, also der in den volkswirtschaftlichen Werten investierten Arbeit, die man übergibt, damit mit diesen Zetteln diejenigen, die es brauchen, Arbeit ersparen können. Daraus werden Sie sehen, daß keinerlei Art von Geld etwas anderes sein kann als lediglich ein Ausdruck für die Summe der brauchbaren Produktionsmittel, die in irgendeinem Gebiete sind - worin natürlich vorzugsweise, in erster Linie der Grund und Boden bestehen wird -, die brauchbaren Produktionsmittel, die in einem Gebiete sind, reduziert auf dasjenige, worin sie sich am leichtesten ausdrücken lassen. Und das wird dann zurückführen den ganzen volkswirtschaftlichen Prozeß auf etwas, was eben dennoch erfaßbar ist. Das, was darüber gesagt werden muß, hängt damit zusammen, daß man ja nirgends auf der Erde ein volkswirtschaftliches Paradies herbeiführen kann. Das mögen diejenigen glauben, die Utopien aufstellen, welche nicht mit der Wirklichkeit zusammenhängen. Man kann sehr leicht aus dem Handgelenk sagen, so und so müsse die Wirtschaft beschaffen sein; aber eine Wirtschaft, und auch die ganze Erdenwirtschaft, also dasjenige, was man Weltwirtschaft nennen kann, kann nicht in absoluter Weise irgendwie beschaffen sein, sondern nur in relativer Weise irgendwie beschaffen sein. Denn denken Sie sich, wir haben in irgendeinem geschlossenen Wirtschaftsgebiet eine Bodenfläche : Fl. Wenn nun alle Leute auf dieser Bodenfläche die den Menschen möglichen Verrichtungen wirklich vornehmen, so entsteht etwas anderes zum Konsum, wenn auf dieser Bodenfläche, sagen wir, eine Bevölkerung von B Millionen ist, oder wenn auf dieser selben Fläche eine Bevölkerung von B1 Millionen ist. Dasjenige, um was es sich handelt, hängt durchaus von dem Verhältnis |
| 208 | der Bevölkerungsmenge zu der Bodenfläche ab, also auch davon, wieviel aus der Bodenfläche - aus der Bodenfläche kommt zuletzt alles - eine gewisse Bevölkerungszahl herausarbeiten kann. Tafel 12
Setzen Sie jetzt den hypothetischen Fall, irgendein Wirtschaftsgebiet habe, sagen wir, fünfunddreißig Millionen Einwohner - es ist ja ganz gleichgültig, wieviel. Das, was hier von einem geschlossenen Wirtschaftsgebiet gilt, gilt auch von der Weltwirtschaft. Ein Wirtschaftsgebiet habe fünfunddreißig Millionen Einwohner in irgendeinem Zeitpunkt. Und setzen Sie die Hypothese, das sei so, daß diese fünfunddreißig Millionen Einwohner nun gebracht werden sollen in einen Zustand, der möglichst volkswirtschaftlich gerecht ist. Es ist das nicht ganz genau und deutlich ausgesprochen, aber Sie werden gleich sehen, was ich darunter verstehe. Was müßte man denn da tun, wenn man überhaupt wollte, daß auf diesem Gebiet unter den fünfunddreißig Millionen dasjenige herrscht, was mögliche Preise herbeiführt? Dann müßten Sie in dem Zeitpunkt, in dem Sie anfangen, das Wirtschaftsleben in ein gesundes überzuführen, jedem einzelnen Menschen so viel geben von der Bodenfläche - aber jetzt auf ein Durchschnittsmaß der Fruchtbarkeit und Bearbeitbarkeit berechnet -, als die gesamte, die Produktion möglich machende Bodenfläche durch fünfunddreißig Millionen dividiert, bedeutet. Denken Sie sich, jedes Kind würde einfach so viel Bodenfläche bei seiner Geburt mitbekommen zur fortwährenden Bearbeitung: wenn jeder Mensch bei seiner Geburt so und so viel mitbekäme, dann würden die Preise entstehen, die überhaupt auf einer solchen Fläche entstehen können; denn die Dinge haben dann ihren selbstverständlichen Austauschwert. |
| 209 | die Einwohnerzahl verteilt, und das als reale Tatsache gibt jedem einzelnen Ding seinen Tauschwert, und Sie können irgendwo die Tauschwerte aufschreiben und die Erfahrung kann sehr starke Annäherung an diese Werte geben. Aber wenn Sie das dann vergleichen mit unserer heutigen Wirklichkeit, so werden Sie finden, daß das eine einen Preis hat weit darunter, das andere weit darüber. Nun, Sie können ja, wenn Sie sich vorstellen, daß irgendwo irgendeine Utopia entsteht, in die Sie versetzen können lauter neugeborne Kinder, die von Engeln zunächst besorgt werden - aber Sie geben ihnen jedem sein Stück Land mit -, dann können Sie es dahinbringen, daß, wenn sie zu arbeiten anfangen können, die selbstverständlichen Tauschwerte entstehen. Wenn dann nach einiger Zeit andere Preise da sind, dann muß der eine dem anderen die Sache weggenommen haben. Und das ist dasjenige, was die verschiedenen Unzufriedenheiten eben gibt, daß das dunkel gefühlt wird, daß hier in den volkswirtschaftlichen Prozeß etwas hineinspielen kann, was den realen Preisen gar nicht entspricht. Aber gerade durch ein Durchdringen des volkswirtschaftlichen Organismus mit einer Denkweise, die in dem Stile gehalten ist, den wir hier in diesen Betrachtungen angeschlagen haben, wird durch die Maßnahmen selber das herbeigeführt, was ich angeführt habe. Das ist es, worauf es ankommt. Und so werden wir finden, daß auf diesem, ich möchte sagen, die fliegende Buchhaltung der Weltwirtschaft darstellenden Geld, so etwas Ähnliches wird stehen müssen wie auf einer so und so viel Quadratmeter großen Bodenfläche herstellbarer Weizen, der dann mit den anderen Dingen verglichen wird. Es lassen sich am leichtesten Bodenprodukte miteinander vergleichen. Und Sie sehen also, wovon man ausgehen muß. Man muß von etwas ausgehen, die Zahlen müssen etwas bedeuten. Es führt schlechterdings eben weg von der Wirklichkeit, wenn wir auf unserem Geld stehen haben so und so viel Goldgehalt; aber es führt zur Wirklichkeit hin, wenn wir darauf stehen haben: Das bedeutet so und so viel Arbeit an einem bestimmten Naturprodukt. Dann würden wir sagen können: Nehmen wir also zum Beispiel an, dadrauf steht X-Weizen, auf allem Geld steht X-Weizen, Y-Weizen, Z-Weizen - und es würde klar sein, worauf |
| 210 | die ganze Volkswirtschaft zurückführt. Damit haben Sie zurückgeführt die Währung auf die brauchbaren Produktionsmittel, an denen körperliche Arbeit geleistet wird - Produktionsmittel irgendeines Wirtschaftsgebietes -, und das ist die einzige gesunde Währung: die Summe der brauchbaren Produktionsmittel. Für den, der unbefangen in die Wirklichkeit hineinschauen kann, für den ergibt sich diese Sache so aus der Anschauung, obgleich vielleicht jemand sagen kann: Ganz genau läßt sich auch nicht mit so etwas vergleichen irgendein anderer Wert. Bis zu einem hohen Grad genau wird es sich vergleichen lassen. Denn im allgemeinen unterscheiden sich, weil bei dieser Bewertung zum Schluß alles durch den Konsum bewertet ist, die Werte der Leistungen nicht allzusehr. - Sei ich ein noch so geistiger Arbeiter, ich brauche so viel ersparte Arbeit in jedem Jahr, als ich eben brauche, um mich als Mensch zu erhalten. Und es wird ohne weiteres durch so etwas klarwerden dann, auf welche Weise ein Geistesarbeiter eben noch etwas hinzu braucht zu dem, was ein Handarbeiter braucht. Und wenn die Sache so durchsichtig ist, wird das dann auch überall anerkannt werden, weil es durchsichtig ist. Es gibt immerhin in geschlossenen Wirtschaften Zustände, die ja immer seltener und seltener werden, die aber doch immerhin heute noch da sind, wo die Geistesarbeiter eigentlich reichlich das bekommen, was sie brauchen, wo die Leute es ihnen gerne geben, ohne daß sie es erst auf Zettel schreiben. Das sage ich nicht, weil ich zurückführen möchte ein Volkswirtschaftliches auf ein Sentimentales, sondern ich sage das, weil das auch in die Realitäten der Volkswirtschaft hineingehört und weil man überall dennoch innerhalb der Volkswirtschaft auf den Menschen stößt. Vor allen Dingen wird dadurch erreicht ein wirklich überschaubares Verhältnis innerhalb der einzelnen Glieder eines wirtschaftlichen Ganzen. Es wird erreicht die Möglichkeit, daß jeder in jedem Augenblick seinen Zusammenhang mit der Natur auch im Gelde noch hat. Und das ist ja dasjenige, was alle unsere Verhältnisse so ungesund macht, daß sie sich so viel abheben von der Natur, der Zusammenhang mit der Natur gar nicht mehr da ist. Wenn wir es dazu bringen - und die Beantwortung der Frage ist ja nur eine Sache der Technik, die man |
| 211 | eben im assoziativen Leben sich bilden kann -, tatsächlich statt des undefinierbaren Goldwertes den Naturwert zu haben auf unserem Papier, dann werden wir unmittelbar einsehen, im gewöhnlichen Verkehr einsehen, wieviel auch irgendeine geistige Leistung wert ist; denn ich weiß dann: Wenn ich ein Bild male, so müssen, weil ich das Bild gemalt habe, so und so viel, sagen wir, Landarbeiter so und so viel Monate oder Jahre arbeiten an Weizen, an Hafer und so weiter. Denken Sie sich, wie übersichtlich dadurch der wirtschaftliche Prozeß würde. Man würde ja nach dem heutigen Sprachgebrauch eben dann sagen: Es ist dann eben eine Naturwährung statt einer Goldwährung da. Das würde auch gerade das Richtige sein. Das würde dasjenige sein, was einen wirtschaftlichen Zustand wirklich gibt. Nun haben Sie wiederum ein solches Bild hingestellt. Ich muß eben in solchen Bildern sprechen, weil diese Bilder die Wirklichkeit geben; denn das, was gewöhnlich die Leute im Kopfe haben im wirtschaftlichen Verkehr, das ist keine Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit hat erst der, der weiß: wenn er für irgendeine Sache ein so und so großes Geldstück kriegt, so bedeutet das so und so viel Bodenbearbeitung beziehungsweise es muß dazu auch verrechnet werden die Arbeit mit anderen Produktionsmitteln, die aber gleichwertig werden mit der Natur, indem sie in dem Augenblick, wo sie verfertigt sind, wo sie also dem Warengebiet entfallen, übergehen in einen Zustand der Entwertung, der Unmöglichkeit, sie zu kaufen oder zu verkaufen; dadurch werden sie gleich den Produktionsmitteln, die wir in der Natur haben. Es ist nur eine Fortsetzung des Prozesses, den wir in der Natur haben, wenn wir sagen, die Produktionsmittel müssen in dieser Weise behandelt werden. Dadurch wird erst ein klarer Begriff geschaffen auch für die Natur selber als Produktionsmittel; denn gegenüber den Begriffen, die Sie sonst an Grund und Boden finden, kann immer noch einiges eingewendet werden, wenn Sie nicht den Begriff des Produktionsmittels so einführen, wie ich das versucht habe in den «Kernpunkten der sozialen Frage». Denn Sie brauchen sich nur zu überlegen, daß auch ein Gebiet der Natur unter Umständen erst bearbeitet werden muß, bevor es ein brauchbarer Grund und Boden ist, so daß bis zu dem Moment, wo die Natur, wo irgendein Gebiet der |
| 212 | Natur ausgerodet ist, wo es dem Gebrauch übergeben werden kann - bis dahin muß ja auch Arbeit darauf verwendet werden -, so daß also am Ende dieser Arbeit, bis diese Arbeit fertig ist, bis dahin ja auch ein Stück Grund und Boden in berechtigter Weise eine Ware ist, ein wirtschaftlicher Wert in dem Sinn, daß Gut verbunden ist mit Arbeit. Also nur dadurch, daß Sie wirklich in dieser Weise, wie wir es getan haben, sich die Begriffe formulieren, kommen Sie dazu, den Begriff des Produktionsmittels in reiner Anschauung zu haben; dann werden Sie ihn in die verschiedensten Gebiete durchführen können; dann wird Ihnen durchaus im rechten Moment klar aufgehen, daß, wenn einer einen Aufsatz liefert, eben die Hauptsache des Wertes besteht in der ersparten Arbeit, daß man nur das kleine bißchen abzurechnen hat, was die direkte körperliche Arbeit des Schreibens ausmacht. Es differenzieren sich Ihnen nach den verschiedensten Richtungen hin sogleich die Begriffe so, daß sie richtig im Leben drinnenstehen, wenn Sie sie richtig aus dem Leben heraus bilden. Sie können also gar nicht anders, als, wenn Sie irgendwie die Preisfrage behandeln wollen, diese Preisfrage zurückzuverfolgen eben nicht bloß bis zu den Produktionskosten, sondern Sie müssen sie zurückverfolgen bis zu der Urproduktion und müssen sehen, wie die Bedingungen sind der Preisbildung von der Urproduktion an. Dann können Sie erst die Preisbildung bis auf irgendeinen Punkt innerhalb des volkswirtschaftlichen Prozesses verfolgen. Damit habe ich Ihnen wenigstens vielleicht eine auf den Weg leitende Vorstellung geben können von dem, was für die Hauptfrage der Wirtschaft, die Preisbildung, eigentlich in Betracht kommt. Denn wirtschaften heißt eben: dasjenige, was Erzeugnisse sind, zum Austausch unter Menschen zu bringen; und der Austausch unter Menschen, der lebt sich aus in der Preisbildung. Diese Preisbildung, die muß zunächst das sein, worauf es ankommt. Und daß wir da nicht zu etwas zurückzugehen brauchen, was ein ganz Unbestimmtes ist, das . werden Sie einsehen, wenn Sie eben zurückverfolgen alles bis zu demjenigen Wertverhältnisse, das für die Bodenarbeit herbeigeführt wird durch das Verhältnis der Bevölkerungszahl zu der brauchbaren Bodenfläche. In diesem Verhältnis finden Sie, was ursprünglich eben der |
| 213 | Wertbildung zugrunde liegt, weil alle Arbeit, die verrichtet werden kann, nur von der Bevölkerungszahl kommen kann, und alles, womit sich diese Arbeit verbinden kann, aus dem Boden kommen muß; denn das ist das, was jeder braucht, und diejenigen, die es ersparen wegen ihrer geistigen Leistung, für die müssen es eben die anderen mitleisten; daher kommen wir hier zu dem, was der Volkswirtschaft zugrunde liegt. Nun, wenn wir die Sache so betrachten, so müssen wir sagen: Es geht in unsere gegenwärtige, ganz komplizierte Wirtschaft auch noch dasjenige herein, was in den primitivsten Wirtschaftsverhältnissen durchaus da war, wo es sich nur meinetwillen um Warenaustausch im wesentlichen gehandelt hat. Nur daß wir nicht mehr in der Lage sind, diesen Zusammenhang überall zu durchschauen. Wir werden ihn immer sofort vor uns haben, wenn auf unseren Geldscheinen dieser Zusammenhang mit der Natur ausgedrückt ist. Denn in Wirklichkeit ist er eben doch da. Vergessen Sie das nie! Die Realität ist es. Ich möchte sagen - es ist wieder bildlich gesprochen: Während ich ganz gedankenlos meinen Franken für irgend etwas hingebe, ist immer ein kleiner Dämon da, der immer darauf schreibt, wieviel an der Natur vollbrachte Arbeit das Entsprechende da immer ist. Das ist die Realität. Man muß auch da, um auf die Wirklichkeit zu kommen, nicht an die äußere Oberfläche sich halten. Nun, es war wirklich nicht möglich, in diesen vierzehn Tagen etwas anderes zu geben als einige Anregungen, die auf den Weg leiten sollten, Anregungen, bei denen ich ja weiß, daß sie überall weiter ausgeführt werden müßten, und daß das Wichtigste vielleicht dabei ist, wenn Sie darauf kommen, wie die BildbegrifFe, die hier entwickelt worden sind, eben im Verhältnis zu dem, was sonst entwickelt wird, ein Lebendiges darstellen. Wenn Sie das in sich aufgenommen haben, was lebendig ist an diesen BildbegrifFen, dann werden Sie doch nicht umsonst diese vierzehn Tage hier zugebracht haben. Und das ist ja dasjenige, was einem heute so schwer auf der Seele liegt, daß Ungeheures entgegensteht, wenn es sich darum handelt, daß die Menschen einen freien Ausblick gewinnen sollen in das, was zur Heilung mancher Kulturschäden notwendig ist. Es wird eben furchtbar |
| 214 | viel herumgeredet, was geschehen soll. Aber es ist wenig Wille vorhanden, in die Wirklichkeit unterzutauchen, und das Wort über das, was geschehen soll, auch aus der Wirklichkeit hervorzuholen. Es ist schon tatsächlich so, daß wir heute aus der Sphäre von Wahrheit, von wirklichem, aus der Natur des Menschen kommendem Recht und aus demjenigen, was im Menschen sich entwickeln muß, wenn er für seine Mitmenschen Wert haben soll, aus der Lebenspraxis, allmählich herausgekommen sind, und zwar aus dem Wahrheitswort in die Phrase, aus dem Rechtsempfinden in das Konventionelle und aus der Lebenspraxis in die bloße Lebensroutine hinein. Und wir kommen aus dieser dreifachen Unwahrhaftigkeit, aus Phrase, Konvention und Routine nicht heraus, wenn wir nicht den Willen entwickeln, unterzutauchen in die Dinge, hinzuschauen, wie sie sich eigentlich in ihrer Wirklichkeit gestalten. Dann werden wir die Möglichkeit finden, gerade als diejenigen, die solche Dinge von der Studienseite her ansehen wollen, dann werden wir die Möglichkeit finden, verstanden zu werden. Es ist in der Welt heute vieles, was als Agitationsphrase einen furchtbaren Schaden anrichtet, weil so wenig Menschen da sind, die ernsthaft den Willen haben, auf die Wirklichkeiten einzugehen. Deshalb war es mir eine tiefe Befriedigung, daß Sie hierher gekommen sind und sich mit mir haben vierzehn Tage lang beschäftigen wollen, durchzudenken das Gebiet der Volkswirtschaft. Ich danke Ihnen herzlich dafür; denn ich darf diesen Dank aussprechen, weil ich zu wissen glaube, was es für eine Bedeutung hat, daß gerade die, die heute im Leben als Akademiker stehen auf dem Gebiet der Volkswirtschaft, werden ungeheuer viel mitarbeiten können an der Gesundung unseres Kulturlebens, an dem Wiederaufbau des Menschheitslebens. Und wir müssen schon anstreben, daß Volkswirtschaft nicht bloß eine Theorie ist, sondern daß Volkswirtschaft tatsächlich auch sich erweist selber als ein volkswirtschaftlicher Wert, damit dasjenige, was wir an Arbeit ersparen, tatsächlich von denjenigen, die es uns ersparen, in fruchtbarer Weise für die Fortentwickelung der Menschheit angewendet werden kann. Ich glaube, Sie waren sich, indem Sie den |
| 215 | Entschluß gefaßt haben, hierherzukommen, dieser wichtigen Aufgabe des Wirtschaftswissenschafters bewußt, und es wäre mir lieb, wenn Sie befestigt würden durch das, was, allerdings in unzulänglicher Weise, hat unter uns erarbeitet werden können. Hoffentlich haben wir Gelegenheit, die Dinge einmal weiter zu arbeiten. |