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ANHANG

ANHANG

1. Varianten der Korrekturfassungen Kap. IV-VII

Seite Text
105 Nachstehend finden sich sämtliche Varianten der doppelten Korrekturfassungen Rudolf Steiners von Kap. IV bis VII. Sie werden A und B genannt. Ist dieselbe Textstelle in beiden Exemplaren der Druckbögen verschieden korrigiert, so ist dies bezeichnet. Vermerkt ist auch, wenn es sich um ganze Stellen handelt, die neu hinzugefügt wurden. In allen anderen Fällen handelt es sich um Korrekturen in nur einer der beiden Fassungen, während die Variante die unkorrigierte Lesart des anderen Druckbogens wiedergibt. Gleiche Korrekturen in beiden Fassungen sind nicht berücksichtigt, da in diesem Fall die letzte Textgestalt fest steht. Zuerst steht jeweils unter Angabe der Seite und Zeilen die für den Haupttext ausgewählte Variante, darunter die andere.
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43,23 B : stattfinden, und da
A : stattfinden und da
44,7-8 B : dieses Gebietes, die Absonderung, bezeichnen.
A : dieses Gebietes: die Absonderung bezeichnen.
45,1-4 B : Was zum eigenen Leibe gehört, wird so hervorgebracht, daß es mit dem Menschen vereinigt bleibt; bei der Fortpflanzung tritt das Hervorgebrachte nach außen.
A : Während das für den eigenen Leib Notwendige so hervorgebracht wird, daß es mit dem Menschen vereinigt bleibt, tritt bei der Fortpflanzung das Hervorgebrachte nach aussen.
Verschiedene Korrektur in A und B.
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46,2 B : zeigen;
A : zeigen,
46,17 B : entgegensteht,
A : entgegenstehen,
46,25 B : die äußeren Sinneswahrnehmungen
A die Sinneswahrnehmungen
46,25-26 B nacherlebt werden,
A : nacherlebt werden
46,31 B : der äußeren Sinneswahrnehmungen
A : der Sinneswahrnehmungen
48,3-6 A : was dem Hunger entspricht und was mit ihm so verknüpft ist, wie dasjenige, was der Mensch nach einer Urteilsfällung auf eine Sinneswahrnehmung hin mit dieser verknüpft.
B : was dem Hunger entspricht, und was mit ihm so verknüpft ist, wie dasjenige, was der Mensch nach einer Urteilsfällung vollbringt, mit einer Sinneswahrnehmung verknüpft ist. / … vollbringt, auf eine Sinneswahrnehmung hinweist, die mit dieser verknüpft ist. Verschiedene Korrektur in A und B. Die Fassung B hat zwei Lesarten der Korrektur.
48,8-9 B : ein Äußeres
A : ein Anderes
48,30-31 A : diese Welt zunächst «Lebenswelt» genannt.
B : diese Welt «Lebenswelt» genannt.
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49,13 A : ist z. B. streng gesondert
B : ist streng gesondert
50,4-5 B : durch gesteigertes Innenleben.
A : durch sich selbst.
50,9 A : gebrauchen könnte,
B : gebrauchen konnte,
50,17-25 A : In beiden Fällen stellt sich das entsprechende Leibesorgan der Außenwelt entgegen. Das ist ein Hinweis darauf, daß in der Außenwelt dasjenige sich offenbart, was Beziehung sowohl zu dem einen und dem anderen Organ hat. Nur zeigt sich, daß z. B. in der Luft sich ein zweifaches offenbart; dem einen gegenüber ist gestaltet das Atmungsorgan und stellt es in den Dienst des Leibes hinein; das andere bezieht sich auf den Bau des Gehörorgans.
B : In beiden Fällen stellt sich das entsprechende Leibesorgan der äußeren Luft entgegen. Das ist ein Hinweis darauf, daß für die Luft der menschliche Organismus in seinem Aufbau durch das eine und andere Organ hingeordnet ist. So zeigt sich, daß der Luft gegenüber im menschlichen Leibe sich ein zweifaches offenbart; das eine gestaltet nach außen das Atmungsorgan und stellt es in den Leib hinein; das andere baut das Gehörorgan auf.
Verschiedene Korrektur in A und B.
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51,1-6 B : Aus dem Organismus heraus wächst das Atmungsorgan der Außenwelt entgegen und auch das Gehörorgan. Nun dient das Atmungsorgan nur dem inneren Leibesleben; das Gehörorgan jedoch muß der Außenwelt - dem Gebiete des Tones - angepaßt sein.
A : Aus dem Organismus heraus wächst das Atmungsorgan der Außenwelt so entgegen wie das Gehörorgan. Nun muß das Atmungsorgan nur dem inneren Leibesleben; das Gehörorgan jedoch der Außenwelt - dem Gebiete des Tones - angepaßt sein.
Verschiedene Korrektur in A und B.
51,8-9 B : genommen zu werden;
A : genommen werden;
52,4-5 B : höhere Wesenheit im Menschen annehmen,
A : höhere Welt annehmen,
52,7 A : Ebenso eine andere,
B : Ebenso eine unter ihr stehende andere,
52,17-25 A : in eben demselben Sinne kann anerkannt werden, daß die zweite der angeführten Welten in den Gefühlserlebnissen des «astralischen Menschen» sich zeigt, die als Lebensinstinkte bezeichnet werden können. In diesen Erlebnissen spricht sich etwas aus, mit dem die anderen instinktiven Erlebnisse des «astralischen Menschen» in
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eins zusammenfließen und Bild sind einer übersinnlichen Welt in dem Sinne wie der Ich-Mensch Bild einer solchen ist.
B : ; in eben demselben Sinne kann anerkannt werden, daß der astralische Mensch in den Gefühlserlebnissen, welche sich ihm durch Lebensvorgänge ergeben, die Offenbarungen einer übersinnlichen Welt empfängt, in welcher die Organe dieser Vorgänge (die Lebensorgane) die Wesenheit empfangen: 1. dem Leben zu dienen, 2. die Sinnesorgane aus sich zu gestalten. In diesem Erlebnisse spricht sich etwas aus, in dem die anderen instinktiven Erlebnisse des «astralischen Menschen» in eins zusammenfließen und ihre höchste Wirksamkeit als gestaltbildende Kraft offenbaren.
Verschiedene Korrektur in A und B.
53,11-22

Sinnenwelt in oben gekennzeichnetem Sinne. Diejenigen Kräfte, welche die Lebensorgane aufbauen, können sich in der |

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physischen Welt nur in den Lebensvorgängen offenbaren. Denn sie erzeugen die Lebensorgane und nur durch solche kann sich ein Lebensvorgang kundgeben.
B : Um den «astralischen Menschen» möglich zu machen, baut eine übersinnliche Welt die Lebensorgane auf. Die Kräfte dieser Welt haben sich als verwandt ergeben den Erlebnissen des «astralischen Menschen». Was den physischen Menschen aufbaut, offenbart sich in der Sinnenwelt in oben gekennzeichnetem Sinne. Diejenigen Kräfte, welche die Lebensorgane aufbauen, können sich nur in den instinktiven Gefühlserlebnissen offenbaren, die von den Lebens Vorgängen herrühren. Denn sie erzeugen keine Sinnesorgane und nur durch solche kann sich Sinnenfälliges kundgeben.
Verschiedene Korrektur in A und B.
53,27-28 B : nicht sinnenfällig werden, sondern nur gefühlsmäßiges Instinkterlebnis sein.
A : nicht sinnenfällig werden.
54,4-5 B : so beschaffen, daß er dem Ich die Sinneserlebnisse liefert;
A : so beschaffen, daß er sich auch sinnenfällig wahrnehmbar macht;
54,5-6 B : der «ätherische Leib» kann
A : der «ätherische Leib» als Erbauer der Lebensorgane kann
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54,7-15 B : Es muß sich verhalten: das Ich zum physischen Menschenleib, wie der «astralische Mensch» zum «ätherischen Menschenleib». - So setzen die Lebensvorgänge Kräfte voraus, denen sie sich anpassen, indem sie Sinnesorgane, wie z. B. das Gehörorgan, aus dem Leibe heraus im Sinne von Erlebnissen gestalten, denen sie selbst nicht dienen; und die Sinnesorgane wieder setzen die Lebensorgane voraus, indem sie durch deren Vorgänge unterhalten werden.
Zusatz in Fassung B, der ohne Absatz anschließt an «…erlebt werden.»
A : Man kann demnach unterscheiden: 1. Eine übersinnliche Welt, in welcher die Kräfte zum Aufbau der Sinnesorgane liegen. 2. Eine übersinnliche Welt, in welcher die Kräfte zum Aufbau der Lebensorgane liegen. Diese setzt jene voraus; daher kann erstere die höhere Geisteswelt, letztere die niedere Geisteswelt genannt werden. 3. Eine Welt, in welcher der astralische Mensch so in Beziehung steht zu den Lebensvorgängen, daß diese in ihm sich als Lebensinstinkte offenbaren. Diese setzt die Lebensvorgänge, also die zweite Welt voraus. Sie sei die astralische Welt genannt.
4. Eine Welt, in welcher dem Ich-Menschen sich die Sinneserlebnisse durch die Sinnesorgane offenbaren. Diese ist aber die physisch-sinnliche Welt.
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Der ganze Absatz ist Zusatz in Fassung Ay der mit Absatz anschließt an «… erlebt werden.»
54,30-55,8 Aus der höheren Geisteswelt ist der physische Menschenleib gebildet, insoferne er Träger der Sinnesorgane ist. Aus der niederen Geisteswelt ist der ätherische Menschenleib gebildet, insoferne er die Lebensorgane auferbaut. In der astralischen Welt tritt der astralische Mensch mit den Lebensvorgängen in Beziehung, insoferne sich diese in den Lebensinstinkten offenbaren. In der physischen Welt tritt der Ich-Mensch mit den sich als Außenwelt darstellenden Sinneserlebnissen (Laut, Ton, Wärme, Licht etc.) in Beziehung, sofern sich diese als Sinneswelt offenbaren. - Der ganze Absatz ist ein separat vorliegender handschriftlicher Zusatz auf einem Einzelblatt, der durch Angabe der entsprechenden Seitennummer des Druckbogens auf diese Stelle bezogen ist.
56,6 A : kommt hinzu zunächst
B : gehört zunächst
56,19 B : diejenigen dar,
A : diejenigen an,
56,31-57,1 A : ist wertvoll; es erwacht das Interesse dafür. Soll
B : ist wertvoll, es erwacht das Interesse dafür; soll
57,25 B : zur Ich-Tätigkeit
A : zur Ich-Tätigkeit
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58,3-4 B : von Sinnesorganen, für den «ätherischen Menschen» von Lebensorganen spricht,
A : von Sinnesfähigkeiten, für den «ätherischen Menschen» von Lebensvorgängen spricht,
58,22 A : ;demjenigen Erlebnis
B : dem Erlebnis
59,10 B : zu Empfindung
A : zur Empfindung
60,7 A : in der Wirklichkeit
B : in Wirklichkeit
61,12-22 A : Man wird nun leicht erkennen, daß die Welt, von der hier gesagt ist, daß aus ihr der «astralische Leib» stammt, die gleiche ist, wie die im vorigen Kapitel als «astralische Welt» charakterisierte. Denn es müssen sich die Lebensvorgänge erst in Lebensinstinkte umsetzen, um im «astralischen Menschen» Impulse zu sein. Lebensinstinkte, Bildempfindungen, Begehrungen und Bewegungsimpulse gehören also dem «astralischen Menschen» an, insofern dieser die niedere Geisteswelt schon voraussetzt und selbst in der «astralischen Welt» den Ursprung hat.
Der ganze Absatz ist Zusatz in Fassung A.
62,1-2 A : Erleben des «Ich» selbst durch den Menschen liegt
B : Erleben des «Ich» liegt
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62,27 A : kehrt also zurück
B : kehrt also um,
63,14 B : geschehen, und erst,
A : geschehen und erst,
63,14-15 A : wenn sich das innere Erleben gewissermaßen zur Wehre setzt,
B wenn dann sich das innere Erleben zur Wehre setzt,
63,22 A : die es selbst von außen
B die es von außen
63,25-26 B : eingeprägt werden, die selbst
A : eingeprägt werden, das selbst
64,2-24 A : Man nehme nun weiter an, daß die Außenwelt mit dem, was sie in das Innere als Sinnesorgan geschickt hat, das Ich-Erleben gleichsam ganz ausfülle; dann wird das Innere die Eigenheit eines Äußeren in der Sinneswahrnehmung nacherleben, obgleich inneres Erlebnis und Außenwelt einander gegenüberstehen. Und ein Einstrahlen von seiten der Außenwelt wird dann als etwas sich offenbaren, was mit einem Inneren gleichartig ist. Das Ich wird Äußeres und Inneres als gleichartig erleben. So ist es beim Wärmesinn. - Nun vergleiche man die Erlebnisse des Wärmesinnes mit dem Lebensvorgang der Wärmung.
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Ein Wärmeeindruck muß als etwas anerkannt werden, was gleichartig ist der im Innern selbst erlebten und dieses Innere erfüllenden Wärme.
Bei Geruchssinn, Geschmackssinn und Gesichtssinn kann von einem Einströmen der Außenwelt in die Ich-Erlebnisse gesprochen werden. Durch den Wärmesinn wird das Innenleben mit der Eigenart der Außenwelt erfüllt. Eine Sinneswahrnehmung von innen gibt sich kund bei Gleichgewichts-, Eigenbewegungs- und Lebenssinn. Durch sie erlebt das Ich seine innere physische Erfüllung.
B : Man nehme nun weiter an, daß die Außenwelt mit dem, was sie in das Innere geschickt hat, das Ich-Erleben gleichsam ganz ausfülle; dann wird das ganze Innere die Eigenheit eines Äußeren haben, obgleich es inneres Erlebnis ist. Und ein Einstrahlen von Seiten der Außenwelt wird als etwas sich offenbaren, was mit dem Inneren gleichartig ist. Das Ich wird Äußeres und Inneres als gleichartig erleben. So ist es beim Wärmesinn. Ein Wärmeeindruck muß als etwas anerkannt werden, was gleichartigem seine Entstehung verdankt wie die im Innern selbst erzeugte und dieses Innere erfüllende Wärme. (Die Anthropologie muß dieses anerkennen, da sie die innere Wärme durch eine innere Verbrennung
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entstanden denken muß, wie auch die äußere Wärme durch Verbrennung entsteht.) Denkt man sich das den Leib erfüllende Erzeugnis der äußeren Wärmevorgänge, so stellt es sich dar wie eine zweite Art von inneren Erlebnissen; wie etwas, was das Ich erfüllt und im Ich selbst IchNatur annimmt. Es schiebt sich also in die Ich-Erlebnisse etwas ein, was wie ein zweites Ich das erste erfüllt. Dieses zweite Ich ist in der Tat ein dem ersten entgegenstehendes Ich-Erlebnis. Sofern sich aber das erste Ich nur wirklich als sich selbst fühlt, muß es dieses zweite als eine Bildempfindung seiner Selbst vorstellen. Und diejenige Außenwelt, in welcher das zweite Ich wurzelt, ist völlig zur Innenwelt geworden.
Wenn in Geruchssinn, Geschmackssinn und Gesichtssinn von einem Einströmen der Außenwelt in die Ich-Erlebnisse gesprochen werden kann, so läßt sich auch der Fall denken, daß jenes Stück Außenwelt, welches verinnerlicht erkannt worden ist, nicht nur so wirkt wie im Wärmesinn, daß es das Innenleben erfüllt, sondern auch so, daß es über das Maß dieser Erfüllung hinausgehe, und gewissermaßen die Innenerlebnisse überwuchere. Dann würde es als Sinneswahrnehmung von innen sich kundgeben. Dies stellt in der Tat
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das bei Gleichgewichts-, Eigenbewegungsund Lebenssinn bestehende Verhältnis dar. Durch sie erlebt das Ich seine innere Erfüllung.
Verschiedene Korrekturen in A und By sowie Streichung in A: «(Die Anthropologie … zur Innenwelt geworden.»
65,10 A : wie im Ton.
B : wie in dem Ton.
Zusatz in A und B.
65,12
B : der Fall.
66,14 B : beim Lautsinn
A : dem Lautsinn
66,14-15 A : die Entfaltung der Sinnesfähigkeit bis
B : die Entfaltung bis
66,27 A : für den Lautsinn
B : für den Sprachsinn
67,2-3 A : andere Lautbedeutungen bereits angeeignet hat.
B : andere bereits angeeignet hat.
67,14-16 A : Man sieht: die Ich-Empfindung, die Erlebnisse des Begriffssinnes und Lautsinnes werden dem Ich entgegengebracht durch drei Organismen.
B : Man sieht, daß die Ich-Empfindung, die Erlebnisse des Begriffssinnes und Laut
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sinnes dem Ich entgegengebracht werden durch drei Organismen.
Verschiedene Korrektur in A und B.
67.19 A : sagen, das
B : sagen das
67,25 A : man sich nun den Menschen
B : man sich dem Menschen
68.20 A : in diesen dreien
B : in den dreien
69,29 B : von diesem
A : von ihm
70,1 A : müßte nun jenes
B : müßte nur jenes
70,10 A : Das hypothetisch angenommene
B : Das angenommene
70,17-18 A : gießt sich dann etwas aus dem Wesen des Äußeren selber in
B : gießt sich dann aus dem Wesen des Äußeren selber etwas in
Verschiedene Korrektur in A und B.
70,29 A : vorhanden. Sollte
B : vorhanden; sollte
71,5-6 B : äußeren Bewegung des Ich-Menschen erleben.
A : äußeren Bewegung erleben.
71,25 A : eine Tätigkeit
B : eine äußere Tätigkeit
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72,2 A : eine im Innern
B : eine nach dem Innern
72,9-10 A : empfunden,
B : empfunden;
72,18-19 B : ein umgekehrtes Gleichgewichtserlebnis, das
A : einen umgekehrten Gleichgewichtssinn, der
72,20-22 A : ähnlich angesammelt und organisch gefügt hat, wie der umgekehrte Lebenssinn die Begriffserlebnisse ansammelt und fügt.
B : ähnlich ansammelt und organisch fügt, wie der umgekehrte Begriffssinn die Begriffserlebnisse ansammelt und fügt.
72,25-73,2 A : daß der Entstehung der Gehöranlage ein Vorgang zum Grunde liegt, der das Organ befähigt, das äußere Wesen bei Berührung mit dem Menschen seinem eigenen Inhalt nach wahrzunehmen, welcher als Ton dem Ich-Erleben zufließt, während der umgekehrte Gleichgewichtssinn die Tätigkeit darstellte, welche dem Ton zugrunde liegt und aus welcher die Gehöranlage sich dem Ton-Erleben entgegen aus dem Organismus herausgebildet hat.
B : daß der Entstehung der Gehöranlage ein Wesenhaftes in der Außenwelt zum Grunde liegt, das in dem Sinneserlebnis des
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bei Berührung mit dem Menschen seinen eigenen Inhalt abgibt, welcher als Ton dem Ich-Erleben zufließt, während der umgekehrte Gleichgewichtssinn die Tätigkeit darstellt, aus welcher die Gehöranlage sich bildet.
Verschiedene Korrektur in A und B. |

73,22-23 A : eine Art Lebensvorgang
B : eine Art Ernährungsvorgang
73,23-24 A : diese Tätigkeit
B : die Tätigkeit
73,25 A : eine Art Ernährung
B : eine Ernährung



2. Manuskript-Entwürfe

121 Erhalten haben sich verschiedene Manuskript-Entwürfe zur «Anthroposophie». Es handelt sich um Vorstufen aus dem werdenden Manuskript, die von ganzen Kapiteln bis zu kleinen Bruchstücken reichen. Daher beginnen und enden sie manchmal mitten im Satz, denn an diesen Stellen wurden sie abgebrochen oder fügten sich in den Zusammenhang von Stellen des entstehenden Manuskripts ein. Die Entwürfe sind in der ursprünglichen Schreibweise nach den Manuskripten gedruckt. Bezüge zu Stellen der späteren Manuskript- und Druckfassung sind, wenn möglich, angegeben. Zusätze der Herausgeber stehen in [eckigen] Klammern.


1.

121 6 Seiten, wobei die zweite Seite fehlt. - Frühere, vielleicht erste Fassung von Kap. I, die zunächst gleich lautet wie der Anfang der Druckfassung, dann, von der vierten Manuskriptseite an, vgl.

Kap. I, S. 16, Zeile 18ff, stellenweise anders gefaßt ist.

Theosophie geht davon aus, dass der Mensch vor allem ein geistiges Wesen ist. Und sie sucht ihn als ein solches zu erkennen. Wie sich der Mensch in diesen oder jenen Verhältnissen auslebt, wie er sich in diesem oder jenem Klima, in dieser oder jener Zeit gestaltet, das ist ihr eine Offenbarung des geistigen Wesens. Sie sucht die verschiedenen Formen zu erkennen, in welchen sich dieses geistige Wesen offenbaren kann, und so vom Geiste aus darzustellen, was die Anthropologie durch äussere Anschauung zu erkennen sucht. Sie stellt die Ansicht von diesem geistigen Wesen nicht als eine willkürliche Behauptung hin. Sie stützt sich dabei ebenso auf Thatsachen wie die Anthropologie, wenn ihr auch ganz naturgemäss
122 diese Thatsachen von vielen Seiten bestritten werden. Sie spricht davon, dass des Menschen Inneres nicht ein abgeschlossenes, festes ist, sondern dass es ein entwickelungsfähiges ist. Für sie liegen in diesem Inneren Keime, die sich entfalten können. Und durch diese Entfaltung erlebt der Mensch nicht nur innere Thatsachen. Er dringt vielmehr in eine Welt ein, die nicht weniger für ihn eine Aussenwelt ist, wie die sinnliche eine solche darstellt. Die inneren Erlebnisse werden zu Vermittlern der äusseren Geisteswelt. Sie sind als solche nicht Selbstzweck; sie sind die Mittel, um von dem Innern in die geistige Aussenwelt zu kommen, wie die Sinne die Mittel sind, die sinnliche Aussenwelt zur seelischen Innenwelt zu machen. Naturgemäß muss das Verhältnis des Menschen zur geistigen Aussenwelt ein andres sein als zur sinnlichen. Die Gestalt der letztern wird sich ihm immer in gleicher Art darbieten, wie er auch an sie herantritt. Was auch im Innern des Menschen vorgehen mag: es kann daran nichts ändern, wie eine sinnenfällige Thatsache in ihrem Verlaufe ist. Ganz anders liegt die Sache, wenn das Innere sich zum Beobachtungsorgan für die Geisteswelt entwickeln soll. Da wird notwendig, dass jede persönliche Willkür erst zum Schweigen gebracht ist. Und es gehört eine ganz bestimmte Vorbereitung dazu, dies zu bewirken. Sofern diese Vorbereitung nur annähernd den notwendigen Grad von Vollkommenheit erreichen kann, wird es stets schwierig sein, Übereinstimmung bei den Menschen zu erzielen über das, was sie durch Entwickelung ihres Innern in der geistigen Welt erleben. So leicht wie über sinnenfällige Thatsachen die Naturforscher Übereinstimmung erzielen
123 können, wird sich eine solche bei den Geistesforschern nicht ergeben. Das ändert aber an der Thatsache selbst nichts, dass der Mensch durch Entwickelung von Keimen, die in seinem Innern schlummern, sich Organe bilden kann, welche ihn in eine geistige Welt führen. Und nur, wer von dieser Thatsache nichts wissen will, mag Einwände gegen die Erforschung der geistigen Welt aus dem Umstände entnehmen, dass die Geistesforscher nicht mit einander übereinstimmen. Die Theosophie ruht demnach auf Erlebnissen des menschlichen Innern. Diese können, wenn sie einmal von einer Seele aufgefunden sind, von jeder andern verstanden werden, welche sich gegen das Verständnis nicht verschließt. Denn für alles, was in einer noch so hoch entwickelten Seele erlebt wird, kann es in der andern eine anklingende Saite geben. Dadurch wird die geistige Welt ebenso zu einer Sache der Mitteilung von Mensch zu Mensch, wie es die sinnenfällige ist. Über eine sinnenfällige Thatsache muß Übereinstimmung herrschen, weil sie sich jedem in der gleichen Art darstellt, der sie unbefangen beobachtet. Über eine Thatsache der geistigen Welt kann die Übereinstimmung nicht dadurch erzielt werden, dass man die Menschen vor die Thatsache ausserlich führt, und sie ihnen zeigt; doch wird sich eine solche Übereinstimmung stets ergeben, wenn auf inneren Seelenwegen die Menschen sich selbst vor die entsprechenden geistigen Tatsachen hinstellen. - Diejenigen Menschen, welche dieses wirklich thun und denen es nur auf die Wahrheit ankommt, werden nicht durch die Aussagen verschiedener Geistesforscher beirrt. Sie finden die Widersprüche nur zu erklärlich aus den Schwierigkeiten,
124 die sich ergeben, wenn alle persönliche Willkür ausgeschlossen werden soll. Begreiflich ist es, dass der Gesichtspunct der Theosophie vielen als ein zweifelhafter erscheint. So wie er in der geistigen Entwickelung der Menschheit auftritt, erhebt er sich über die Erlebnisse des unmittelbaren Daseins zu Höhepuncten geistigen Forschens. Und wenn auch diejenigen Menschen, welche zur notwendigen Befriedigung im Leben die Ergebnisse der Theosophie brauchen, diesen ein tiefes Interesse entgegenbringen müssen, so wird es doch Andere geben, welche der Meinung sind, dass es dem Menschen unmöglich ist, Fähigkeiten für solche Höhen zu entwickeln. Und so zweifellos es auch ist, dass gerade von den Ergebnissen der Geistesforschung überall die Wege sich ergeben, um das unmittelbare Leben an sie zu knüpfen, so sind doch für den gewissenhaften Menschen diese Wege weit. Deshalb ist, was Theosophie über den Menschen zu sagen hat, in vieler Beziehung scheinbar auch recht weit abliegend von den Ergebnissen der Anthropologie. In dem folgenden soll nun ein dritter Gesichtspunkt gewählt werden, der in der Mitte liegt zwischen Anthropologie und Theosophie. Und die sich dadurch ergebende Ansicht soll als diejenige der Anthroposophie bezeichnet werden. Es sollen nicht wie in der Theosophie die Ergebnisse der inneren Erlebnisse unmittelbar aufgezeigt werden, und der äussere Mensch dann als die Offenbarung der geistigen Menschenwesenheit zur Darstellung kommen; es soll vielmehr diese Offenbarung selbst ins Auge gefaßt werden. Es soll der äussere Mensch, wie er sich in der sinnenfälligen Welt darlebt, beobachtet werden.
125 Doch soll diese Beobachtung so geschehen, dass durch die Offenbarung hindurch der geistige Hintergrund aufgesucht wird. Nicht wie in der Anthropologie soll bei der Beschreibung der Offenbarung, nämlich des sinnenfällig Thatsächlichen, stehen geblieben werden. Wenn Theosophie wie auf einer Bergeshöhe steht und von da eine Landschaft überblickt, Anthropologie dagegen unten in der Ebene bleibt und Wald um Wald, Haus um Haus erforscht, wird Anthroposophie ihren Gesichtspunkt am Bergeshange wählen, da, wo die Einzelheiten noch zu unterscheiden sind, sich aber doch schon zu einem Ganzen zusammenschließen. Nur eine Skizze einer damit charakterisierten Wissenschaft soll hier gegeben werden. Daher wird fast alles nur in Andeutungen erscheinen. In nicht zu ferner Zeit werden zu dieser Skizze zwei andere hinzukommen, welche mit ihr ein Ganzes bilden. Denn in dem folgenden wird nur dasjenige gezeichnet werden, was sich auf das leibliche des Menschen bezieht. Und dieses soll in engerem Sinn Anthroposophie genannt werden. Eine zweite Skizze für das Seelische soll Psychosophie, eine dritte für das Geistige des Menschen soll Pneumatosophie genannt werden. Und mit dieser werden dann, auf einem andern Wege, als die Theosophie selbst einschlägt, deren Ergebnisse wieder gefunden werden.


2.

126 10 Seiten. - Zu Kap. III gehörige frühere Fassung. Die Vorstufe, einmal durch Sernchen, einmal durch einen Abstand in drei Abschnitte geteilt, beginnt mit den gleichen Worten wie in Kap.

\III, S. 36, Z. 25f, setzt dann aber ganz anders fort.

seinem «Ich» dabei, in welchem sich auf Grund der Sinneserlebnisse die Seelenwelt aufbaut. Beim Aufbau seines Sinnesorganismus ist er nicht mehr dabei. Doch sagt ihm das Nachsinnen, dass das Dasein nicht aufhören kann mit dem, was er durch die Sinne wahrnimmt, weil er ohne dieses nicht sinnenfällige Dasein keine Sinne haben könnte für die Sinneswahrnehmung.
Es ist ganz berechtigt gegenüber dem Menschen, der sich in der Sinneswelt darbietet, von einem andern zu sprechen, der in dieser Welt sich nicht offenbaren kann. Der erste steht im Wechselverhältnis mit der sinnenfälligen Welt und entwickelt aus ihr sein Seelenleben; der zweite steht im Wechselverhältnis zu einer andern Welt, und entwickelt aus ihr die Fähigkeiten zur sinnlichen Wahrnehmung. Der zweite Mensch steckt gleichsam im ersten drinnen. Aber er bildet in demselben ein viel festeres Gefüge als der erste. Das Seelenleben, wie es sich auf Grund der sinnlichen Wahrnehmungswelt aufbaut, offenbart sich in der äusseren Gestaltung des Menschen. Man betrachte ein Gesicht, das einem Menschen angehört, dem die Sonne des Lebens stets gelächelt hat, und unterscheide es von einem solchen, in das schwere Lebenssorgen bedeutungsvolle Spuren eingegraben haben. Man wird durch die Fortsetzung solcher Betrachtungen bald dazu kommen, sich Vorstellungen zu bilden, wie in der Physiognomie, in der Miene, in der Geste, ja wie
127 selbst in der Gestalt des Menschen die Art des Seelenlebens sich offenbart. Aber diese Offenbarung, die innerhalb gewißer Grenzen auch ein Ergebnis ist des Wechselverhältnisses zwischen dem Menschen und der sinnenfälligen Aussenwelt, hat etwas unbestimmtes, etwas in fortwährendem Schwanken und Werden begriffenes. Sie bietet kein festes Gefüge dar. Das Ergebnis dagegen, das in den Fähigkeiten der Sinneswahrnehmung selbst vorliegt, ist innerhalb weitester Grenzen ein festes, fertiges, das eine Grundlage bildet, auf welcher der Mensch sein bewegliches bewußtes Seelenleben erst aufbaut.
Wie sich nun der Unterschied aufdrängt zwischen der Aussenwelt und dem seelischen Innenleben des Menschen, so dass durch das Wechselverhältnis der beiden das letztere wie eine Spiegelung der erstem erscheint, so drängt sich die Annahme eines ebensolchen Unterschiedes auf zwischen einer verborgenen Aussenwelt und einer Innenwelt des Menschen, die hinter derjenigen verborgen liegt, in welcher zunächst das «Ich» lebt, wenn es sich nur auf die sinnenfällige Welt stützt. Man kann unterscheiden zwischen der Welt, die vor dem Menschen ausgebreitet liegt, wenn er eines oder mehrere seiner Sinnestore geöffnet hält, und dem, was sich an diese Welt im Innern des Menschen durch das Wechselverhältnis anschließt. Es soll hier das, was in der so ausgebreiteten Welt liegt, mit dem Namen der «Sinnenwelt» belegt werden. Das, was ihr in der geschilderten Art im Menschen entgegentritt, soll der «Ich-Mensch» genannt werden. Man möge nur zunächst mit diesen Namen nichts anderes verbinden, als das, wofür sie hier unmittelbar gebraucht werden. — Die Welt, aus welcher die Fähigkeiten
128 der sinnlichen Wahrnehmung heraus gebildet werden, ähnlich wie die Vorstellungen z. B. aus der «Sinnenwelt», sei die «aetherische Welt» genannt; und dasjenige im Menschen, was aus dieser «aetherischen Welt» ebenso geboren ist, wie der «Ich-Mensch» aus der Sinnenwelt, sei der «astralische Mensch» genannt. Bei «aetherische Welt» soll nicht an den «Aether» der Physik; bei «astralischer Mensch» an nichts anderes zunächst gedacht werden, als an das, was hier charakterisiert ist. - Es liegt sowohl der «Sinnenwelt» in dieser Art eine «aetherische Welt» zu Grunde, wie dem «Ich-Menschen» ein «astralischer Mensch» zum Grunde liegt. Wie jene Welt nicht sinnenfällig wahrgenommen werden kann, weil sie die Sinne erst hervorbringen muß, so kann auch der «astralische Mensch» nicht sinnlich erlebt werden, weil [er] der Bildung der Sinnesfähigkeiten vorangehen muß.



Man kann nun die Betrachtung des Menschen noch von einer andern Seite her in Angriff nehmen. Zunächst stellt sich der Mensch selbst als ein Wesen innerhalb der Sinneswelt dar. Diese Darstellung unterliegt aber der Veränderung. In verschiedenen Lebensaltern sind die Eigentümlichkeiten des Menschen verschieden. Wenn man das Kind als sinnenfälliges Wesen betrachtet, so kann man aus dem, was sich den Sinnen darbietet, keineswegs sein [sicher sein?, sehen?], wie seine Gestaltung sein wird im erwachsenen Zustande. Und dennoch muß man voraussetzen, dass die Bedingungen, die Kräfte, welche aus der kindlichen Gestaltung die erwachsene hervorgehen lassen
129 werden, schon in dem Kinde vorhanden sind. Die genaue Ueberlegung zeigt auch hier, dass das Wirkliche, das Dasein mehr in sich birgt, als in der sinnenfälligen Welt wahrnehmbar ist. Die Verfolgung des Wachstums gibt dem Nachsinnen Gelegenheit, sich Vorstellungen zu machen über das hier Verborgene. Bis zum Zahnwechsel (ungefähr im siebenten Lebensjahre) verhält sich dieses Verborgene so, dass es sich vorzugsweise wirksam auf die Ausgestaltung des äusseren Menschen zeigt. Ungefähr um diese Zeit haben die Organe des äusseren Leibes ihre bleibenden Formen angenommen. Von da ab findet zwar ein Wachsen der Leibesglieder weiter statt, jedoch nicht eine eigentliche Umformung der bereits vorher angelegten Gestaltungen. Von da ab beginnt dann das verborgene Innere in sich selbst zu leben und Kräften zugänglich zu werden, welche ihre Wirksamkeit selber mehr in dem verborgenen Innern entfalten. In den ersten Lebensjahren streben die Kräfte des Inneren als Formkräfte mehr nach der äusseren Leiblichkeit; in den folgenden Lebensjahren halten sie sich mehr im Innern selbst, bis sie reif werden, ihr Wesen auf ein anderes Wesen zu übertragen, bis der Mensch fortpflanzungsfähig wird. Man muß in dem, was sich, nicht sinnenfällig, im Menschen bis zur Geschlechtsreife entwickelt, das sehen, was auf den Nachkommen übertragen werden kann. - Hier muß eine Überlegung eintreten, welche für die Erkenntnis der menschlichen Wesenheit wichtig ist. Die Bedingungen für dasjenige, was der Mensch auf den physischen Nachkommen vererben kann, liegen in dem, was mit der Geschlechtsreife einen gewißen Abschluß seiner Entwickelung erlangt. Wenn von dem, was sich
130 der Mensch in einer späteren Lebensepoche aneignet, etwas vererbt werden soll, dann muß es sich erst den Kräften einverleiben, welche bei der Geschlechtsreife schon da sind, und kann nur auf dem Umwege durch sie vererbt werden. Denn mit erlangter Geschlechtsreife müssen selbstverständlich alle Bedingungen, die für eine Vererbung wesentlich sind, bereits entwickelt sein. - Mit der Geschlechtsreife hört am Menschen dasjenige auf, sich zu entwickeln, was sich von Innen nach Außen übertragen kann, was sich in der ersten kindlichen Lebensepoche als Formkräfte des eigenen Leibes offenbart, was nachher sich im Innern so bildet, dass der Mensch seine Gestaltung auf Nachkommen übertragen kann. Wenn von da ab die menschliche Entwickelung weiterschreitet, so kann sich diese dann nur noch auf ein Inneres selbst beziehen. Was jetzt noch weiter seine Entwickelung fortsetzt, muß zunächst als inneres, als Seeleninhalt erlebt werden. Nun aber darf dieses nicht gleichgesetzt werden jenem bewußten, vom «Ich» durchleuchteten Seeleninhalt, welcher sich aus der sinnenfälligen Wahrnehmung heraus bildet. Das «Ich» hat eine gewiße innere Entwikkelung nicht so in der Hand, wie es die Entwickelung des bewußten Seeleninhaltes in der Hand hat. Es kommt dem S eelenleben, das von außen durch die Sinneswahrnehmung angeregt ist, ein anderes, von Innen her, entgegen, welches bewirkt, dass ein jeglicher Mensch mit einer ganz bestimmten Seelennuance die sinnenfällige Aussenwelt in sich aufnimmt. Es steckt also in dem Menschen ein Etwas, das von Innen den Sinnesreizen entgegenkommt, und welches noch nicht in das Gebiet des durch die Sinne angeregten Menschen selbst gehört. Man stosst
131 da durch bloße Überlegung auf einen «inneren Menschen», welcher hinter dem «Ich-Menschen» sich verbirgt, weil er da sein muß, bevor der «Ich-Mensch» sein Leben beginnen kann. - Unschwer ist anzuerkennen, dass dieser «innere Mensch» derselbe ist, von dem gesagt worden ist, dass er mit dem in eine Wechselbeziehung tritt, was als verborgene Welt hinter der «Sinnenwelt» liegt. Denn es kann dieser «innere Mensch» nicht durch jene inneren Kräfte angeregt sein, welche in ihrer Entwickelung mit der Geschlechtsreife ihren Abschluß finden, da er sich doch nach derselben noch fortentwickelt. Er kann gar nicht zu jenem Menschen gezählt werden, der sich in der Formgebung des Leibes und in der Übertragung seiner Wesenheit auf Nachkommen äussert. Er muß vielmehr in einer Wesenheit wurzeln, welche nichts zu tun hat mit den eben genannten menschlichen Kraftäusserungen. Er kann aber auch nicht in derselben Art aus dem Innern stammen wie diese Kraftäusserungen. Denn diese bringen es dahin, dass der Mensch das, was er im Innern birgt, nach Außen offenbart. Dieser «innere Mensch» aber muss wirklich mit dem Äussern in ein Wechselverhältnis treten, denn er bildet sich eben fort, wenn die inneren Formkräfte und Vererbungsbedingungen ihren Abschluß gefunden haben. Alles ist für diesen «inneren Menschen» vorhanden, was die Berechtigung giebt, ihn als das gleiche anzusprechen, was oben mit dem Namen «astralischer Mensch» bezeichnet worden ist. Man müsste demnach in der «aetherischen Welt» Wirkungen voraussetzen, welche für diesen «astralischen Menschen» etwas ähnliches bedeuten, wie die sinnenfälligen Eindrücke für den «Ich-Menschen». Aus der
132 Mensch» so gestaltet, wie aus der «Sinnenwelt» der «Ich-Mensch». Es giebt somit eine hinter aller Sinnenwelt liegende Wechselwirkung zwischen einer «aetherischen Welt» und einem «astralischen Menschen». - So hat man, wenn wieder ein Bild gebraucht werden darf, eine sinnlich unwahrnehmbare Meeresmasse, in welcher sich abspielt eine Wechselbeziehung zwischen der «aetherischen Welt» und dem «astralischen Menschen»; und aus dieser Meeresmasse hebt sich heraus wie ein Festland das Wechselspiel zwischen der «Sinnenwelt» und dem «Ich-Menschen».
Darf nun die «aetherische Welt» bloß ausserhalb des Menschen gesucht werden? Offenbar nicht. Denn durch den Lebenssinn, den Eigenbewegungssinn, den Gleichgewichtssinn nimmt der Mensch seine eigene Leiblichkeit wahr, wie er durch den Geruchssinn, Geschmackssinn u.s.w. die äusseren Gegenstände wahrnimmt. Es muß also für das Untertauchen in die eigene Leiblichkeit dasselbe Wechselverhältnis zwischen einer «aetherischen Welt» und einem «astralischen Menschen» möglich sein wie für die äussere Welt. Das ergiebt aber, dass der Mensch in seinem leiblichen Innern selbst etwas haben muß, was gleich ist der «aetherischen Welt». Mit andern Worten, er muß ein Stück dieser aetherischen Welt als einen besonderen «aetherischen Menschen» in sich tragen. Es stellt sich so die menschliche Wesenheit aus drei Gliedern dar: dem «Ich-Menschen», dem «astralischen Menschen» und dem «aetherischen Menschen». Nun ist dieser «aetherische Mensch» dasjenige, was zu Grunde liegt als sinnlich-unwahrnehmbares, wenn
133 der Mensch den Zustand der eigenen Leiblichkeit durch die drei erst genannten Sinne wahrnimmt. Es findet somit ein Wechselspiel statt zwischen dem «astralischen» und dem «aetherischen Menschen». Die Lebensbeobachtung zeigt, dass in Mimik, Physiognomie, Geste u.s.w. sogar der «Ich-Mensch» sich in der äusseren Leiblichkeit ausprägt. Wie kann er das nur? Es ist gezeigt worden, dass auf die Form der äusseren Leiblichkeit diejenigen Kräfte eines «inneren Menschen» wirksam sind, welche mit der Geschlechtsreife ihren Entwickelungsabschluß finden. Soll also der «Ich-Mensch» auf die äussere Leiblichkeit wirken, so kann er das nur, wenn er es auf dem Umweg dieses «inneren Menschen» tut. Da es geschieht, so ist eine Wirkung des «Ich-Menschen» auf diesen inneren Menschen vorhanden. Dass nun die Verbindung zwischen dem «astralischen Menschen» und diesem innern Menschen eine viel innigere ist als zwischen ihm und dem «Ich-Menschen», das zeigt sich darinnen, dass die Art, wie der astralische Mensch sich zu der Aussenwelt stellt in viel stärkerer Weise sich in der Leiblichkeit zum Ausdruck bringt als der Seeleninhalt des «Ich-Menschen». Ob der Mensch mit leidenschaftlichem Anteil alle Tatsachen der Aussenwelt verfolgt, das sieht man der Leiblichkeit viel mehr an, als ob er dieses oder jenes durch die sinnliche Wahrnehmung erlebt hat. Daraus geht hervor, daß der «astralische Mensch» auf den charakterisierten inneren Menschen wirkt. - Da kommen zwei Kräftegebiete innerhalb des Menschen in einen Gegensatz. Der «astralische Mensch», der mit der äusseren «aetherischen Welt» in einem Wechselverhältnis steht, stösst auf den charakterisierten inneren Menschen,
134 welcher die Formkräfte und die Fortpflanzungsbedingungen in sich schließt. Unschwer ist nun anzuerkennen, dass in diesem Zusammenstoss ein ähnliches gegeben ist, wie in dem Wechselverhältnis zwischen dem «astralischen Menschen» und der «aetherischen Welt». Daraus aber ergiebt sich klar, dass der charakterisierte innere Mensch dasselbe ist wie der von andrer Seite schon gegebene «aetherische Mensch». Somit ist der «aetherische Mensch» der Träger der leiblichen Formkräfte und der Fortpflanzungsbedingungen. Man sieht, wie sich zusammenschließen der Mensch und die Aussenwelt. Zunächst stehen im Wechselverhältnis die Sinnenwelt und der «Ich-Mensch». Diesem Wechselverhältnis liegt ein andres zum Grunde, das zwischen der Aetherwelt und dem astralischen Menschen. In der Aetherwelt müssen sinnlich-verborgen sein die Bildekräfte für die äusseren Sinnesfähigkeiten, für Geruchs-, Geschmacksinn u.s.w. Nach Innen steht der astralische Mensch mit einem aetherischen Menschen in Wechselverhältnis, und in diesem Wechselverhältnis ergeben sich die Wahrnehmungen des Lebens-, des Eigenbewegungs-, des Gleichgewichtssinnes. Andrerseits aber lebt sich der aetherische Mensch in der Formgestaltung und den Fortpflanzungsbedingungen aus. Was nun als äußerer Leib des Menschen erscheint, in dem lebt somit ein Abbild des aetherischen Menschen. Doch nicht in einfacher Weise. Wenn man z. B. die Form des Ohres in Betracht zieht, so ist es auf seine Art gestaltet von zwei Seiten her. Das, was hinter der Tonwelt in der aetherischen Welt lebt, das bewirkt, dass das Ohr Organ des Gehörsinnes sein kann. Doch muß dieser
135 Gestaltung von aussen eine andere von innen entgegenkommen, denn in der Form der leiblichen Organe lebt sich auch der aetherische Mensch aus. Wie dieses Verhältnis ist, ergiebt sich aus der folgenden Überlegung. Die Kräfte der Aetherwelt können nicht überall, wo sie sich verbreiten, ein Gehörorgan hervorrufen. Wenn sie auf den Stein auftreffen, können sie es nicht. Warum nicht? Der Stein zeigt nichts in sich, was von derselben Art [ist], wie der charakterisierte aetherische Mensch. Er giebt sich nicht in gleicher Art wie der Mensch seine äußere Gestalt von innen. Er pflanzt sich auch nicht fort. Es muß also das Gehörbildende in der Aetherwelt auf den aetherischen Menschen auftreffen, damit das Gehörorgan sich bilden kann. Das genügt aber noch nicht. Die Pflanze wächst und pflanzt sich fort. Schreibt man dem Menschen einen Aether-Menschen zu, so muß man auch der Pflanze eine Aetherpflanze zuschreiben. Es fehlt bei ihr jedoch jenes Wechselverhältnis, welches für den Menschen oben als dasjenige zwischen dem Astral-Menschen und der Aetherwelt charakterisiert worden ist. Damit Aufbau von Sinnesfähigkeiten eintreten kann, muß sich also in das Auftreffen der Kräfte der Aetherwelt auf den AetherMenschen noch dieses Wechselspiel einschieben zwischen der Aetherwelt und dem Astralmenschen. Der äussere Mensch ist demnach in seiner Gestaltung ein compliciertes Wesen: so wie er sich darstellt, kann er nur dadurch sein, dass hinter dieser äusseren Gestaltung stehen: ein aetherischer, ein astralischer, ein Ich-Mensch. So ergiebt sich dadurch eine Viergliedrigkeit des Menschen, dass man zu diesen drei Gliedern seiner Wesenheit
136 noch das vierte, die äussere Gestaltung hinzuzählt, welche als der physische Mensch bezeichnet werden soll. Die Betrachtung der Sinne hat dazu geführt, in dem Menschen eine viergliedrige Wesenheit zu erkennen. Wer jedoch die gegebene Betrachtung genau nimmt, der kann in ihr manches Unbefriedigende finden, das zu weiteren Fragen drängt. So ist darauf hingewiesen worden, wie das Sinnesleben ein Wechselverhältnis zwischen einer Aetherwelt und dem astralischen Menschen voraussetzt. Diesen astralischen Menschen setzt man als das nächste Innere den Eindrücken der Sinne entgegen. Seine Beschaffenheit drückt sich in der Nuance aus, welche die Sinneserlebnisse im Innern annehmen, ohne dass der IchMensch darauf einen unmittelbaren Einfluss hat. Nun ist ohne weiteres einzusehen, dass die Erlebnisse des astralischen Menschen sich auf den Aethermenschen übertragen, denn in Physiognomie, Geste u.s.w. sieht man, wie die Erlebnisse dieses Astralmenschen gestaltend auf den physischen wirken. Nur, soweit man dies hier sieht, geschieht es in einem sehr geringen Grade. Nichts spricht zwar dagegen, dass der Aethermensch, wenn er in derselben Art stärker angeregt wird, sich auch mit stärkerer Kraft in der Gestaltung des physischen Menschen äussern könne. Aber das muß zugegeben werden, dass dieselben Kräfte, welche den Aethermenschen zur Ausbildung der Geste, der Physiognomie anregen, es nicht auch sein können, welche so stark auf ihn wirken, dass er die Formen der Sinneswerkzeuge ausprägt. Damit zeigt sich dasjenige, was in der Aetherwelt enthalten ist, als eine zweifache Wesenheit. Eine solche, welche auf den astralischen
137 Menschen wirkt, und eine andere, welche stärker ist, und auf den aetherischen Menschen so wirken kann, dass er die Formen der Sinne ausprägen kann. Das zeigt, dass aus der Aetherwelt heraus selbst etwas wirkt, was dem astralischen Menschen ähnlich ist, und was im aetherischen Menschen die Anregung zu jenen Formkräften giebt, welche die Sinne prägen. Man hat es also in jenem verborgenen Gebiet, in welchem man die Aetherwelt zu suchen hat, noch mit einer andern Welt zu tun, welche auf den Aethermenschen wirkt, und die sich mit dem Astralmenschen verwandt darstellt. Es sei nun derjenige Teil der Aetherwelt, welche[r] im Wechselverhältnis mit dem Astralmenschen steht, die Aetherwelt im engern Sinne genannt; die andre jedoch, zu welcher die Überlegung geführt hat, sei die astralische Welt genannt, wegen ihrer Verwandtschaft mit dem astralischen Menschen. So kann man sagen, dass auf den Ich-Menschen die Sinneswelt wirkt, auf den astralischen die Aetherwelt, auf den Aethermenschen die astralische Welt. Da nun so viele Sinneswerkzeuge im physischen Menschen ausgestaltet werden müssen, als sich einzelne Sinnesgebiete ergeben haben, so hat man in der astralischen Welt so viele verschiedene Kraftgebiete zu unterscheiden, als Sinne aufgezählt werden können. Diese Kraftgebiete erregen dann im Aethermenschen entsprechende Formkräfte, so dass im physischen Menschen die entsprechenden Sinnesorgane sich bilden. - Die damit aufgezeigte allgemeine Tatsache erfährt aber im Besonderen die mannigfaltigsten Abänderungen. Weil nämlich die Sinnesgebiete von verschiedener Wesenheit sind, müssen sich solche Abänderungen zeigen. - Man nehme z. B.
138 den Geruchssinn. Durch ihn dringt der Mensch nur wenig in das Innere eines stofflichen Körpers. Es ist nur die Aussenseite des Stofflichen, welche sich diesem Sinne darbietet. Man stelle dagegen den Wärmesinn. Durch ihn dringt der Mensch viel mehr in das Innere eines äußeren Körpers ein. Daraus ergiebt sich, dass das Organ des Geruchsinnes mit geringeren Kräften von außen und stärkeren von Innen aufgebaut sein muß; das Organ des Wärmesinnes dagegen muß durch stärkere Kräfte von Außen, durch geringere von Innen aufgebaut sein. Nimmt man nun die einzelnen Sinnesgebiete durch, so ergiebt sich eine Stufenleiter in Bezug auf Aufbau von Außen und von Innen. Die drei ersten Sinne, der Lebenssinn, der Eigenbewegungssinn, und der Gleichgewichtssinn sind im wesentlichen von Innen aufgebaut; das heißt es ist an ihrem Aufbau tätig das Stück der Aetherwelt, welches sich als aetherischer Mensch entwickelt. Dieser aetherische Mensch formt den physischen Leib so, dass dieser für Wahrnehmungen der genannten Sinne geeignet ist. Und er kann ihn so formen, weil er selbst dazu durch die Kräfte der astralischen Welt angeregt ist. Man sieht, beim Aufbau des Menschen, insofern er sich in den genannten drei Sinnesgebieten offenbart, hat man es zu tun mit einer Wechselwirkung der astralischen Welt und dem Aethermenschen, welche gar nichts zu tun hat mit jenem Wechselspiel, das stattfindet zwischen dem Aethermenschen und dem Astralmenschen. Anders steht dies mit Bezug auf Geruch-, Geschmack-, Gesichts-, Wärme- und Gehörsinn. Bei diesen muß der Aethermensch einen solchen Aufbau leisten, dass in den entsprechenden Sinnesgebieten ein Wechselspiel der
139 Aetherwelt und des astralischen Menschen möglich ist. Das heißt, es muß aus der astralischen Welt für jeden dieser Sinne eine Kraft auf den Aethermenschen wirken. Und aus der Wirkung dieser Kräfte der astralischen Welt entstehen im Aethermenschen die Formkräfte, welche die entsprechenden Sinne ihrer Aufgabe zuführen. Man kann also sagen, beim Lebenssinn, Eigenbewegungssinn und Gleichgewichtssinn wirkt die astralische Welt unmittelbar zusammen mit dem Aethermenschen; bei Geruch-, Geschmack-, Gesicht-, Wärme- und Gehörsinn wirkt sie so, dass zur Bildung der Sinnesorgane auf den Astralmenschen Rücksicht genommen ist. - Noch anders liegt die Sache in Bezug auf Sprach- und Begriffssinn. Da ist eine viel unmittelbarere Wechselwirkung zwischen der Aussenwelt und dem astralischen Menschen notwendig als bei den fünf vorhergehenden Sinnen. Diese unmittelbare Wechselwirkung nähert sich schon derjenigen, welche zwischen dem Ich-Menschen und der Sinnesempfindung stattfindet, und welche sich in Miene und Physiognomie physisch ausprägt. Deshalb bilden sich auch diese Sinnesgebiete erst dann aus, wenn der Mensch mit der Aussenwelt in Berührung treten kann, nach der Geburt; während die Formkräfte für die andern Sinne im wesentlichen mit der Geburt schon zur Welt gebracht werden. Es ist berechtigt, zu sagen: während die Kräfte zum Aufbau von Lebens-, Eigenbewegungs- und Gleichgewichtssinn tief verborgen liegen hinter der Sinnenwelt, liegen die Kräfte für den Sprach- und Begriffssinn unmittelbar hinter der Sinnenwelt. Dazwischen finden sich dann die Kräfte, welche dem Aufbau von Geruch-, Geschmack-, Gesicht-, Wärme- und
140 Gehörsinn dienen. Äußerlich anschaulich wird dieses Verhältnis dadurch, wie die Anthropologie die in der sinnenfälligen Welt, das heißt am physischen Menschen sich vorfindenden Sinnesorgane zu beschreiben hat. Für die drei ersten Sinne sind deutlich ausgesprochene Sinnesorgane im wesentlichen nicht zu beschreiben. Erst beim Gleichgewichtsinn tritt in den halbzirkelförmigen Ohrkanälen die Andeutung eines solchen Organes auf. Der Grund davon liegt darinnen, dass die entsprechenden Sinnesformkräfte dem allgemeinen Aufbau des physischen Menschen dienen, und dieser auch in den entsprechenden Sinnesgebieten empfunden wird. Dem Geruch-, Geschmack-, Gesicht-, Wärme- und Gehörsinn dienen besondere Organe, welche deshalb in den allgemeinen Aufbau des physischen Menschen hineingestaltet sind, weil an ihrem Aufbau eben Kräfte der Aussenwelt im hohen Maße mittätig sind. Für Sprach- und Begriffssinn sind solche besondere Organe im wesentlichen nicht mehr vorhanden, weil diese Sinne schon jenem Gebiete sich nähern, wo sich der physische Mensch dem seelischen zuneigt.
Das «Ich» auf der einen Seite und der Tastsinn auf der andern Seite sind nicht mehr zum Sinnesgebiet hinzuzuzählen, wie gezeigt worden ist. Doch bilden sie gewißermaßen die beiden Grenzen des Sinneslebens. Das «Ich» nimmt die Sinneswahrnehmungen auf und verwandelt deren Eindrücke in seelische Erlebnisse. Als solche sind sie ganz innerlich und hören auf, dem Sinnesleben anzugehören. Dem Tastsinn bleiben die Gegenstände ganz äusserlich. Was durch ihn an ihnen erlebt wird, sind im Grunde Innenerlebnisse, welche durch ein verborgenes
141 Urteil auf das Äussere der Welt bezogen werden. Und diese Innenerlebnisse gehören den Gebieten des Lebens-, Eigenbewegungs- und Gleichgewichtssinnes an. Es ist klar, daß jene Aussenwelt, welche sich durch den Tastsinn dem Menschen offenbart, erst eine vollständige Aussenwelt in gewißern Sinne genannt werden kann, weil sie, um wahrgenommen zu werden, keinen besonderen Sinn in den Menschen hineinzubauen braucht. Zwischen dieser Außenwelt und dem menschlichen «Ich» liegen die Gebiete, aus welchen der vierfache Mensch heraus sich entwickelt.
Die Verschiedenheit der Sinnesgebiete nötigt nun aber, innerhalb dieser Gebiete noch weiter zu unterscheiden. In den Feldern des Lebens-, Eigenbewegungund Gleichgewichtsinnes offenbaren sich Gestaltungskräfte des aetherischen Menschen, welche in dem physischen Menschen sich ausleben. Bei ihnen wird auf den astralischen Menschen keine Rücksicht genommen. In ihnen hat man es also mit Kräften zu thun, welche an der inneren Leiblichkeit des Menschen arbeiten so, als wenn der astralische Mensch in gewißer Hinsicht für sie nicht da wäre. Sie steigen also für ihre Wirksamkeit in so verborgene Schächte des Menschendaseins hinab, dass sie sich dem astralischen Menschen entziehen. In den Feldern der fünf nächsten Sinne offenbaren sich Gestaltungskräfte, welche dem astralischen Menschen Rechnung tragen. In Sprach- und Begriff sinn zeigen sich Kräfte, die schon ganz nahe dem sind, was sich durch die Sinne offenbart. Man muß demnach unterscheiden: die Sinnenwelt, welche sich in dem Ich-Menschen offenbart und das bewußte Leben desselben gestaltet; die unmittelbar
142 hinter dieser Sinnenwelt verborgene Aetberwelt, welche den astralischen Menschen gestaltet; in dieser Aetherwelt verbirgt sich wieder die astralische Welt, welche den Aethermenschen so gestaltet, dass er die Formkräfte des physischen Menschen entwickelt; doch muß hinter dieser astralischen Welt noch eine andere vorausgesetzt werden. Denn wie gezeigt worden


3.

142 Bruchstück, auf der Rückseite von Notizblatt Archiv-Nr. NZ 226. - Vielleicht zu Kap. III gehörig, vgl. S. 38, 2. 19ff.

Man betrachte den Stoff der Außenwelt, wie er sich dem Tastsinn darbietet. In dieser Form zieht sich das menschliche Sinneserlebnis von ihm zurück. Er hat da also nichts in sich, was in das Innere des Menschen eindringen kann. Der Stoff bietet da nur seine Aussenseite dar.


4.

142 Bruchstück. - Wohl zu Kap. IV gehörig, vgl. S. 54.

Wie verhält sich denn nun aber dasjenige, was von den Lebensorganen sinnenfällig wahrnehmbar ist, zum eben gekennzeichneten sinnlich-unwahrnehmbaren «aetherischen Leib». Unbefangenem Nachdenken muß sich das folgende darüber ergeben. Es müssen die unwahrnehmbaren Offenbarungen des «aetherischen Leibes» erst selbst sich in solcher Gestaltung hervorbringen, dass sie nicht nur dem «astralischen Leben» erlebbar, sondern dem «Ich-Menschen» sinnlich-wahrnehmbar werden.


5.

143 2 Seiten. - Etwa zu Kap. IV gehörige Vorstufe.

Gehörsinn und der Wärmesinn mit dem Athmungs- und Wärmungsvorgang mehr zusammengehörig erweisen als die erstem sich zum Erhaltungs- und Wachstumsprozess zeigen; dagegen kann man eine Zusammengehörigkeit der letztern als Vorgänge, die sich mehr gefühlsmäßig im Innern des Leibes ausdrücken mit den innerlichen Sinnen, dem Eigenbewegungs- und Gleichgewichtssinn erkennen. Die Lebensvorgänge des Wachstums, der Erhaltung wirken mehr nach der Seite der inneren Sinne hin; die Vorgänge der Wärmung, der Athmung mehr nach jenen Sinnen, durch welche der Mensch die Tore seines Lebens nach außen öffnet. Es erhalten dadurch die äusseren Sinne durch die Lebensvorgänge eine Verstärkung nach Einer Seite hin; die inneren Sinne eine solche nach der entgegengesetzten. Diese Tatsache kann durch ein Bild veranschaulicht werden. Man denke sich den Umkreis der Sinnesgebiete als eine Kugel, von deren Oberfläche aus die Sinneserlebnisse wirken. Um dem Gegensatz der äusseren und inneren Sinneswirkungen gerecht zu werden, stelle man sich vor, dass an einer Stelle der Kugel eine Einfurchung ist, und dass durch dieselbe die Gebiete der inneren Sinne auch im Innern der Kugel versinnbildlicht werden können. Will man nun an dieser Kugel auch noch veranschaulichen, wie die Lebensvorgänge nach der einen und der andern Richtung die Wirkungen der Sinneserlebnisse verstärken, so muß man sich die Kugel nach zwei entgegengesetzten Richtungen in die Länge gezogen denken. Nach dem Einen Ende wirken
144 dann diejenigen Lebens Vorgänge, welche wie Athmung und Wärmung mit solchen Innenerlebnissen zusammenhängen, welche den Lebensprozess mit der Außenwelt in Beziehung setzen; nach der andern Richtung wirken die Lebensvorgänge, welche sich wie Absonderung, Erhaltung, Wachstum in inneren Erlebnissen offenbaren. Man kann also - natürlich sinnbildlich gesprochen - sagen, dass dem Menschenleibe durch die Kräfte, welche sich in seinen Sinnesorganen offenbaren eine kugelige Anordnung gegeben wird; diese wird durch die Lebensorgane in die Länge gestreckt. - Nun sind die zwei dadurch entstehenden Richtungen von verschiedenem Lebenswerte. Auf der Einen Seite, wo sich Athmung, Wärmung, Ernährung zeigen, öffnet sich das Leben nach außen, um sich zu erneuern; mit der Absonderung, dem Erhaltungsprozesse schiebt es seine Vorgänge in das eigene Innere des Leibes hinein. Es wiederholt sich dadurch gewißermaßen in sich selbst. Die weiteren Vorgänge zeigen dann, dass mit Wachstum, Hervorbringung etwas gegeben ist, was durch seine Eigenart der unmittelbaren Lebenserneuerung entzogen ist. Es fließen diesem nicht mehr jene Kräfte zu, welche in Athmung, Wärmung lebenerneuernd wirken. Es entstehen nach dem Innern des Leibes - oder besser von Innen nach Außen laufend - fertige Gebilde, welche dem Absterben verfallen sein müssen. (Im Tierreich sieht man, wie diese Gebilde ihre Lebensfähigkeit verlieren und z. B. in der Häutung niederer Tiere, ausgestossen werden. Beim Menschen ist auch ein solches Ausstoßen fortwährend, wenn auch weniger merkbar vorhanden. Man betrachte nur, wie sich die Fingernägel von innen vorschieben und an
145 ihrem Ende in absterbende Teile übergehen.) Die beiden, oben gekennzeichneten sinnbildlichen Seiten des Leibes stellen sich also als ein Gegensatz der Lebenserneuemng und der Lebensvernichtung dar.


6.

145 Bruchstück. - Etwa zu Kap. V gehörig, vgl. S. 56.

Eindrucke einer Begehrung, die man in sich wirksam sein lässt. Ja man steht auch unter dem Eindrucke dessen, was einer äusseren Wahrnehmung innerhalb des Menschen vorangeht, um die Wahrnehmung zu erhalten. Der «Ich-Mensch» ist, insofern er sich auf Wahrnehmungen der Sinne Innenerlebnisse bildet, wenn diese Wahrnehmungen da sind, wenn er also z. B. auf einen Ton hinhört; die Vorgänge im Innern


7.

145 3 Seiten. - Vorstufe zu Kap. VI. Die zwei ersten Sätze sind wörtlich fast die gleichen wie zu Beginn des Kap. VI in der späteren Fassung, vgl. S. 62.

In dem Erleben des «Ich» liegt nichts, was durch einen Sinnesvorgang angeregt ist. Dagegen nimmt das Ich die Ergebnisse der Sinnesvorgänge in sein eigenes Erleben auf und baut sich aus ihnen das Gefüge seines Inneren, den eigentlichen «Ich-Menschen». Im Innern dieses «Ich-Menschen» liegen also Kraftrichtungen, die sich in folgender Art begegnen. Das Ich lebt seine Wesenheit
146
147 Wahrnehmung ab; dies geschieht darum, weil es sich eine Kraft entgegenkommen fühlt. In den Strom von entgegenkommender Kraft lässt das Ich gleichsam sich selbst einfließen. Würde bloß dieses Abfließen des Ich-Erlebens stattfinden, so fühlte sich das Ich lediglich verarmt in seinem Erleben. Der entgegenkommende Kraftstrom ist aber eine Wirklichkeit und wirkt daher mit dem abfließenden zusammen. Das Ergebnis ihres Zusammenwirkens ist das Erlebnis des Begriffes. Man stelle sich nun vor, die beiden Kraftströme seien von der Art, dass sie in der gleichen Richtung fließen, dass aber der eine längst vorhanden ist, wenn der andre dazukommt. Dann verändert der zweite den ersten und diese Veränderung ist eine solche, dass sie im Wesen des zweiten begründet ist. Durch dieses Bild läßt sich die Begriffswahrnehmung veranschaulichen. Die beiden Strömungen mögen IchErlebnisse darstellen. Der ältere Strom fließe in den Begriffserlebnissen. Der spätere in dem eigenen menschlichen Ich-Erlebnisse. In dem Zusammenfließen ergiebt sich eine Veränderung des älteren Ich-Erlebnisses. Diese Veränderung stellt sich als eine Tatsache der beiden Ich-Erlebnisse neben sie als ein drittes hin. Sieht man nun in dieser Veränderung das Organ der Begriffs Wahrnehmung, so ist die Bedeutung des Sinnbildes gegeben. Zwei Ich-Erlebnisse wirken in einander; in dem älteren bewirkt das jüngere das Begriffs organ, und je nach der Veränderung, welche das ältere erfahren hat, offenbart sich dem Jüngern der Anprall des altern. - Für den Sprachsinn kann dasselbe Bild gebraucht werden; nur wird man sich vorzustellen haben, dass da das jüngere Ich-Erlebnis weit mehr der Veränderung des altern als
148 dessen ursprünglichen Eigenart sich gegenübergestellt findet, sodass es neben dem ihm zuströmenden älteren Ich-Erlebnis in beträchtlichem Maß dessen Veränderung erlebt. Noch mehr ist dies beim Gehörsinn der Fall. Für ihn tritt das ältere Ich-Erlebnis schon stark hinter der Veränderung zurück, die es im Anprall erfährt. Beim Wärmesinn stellt sich dann die Sache so, dass das ältere Ich-Erlebnis eine solche Veränderung erfährt, dass die Natur dieser Veränderung sich wesenhaft gleichstellt der Natur des jüngeren Ich-Erlebnisses selber. Es wird dann im Jüngern Begriffs-Erlebnis der Anprall so empfunden, als ob in der Veränderung, die bewirkt wird, etwas liege, was als Impuls auch im Jüngern Ich-Erlebnis vorhanden ist. Wärme, die von außen kommt, wird empfunden, wenn sie in die eigenen Ich-Erlebnisse so hereinströmt, dass sie sich als gleichartig erweist den inneren Wärmeerlebnissen. Beim Gesichtsinn verhält es sich anders. Da muß das Bild von den beiden Strömungen so gewählt werden, dass der Strom, welcher das jüngere Ich-Erlebnis darstellt selbst eine Veränderung erfährt, welche sich neben die Veränderung des älteren hinstellt. Nach dem Anprall wirken nun nicht die Ich-Erlebnisse selbst aufeinander, sondern ihre beiderseitigen Veränderungen. Das jüngere Ich-Erlebnis schickt seine eigene Veränderung derjenigen des alteren entgegen. Ist die Veränderung des älteren Ich-Erlebnisses so stark als die des Jüngern, so läßt die erstere in die letztere etwas von ihrem Wesen einfließen und umgekehrt, und es tritt eine Tatsache auf, die eine Art Gleichgewicht vom älteren Ich-Erlebnis mit dem jüngeren darstellt. So kann man sich die Wechselwirkung des Menschen mit der Aussenwelt
149 bei den Erlebnissen des Gesichtsinnes veranschaulichen. Für den Geschmacksinn gilt dann, dass sich die Veränderung des jüngeren Ich-Erlebnisses stärker erweist als die des altern, dadurch tritt eine Tatsache auf, welche sich wie ein Entgegenstemmen der Veränderung des Jüngern Ich-Erlebnisses gegenüber dem älteren ausnimmt. Es fließt gewißermaßen nur ein Teil des Jüngern Ich-Erlebnisses ab; der andere Teil tritt wieder in das jüngere Ich zurück. Noch stärker erweist sich die Kraft des Jüngern Ich-Erlebnisses für den Geruchsinn. Am stärksten tritt sie für den sogenannten Tastsinn auf. Da erhält sie ihre volle Eigenart gegenüber dem altern Ich-Erlebnis und weist dieses bei der Berührung zurück, um alles, was sie in sich hat, in sich selbst zu erleben. Im Tastsinn schickt das eigene Ich des Menschen seine Kräfte aus, um sie durch die Berührung mit der Aussenwelt nicht verändern zu lassen, sondern sie in entgegengesetzter Richtung wieder zurückwirkend zu erleben. Man kann deshalb auch sagen: im Tastsinn fließt der Strom des Ich-Erlebens nach außen, giebt nichts von sich an die Außenwelt ab, sondern erlebt seinen ganzen Inhalt in der Richtung von Außen nach Innen wieder. In dem Geruchsinn strömt das Ich-Erlebnis nach außen, verliert einen Teil seines Inhaltes, und erlebt den Rest in einer solchen Umänderung, die ihm von Außen aufgeprägt worden ist. Den eigenen Inhalt in der Umprägung von außen hat das Ich als Geruchserlebnis gegeben. Im Geschmackserlebnis muß das Ich mehr von seinem Inhalt abgeben; die Umprägung der eigenen Wesenheit wird daher auch stärker erlebt als im Geruchserlebnis. Im Gesichtserlebnis giebt das Ich ungefähr so viel ab, als es erhält. Im Wärmeerlebnis
150 erweist sich das ältere Ich-Erlebnis als das stärkere; das jüngere Ich muß mehr abgeben als es erhält; es erlebt eine andere Art von Umprägung. Nicht eine solche die ihm von außen bewirkt wird; sondern Eine, die es von Innen nach Außen selbst bewirkt. Im Gehörsinn wird es dann deutlich, wie die Umänderung in der Richtung von Innen nach Außen läuft. Der Laut lebt nicht mehr in derselben Aussenwelt, in welche die Ursachen des Geschmack- und Geruchsinnes versetzt werden müssen. Der Laut wird von Innen nach außen entfaltet. Noch mehr ist das beim Sprachsinn, am meisten beim Begriffssinn der Fall.


8.

150 Bruchstück, auf der Rückseite von Notizblatt Archiv-Nr. NZ 63, das S. 182 wiedergegeben ist. - Etwa zu Kap. VI gehörig, vgl. S. 64.

liehen Leibe trägt man ein Stück Außenwelt an sich. Es trägt aber diese Außenwelt das Gepräge des Ich in sich. Betrachtet man nun die Erlebnisse des Gleichgewichtsinnes, so stellen sich diese dar, als Vorgänge, welche in das erste Ich nicht von Außen sich kundgeben, sondern von Innen, wenn sie auch angepasst sind den drei Richtungen des Raumes. Noch klarer tritt dies bei den Erlebnissen des Eigenbewegungssinnes zu Tage. In ihm erlebt man innere Vorgänge wie Äußere. Beim Lebenssinn zeigt sich nach Innen etwas ähnliches wie beim Tastsinn nach Außen. Was der Lebenssinn offenbart sind Sinneserlebnisse; deren entsprechende Bildempfindungen dringen aber nicht von außen an den Menschen heran, sondern
151 steigen von Innen auf. In dem Sinneserlebnis ist das Ich gegenwärtig; das Ich tritt aber da mit einem Inneren so in Wechselbeziehung, wie es bei andern Sinnen mit der äusseren Welt in Beziehung tritt.


9.

151 Bruchstück. - Zu Kap. VII gehörig, vgl. S. 66ff.

Beim Gehörsinn tritt im wesentlichen der Aufbau seines Organs im persönlichen Leben nicht mehr so zu Tage wie bei Begriffs- oder Sprachsinn. Wenn auch keine sinnenfällige Wahrnehmung in dem Aufbau der beiden Sinnesanlagen und auch des Ich-Organismus unmittelbar drinnen stecken kann, so zeigt doch ein leises Nachsinnen, wie die Arbeit an diesem Aufbau sich vollzieht. Es werden von Kräften, die im astralischen Leib des Menschen sich äußern die Materialien umgewandelt, welche als Ich-Erlebnisse sich offenbaren. Im Ich-Organismus liegt gewißermaßen das umgewendete Ich selbst vor. Im Begriffsorganismus der umgewendete Begriff, im Lautorganismus der umgewendete Laut. Weil das Ich-Erlebnis nicht ins Unendliche von oben nach unten verläuft, sondern durch eine ihm entgegenlaufende Kraft aufgehalten wird, spiegelt es sich gleichsam in sich selbst zurück. Wenn ein Begriff nicht, nachdem er erlebt ist, spurlos verschwindet, sondern im Innern des Menschen festgehalten wird, dann entsteht aus ihm etwas, was einem neuen Begriffe zum Verständnis verhilft. Dasselbe gilt für den Lautsinn. In dem ursprünglichen Ich-Erlebnis kann also ein von oben nach unten strebendes gesehen
152 werden. In Ich-Organismus, Begriffsorgan und Lautorgan solche Ich-Erlebnisse, welche durch von unten nach oben gerichtete Kräfte die im Ich, im Begriff und Laut liegenden Erlebnisse in sich selbst zurückwerfen; sie zur Stauung bringen. Selbstverständlich ist das Begriffs organ kein Begriff. Es ist aber ein in sich zur Stauung gebrachtes Begriffserlebnis. - Es ist aber klar, dass mit der hier gegebenen Schilderung nicht der Aufbau irgend eines Organs am wirklichen physischen Menschen gemeint sein kann. Eine Ausnahme macht nur der Ich-Organismus selber, der insoferne er das in sich selbst ganz arme Ich-Erlebnis in sich zurückwirft und zur Wahrnehmung bringt, nichts anderes braucht, als eine dem Ich selbst gleiche, nur entgegengesetzt gerichtete Kraft. Von einem Begriffs organ, das nur ein umgewendetes Begriffserlebnis wäre, können nur solche Begriffserlebnisse vermittelt werden, welche nicht auf die den Menschen in Raum und Zeit gegenübertretenden Welt gegründet sind. Und der Lautsinn, der nur auf die gekennzeichnete Art aufgebaut wäre, kann sich nicht auf den gehörten Laut beziehen, sondern nur auf ein rein seelisches Verstehen unsinnlicher Vorgänge, also nur auf ein Analogon des gewöhnlichen Lautsinnes. - Kann man sich nun in ähnlicher Art die Anlage zum Gehörorgan durch eine Stauung zweier Kraftrichtungen denken? Man muß dann annehmen, dass hinter dem Tone etwas verborgen liegt, was sich dem Tonerlebnis selbst entzieht. Man denke sich das Ich-Erlebnis, wie es im Ton-Erlebnis modificiert ist, einer entgegengesetzten Kraft begegnend, die es nicht so aufnimmt, wie das Gehörorgan den Ton, sondern welche es in entgegengesetzter
153 Richtung zurückstrahlt. Die ursprüngliche Kraftströmung und die zurückstrahlende werden dann ein Stauungsgebilde gestalten.


10.

153 Bruchstück. - Wie Nr. 9 zu Kap. VII gehörig.

Beim Gehörsinn entzieht sich der Aufbau dem Gebiete des persönlichen Menschenlebens. Dieser Sinn ist dem Menschen mit dessen Geburt gegeben. Sein Organ wird von den Organen der Ich-Wahrnehmung, des Begriffsund Lautsinnes vorausgesetzt. Ein gleiches findet statt für den Warme-, Gesichts-, Geschmack-, Geruch-, Gleichgewicht- und Eigenbewegungssinn. Die Organe dieser Sinne müssen schon vorliegen, wenn sich diejenigen des Laut-, Begriffs- und Ichorganismus in sie einwurzeln sollen. Man stelle sich nun das im Gehörsinn gegebene modificierte Ich-Erlebnis - im Bilde - so nach einer Richtung hin verlaufend vor, wie das ursprüngliche Ich-Erlebnis von oben nach unten laufend dargestellt worden ist, so wird man zum Bestehen des Gehör-Erlebnisses ein von der entgegengesetzten Richtung her aufgebautes Organ vorauszusetzen haben. Ein gleiches gilt für die anderen Sinne. - Betrachtet man den Gehörsinn, so ergiebt sich, dass man in seinen Erlebnissen etwas anerkennen muß, was unmittelbar im Wechselverkehr des Menschen mit der Außenwelt sich bildet. Der Ton als solcher ist nicht in den äusseren Raum zu versetzen, sondern auf etwas zurückzuführen, was durch einen äusseren Vorgang, der nicht Ton ist, durch den Gehörsinn
154 entsteht. Das führt auf jene Tätigkeit, die in der vorigen Darstellung als Hervorbringung bezeichnet worden. Für den Wärmesinn liegt die Sache anders. Da findet unmittelbar eine Mitteilung des äusseren Wärmevorganges an den Menschen statt. Der äussere Vorgang setzt sich im Innenerlebnis fort. Es ist mehr als bloß bildlich gesprochen, wenn man sagt, das Wärmeerlebnis ist ein im Inneren wiedererzeugter äusserer Vorgang. Das aber führt auf den oben gekennzeichneten Vorgang des Wachsens. - Beim Gesichtssinn werden die Wahrnehmungen nach außen verlegt. In den Gehörerlebnissen und den Wärmeerlebnissen fühlt man sich darinnenstekkend; in den Gesichterlebnissen stellt man sich dem Erlebten gegenüber. Beim Hören ist der Ton als innerlich erlebt empfunden und als seinen Träger fühlt sich der Mensch selbst. Beim Sehen wird die Farbe nach außen versetzt, und an einen äusseren Träger verlegt. Das dem Gesichterlebnis sich entgegenstellende Organ wird nicht mit dem Gesichtserlebnis gefühlsmäßig verwo[ben];


11.

154 Bruchstück. - Zu Kap. VIII gehörig, vgl. dort S. 82, Z. 26ff., der danach beginnende Absatz ist auch mit S. 80, Z. 29ff. zu vergleichen.

genannt werden, wobei wieder bei diesem Namen nichts anderes gedacht werden soll als das hier angegebene.
Im Sinne des obigen Bildes kann man nun sagen, dass der Mensch in seiner Gestaltung, insoferne diese in der
155 Richtung «rechts-links» und «links-rechts» sich ausdrückt, auf die astralische und die niedere Geisteswelt hinweist. Jedes der Sinnesorgane für Gehör-, Wärme-, Gesichts-, Geschmacks- und Geruchsinn zeigt in seiner Form, dass die symmetrische Gestaltung des Menschen einer gegenseitigen Durchdringung von astraler und niederer Geisteswelt den Ursprung verdankt. In der Bildung des menschlichen Leibes von links nach rechts - beim nach vorn gerichteten Menschen - hat man die von links nach rechts wirkende niedere Geisteswelt den Aetherleib verschiebend zu denken, in welchen sich der astralische Leib einschiebt, und wie durch Stauung die menschliche Form bewirkt. In der Bildung von rechts nach links hat man den sich von rechts nach links strebenden Aetherleib zu denken, in welchen sich der astralische Leib verschiebt. - Man wird als das Ergebnis dieser Durchdringung von Astralleib und Aetherleib alle symmetrisch gebildeten Sinnesorgane anzusehen haben.


12.

154 Bruchstück.

Damit aber diese Sinnesorgane wirklich in der ausseren Welt da sein können, müssen sie noch ausgegossen werden mit dem Stoffe, der im Geruchsinn seine Selbstempfindung erlebt. So wie sie bisher geschildert worden sind, stellen sie Schemen vor, welchen zur äußeren Wirklichkeit die Ausfüllung fehlt. Wie kann diese Ausfüllung mit Stoff gedeutet werden?
156 Bruchstück.

So ist in jedem Erlebnisse des Gehör-, Sprach- und Begriffsinnes auf etwas in der Außenwelt hingewiesen, was sich diesem Erlebnisse entzieht. Es wird von dem ausströmenden Ich-Erlebnis gleichsam überwältigt. Daher kann es nicht selbst in ein Ich-Erlebnis verwandelt werden. Es wird aber doch an den Menschen herandringen können, wenn die Möglichkeit gegeben ist auf andre Glieder der Menschennatur zu wirken, als auf die IchErlebnisse. In einer gewißen Beziehung sind die Erlebnisse des astralischen Menschen schwächer als diejenigen des Ich-Menschen. Der


14.

156 Bruchstück. - Vielleicht zu Kap. VIII gehörig, vgl. S. 80f.

Eine andere Betrachtung kann sich noch in derselben Richtung bewegen. Wenn man die Verteilung der Sinne des menschlichen Leibes und jene der Lebensvorgänge betrachtet, so ergiebt sich, dass die letzteren für die ersteren gewißermaßen eine anordnende Wirkung haben. Für die Sinnesvorgänge selbst hat sich ja ergeben, dass eine Ordnung insoferne hervortritt, dass in Begriffs- und Sprachsinn innerlichere Erlebnisse vorliegen als in Gehörsinn, Wärmesinn, Gesichtssinn, Geschmacksinn und Geruchsinn. In Gleichgewichts-, Eigenbewegungs- und Lebenssinn liegen wieder innerlichere Erlebnisse vor, doch sind diese mehr leiblicher Art als die in Begriffs-
157 und Sprachsinn gegebenen, die seelenartig sind. Es liegt also innerhalb des Sinneslebens selbst ein Gegensatz von Außen und Innen für den Menschenleib vor. Durch die Lebensvorgänge tritt noch eine andre Ordnung ein. Zu Begriffs- und Sprachsinn wird man diese Lebensvorgänge zunächst nicht in eine Beziehung bringen können. Dagegen kann man sagen, dass sich gewißermaßen in der Anordnung der


15.

157 3 Bruchstücke. - Zwei Bruchstücke zeigen Varianten, das dritte schließt an das zweite an. Vielleicht zu Kap. IX gehörig, vgl. S. 88f.

In dem Lebenssinn zeigt sich die oben charakterisierte innere Erfüllung der Ich-Erlebnisse bis zu einem gewißen Grade. Man nehme nun eine Steigerung über diesen Grad hinaus an. Dann würden sich die Kräfte des Astralleibes in ihrem eigenen Innern umkehren und in sich selber in entgegengesetzter Richtung wirken. Der Lebenssinn würde sich gewißermaßen nach außen ergießen. Fände dieses statt, so würden sich im Menschen von Innen nach Außen wirkende Kräfte zeigen, welche eine Offenbarung von derselben Art wären, wie sie im

Im Lebenssinn zeigt sich die oben charakterisierte Erfüllung des Ich-Erlebens bis zu einem gewißen Maße. Man nehme nun an, dass eine Steigerung über dieses Maß hinaus stattfände. Dann würden sich die Bildempfindungen des Lebenssinnes nicht nur an das Ich-Erleben herandrängen,
158 und von demselben wahrgenommen werden, sondern sie würden sich selbst gegenübertreten. Das heißt, es fände das statt, was man Leben des Begriffs nennen könnte, ohne daß ein lebendiger Organismus der Träger dieses Lebens wäre. Was aber müßte zu dem gewöhnlichen Begriffsleben des Menschen hinzukommen, damit solch selbständiges Begriffssein vorhanden sein könnte? Das Maß des hinzukommenden kann sich in folgender Art ergeben: Das Begriffsorgan hat sich gezeigt als


16.

158 5 Seiten und 1 Seite mit einer Variante; Bruchstück Nr. 17 enthält eine weitere Variante. - Zu Kap. VIII-X gehörige Vorstufe.

Man denke sich die erste Menschenanlage mit all den Kräften, die sie innerlich in der physischen Welt haben kann, von unten nach oben von einer Kraft erfasst, welche unmittelbar aus der höheren Geisteswelt stammt, und welche für sich allein wirkend nur den Menschen hervorbringen würde, insoferne er Träger des Ich ist. Bevor dieser so beschaffene Mensch überhaupt entstehen kann, werde die Kraft von andern Kräften ergriffen, welche von rückwärts nach vorne wirkten (das heißt in Wirklichkeit nur, dass sie die erstere fortwirken lassen, nur sie im rechten Winkel ablenken), und die unmittelbar aus der niederen Geisteswelt stammten. Diese Kräfte bestünden in den Inhalten des Lebenssinnes, des Eigenbewegungssinnes, und des Gleichgewichtssinnes. So verschieden diese Inhalte auch sind; sie haben alle das
159 gemeinsam, dass das Ich in der physischen Welt sie als Erlebnisse des eigenen Leibes hat. Sie setzen somit nichts anderes voraus, als die eigene Leiblichkeit, wenn sie erlebt werden sollen. Sie müssen in der physischen Welt an der eigenen Leiblichkeit erlebt werden. Somit wirken sie da durch die eigene Leiblichkeit. Die Erlebnisse des Begriff-, des Laut- und des Tonsinnes sind ihnen genau entgegengesetzt. Deren Erlebnisse müssen so wahrgenommen werden, dass in ihnen der eigene Leib sich ausschaltet. Es ist das Charakteristische dieser Erlebnisse, dass sie unabhängig sind von der eigenen Leiblichkeit. In ihnen muß also das Ich etwas erleben, was es sich einfügen kann, ohne es einer Leiblichkeit zu entnehmen. Zugleich muß dieses «Etwas» unabhängig sein von den Organen, welche diese Erlebnisse vermitteln. Und zwar in demselben Sinne unabhängig, wie das Ich selbst. In Begriff, Laut und Ton ist somit Etwas, was zur eigenen Leiblichkeit in der physischen Welt so hinzukommt, wie das Ich selbst zu dieser Leiblichkeit hinzukommt. In der physischen Leiblichkeit des Menschen müssen sich somit Organanlagen geltend machen, welche nicht selbst erst diese Leiblichkeit zu ihrer Voraussetzung haben. Diese stellen dann einen besonderen Organismus dar, welcher innerhalb der physischen Welt mit den Inhalten des Gleichgewichtssinnes, des Eigenbewegungssinnes und Lebenssinnes sich berührt, ohne erst mit den anderen Organen in Beziehung zu treten. Es müssen also diese Inhalte so wirken, dass sie lebenerfüllte Organe in einem schon bestehenden Organismus schaffen. Sie sind also Kräfte, welche in der physischen Welt so die Beschaffenheit der niederen Geisteswelt offenbaren, wie
160 das Ich selbst diejenige der höheren Geisteswelt. Die Inhalte dieser Sinne müssen in die physische Welt unmittelbar hereinstrahlen, wie das Ich in sie unmittelbar hereinstrahlt. Wenn also diese Kräfte auf den physischen Menschen wirken, insoferne er Träger des Ich ist, so werden sie diesen physischen Menschen in zwei physische Wesensglieder zerteilen, wovon das Eine in Lebensanlagen besteht, die zur Bildung von physischen Lebensorganen weiterschreiten; das andere aber wird diese Lebensanlagen so gestalten, dass sie die Träger werden können von Erlebnissen im Ich, welche aus der niedern Geisteswelt so stammen, wie das Ich selbst aus der höhern. Solche Erlebnisse aber sind die unmittelbar mit der Wesensart des Ich verwandten Erlebnisse des Begriffes, des Lautes, des Tones. Stellt man sich nun vor, dass die Inhalte des Lebenssinns, Eigenbewegungs- und Gleichgewichtssinns die Kräfte seien, welche aus der niederen Geisteswelt heraus von rückwärts nach vorne die ursprüngliche Anlage des physischen Leibes als Ichträger ergreifen und dieser ihre eigene Wesenheit aufprägen, so müßten sie diesem physischen Leib Organe einprägen, durch welche das Ich Erlebnisse hat, welche es so in Verbindung mit der niedern Geistwelt setzen, wie es durch sich selbst in Verbindung mit der höhern Geisteswelt ist. Ton, Laut und Begriff sind in ihrem Inhalte so unmittelbare Offenbarungen der niedern Geisteswelt, wie das Ich Offenbarung der höhern ist.
Stellt man sich nun weiter vor, die ursprüngliche Ich-Anlage des physischen Menschen sei nicht ein in sich ruhendes, sondern ein von unten nach oben strebendes, so würde diese durch die in Lebenssinn, Gleichgewichts-
161 und Eigenbewegungssinn liegenden Inhalte dadurch zu den Erlebnissen des Tones, Lautes und Begriffes weitergebildet, dass sie von jenen Inhalten ergriffen und in der Richtung von rückwärts nach vorne mit ihnen durchsetzt würde. - Angenommen, diese so umgewandelte physische Menschenanlage würde nun von rechts nach links ergriffen von den Inhalten des Gesichtssinnes, des Geschmackssinnes, und des Geruchssinnes, des Wärmesinnes und des Gehörsinnes, so würden diese auf sie selbstverständlich nicht wirken können, wenn keine entsprechenden Sinnesanlagen vorhanden sind. Es könnte aber der Stoff selbst an diese Anlage gewißermaßen anschlagen; dadurch würde sie in Organanlagen, welche durch die Inhalte von Gleichgewichtssinn, Eigenbewegungssinn und Lebenssinn sich sonst zu Organen für Begriff, Laut und Ton entwickeln würden, zu solchen Organen werden, welche die äussere Wirkung des Stoffes in sich selbst erlebten. Das ist in der physischen Welt nur möglich, wenn Lebensorgane vorhanden sind. Nun ist klar, dass Atmungs-, Wärmungs- und Ernährungsvorgänge nur möglich sind durch schon vorhandene Lebensorgane. Dagegen sind Absonderung, Erhaltung, Wachstum und Hervorbringung solche Vorgänge, welche Ich-Erlebnisse in der physischen Welt hervorrufen, die von äusseren Vorgängen dieser physischen Welt selbst unbeeinflusst sind. Insoferne sich solche Vorgänge in Lebenssinn, Eigenbewegungssinn und Gleichgewichtssinn zeigen, setzen sie nur innere Lebensorgane voraus. Es sind also Lebensorgane vorhanden, welche ohne äußere Stoffbeeinflussung dem Ich so sich einverleiben, wie Begriff, Laut und Ton aus der physischen
162 Welt heraus sich dem Ich einverleiben. Nun müssen für Wärmesinn und Gesichterlebnis und Geschmackserlebnis äussere Stoffe vorhanden sein, von denen das Ich sein Erlebnis loslöst. Es sind also Lebensvorgänge vorhanden, welche nur innerlich empfunden werden; und es sind in Wärme- und Gesicht- und Geschmackerlebnis im Ich Empfindungen einverleibt, welche von den äußeren Stoffen losgelöst sind. Man setze nun voraus, das Ich wäre als in der physischen Welt lebend so mit der astralen Welt verwandt, wie es durch sich selbst mit der höheren Geistes weit, durch Begriff, Laut und Ton mit der niederen Geisteswelt verwandt ist. Das kann nur sein, wenn es in sich selbst solche Lebensvorgänge hätte, welche sich an andern Lebens Vorgängen so entzünden, dass dadurch von einem entsprechenden äusseren Lebensvorgange ein innerer angeregt würde. Man braucht dann nur in Hervorbringung, Wachstum, Erhaltung und Absonderung solche Lebensvorgänge zu sehen, welche auch von außen und in Athmung, Wärmung und Ernährung solche, welche auch von Innen angeregt werden können. Nur müßte man zugleich voraussetzen, dass der inneren Athmung, Wärmung und Ernährung solche Vorgänge beigesellt wären, welche aus der Außenwelt herein im Ich unmittelbare Vorgänge anregen, wie Ton, Laut und Begriff sie dem Ich unmittelbar einverleiben. Das heißt: es müßten in die Ich-Anlage aus der astralen Welt Wirkungen geschehen, welche Lebensvorgänge von Lebensvorgängen in demselben Sinne loslösen, wie das Ich selbst Ton, Laut und Begriff, ja auch die Ichwahrnehmung von sich loslöst. Wenn die innere Athmung, Wärmung und Ernährung angeregt würden durch ein Ich,
163 das unmittelbar aus der Außenwelt das empfängt, was in Geschmack-, Gesicht- und Wärmeerlebnissen von dem in der physischen Welt lebenden Ich losgelöst wird, so könnte ein solches Ich in dem angegebenen Sinne wirken. Es müßte also dem physischen Menschen ein Ich aus der astralischen Welt begegnen, welches durch seine Wesenheit nicht außerhalb der Geschmack-, Gesicht-und Wärmeerlebnisse ist und erst Organe zu ihrer Wahrnehmung braucht, sondern ein solches, welches in seiner Wesenheit selbst innerhalb dieser Erlebnisse wäre. Geschmack-, Gesichts- und Wärmeerlebnisse müßten nicht tot-stofflich, sondern beseelt von jenem Ich gedacht werden, welches der höheren und niederen Geisteswelt verwandt ist. Dann würde ein solches Ich sein Innenleben auf die physische Anlage des Menschen wirken lassen können; und es würden Geschmack-, Gesicht- und Wärmeerlebnisse diese physische Anlage von Innen durchstrahlen können. Wenn dann die Inhalte dieser Sinneserlebnisse die physische Anlage zum Ich durchdringen würden, so könnten sie in solchen Organanlagen, welche Lebensvorgänge für Gleichgewichts-, Eigenbewegungsund Lebenssinn bewirken, eine Umwandlung hervorrufen, welche diese Organanlagen verwandelten in Hervorbringungs-, Wachstums-, Erhaltungs- und Absonderungsorgane. Wäre also das Ich bis zu einem gewißen Zeitpuncte gegenüber der physischen Menschenanlage ein äusseres, dann könnte es von diesem Zeitpunkte an in Organanlagen, welche auf dem Wege sind Athmungs-, Wärmungs- und Ernährungsorgane zu werden, die Anregung zu solchen geben, welche Absonderungs-, Erhaltungs-, Wachstums- und Hervorbringungsorgane sind.
164 Wenn nun das Ich, welches aus der astralischen Welt Geschmack-, Gesicht- und Wärmeerlebnisse in die physische hinstrahlt, nicht in sich ruhend gedacht wird, sondern in der Richtung von links nach rechts strebte, so würden Lebensorgane entstehen, welche nach rechts hin sich als Atmungs-, Wärmungs- und Ernährungsorgane, nach links als Absonderungs-, Erhaltungs-, Wachstums- und Hervorbringungsorgane ausbildeten. Da nun in solchen Organen, wie vorausgesetzt das lebendige Ich ist, so würde es die Vorgänge dieser Organe nicht passiv hinnehmen, sondern es würde in seinen Vorgängen leben; diese wären zugleich Ich-Erlebnisse. Das Herandringen des Stoffes von links in den Ernährungsorganen entspräche der Erhaltung von rechts, die Wärmung von links dem Wachstum von rechts, die Atmung von links der Hervorbringung - die in diesem Falle Ausatmung wäre - von rechts. Die Absonderung würde den Stoff von beiden Seiten im Gleichgewicht halten. - Die umgekehrten Prozesse müßten stattfinden, wenn Ernährung, Wärmung, Atmung von rechts wirken; da entstünde Erhaltung, Wachstum und Hervorbringung von links nach rechts. - Nun ist ja klar, dass in der physischen Welt freischwebende Geschmack-, Gesicht- und Wärmeerlebnisse ebensowenig vorhanden sein können, wie es klar ist, dass Stoff vorhanden ist, welcher nicht nur der Athmung, Wärmung und Ernährung dienen kann, sondern welcher von einem Ich durch bloße Berührung erlebt werden kann, und zwar in rein seelischen Erlebnissen. Dies ist der Fall, wenn Stoff selbst als Bildempfindung auftaucht und sich an die Bildempfindung Begehrung und Bewegungsimpulse knüpfen. So kann nur für den
165 Geruchssinn der Stoff auftreten. Wenn nun der äußerlich an die Anlage des physischen Menschen anschlagende Stoff im Innern die Begehrung und den Bewegungsimpuls gegenüberstehen hat, so kann sein bloßer Anprall an die Anlage des physischen Menschen eine Bildempfindung bedeuten; wenn diese dann durch Begehrung einen inneren Bewegungsimpuls auslöst, dann kann ein in Bildung begriffenes bloßes Athmungsorgan sowohl in seiner Bildung aufgehalten, wie über den Grad seiner eigenen Bildungskräfte hinausgeführt werden. Wirkt der Bewegungsimpuls stärker als die Begehrung, so wird es zum äusseren Athmungsorgan weiter geführt; wirkt die Begehrung starker;… [Lücke durch Streichung von zwei Zeilen] … wirken Begehrungs- und Bewegungsimpuls gleich, so wird die Bildempfindung, welche es durch den Anprall des Stoffes an seinen Grenzen erleidet, von unten nach oben ihrer ursprünglichen Anlage entgegengesetzt. Es wirke nun aber von unten nach oben das aus der Astralwelt stammende Ich nicht mehr, weil es ihm wesentlich ist, auf den Menschen nur in den Richtungen der horizontalen Ebene zu wirken. Dann kämen für die Wirkung nach oben nur die anfangs wirkende von oben nach unten aus der höheren Geisteswelt wirksame Kraft und solche vorher gebildete Sinnesanlagen und Lebensorgane in Betracht, welche bei der Bewegung von rechts nach links und links nach rechts nicht ergriffen worden sind, weil sie durch ihre vor der Wirkung des astralischen Ich erworbene Lage in jener Richtung keine solchen Einflüsse dieses Ichs erfahren konnten, welche sie ihrem Abschluß entgegengeführt hätte. Es könnten dies nur sein in Bildung begriffene Tonorgane, Lautorgane und Begriffsorgane,
166 welche bei der Bewegung von rückwärts nach vorne nicht abgeschlossen worden wären, weil die von oben nach unten wirkende Kraft den Abschluß, welcher durch die von rückwärts nach [vorne] wirkenden Kräfte hätte bewirkt werden müssen, gehemmt hat. Angenommen, in der hier angedeuteten Bewegung wären nun nur wirksam die Inhalte des Gleichgewichtsinnes, des Eigenbewegungs- und Lebenssinnes, so könnten nur Wechselwirkungen eintreten zwischen der nach oben wirkenden Anlage des physischen Menschen und dem von oben nach unten wirkenden mit der höhern Geisteswelt verwandten Ich selbst; ferner zwischen jenen Sinnesanlagen und dem mit der niederen Geisteswelt verwandten von vorne nach rückwärts wirkenden Ich. Das letztere Ich könnte seinerseits wieder in Wechselwirkung treten mit dem, was in Gleichgewichtssinn, Eigenbewegungssinn und Lebenssinn Selbsterlebnis des Ich sein kann. Da nun innere Organe in der physischen Menschenanlage jetzt vorhanden sind, so

Variante, die, anschließend an die Worte «… an seinen Grenzen erleidet,» S. 165, 2. 16, in anderer Fassung fortsetzt:

von unten nach oben ihrer ursprünglichen Richtung entgegengesetzt. Dann kämen für die weiteren Vorgänge in Betracht die Kräfte des Ich, das mit der höheren und niedern Geisteswelt, und mit der astralischen Welt verwandt ist. Ferner jene nicht zu Ende gekommenen in Bildung begriffenen Prozesse des Gehör-, Laut- und Begriffssinnes, welche der Einwirkung des in der horizontalen Ebene wirkenden astralischen Ich bisher widerstanden
167 haben. Die letzteren werden also jetzt erst dieser Einwirkung ausgesetzt. Ihre Weiterbildung könnte nun durch innere Lebensvorgänge, welche den Bildempfindungen, Begehrungen und Bewegungsimpulsen des mit der Astralwelt verwandten Ich ausgesetzt werden, so geschehen, dass der Abschluß bei vollendeter Bewegung an der Grenze seiner Möglichkeit angelängt ist, oder es könnte der Abschluß vor der Grenze seiner Möglichkeit aufgehalten werden. Das erstere wäre der Fall, wenn die Wirkung des mit der Astralwelt verwandten Ich auf die Anlage des physischen Menschen in dem Augenblick erschöpft wäre, wo die Bewegung von vorne nach rückwärts aufhört. Das zweite träte ein, wenn die Wirkung jenes Ich auch nach abgeschlossener Bewegung noch fortbesteht. Der erste Fall tritt ein für das Gehörorgan, bei dem die Bildempfindung des Ich die Bildung zum Abschluß bringt; der zweite Fall ist beim Laut- und Begriffsinn verwirklicht, welche nicht bis an die Oberfläche der physischen Menschenanlage geführt, sondern im Innern zurückgehalten werden. Sie bleiben daher auch nach Abschluß der Bewegung noch entwickelungsfähig. Das Zusammenwirken zwischen der ursprünglichen Richtung des mit der höheren Geisteswelt verwandten Ich von unten nach oben und der von unten nach oben strebenden Anlage des physischen Menschen macht sich nun in der aufrechten Gestalt geltend. In ihr zeigt sich, dass das Ich selbst die der physischen Menschenanlage gleiche Richtung hat, so dass nicht bloß die Kräfte von «rückwarts-vorn», «vorn-rückwärts», «rechts-Knks», «linksrechts» tätig sind, sondern dass die physische Menschenanlage sich im Sinne des Ich nach oben richtet.
168 Den Vorgängen, welche hier angedeutet sind, entspricht das Bild der menschlichen Gestalt ebensosehr, wie der Verlauf des menschlichen Lebens.


17.

168 Bruchstück. - Variante zu Nr. 16, die anschließt an die Worte «… und des Gleichgewichtssinnes.», S. 158, 2. Zeile von unten -
Zu Kap. VIII-X gehörig.

Es mögen diese Kräfte so vorgestellt werden, dass, wenn sie für sich allein wirkten, den Menschen nur so hervorbrächten, dass er befähigt wäre, nicht nur das Ich zu tragen, sondern in demselben noch die Anlagen zu entwickeln für Organe des Geschmackes, Gesichtes, des Wärmeeindruckes, des Tones und des Lautes und Begriffes. Nun denke man sich diese Kräfte von andern ergriffen, welche unmittelbar aus der astralischen Welt stammen, und welche die ganze Menschenanlage so umwenden, dass die neue Richtung gegenüber der eben angegebenen ein von rechts nach links darstelle (das heißt wieder nur so gedreht werde, dass die neue Richtung mit den beiden andern einen rechten Winkel darstelle). Diese Kräfte der astralischen Welt mögen bestehen in der Umwendung der vorigen, und zwar so, dass auf die Organanlage für den Geruchsinn das wirke, was im Geruchsinn selbst erlebt wird; auf die Organanlage des Geschmacksinnes wirke das Gesichterlebnis; auf die Anlage des Gesichtsinnes die Wärme, auf die Anlage des Tonorgans wirke der umgekehrte Inhalt des Gleichgewichtsinnes;
169 auf die Anlage des Lautorganes der umgekehrte Inhalt des Eigenbewegungssinnes; auf die Anlage des Begriffsorganes der umgekehrte Inhalt des Lebenssinnes. -


18.

169 2 Seiten. - Zu Kap. VIII-X gehörig.

durch ein bloßes Festhalten des Stoffes an der Grenze der physischen Menschenanlage beantwortet; wird aber die Begehrung stärker als der Bewegungsimpuls, dann wird die Oberfläche dieser Anlage nach dem Innern gezogen, und es entsteht eine Einstülpung. Die Begehrung findet dann den Stoff innerhalb der Grenzen, die vorher der physischen Anlage gezogen waren. Wirkt sie nun über die neue Grenze hinaus, so findet eine Begehrung statt, welche auf die Wirkung des Stoffes sich bezieht, der sich in der Einstülpung befindet. Der Stoff braucht dann nicht in die physische Menschenanlage einzudringen; er kann als modificiertes Geruchserlebnis, das heißt als innerliches Geruchserlebnis empfunden werden. Das aber ist ein Geschmackerlebnis. Man nähme nun an, im Geruchserlebnis wäre zugleich eine Eigenschaft des Stoffes selbst gegeben, die er in der astralen Welt zum Strahlen bringen kann, und das Geruchserlebnis wäre nur insoweit physisch, als es Empfindungserlebnis ist, so wäre dieses Geruchserlebnis Selbstempfindung des Stoffes; und ein Ich, das in der physischen Welt lebt, könnte den Stoff selbst wahrnehmen, wenn dieses Ich zu der physischen Welt so in Beziehung stünde, wie das
170 menschliche Ich in der physischen Welt zu sich selbst, zu Begriff, Laut und Ton steht. Dann aber könnte ein aus der astralischen Welt stammendes Ich durch das Wechselverhältnis von Bildempfindung, Begehrung und Bewegungsimpuls an den Grenzen der physischen Menschenanlage wirken und würde durch eine Begehrung eine Geschmackorgananlage über deren Bildungskräfte hinausführen und die entstandene Einstülpung so weit bringen können, dass sie innerhalb der Grenzen der ursprünglichen Anlage des physischen Menschenleibes als ein Einschluß sich befindet. Dadurch würde die Eigenschaft des modificierten Geschmackerlebnisses für das so umgewandelte Organ sich stets dann ergeben, wenn der Stoff von seiner Oberfläche aus eine Eigenschaft durch die physische Welt strahlt, welche nicht durch Berührung empfunden wird, wie der Geruch, auch nicht unmittelbar im Umkreis einer Einstülpung erlebt werden kann, wie der durch das Geschmackorgan umfasste Geschmack; sondern welcher mit einem innern Erlebnis begegnet werden muß. Wenn an der Stelle, nach welcher hin das Ich im eigenen Organismus als astralisches Selbsterlebnis ausstrahlt, in dem charakterisierten Einschluß sich ein Hindernis befindet, so kann es an dieser Stelle abgehalten werden, mit seinem Erleben nur bis zur Grenze seines Leibes zu gehen; es kann in einem Äußeren sich selbst erleben, wenn dieses Äußere von seiner Oberfläche eine Eigenschaft hinstrahlt, die zwar durch innere Eigenschaften eines physischen Körpers bedingt, selbst aber nicht physisch ist, sondern nur so erlebt werden kann, dass das Erlebnis Selbsterlebnis eines Ich ist. Damit aber ist das Wesen des vom Stoffe losgelösten
171 Gesichtserlebnisses gegeben. Wird das in Bildung begriffene Gesichtsorgan durch das Wechselverhältnis von Begehrung und Bewegungsimpuls so umgewandelt, dass es über die ganze physische Menschenanlage sich verbreitet, so findet das aus der Astralwelt stammende Ich in der physischen Welt durch ein solches Organ überall die Möglichkeit, nicht physisch in den Stoff einzudringen, sondern im astralen Selbsterlebnis das gleiche vom Stoff ausstrahlende Selbsterlebnis zu haben. Würde ein in der Bildung begriffenes Wärmungsorgan durch einen Begehrungsimpuls, der stärker wirkt als ein entsprechender Bewegungsimpuls zurückgehalten, bevor das Maß jener Entwicklung erreicht ist, welche innerlicher Wärmung dienen kann, so gelangt es auf den Weg, der es nach außen öffnet; es wird dadurch ein Organ, das durch Aufnahme von äußerem Stoff innerliche Wärmung bewirkt; und wird ein Organ für innerliche Ernährung in solcher Art zurückgehalten, so wird es Organ für äussere Ernährung. Wird aber ein Ernährungsorgan von einem Bewegungsimpuls ergriffen, der stärker ist, als ein Begehrungsimpuls, so wird es zu einem inneren Bewegungsorgan. - Wenn die Anlage des physischen Menschen, nachdem sie jene Umwandlung erfahren hat, die in ihr Organe für unmittelbare Ton-, Laut- und Begriffsverhältnisse gebildet hat, in der angegebenen Art von rechts nach links durch das beschriebene astralische Ich bewegt würde, so dass dieses Ich der physischen Menschenanlage durch Bildempfindung bei völligem Gleichgewicht von Begehrung und Bewegungsimpuls die Selbstempfindung des Stoffes durch den Geruch; dann durch das entsprechende Wechselverhältnis von Begehrung
172 und Bewegungsimpulsen bei der Weiterbewegung solche Organ eingliederte, welche in der obigen Art aus Organen, welche in Bildung begriffen sind, durch Zurückhaltung oder Fortführung des Bildungsmaßes die Sinnesorgane des Wärmesinnes, des Gesicht-, Geschmack-, Geruchsinnes, sowie die Lebensorgane der Athmung, der Wärmung, Ernährung, Erhaltung, des Wachstums und der Hervorbringung einprägte; [im Manuskript gestrichen: dann blieben unter den Lebensorganen] nur noch diejenigen der Absonderung, unter den Sinnesorganen diejenigen des Gleichgewichtsinnes, des Eigenbewegungs- und Lebenssinnes übrig. Man nehme nun an, dass sich die physische Menschenanlage, nachdem sie alle diese Einflüsse aufgenommen hat, an dem Puncte befindet, wo die genannten Sinnesanlagen gebildet sind, die Lebensorgane aber noch nicht zum Abschluße gelangt sind. In solcher Verfassung bewege sich die Anlage von vorne nach rückwärts, so, dass auf sie das aus der astralischen Welt stammende Ich mit seinen Bildempfindungen, Begehrungen und Bewegungsimpulsen wirken kann. Dann kann dieses den entsprechenden Lebensorganen dadurch den Abschluß geben, dass es sie in zwei Gruppen teilt. In solche, welche nach außen als Atmungs-, Wärmungs- und Ernährungsorgan wirken, und in solche, welche nach Innen dadurch wirken, daß in Bildung begriffene Ernährungsorgane nach Innen verlegt und so Absonderungsorgane werden; dann aber bewege sich die physische Menschenanlage


19.

173 Bruchstück. - Zu Kap. X gehörig, vgl. S. 91 f.

die Bildung der Lebensorgane ist der Geisteswelt aus dieser Welt heraus entzogen. Nun müssen sich aber die Lebensorgane gestalten im Sinne des ganzen Menschenleibes. Sie müssen folgen den Richtungen, welche der umgewendete Tastsinn, Lebenssinn u.s.w. diesem Leibe aufprägen. Der aetherische Leib, insoferne er Träger der Gestaltungskräfte für die Lebensorgane ist, kommt dadurch in Wechselwirkung mit der äußeren physischen Welt, aus welcher Richtung und Lage der Organe bestimmt ist, insoferne diese Stoffträger sind. Man wird, insoferne der Mensch auf sein Ich-Erlebnis hin organisiert ist, den Ausdruck dafür in seinem Leibe in der Aufrichtung nach oben sehen müssen; insoferne er physischer Leib ist, die Entgegenwirkung der Kräfte nach unten; und so wird man hindeuten können auf den Gegensatz von oben und unten, unten und oben wie auf zwei durcheinanderwirkende Strömungen; eine solche, welche den Menschen leiblich an die Erde fesselt; und eine solche, welche ihn dieser entgegenwachsen


20.

173 Bruchstück. - Zu Kap. X gehörig, vgl. S. 92.

Von diesen Inhalten könnten die letzten drei nicht auf das Ich wirken, weil sie Sinnesorgane voraussetzen; der Inhalt des Gleichgewichtsinnes aber ist eine richtungweisende Kraft; und insoferne er in der oben angegebenen
174

zurückstrahlen zu lassen, so wäre damit das Tasterlebnis gegeben. Denkt man sich das «Ich» nun als ganz das, was es ist, nur nicht als in sich ruhend, sondern von unten nach oben strebend; das heißt, denkt man den Geist so real existierend, wie er im Ich der physischen Welt sich kundgiebt, nur mit einem Streben von unten n ach oben (mit besseren Worten: strebend nach allen Richtungen des Raumes von Einem Puncte aus), dann würde er mit diesem Streben einem andern begegnen können, das aus der niederen Geisteswelt stammt, aber in nichts weiter bestünde als in Geist gleich dem Ich selbst, wie es in der physischen Welt ist; nur müßte dieser Geist statt von unten nach oben, von vorne nach rückwärts streben. Geist brauchte sich so nur mit Geist zu begegnen; und es müßte in der Begegnung ein Wirkliches sich ergeben, dass nur im Widerstreben des Einen Geistes dem andern gegenüber bestünde. Was an der Begegnungsstelle entstünde, entspräche dann ganz dem Tasterlebnis. Wenn nun dieses Tasterlebnis |

21.

175 Bruchstück. - Zu Kap. X gehörig, vgl. S. 93f.

Geisteswelt besteht der Gegensatz zwischen verinnerlichtem und nicht verinnerlichtem Stoff. Dieser Gegensatz wirkt aus der physischen Welt noch in dem Ernährungsvorgang auf den Menschenleib. Der Ernährungsvorgang weist auf die Richtung von vorn nach rückwärts im physischen Menschenleib. Die Sinnesorgane mit ihren zugehörigen Nervenleitungen weisen im wesentlichen von rückwärts nach vorn. In der Richtung von vorne nach rückwärts wird man daher diejenige zu sehen haben, in welcher aus der physischen Welt heraus die Wirkung auf den physischen Menschen so geschieht, wie in der niederen Geisteswelt die Verinnerlichung des Stoffes; in der Richtung von rückwärts nach vorne diejenige, in welcher der verinnerlichte Stoff weiter verarbeitet wird. In der Richtung von vorne nach rückwärts muß also die Wirkung jener Gestaltungskräfte gesucht werden, welche den Lebensorganen die Sinnesorgane einlagern; rückwärts-vorne dagegen die Wirkungsrichtung der Gestaltungskräfte, welche der niederen Geisteswelt entstammen. Nach vorwärts zu wirken, ist der niedern Geisteswelt aus der physischen Welt herein in den Menschenleib nicht mehr möglich; von vorne nach rückwärts


22.

176 Bruchstück. - Auf Notizblatt Archiv-Nr. NZ 42.

das bei der Umwandlung der Lebensorgane und Sinnesorgane die Kräfte seines mit der Astralwelt verwandten Ich verbraucht, kann in der Bewegung der Lebensorgane nach aufwärts


23.

176 Bruchstück. - Auf Notizblatt Archiv-Nr. NZ 43.

Man sieht hieraus, dass Sinnesorgane als Umwandlungsprodukte von Lebensorganen gedacht


24.

176 Bruchstück. - Wohl zu Kap. X gehörig.

Laut und Begriffssinnes kann man ein Zeichen dafür erkennen, dass sich Lebensvorgänge, welche unmittelbar aus der niederen geistigen Welt stammen, auch noch nach der Geburt fortsetzen. In der aufrechten Gestalt offenbart sich die ursprüngliche Verwandtschaft des Ich mit der höheren geistigen Welt. In der Bildung des Sprachorganes liegt ein Beleg dafür, dass in der Zeit der letzten Bewegung der physischen Menschenanlage nach oben Lebensorgane vorhanden sind, welche in ihrer Bildung vor der Geburt bereits von Kräften beeinflusst werden, welche unmittelbar aus der höhern geistigen Welt wirken. Diese Tatsache zeigt, dass in



3. Einzelblatt «zur Anthroposophie»

177 Einzelblatt, vgl. Faksimile nächste Doppelseite, welches mit den Worten «zur Anthroposophie» ausdrücklich der Schrift «Anthroposophie» zugeordnet ist.
180 zur Anthroposophie
Die Wahrnehmung des andern Menschen ist Bildempfindung; als Realität steht ihr gegenüber die Erfüllung dessen, was der Tastsinn gibt, sodass in diesem Innern gegeben ist die Wirklichkeit, welche dem Tastsinn zu Grunde liegt.
In der Wahrnehmung des Begriffes aus der Aussenwelt ist gegeben, was als Realität in der physischen Leiblichkeit als Sinnesorgan der Ein-Bildung zu gelten hat. In diesem Sinnesorgan lebt der Begriff. So wird einem Lebensorgan von aussen die Form des Begriffsorgans gegeben. Es ist hinter dem Lebensorgan der gestaltende Begriff: Lebenssinn
In der Wahrnehmung des Lautes aus der Aussenwelt ist gegeben, was als Realität in der physischen Leiblichkeit [als] das Sinnesorgan der Laut-Bildung zu gelten hat. In diesem Sinnesorgan lebt der Laut. Es ist hinter dem Lebensorgan der gestaltende Laut: Bewegungssinn.
In der Wahrnehmung des Tones aus der Aussenwelt ist gegeben, was in der Realität der physischen Leiblichkeit als Sinnesorgan der Tonbildung zu gelten hat. In diesem Sinnesorgan kommt der Ton zur Wahrnehmung. In dem Organ ist tätig, bevor es Gehörorgan ist, Gleichgewichtsinn.
181 A. Lebensorgane, welche die Seelenzustände in der physischen Welt zur Erscheinung bringen: auf der einen Seite.
B. Lebensorgane, welche sich in Sinnesorgane verwandeln: auf der andern Seite.

A. 1: der ganze Organismus: Ichbewußtsein. - : die Kopfform
'' '' 2: die Blutzirkulation: Strebungen. Begehrungen: die Phantasie
'' '' 3: Der Muskelorganismus: Bewegungsimpulse: die Sprache

Das Ich lebt zunächst in seinen Seelenzuständen, dann in Lebensvorgängen, und diese prägen sich die Wahrnehmungen der Außenwelt ein.


Absonderung
Gehöranlage
Wärmeempfindungsanlage Erhaltung
Gesichtanlage Wachstum Wärmung Gesichtanlage
Geschmackanlage Ernährung Geschmackanlage
Geruchanlage
Gleichgewicht
Absonderung
182
183



4. Notizblatt zu den zehn Sinnen zwischen Tastsinn und Ich-Erlebnis

184 Notizblatt Archiv-Nr. NZ 63, vgl. Faksimile vorherige Doppelseite.

Physische Welt

1 Tastsinn
2 Lebenssinn
3 Eigenbewegungssinn
4 Gleichgewichtssinn
5 Geruchssinn
6 Geschmackssinn
7 Gesichtssinn
8 Wärmesinn
9 Gehörsinn
10 Lautsinn - physisch vorgelagert
11 Begriffssinn - ätherisch vorgelagert \12 astralisches Ich-Erlebnis
'' '' unmittelbar offen

Sinnesorgane

Im Bildempfinden = Begriffssinn unmittelbar
Im Begehren = Sprachsinn
185

| | |

Am Tastsinn, wie physische Welt
An Lebenssinn)
Eigenbewegung
Gleichgewicht
ätherische Welt
physisch
An Geruch
Geschmack
Gesicht
ätherisch-astralisch
astralische Welt
Wärme astralisch
Bewegung: Gehör
Begehrung: Sprachsinn
Bild: Begriff
• astralisch/ätherisch
Ich übersinnliche Welt





Am Tastorgan entgegengeschoben
das Icherlebnis



5. Über Hören und Sprechen unvollendete Studie, ca. 1910

186 15 Seiten Manuskript, im Notizbuch Archiv-Nr. NB 210. - Das Manuskript ohne Titel entstammt einem Notizbuch, das ausschließlich Aufzeichnungen zu den Sinnesorganen und den Lebensvorgängen enthält, Inhalten, die in der Schrift «Anthroposophie» zur literarischen Darstellung kommen sollten. Man kann daher annehmen, daß es im Zusammenhang und in der Zeit der Arbeit an der «Anthroposophie» entstanden ist. Es ist nicht unmittelbar dem Text der «Anthroposophie» zuzuordnen, sondern stellt eine selbständige unvollendete Studie dar. Die sonstigen Aufzeichnungen des Notizbuches sind veröffentlicht in «Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe», Nr. 34,1971. Die Textgestalt folgt dem Manuskript, nur sind Namensnennungen kursiv gesetzt. Der Titel stammt von den Herausgebern.



An dem Ich-Erlebnis kann erkannt werden, dass das Menschenwesen aus sich heraus einen Organismus gestaltet, der in sich das Bild eines gleichen fremden Ichs gegenwärtig machen kann. Was sich als solcher Organismus gestaltet, kann als der Typus eines Wahrnehmungsorgans betrachtet werden. Nun entzieht sich die innere Beschaffenheit dieses Organismus, seine gesetzmäßige Wesenheit der unmittelbaren Anschauung innerhalb der Sinnenwelt. Sie verliert sich für diese Anschauung in den Tiefen des seelischen und organischen Lebens und Webens. Der Mensch wird sich dieses Organismus erst bewußt, wenn er ihn für die Wahrnehmung der Sinnenwelt anwendet.
Zunächst im unmittelbar sinnlichen Leben richtet der Mensch nicht einmal seine Aufmerksamkeit auf die eigene
187 Tätigkeit, welche er verrichtet, wenn er den Inhalt einer Wahrnehmung zum Ich-Erlebnis macht. Um von dieser Tätigkeit etwas zu wissen, muß er das Ich abwenden von dem Wahrnehmungsinhalt und auf die eigene Tätigkeit lenken. Er kommt dabei so weit, in sich Seelenvorgänge zu finden, welche er verrichtet, während die Wahrnehmung im Ich als Erlebnis gegenwärtig ist.
Schon diese Seelenvorgänge gehören nicht im eigentlichen Sinne zu denjenigen Bewußtseinserlebnissen, welche der Mensch im gewöhnlichen Leben hat. Der Seelenforscher findet sich ja genötigt, einen Unterschied zu machen zwischen den Erlebnissen, welche gegenüber der Aussenwelt gemacht werden und denjenigen, welche auf der Wahrnehmung des eigenen Seelenlebens beruhen. Steht man einem äusseren Dinge oder einer äusseren Tatsache gegenüber, so kann man diese mit denselben Erkenntniswerkzeugen weiter beobachten, durch welche sie zuerst wahrgenommen worden ist. Eine seelische Tatsache ist aber vorüber, wenn sich die beobachtende Erkenntnis auf sie richten will. Der hier in Betracht kommende Sachverhalt ist gut von Franz Brentano (in dessen Psychologie S. 35) dargestellt worden. Es wird da scharf betont, dass die innere Wahrnehmung der Seelenvorgänge nie innere Beobachtung werden könne. «Gegenstände, die man, wie man zu sagen pflegt, äusserlich wahrnimmt, kann man beobachten; man wendet, um die Erscheinung genau aufzufassen, ihr seine volle Aufmerksamkeit zu. Bei Gegenständen, die man innerlich wahrnimmt, ist dies aber vollständig unmöglich. Dies ist insbesondere bei gewissen psychischen Phänomenen, wie z. B. beim Zorne unverkennbar. Denn wer den Zorn, der
188 in ihm glüht, beobachten wollte, bei dem wäre er offenbar bereits gekühlt, und der Gegenstand der Beobachtung verschwunden. Dieselbe Unmöglichkeit besteht aber auch in allen anderen Fällen.»
Da nun Brentano sich in seiner Darstellung streng an dasjenige hält, was dem gewöhnlichen Bewußtsein innerhalb der Sinnenwelt zugänglich ist, so entgeht seiner Aufmerksamkeit der Unterschied, welcher besteht zwischen der Wahrnehmung solcher Seelenvorgänge, welche sich abspielen an den Wahrnehmungen der Aussenwelt, und solchen, welche in diese Wahrnehmung hinein verschmolzen sind. Die Freude oder das Leid, die der Mensch an gewissen Wahrnehmungen hat, kann er innerhalb der Sinnenwelt wahrnehmen, nicht aber diejenigen Seelenvorgänge, welche ablaufen, während das Ich an die Wahrnehmung der Aussenwelt ganz hingegeben ist. Denn diese Seelenvorgänge sind vor dem Wahrnehmen noch nicht da, nach dem Wahrnehmen aber sind sie für das gewöhnliche Bewußtsein verschwunden. Die gewöhnliche innere Wahrnehmung erstreckt sich nämlich nur auf solche Seelenvorgänge, in Bezug auf welche der Mensch mit dem inneren Erleben nicht völlig an die Aussenwelt hingegeben ist.
Diejenigen Seelenvorgänge, welche sich abspielen, während das Ich an einen Gegenstand ganz hingegeben ist, liegen nicht innerhalb der Welt, in welcher dieser Gegenstand liegt. Bei Gegenständen der Sinnenwelt liegen sie somit in einer übersinnlichen Welt. Es kann eine Wahrnehmung solcher Seelenvorgänge nur dadurch möglich gemacht werden, dass sich das Ich ganz anderer Fähigkeiten bedient, als ihm in der Sinnenwelt zur Verfügung
189 stehen. Es muß das Ich die Erkenntnis richten können auf Vorgänge, welche beginnen, wenn die Aufmerksamkeit auf einen Sinnengegenstand sich richtet, und welche verschwunden sind, wenn diese Aufmerksamkeit aufhört.
Es soll an diesem Orte nur darauf hingewiesen werden, dass ein solches Wahrnehmen möglich ist. Zu demselben muß sich das Ich aus dem Bereiche der Sinnenwelt ganz herausziehen und das Gefüge seelischer Tätigkeiten betrachten können, welche sich abspielen, wenn es in seinem gewöhnlichen Leben an einen äusseren Gegenstand hingegeben ist. Das Ich hätte sich dann in eine übersinnliche Welt versetzt, und nähme in derselben die Seelentätigkeiten wahr, die sonst vor dem Bewußtsein verschwinden. Nur eben angedeutet soll hier werden, dass die Vornahme gewißer Seelenübungen zu einem solchen Versetzen des Ich aus seinen gewöhnlichen Erlebnissen führt. (Man vergleiche, um solche Seelenübungen kennen zu lernen, mein Buch: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten»).
Die Wahrnehmung der entsprechenden Seelenvorgänge gehört also einer übersinnlichen Welt an. Aber auch das innerhalb der Sinnenwelt stehen bleibende Nachdenken, muß solche Vorgänge erschließen. Denn die Sinnenwelt deutet auf sie hin so, wie der Rauch auf das Feuer deutet, auch wenn man das letztere nicht sieht. (Dieser Herbart'sche Vergleich ist durchaus zutreffend).
Es scheint nach dieser Darstellung, dass dem gewöhnlichen in der Sinnenwelt lebenden Bewußtsein nur die Anerkennung der charakterisierten übersinnlichen Welt möglich sei, dass ihm aber jede genauere Einsicht in dieselbe
190 versagt bleiben müsse. Das wäre der Fall, wenn im Bereiche dieses Bewußtseins nichts auftreten könnte, was die innere Tätigkeit der Seele und die Wahrnehmung eines Gegenstandes gleichzeitig zur Anschauung bringt. Welcher Art müßte dieses «Etwas» genauer sein? Es müsste das Erlebnis einer Wahrnehmung nicht bloss innerhalb der Sinnenwelt da sein, sondern der Mensch müßte auch die Aufmerksamkeit auf dieses Erlebnis so gerichtet haben können, dass er seine eigene Tätigkeit während des Erlebens wahrnimmt. Im Bereiche der sinnlichen Erlebnisse ist in einem mehr oder weniger beschränktem Maße dies der Fall in dem Verhältnis, welches der Mensch zu seinem eigenen Sprechen hat. Nur darf man dabei nicht an das Hören der eigenen Laute mit dem Ohre denken. Denn dieses Anhören der eigenen Laute unterscheidet sich in Nichts von dem Anhören fremder Laute. Es wird durch dasselbe nur eine Sinneswahrnehmung bewirkt. Man muß vielmehr die Aufmerksamkeit auf das dumpfe Bewußtsein lenken, welches man von den Bewegungen der Sprachwerkzeuge haben kann, wenn ein Laut hervorgebracht werden soll. Wäre ein solches Bewußtsein nicht vorhanden, so könnte es nie in die Gewalt des Menschen kommen, das Richtige zu tun, um einen gewißen Laut hervorzubringen. Was ist also in der Seele vorhanden, indem ein Laut hervorgebracht wird? Ausser dem Laut selbst, welcher der Sinnenwelt angehört, ist ein Bild der Eigenbewegung der entsprechenden Organe vorhanden. - Dieses Bild ist keineswegs von gleicher Eigenschaft wie ein Vorstellungsbild, welches durch äußere Wahrnehmung gewonnen wird. Das letztere ist um so richtiger, je mehr es mit
191 der Wahrnehmung zusammenfällt. Das Bild der Eigenbewegung der Organe bei einem ausgesprochenen Laut kann gar nicht mit diesem Laute selbst zusammenfallen. Es ist ja möglich, dass der Mensch niemals dahin gelangt, dieses Bild sich zum Bewußtsein zu bringen; dann wird er die zum Sprechen notwendigen Eigenbewegungen eben stets unbewußt ausführen. Bei einem solchen unbewußt Sprechenden muß aber doch in den Tiefen des Organismus dasselbe vorgehen, was sich bei demjenigen abspielt, der immer mehr in den Sprachorganismus eindringt und so die Gestaltung der Lautorgane als Bilder in sein Bewusstsein heraufhebt. Das Wissen des letzteren ruft die Wirklichkeit dessen natürlich nicht erst hervor, was wahrgenommen wird. Das Wahrgenommene ist ein Seelenvorgang, welcher mit der sinnlichen Tatsache des Lautens gleichzeitig sich vollzieht.
Nun wird im Vorgange des Sprechens dieser Seelenvorgang mehr oder weniger durch die Hingabe des Ich an den gesprochenen Laut verdeckt. Es gehört eine besondere Übung dazu, die Aufmerksamkeit in diesem Falle auf die Eigenbewegung des Organismus zu lenken. Im wesentlichen unterscheidet sich aber die Wahrnehmung der Eigenbewegung beim Sprechen nicht von derjenigen, welche man beim Heben eines Beines oder dem Bewegen eines Armes hat. Nur entfällt bei diesen Eigenbewegungen der Laut. Es kommt bei ihnen eine äussere Wahrnehmung nicht mehr in Betracht. Denn dass man seine eigenen Bewegungen auch z. B. sehen kann, ist für das ohne Belang, was in der Seele als Wahrnehmung der Eigenbewegung lebt. In dem Hingegebensein an die Wahrnehmung der Eigenbewegung liegt also ein Seelen-Vorgang
192 von jener Art vor, wie diejenigen sein müssen, welche gleichzeitig mit einer äusseren Wahrnehmung sich abspielen. Nun bleibt aber dafür bei diesen Seelenvorgängen die Wahrnehmung eines der äußern Wahrnehmung entsprechenden Vorganges zunächst ganz außerhalb des gewöhnlichen Bewußtseins. Es kommt nur ein Seelenvorgang ins Bewußtsein; was sich eigentlich im Leibe abspielt, während dieser Seelenvorgang sich vollzieht, kann unmittelbar nicht Gegenstand des Bewußtseins werden.
Im Sinne des Dargestellten erscheint der Schluss berechtigt, dass bei äußeren Wahrnehmungen die Inhalte des Wahrgenommenen bewußt werden, dass dagegen ihnen entsprechende Seelenvorgänge verborgen bleiben; bei der Wahrnehmung von inneren Vorgängen des Organismus diese nicht unmittelbar offenbar werden, dagegen die entsprechenden Seelenvorgänge im Bewußtsein auftreten.
Auf Grund dieses Schlusses ist nun eine Vorstellung möglich über die Natur der beiden Arten von Wahrnehmungen. Bei äusseren Wahrnehmungen erhebt sich im Bewußtseinshorizont der Inhalt der Wahrnehmung; unter diesem Horizont spielt sich ein Reiz auf den Menschen ab, welcher nicht ins Bewußtsein heraufsteigt. Dieser Reiz ist von der Art wie der Seelenvorgang, welcher z. B. bei einer Eigenbewegung des Organismus ins Bewußtsein eintritt. Würde die äusserliche sinnliche Wahrnehmung in entsprechendem Falle unbewußt bleiben können, und dafür sich das Ich ganz dem inneren Seelenvorgang hingeben können, so müßte es etwas ähnliches erleben wie bei einer Eigenbewegung. Nur würde es in
193 keinem inneren Vorgange die Veranlassung zu dem Seelenvorgange finden können.
Man fasse nun wieder den Vorgang des Hörens eines Lautes ins Auge. Nur stelle man sich vor, man höre nicht dem eigenen Sprechen zu, sondern dem Sprechen eines anderen Menschen. Dann fällt die eigene Bewegung der Sprachorgane und damit die Tätigkeit des Ich am eigenen Organismus hinweg. Das andere Ich tritt an die Stelle des eigenen. Dessen Tätigkeit bringt den Laut hervor. In dem Hörenden ist der charakterisierte Seelenvorgang vorhanden, der nicht zum Bewußtsein kommt. Da er aber vorhanden ist, so tritt er dem Laute entgegen. Dieser stösst an den Widerstand des Seelenvorganges und wird auf diese Art bewußt. Man hat sich nun nur vorzustellen, dass das Ich sich mit dem Laute verwebt, nachdem er von dem Seelenvorgang aufgehalten ist, so hat man einen Begriff von dem Bewußtwerden des Lautes.
Es ist der an dem eignen Seelenvorgang erzeugte Widerhall des Lautes, welcher zum Bewußtsein des Ich gelangt. Der Laut lebt in diesem Falle erst beim Sprechenden; dann wird er zurückgeworfen am eigenen Seelenvorgang des Hörenden; und nach der Zurückwerfung lebt er in dem Zuhörer. Wenn man bedenkt, dass der Laut, um welchen es sich handelt, im wesentlichen in gleicher Art beim Sprechenden wie beim Hörenden vorhanden ist, so wird man keine Schwierigkeit darin sehen, sich den Vorgang des Bewußtwerdens in der geschilderten Art vorzustellen. Und es erscheint dann ganz selbstverständlich, dass das bewußte Ich für das Anhören eines Lautes der von einem sprechenden Menschen ausgeht, nicht innerhalb, sondern außerhalb seiner eigenen unbewußten,
194 aber mit der Lautwahrnehmung vorhandenen Seelenvorgänge ist.
Man halte damit nun zusammen die Wahrnehmung eines Tones, welcher von einem leblosen Körper ausgeht. Das bewußte Ich ist mit diesem Tone genau so verwoben, wie mit dem fremden Laut. Es muß daher in derselben Art von ihm ein Bewußtsein erlangen. Es muß ein Seelenvorgang dem Tone Widerstand leisten und der also aufgefangene Ton sich dem Ich einverleiben. - So sieht sich der Vorgang an, wenn man ihn mit der Lautwahrnehmung vergleicht. Sieht man ihn aber von der Seite der sinnlichen Wahrnehmungswelt an, so erheben sich gegen eine solche Auffassung Bedenken. In dieser Wahrnehmungswelt findet man als Ausgangspunct des Tones einen Körper, dessen Teile in einer bestimmten Bewegung sind. Man wird gewahr, dass sich diese Bewegung in der Luft fortsetzt. Die bewegte Luft gelangt an das Ohr; und als Folge des Anschlagens der Luftbewegung an das Ohr und den Nervenorganismus ergiebt sich im Bewußtsein des Ich der Ton. Man kann nun leicht zu der Vorstellung kommen, dass in der Aussenwelt überhaupt nichts anderes vorhanden sei als die Bewegung des Körpers und der Luft; und daß der Ton nur innerhalb der Seele als Gegenwirkung gegen die physische Bewegung entstehe. Diese Vorstellung hat etwas so verlockendes, dass sie als Glaube in vielen philosophischen Weltanschauungen lebt. Sie wird dann übertragen auf alle Sinneswahrnehmungen; und man sagt: Ton, Licht u.s.w. seien nur in der Seele des Menschen vorhanden; ausser derselben sei die Welt stumm und finster.
Dass man zu dieser Vorstellung nicht unbedingtes
195 Vertrauen haben darf, beweist die Lautwahrnehmung an einem sprechenden Menschen. Hier ist es doch zweifellos, dass der gehörte Laut wesensgleich ist mit dem Gesprochenen. Es ist deshalb kein Bild, sondern entspricht durchaus dem wirklichen Vorgang, wenn gesagt wird, daß der Laut des Sprechenden durch den Strom der äußeren Vermittelungen zum Hörenden getragen wird, und dieser in dem, was er wahrnimmt, ein wirkliches Abbild dessen hat, was in der Aussenwelt vorhanden ist, nicht bloß eine Gegenwirkung seiner Seele auf einen lautlosen äusseren Vorgang.
Ein Einwand ist ja auch hier möglich. Man könnte nämlich folgendes sagen. Der Sprechende erregt gewiße Bewegungen seiner Sprachwerkzeuge und dadurch der Luft. Außerhalb des Sprechenden sei aber nichts vorhanden als diese Luftbewegungen. Weil diese nun in einer gewißen Art sind, so entstehe in der Seele des Hörenden eben die Gegenwirkung, welche demjenigen Vorgang entspricht, durch welchen der Sprechende die Bewegung hervorgebracht hat. Ein solcher Einwand kommt aber doch nicht in Betracht. Denn es handelt sich darum, ob dasjenige, was im Ich zuletzt bewußt wird, ausser dem Ich als solches eine Wirklichkeit hat. Und dies ist bei dem gehörten Laute zweifellos der Fall.
Nun ist die Verbindung des Ich mit dem Ton, welcher von einem leblosen Körper ausgeht, keine andre als die mit dem Laute eines sprechenden Menschen. Es kann daher auch über äusseres oder inneres Dasein des Tones in Bezug auf den menschlichen Gesamtorganismus nicht anders gedacht werden als über das entsprechende Dasein eines Lautes.
196 Das objective Dasein des Lautes ist in dem Sprechenden. Der Hörende bezieht den Laut auf diesen Sprechenden. In welcher Art geschieht dieses? Doch nur so, dass der Hörende mit dem Laute zugleich den Eindruck verbindet: der Laut geht aus von einem Wesen, das mir gleich ist. Wenn ein Mensch sich allein in einem übrigens menschenleeren Raum wüßte, und von irgend einer Seite her ein Laut käme, so würde er offenbar den Laut nicht auf einen sprechenden Menschen beziehen. Es kommen zu der Wahrnehmung des Lautes noch andere Wahrnehmungen hinzu, welche diese Beziehung bewirken. Diese anderen Wahrnehmungen sind nun durchaus nicht etwa die Gesichtswahrnehmungen, die man durch die Gestalt des Sprechenden erhält, sondern alles das, wodurch der Mensch zu dem Urteile kommt: der Sprechende ist ein Wesen meines Gleichen, und im Innern dieses Wesens liegt die Ursache des gesprochenen Lautes, wie sie entsprechend auch in mir selber liegen kann. Der Vorgang, durch welchen dieses Urteil entsteht, ist ein sehr complicierter. Seine Entstehung verliert sich in die Mannigfaltigkeit aller derjenigen Erlebnisse, durch welche ein Mensch dazu kommt in anderen Menschen Wesen seines Gleichen anzuerkennen. Doch liegt das Resultat aller dieser Erlebnisse zu Grunde, wenn das Ich sich mit einem Laute verwoben findet und diesen Laut eben auf ein Wesen seines Gleichen bezieht. Was dem naiven Bewußtsein so einfach dünkt, das Urteil zu bilden: «ein Mensch spricht» ist in der Tat das Ergebnis sehr complicierter Vorgänge. Diese Vorgänge spitzen sich dahin zu: in einem Laute, in welchem man sich erlebt, zugleich ein anderes Ich zu erleben. Es wird bei diesem Erlebnis alles
197 andere außer Acht gelassen, und insofern die Aufmerksamkeit darauf gelenkt wird, die Beziehung von Ich zu Ich in Betracht gezogen. Das ganze Mysterium des Mitgefühls mit einem fremden Ich drückt sich in dieser Thatsache aus. Will man sie beschreiben, so kann man dies nicht anders, als indem man sagt: der Mensch fühlt das eigene Ich in dem fremden. Vernimmt er dann den Laut des fremden Ich, so lebt das eigene Ich in diesem Laut und damit in dem fremden Ich.
Lebt nun das eigene Ich verwoben mit dem Ton eines leblosen Gegenstandes, so kann es innerhalb der Sinnenwelt den Ton nur auf diesen leblosen Gegenstand beziehen. Geht es aber an diesen heran, so kann es in ihm zunächst nicht leben wie in einem fremden Ich beim Laut. Es ist mit dem Ton verwoben, nicht aber mit dem leblosen Gegenstand. Wo[h]l aber zeigt die Beobachtung der Sinnenwelt eine Beziehung des leblosen Gegenstandes zum Gehörorgan (und zu dem entsprechenden Nervenorganismus). Dieselbe Beziehung besteht aber auch zwischen dem Sprachorganismus des Sprechenden und dem Ohr und Nervenorganismus des Hörenden. Und doch bedeutet diese Beziehung hier nur eine vermittelnde Strömung für den im Ich des Sprechenden objectiv vorhandenen Laut. Es spricht also diese Beziehung nicht dafür, dass in ihr die objective Wirklichkeit des Tones eines leblosen Gegenstandes gegeben und der wahrgenommene Toninhalt nur die Gegenwirkung der menschlichen Seele sei. Es giebt keine andre Möglichkeit als zu denken, auch in diesem Falle sei mit dem Ton das Ich so verbunden wie mit dem Laut. Im Sinne der obigen Darstellung müsste dann der Ton an den Hörenden heranschlagen,
198 die charakterisierten Seelenvorgänge müssten unter dem Horizonte des Bewußtseins entstehen und das Ich lebte dann in dem Tone, da dieser seinen Widerstand an den entsprechenden Seelenvorgängen findet. Es wäre dann der Ton in der Aussenwelt vorhanden wie der Laut in dem Sprechenden, nur lägen alle die Gründe nicht vor, welche das hörende Ich veranlassen könnten, den Ton des leblosen Gegenstandes auf ein Wesen seines Gleichen zu beziehen. Das kann aber nichts anderes bedeuten, als daß der Hörende beim Laut eines Menschen sein Ich an ein fremdes Ich hingiebt, beim Ton eines leblosen Gegenstandes nur an den Ton selbst. Das hörende Ich fühlt sich beim Laute veranlasst, durch diesen hindurchzudringen, beim Ton des leblosen Gegenstandes nicht. Im übrigen gehören Laut und Ton des leblosen Gegenstandes in der gleichen Art der Sinnenwelt an, und das hörende Ich ist mit beiden in der gleichen Art verbunden. Deshalb darf aber auch die Beziehung des Tones zu dem, was sich zwischen tönendem Gegenstand und dem hörenden Menschen als Luftbewegung u.s.w. abspielt, nicht anders gedacht werden als die Beziehung des Lautes zu der entsprechenden äußern Bewegung.
Zu dem äußeren leblosen Gegenstand muß der Ton demnach in ein Verhältnis gebracht werden, wie ein solches der Laut zu dem sprechenden Menschen hat. Es kann das nicht geschehen, ohne den leblosen Gegenstand auf ein ihm selbst inneres Leben zu beziehen. Es wird dieses gewiß Schwierigkeiten machen, so lange man den entsprechenden leblosen Gegenstand als eine in sich abgeschlossene Wesenheit betrachtet. Allein eine solche Vorstellung gliche derjenigen, welche den Kehlkopf des
199 Menschen als abgeschlossene Wesenheit betrachten wollte. Damit der Kehlkopf einen Laut oder Ton erzeuge, muß er mit den Seelenvorgängen und den Ichvorgängen des Sprechenden in Zusammenhang stehen. Diese Seelenvorgänge und Ichvorgänge können in der Sinnenwelt von außen nicht betrachtet werden. Sie sind übersinnliche Vorgänge. Zur Sinnenwelt darf vom Mensch nur gerechnet werden, was sinnlich wahrnehmbar ist. Der Laut gehört der Sinnenwelt an; der seelische Inhalt des Lautes nicht. Was nun in der Sinnenwelt als Bewegung des leblosen tönenden Körpers, als Luftbewegungen u.s.w. beobachtet werden kann, muß als Wirkung des im Tone Lebenden in der Sinnenwelt gedacht werden. Und insoferne der Ton, wie ihn das Ich wahrnimmt, nicht selbst als Ursache einer Bewegung gelten kann, muß dem Tone eine übersinnliche Welt zu Grunde liegend angenommen werden, welche die Bewegung in dem leblosen hervorbringt und dem Ich als Ton sich offenbart. Die Beziehung aber, welche das Ich zu seines Gleichen bei einem menschlichen Laute in der Sinnenwelt herstellt, muß für den Ton eines leblosen Gegenstandes in einer hinter dem Ton liegenden übersinnlichen Welt gesucht werden.
Wenn der Mensch singend selbst einen Ton erzeugt, so kann unterschieden werden der zuletzt vom Ich zu hörende Ton: er gehört der Sinnenwelt an. Zweitens die seelische Regung (der Seelenvorgang), die dem Ton zu Grunde liegt.
Sie ist in der Sinnenwelt nicht zu beobachten. Sie gehört einer übersinnlichen Welt an, von welcher der Mensch nur ein Bewußtsein hat, weil er in ihr lebt.



6. Selbstzeugnisse zum Fragment «Anthroposophie»

200 Dann aber können wir sagen: Theosophie ist dasjenige, was erforscht wird, wenn der Gott im Menschen spricht. - Das ist im Grunde die wirkliche Definition der Theosophie: Laß den Gott in dir sprechen, und was er dir dann über die Welt sagt, ist Theosophie. Anthroposophie ist damit zu charakterisieren, daß man sagt: Stelle dich in die Mitte zwischen Gott und Natur, laß den Menschen in dir sprechen über das, was über dir ist und in dich hineinleuchtet, und über das, was von unten in die hineinragt, dann hast du Anthroposophie, die Weisheit, die der Mensch spricht. - Diese Weisheit, die der Mensch spricht, wird einem aber ein wichtiger Schlüssel sein können zu dem Gesamtgebiete der Theosophie. Und Sie können, nachdem Sie einige Zeit Theosophie aufgenommen haben, kaum etwas Besseres tun, als diesen festen Stützpunkt zu gewinnen, indem Sie ihn wirklich suchen. Daher werde ich dafür sorgen, daß so schnell als möglich im Anschluß an diese Vorträge ein kurzer Abriß dessen, was Anthroposophie ist, zu haben sein wird.
'' '' Vortrag 23. Oktober 1909, Berlin, in Anthroposophie - Psychosophie - Pneumatosophie, GA 115, erster Vortrag der Reihe über «Anthroposophie».

In dieser Beziehung wird oft übersehen, dass derjenige, welcher unter voller Verantwortlichkeit gegenüber der spirituellen Welt sich fühlen muss, die strenge Pflicht hat, alles, was er auf dem physischen Plan als theosophische Wissenschaft auszusprechen hat, in allergenauester
201 Weise zu prägen. Und es darf nicht übersehen werden, dass die Zeit, welche notwendig ist, die theosophischen Wahrheiten im Vortrage auszusprechen, die allergeringste ist im Verhältnis zu derjenigen, welche gebraucht wird, um die Erkenntnisse der höheren Welten in die Formen umzusetzen, welche für das Aussprechen auf dem physischen Plane gelten. Man hat da eine doppelte Last der Verantwortung: erstens den höheren Welten gegenüber: es darf nichts gesagt werden, was nicht vor ihnen gelten kann; zweitens der physischen Welt gegenüber: es muß alles so geprägt werden, wie es möglich ist, um die volle Congruenz des physischen Wortes mit den Tatsachen der höhern Welt zu erzielen. Das muss in Betracht gezogen werden zur Beurteilung der Zeit, welche für theosophisches Wirken erforderlich ist. So ist es z. B. gekommen, dass meine «Anthroposophie» seit November halb gedruckt vorliegt und nicht einmal seit jener Zeit berührt werden konnte, weil es unmöglich war, die Wahrheiten, die spirituell vor mir stehen, den Weg durch die Feder auf das Papier nehmen zu lassen. Dabei weiß ich aus der spirituellen Welt, dass die Arbeit sobald wie möglich vorgelegt werden soll.

'' '' Brief an Eduard Seiander, wahrscheinlich Anfang März 1911,
'' '' in Rudolf Steiner - Marie Steiner-von Sivers. Briefwechsel und
'' '' Dokumente 1901 - 1925, Gh 262, 2. Auflage, S. 238f.


Dr. Steiner gab mir dann ein Buch in losen Blättern und sagte: «Sehen Sie, da habe ich ein Buch geschrieben, das ist jetzt bis zu Seite 64 gedruckt, ich kann es aber nicht fertig schreiben.» Auf mein sprachloses Staunen sagte Dr. Steiner: «Ja, ich kann es wirklich nicht, es gelingt mir
202 nicht, die Sache so zu formen, daß es jemand verstehen könnte. Das Buch wird Fragment bleiben. Aber ich möchte, daß Sie dieses Buch, soweit ich es eben geschrieben habe, heute nacht lesen, und morgen früh kommen Sie wiederum zu mir. Aber Sie dürfen das Buch nicht ganz wortwörtlich abschreiben. Sie dürfen sich nur Notizen daraus machen.»

'' '' Notiz von Walter Johannes Stein zum Gespräch mit Rudolf Steiner vom 17. Juli 1917, in Farbenerkenntnis. Ergänzungen zu dem Band <Das Wesen der Färbern, GA 291a, S. 136.


Ich möchte mir nun hier gestatten, über diesen Tatbestand einiges skizzenhaft vorzubringen, das bei mir in durchgearbeiten Anschauungen nach den verschiedensten Richtungen hin begründet ist. Diese Anschauungen verlangen allerdings, daß sie auch noch in ausführlicherer Gestalt - mit allen Begründungen - gegeben werden. Doch haben mir die Verhältnisse bisher nur möglich gemacht, manches Einschlägige in mündlichen Vorträgen vorzubringen. Was ich hier vorbringen kann, sind Ergebnisse in kurzer skizzenhafter Darstellung. Und ich bitte den Leser, sie vorläufig als solche aufzunehmen. Es handelt sich nicht um «Einfälle», sondern um etwas, dessen Begründung mit den wissenschaftlichen Mitteln der Gegenwart von mir in jahrelanger Arbeit versucht worden ist.

'' '' Von Seelenrätseln, 1917, GA 21, im Kapitel 5 der «Skizzenhaften Erweiterungen des Inhalts dieser Schrift», in welchem die schriftliche Darstellung der zwölf Sinne des Menschen folgt.
203 Will man den Menschen wirklich physiologisch erforschen, dann muß man mit Ausschaltung des Denkens auf diese Weise das bildhafte Vorstellen nach innen treiben, so daß die Leiblichkeit des Menschen in Imaginationen darauf reagiert. (…) Aber man kann sagen: Im allgemeinen ist die menschliche Sprache selbst noch nicht so weit, daß sie nun jene Erlebnisse, die man da antrifft im Inneren seiner Seele, voll ausgestalten kann. Und hier ist es, wo ich ein persönliches Erlebnis Ihnen erzählen möchte.
Ich habe vor vielen Jahren auf einem gewissen Gebiete versucht, in Worte zu kleiden dasjenige, was man nennen kann menschliche Sinnenlehre. Es ist mir in einer Weise gelungen, das in Worte zu kleiden, was solche menschliche Sinneslehre, die Lehre von den zwölf Sinnen ist, im mündlichen Vortrage, weil man da noch eher die Möglichkeit hat, die Sprache so zu drehen und zu wenden und durch Wiederholungen zu sorgen für das Verständnis, daß man die Mängel unserer Sprache, die solch übersinnlichem Wesen noch nicht gewachsen ist, nicht so stark fühlt. Aber als ich dann - es war, wie gesagt, vor vielen Jahren - aufschreiben wollte dasjenige, was ich als eigentliche Anthroposophie gegeben habe in Vorträgen, um es zu einem Buche zu formen, da stellte sich das Merkwürdige heraus, daß das äußerlich Erlebte bei seinem Hineintragen in das Innere etwas so Sensitives wurde, daß die Sprache nicht die Worte hergab, und ich glaube, fünf bis sechs Jahre lag der Anfang des Gedruckten, mehrere Bogen, in der Druckerei. Ich konnte, weil ich das Ganze in dem Stil fortschreiben wollte, wie es angefangen war, einfach weil die Sprache zunächst das nicht hergab für meine damalige Entwickelungsstufe,
204 was ich erreichen wollte, nicht weiterschreiben. Nachher ist eine Überlastung mit Arbeiten gekommen, und ich konnte bis jetzt dieses Buch noch nicht fertigmachen. Derjenige, der es weniger gewissenhaft nimmt mit dem, was er aus der geistigen Welt heraus seinen Mitmenschen gibt, der mag vielleicht lächeln über ein solches Stehenbleiben bei einer zeitlich unüberwindlichen Schwierigkeit. Wer aber wirklich erlebt hat und wer zu durchdringen vermag mit dem vollen Verantwortlichkeitsgefühl dasjenige, was sich ergibt, wenn man schildern will die Wege, die nun die abendländische Menschheit zur Imagination hin nehmen muß, der weiß, daß vieles notwendig ist, um gerade für eine solche Schilderung die richtigen Worte zu finden. Als Schulungsweg ist es verhältnismäßig einfach zu schildern. Das ist in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» geschehen. Aber, indem man ganz bestimmte Resultate erzielen will, wie es das Resultat war, die Wesenheit der menschlichen Sinne selber, also eines Teiles der inneren Menschheitsorganisation zu beschreiben, wenn man solche ganz bestimmte Resultate erzielen soll, dann ergibt sich die Schwierigkeit, Imaginationen zu erfassen und sie in scharfen Konturen durch die Worte hinzustellen.

'' '' 10 Vortrag 2. Oktober 1920, Dornach, in Grenzen der Naturerkenntnis und ihre Überwindung, GA 322.


Ich habe einmal vorgetragen für die Anthroposophische Gesellschaft dasjenige, was ich genannt habe in den Vorträgen «Anthroposophie». Ich habe damals soviel vorgetragen von dieser Anthroposophie, als sich eben meiner
205 Geistesforschung ergeben hatte. Es wurden dann diese Vorträge gedruckt verlangt, und ich ging daran, die Sachen niederzuschreiben. Im Niederschreiben wurde wiederum etwas anderes daraus. Nicht daß irgend etwas in dem, was zuerst gegeben war, verändert worden wäre, sondern es wurde nur notwendig, einiges hinzuzufügen, was weitere Erklärungen abgab. Aber es wurde auch nötig, die Sache noch genauer zu formulieren. Das nahm ein Jahr in Anspruch. Nun kam wiederum eine Gelegenheit. Es wurde wiederum die Generalversammlung in der Gesellschaft gehalten. Da sagten denn die Leute, bei der Generalversammlung sollten nun doch die «anthroposophischen» Vorträge verkauft werden, also müssen sie fertig werden. Ich hatte dann angekündigt für diese nächste Generalversammlung einen anderen Vortragszyklus, und verschickte die ersten Bogen dieser «Anthroposophie» an die Druckerei. Sie wurden auch sofort gedruckt. Ich dachte, ich würde nun weiterschreiben können. Ich schrieb auch eine Zeitlang weiter. Aber es ergab sich immer mehr und mehr die Notwendigkeit, weiteres hinzuzufügen zu den genaueren Erklärungen. Das Ganze endete dann damit, daß eine ganze Anzahl von Bogen gedruckt waren. Bis dahin hatte ich geschrieben. Ein Bogen kam dann so, daß die sechzehn Seiten nicht mehr voll wurden, sondern nur noch, ich glaube, dreizehn oder vierzehn voll waren. Die anderen waren weiß, und ich sollte weiter schreiben. Mittlerweile hatte sich mir ergeben - es gab auch andere Gründe für das ganze, aber ich will jetzt einen der Gründe, die das Ereignis hervorgerufen haben, eben jetzt mit Bezug auf das, um was es sich hier handelt, Ihnen anführen - es kam die Zeit, in
206 der ich mir sagte: Um die Sache nun wirklich so, wie ich sie jetzt nach einem Jahre haben müßte und haben will, zu Ende zu führen, dazu ist es notwendig, nun im genaueren auszubilden eine gewisse Vorstellungsweise, eine besondere Ausarbeitung des imaginativen, inspirierten Erkennens, und gerade mit Bezug auf diese anthroposophischen Fragen diese Erkenntnisart anzuwenden. Da ging ich denn daran, erst etwas Negatives zu machen: die ganze «Anthroposophie» liegen zu lassen. Sie liegt heute noch so, wie sie dazumal, viele Bogen schon, gedruckt war, und ich dachte daran, zunächst eben die Fortsetzung nun auch wirklich zu erforschen. Da machte ich denn gründlich Bekanntschaft mit etwas, was ich Ihnen jetzt schildern möchte. Ich kann es Ihnen nur schematisch schildern. Aber dasjenige, was ich Ihnen schematisch schildere, ist eine große Summe von inneren Erlebnissen, die eigentlich Erkenntnismethoden in der Erforschung des Menschen sind.
Es zeigte sich nämlich immer klarer und klarer, daß man eine Anthroposophie, wie sie dazumal intendiert war, erst dann vollenden kann, wenn man innerlich anschauend darauf kommt zu sehen, wie man dasjenige, was man da wirklich in innerer Schau als geistig-seelische Tätigkeit arbeitend im Nervensystem erblickt, so weit fortsetzen kann, bis man innerlich hier an einen Punkt kommt — der Punkt ist eigentlich eine Linie, die in vertikaler Richtung liegt, aber ich will hier die Sache nur schematisch geben, der Punkt liegt für gewisse Erscheinungen weiter oben, dann weiter tiefer und so weiter, das im einzelnen zu schildern wird vielleicht bei diesen Vorträgen nicht möglich sein, ich will nur gewissermaßen
207 einen Querschnitt durch das Ganze führen -, bis man zu diesem Punkt kommt, wo man dann deutlich merkt, die ganze von außen nach innen vorrückende geistigseelische Tätigkeit, die man erfaßt im Imaginieren und Inspirieren, die kreuzt sich. Aber indem sie sich kreuzt, ist man dann nicht mehr frei in der Ausübung dieser Tätigkeit. Man ist ja vorher auch nicht ganz frei, wie ich geschildert habe. Jetzt wird man noch unfreier. Man merkt, daß das ganze eine Veränderung erfährt. Man läuft ein in ein stärkeres Festgehaltenwerden im imaginativ-inspirierten Vorstellen. Konkret gesprochen, wenn man dasjenige, was Sinneswahrnehmung und deren verstandesmäßige Fortsetzung für das Auge ist, im imaginativ-inspirierten Vorstellen auffaßt und dadurch zu der Imagination des Sehorgans kommt, wenn man also dazu kommt, durch Imagination, die durchinspiriert ist, das Sehorgan aufzufassen, dann setzt sich diese Tätigkeit nach dem Innern fort, dann tritt hier eine Kreuzung ein, und dann umfaßt man mit der Tätigkeit, mit der man erst hier das Auge umfaßt hat, ein anderes Organ. Es ist im wesentlichen die Niere.
Und so für die anderen Organe. Man findet immer, wenn man diese imaginativ-inspirierte Tätigkeit nach dem Inneren des Menschen fortsetzt, daß man dasjenige, was eben schon fertige Organe sind - in ihrer Anlage wenigstens vollständig fertig, wenn der Mensch geboren ist -, gewissermaßen umgreift mit dieser inspirierten Imagination und so zur wirklichen Innenschau des menschlichen Organismus vorrückt. Es ist eine ganz besondere Schwierigkeit, und da ich dazumal nun nicht bloß das Buch fertigschreiben sollte, sondern nun noch
208 einen anderen Vortragszyklus, der wiederum Forschungen nötig hatte, halten sollte, so können Sie sich denken, daß es nicht leicht war, mit dieser damals ausgebildeten Methode - es ist jetzt viele Jahre her - dazumal fertig zu werden.
Ich muß nur noch erwähnen, die Schwierigkeit besteht nämlich darin, daß man zunächst immerfort zurückgeworfen wird. Dieses wirkliche Fortsetzen ist etwas, wo man schon die innere Kraft sehr zusammenhalten muß, wenn man es zuwege bringen soll. Man muß tatsächlich sich immer wieder und wiederum vornehmen, ich möchte sagen, die Kraft des Vorstellens, des inneren Arbeitens in der Seele an der Liebe zur äußeren Natur zu verstärken, intensiver zu machen. Sonst wird man immer leicht einfach zurückgeschlagen. Man merkt, man geht in sich hinein, aber man wird immer wieder zurückgestoßen, und man bekommt eigentlich statt etwas, was ich mit dieser Innenschau bezeichnen möchte, dieses, was nicht richtig ist. Man muß das überwinden, was sich da als ein Zurückschlagen entwickelt.
Nun, ich wollte Ihnen die Geschichte erzählen aus dem Grunde, damit Sie sehen, daß der Geistesforscher schon hinweisen kann auf diejenigen Momente, wo er mit gewissen Problemen der Geistesforschung ringt. Leider ist ja in den Jahren, die dann auf das Ereignis gefolgt sind, das ich erzählt habe, meine Zeit durch alles mögliche insbesondere in den letzten Jahren so ausgefüllt worden, daß dasjenige, was ich als eine besonders notwendige, eigentlich unerläßliche Tätigkeit bezeichnen müßte, das Zuendeschreiben dieser «Anthroposophie», nicht hat Zustandekommen können. Denn jedesmal, wenn sich ein
209 bißchen die Aussicht bietet, daß die «Anthroposophie» weiter gefördert werden soll, dann werde ich zu dem oder jenem geholt, dann ist das oder jenes notwendig, dann muß in diesem oder jenem Gebiet unserer jetzigen Tätigkeit diese oder jene Sitzung gehalten werden.
'' '' Vortrag 22. März 1921, Stuttgart, in Naturbeobachtung, Mathematik, wissenschaftliches Experiment und Erkenntnisergebnisse vom Gesichtspunkte der Anthroposophie, GA 324.


Sie brauchen nur die Sinnesorgane zu betrachten, das Auge, da haben Sie eine Tasche zunächst: die Augenhöhlen; dann die Erfüllung. Und diese Erfüllung, die namentlich bei den Sinnesorganen eintritt, die hängt nun, ebenso wie die Taschenform mit der Planetensphäre zusammenhängt, mit dem Tierkreis zusammen. Der Mensch, der in dieser Beziehung die vollkommenste tierische Organisation hat, hat deshalb auch, wenn sie auch in der verschiedensten Weise maskiert sind, zwölf Taschen mit Erfüllung. Daher habe ich in meiner «Anthroposophie» die zwölf Sinnesorgane aufzählen müssen.
'' '' Vortrag, 5. November 1921, Dornach, in Anthroposophie als Kosmosophie - Zweiter Teil: Die Gestaltung des Menschen als Ergebnis kosmischer Wirkungen, GA 208




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