Die Evolution der Welt im Zusammenhang mit der Evolution des Menschen
ZWÖLFTER VORTRAG, Penmaenmawr, 30. August 1923
Menschliches Innere: Weltenvergangenheit. Menschliche Umwelt: Weltenzukunft. Kopf: Vergangenheit; Gliedmaßen: Zukunft. Gehen, Sprechen, Denken des Menschen und ihre Metamorphosen in den zukünftigen Entwicklungsstadien des Kosmos. Das Geistige im Sinnlichen: Nachweis der Wirksamkeit kleinster Verdünnungen durch L. Kolisko. Die Homöopathie.
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angestellt worden sind über Welt und Mensch, und wir werden
darauf kommen, wie der Mensch in sich trägt, wenn auch im Bilde,
die Vergangenheit der Welt, und wie der Mensch heraufheben kann
Stufenhaft diese Bilder der Weltvergangenheit. In dem gewöhnlichen Tagesbewußtsein liegt ja von alledem nichts als die Erinnerung, die den Menschen zurückweist auf die Erlebnisse, die er im
Erdenleben gehabt hat. Wenn aber der Mensch dann dieses gewöhnliche Bewußtsein über die Wege führt, die ich gekennzeichnet
habe, dann taucht mit dem Heller- und Hellerwerden des geistigen
Bewußtseins immer mehr und mehr von der Vergangenheit der
Weltenentwickelung in ihm auf. Und wir haben ja gesehen, wie der
Mensch wieder erleben muß diese Weltenvergangenheit zwischen
dem Tode und einer neuen Geburt.
Wir können sagen: Wenn in der Imagination allmählich für
das Erdendasein auch dasjenige sichtbar wird, was für die Sinne
unwahrnehmbar bleibt, dann schaut der Mensch schon zurück in
all das, was sich in seinem gegenwärtigen Erdenverlaufe nicht
nur als Bilder der Erinnerung zugetragen hat, sondern was ihn
selbst gestaltet hat, was ihn von innen heraus als Wachstumskräfte, als Ernahrungskräfte, die aber alle vom Geiste ausgehen,
geformt hat.
Weiter, in der Inspiration, schaut der Mensch in das vorirdische
Dasein hinein, aber nicht nur in das vorirdische Dasein seines eigenen Wesens. Wir haben ja gesehen, wie er hinausgelangt, man
möchte sagen, von der kosmischen Erdeninsel in das freie kosmische Weltenmeer, in dem die Sterne eingebettet sind, die aber für
ihn jetzt zu den Wohnplätzen geistiger Wesenheiten werden.
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Und dann, wenn die Intuition auftaucht, dann schaut der
Mensch in vergangene Erdenleben zurück. Mit diesen vergangenen
Erdenleben aber taucht zugleich auf vor dem Blicke das Gesamtleben der Welt in ihrer Vergangenheit. Der Mensch ist in der Tat
aus dem ganzen Weltenall herausgeboren, und dieses ganze Weltenall lebt in seinem physischen, in seinem ätherischen, in seinem
astralischen Leibe, und während des Erdendaseins am wenigsten
noch im Ich. Aber all das ist in dem Menschen enthalten. All das
wirkt und webt in seinem Innern. Wir tragen als Menschen die
ganze Vergangenheit der Weltenentwickelung in uns, an der unzählige göttliche Geistgenerationen gearbeitet haben. Diese ganze
Arbeit göttlicher Geistgenerationen, die tragen wir in dem Aufbau
unserer Organe; die tragen wir in den Kräften, welche unsere Organe durchweben und durchleben; die tragen wir in uns, wenn die
Kräfte unserer Organe aufblühen zu unseren Empfindungen und
Gedanken. Wir tragen das Wirken in der ganzen Weltevolution,
insofern es der Vergangenheit angehört, in uns.
Wenn wir nun, nachdem wir so gewissermaßen wenigstens in
Gedanken den Blick geschärft haben für das Vergangene, hinausschauen in die Welt, die hier auf Erden unsere Umgebung bildet,
dann sehen wir ja im gewöhnlichen Bewußtsein von dieser Welt
nur das, was die Sinne darbieten und der Verstand auf Grund der
Sinnesbeobachtungen verarbeiten kann. Das ist aber im Grunde
genommen das allerwenigste. Hinter dem Sinnendasein liegt eben
das weitaus gebreitete geistige Dasein, jenes geistige Dasein, das
auch tätig ist in allen Farben, die in der Natur erscheinen, in allen
Tönen, die von der Natur aus gehört werden können, in allen
Wärme- und Kältewahrnehmungen, in allem, was überhaupt auf
den Menschen wirken kann aus den Naturerscheinungen heraus.
Da gibt es außer dem offenbaren physisch-sinnlichen Naturdasein ein verborgenes geistiges Naturdasein, eine verborgene geistige
Umwelt. Und diese Umwelt, von der wir also gewissermaßen nur
die Oberfläche in der Sinneswahrnehmung erblicken, trägt des
Menschen zukünftige Entwickelung schon heute in ihrem Schöße.
So wie wir in unserem Innern die ganze Vergangenheit in mächtiCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 27 Seite: 2 60
gen Bildern tragen und selbst das Ergebnis dieser Bilder sind, so
wirkt und webt in der verborgenen Natur das, was, wenn es sich
als Weltenentwickelung weiter entfaltet, uns unsere Zukunft
bringt. Wir können also die gewichtigen Sätze vor uns hinstellen:
In seinem Innern trägt der Mensch die Weltvergangenheit; in der
äußeren Welt wird getragen des Menschen Zukunft.
Dies sind die beiden Grundsätze, fundamentale Sätze der Weltevolution und der Menschenevolution. Schon im einzelnen
menschlichen Dasein drückt sich das aus. Es ist ein gewaltiger
Unterschied zwischen all dem im Menschen, was nach der Kopforganisation und dem, was nach dem übrigen Leibe hin tendiert. Man
könnte sagen, wenn man etwas grob die Sache andeutete - die
Dinge sind natürlich feiner -: Vom Herzen aus wirken die Kräfte
gegen die Kopforganisation, bewirken, daß der Kopf diese seine
besondere Konfiguration bekommt, von der harten Schädeldecke
umgeben ist, ausgefüllt ist von dem, was in der Welt überhaupt den
größten Wunderbau darstellt: den Windungen und den Verflechtungen des menschlichen Gehirnes und den Einbettungen der
menschlichen Sinne.
All das, was in diesen Kräften lebt, all das, was da aus Brust und
Herz nach dem Kopf des Menschen hinaufstrahlt, das ist Ergebnis
der Vergangenheit. Das konnte so, wie es im Menschen ist, nur dadurch werden, daß, wie gesagt, unzählige göttliche Geistgenerationen durch Weltenkörper-Metamorphosen, durch planetarische Metamorphosen hindurch gearbeitet haben. Und ich habe ja in meiner
«Geheimwissenschaft» darauf hingewiesen, wie dieser Erdenentwickelung vorangegangen ist eine Saturnentwickelung, eine Sonnenentwickelung, eine Mondenentwickelung, wie dann die Erdenentwickelung, innerhalb der wir leben, gekommen ist. Innerhalb der
Erdenentwickelung haben sich zunächst die Saturnentwickelung,
die Sonnenentwickelung, die Mondenentwickelung wiederholt. Wir
stehen jetzt etwas über der Mitte der eigentlichen Erdenentwickelung hinaus in der Entwickelung des Menschen auf der Erde.
All die Kräfte, die sich durch lange Zeiträume hindurch unter
dem Einflüsse von göttlichen Geistgenerationen allmählich entCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 227 Seite: 261
wickelt haben, alle diese Kräfte leben im Erdenmenschen selbst im
physischen Leibe, strahlen vom Herzen nach dem Kopfe hinauf.
Was Sie in Ihrem physischen, ätherischen, astralischen und IchWesen fortwährend in sich tragen, als ausstrahlend vom mittleren
Menschen nach dem Kopfmenschen, das haben Göttergenerationen
durch unermeßliche Zeiträume hindurch vorbereitet und gearbeitet. Und das letzte, was in diesen ausstrahlenden Kräften lebt,
unbewußt für den heutigen Menschen noch lebt, das ist das, was
sich ausspricht als sein Karma, seine eigene Ich-Vergangenheit
während des Erdenlebens.
So daß man sagen kann: Dringt man ein in diese kosmischen
Erinnerungskräfte, dann schaut man zuerst auf das Karma, dann
auf die verschiedenen Stadien der Erdenentwickelung, dann aber
auf die Metamorphosen, auf die planetarischen Umgestaltungen,
die die Erde durchgemacht hat, bevor sie selber Erde geworden ist.
Denn bevor die Erde entstehen konnte, mußte erst ein solcher
Weltenkörper entstehen, der nur aus feiner Wärme bestand: Saturn.
Der mußte sterben und im neuen Dasein als Sonne aufgehen, als
Sonne, deren letzter Rest die Sonne ist, die wir draußen im Weltenräume sehen. Das war ein nur aus Luft bestehender Weltenkörper,
der wiederum sterben mußte, damit ein aus mehr wäßriger Substanz bestehender Weltenkörper, der Mond, entstehen konnte. Der
mußte sterben, damit die in fester, in mineralischer Substanz erschienene Erde kommen konnte, auf welcher sich erst der Mensch
entwickeln konnte, so wie er heute als Erdenmensch ist.
Aber ebenso, wie wir diese aufwärtsstrebenden Kräfte haben, so
tragen wir in uns abwärtsstrebende Kräfte, welche im Herzen eine
Art Mittelpunkt haben, durch welche beiden Kräfte der Blutzirkulationsstrom dann einströmt in die Bewegungen unserer Gliedmaßen (siehe Zeichnung S. 265).
Das, was an diesen Kräften vorhanden ist, lebt in jeder Handbewegung, wenn Sie etwas ergreifen, wenn Sie irgendeine äußere
Erdentätigkeit vor sich gehen lassen, lebt in jedem Schritte, den Sie
unternehmen, um Ihre Erdentaten zu vollenden. Das aber sind
Kräfte, die der verborgenen Umwelt angehören. Die gehören nun
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nicht der Vergangenheit an, die gehören der verborgenen Umwelt
an. Die werden erst in den Schoß einer Vergangenheit, die aber eine
zukünftige Vergangenheit sein wird, aufgenommen werden, wenn
der Mensch durch die Todespforte geht und sein Erdendasein vertauscht mit dem Sternendasein. In diesen Kräften bereitet sich die
Zukunft des Menschen vor.
Und diese Zukunft entsteht durch die Wechselwirkung dieser
Kräfte mit denjenigen Kräften, die draußen in der verborgenen
Natur vorhanden sind. So trägt die Welt des Menschen Zukunft in
ihrer eigenen Evolution in sich. Und der Mensch ist in bezug auf
diese oberen Kräfte und in bezug auf diese unteren Kräfte in sich
ja stark differenziert. Diejenige Erkenntnis, die erworben werden
kann, wenn man an dem Hüter der Schwelle vorbeigekommen ist,
die zeigt, wie stark der Mensch eigentlich in bezug auf diese beiden
Kräfterichtungen differenziert ist.
Für das gewöhnliche Bewußtsein bleibt ja alles dasjenige, was
unter dem Herzen liegt, unbewußt. Aber weil es für den Menschen
unbewußt ist, deshalb ist es nicht minder von einem Bewußtsein
erfüllt, von einem Bewußtsein aber, zu dem der Mensch nur in der
Gegenwart noch nicht dringt. Daher ist der Mensch in seinem
Erleben anders innerlich gestaltet als in seinem Bewußtsein. In seinem Bewußtsein erlebt er ja sozusagen nur dasjenige, was da an der
Oberfläche wie eine Insel herausragt aus all den Erlebnissen, die er
sonst hat. Das kann man sehen, wenn man den Menschen durchschauen kann, wie er mit diesen, man möchte sagen, heute noch
unterbewußten Kräften ausgestattet ist.
Da kann man sehen, wie der Mensch diese oder jene Tat vollbringt, die ihm für den unmittelbaren Erdenaugenblick, in dem er
lebt, Wohlgefallen verursacht, Befriedigung verursacht. Sein Kopf
ist befriedigt. Der Mensch vollbringt vielleicht aus diesem oder
jenem Grunde eine recht böse Tat: Sein Kopf ist befriedigt. Dem
gewöhnlichen Bewußtsein entziehen sich die Zusammenhänge.
Aber es kann der Kopf eines Menschen sehr stark befriedigt sein —
und die Hand, die die betreffende Tat begeht, in dem Unterbewußten, das aber trotzdem ein Bewußtes in der Welt ist, die Hand
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erzittert. Und wenn jene Erzitterung auch nicht immer äußerlich
sichtbar ist, im ätherischen und astralischen Leibe wird sie ein
Beben. So daß man innerlich sehen kann, wie der Mensch an einer
vollbrachten Tat im Haupte seine Befriedigung haben kann, wie
diese Befriedigung im Unterbewußten ein Erzittern wird, ein Erzittern wird entweder in denjenigen astral-ätherischen Organen,
die mit den Armen, oder denjenigen, die mit den Beinen zusammenhängen. In demjenigen, was im Kopfe Befriedigung ergibt an
einer bösen Tat, in dem, man möchte sagen, erstirbt das Bewußtsein; aber ein anderes Bewußtsein geht auf in demjenigen, was in
dem unteren Menschen erzittert über eine Tat.
In diesem Erzittern bereitet sich das kommende Karma vor.
Denn dieses Erzittern ist das Erzittern vor den Kräften der verborgenen Natur, der verborgenen Welt. In diesem Erzittern fühlt der
Mensch voraus, was er erleben wird als Sternenurteil, wenn er von
der Erdeninsel in den weiten Ozean des Sternenwesens kommt.
So können wir sagen: Im Menschen lebt Vergangenheit der Welt
und Zukunft der Welt in verschiedener Weise. Diese Vergangenheit
der Welt und diese Zukunft der Welt leben aber auch selbst in der
äußeren Gestalt des physischen Leibes. Dasjenige, was der Mensch
als Kopforganisation an sich trägt, was das Wunderbarste, Vollkommenste ist, das aus der Weltenentwickelung hervorgeht, das
zerbricht zum großen Teile, indem der Mensch durch die Todespforte geht, auch in seinem geistig-inneren Inhalte. Dagegen das,
was der Mensch in seiner unteren Organisation hat, wenn Sie es
auch nur physisch anschauen, zeigt Ihnen im Physischen das Bild
dessen, was da lebt als Geistig-Seelisches in Armen, in Händen, in
der ganzen Gliedmaßen-Stoffwechselorganisation. In dieser Gliedmaßen-Stoffwechselorganisation lebt ja nicht nur dasjenige, was
man sieht als Fleisch und Blut; da leben Kräfte darinnen. Und hinter manchem, was Sie da sehen als Fleisch und Blut zu Armen und
Händen physischer Natur geformt, leben die geistigen Kräfte. Diese geistigen Kräfte strömen gegenwärtig durch Ihre Arme, durch
Ihre Beine. Im künftigen Erdenleben werden sie strömen durch
diejenigen Organe, welche die Kiefer auf- und abwärtsbewegen in
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der Verlängerung des Ober- und Unterkiefers nach hinten. Die
Kopfknochen werden in ihrer plastischen Bildung in dem nächsten
Erdenleben sein die umgestalteten Arm- und Beinknochen - natürlich der geistige Teil derselben; das Physische fällt ab. Dasjenige,
was Sie heute als Arme und Beine an sich tragen, tragen Sie in der
nächsten Erdeninkarnation als die Konfigurationen des Kopfes in
sich, den Kräften, der Dynamik nach gesagt. So daß selbst die
physische Organisation ein Abbild davon gibt, wie der Mensch
durch die Erdenleben durchgeht. Derjenige, der in der richtigen
Weise die künstlerische Plastik des menschlichen Hauptes beim
heutigen Erdenleben betrachtet, sieht darin die Gestalten, die der
Mensch geformt hat durch dasjenige, was er im gewöhnlichen Leben im Behandeln der Menschen und der Erdenwelt durch seine
Arme und Hände im vorhergehenden Erdenleben getan hat. Die
Taten der Arme und Beine der einen Erdeninkarnation leben in der
Formung des Kopfes der nächsten Erdeninkarnation fort. Die gewöhnliche Phrenologie ist darinnen dilettantisch, denn sie macht
allerlei intellektuelle Interpretationen der Kopfformung. Aber dahinter steckt eine tiefe okkulte Phrenologie, welche bei jedem Menschen individuell ist und daher nicht in allgemeinen Regeln gelernt
werden kann, die aber aus Intuitionen heraus aus den Formen des
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Kopfes sich enträtseln kann das, wozu der Mensch sich vorbereitet
hat in dem, was er im Gehen, im Handeln, im Tun eines vorhergehenden Erdenlebens vollbracht hat.
So hängt Vergangenheit und Zukunft in der Weltentwickelung
und in der Menschenentwickelung zusammen.
So steht in dem gegenwärtigen Erdendasein der Mensch vor uns,
vor sich selbst, und er zeigt in dem, was er geworden ist, die Arbeit
von göttlichen Geistgenerationen, die durch unermeßliche Zeiträume hindurch gewirkt haben. Man kann natürlich nur immer, ich
möchte sagen, skizzenhaft nachzeichnen, wie die Bilder, die das
gegenwärtige Menschendasein zeigt, hinweisen auf das, was diese
Göttergenerationen durch die Metamorphose der Erdenevolution,
Saturn, Sonne, Mond, für die Gestaltung des Menschen, für das
ganze Leben des Menschen geformt haben. Nehmen wir zunächst
drei bedeutsame Impulse im menschlichen Erdenleben, die wir als
besonders bezeichnend für den Menschen herausgreifen wollen.
Wenn man nur mit dem gewöhnlichen Bewußtsein hinsieht auf
das Wunderbare, das sich enthüllt, wenn ein Menschenwesen von
den ersten Tagen seines Daseins an immer weiter und weiter sich
entfaltet - wenn man einen Blick dafür hat, so ahnt man wenigstens
die ungeheuren Tiefen, aus denen sich da ein Seelisch-Geistiges
heraus ringt, um die unbestimmte Form des Kindes in den ersten
Tagen und Wochen in immer bestimmtere zu bilden, in der weiteren Zeit dann die chaotischen Bewegungen der Arme und Beine in
geregelte Bewegungen umzuwandeln. Wir ahnen, wie sich da etwas
offenbart, was in den unendlichen Tiefen des verborgenen Naturdaseins drmnensteckt als ein Geistiges, das sich im Leibe ausdrückt. Man kann sagen: Es gibt ja nichts Wunderbareres auf der
Erde anzuschauen als diese Entfaltung des inneren Menschen im
äußeren Menschen, während sich ein Kind in den allerersten Jahren
seines Lebens entwickelt. Weiß man diesen Anblick zu durchdringen mit einem wirklich künstlerisch-religiösen Sinn - in Demut, in
die man verfallen kann gegenüber dem Geistigen, das sich da enthüllt -, dann übersteigt dasjenige, was man da beobachten kann alle
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künstlerischen, wissenschaftlichen oder religiösen Eindrücke, die
man von der Außenwelt empfangen kann.
Heben wir aber aus dieser kindlichen Entwickelung, kindlichen
Entfaltung drei Dinge heraus. Wir sagen so im gewöhnlichen Leben: das Kind lernt gehen. Das ist in der Tat etwas Wunderbares.
Aber in diesem: das Kind lernt gehen, steckt ja außerordentlich viel
von der Bewegung. Mit allen Gliedmaßen richtet sich das Kind aus
einer Richtung, die parallel der Erdenoberfläche ist dem Rückgrat
nach, auf zur aufrechten Stellung. In diesem Momente, den wir
einfach dadurch, daß wir das Auffälligste, das Sinnenfälligste bezeichnen, wahrnehmen, daß wir sagen: das Kind lernt gehen -, in
dieser Zeit seines Lebens lernt ja das Kind alle seine Kräfte in einer
anderen Weise in die Erde hinein orientieren. Das Kind lernt, sich
mit seinem eigenen inneren Gleichgewicht und dem Gleichmaß
seiner Kräfte in den ganzen Kosmos hineinstellen. Aber zugleich
erblicken wir in dem, was sich uns da zeigt, wie der Mensch über
die Tierwelt hinauswächst. Denn das Tier kann das nicht, erlebt
diesen Lebensaugenblick nicht. Das Tier bleibt im wesentlichen mit
seinem Rückgrat parallel mit der Erde, oder wenn es sich, wie der
Affe, aufwärtsrichtet, so ist diese Aufwärtsrichtung im Widerspruch mit seiner Organisation.
Wer den Menschen beurteilen will, muß das Gehenlernen des
Kindes im richtigen Lichte sehen können. Die Naturforscher haben
die Knochen der Menschen verglichen mit den Knochen der Tiere
und haben gefunden, daß sie veränderte Tierknochen sind, die
Muskeln veränderte Tiermuskeln sind und so weiter. So sei es mit
allen Organen. Aber auf diesem Wege findet man ja gar nicht den
Unterschied des Menschen vom Tier; sondern den Unterschied des
Menschen vom Tiere findet man erst, wenn man den Menschen in
dem Augenblicke erfaßt, wo er von demjenigen, was ihm tierhaft
anhaftet in den ersten Zeiten seines Lebens, sich aufrichtet, seine
Gleichgewichtslage hineinorientiert in die Gleichgewichtslage der
ganzen Welt. Zu dieser Kunst in seinem Leben hätte der Mensch
niemals kommen können, wenn sie nicht schon vorbereitet worden
wäre in urältester Zeit. Diese Kunst ruhte im menschlichen Wesen
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im Keime schon während des Saturndaseins. (Während der folgenden Ausführungen wird an die Tafel gezeichnet. Siehe Schema S.
269 + 271). Während des Saturndaseins haben göttliche Geister den
Keim zu demjenigen gelegt, was sich zeigt, wenn das Kind, wie wir
sagen, gehen lernt. Da waren noch gar keine Tiere da; die sind erst
später während des Sonnendaseins gekommen. So daß der Mensch
in seiner Anlage älter ist als das Tier. All dasjenige, was in diesem
unsichtbar Kraftenden liegt, was den Menschen zum Gehen bringt,
weist in seiner Abstammung zurück bis zum Saturndasein.
Das zweite, was im Kinde auftritt, ist, daß sich aus seinem Orientieren im Räume die Kräfte nach innen drängen. Und die Kräfte,
die sich nach innen drängen, die kommen wiederum in einer anderen Weise zum Vorschein. Ich ergreife die Kreide. Da geht eine
Kraft nach außen. Aber eine Gegenkraft geht nach innen, die entlädt sich in den inneren Organen. Diese von der Orientierung in
die Bewegung durch die Glieder kommende, nach innen gerichtete
Kraft, die kommt dann in der kindlichen Entwickelung zum Vorschein, wenn das Kind sprechen lernt. Das ist das zweite, was das
Kind lernt: sprechen. Zuerst kommen die Kräfte nach außen: das
Kind lernt sich orientieren im Räume. Es kommen dieselben Kräfte
nach innen: das Kind lernt sprechen.
Die Naturwissenschaft weiß von dem nur einen kleinen Teil. Sie
weiß ja nur, daß der Rechtshänder das Sprachzentrum in der linken
Gehirnhälfte und der Linkshänder das Sprachzentrum in der rechten Gehirnhälfte hat. Aber alles dasjenige, was im Gehirn überhaupt ist von der Sprachentwickelung, das wird von den Gliedmaßen erst in das Gehirn hineingearbeitet, während das Kind gehen, greifen, sich bewegen, die Dinge umfassen lernt. Das sind die
nach innen gehenden Kräfte, die dann übergehen vom Gehirn aus
in die Sprachorgane.
Wiederum haben die göttlich-geistigen Wesen seit unermeßlichen Zeiten vorbereitet, daß die menschliche Organisation so ist,
daß sie im Kinde zur Sprache werden kann. Daß der Mensch die
Sprache erlernen konnte, das rührt davon her, daß die göttlichgeistigen Wesen an dem Menschen, den sie vorbereitet haben für
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das Gehen seit der Saturnzeit, daß die göttlich-geistigen Wesen
gearbeitet haben auf der Sonne, um im Menschen die Sprache zu
erzeugen.
Und das dritte, was das Kind aus der Sprache heraus entwickelt,
was auch die Menschheit aus der Sprache heraus entwickelt hat -
denn erst lernten die Menschen in der Erdenentwickelung sprechen, dann erst denken -, was die Menschen herausentwickeln, was
das Kind herausentwickelt aus der Sprache, das ist der Gedanke.
Und der Gedanke, der ist vorbereitet von göttlich-geistigen Wesen
seit der Mondenzeit. Das ist des Menschen Entwickelung innerhalb
der vergangenen Welt, daß göttlich-geistige Generationen an ihm
vorbereitet haben Gehen, Sprechen, Denken: Saturnentwickelung,
Sonnenentwickelung, Mondenentwickelung.
In der Weltentwickelung kam dazu während der Sonnenzeit die
Tierheit, natürlich in einer anderen Gestalt als heute. Heute müssen
sie Pflanzen fressen, das haben sie damals nicht gebraucht; sie waren
bloß in der Luft vorhandene Wesen, aus Luftmaterie bestehende
Wesen. Während des Mondendaseins kamen die Pflanzen dazu.
Nun geht die Entwickelung über nach dem Erdendasein. Da erst
entwickelt der Mensch das, worinnen die Kräfte des Gehens, des
Sprechens, des Denkens sichtbarlich leben, die Gestalt, die Figur.
Mit der Gestalt zu gleicher Zeit tritt auf das Mineralreich. In den
Menschen gliedert sich das Mineralreich dann auch ein. Damit
charakterisiert man die Vergangenheit des Menschen.
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er Por/£e Mineral
Will man auf die Zukunft des Menschen sehen, dann muß man,
wenn man etwas Gegenwärtiges auf der Erde nehmen will, vom
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Alter aus charakterisieren. Da muß man dasjenige, was sich in der
heutigen Menschheit außerordentlich undeutlich beim Altern, beim
Altwerden ausdrückt, charakterisieren. Während dasjenige, was
sich bei der Entfaltung des Kindes offenbart im Gehen, Sprechen,
Denken, offenbar ist, weil es sich nach außen ankündigt, so sieht
man dasjenige, was gewissermaßen gegen das Alter zu im Menschen immer geistiger und geistiger wird, heute noch wenig, wenn
man nicht mit einem geistigen Blick den Menschen anschaut. Ich
sagte, es ist das Wunderbarste, wie im Körper nach und nach das
Seelisch-Geistige zur Offenbarung kommt, und es ist, wenn man
das richtig anschaut, das tiefste religiöse Gefühl vor der bedeutsamsten Kunst, das einen da überkommen kann. Aber wiederum ist es
etwas ebenso Bewundernswürdiges, zu sehen, wie das, was der
Mensch nun durch Gehen, Sprechen und Denken während seines
Erdendaseins in seinem ganzen Wesen erlebt hat, wie das nach und
nach wiederum ins Geistige hinein verschwindet, um dann durch
die Pforte des Todes zu gehen, wie die Gedanken, wie die Worte,
wie alles das, was der Mensch errungen und erarbeitet hat mit den
Händen, ins Geistige hinein verschwindet, und der Mensch dann
dieses Geistige, das er empfängt aus Denken, Sprechen und Gehen,
hineinträgt durch die Todespforte wiederum ins geistige Leben.
Und geradeso wie uns hinweist das, was im Kinde als Gehen, Sprechen, Denken zum Vorschein kommt, auf die Vorstadien der Erdenentwickelung, Mond, Sonne, Saturn, so weist uns das, was der
Mensch in seinen Gedanken erlebt, zunächst hin auf seine nächsten
Erdenleben, von da aus aber in die große Epoche der Erdenentwickelung.
Von da aus aber weist uns die Entwickelung, die Entfaltung der
Welt und des Menschen auf jenen Zustand hin, der aber erst erlebt
werden kann, wenn die Erde wiederum gestorben ist und in einem
neuen planetarischen Dasein, dem Jupiterdasein, wieder aufgegangen ist; auf das weisen uns die Menschengedanken hin. Denn diese
Menschengedanken selber werden dann nicht als fluktuierende
Gedanken im Menschen leben, sondern selber gestaltet sein. Und
auftreten wird der gestaltete Gedanke in der Gestalt des Menschen.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 22 7 Seite: 2 70
Venus
ffe veruHrkitchtes /i/n
(redanfe Sprache des Menschen
Heute können wir unsere Gedanken verbergen in uns, und unser Antlitz trägt unter Umständen höchst unschuldige Gestalt,
während wir im Innern schuldig sind. Das werden wir während der
nächsten Metamorphose des Erdendaseins, im Jupiterdasein, nicht
können. Da werden wir das Antlitz an uns tragen, das der Gedanke
erzeugt. Denn unsere menschliche Gestalt wird nicht so fest sein,
mineralisch fest, sondern sie wird selbst innerlich beweglich sein,
aus einer ganz weichen Materie bestehen. Und wenn einer einen
falschen Gedanken im Innern hegt, so wird dieser Gedanke in der
augenblicklichen Formung seines Antlitzes vor seine Mitmenschen
hintreten. Alles, was Gedanke ist, wird im Augenblick Gestalt
werden. Und als das, was dauernder Gedanke ist, was Temperament ist, als das werden die Menschen herumgehen. Man wird
einem gleich ansehen, wenn einer ein Bösewicht ist, oder wenn er
nur animalische Triebe hat, während des Jupiterdaseins. Das ist das
erste Stadium der Menschenzukunft.
Das zweite Stadium ist dasjenige, was der Mensch nun entwikkeln kann aus seinem Sprechen. Das Sprechen ist ja heute etwas,
was aus dem Inneren eben nur durch das Medium der Luft nach
außen dringt. Dieses Sprechen wird ein Schöpferisches in der Zukunft werden. Das ausgesprochene Wort wird nicht nur verfallen
in der Luft, sondern das ausgesprochene Wort wird vorhanden
bleiben. Der Mensch wird gestaltenschöpferisch werden durch das
Wort.
So daß der Mensch durch den Gedanken schon von der Jupiterzeit an sich selber formen wird. Durch das Wort wird er seine
Umwelt formen während des Venusdaseins, denn dann wird dieses
eintreten: Wird der Mensch während des Venusdaseins ein böses
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 27 Seite: 2 71
Wort aussprechen, so wird während dieses Venusdaseins, das im
wesentlichen in einer so feinen Materie, wie die Luft ist, existieren
wird, in der Luft etwas entstehen wie eine häßliche Pflanzengestalt.
Der Mensch wird also die Geschöpfe seiner eigenen Sprache um
sich herum haben.
Und das, was lebt im Gehen, im Bewegen der Arme, wird während der letzten Metamorphose der Erde entwickelt, während des
Vulkandaseins. Schöpferische Gefühle treten auf, schöpferische
Sprache, und die Gefühle, in der Sprache schöpferisch, treten während des Venusdaseins auf.
Heute gehen wir zu unseren Taten, wir verrichten unsere Taten
mit unseren Armen. Allein, das bleibt nicht. Ich gehe dahin, habe
irgend etwas zu tun. Es kann natürlich auch etwas Komplizierteres
sein, ich kann in eine komplizierte Sache gegangen sein oder dergleichen, kann auch meinetwillen einen Krieg geführt haben. Wir
gehen wieder weg. Dann ist nichts da in der äußeren Welt.
Während des Vulkandaseins wird alles bleiben. Da wird der
Mensch nicht nur gehen und greifen, sondern alles dasjenige, was er
geht und greift, ist hineingezeichnet in das Vulkandasein. Seine Taten sind selber verwirklicht im Vulkandasein. So daß wir im Vulkandasein das verwirklichte, realisierte Tun des Menschen haben.
Sie sehen, welch ein gewaltiger Einschnitt da ist mit dem Erdendasein zwischen Vergangenheit und Zukunft der Welt- und
Menschheitsentwickelung. Alles das, was bis zur Erde gegangen ist,
haben göttliche Geistgenerationen gemacht. Das, was folgen wird,
wird der Mensch selber machen. Das ist das Eintreten der Freiheit
in die Menschenwesenheit innerhalb des Kosmos. Der Mensch ist
von Göttern hereingesetzt in die Welt, bekommt sein freies Dasein;
er hat sein Gehen, Sprechen und Denken von den Göttern erlangt,
selbst seine Gestalt. Er wird in Gehen, Sprechen und Denken dasjenige hineinfügen für die Evolution der Welt in der Zukunft, was
er selbst ist. Und jetzt ist der Mensch eben daran, sich erst einzuleben aus der Vergangenheit heraus in die Zukunft hinein. Er hat
ja ein Stück Vergangenheit in dem, was in seinem eigenen Karma
liegt, und er hat ein Stück Zukunft in dem, was er für das Karma
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 227 Seite: 272
von sich selbst für die Zukunft wollen wird. Der Mensch ist gewissermaßen jetzt in der Lehrzeit zwischen Vergangenheit und
Zukunft.
Das bewirkt auch, daß die Dinge sich nicht ohne weiteres so
genau vollziehen können, wie ich sie gestern als das Vorgezeichnete
dargestellt habe. Ich sagte, diese 2160 Jahre müßten eigentlich verlaufen zwischen zwei Inkarnationen. Aber der Mensch nimmt ja
weitaus nicht alles dasjenige auf während seines Erdenlebens, was
er aus dem Erdenleben herausziehen könnte. Daher stellen sich
natürlich heute noch in Wirklichkeit die Zeiträume zwischen dem
Tod und einer neuen Geburt für viele Menschen ganz anders
heraus, für keinen Menschen übrigens noch 2160 Jahre, sondern
wesentlich kürzer.
Menschen, die ganz und gar sich nur dem Erdenleben hingegeben haben, die etwas Kriminelles in ihrem Wesen haben, die haben
wenig Möglichkeiten in sich aufgehäuft, um auf den Ozean des
Sternendaseins hinauszusegeln; sie kommen sehr bald wiederum
zum Erdenleben zurück, nachdem sie eine kurze Zeit zwischen
dem Tode und einer neuen Geburt durchgemacht haben. Andere
haben das, was sie schon als ein Geistig-Seelisches während des
Erdenlebens ausgebildet haben, in einer längeren Zeit zu verfeinern, zu vervollkommnen. So daß man sagen kann: namentlich
animalisch gerichtete Menschen, die sich leicht ihren Trieben, ihren
Leidenschaften hingeben, sie kommen bald zurück. Diejenigen, die
eine geistig normale Entwickelung durchmachen, sie kommen nach
späterer Zeit zurück. Aber es können auch Menschen, die aus dem
Erdenleben selber heraus zum Beispiel die Anregung schöpfen
können durch tiefere Einsicht in das, was im gegenwärtigen Zeitalter gelingt, in sich Impulse aufnehmen und den Opferwillen haben - gerade weil sie tief und geistig in die Welt hineinsehen -,
zurückzukommen, sobald sie wiederum mitwirken können an der
Erdenentwickelung. Denn man kann, indem man dem Geiste Liebe
entgegenbringt schon im Erdenleben, man kann die drei bis sechs
Durchgänge, die ich gestern beschrieben habe - durch das Mars-,
Jupiter-, Saturnwesen -, beschleunigen, schneller machen.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 22 7 Seite: 27 3
Wer mit niederen Trieben ausgestattet durch die Todespforte
geht, der bebt vorher zurück, vollendet nicht die Kreise, wird
namentlich von der Planetoidenregion zurückgestoßen. Wie die
Menschen heute in allerlei Kreise hineinkommen dadurch, daß
sie sich gewissen Einflüssen der Welt hingeben, im persönlichen
Leben, im nationalen Leben und so weiter, davon will ich noch
morgen sprechen.
Derjenige Mensch, der richtig bis zu der Planetoidenregion
kommt, der vollbringt heute, man kann sagen, sieben- bis achthundert Jahre zwischen einem Erdenleben und dem anderen. Das ist
für diejenigen Menschen, die nicht gerade niedere Naturen sind,
das Normale. Aber durch ein tieferes Hineinblicken und durch
eine Liebe zur geistigen Welt kann auch bewußt das Leben zwischen Tod und neuer Geburt abgekürzt werden. Dann können
gerade solche Naturen verhältnismäßig bald wieder erscheinen, die
aus diesem Erdenleben viel gewinnen, damit sie möglichst gut bald
wiederum zur Umgestaltung der Erdenzivilisation und der Erdenkultur arbeiten können.
Ich mußte Sie in Gedanken aus der irdischen Welt in die Welt der
Sterne, in die Welt der Bewohner der Sterne führen, um in einer in
der Gegenwart wirklich angemessenen Weise hinauszuweisen aus
der Welt, in der im allgemeinen der Mensch in der Gegenwart
befangen ist, in diejenige Welt hinein, in die er eintreten muß durch
innere Erkenntnis, wenn er seine Zukunft in der richtigen Weise
erleben will.
Nun ist im allgemeinen der Mensch heute aber weit davon entfernt, sich von der materiellen Welt loszulösen, in der uns unmittelbar umgebenden, sinnlich-physischen Welt schon das Geistige
zu suchen. Es ist heute die Zeit schon etwas spät geworden, um auf
die Hindernisse hinzuweisen, die dem Menschen in der Gegenwart
gegenüberstehen, wenn er, wie zum Beispiel in der Psychoanalyse
- ich werde morgen darauf hinweisen - eindringen will wenigstens
in die menschliche Geisteswelt. Ein richtiger Weg gerade aus der
unmittelbaren Beobachtung des Sinnlich-Physischen wird sich aber
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ergeben auch für diejenigen Kreise, welche ganz aus der Wissenschaft der Gegenwart heraus arbeiten wollen, wenn sie eben schon
im Physisch-Sinnlichen versuchen, das Geistige zu finden. Das
kann man. Und ein gewisser Beweis dafür, daß man das kann, ist
gegeben in der eben erschienenen Broschüre unseres Physiologisch-Biologischen Institutes in Stuttgart. Da hat Frau Dr. Kolisko
jetzt die Ergebnisse einer sehr schönen Untersuchung veröffentlicht unter dem Titel: «Physiologischer und physikalischer Nachweis der Wirksamkeit kleinster Entitäten». Sie wissen, daß die Homöopathie wirken will durch starke Verdünnungen der physischen
Materie. Man kommt auf diese Weise, indem man die physische
Materie zu starker Verdünnung bringt, schon, indem man über die
Wirksamkeit starker Verdünnung der Materie geht, ins Geistige
hinein. Nun ist es gelungen, tatsächlich nachzuweisen, daß man auf
exaktem Wege finden kann, wie kleinste Entitäten, stärkste Verdünnungen wirken. Frau Dr. Kolisko hat die Anweisungen, die ich
nach dieser Richtung gegeben habe, mit größter Gewissenhaftigkeit
durch lange Zeiten durchgeführt, und es ist uns gelungen, auf diese
Weise Verdünnungen zu erzeugen im Verhältnisse von 1:1 Trillion.
Wenn man irgendeinen Stoff vollständig auflöst in einem Wasserglase, dann die Hälfte wegschüttet, und das was man übrigbehalten hat, wiederum auflöst in der Menge des Wassers eines ganzen
Wasserglases, so hat man eine Verdünnung von 1:2 erreicht; wenn
man die Hälfte wiederum wegschüttet, das wiederum im ganzen
Glas hat, hat man 1:4, und so geht es fort. Nun sind in unserem
Biologischen Institut in Stuttgart durch gewissenhafte, exakte Methoden Möglichkeiten herausgekommen, um eben wirklich genaue
Verdünnungen zu erreichen von 1:1 Trillion; dadurch erreicht man
die sogenannten höheren Potenzen. Und Sie werden finden in dieser Arbeit, was erreicht wird auf diesem Wege, sagen wir, gerade
bei dem Antimon, über das ich ja auch gesprochen habe in diesen
Tagen im medizinischen Vortrag. Da findet man, daß sich das
Pflanzenwachstum, zum Beispiel das Wachsen eines Weizenkeimes, gegen die 21. Potenz zu am langsamsten, dagegen bei den
Potenzen gegen die 29., 30. Potenz zu am schnellsten vollzieht. So
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daß man also in einer Flüssigkeit irgendeine Substanz verdünnt hat
in hohen Potenzen - wie gesagt, wir haben die Potenz erzeugt, die
der Verdünnung entspricht 1:1 Trillion -, und man sieht nun, wie
niedere Potenzen, Verdünnungen, den Pflanzenkeim anders wachsen lassen, wie die höchsten Verdünnungen gerade den Pflanzenkeim am schnellsten wachsen lassen, das heißt die Lebenskraft am
meisten anregen. Auf diese Weise ist es also gelungen, das bloß
Materielle zu zerspalten, so daß in dem bloß Materiellen das wirklich Geistige zum Vorschein kommt. Denn wenn Sie das Materielle
nicht, wie der Atomist es macht, in Atome zerspalten, sondern es
in seinen Funktionen, Kräften zur Wirksamkeit bringen, dann
zeigen Sie den guten Willen, ich möchte sagen, die Materie selber
mit Geist zu durchsetzen, um ins Geistige überzutreten.
Nun können Sie sich denken, was das bedeutet für das exakte
Anschauen von Heilmitteln in ihrer Wirkung auf den menschlichen
Organismus; denn man sieht ja die Wirkung. Man erzeugt die
Verdünnung, hat sie. im Laboratoriumgläschen, läßt darinnen bei
dieser Potenz einen Weizenkeim keimen, bei der nächsten Potenz
einen Weizenkeim keimen und so weiter. Man hat nun diese
Weizenkeime. Allerdings, bei dieser exakten Untersuchung waren
ganze Zimmer angefüllt mit Keimen von Weizenkörnern, an denen
sich zeigte, wie die verschiedenen Verdünnungen die Erde beeinflußten, aus der das Weizenkorn heraus keimt. Das, sehen Sie, ist
dasjenige, was aus der heutigen Wissenschaft heraus gemacht werden muß, um schon das materielle Wissen ins Geistige hineinzutreiben. Sie wissen, es bestand immer zwischen Homöopathie und
Allopathie ein gewisser Streit über die Wirkung kleinster Entitäten
unter großen Verdünnungen. Die ganze Angelegenheit war bisher
im Grunde genommen mehr die Sache eines Glaubens. Der eine
bekannte sich mehr zu dem, der andere mehr zu dem. Nun handelt
es sich hier nicht darum, für die Homöopathie Partei zu ergreifen,
sondern nur exakt wissenschaftliche Tatsachen festzustellen. Es
wird selbstverständlich in der Zukunft so sein, daß man nun wissen
wird, wo man Substanzen unmittelbar allopathisch anwenden muß,
wo man sie verdünnt anwenden muß, damit sie in der richtigen
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Weise auf den Menschen, namentlich den menschlichen Ätherleib
Einfluß haben, der ja die Lebenskräfte darstellt, und wie stark man
sie verdünnen muß. Man wird also in der Zukunft genau die Grenzen ziehen können: Da mußt du allopathisch vorgehen, da mußt du
homöopathisch vorgehen, denn geradeso wie man sonst wissenschaftliche Versuche mit aller Exaktheit macht, so ist in dieser
Broschüre von Frau Dr. Kolisko: «Physiologischer und physikalischer Nachweis der Wirksamkeit kleinster Entitäten», eben in unserem Stuttgarter Biologischen Laboratorium der Nachweis geliefert darüber, wie kleinste Entitäten wirklich wirken. Dasjenige, was
bisher also bloßer Glaube sein konnte, ist damit wirklich auf einem
wichtigen Gebiete zur Wissenschaft erhoben. Aber noch etwas
anderes zeigt sich.
Sehen Sie sich einmal in dieser Schrift die exakt ausgearbeiteten
Kurven an, in denen gezeigt ist, wie die Wachstumskräfte auf- und
absteigen, sehen Sie da, wie die Kurven gezeichnet sein müssen bei
geringen Verdünnungen, und wie bei größeren Verdünnungen. Sehen Sie, wie Sie bei gewissen Verdünnungen Minima, bei größeren
Verdünnungen Maxima des Wachstums bekommen. Dann geht es
aber wiederum auf ein Minimum zurück, wiederum zum Maximum und so weiter. So daß Sie an den außerordentlich gewissenhaft hingezeichneten Kurven unmittelbar eine Einsicht in einen in
aller Materie wirkenden Rhythmus bekommen, in den Rhythmus,
der überall im Materiellen schon das Geistige ausdrückt. Wir gehen
beim Menschen von dem Stoffwechselsystem über zu dem rhythmischen System. Wir können aber auch in der Natur das rhythmische System auf ganz exakt wissenschaftliche Weise finden. Das
sehen Sie gerade an dieser Arbeit, die, wie ich glaube, tatsächlich
ein wichtiger Markstein sein könnte, gerade auch in der medizinischen Frage zwischen Homöopathie und Allopathie, so überhaupt
was die Einsicht in die Natur betrifft. Man wird in der Zukunft,
wenn man diese Forschungsresultate in der richtigen Weise würdigen wird, nicht mehr bloß auf dem Wege des Messens, des Wagens,
also bloß auf atomistische Weise die Naturgesetze suchen, sondern
man wird erkennen, wie in aller Materie sich schon ein Rhythmus
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zeigt, wie daher in dem Rhythmus des Naturgeschehens sich abdrückt der Rhythmus des Kosmos.
Darauf wollte ich nur aufmerksam machen als auf einen Weg,
der aus der ganz exakten Wissenschaft heraus eingeschlagen werden muß. Morgen werde ich fortfahren, zu zeigen, wie zum Beispiel in der Psychoanalyse und dergleichen etwas wie eine Art
theoretische Aversion vorhanden ist, diese Wege, die vom Physisch-Natürlichen zum Geistigen führen, wirklich zu beschreiten.
Will aber die Menschheit aufwärts, und nicht abwärts in der
Zivilisation kommen, so muß sie die geistigen Wege beschreiten. |