Textgrundlagen
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| 217 | Von dem Fragment «Anthroposophie» kann es keine endgültige Textgestalt geben, da Rudolf Steiner im Oktober 1910 zwar begonnen hat, die Schrift in die Druckerei zu geben, sie dann aber weder vollendet noch veröffentlicht hat. In seinem Nachlass liegt der Text in verschiedenen Stufen der Vollendung vor, die zudem teilweise Varianten aufweisen. Die vorliegende Ausgabe enthält |
| 218 | die zehn Kapitel der unvollendeten Schrift nach der jeweils vorhandenen letzten Textstufe und im Anhang alle Materalien zum literarischen Text des Fragments. Als Unterlagen zum Text des Fragments sind im Rudolf Steiner Archiv erhalten: a) Ein 52-seitiges, paginiertes Manuskript von Rudolf Steiners Hand, wobei Seite 29 fehlt und nicht erhalten ist. Es enthält ansonsten die ganze Schrift, soweit sie vollendet wurde, also Kap. 1 - X bis zu der Stelle, an welcher der Text in Kap. X abbricht. Zudem liegt eine handschriftliche Manuskriptseite mit dem Inhaltsverzeichnis der zehn Kapitel vor. b) Jeweils eines oder mehrere Exemplare der Druckbögen der 1. und 2. Korrektur, Druckerei A. W. Hayn's Erben, Potsdam. Die Druckbögen sind von der Druckerei datiert und umfassen je 16 Buchseiten. Die fünf Druckbögen der 1. Korrektur enthalten 80 Buchseiten umbrochenen und paginierten Text. Sie enthalten den Text bis zur vorletzten Seite des Kap. IX. Sie sind mit handschriftlichen Korrekturen Rudolf Steiners versehen, und zwar in der folgenden Weise: Bogen 1, 24. Okt. 1910, 1 Exemplar mit Korrekturen; Bogen 2, 25. Okt. 1910, 1 Exemplar mit Korrekturen; Bogen 3, 26. Okt. 1910, 2 Exemplare mit teils den gleichen, teils voneinander abweichenden Korrekturen; Bogen 4, 28. Okt. 1910, 2 Exemplare mit teils den gleichen, teils voneinander abweichenden Korrekturen; Bogen 5, S. 29. Okt. 1910, 1 Exemplar mit Korrekturen. - Ebenfalls vorhandene Druckbögen der 2. Korrektur umfassen nur die ersten beiden Bögen der 1. Korrektur mit ausgeführten Korrekturen, wobei der erste Bogen nicht aufgeschnitten wurde. Alle Bögen der 2. Korrektur weisen keine neuen Korrekturen auf. c) Von der Stelle, an welcher die Druckbögen in Kap. IX abbrechen, bis in den Anfang von Kap. X hinein, liegen noch 4 Seiten Druckfahnen vor. Ein weiterer Druckbogen wurde nicht mehr voll; das Manuskript setzte die Schrift nur noch wenige Seiten über die letzten Fahnen hinaus fort. Nur die erste der Fahnen ist noch paginiert und trägt in 2 Exemplaren seitens der Druckerei die Daten 31. Okt. 1910 und 28. November 1910; die zweite ist noch als Buchseite umbrochen, während die dritte und vierte nicht |
| 219 | mehr nach Seiten umbrochen sind. Die Druckfahnen haben keine Korrekturen. d) Neben Manuskript, Druckbögen und Druckfahnen hat sich im Rudolf Steiner Archiv ein Korpus von Einzelmanuskripten unterschiedlicher Länge erhalten, die Vorstufen und Entwürfe zu verschiedenen Stellen des Manuskripts der Schrift darstellen. Sämtliche dieser gesondert vorliegenden Manuskript-Entwürfe sind in Anhang 2 in der originalen Schreibweise veröffentlicht, siehe S. 121ff. |
Vorträge «Anthroposophie» 1909
| 219 | Zum Umkreis der auf das Fragment bezüglichen Archiv-Materialien sind auch die Unterlagen der vom 23. bis 27. Oktober 1909 in Berlin gehaltenen Vorträge über Anthroposophie» zu rechnen. Die Grundlinien der Inhalte dieser Vorträge entsprechen demjenigen, was Rudolf Steiner literarisch in der Schrift «Anthroposophie» skizzieren wollte, und das Vorhaben der Buchveröffentlichung geht auf die Zeit dieser Vorträge zurück. Die Vorträge sind in 4. Auflage herausgegeben in der Gesamtausgabe im Band «Anthroposophie - Psychosophie - Pneumatosophie», GA 115, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001. |
Notizbuch auf Zeichnungen und Notizblätter
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Rudolf Steiner ausdrücklich als zugehörig «zur Anthroposophie» |
| 220 | bezeichnet wurde sowie einem weiteren Beispiel, das die zwölf Erlebnisgebiete und zehn Sinnesbezirke zeigt, die Steiner 1910 in seinem Fragment zur Darstellung bringen wollte, siehe den Anhang 3 und 4, S. 177ff. Trotz ihrer inhaltlichen Zugehörigkeit zum Werde- und Ideengang des Fragments stellen die Aufzeichnungen einen eigenen Werkkomplex dar und können nicht wie die Manuskript-Vorstufen als unmittelbare Entwürfe für den literarischen Text der «Anthroposophie» betrachtet werden. |
Unvollendete Studie über Hören und Sprechen
| 220 | Ein mit der Arbeit an der «Anthroposophie» wohl zusammenhängendes, aber selbständiges unvollendetes Manuskript sind die 15-seitigen Ausführungen im Notizbuch Archiv-Nr. NB 210 über Hören und Sprechen. Die unvollendete Studie findet sich als Anhang 5 nach dem Manuskript gedruckt, siehe S. 186ff. |
Titel der Schrift
| 220 | Manuskript und Druckbögen tragen keinen Titel, sondern beginnen jeweils mit dem Text bei Kap. I. Am Ende des ersten Kapitels, das den programmatischen Titel «Der Charakter der Anthroposophie» trägt, spricht Steiner S. 20 von einer kurzen Skizze der «Anthroposophie», die mit der Schrift als Buch gegeben werden soll. Schon die vier Vorträge, Berlin 1909, welche den Inhalt erstmals mündlich darstellten, hatte Steiner selbst unter dem Titel «Anthroposophie» ankündigen lassen, und er spricht im ersten Vortrag am 23. Okt. 1909 über den Plan einer baldigen literarischen Darstellung der Vortragsinhalte als «ein kurzer Abriß dessen, was Anthroposophie ist», siehe bei den Selbstzeugnissen, S. 200. Und sowohl in einem Brief aus dem Jahre 1911 wie noch zehn Jahre später, in einem Rückblick im Jahre 1921, spricht Steiner von seiner unvollendet gebliebenen Schrift unter der Bezeichnung «Anthroposophie», siehe Selbstzeugnisse, S. 201 und 205. Aus alledem kann «Anthroposophie» als fest stehender Titel angenommen werden. - Der Untertitel «Ein Fragment» wurde von den Herausgebern angefügt, um den unvollendeten Charakter des nachgelassenen Werkes deutlich zu machen, wobei der Ausdruck |
| 221 | offenbar auch schon von Steiner für die Schrift gebraucht wurde, siehe Selbstzeugnisse, S. 203. |
Textanordnung und -gestalt
| 221 | Der Text in dieser Ausgabe folgt, soweit möglich, immer der jeweils letzten erhaltenen Textstufe, d. h. zuerst den einfach oder in zwei Fassungen korrigierten Druckbögen, sodann den unkorrigierten Druckfahnen, und schließlich, wenn diese abbrechen, dem Manuskript. Im Einzelnen heißt dies, der Text folgt: a) von Kap. I bis III den einmal korrigierten Druckbögen; b) von Kap. IV bis zur Stelle «eine Art Ernährung» in Kap. VII, S. 73, Zeile 25, den doppelt und voneinander abweichend korrigierten Druckbögen unter Auswahl von Varianten für den Haupttext und Nachweis sämtlicher Varianten im Anhang, worüber weiter unten orientiert wird; c) von dieser Stelle in Kap. VII bis zur Stelle «zu Lebensorganen» in Kap. IX, S. 88, Zeile 25, den wiederum nur in einer Fassung korrigierten Druckbögen; d) von dieser Stelle in Kap. IX bis zur Stelle umgewendeten» in Kap. X, S. 92, Zeile 21, den unkorrigierten Druckfahnen; e) von dieser Stelle in Kap. X bis zum Ende des Textes, S. 101, dem Manuskript. Die Rechtschreibung des Haupttextes beruht grundsätzlich auf der Fassung der Druckbögen. In Zweifelsfällen wurde mit dem Manuskript verglichen. Die Schreibart der Druckbögen wurde auch für die in den Text aufgenommenen Korrekturen und Varianten sowie für den Teil des letzten Kapitels angewendet, für welchen nur das handschriftliche Manuskript als Textgrundlage vorliegt. Es ist nicht zu entscheiden, inwiefern Rudolf Steiner den bestehenden Text weiteren inhaltlichen und stilistischen Veränderungen unterzogen hätte. Aufgrund der vielen ab Kap. IV einsetzenden Varianten muss dies aber als sehr wahrscheinlich angenommen werden. Immerhin hat er die Druckbögen mindestens einmal durchgesehen und korrigiert. |
| 222 | Gegenüber dem Manuskript unterscheidet sich die Rechtschreibung der Druckbögen vor allem bei: Fremdworten (ätherisch, instinktiv statt aetherisch, instinctiv); der Schreibart gibt statt giebt; der Vereinheitlichung der ß-Schreibung (daß, außen statt dass, aussen); in einigen Fällen bei der Gross- und Kleinschreibung sowie der Getrennt- und Zusammenschreibung (zugrunde, in bezug auf, zutage treten statt wie durchwegs im Manuskript zu Grunde, in Bezug auf> zu Tage treten); der Ausschreibung von e-Endungen (manchmal höheren, inneren statt höhern, innern, meist insofern statt wie oft im Manuskript insoferne); bei dem Gebrauch des Fugen-s (meist Geruchssinn, Geschmackssinn für Geruchsinn, Geschmacksinn); und vereinzelt bei der Zeichensetzung. Gegenüber früheren Ausgaben wurden Abkürzungen in der Form der Vorlagen belassen (so immer z. B. statt zum Beispiel) und auch sonst der Text neu durchgesehen, mit den Unterlagen verglichen und stellenweise näher auf die Vorlagen zurückgeführt. Bei den Manuskript-Vorstufen im Anhang wurde von einer Normalisierung der Rechtschreibung abgesehen. Sie werden in der originalen Schreibweise der Handschriften veröffentlicht. Bei ihnen handelt es sich um Entwürfe zu einem unvollendet gebliebenen Werk, die noch mehr als dieses selbst nur als vorläufige Fassungen anzusehen sind. Die editorischen Eingriffe in den Haupttext bei der Rechtschreibung und Zeichensetzung gegenüber den jeweils letzten Vorlagen der Druckbögen, Korrekturen und dem Manuskript sind weiter unten verzeichnet. |
Varianten der doppelten Korrekturfassungen Kap, IV—VII
| 222 | Ein besonderes Problem für die Edition des Fragments stellt der Tatbestand dar, daß Steiner den dritten und vierten Druckbogen von Kap. IV bis Kap. VII in zwei Exemplaren doppelt korrigiert hat. Warum, ist nicht bekannt. Es muss angenommen werden, dass Steiner den Text hier in zwei Durchgängen korrigiert hat, was darauf hinweist, dass er an vielen Stellen von den Formulierungen noch nicht befriedigt war. Die Korrekturen sind nun teils die |
| 223 | gleichen Korrekturen derselben Stellen in beiden Fassungen, teils sind es Korrekturen, die nur in einer der Fassungen vorgenommen wurden, teils sind es - und dies ist oft der Fall - verschiedene Korrekturfassungen für dieselbe Textstelle in beiden Exemplaren. Es liegen so parallele Korrekturvarianten vor, von denen keiner der Vorzug zu geben ist. Angesichts dieser Manuskriptlage ist hier eine Textgestalt nach der letzten Textstufe nicht möglich. Für diese Ausgabe wurden die beiden Korrekturfassungen mit A und B bezeichnet und folgendes Verfahren angewendet: a) Gleiche Korrekturen in beiden Fassungen wurden ohne weiteren Nachweis als letzte Textstufe in den Haupttext aufgenommen. b) Nur in einer Fassung korrigierte Stellen wurden ebenfalls immer in den Haupttext aufgenommen, da die Stelle mindestens einmal korrigiert worden ist und damit als verändert gelten kann, wobei die unkorrigierte Stelle des zweiten, ebenfalls von Steiner durchgesehenen und korrigierten Druckbogens als Variante im Anhang nachgewiesen wurde. c) Bei verschiedenen Korrekturfassungen derselben Stelle in Fassung A und B wurde die eine für den Haupttext ausgewählt und die andere als Variante im Anhang nachgewiesen. Die Auswahl erfolgte nach stilistischen oder inhaltlichen Gesichtspunkten, ist aber nicht als wesentlich zu betrachten, da es hier aufgrund der Textgrundlage keine gültige letzte Variante geben kann, sondern alternative Formulierungen Steiners. In Anhang 1, S. 105ff, können sämtliche Varianten direkt verglichen werden. Relativiert wird das Problem der Korrekturvarianten, wenn man sich vor Augen führt, dass sie meistens den sprachlichen Ausdruck eines Sachverhalts, selten aber neuartige Inhalte aufweisen. Sie zeigen Rudolf Steiners Ringen mit der schwierigen sprachlichen Form für diese Schrift, die er mehrfach selbst beschrieben hat, siehe die Selbstzeugnisse S. 200ff. Schließlich muss ausdrücklich hervorgehoben werden, daß auch der gesamte übrige Text keine endgültige Fassung einer Schrift Rudolf Steiners darstellt, sondern ein Fragment gebliebener Entwurf, an welchem er die Arbeit abgebrochen hat. |