Aus Vorträgen und Niederschriften in zeitlicher Reihenfolge
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209
Sprich nie von Grenzen der menschlichen Erkenntnis,
Sondern nur von den Grenzen der Deinen. -
'' '' in ein Buch, ca. 1906
Im Ewigen lernt leben,
Wer sein Verhältnis zur Zeit
Zu lösen versteht. -
'' '' Notizbuch, Winter 1907
210
Hülle nur und Kleid
Schau in Mann und Weib
Eines höhern Wesenhaften.
Trugvoll sind die Eigenschaften
In des Stoffes Scheingebilden
Wahr allein in geistigen Gefilden.
'' '' Notizbuch, Frühjahr 1908
Was hinter dir die Zeit bedeckt,
Betracht es starkgemut -
Was vor dir in Zukunft liegt,
Erwart es gleichmutvoll. -
'' '' Notizbuch, 1910
211
Rätsel an Rätsel stellt sich im Raum,
Rätsel an Rätsel läuft in der Zeit;
Lösung bringt der Geist nur,
Der sich ergreift
Jenseits von Raumesgrenzen und
Jenseits vom Zeitenlauf.
'' '' V. Wien, 19. März 1910
Der kleinste Erdenmensch,
Ein Sohn der Ewigkeit
Er wird in Zukunft stets
Sich blühend finden
Als Zeuge der Vergangenheit.
'' '' Notizbuch, 1910
Der kleinste Erdenmensch,
Ein Sohn der Ewigkeit,
Besiegt in immer neuem Leben
Den alten Tod!
'' '' V, Berlin, 27. Oktober 1910
212
Es gibt sich selbst zurück
Die Seele, die schlafumfangen
In Geistesweiten flieht, Wenn Sinnesenge sie erdrückt.
'' '' V. 24. November 1910
Erkenne dich selbst.
Erkenne die Welt an deinem Innern.
Erkenne dich im Strome der Welt.
'' '' 1909/10
Willst du in das weite Meer
Der Weltenrätsel dich wagen
Der Kahn der dich führt
Die eigne Seele nur kann es sein.
'' '' Notizbuch, 1911
213
In weiten Weltenfernen
Erkennend Menschenwesen,
In Seelentiefen
Erlebend Weltenkräfte,
So erlangt der Mensch
Rechtes Weltenwissen
Durch wahre Selbsterkenntnis.
'' '' V. Berlin, 19. Oktober 1911
Lebend offenbart der Geist
Stets nur seine Kraft,
Sterbend aber zeigt der Geist,
Wie er durch allen Tod hindurch
Sich stets zu höherem Leben nur bewahrt.
'' '' V. Berlin, 26. Oktober 1911
Lebend offenbart sich des Geistes Kraft
Sterbend doch bewahrt sich des Geistes Wesen.
'' '' Entwurf
214
Im grenzenlosen Außen
Finde dich als Menschenwesen,
Im engsten Innenleben
Fühle Welten unbegrenzt,
So wird es sich enthüllen,
Dass der Weltenrätsel Lösung
Der Mensch nur selber ist.
'' '' Notizbuch, 1911
Es lassen die Elemente
Gestaltend sich vom Geist durchdringen.
Empfangen mussten sie
Des Geistes letzten Kräftetrieb,
Das Menschenwesen einzukleiden
In Geistgestalt und Seelenleben.
'' '' V. Berlin, 18. Januar 1912
215
Alles was da lebt im Weltenall
Es lebt nur, indem es zu neuem Leben
Den Keim in sich erschafft.
Und die Seele, sie ergibt
dem Altern sich nur und dem Tode,
Um unsterblich zu stets neuem Leben heranzureifen.
'' '' V. Berlin, 5. Dezember 1912
Es liegt in jeglichem Leben
Des Lebens neuer Keim
Und die Seele stirbt dem alten ab
Um unsterblich dem neuen zuzureifen -
'' '' Entwurf
216
., daß diese Ergebnisse der Geistesforschung dringen
durch schwere Seelenhindernisse
durch wirre Geistesfinsternisse
zur ernsten Klarheit
zur lichten Wahrheit.
'' '' V. Berlin, 16. März 1913
Gf. strebt durch
durch manches Seelen-Hindernis
durch bange Geistesfinsternis
zur ernsten Klarheit
zur lichten Wahrheit.
'' '' Entwurf
217
Er fand der eignen Wissensschmerzen
Erhebende Heilung,
Indem er eigne Kraft vereinte
Der ganzen Menschheit Wesen.
'' '' Dornach, 15. August 1915
'' '' Motto auf ein von Hilde Pollak
'' '' gemaltes Programm zur Aufführung
'' '' der Himmelfahrt-Szene aus Faust II
Es reißt der Zusammenhang mit dem Geiste,
Wenn er nicht durch die Schönheit erhalten wird.
Die Schönheit verbindet das «Ich» mit dem Leibe. -
'' '' 1918
218
Im freien geisterfassenden Denken
Den Willen finden, und in dem Wollen
Des Menschen wahres Wesen, das kräftig
Vom Weltensein geschenkte Eigenheit
Verwirklicht, das löst die Freiheit \Im Leben des echten Seelenseins.
'' '' Notizblatt, ca. 1918
Die Welt ist voller Rätsel
Es löset diese Rätsel
Allein der Mensch in seinem ganzen Leben
Drum schaue des Menschen Wesen
Du blickst in die Antwort der Welt.
'' '' Notizbuch, 1918
219
Der Menschenseele Rätsel
Enthüllt dem Geistes-Auge
Der Blick ins Welten-All;
Des Welten-Alls Geheimnisse,
Sie löst der Seelenblick
Ins Menschen-Innre auf.
'' '' März 1918
Es suche der Mensch den Geist,
der sich im Worte offenbart,
Denn der Geist ist bei Gott.
Und der Geist ist ein Gott.
'' '' V. Dornach, 2. November 1919
220
Der Geist erstirbt im Wissen
Im Schauen wird er neu belebt
Im Schauen ersteht die Liebe.
'' '' Notizbuch, 1921
Mensch, du bist das zusammengezogene
Bild der Welt.
Welt, du bist das in Weiten ergossene
Wesen des Menschen. -
'' '' V. Dornach, 8. Oktober 1921
221
Anthroposophie möchte gegenüber der
Seelenwissenschaft ohne Seele dem Menschen die
«Menschenwissenschaft mit Seele» geben, in der aus
wahrer Erkenntnis das Sternenziel vor dem innern
Auge leuchtet, ohne dessen Licht alles Wissen doch
nur ein Träumen von der Seele bleibt.
'' '' Notizbuch, April 1923
Erkennen ist im Geiste erwachen
Solches Erkennen ist im Geiste leben.
Solches Erkennen rechtfertigt das
ursprünglichste Gefühl der
menschlichen Seele - die Freiheit.
Solches Erkennen ist eine Leuchte,
die zurückführt zur
Naivität der Frömmigkeit;
der Gottinnigkeit.
'' '' Für V. 29. September 1923
'' '' Notizbuch
222
Willst du dich selber erkennen
Blicke in der Welt nach allen Seiten
Willst du die Welt erkennen
Schau in alle deine eigenen Tiefen.
'' '' V. Dornach, 9. November 1923
Wenn in sich selbst die Seele
Im Geist sich wiederfindet
Vollzieht sie jenes Wunder
Das so wahr des Weltenwunders Kind
Wie der Mensch selbst des Menschen Sohn ist.
'' '' Notizblatt, undatierbar
223
Im Suchen erkenne dich
Und wesend wirst du dir
Entzieht das Suchen sich dir
Du hast dich zwar im Sein
Doch Sein entreißet dir
Des eignen Wesens Wahrheit.
'' '' Notizbuch, 1924
Willst du das eigne Wesen erkennen,
Sieh dich in der Welt nach allen Seiten um.
Willst du die Welt wahrhaft durchschauen,
Blick in die Tiefen der eignen Seele.
'' '' 30. März 1924
Willst Du Dein Selbst erkennen,
Schaue hinaus in die Weltenweiten.
Willst Du die Weltenweiten durchschauen,
Blicke hinein in das eigene Selbst.
'' '' V. Breslau, 8. Juni 1924
224
Man soll nicht auf das Erkenntnisdrama zugunsten
einer Erkenntnisgrammatik verzichten wollen; auch
die Furcht darf davon nicht abhalten, dass man in
den Abgrund des Individuellen fällt, denn man steigt
aus diesem Abgrund im Verein mit vielen Geistern
auf und erlebt sich mit ihnen in Verwandtschaft;
dadurch wird man aus der geistigen Welt geboren:
aber man hat den Tod aufgenommen, wird selbst
Vernichter des Gewordenen, lebt dieses spiritualisiert
dar und ist anwesend in seiner Vernichtung.