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ANHANG

ANHANG

Schlußworte zu den Vorträgen vom 4., 9-, 16. Februar 1923

ZWEITER TEIL - Dornach, Sonntag, 4. Februar 1923

Seite Text
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Hand der anthroposophischen Bücher. Ich begreife diese Ideen, widerspreche ihnen oftmals nicht, weil sie für den einzelnen ihren Wert haben; aber nehmen wir zum Beispiel die «Geheimwissenschaft». Es sind Leute gekommen, die meinen, für diese «Geheimwissenschaft» von mir etwas tun zu können, wenn sie die ganze «Geheimwissenschaft» malen, so daß sie in Bildern vor den Leuten stehen würde. Es ist diese Sehnsucht entstanden. Es sind sogar Proben davon geliefert worden. Ich habe nichts dagegen; wenn diese Proben gut sind, so kann man sie sogar bewundern, es ist ja ganz schön, solche Dinge zu machen. Aber aus welcher Sehnsucht gehen sie hervor? Sie gehen aus der Sehnsucht hervor, das Wichtigste, was an der «GeheimWissenschaft» entwickelt wird, wegzunehmen und vor den Menschen Bilder hinzustellen, die wieder Bretter sind. Denn worauf es ankommt, das ist — so wie unsere Sprache und wie das scheußliche Schreiben geworden ist, dieses furchtbare Schreiben oder gar das Druckenlassen —, das nun zu nehmen, wie es einmal ist, sich nicht aufzulehnen gegen das, was die Zivilisation gebracht hat, und das so zu nehmen, daß der Leser es auch sogleich überwinden kann, daß er sogleich herauskommt und nun die ganzen Bilder sich selber macht, die eingeflossen sind in die scheußliche Tinte, sie sich also selber erschafft. Je individueller jeder selber diese Bilder erschafft, desto besser ist es. Wenn das ihm ein anderer vorwegnimmt, so vermauert er ihm ja wiederum die Welt. Ich will ja nicht eine Philippika halten gegen die malerische 141 Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 141 Ausgestaltung dessen, was in der «Geheimwissenschaft» in Imaginationen dargestellt ist, selbstverständlich nicht, aber ich möchte nur auf das hinweisen, was als ein erlebendes Aufnehmen dieser Sache im Grunde genommen für jeden notwendig ist. Diese Dinge müssen heute in der richtigen Weise verstanden werden. Man muß eben dazu kommen, die Anthroposophie nicht nur als etwas zu nehmen, wo hinein man sich in derselben Weise vertieft, wie man sich in anderes vertieft, sondern man muß sie als etwas nehmen, was ein Umdenken und Umempfinden voraussetzt, was voraussetzt, daß der Mensch sich anders macht, als er vorher war. Man kann also, wenn zum Beispiel aus der Anthroposophie heraus, sagen wir, ein astronomisches Kapitel vorgetragen wird, nun nicht dieses astronomische Kapitel nehmen und es vergleichen mit der gewöhnlichen Astronomie und nun anfangen, hin und her zu beweisen und zu widerlegen. Das hat gar keinen Sinn, sondern man muß sich klar sein darüber: das aus der Anthroposophie geschöpfte astronomische Kapitel ist erst verständlich, wenn eben das Umdenken und Umempfinden da ist. Wenn also irgendwo heute eine Widerlegung irgendeines anthroposophischen Kapitels erscheint und dann eine mit denselben Mitteln wie die Widerlegung erschienene geschriebene Verteidigung da ist, dann ist dadurch gar nichts getan, eigentlich wirklich gar nichts getan, denn man redet hinüber und herüber mit derselben Denkweise. Darauf kommt es gar nicht an, sondern es kommt darauf an, daß von einem neuen Leben die Anthroposophie getragen werde. Und das ist heute durchaus notwendig. Dringend notwendig ist es, in dieser Phase der Anthroposophischen Gesellschaft gerade über diese Dinge zu sprechen, denn diese Dinge fangen an, in der allergründlichsten Weise mißverstanden zu werden. Zu diesem Zwecke lassen Sie mich heute ein paar Rückblicke machen auf die Art und Weise, wie die Anthroposophische Gesellschaft geworden ist. Sehen Sie, sie ist durchaus nicht dadurch geworden, daß sie das gesucht hat, sondern dadurch, daß es sich aus den Lebensverhältnissen heraus ergeben hat; sie ist geworden, indem sie im Beginne unseres Jahrhunderts in einer gewissen losen, T/11 Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 142 äußerlichen Verbindung mit der Theosophischen Gesellschaft war. Diese Theosophische Gesellschaft, sie hat im wesentlichen sich immer bemüht, alte Einweihungsprinzipien in die Gegenwart hereinzutragen. Das Schicksal hat es so gefügt, daß gerade innerhalb theosophischer Kreise zunächst von Anthroposophie gesprochen werden konnte. Ich habe die Gründe dafür öfter auseinandergesetzt, und ich will sie heute nicht wiederholen. Angedeutet habe ich sie ja in dem ersten Aufsatz, den ich geschrieben habe in der Serie: «Das Goetheanum in seinen zehn Jahren». Aber Anthroposophie mußte sich da2umal als ein Selbständiges herauswinden aus der modernen Auffassung des Geistigen, die, ich möchte sagen, im weitesten Umkreise mehr nach dem Theosophischen hinneigte: nach dem Wiederherauftragen alter Einweihungsmethoden. In welch grotesker Weise diese alten Einweihungsmethoden nicht zusammenstimmen mit dem, was die Forderung der neueren Zivilisation ist, das zeigte sich ja ganz besonders, als so um die Jahre 1907, 1908, 1909, 1910 diese geistige Bewegung, die den theosophischen Charakter hatte, an das Christus-Problem herankam. Da produzierte diese theosophische Bewegung die Absurdität von einem in einem gegenwärtigen Menschenkinde verkörperten Christus Jesus. Und daran schlössen sich dann alle übrigen Absurditäten, welche die theosophische Bewegung hervorgebracht hat. Von Anfang an mußte Anthroposophie, im Gegensatz zur Theosophie, hinführen zu einer richtigen Auffassung des Mysteriums von Golgatha. Daher ist in der ersten Periode des anthroposophischen Lebens vorzugsweise die Evangelien-Erklärung dagewesen, die Hinleitung zu einer richtigen Auffassung des Mysteriums von Golgatha. Und in der Zeit, als mit Bezug auf das Mysterium von Golgatha die andere spirituelle Bewegung in die ärgsten Absurditäten verfallen ist, näherte sich die anthroposophische Bewegung Immer mehr einer wirklichen realen Auffassung des Mysteriums von Golgatha und ging ihren Weg mit dieser Auffassung des Mysteriums von Golgatha, während die theosophische Bewegung nicht weiter mit ihr verbunden sein konnte. Das war die erste Phase des anthroposophischen Strebens. Es war Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 143 der bedeutsame zusammenhaltende Impuls da, die anthroposophische Bewegung in rechter Weise mit dem Mysterium von Golgatha zu verbinden. Und man kann sagen, daß in dem Augenblicke, als geschrieben werden konnten meine Mysterien, diese Phase zu einer Art vorläufigem Abschluß gekommen war. Daß verbunden sein müsse die anthroposophische Bewegung mit einer richtigen Erfassung des Mysteriums von Golgatha, das war dazumal eine allgemeine Überzeugung unter den Anthroposophen. Und der Schwung, den dazumal die anthroposophische Bewegung hatte bis gegen das Jahr 1908, 1909 und so weiter, dieser Schwung kam daher, daß auf neuere spirituelle Weise ein richtiges Verständnis des Mysteriums von Golgatha erobert wurde, alles so orientiert wurde, daß das Mysterium von Golgatha in der Mitte des Verständnisses stehen konnte. Dadurch bekam die Anthroposophische Gesellschaft dazumal ihren Charakter. Aber die Dinge, die im äußeren wirklichen Leben drinnenstehen, machen eine Geschichte durch, und etwas, was voll inneren Lebens sein soll, wie die Anthroposophische Gesellschaft, das macht in schnellerem Tempo eine Geschichte durch als anderes. Eine wichtige Phase zum Beispiel in der anthroposophischen Bewegung, als die Anthroposophie schon vollständig selbständig war gegenüber der Theosophie, war dann diejenige, daß ich in Prag den Vortrags-Zyklus über «Okkulte Physiologie» gehalten habe und daß immer mehr und mehr, ich möchte sagen, auch die Welterkenntnis erobert werden konnte durch das anthroposophische Wissen. Damit konnte der Welt gezeigt werden: Diese Anthroposophie ist nicht etwas in Wolkenhöhen nur mystisch Schwebendes, sondern sie ergreift wirklich das moderne Bewußtsein. Sie rechnet mit dem Heraufkommen der Bewußtseinsseelen-Entwicklung. Sie wagt sich vor in Gebiete, deren Begreifen eben nur mit Spiritualität möglich ist, die aber die Gebiete der menschlichen Weltumgebung sind. Und so ging, nachdem gewissermaßen, ich möchte sagen, befestigt war innerhalb der anthroposophischen Bewegung das Mysterium von Golgatha, eine nur bei völligem Ernst nehmen des MysteCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 144 riums von Golgatha mögliche wissenschaftliche Bewegung ihre ersten Schritte. Das war dann schwer festzuhalten in der Zeit, als in Europa alles drunter und drüber ging, als der Weltkrieg kam. Wir waren in der zweiten Phase der anthroposophischen Bewegung. Wir hatten gewissermaßen das hinter uns, daß wir Zeugnis davon abgelegt hatten: wir wollen mit dem Mysterium von Golgatha fest verbunden sein. Wir hatten eben in Arbeit genommen das Ausdehnen des anthroposophischen Impulses über die verschiedenen Gebiete der Weltzivilisation. Und nun kam die Zeit, in der ja in Europa die Menschen in einem so hohen Maße voneinander getrennt wurden, die Zeit, in der Mißtrauen, Haß überhand nahmen. Eine Zeit kam, in der alles dasjenige lebte, was innerhalb einer anthroposophischen Gemeinschaft nicht leben darf, wenn sie ihren richtigen Lebensimpuis entfalten soll. Und es ist in einer gewissen Weise wirklich gelungen, trotz der Schwierigkeiten, welche damals bestanden, die Anthroposophische Gesellschaft weiterzuführen. Bedenken wir die Schwierigkeiten, die bestanden. Eine große Schwierigkeit bestand darin, daß die ursprüngliche Begründung der Anthroposophie von dem deutschen Mitteleuropa ausgegangen war, daß wir unser Goetheanum hier in einem neutralen Gebiet hatten, daß, ich möchte sagen, jedes Zusammenwirken von Menschen, die den verschiedensten europäischen Gebieten angehörten, von vielen Seiten mit ungeheurem Mißtrauen betrachtet worden ist. Jedes Herüber- und Hinüberwirken, jedes Herüber- und Hinüberreisen war ja in jener Zeit eine ungeheure Schwierigkeit. Aber die Schwierigkeiten sind damals überwunden worden, weil sie behandelt worden sind — meine lieben Freunde, das muß schon gesagt werden -, weil sie behandelt worden sind aus anthroposophischem Geiste heraus. Ich weiß, daß mancher, der dazumal in der anthroposophischen Bewegung gestanden hat, manches auch kritisiert hat, übelgenommen hat sogar, weil man nicht immer gleich einsah, was gegenüber den die Welt zerspaltenden Urteilen gerade unternommen werden mußte, um den Zusammenhalt, wie er allein in anthroposophischer Gesinnung sein kann, zu sichern! Und so konnT A C Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 145 ten wir die anthroposophische Bewegung hinleiten über die Schwierigkeiten, die sich während der europäischen Krisiszeit ergeben haben, konnten sie in einer gewissen Weise rein erhalten. Diejenigen Menschen, die geradezu für das Mißtrauen in jener Zeit veranlagt waren, konnten vielfach zum Vertrauen gebracht werden, zu dem Vertrauen, daß sie sich als ganz Außenstehende sagten: Anthroposophie, man mag sich zu ihr stellen, wie man will, sie ist doch etwas, was sich nicht ausnimmt wie ein Ding, dem man Mißtrauen entgegenbringen muß, auch wenn sie mit den verschiedensten Nationen zusammenarbeitet. Es konnte eben bis in die Kriegszeiten hinein — wenn es auch von manchem mißverstanden worden ist, wenn auch mancher sich hineingestellt hat in das oder jenes, was dazumal die Menschen anfing zu zerspalten in Europa, und wenn er auch von irgendeinem nationalen Furor aus manches bekrittelt hat, was aus dem Geiste der Anthroposophie heraus gemacht worden ist —, es konnte eben doch, wenn ich so sagen darf, das anthroposophische Schiff durchgesteuert werden durch die großen Schwierigkeiten, die es gab, und es konnte sukzessive fortgearbeitet werden an unserem Goetheanum. Man möchte sagen: Diese zweite Phase, in der die Anthroposophie nicht mehr ein Embryo war, wie sie es eben war bis zum Jahre 1908 oder 1909, diese zweite Phase, die dauerte dann etwa bis zum Jahre 1915, 1916. Natürlich - ihre Nachwirkungen blieben vielfach. Dann aber begann eine Zeit, wo das Kind naturgemäß reif werden mußte: die dritte Phase der anthroposophischen Bewegung, etwa 1916 beginnend. Ja, meine lieben Freunde, was ist das für eine Zeit? Das ist die Zeit, wo allerlei Persönlichkeiten in der anthroposophischen Bewegung, die sich ja bis dahin bedeutsam vergrößert hatte, Ideen bekamen, Ideen, die dann ganz besonders arg sich auswuchsen in der Nachkriegszeit. Das liegt schon in der Natur einer solchen Bewegung, daß die einzelnen in ihr stehenden Persönlichkeiten Ideen bekommen müssen, denn eine solche Bewegung muß in sich reif werden. Wenn sie Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 146 sich vergrößert, so müssen allmählich führende Persönlichkeiten in ihr erstehen. Und dann war es ja auch richtig, daß einzelne Persönlichkeiten solche Ideen bekamen. Aber was notwendig war, das war eben, daß diese Persönlichkeiten mit eisernem Willen bei diesen Ideen blieben, daß diese Ideen nicht bloß vorgenommen wurden, programmatisch wurden und dann wiederum fallengelassen wurden, sondern daß diese Persönlichkeiten mit eisernem Willen bei diesen Ideen blieben. Die Ideen, die sich da verwirklichen wollten bis heute, sind ja alle gut gewesen. Was nicht gut gewesen ist und was anders werden muß, das ist das Verhalten der Persönlichkeiten dazu: Es handelt sich eben um das Gewinnen von Ausdauer in der Verfolgung von Ideen. Da trat notwendigerweise ein neues Element auf. Nehmen wir die erste Phase der anthroposophischen Bewegung. Als die Anthroposophie noch ein Embryo war, da konnten die Menschen an die Anthroposophie herankommen und brauchten ja nur aufzunehmen. Es handelte sich in der ersten Phase ja nur darum, aufzunehmen, sich anzuschließen an die Bewegung, aufzunehmen dasjenige, was geboten wurde. In der zweiten Phase war es notwendig, daß das Aufnehmen sich etwas vermischte mit einem Verständnis; daß zum Beispiel Leute aus der Welt herankamen, die diese Außenwelt auch wirklich kannten, kannten als Wissenschaftler, kannten als Praktiker; die also ein Urteil gewinnen konnten, daß dasjenige, was ihnen von der Anthroposophie entgegengetragen wurde, auch für Wissenschaft und Lebenspraxis einen Wert habe. Man brauchte aber noch nicht selber tätig zu sein, man brauchte bloß mit einem gesunden Urteil über die Außenwelt das Anthroposophische aufzunehmen. In der ersten Phase der Anthroposophie brauchte man bloß ein Mensch mit einem warmen Herzen und mit einem gesunden Menschenverstände zu sein, und man konnte zu dem Anthroposophischen ja sagen. Gewiß, das muß ja durch alle Phasen der anthroposophischen Bewegung hindurch dasein, daß solche Menschen mit einem warmen Herzen und mit einem gesunden Menschenverstand die Anthroposophie aufnehmen. Aber es muß auch immer einige MenT A —T Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 147 sehen geben, welche die andere Welt gründlich kennen und von dem Gesichtspunkt der anderen Welt aus, eben wissenschaftlich oder als Praktiker, dasjenige beurteilen können, was aus geistigen Welten in der Anthroposophie auf die Erde heruntergetragen wird. Nun, als die dritte Phase kam, brauchte man tätige Menschen, Menschen, die mit ihrem Willen, aber mit einem ausdauernden Willen an denjenigen Dingen arbeiteten, die als Ideen in ihnen entstanden. Geradesowenig, wie man sich der Illusion hingeben kann, daß ein Kind, das 16 Jahre alt geworden ist, noch zwölfjährig sei, ebensowenig durfte man sich der Illusion hingeben, daß die Anthroposophische Gesellschaft im Jahre 1919 noch dasselbe sein könne, was sie war etwa im Jahre 1907. Es lag in der Natur der Sache, daß jedem Wollen entgegengekommen wurde. Aber es wurde auch immer betont: Solch ein Wollen hat nur dann seine rechte Berechtigung, wenn man dabei bleibt, wenn man mit ausdauerndem Willen dabei bleibt. Nun, das hat eben vielfach gefehlt. Das sage ich nicht als eine Kritik, sondern als etwas, was hinweist auf das, was da kommen muß. Aber ich habe oftmals hingewiesen in einzelnen Fällen auf dasienige, was kommen muß. Es ist nur in einem Falle meinem Aufmerksammachen von Seiten der Führerschaft genügt worden! Das war dazumal, als ich bemerkte, daß es notwendig ist, daß auf einem gewissen Felde eingegriffen werden müsse, und alsdann unser Freund Leinhas dieses Eingreifen übernommen hat. Nur in diesem einen Fall ist eigentlich in der letzten Zeit dasjenige beachtet worden, was ich als eine Notwendigkeit immer wieder und wieder auf dem einen oder auf dem anderen Gebiete bezeichnet habe — ich sage jetzt ausdrücklich: bezeichnet habe — als eine Notwendigkeit der dritten Phase der anthroposophischen Bewegung. Denn im Grunde genommen brauchte ich nicht mich besonders einzusetzen für das, was die Impulse der ersten Phase und der zweiten Phase waren. Die liefen ja fort. Die konnte man dem spirituellen Karma ruhig überlassen. Etwas anderes war es mit dem, was sich durch die Ideen einzelner Persönlichkeiten ja als ein in der Sache Gutes herausgebildet hatte, was aber nur weiter gut sein kann, wenn der ausdauernde Wille der einzelCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 148 nen Persönlichkeiten in die Dinge wirklich eingreift. Aber so dürfen sie eben nicht verlaufen, wie sie in der letzten Zeit vielfach verlaufen sind. Ich will ein Beispiel herausheben. Nehmen wir an, daß unter den vielerlei Dingen, die aus Ideen heraus gingen, auch der sogenannte Hochschulbund war. Ja, meine lieben Freunde, dieser Hochschulbund mußte entweder ernstes Wollen, das nicht nachließ, in sich bergen, oder er war ein totgeborenes Kind. Das ist etwas, was ich bereits bei seiner Begründung ausdrücklich sagte. Was hat eine solche Aussage für einen Sinn, meine lieben Freunde? Doch nur den, daß man die Leute darauf aufmerksam macht: Ihr müßt wissen, wenn Ihr in eurem Wollen nachlaßt, dann geht die Sache schief. Was ist aus dem Hochschulbund geworden? In Deutschland ist etwas daraus geworden, was nur die Vertreter des Alten ärgert, zu Feinden macht, weil eben das energische Wollen nicht dahinterstand. In der Schweiz ist der Hochschulbund überhaupt niemals richtig geboren worden; daher konnte auch nicht ein durchgreifendes Wollen so etwas durchzucken wie dasjenige, was den ersten Veranstaltungen innerhalb unseres untergegangenen Goetheanum den Charakter gegeben hat: die Hochschulvorträge. Sie sind, weil keine Stoßkraft dahintersteckt, im Grunde genommen doch ganz unwirksam geblieben. Sie haben aber Feinde gemacht. Und darin bestand ein großer Teil der dritten Phase unserer anthroposophischen Bewegung: in dem Erregen von Feindschaften, von Gegnerschaften, die nicht notwendig sind, wenn ein energisches Wollen hinter der Sache steht. Natürlich, Feindschaften ergeben sich; aber sie sind wirkungslos, wenn sie nicht in einer gewissen Weise berechtigt sind. Und es muß immer das gelten, daß gesagt werden könne: Mögen Feindschaften noch so viele entstehen, sie dürfen auch nicht einmal einen Schein von einer Berechtigung haben, so vehement sie auch auftreten. Ich habe ja immer wieder, auch hier an dieser Stelle, aufmerksam darauf gemacht, daß es so ist — aber sehen wir, wie es gekommen ist. Nicht wahr, es ist ja natürlich, daß gerade an diejenige Bewegung, die so recht aus dem Aufkeimen der BewußtseinsT A r~
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 149 seelen-Entwickelung aufgeht, daß gerade an diese Bewegung die Jugend herankommt. Man muß sich freuen, daß die Jugend herankommt. Aber wie steht heute die Jugend zu dem, was Anthroposophische Gesellschaft ist? Die Jugend steht heute so dazu, daß sie sagt: Das kann man nicht ernst nehmen. — Ich will jetzt gar nicht darüber sprechen, ob dieses Urteil berechtigt ist oder nicht, aber es ist eben da, und man muß im Leben mit den Tatsachen rechnen. Für diese Tatsache möchte ich Ihnen nur ein einziges äußeres, auch tatsächliches Zeugnis geben. Vor einiger Zeit fand sich ein Kreis von jungen Leuten in Stuttgart zusammen, um wirklich sich mit vollem Herzen der anthroposophischen Bewegung zu ergeben. Die Leute hatten den besten Sinn, sich der anthroposophischen Bewegung zu ergeben. Ich war hier beschäftigt, konnte nicht gleich am ersten Tag, nachdem sich die Leute dort in Stuttgart versammelt hatten, anwesend sein, und deshalb sprach ich einem der Mitglieder des Zentralvorstandes gegenüber den Wunsch aus, er möge zunächst mich am ersten Abend durch einen Vortrag vertreten, er möge den jungen Leuten einen Vortrag halten. Er ist hingegangen und hat ihnen den Antrag gemacht. Die haben gesagt: Wir danken schön, wir wollen von Ihnen keinen Vortrag haben. Nun, meine lieben Freunde, Sie können sagen: Das war grob. - Meinetwillen sagen Sie das; aber es hat keine Gültigkeit, wenn Sie das sagen. Die Tatsache war da, daß die Leute von vornherein überzeugt waren: Da ist keine Verständigung möglich; der sagt uns nicht etwas, was an unsere Herzen heranschlägt. — Und ich fand in Stuttgart die Situation vor, daß die Jugend versammelt war und eigentlich die bisherige anthroposophische Führung ganz ohne jegliche Fühlung mit ihr war. Die Leute waren sich ganz selbst überlassen, die nun wirklich mit warmem Herzen herankamen an die anthroposophische Bewegung. Solch eine Art, sich zu den anderen zu verhalten, war in der ersten und zweiten Phase der anthroposophischen Bewegung durchaus möglich; in der dritten Phase war es nicht mehr möglich, weil es in der dritten Phase anfing, auf den einzelnen Menschen anzukommen in der anthroposophischen Bewegung. Und wie geCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 150 sagt, das alles ist nicht gesagt, um jemandem etwas am Zeuge zu flicken, das alles ist nicht gesagt, um eine Kritik auszubilden; das alles ist gesagt, weil es mir unendliches Leiden verursacht hat, weil ich sah, daß die Persönlichkeiten, die in der Anthroposophischen Gesellschaft da oder dort das Ruder ergreifen wollten, eben doch nicht durchaus aus anthroposophischem Geiste heraus walten wollten. Und ich habe es ja immer versichert, es ist Unsägliches, was ich leiden mußte dadurch, daß konstatiert werden konnte: Diese dritte Phase der anthroposophischen Bewegung will nicht so vorwärtskommen, wie sie vorwärtskommen sollte, weil zu viele bloße Ideen da sind und das energische Wollen dahinter fehlt. Es ist ja ein gewisser schicksalsmäßiger Zusammenhang, daß, als uns das große Unglück getroffen hat hier mit dem Goetheanum, es besonders ansichtig wurde, daß eigentlich der Schaden der Anthroposophie im Nichttun liegt, im Nicht-angreifen-Wollen liegt. Und dadurch sind wir eben in diejenigen Konflikte hineingetrieben worden, die heute im Schöße der Anthroposophischen Gesellschaft vorhanden sind, und die zu nichts anderem fuhren sollten als eben zur um so kraftvolleren Gesundung. Aber dazu muß auch wirklich erst ehrlich eingesehen werden, was notwendig ist. Dazu ist vor allen Dingen das notwendig, daß man sich nicht Illusionen hingibt über die Tatsachen, die allmählich in eine Art von Sackgasse getrieben haben. Eine Illusion wäre es durchaus, wenn wir in etwas anderem als in dem Nicht-bei-der-Stange-Bleiben gewisser Persönlichkeiten den Schaden sehen würden. Illusionen verträgt aber heute die Anthroposophische Gesellschaft nicht mehr. Sie verträgt auch das nicht, daß eine bloße unfruchtbare Kritik geübt würde an dem Vergangenen, sondern sie verträgt nur, daß man tatsächlich auf das hinweist, was notwendig ist. Und das ist, zu erkennen, daß der Wunsch kein Wille ist, daß man nicht sagen darf, ich habe den besten Willen, wenn sich dieser beste Wille in drei Wochen so erweist, daß er eben gar kein Wille ist, sondern daß man sich dann hingesetzt hat auf seinen Stuhl und eben dem Titel nach das gewesen ist, was man auf diesem Stuhle ist, aber eben nur den passiven guten Willen gehabt hat. Aber passiver guter Wille ist ein ContraT C T Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 151 dictio in adjecto. Der Wille ist nur ein guter Wille, wenn er tätig ist. Das verträgt die anthroposophische Bewegung in ihrer dritten Phase nicht, daß man Resolutionen faßt: Wir stellen uns zur Verfügung. Das ist das schlimmste Verkennen, wenn man solche Resolutionen faßt, das schlimmste Verkennen der eigentlichen Aufgaben. Das, um was es sich handelt, ist das Eingreifen eines jeden an der Stelle, an der er steht, und nicht beim Wunsche stehen bleiben, sondern den Willen entwickeln. Es könnte scheinen, meine lieben Freunde, als ob ich heute ein trübes Bild entwerfen wollte von dem, was im Schöße der anthroposophischen Bewegung ist. Das will ich nicht. Aber auf der anderen Seite darf ich gerade keine Illusionen erwecken beziehungsweise ja nichts dazu beitragen, Illusionen zu erwecken. Denn es handelt sich darum, daß wir nur weiterkommen, wenn wir ein solches Bewußtsein erfassen, wie es charakterisiert worden ist. Aber sehen Sie, meine lieben Freunde, ich sage nur: Die zweite Phase der anthroposophischen Bewegung hat die Notwendigkeit gebracht, über das äußere Weltgemäße sich auszubreiten. Ich sagte auch: Diejenigen, die von der Welt gelernt haben in Wissenschaft oder Praxis, mußten herankommen als Urteilfällende. — In der dritten Phase fanden sich dann zahlreiche solche Persönlichkeiten, die meinten: Ja, jetzt müssen wir was tun, jetzt müssen wir anfangen, etwas zu tun! — Sie machten sich auch Vorsätze. Aber Tätigkeit liegt nicht darin. Wir haben in der dritten Phase — nun, ich will gar nicht sagen wie viele — Forscher auf den verschiedensten wissenschaftlichen Gebieten unter uns. Ich will gar nicht sagen, wie viele! Wenn ich sie Ihnen zusammenzählen würde, würden Sie große Augen machen. Diese Forscher sind nach ihrer Ansicht von dem besten Willen beseelt. Nach meiner Ansicht sind sie außerordentlich fähig. Ich vertrete auch hier die Ansicht, daß es an Fähigkeiten gar nicht fehlt. Im Gegenteil, in den letzten Jahren haben wir sogar durch eine wunderbare Auslese fähigste Leute wie auf einem Haufen zusammengebracht, hier und in Stuttgart. Die Ausrede gilt Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 152 nicht, daß es an Fähigkeiten fehlt; aber an Wille fehlt es. Und sobald man von diesem Willen redet, dann ergeben sich die merkwürdigsten Dinge. Wir haben es bei dem hiesigen naturwissenschaftlichen Kursus erlebt, daß von einem unserer Forscher ein Vortrag angekündigt war. Er ist nicht gekommen! Wie zum Hohn ist er aber ein paar Stunden darauf gekommen. Ja, meine lieben Freunde, wenn nicht das Gefühl für die Verpflichtung besteht innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, dann geht es eben nicht. Und will man die Dinge anfassen, dann glitschen sie einem kurioserweise aus den Händen; sie glitschen einem wirklich aus den Händen. Denn ich wollte zum Beispiel gerade dieses «Problem», möchte ich sagen, das es für mich geworden ist, daß einer unserer Forscher einfach sich absentiert, seinen Vortrag schwänzt — ich wollte das in gehöriger Weise anfassen; da bekam ich ungefähr die Antwort, daß er ja gar nicht einmal richtig wisse, wie er auf das Programm in Dornach komme! ~ Ja, meine Heben Freunde, wenn einem die Probleme so aus den Händen glitschen, dann ist eben wirklich ein zusammenstimmendes energisches Wollen nicht da. Das aber brauchen wir gerade. Wir brauchen nicht ein Auseinanderfallen von allerlei Wünschen und von allerlei, was man oftmals den guten Willen nennt, sondern wir brauchen ein pflichttreues Wollen. Alle Dinge können gedeihen, wenn die Menschen sie in der richtigen Weise anfassen. Denn was nicht die Möglichkeit seines Gedeihens in sich trägt, wird schon innerhalb der anthroposophischen Bewegung nicht unternommen. Aber den Willen, den wirklich guten, das heißt kräftigen Willen der mitwirkenden Persönlichkeiten, den brauchen wir. Kurulische Stühle vertragen wir nicht, sondern tätige Persönlichkeiten brauchen wir. Meine lieben Freunde, die Situation, daß ich das aussprechen muß, habe nicht ich herbeigeführt, sondern es sind die Persönlichkeiten selbst, die sich zur Verfügung gestellt haben, alles mögliche zu tun. Es ist von anderer Seite das herausgewachsen. Deshalb handelt es sich heute darum, daß auch die Verantwortlichkeiten in Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 153 breitestem Umfange geschärft werden, daß wirklich die Verantwortlichkeiten gepflegt und gehegt werden und auch verlangt werden. Das ist dasjenige, was ich Ihnen sagen wollte, denn wir sind noch immer nicht zu Ende mit den jetzigen Reisen nach Stuttgart. Ich muß morgen wieder dahin. Der nächste Vortrag wird am nächsten Freitag sein. Heute nachmittag wird dann hier eine Eurythmie-Vorstellung um 5 Uhr stattfinden. Ich bitte noch einmal, den zweiten Weg nicht zu scheuen; die Vorbereitungen zur Reise machten es notwendig, daß sich dieser Vortrag nicht anschließt an die Eurythmie-Darbietung, sondern daß er eben am Vormittag gehalten werden muß. |

SCHLUSSWORTE - Dornach, Freitag, 9. Februar 1923

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Worte der Mitteilung sagen über den Stand der Verhandlungen in Stuttgart. Diese Verhandlungen hängen ja zusammen mit dem, was Ihnen als eine Art Krisis innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft bemerklich geworden ist. Es ist jetzt in diesem Momente der Zeitpunkt, in dem die Anthroposophische Gesellschaft in ihren fuhrenden Persönlichkeiten sich entscheiden muß, ob sie Lebensfähigkeit hat oder nicht. Sie haben ja verschiedenes hier auch gehört über die Lebensbedingungen der Anthroposophischen Gesellschaft. Ich möchte heute nur mit ein paar Worten dieses sagen: Diese anthroposophische Bewegung ist von Mitteleuropa ausgegangen. Für sie ist aber Interesse in den allerweitesten internationalen Kreisen. Und die Anthroposophie selber hat ihre Entwicklung durch jene drei Phasen genommen, von denen ich Ihnen das letzte Mal hier gesprochen habe. Die Anthroposophische Gesellschaft ist dieser Entwicklung der Anthroposophie nicht völlig nachgekommen, und heute klafft ein Abgrund zwischen dem, was in der Anthroposophischen Gesellschaft wirkt und was in der heute schon erreichbaren Anthroposophie lebt. Dieser Abgrund muß überbrückt werden. Und da nun schon einmal — es ist reine Tatsache — die anthroposophische Bewegung von Mitteleuropa ausgegangen ist, so müssen die Verhältnisse zuerst in Mitteleuropa geordnet werden. Dann, wenn sie in Mitteleuropa geordnet sein werden, dann wird sofort zu denken sein an die Ordnung der internationalen anthroposophischen Gesellschaften, die dann hier oder anderswo ihren Mittelpunkt haben werden. Aber aus der Unbestimmtheit, in der heute die Anthroposophische Gesellschaft ist, muß zuerst da herausgekommen werden, wo diese Gesellschaft ihren Ausgangspunkt genommen hat. Aus diesem Grunde ist es, daß man zuerst in Stuttgart an der Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 155 Konsolidierung der Anthroposophischen Gesellschaft arbeiten mußte. Nun waren die Verhandlungen außerordentlich schwierig. Aus den Gründen heraus, die ich ja hier am 6. Januar angeführt habe, hat sich diese Krisis ergeben, und die Sache liegt ja so — ich möchte das auch hier noch einmal erwähnen: Es war am 10. Dezember, da habe ich dem einen der Mitglieder des Zentralvorstandes, Herrn Uehli, eine Art Auftrag gegeben. Ich sagte dazumal: Seit langer Zeit ist bemerkbar, daß die Anthroposophische Gesellschaft einer Konsolidierung bedarf, und ich kann mir nur etwas versprechen, wenn der Zentralvorstand in Stuttgart, ergänzt durch maßgebende Persönlichkeiten in Stuttgart, mir das nächste Mal bei meiner Stuttgarter Anwesenheit seine Vorschläge darüber sagt, wie er zunächst mit der Konsolidierung beginnen möchte; sonst, wenn der Zentral vorstand nicht zu Ideen über die Konsolidierung käme, müßte ich mich selbst an jedes einzelne Mitglied wenden. Nur diese Alternative ist ja möglich. — Sie sehen daraus auch, meine lieben Freunde: Die Sache liegt so, daß dasjenige, was da als eine Notwendigkeit für die Konsolidierung der Gesellschaft hingestellt worden ist, ja gesagt wurde am 10. Dezember; das hat also noch nichts mit dem Brandunglück zu tun. Nach dem Brandunglück, nach dieser furchtbaren Katastrophe, die unsere Herzen zerschmettert hat, muß man allerdings sagen: Soll ein Wiederaufbau zustande kommen, so ist dazu eine starke Anthroposophische Gesellschaft notwendig; denn ohne diese wäre ein Wiederaufbau nicht möglich. Also es muß einfach eine Konsolidierung, eine innere Festigung, ein deutliches Wollen der Anthroposophischen Gesellschaft zustande kommen. Das hat recht schwierige Verhandlungen in den letzten Wochen zunächst in Stuttgart gegeben. Ich sagte: Da müssen sie zuerst geschehen, dann werden sie auf internationalem Boden sein können. Nun, ich müßte Ihnen ein Buch erzählen, ein reichlich dickes Buch, wenn ich Ihnen all das, was da verhandelt worden ist in diesen Wochen, erzählen wollte. Aber es ist ja eigentlich im GrunCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 156 de bis gestern ergebnislos gewesen. Und vorgestern machte ich dann den Vorschlag, daß, nachdem die Dinge so geworden sind, t eine Art Komitee sich damit befassen solle, ein Rundschreiben abzufassen, in dem wirklich die heute die Anthroposophische Gesellschaft und Bewegung berührenden großen Fragen herangebracht werden an die Mitglieder; daß in einem solchen Rundschreiben aufgefordert werde, nach Stuttgart eine Delegiertenversammlung zunächst für die deutschen und österreichischen Zweige zusammenzurufen, damit an dieser Konsolidierung gearbeitet werden kann. Dieses Komitee, dessen Wirksamkeit zunächst ja nur gedacht ist bis zu der Delegiertenversammlung, die Ende Februar, am 25., 26., 27. Februar, stattfinden soll, ist ein provisorisches. Bis zu dieser Delegiertenversammlung soll es in der mitteleuropäischen Anthroposophischen Gesellschaft die führende Stellung haben. In diesem Komitee ist als Vertreter des alten Zentralvorstandes Dr. Unger, als Vertreter des «Kommenden Tages» Herr Leinhas; dann sind drinnen von Stuttgarter Persönlichkeiten, ganz aus den Verhältnissen heraus: Dr. Rittelmeyer, Herr von Grone, Herr Wolfgang Wachsmuth, Dr. Palmer, Dr. Kolisko; von anderen noch Herr Werbeck aus Hamburg und für den «Philosophisch-Anthroposophischen Verlag» Fräulein Mücke. Diesem Komitee sind also die vorbereitenden Arbeiten für die Konsolidierung übertragen. Es ist zunächst eben, nachdem alles übrige ergebnislos geblieben ist, gestern ein Entwurf eines Aufrufs zur Delegiertenversammlung zustande gekommen, der nun vollendet werden wird und im Beginne der nächsten Woche verschickt werden wird, in dem wirklich die heutigen Lebensfragen der Anthroposophischen Gesellschaft drinnen sein sollen. Das ist es also, was ich zunächst noch zu verkündigen habe. Es ist ja wirklich das, was da verhandelt wurde, mit Unbefriedigtheit in den weitesten Kreisen begleitet gewesen. Nachdem wir gestern fertig geworden waren mit den Verhandlungen über den Aufruf-Entwurf zunächst - ich glaube um 12 7? Uhr nachts —, ist es mir dann auch möglich gewesen, die ja namentlich sich beunruhigenden Mitglieder unserer akademischen Jugendbewegung noch Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 157 zu sprechen; so daß ich hoffe, daß in den Tagen, in denen ich jetzt hier in Dornach bin, die Jugend mit dem Alter in entsprechender Weise verhandelt. Ich drückte es vorgestern so aus, daß ich sagte: Ich hoffe, daß nunmehr, Rücksicht nehmend auf das neue Komitee, die Jungen unter den Alten akzeptiert werden von den Alten unter den Jungen. Es mußte ja schon so etwas stattfinden, denn überall verlangt man ein neues, frisches Lebenselement. Das muß kommen. Die Jugend pocht an die Tore. Sie hat dazu ihre volle Berechtigung; sie muß verstanden werden. Aber das Alter kann nicht abgesägt werden, das muß wirken; aus ihm ist gekommen das Fundament der Anthroposophischen Gesellschaft. Es muß möglichst rasch ein Modus gefunden werden, der zu einer starken Anthroposophischen Gesellschaft führt, sonst werden wir nicht weiterarbeiten können. Das wollte ich am Schlüsse heute noch mitteilen, damit Sie informiert sind von diesen Dingen, Der alte Zentralvorstand hat damit aufgehört zu sein, und dieses Komitee führt mittlerweile die Angelegenheiten bis Ende Februar. |

SCHLUSSWORTE - Dornacb, Freitag, 16. Februar 1923

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der Seite, wie nun weiter das ausgeführt werden muß, was Nietzsche angetroffen hat, damit die Moralität in der richtigen Weise im Menschenleben verstanden und in Einklang gebracht werden kann mit der Erkenntnis unserer Zeit. Solche Fragen müssen es ja sein, die sich gerade die Angehörigen der Anthroposophischen Gesellschaft stellen. Daß man Sinn und Verständnis habe für solche Fragen, das gehört zur Anthroposophischen Gesellschaft. Und die ist jetzt gerade dabei, zur Selbstbesinnung zu kommen. Ende Februar wird, ich will das noch anfügen, eine Versammlung von Delegierten in Stuttgart stattfinden - wenn die Verkehrsverhältnisse es dann noch gestatten —, in der zunächst beraten werden soll über das Schicksal der deutschen Anthroposophischen Gesellschaft, damit dann auch im weiteren Umkreise die Lebensbedingungen der Anthroposophischen Gesellschaft besprochen werden können. Diese Dinge müssen heute sehr ernst genommen werden. Denn gerade bei meiner Anwesenheit in Stuttgart habe ich es so recht empfunden, wie von denjenigen, die etwas tun wollen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, vor allen Dingen bedacht werden muß, daß die Anthroposophie in den drei Stadien, die ich Ihnen ja auch hier vor kurzem geschildert habe, etwas geworden ist, was herausgewachsen ist über dasjenige, was die Anthroposophische Gesellschaft vielfach bleiben will. Man hat in den ersten Stadien der anthroposophischen Gesellschaftsentwicklung sich keine Gedanken darüber gemacht, wie später unter dem Einfluß eines Goetheanum und anderer Dinge die Menschen in den weitesten Umkreisen Anteil nehmen werden an der Anthroposophie, im gegnerischen Sinne und im anhängerischen Sinne. Die Gesellschaft muß mitwachsen mit dem Wachsen der Anthroposophie. Und so ist das nächste Problem, das Ende Februar in Stuttgart die Geister der Anthroposophischen Gesellschaft beCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 159 schäftigen soll - verzeihen Sie, meine lieben Freunde, wenn ich das in einer bildlichen Weise ausspreche —, das nächste Problem ist ein Schneiderproblem. Es ist nämlich das Problem, das dadurch aufgeworfen wird, daß die Anthroposophie heute etwas ist, dem gegenüber die Anthroposophische Gesellschaft Kleider darstellt, aus denen die Anthroposophie herausgewachsen ist. Die Ärmel des Rockes gehen nicht bis zu den Händen, nicht einmal bis zu den Ellbogen mehr, von den Beinkleidern gar nicht zu sprechen. Jetzt muß das Schneiderproblem wirklich mit Aufwendung allen Geistes gelöst werden: Wie macht man aus der Anthroposophischen Gesellschaft der Anthroposophie die richtigen Kleider? Das wird das große Problem sein für Stuttgart Ende Februar. Und darauf ist ja in einigem hingewiesen in dem Aufruf, welcher jetzt verschickt ist. Was mir eben stark entgegengetreten ist, das ist namentlich, daß nicht genügend vorhanden ist dasjenige, worauf ich am Ende meines letzten Vortrages hier vorige Woche hindeutete. Ich sagte: Gewiß, es kann nicht jeder einzelne im anthroposophischen Sinne Mediziner werden, aber Verständnis kann dasein für das, was von der Anthroposophie aus in der Medizin befruchtend auftritt in weitestem Umfange, Verständnis kann dasein, Interesse kann dasein. Dieses Interesse muß im weitesten Umkreise der Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft dasein für alles, was innerhalb der Anthroposophie geschieht. Dann wird es auch gelingen, das Schneiderproblem zu lösen. Aber es muß gelöst werden, sonst muß eben auf andere Mittel gesonnen werden; denn die Gegner sind voller Interesse und sind außerordentlich aufmerksam auf alles, und ihre Methoden bestehen ja namentlich darinnen, daß sie gute Verbreiter der anthroposophischen Weltanschauung sind. Oh, wären die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft ebenso gute Verbreiter der anthroposophischen Weltanschauung wie die Gegner, dann ginge es ausgezeichnet! Die Gegner reißen aus den Schriften alles mögliche heraus, interpretieren es in das Absurdeste und verbreiten das mit rasendem Interesse. So daß Anthroposophie sehr bekannt ist — aber als Karikatur — von seiten der Gegner. Dem gegenüber stand bisher nicht Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 221 Seite: 160 ein Gleiches in bezug auf die wahre Gestalt der Anthroposophie. So ist es schon. Das aber ist es, was jetzt krisenhaft geworden ist und was unbedingt einer Lösung entgegengefahrt werden muß. Wir brauchen für die nächste Zeit eine starke und nicht eine schwache Anthroposophische Gesellschaft. Ich habe Ihnen neulich die Namen des provisorischen Komitees angeführt, welches die Angelegenheiten innerhalb Deutschlands einstweilen leiten wird, bis die Delegiertenversammlung stattfindet. Das letzte Mal, als wir in Stuttgart waren, haben sich nun einige Persönlichkeiten bereit erklärt, bei der Delegiertenversammlung ihre Stimme ertönen zu lassen, und haben dadurch nun in denen, welchen die Anthroposophische Gesellschaft am Herzen liegt, die Hoffnung erweckt, daß in wirklich eindringlicher Weise die Tragkraft der Anthroposophie nach den verschiedensten Richtungen hin vor die Welt hingestellt wird. Aber es müssen die Referenten, die sich bereit erklärt haben, schon wirklich alle ihre Kraft zusammennehmen und alles Interesse in sich rege machen, damit sie ihren Aufgaben genügen können. Wir wollen sehen! |

Notizbucheintragungen

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Notizbucheintragungen zum 11. Februar 1923
Notizbuch Archiv-Nr. 313
centrifugaler
Eiter = von äusserer Astr. durchzogenes
Organisches (Aetherisches) — auf dem Wege nach Außen —
Geronnene Ausschwitzung = von innerer
centripetaler Astr. durchzogenes (Aetherisch)
Organisches — auf dem Wege des Verschwindens aus der phys. Welt —
Der Aether wird ähnlich dem des Nerven - Sinnessystems: A
Der Aether wird ähnlich dem des Stoffwechselsystems: B
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In der Heilung setzt der Organismus nur einen Prozess fort, der schon da ist im täglichen Abwehren der in den Menschen eindringenden Außenprozesse, die giftend sind - das untere System (ist es, das diesen Prozess vollzieht), es sondert das Äußere aus, nachdem es dasselbe durchzogen hat mit centrifugalen Kräften, wie sie im Wachsen der Pflanze wirken — wie sie im Schlafe vorhanden sind — Das Giftende aber ist das centripetal wirkende — des Nerven-Sinnessystems — das die Aussenwelr nach Innen führt — es führt die Aussenwelt nach Innen, nachdem sie [es} sie erkaltet (zur bloßen Form gemacht) hat, sodass durch sie [es} unmittelbar das Geistige nach Innen dringt —
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Das verhinderte Einatmen, Ernähren, die zu starken Tagesprozesse; das zu starke Ausatmen, Verdauen, die zu starken Nachtprozesse
Der Körper hat den Geist nicht aufgenommen, zu starke Nachtprozesse = man fiebert —: es bilden sich innerlich Erweichungen — eiterig.
Der Körper nimmt den Geist zu stark auf, zu starke Tagprozesse = man friert -: es bilden sich innerlich Verhärtungen Innerlich Exudathaftes - Zerbröckelndes.




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