ZEHNTER VORTRAG, Dornach, 5. Juli 1924
Besprechung eines sechzehnjährigen Jünglings mit Verlangsamung der seelischen Prozesse. Ursache ist zu suchen im Nicht-Aufnehmen des in Kopforganisation Lebenden durch Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation; pädagogische Therapie. - Fall eines fünfzehnjährigen epileptischen Jungen, Medikation und pädagogische Therapie. - Fall eines Mädchens mit schwachem Astralleib, einem eingreifenden Ereignis im dritten bis vierten Lebensjahr. - Allgemeine Regeln für Erzieher: esoterischer Mut, die Andacht zum Kleinen, was dem entgegensteht und wie das Widerstrebende überwunden werden kann. Über Albinos, Horoskope, Aszendenz, Wesen.
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| 145 | Es wird sich zunächst darum handeln, daß ich mit einigen Bemerkungen zurückkomme auf die Fälle, die Sie selber am Lauenstein vorliegen haben. Da möchte ich zunächst besprechen jenen ältesten Buben, den Sie haben, der sechzehn Jahre alt ist und der im wesentlichen eine Minderwertigkeitsform dadurch gerade zeigt, daß er mit seinem Ich und astralischen Leib durch seine physische Organisation nicht durchkommt. Er ist Ihnen ja in verhältnismäßig spätem Alter erst übergeben worden. Ist es nicht so, daß Sie vorher nicht um ihn waren, Sie haben ihn erst im sechzehnten Lebensjahre bekommen? Daher liegt natürlich ein Fall mit deutlich entwickelten Antezedenzien vor. Hätte man den Knaben früher so behandelt, daß er einfach hätte fühlen können die Prinzipien der Waldorfschul-Pädagogik, also das Autoritätsprinzip zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife, und wäre er geführt worden unter fortwährender Beobachtung derjenigen Dinge, für die er sich interessiert, hätte man dann, ausgehend von diesen Dingen, für die er sich interessiert, das Interessenfeld weiterziehen können, hatte man in diesem Lebensalter gerade mit einer sanft angebrachten Bleikur gewirkt, so hätte man den Jungen doch heute auf einem andern Seelenniveau. Denn der Junge hat ja, wie sich deutlich zeigt, Interessen. Hat auch ein ganz bestimmtes Können, aber Sie haben gesehen an der Probe, die da gemacht worden ist, wie die Sache liegt. Die Probe war eine verhältnismäßig einfache, aber an dieser ganz einfachen Probe konnten Sie sehen, was eigentlich vorliegt. Nicht wahr, der Junge bekam von mir eine ganz einfache Rechenaufgabe. Eine Subtraktion, wie man sie gewöhnt ist, nach der Methode der Waldorfschul-Pädagogik zu machen. Daß also gefragt wird: Was muß man von einer andern Zahl abziehen, damit eine bestimmte Zahl herauskommt? - Daß also nicht, wie es im gewöhnlichen Rechnen geht, ein Minuend und ein Subtrahend gegeben wird, sondern daß man den Minuend und den Rest gibt, der Subtrahend zu suchen ist. Das ist, was besonders hineinzieht |
| 146 | in die Verfassung des seelischen Lebens, aber auf der andern Seite zur Entwickelung außerordentlich viel mehr beiträgt, als wenn man das Umgekehrte macht. Nun, Sie haben gesehen, daß der Junge die Aufgabe lösen konnte, aber er konnte sie nicht im Augenblick lösen. Er kam ganz erfreut, nachdem er sie gelöst hatte, nachdem ich ihm gesagt hatte, in eineinhalb Stunden müsse er sie gelöst haben. Er hatte das Spatium von eineinhalb Stunden und war ganz erfreut, daß er die Aufgabe gelöst hatte. Da haben Sie klar gesehen, der Junge konnte die Sache. Alle Glieder seines Organismus sind eingeschaltet auf die Sache. Er braucht nur einen längeren Zeitraum, um die Sache auszuführen, das heißt sein Ätherleib und sein physischer Leib stemmen sich sofort entgegen, sie entfalten nicht ihre Funktion, trotzdem die Möglichkeiten zu dieser Funktion da sind. Nun handelt es sich darum, daß der Junge, wenn man verfolgt, wie sich seine Interessen abspielen, durchaus die Interessen hat so, daß sie in der Kopforganisation bleiben. Sie können nicht hinunter in die übrige Organisation. Für diese Sache ist ein kleines Stückchen ganz bezeichnend. Sie sahen, er kam mit seinem kleinen Kodak und wollte uns aufnehmen, er besorgte das ganz ordentlich und besorgte es mit tiefgehendem Interesse. Nun versuchte ich ihm nachher zu sagen, er solle noch eine andere Aufnahme machen. Dazu wäre aber nötig gewesen, daß er sich erst den Film geholt hätte, daß das Interesse weitergegriffen hatte als das, was unmittelbar nahe lag. Da sträubte er sich. Dazu war er nicht zu bringen. Wenn ihn ein Interesse im Augenblick ergreift, ist er ganz da. Soll er aber das hinunterbringen in das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem, sträuben sich sein Ätherleib und physischer Leib ganz mächtig. Und gerade da ist es notwendig, daß in diesem Lebensalter immer mehr, trotzdem es schwieriger wird wie früher, immer mehr mit einer pädagogischen Therapie eingegriffen werden muß, was notwendig macht, daß man diejenigen Dinge, die er mit einem gewissen Interesse verfolgt, als Ausgangspunkt nimmt, von da aus aber durchaus weitergeht, um den Interessenkreis nach allen Seiten hin zu erweitern. Man wird bei diesem Jungen ganz besonders viel erreichen, wenn man den immerhin ganz gesunden Instinkt berücksichtigt, den er trotzdem in sich hat. |
| 147 | Man sieht nämlich immer, daß gesunde Instinkte bei abnormen Organisationen dennoch vorhanden sind. Der Junge wird sogleich eine Erweiterung des Interessenkreises erfahren, wenn man ihn hinleitet auf Dinge, zu denen Geschicklichkeit notwendig ist. Er kann zunächst jenen Weg, der gemacht wird von der Kopf Organisation zu der Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation und, wie Sie gehört haben von mir, darüber hinaus, er kann diesen Teil des Weges schwierig besorgen, weil da keine Perzeptionsfähigkeit vorhanden ist. Auch nicht jene leise, die bei einem normalen Menschen vorhanden ist. Dagegen, sieht er das, was er selber vor sich hat, sieht er die Geschicklichkeit seiner eigenen Gliedmaßen, wird er daran große Freude haben. Man muß ihn also Sachen machen lassen, an denen er die Geschicklichkeit seiner eigenen Gliedmaßen sieht. Das wird insbesondere dadurch gefördert werden können, daß man ihn heileurythmische Übungen machen läßt mit Beinen und Händen, aber dabei in einem ganz energischen Maße die Zehen und die Finger zur Beweglichkeit bringt und ihn seinen Blick auf diese ganzen Bewegungsvorgänge der Gliedmaßen richten läßt, sich also selber ansehen läßt. Es ist für solche Kinder, die deutlich schon zeigen, frühzeitig, daß sie diese Schwierigkeiten haben, daß sie dasjenige, was der Kopf ausmacht, nicht in den Organismus hinuntergehen lassen, für solche Kinder ist es gut - bei diesem Jungen ist es schon zu spät, aber Sie können ja immer solche Kinder bekommen -, da ist es ganz gut, wenn man versucht, erstens sie mit ihrem Kopfe ihre Füße erreichen zu lassen. Wenn Sie das selber probieren, werden Sie sehen, daß das eine schwierige Prozedur ist. Aber es ist gut, wenn man Kinder, die es schwer haben in dieser Hinsicht, dazu bringt, daß sie ihre eigenen Zehen küssen können. Dann ist es auch gut - und es wird immer wirken, es könnte sogar bei diesem Knaben noch außerordentlich segensreich sein -, wenn man solche Kinder veranlaßt, daß sie zwischen der großen Zehe und der nächsten Zehe den Bleistift halten und damit einzelne Buchstabenformen zuwege bringen und dann daran ihre Freude haben, zu schreiben mit dem Fuße. Das könnte vielleicht auch noch bei diesem Jungen ganz gute Dienste leisten. In solchen Fällen wird ihm dann - und das ist auch eine Art Heileurythmie, wenn er lernt mit den Zehen zu schreiben - |
| 148 | die Heileurythmie große Dienste leisten können. Nun, ob auch noch eine Bleikur bei diesem Alter die nötigen Dienste leistet, das wird sich ja zeigen, wenn man beginnt, die Dinge zu probieren und die Wirkungen ansieht. Gerade aus dem, was ich gesagt habe, sehen Sie, daß eine feinere Beobachtung da notwendig ist. Man muß solche scheinbaren Kleinigkeiten, wie dieses Ausrechnen nach anderthalb Stunden, wie dieses Nicht-Wollen-ins-Haus-Zurückgehen, sich den Film holen und dergleichen, man muß dieses zu einem Gegenstand fortwährender Beobachtung machen. Dann geht eben daraus hervor, daß ein Wesentliches in der Erziehung von minderwertigen Kindern auch dadurch in die Hand des Erziehenden gegeben ist, daß diese Erziehenden sich angewöhnen müssen, einen Sinn zu haben für alles dasjenige, was mit dem betreffenden Kinde vor sich geht. Sehen Sie, Sie werden sagen: Ja, welche Zeit nimmt denn die Erziehung von minderwertigen Kindern in Anspruch? Man muß immer seine Aufmerksamkeit darauf verwenden, man kann gar nicht meditieren, man hat gar keine Zeit, etwas anderes zu tun. - Das ist nicht der Fall, und diese Ansicht innerlich zu bekämpfen, gehört schon zu der Esoterik einer solchen Lebensaufgabe. Es handelt sich gar nicht darum, daß man den ganzen Tag gewissermaßen auf Auslug steht, sondern daß man sich einen Sinn erwirbt für charakteristische Vorkommnisse. Unter Umständen kann derjenige, der eine Anzahl von Kindern beobachten gelernt hat, in verhältnismäßig kurzer Zeit, in fünf oder zehn Minuten ein Kind durchaus durchschauen, wenn er überall den Blick richtig anwendet. Nicht darauf kommt es an, wieviel Zeit man mit den Dingen verbringt, sondern wie stark man sich innerlich damit verbindet. Viel Zeit wird gerade in geistigen Berufen erspart werden, wenn man berücksichtigen wird, daß man sich innerlich mit den betreffenden Erscheinungen wirklich verbinden muß. Nun war da auch ein Knabe, ein typischer Fall, ein fünfzehnjähriger epileptischer Knabe. Für diesen Knaben haben Sie den typischen Fall an demjenigen, den wir hier gehabt haben, nur ist er wieder eine Anzahl von Jahren älter, der Ihrige. Da handelt es sich darum, daß man die Schwierigkeit berücksichtigt, die dadurch gegeben ist, daß man bei Ihrem Knaben den Übergang in die Geschlechtsreife hat. Wurde er |
| 149 | nicht kastriert? Der Vorgang im ganzen Organismus liegt vor. Und da der Junge kastriert ist, hat man es um so mehr mit einer außerordentlich vehementen Erscheinung zu tun, nämlich mit der Reaktion, die durch diesen künstlichen Einfluß auf die Geschlechtsentwickelung ausgeübt wird. So wie der Junge sich darstellt, stellt er sich dar als ein Junge, bei dem sich gerade der Übergang in die Geschlechtsreife außerordentlich schwierig ergeben wird. Denn das Geschlechtsreifwerden ist ja ein Vorgang im ganzen Organismus. Und für ihn hat jetzt die Kastration gar keine weitere Bedeutung noch, als daß sie reaktiv zurückwirkt auf die Geschlechtsreife. So daß es sich bei diesem Jungen einfach darum handeln wird, zu berücksichtigen, daß er in einem Stadium steht, wo es notwendig ist, ihn so zu behandeln, wie man im Geschlechtsreif ealter stehende Knaben zu behandeln hat: sie nämlich sorgfältig in Zusammenhang bringen mit allem demjenigen, was ihnen Interesse für die Vorgänge der Welt, in die sie hineingestellt sind, beibringt. Vor allen Dingen handelt es sich darum, daß man Waldorfschul-Pädagogik auf sie anwendet. Daß man ersucht, ihn nicht seinen innerlichen Erregungen zu überlassen, sondern daß man versucht, ihn nach außen hin fortdauernd zu beschäftigen, so daß er für äußerliche Dinge und Vorgänge ein intensives Interesse entwickelt. Schildern Sie mir, wie weit der Junge im Schulmäßigen ist. Vielleicht können Sie das schildern, wie weit er im Schulmäßigen ist. Albrecht Strohschein: Er kann weder lesen noch schreiben, es wurde überhaupt noch gar nichts angefangen in bezug auf das Schulmäßige im vorigen Jahr. Im vorigen Jahr hatte Frau F. mit ihm angefangen das Lesen und Schreiben, aber mit diesem Montessorikasten; er kam durchaus nicht weiter, konnte keine Fortschritte machen, und so ist er eigentlich im Schulmäßigen auf dem Nullpunkt. Er zeigt eine gewisse Stumpfheit gegenüber den äußeren Eindrücken. - Nun, wir haben da gerade die Notwendigkeit, die Waldorfschul-Pädagogik so wie bei ganz kleinen Kindern anzuwenden, also vom Malerischen auszugehen und ihn einfach dahin zu bringen, daß er dasjenige, was ihn innerlich quält, in die Farben hineinlegt. Man läßt ihn zunächst malen und wird sehen, was er dabei herausbekommt. Und von da aus geht man dann weiter in demjenigen, was sich aus seinen eigenen Veranlagungen da ergibt. Es wird gerade bei diesem Jungen aber unbedingt notwendig sein, |
| 150 | therapeutisch einzugreifen. Wir hatten doch noch keine Therapie besprochen? Er sollte Algen bekommen und Belladonna. Also dies würde das Therapeutische sein, was da einzugreifen hätte. Die Algeninjektionen, die können Sie ja ihrem Wesen nach verstehen, aber es ist gut, wenn Sie über diese Dinge tiefer nachsinnen, weil Sie sie ja selbständig in den einzelnen Fällen anwenden sollen. Warum kann man in einem solchen Fall an Algeninjektionen denken? Bei der Alge haben wir es zu tun mit einer Pflanze, die weder stark ausgebildete Wurzelbildung hat, noch stark ausgebildete Blütenbildung. Es schieben sich eigentlich Blüte und Wurzel zusammen. Und das hauptsächlichste ist eigentlich die Krautorganisation, die alles übrige aus sich hervorbringt. Das Blatt überwiegt, so daß bei dieser Pflanze kein sehr intensives Verhältnis zur Erde da ist. Auf der andern Seite ist auch zum äußeren Kosmos kein intensives Verhältnis vorhanden, sondern es ist ein Verhältnis zu alledem vorhanden, was sich abspielt im wäßrigen und luftförmigen Element, unmittelbar an der Erdoberfläche. Algen und Pilze sind diejenigen Pflanzen, die ganz eingetaucht sind in die Wechselwirkungen zwischen Luft und wäßrigem Element. Nun ist das Eigentümliche dieses, daß diese Pflanzen zu der sehr geringen Menge von Schwefel, der heute überall verbreitet ist, sowohl im Wäßrigen wie in der Luft, daß sie zu diesem eine starke Anziehung haben. Dadurch eignen sich diese Pflanzen, wenn man sie in den rhythmischen Organismus hineinbringt, ganz besonders gut dazu, die Harmonie herzustellen zwischen dem astralischen Leib und dem Ätherleib. Nun, das fehlt gerade bei einem solchen Jungen. Nun merkt man, daß man es zu tun hat mit einer Störung, die davon ausgeht, daß die Ich-Organisation den astralischen Leib zu stark in Anspruch nimmt und nicht hineinläßt in den ätherischen Leib, dann muß man mehr zu den Pilzen greifen. Zu den Algen, die sich mehr nähern den gewöhnlichen Pflanzen, wird man greifen, wenn sich der physische Leib und der ätherische Leib weigern, den astralischen Leib hineinzulassen, wenn die Disharmonie dadurch zustande kommt, daß von dem Ätherleib aus der Widerstand kommt, wo nicht eine überwiegende Anziehung der Ich-Organisation da ist, sondern vom Ätherleib aus der besondere Widerstand kommt. |
| 151 | Dann war ein Mädchen da. Können Sie das nicht schildern nach den Angaben, die ich gemacht habe? Albrecht Strohschein: Ein Mädchen mit aufgeworfenen Lippen. Da wiesen Sie darauf hin, daß zwischen dem dritten und vierten Jahr etwas Besonderes geschehen sein müsse mit dem Astralleib, daß es ein starkes Jucken und Kratzen hat haben müssen. Die Mutter bestätigte uns nachher, daß hohe Temperaturen aufgetreten sind und daß Jucken da war. Für die Therapie ist angegeben: Nikotinklysma, und wenn das nicht hilft: Nikotininjektionen. Sie ist fünfzehn Jahre alt. Nun, nicht wahr, wir haben ein Mädchen, das fünfzehn Jahre alt geworden ist, das aber deutlich zeigt, daß in einer wenig intensiven Weise die astralische Organisation in den ganzen Organismus eingegriffen hat. Der ganze Typus des Mädchens zeigt das. Vor allen Dingen erweist sich die astralische Organisation als viel zu schwach, das Ich festzuhalten gegenüber jenen Versuchungen, die beim Menschen entstehen, wenn er ißt, das Essen, das Schmecken gar zu süß, zu lieblich, zu wohltuend zu empfinden. Wenn der astralische Leib nicht genügend tätig ist in der Region des unteren Antlitzes, dann werfen sich die Lippen besonders am Munde auf, weil eine zu starke Wollust mit dem Schmecken, mit dem Verarbeiten der Speisen schon im Munde vorhanden ist. Solche Erscheinungen haben lange Antezedenzien und es kann natürlich so etwas auftreten in irgendeinem Zeitraum, der verhältnismäßig spät liegt. Nun, nicht wahr, ich gab dazumal an, daß eine Unregelmäßigkeit in der kindlichen Entwickelung aufgetreten sein müßte zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr. So etwas zu bemerken, können Sie natürlich von sich selber erst verlangen, wenn Sie sich mit der eben geschilderten Liebe, auf die ich ja so großen Wert legen muß, in solche Dinge überhaupt erst einleben. Sie dürfen eigentlich nie die Ausrede gebrauchen: Ja, um solche Dinge wahrzunehmen, muß ich erst hellsehend sein. - Das ist eine innere Faulheit, die derjenige, der einen Erzieherberuf ergreift, eigentlich gar nicht haben darf. Sondern es handelt sich darum, daß Sie lange, bevor Sie jene Hellsichtigkeit erlangen, die zum Beispiel für die Forschung im allgemeinen notwendig ist, daß Sie durch die liebevolle Hingabe an dasjenige, was aus dem Menschen herauskommt, was sich entwickelt gerade in abnormen Zuständen, daß Sie durch die liebevolle Hingabe in sich die Fähigkeit erzeugen, hinzublicken einfach auf das, worauf es |
| 152 | ankommt. Sie sagen sich in dem Momente selber das Richtige. Natürlich gehört dazu der esoterische Mut. Dieser esoterische Mut, der wird im Menschen entwickelt, wenn ihm nicht eines gegenübersteht. Sehen Sie, es ist ja eine merkwürdige Erscheinung, daß diese inneren Intuitionen von den Menschen, die sie verhältnismäßig gut haben können, so wenig bemerkt werden. Die Anthroposophen haben doch so viele Gelegenheiten, auf diese inneren Intuitionen achtzugeben, sie haben sie auch viel mehr, als man glaubt, aber sie geben nicht acht darauf, weil sie sich hingestellt finden in dem Augenblick, wo sie auf so etwas achtgeben sollen, vor eine beim Menschen schwer besiegbare Eitelkeit. Nicht wahr, mit diesem Entdecken von Fähigkeiten sprossen herauf alle möglichen Eitelkeitsimpulse, und zu all den Dingen, die ich zum Beispiel vom heutigen Zeitalter gestern geschildert habe, die ich auch bei andern Gelegenheiten geschildert habe, gehört auch die Neigung, die ungeheure Neigung der heutigen Menschheit, zu Eitelkeiten zu kommen. Sehen Sie, da liegt schon etwas vor, was insbesondere diejenigen berücksichtigen müssen, welche aus der heutigen Jugend heraus - und dazu gehören Sie ja auch - sich irgendwie einem großen Beruf widmen, wie sie schon eigentlich entstehen müssen und die wieder regenerierend auf die Menschheit wirken müssen. Es ist wirklich nicht mit Mißverständnis oder Unverständnis von der heutigen Jugendbewegung gesprochen, sondern aus einem wirklichen Verständnis heraus, wenn ich Ihnen das Folgende sage: Die heutige Jugendbewegung ist eine Notwendigkeit, ist etwas außerordentlich Bedeutsames, auch etwas für die verständigen Älteren im höchsten Grade Interessantes. Also gegen die Jugendbewegung soll gar nicht das Geringste gesagt werden. Es soll auch nichts dagegen gesagt werden, daß die ältere Generation so wenig Anlage hat, die heutige Jugendbewegung zu verstehen und daß gerade daran vieles gescheitert ist, weil man sie zu leicht nimmt, nicht genügend eingeht auf sie. Aber auf der andern Seite muß dann, wenn es sich in der Jugendbewegung darum handelt, konkrete, bestimmte Aufgaben zu ergreifen, etwas berücksichtigt werden von der Jugend selber. Natürlich müssen diejenigen, die in solchen Dingen Erfahrung haben, darauf aufmerksam machen. Von der Jugend muß etwas berücksichtigt sein, was ungemein erschwerend ist für alles, was aus der Jugendbewegung |
| 153 | hervorgehen soll. Das ist eine gewisse Eitelkeit. Eitelkeit ist auf dem Grunde der Jugendbewegung überall vorhanden, weniger vorhanden aus irgendeiner Ungezogenheit als vielmehr aus jenem Grunde, welcher das wohl notwendig macht: weil gerade, weil das Wollen notwendig macht eine starke Entfaltung innerer Fähigkeiten, einfach durch ahrimanische Einflüsse die Eitelkeit in einem hohen Maße heraufdämmert. Sehen Sie, ich habe in meinem Leben viel hoffnungsvolle Menschen der verschiedensten Lebensalter beobachten können. Es war mir möglich, manche Erscheinung auf diesem Gebiete ganz intim zu beobachten, aber man konnte sehen, daß mit dem Heraufkommen des Zeitalters, das auf das Kali Yuga folgte, die Eitelkeit - nicht bloß bei der Jugend, aber hier interessiert uns jetzt diese spezielle Form, die bei der Jugend heraufkommt - ganz besonders stark aufsprießte und die Jugend selber hindert, die Eigenschaft zu entwickeln, die eben im heutigen Jungsein liegt. Daher die Erscheinung, die so häufig eintritt: das allgemeine Reden von Missionen, von großen Aufgaben, und die geringe Neigung, auf die speziellen kleinen Dinge, die man dazu braucht, einzugehen. Man wird gerade in der Zukunft brauchen das, was einmal auf einem außerordentlich philiströsen Territorium, aber aus einer gewissen Intuition heraus, genannt worden ist: die Andacht zum Kleinen. Das ist etwas, was sich gerade die Jugend aneignen müßte. Sie schwelgt zu stark in Abstraktionen. Das ist aber das, was mit Wucht hinaufreißt in die Eitelkeit. Sie müssen bedenken, was für eine Schwierigkeit da vorliegt und müssen das zum Inhalt Ihres esoterischen Strebens machen. Sie müssen daran denken, welche ungeheure Schwierigkeit da vorliegt. Derjenige, der dazu kommen soll, daß er aus intuitivem Blick heraus einem Menschen irgend etwas sagt - auf der flachen Hand liegen die Dinge ja nicht, und das, was der Laie sagt, ist in der Regel falsch gegenüber minderwertigen Kindern, es kommt darauf an, daß man durchschaut auf dasjenige, was da eben ist -, braucht etwas dazu, dazu braucht er, daß er in energischer, mutvoller Weise sich selber sagt, nicht bloß im Augenblick, sondern es zum fortdauernden qualitativen Inhalt seines Bewußtseins hat: Ich kann das. - Wenn Sie das ohne Eitelkeit, sogar |
| 154 | mit Opferwilligkeit, mit Überwindung derjenigen Dinge, die dagegen sind, wenn Sie sich das immer wieder und wieder sagen, nicht bloß empfinden, dann werden Sie sehen, wieviel Sie nach dieser Richtung gerade können. Also nicht im Spintisieren, nicht in Gedankengeweben das suchen, was sich entwickeln soll, sondern in diesem fortdauernden mutvollen Bewußtsein, das sich dadurch einfach entwickelt, daß man in der aliereinfachsten Weise dasjenige, was von ungeheurem Schmutz und Sumpf und Torfmoor bedeckt ist, bildlich gesprochen, aus seiner Seele heraufholt. Die Menschen können im allgemeinen auf dem Gebiete der Pädagogik nichts erreichen, weil sie nicht ernsthaftig jemals eine Wahrheit in sich rege gemacht haben. Die besteht darin, daß Sie sich am Abend einleben in das Bewußtsein: Tafel 12 In mir ist Gott, in mir ist Gott, oder der Gottesgeist, oder was immer - aber sich dieses nicht bloß theoretisch vorschwätzen, die Meditationen der meisten Menschen bestehen darin, daß sie sich etwas theoretisch vorschwätzen -, und am Morgen so, daß das hineinstrahlt in den ganzen Tag: Ich bin in Gott. - Bedenken Sie nur, wenn Sie diese zwei Vorstellungen, die ganz Empfindung, ja Willensimpulse werden, in sich rege machen, was Sie da eigentlich tun. Sie tun das, daß Sie dieses Bild vor sich haben: In mir ist Gott - und daß am nächsten Morgen Sie dieses Bild vor sich haben: Ich bin in Gott. - Das ist eines und dasselbe, die obere und untere Figur (siehe Tafel 12). Tafel 12
Und Sie müssen einfach verstehen: das ist ein Kreis, das ist ein Punkt. Es kommt nur abends nicht heraus, es kommt nur morgens heraus. Morgens müssen Sie denken: das ist ein Kreis, das ist ein Punkt. Sie müssen verstehen, daß ein Kreis ein Punkt, ein Punkt ein Kreis ist, und müssen das ganz innerlich verstehen. |
| 155 | überhaupt den ganzen Menschen, wenn Sie in dieser Weise an ihn herangehen, wenn Sie versuchen, ihn innerlich zu verstehen. Aber zuerst müssen Sie dieses haben, daß die zwei Figuren, die zwei Vorstellungen ein und dasselbe sind, daß sie gar nicht unterschieden sind voneinander. Nur von außen angesehen sind sie verschieden. Da ist ein gelber Kreis, da ist er auch. Da ist ein blauer Punkt, da ist er auch. Warum? Weil das die schematische Figur des Kopfes ist, weil das die schematische Figur des Leibes ist. Aber wenn der Punkt sich behauptet in den Leib hinein, dann wird er eben zum Rückenmark; wenn der Punkt hier sich hineinbegibt, wird dasjenige, was er sein soll in der Kopforganisation, dann eben Rückenmarkansatz (siehe Tafel 12). Tafel 12
Die innere Dynamik der Morphologie ergibt sich Ihnen einfach dadurch. Sie können eine Anatomie, eine Physiologie bekommen, indem Sie von dem ausgehend meditieren. Dann kriegen Sie schon die innere Intuition, inwiefern Ihr Oberkiefer und Ihr Unterkiefer Gliedmaßen sind, inwiefern der Kopf ein ganzer Organismus ist, der aufhockt oben - seine Gliedmaßen sind verkümmert -, in der Verkümmerung sie umbildet zu Kiefern, und Sie bekommen die Anschauung, wie in einem polarischen Gegensatz Zähne stehen und Zehen. Sehen Sie sich nur einmal die Ansätze der Kieferknochen an, so werden Sie die verkümmerte Zehenbildung, die verkümmerte Fuß- und Handbildung darin wahrnehmen. |
| 156 | hat, welche im meditativen Leben eben notwendig ist. Aber diese Überwindung trifft man nie, wenn irgend Spuren von Eitelkeit auftauchen, und die tauchen eben an allen Ecken und Enden auf. Deshalb, meine lieben Freunde, ist es notwendig, wenn Sie wirklich Erzieher, besonders minderwertiger Kinder werden wollen, daß Sie diese Andacht im Kleinen in der allerallerbescheidensten Weise entwickeln, und davon ausgehend, dann auch wiederum diese Andacht zum Kleinen in der übrigen Jugendbewegung erwecken. Dann kommen eben diese Möglichkeiten, auf so etwas hingewiesen zu werden, was ja dann - wie es ja auch in diesem Falle geschehen ist - äußerlich verifiziert wird. Da muß ich nun sagen, da sehe ich die größten Fehler, die bei den Unternehmungen innerhalb unserer anthroposophischen Bewegung geschehen. - Sehen Sie, da liegt also der Fall vor: Bei dem Mädchen sagte ich Ihnen, es müsse eine Art von Abnormität dagewesen sein zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr. Sie fragen die Mutter, die Mutter bestätigt Ihnen das. Was haben Sie nachher getan? Wollen Sie das einmal ganz ehrlich und aufrichtig schildern, was haben Sie getan, wie Ihnen die Mutter das bestätigt hat? Schweigen. Wollen Sie einmal ganz esoterisch ehrlich sein, Sie drei? Was haben Sie getan? Schweigen. Wenn Sie das Richtige getan hätten, würden Sie sagen: Wir sind gesprungen darüber, daß der Plafond ein Loch bekommen hat! - Dann aber würde auch noch heute der Reflex von diesem Sprung nicht nur sprechen aus Ihnen, sondern leuchten. Das ist es gerade: der Enthusiasmus im Erleben der Wahrheit! Das ist dasjenige, was da sein muß. Das ist dasjenige, was mir seit Jahren in einer so furchtbaren Weise in der anthroposophischen Bewegung Schmerz macht, daß die Menschen so fest auf den Beinen stehen, die Jungen fast genau so fest wie die Alten. Und denken wir darüber nach, wie sie fest auf ihren Beinen stehen können! Sehen Sie, da war im Grunde genommen der Nietzsche doch ein anderer Kerl, wenn er auch krank darüber geworden ist. Er hat seinen Zarathustra einen Tänzer werden lassen. Werden Sie doch Tänzer, in dem Sinne, wie es bei Zarathustra |
| 157 | gemeint ist! Leben Sie mit innerster Freude an der Wahrheit! Es gibt ja nichts Entzückenderes als das Erleben der Wahrheit. Das ist etwas, was eine viel wichtigere und wesentlichere Esoterik ist als das, was mit den langen Gesichtern herumläuft. Dieses innere Erleben der Wahrheit, das ist das, was lange vorangehen muß allem übrigen SichEinreden von einer Mission. Bei dem Mädchen zwischen drei und vier Jahren trat ein okkultes Fieber auf. Das nennt man auch in der Medizin okkultes Fieber. Das ist eine derjenigen Stellen in der Medizin, wo diese ihre frühere Sprachweise beibehalten hat. Wenn irgendein Arzt nicht weiß, woher das Fieber kommt, nennt er das ein okkultes Fieber. Dieses okkulte Fieber trat auf, es war eine besondere Schwäche in diesem Zeitraum vorhanden zwischen dem dritten und vierten Jahr, es war eine besondere Schwäche des astralischen Leibes. Der physische Leib und der Ätherleib machten eine Reaktion, und es entwickelten sich diese dann zu stark, es konnte nicht mehr nach der astralische Leib. Daher ist es bei diesem Kinde ganz besonders notwendig, daß man erstens weiß: hier tritt mit dem dritten Jahre ein ein merkwürdiges Verkümmern, In-sich-Verkrampfen des astralischen Leibes; ich muß dem nachhelfen. Dem muß ordentlich nachgeholfen werden, und das kann man auf pädagogische Weise dadurch, daß man das Interesse beweglich macht. Nun schildern Sie, wie war es bei diesem Mädchen mit dem Schulmäßigen? Albrecht Strohschein: Das Mädchen werden wir nicht in der Anstalt haben, es wird nur zur Behandlung kommen. Es war in der Hilfsschule bis zum sechzehnten Jahr, kann lesen und schreiben, und rechnen mit Zahlen bis ungefähr tausend. Sonst kennen wir das Mädchen weiter nicht, es war nur zur Vorstellung oben. - Es wurde angegeben Klysma mit Tabak. Es wird sich darum handeln, daß es mit Heileurythmie behandelt wird. Warum ist das? Das ist aus dem Grunde, weil infolge des Verkümmerns des astralischen Leibes bei dem Kinde eine sehr starke Neigung zur Deformation des oberen Organismus eingetreten ist. Das Kind hat ein außerordentlich brutales Aussehen, weil sich alles, was nach den Kauwerkzeugen hin liegt, deformiert. Nun gerade in diesem Falle wird die nun wirklich von dem hiesigen Klinisch-Therapeutischen Institut so sehr sorgfältig ausgeprüfte antideformierende Wirkung des Nikotinsaftes |
| 158 | seine gute Wirkung tun können. Man kann dann auch zunächst langsam vorwärtsgehen, gibt es zuerst per os und beobachtet dann sorgfältig; man muß sich einen Blick dafür aneignen, ob die Kauwerkzeuge anfangen, mehr in die Herrschaft des Organismus zu kommen. Hier liegen sie fast ganz außerhalb des Bereiches dessen, was das Kind mit der Seele ergreift. Sie lagern nur da. Das Kind kann durch die Beibringung von Nikotinsaft per os in einer entsprechenden Dezimale - man kann anfangen mit der sechsten und bis zur fünfzehnten gehen - behandelt werden. Findet man aber, daß die Wirkungen zu schwach sind, bringt man den Nikotinsaft in Hochpotenzen in die Zirkulation, so daß unmittelbar durch die Zirkulation der astralische Leib ergriffen wird dadurch, und man wird sehen, daß man das, was man durch das innerliche Eingeben nicht erreicht, auf diesem Wege erreicht. Es ist aber vielleicht gut — das muß ich noch nachträglich hinzufügen -, wenn man dann versucht, die Wirkungen, die da innerhalb des astralischen Leibes erhalten bleiben sollen, nicht zu stark in die IchOrganisation heraufspielen zu lassen, sie stoppt vor der Ich-Organisation. Das kann dadurch erreicht werden, daß man, wenn auch selten, vielleicht nur in der Woche einmal, ein Bad mit einem schwachen Schwefelzusatz verabreicht, ein schwaches Schwefelbad. Sehen Sie, wir werden noch morgen die andern Fälle besprechen, die da waren, und es wird mir eine besondere Befriedigung sein, die interessante Erscheinung, die ja gerade dort bei Ihnen sich besonders studieren läßt, die interessante Erscheinung der Albinos ins Auge zu fassen. Wir hatten zwei solche Menschenkinder, ein älteres mit fünfzehn Jahren und ein ganz kleines Schwesterchen vorliegen. Haben Sie vielleicht davon die Horoskope gemacht? \Frage an Dr. Elisabeth Vreede, welche die Horoskope übergibt. Das ist das ältere Mädchen, das ist das jüngere. - Wie steht der Uranus? Konstellationen haben Sie nicht besondere gefunden? Dr. Elisabeth Vreede: Doch, hier gerade bei Uranus und Neptun. Neptun in Opposition zu Uranus, bei dem älteren Mädchen. Sehen Sie, nicht wahr, nun sind diese Kinder da. Überall, wo man diese Kinder sieht, zeigen sich ja zwei Haupterscheinungen. Die ganz |
| 159 | hellen Haare und das schlechte Sehen mit der Veränderung der Augen. Diese zwei Erscheinungen sind die Urphänomene. Das weist aber schon bei ganz oberflächlicher Betrachtung darauf hin, daß man es zu tun hat bei den Albinos mit einer gegenüber der Eisenverarbeitung sehr schwachen Organisation, und daß man es zu tun hat mit einer Organisation, die ungeheuer leicht den Schwefel verarbeitet. Also die Tatsache liegt da vor, daß die Organisation sich sträubt gegen das Eisen, und zwar namentlich sich sträubt gegen das Eisen in der Verarbeitung zur Peripherie hin, es stoppt vor der Peripherie; und es wird gerade der Schwefel nach der Peripherie hingetrieben und über die Peripherie hinausgetrieben, so daß man sieht in der Region der Haarbildung überall die Schwefelaura, die die Haarbildung bleicht, ihnen ihre Kraft herausnimmt. Und in der verhältnismäßig selbständigen Augenbildung, die sogar embryonal von außen in den Organismus hineingebildet werden, sieht man erst recht die selbständige Schwefelaura, die die Augen förmlich dazu drängt, aus dem Ätherischen heraus in das Astralische hinein ihr Wesen zu treiben. Man sieht geradezu bei solchen Kindern das Auge aus seiner Felsenhöhle ausgerissen, den Ätherleib unberücksichtigt gelassen, den Astralleib im Auge ganz besonders stark in Anspruch genommen. Nun entstehen da sehr wichtige Fragen. Der Mensch steht auf der einen Seite in bezug auf seine Bildung im Zusammenhang mit denjenigen Kräften, die in der Erde sind, und die sich uns verraten durch die Substanz der Erde, und er steht im Zusammenhang mit dem ganzen Kosmos. Von beiden ist er abhängig. Beide sitzen sowohl in der individuell-karmischen Fortentwickelung wie auch in der Vererbungsströmung. - Nun die Vererbungsströmungen. Bei den zwei Kindern, die präsentiert worden sind, liegen weder bei Vater noch bei Mutter etwas von Albinoerscheinungen vor. Nichts, gar nichts, normale Menschen. Dagegen in der Aszendenz gab es irgendwo eine Großmutter, von der gesagt wird, daß sie auch Albinoerscheinungen hatte. Dr. Ilse Knauer: Es war eine Schwester der Mutter dieses Kindes. Also eine Tante. Es liegt eben in der Aszendenz. Wir brauchen nur auf das einzugehen, daß in der Aszendenz durchaus eine Neigung dazu |
| 160 | vorliegt. Sagten Sie mir an diesem Tage nicht, daß sich noch andere Kinder ergeben hätten, auch in Jena, aus der Saalegegend? Dr. Ilse Knauer: Zwei Kinder und ein Erwachsener, Zweiunddreißigjähriger, der bereits verheiratet ist. Unter diesen dreien findet sich bloß ein Fall, wo ein Albino in der Aszendenz vorhanden war. Sie sehen, daß die Sache auftritt, man möchte sagen, in einem gewissen Sinne endemisch gebunden an das Territorium. Aber von einer andern Seite aus scharf durchkreuzt. Ganz sporadisch, unter gewissen Umständen wächst aus dem Territorium ein Albino heraus und sonst nicht. Da liegt also die Frage vor: Wie wächst der Albino heraus aus einem Territorium? Wir wissen, daß es eine Verschwefelung bis nach außen hin ist, so daß kleine Schwefelinfarkte in der Aura auftreten, in der Peripherie. Dann suchen wir in der Umgebung, wo Schwefel auftritt. Nun ist das ganze Saaletal versehen mit Schwefelkies, und Sie haben also die Verbindung von Schwefel und Eisen in einer solchen Art vorhanden, daß man studieren kann: wie ist das Eisen in der Umgebung, wie ist der Schwefel in der Gegend, wo besonders in dieser Gegend die wunderbar schönen Pyrite auftauchen, die in der Saalegegend sind. Diese schönen, feinen, goldglänzenden Pyritwürfel tauchen in der Saalegegend auf (siehe Tafel 12). Tafel 12 Die andern Gegenden dort in der Nähe sind gipshaltig. Gips ist, wie Sie wissen, mit zwanzig Prozent Wasser schwefelsaurer Kalk. Also wieder haben wir die Möglichkeit, den Schwefel zu studieren in seiner Bindung in dem Gips. Das wirft Licht auf alles dasjenige, was in der Atmosphäre lebt und so weiter, so daß man zunächst eingehen muß auf alles dasjenige, was aus dem Boden heraus mit der Schwefel- und Eisenabsorption zusammenhängt. Sie haben auch sonst ein sehr eisenreiches Territorium und die Frage entsteht: Wie bildet sich ein gegenseitiges Verhältnis heraus zwischen Erde und Mensch, so daß die Erde das Eisen stark heranziehen kann, der Mensch aber nicht oder nur mit Schwierigkeit? Welche Konstellationen müssen da sein, um den Menschen besonders geeignet zu machen, Eisen zurückzuweisen und den Schwefel aufzunehmen? - Da kommen Sie auf das Kosmische, da untersuchen Sie die Konstellationen, die vorhanden sind — bei der Konzeption kann man das nicht — bei der Geburt bei |
| 161 | einem solchen Kinde. Da wird sich zeigen, daß die Frage herantritt, ob bei diesen Kindern, die als Albino auftreten, ganz besondere Konstellationen vorliegen, und zwar so vorliegen, daß sie nicht so auftreten können, daß sie nur selten auftreten können. Da werden wir das Entsprechende nicht zu suchen haben bei denjenigen Angaben, die hervorgehen aus Planetenumdrehungen, die schnell vor sich gehen, sondern wir werden bei denjenigen Planeten die Konstellation zu suchen haben, die lange brauchen, bis sie sich umdrehen, also bei Saturn und Uranus. Sie sehen also, wie sich die Fragen stellen in einem solchen Falle. Erst muß man die Fragen haben, dann kann man eingehen auf einen solchen Fall. Nun möchte ich eine kleine Kur auch hier angeben. Ich werde also das, was hier angedeutet ist, auch hier anwenden. Ich werde das morgen hier besprechen. Nach dem, was mir heute morgen gesagt worden ist, wollen Sie noch etwas anderes, als die Vorträge enthalten, weil sie zu stark nach der «Andacht zum Kleinen» gehen, nach dem,was Sie brauchen; ich möchte Ihnen auch da in der stärksten Weise entgegenkommen, indem ich ebenso die neue Methode anwende, wie ich sie bei den Arbeitern angewendet habe. Da habe ich die Vortrage nach und nach so auslaufen lassen, daß ich frage, über was ich sprechen soll, so daß von einem gewissen Punkt an die Themen, die sie besprochen haben wollen, von ihnen selber gestellt werden. Jetzt können die Arbeiter niemals schimpfen, daß ihnen nicht über das vorgetragen wird, was sie wollen. |