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NEUNTER VORTRAG, Dornach, 4. Juli 1924

NEUNTER VORTRAG, Dornach, 4. Juli 1924

Ursache der Kleptomanie bei dem zwölfjährigen Jungen, Therapie durch pädagogisches Verhalten des Erziehers: Zutraulichkeit zum Erzieher. Frühzeitiges Erkennen der kindlichen Anlagen zur Kleptomanie im Verhältnis zur Umgebung des Kindes. Therapeutisch: stramm durchgeführte Heileurythmie; Medikation; Besprechen der Tat im richtigen Zeitpunkt. - Therapie für das Kind mit Hydrozephalus: Dämpfung der Sinnesreize; Medikation; Bedeutung einer Krise für die Änderung des Krankheitsbildes. - Fall eines dreißigjährigen Hydrozephalikers. - Therapie für das sulfurige Kind (8. Vortrag): hydrotherapeutische Anwendungen; Brechen einer Charaktereigenschaft und seine Bedeutung. Notwendigkeit eines guten Verhältnisses des Erziehers zum Sprachgenius.

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129 Nun, meine lieben Freunde, wir haben eine Reihe von Kindern gestern vorzunehmen gehabt, und die Dinge, die sich bei der Behandlung für abnorme Kinder ergeben, müssen ja zumeist an Beispielen besprochen werden, weil die Abnormität eine solche ist, die nach allen Seiten geht und jeder Fall ein Fall für sich ist, und man nur etwas lernen kann dadurch, daß man an einem Fall die Praxis sich heranbildet, die für andere Fälle notwendig ist.
Sie erinnern sich an unseren gestrigen Fall, an den Jungen, der zwölf Jahre alt ist, den ich als Kleptomanen vorführen mußte. Es ist geistig gesehen bei einem solchen Kleptomanen so, wie ich es charakterisiert habe in der Aussprache über das Prinzipielle, daß er durch die Hemmungen, die im astralischen Leibe liegen, nicht den Zugang findet zu dem, was die Urteilsmäßigkeit ist unter den Menschen in der äußeren Welt. Sie müssen sich vorstellen, daß dasjenige, was sich auf die Moralität bezieht, alles, was sich auf die Moralität bezieht, was in seinen Begriffsformationen moralische Impulse in sich schließt, daß das nur innerhalb des Erdendaseins zum Ausdruck kommt. Man könnte sagen, wenn das nicht mißverstanden würde von der heutigen Oberflächlichkeit: da, wo die Erde aufhört, wo Sie hinauskommen ins Übersinnliche, gibt es in diesem Sinne wie auf der Erde nicht moralische Urteile, weil dort das Moralische selbstverständlich ist. Moralische Urteile beginnen erst da, wo die Wahl eintritt zwischen Gut und Böse. Dagegen ist Gutes und Böses für die geistige Welt einfach eine Charaktereigenschaft. Es gibt gute Wesen, es gibt böse Wesen. Gerade so wenig wie bei einem Löwen man davon sprechen kann, ob er das Löwenhafte haben soll oder nicht haben soll, ebensowenig kann man, von der Erde weggekommen, von Gutem und Bösem so sprechen. Dazu gehört ein Ja und Nein, das nur innerhalb der Organisation des Menschen in Frage kommt und zwischen den in ihrer moralischen Umgebung lebenden Menschen. Es ist einfach so bei einer solchen Erkrankung, wie es die Kleptomanie ist, daß der betreffende Mensch seinen astralischen Leib
130 nicht so weit zur Entwickelung gebracht hat, weil er die schon charakterisierten Hemmungen hat, daß er einen Sinn für moralische Urteile entwickeln kann. Daher ist es bei einem solchen Jungen so, daß er in dem Augenblick, wo er irgend etwas hat, für das er besonderes Interesse hat, gar keinen Grund einsieht, warum er das Ding sich nicht aneignen soll. Denn er begreift nicht, daß es jemand gehören kann, daß der Begriff: Ich besitze etwas - Bedeutung hat. Er betritt nicht so weit die physische Welt mit seinem astralischen Leib, daß er einen Sinn für solche Urteile hat.
Es ist genau dieselbe Erscheinung, wie wenn jemand blaublind oder rotblind ist, daß er gar keine Empfindung für Blau oder Rot hat und die ganze Welt blaufrei oder rotfrei sieht. So also, wie Sie eine Fläche grün sehen, so sieht der Rotblinde eine blaue Fläche. Sehen Sie eine Fläche grün, so sieht der Blaublinde eine rote Fläche. Es ist interessant für einen Blaublinden, einen Wald zu malen, der hat rote Bäume; wenn man es mit einem Blaublinden zu tun hat, muß man die Bäume rot malen. Und wie es da wenig Sinn hat, bei Farbenblindheit von den Farben zu sprechen, ebensowenig hat es Sinn, von Besitz oder Nichtbesitz in der höheren Welt zu sprechen. So weit betritt ein solcher Junge die physische Welt nicht, daß er imstande wäre, irgendwie für sich eine Vorstellung zu verbinden mit demjenigen, was man redet über Besitzverhältnisse. Für ihn gibt es besonders stark den Begriff des Auffindens, den Begriff: etwas überrascht ihn, etwas interessiert ihn. Da hört aber schon das Begriffsvermögen auf. Jetzt ist einfach sein astralischer Leib nicht bis in die Willensregion vorgedrungen, sondern mehr oder weniger in der intellektuellen Sphäre geblieben, was sich so darbietet, daß die Organe des Willens an der Seite verkümmert sind. Die Folge davon ist, daß er das, was im Intellektuellen gut ist, auf den Willen anwendet. Tritt derselbe Fehler auf im Intellektuellen, so sind die Kinder stumpfsinnig. Tritt derselbe Fehler auf im Willensmäßigen, so sind die Kinder kleptoman.
Nun ist gerade eine solche Abnormität außerordentlich schwierig zu bekämpfen. Denn, sehen Sie, zunächst bemerkt man in dem Lebensalter, wo es darauf ankommt, sich hart dagegenzustellen, die Sache nicht. In diesem Lebensalter ahmen die Kinder nach, machen dasjenige,
131 was die Umgebung macht, und man merkt an ihrem Verhalten nicht, daß sie die kleptomane Veranlagung haben. Diese kleptomane Veranlagung, sie wird erst herauskommen, wenn der Zahnwechsel vorüber ist. Aber wenn der Zahnwechsel vorüber ist, dann ist das Kind immer noch nicht geeignet - weil es noch nicht weit genug draußen ist mit der Seele auf dem physischen Plan -, einen andern Sinn für moralische Urteile zu entwickeln als den: das Gute gefällt mir, das Böse mißfällt mir. Hier bleibt alles beim ästhetischen Urteil. Da ist der Erzieher angewiesen darauf, beim Kinde zu wecken den Sinn für das Gute dadurch, daß das Kind den Erzieher sich zur Norm macht. Deshalb sieht unsere Waldorfschul-Pädagogik darauf, daß in diesem Lebensalter die Autorität wirksam sein muß, daß das Kind in selbstverständlicher Hingebung aufschauen soll zum Erzieher und der Erzieher nur reden soll von dem, was gut ist so, daß es dem Kinde sympathisch wird, und von dem Bösen so, daß es dem Kinde antipathisch wird. Zu alledem ist notwendig, daß die selbstverständliche Autorität da ist. Ist nun diese bei einem sogenannten normalen Kinde notwendig, so ist sie im höchsten Maße notwendig bei einem solchen Kinde, wie dieses es ist. Dasjenige Erziehungsmittel, das am wirksamsten ist, ist die Zutraulichkeit, die das betreffende Kind haben kann zu dem, der sein Erzieher ist. Darauf ist man bei diesen Kindern ganz besonders angewiesen. Es ist durchaus notwendig, daß das als eine Voraussetzung gemacht wird.
Nun, selbstverständlich darf in einem solchen Kurse nicht vergessen werden, darauf hinzuweisen, daß schon dann, wenn man kleine Kinder zur Erziehung hat, wenigstens darauf geachtet werden soll, wie sich die Entwickelung des Kindes gestaltet. Merkt man, daß das Kind sehr früh eine besondere Lebhaftigkeit und Freude entwickelt an dem, was es gelernt hat, also so gelernt hat, wie man eben vor dem Zahnwechsel lernt, wenn man das Sprechen lernt, merkt man, daß das Kind eine Wollust hat an dem Angeeigneten, da muß man voraussetzen, daß da etwas schief gehen kann. Kinder, die später kleptomane Menschen werden, die entwickeln den Egoismus im zarten Kindesalter zum Beispiel in der Art, daß sie mit der Zunge schnalzen, wenn sie sich ein neues Wort angeeignet haben. Das ist in seltenen Fällen bei Kindern der Fall, aber es kann schon durchaus bei Kindern der Fall sein.
132 Man muß schon ein gewisses Auge haben für das, was in der Folgezeit daraus entstehen kann, was in der Welt vorgeht. Deshalb ist es für den Arzt wie für den Erzieher noch viel notwendiger, als daß er seine Prinzipien kennt - die eine Selbstverständlichkeit sein müssen -, daß er sich einen Sinn aneignet für das, was in der Welt vorgeht. Sehen Sie, man muß in dieser Beziehung nicht so sein wie der Staatsanwalt Wulffen, man muß so sagen können: Es ist natürlich ungeheuer viel abhängig davon, wie die ganze Umgebung eines Menschenkindes ist, wenn dieses Menschenkind aufwächst. - Sehen Sie, nehmen Sie einmal den folgenden Fall an: ein Kind hat diese Eigenschaft, die ich bezeichnet habe mit Zungenschnalzen in jedem Moment, wenn es sich etwas angeeignet hat. Nun, diese Freude an Aneignen im Intellektuellen, die wandelt sich, so um die Zeit des Zahnwechseis herum, in eine deutlich bemerkbare Eitelkeit, Eitelkeit auch für die andern Dinge. Es hat etwas Bedenkliches, wenn um die Zeit des Zahnwechsels wie autochthon herauswächst die Gier, besonders sich zu kleiden. Diese Dinge muß man beachten.
Es können zwei Fälle eintreten: so ein Kind kann aufwachsen - ich will ein kleines Territorium ins Auge fassen - in einer Umgebung, die gewohnt ist, lässig zu leben, sich gehen zu lassen, in der man die Miliz ansieht für etwas, was man haben muß für die Verteidigung des Landes, aber man hat keinen Enthusiasmus dafür, höchstens einen künstlich herangezogenen. Da entwickelt sich bei allen Leuten, die um das Kind herum sind, in jedem einzelnen Fall zwischen dem siebenten und vierzehnten Jahre, die Stimmung für dasjenige, was man als Angehöriger der Menschheit tun muß. Das Kind wächst heran, und wenn man nicht besonders darauf achtet, daß es durch einen Erzieher, zu dem es liebevoll hinschaut, wenn man nicht dafür sorgt, daß es auf den Erzieher hinschaut - was in diesem Lebensalter bei den Eltern ja nicht immer der Fall sein muß -, dann rutscht die intellektuelle Anlage ins Willentliche herunter und die Kleptomanie kann herauskommen.
Nehmen wir einmal an, ein solches Kind wächst auf nicht da, wo man die Miliz als etwas Lästiges betrachtet - das sind nur Charakteristiken, die ich im einzelnen Falle gebe -, es wächst auf in einer Art Preußentum, wo man nicht den Militarismus bloß als etwas betrachtet,
133 das etwas Notwendiges ist, sondern als etwas, woran man eine arge Freude hat, was einem in die Augen sticht, wonach man sich hält. Das Kind bleibt auch nicht in der Familie, wird für das Gymnasium bestimmt, für die Hochschule. Es kommt ihm etwas zugute, was einem andern Kinde nicht zugute kommt. Solch ein Kind lebt dasjenige, was in jener Anlage gelebt hat, von der ich gesprochen habe, dadurch aus, daß es Naturforscher wird, daß es Präparate macht, daß es nach allen Seiten ausgreift, um es unter das Mikroskop zu bringen, daß es in einer irregulär-regulären Weise diese Sehnsucht befriedigt; es lebt das ganz aus. Es kommt das betreffende Kind in ein Milieu hinein, in dem gewohnheitsmäßig nicht gestohlen wird, oder wenn gestohlen wird, so sind es Objekte, auf die der Begriff des Stehlens nicht angewendet wird. Die Kleptomanie entwickelt sich dann unter der Oberfläche. Das betreffende Kind wird ein physiologischer Rhetor, wird der berühmteste Physiologe seines Zeitalters, und es bleibt ihm für das Leben nur der eigentümlich kleptomane Zug, der liegt in einer gewissen Kriegsbegeisterung, die deplaciert hervortritt in seinen Reden. Er begibt sich in seinen Bildern in der Rede auf das Gebiet des Kriegführens, des Kämpfens und so weiter. Aber es kann in eigentümlichen Fällen diese Neigung merkwürdig in Eitelkeit ausarten. Es kann bleiben ein Gefühl dafür, daß die rhetorischen Figuren des Betreffenden ein anderer nicht gebrauchen darf. Dann, wenn sich ein mutwilliger Student im Examen findet, der genial ist und auch dieselben Redefiguren gebraucht, dann fällt er durch. Wenn er nun auch mit der Zunge schnalzt, dann wird die Sache besonders schlimm.
Solche Dinge gerade zu durchschauen, das ist dasjenige, was einem den Sinn gibt, sie in der rechten Weise zu behandeln. Man muß den Sinn dafür haben, das Leben kennenzulernen, das Leben in seinen mannigfaltigsten Nuancen kennenzulernen. Dann wird man es gleich bemerken, wenn dann die Dinge herauskommen, die nach der einen oder andern Seite hinweisen.
Ich habe schon gesagt, ein gutes Heilmittel auf psychologischem Gebiet ist das, daß man erfinderisch ist und dem Jungen eine Geschichte erzählt, die man erfunden hat, in der nun seine Eigenschaft eine Rolle spielt, wo man erzählt, es gibt Menschen, die tun so etwas, aber sie
134 graben sich eine Grube und fallen hinein. Diesen dramatischen Fort gang mit innerem Enthusiasmus entwickelt, das ist etwas, das schor zum Ziele führen kann, wenn man nicht dabei erlahmt. Außerdem muß bei einem solchen Knaben angewendet werden Therapeutik, Injektionen mit Hypophysis cerebri und Honig, weil, wie Sie gesehen haben, verkümmert sind die Schläfenlappen und deshalb gesorgt werden muß, daß diese Deformation durch entgegengesetzte Wachstumskräfte beeinflußt werden kann.
Besonders günstig kann gewirkt werden, wenn es nur stramm energisch angewendet wird, dadurch, daß man Heileurythmie anwendet, daß man alles das, was vokalisch ist, mit den Beinen machen läßt, aus dem Willen heraustreibt das Intellektuelle, und das Bemühen, das in den Vokalen liegt, aber in den Willen hineintreibt.
Nur muß man sich klar sein, daß man solch ein Kind dazu bringen muß, mit ihm durch die Autorität, die man hat, restlos besprechen zu können das Abscheuliche, was in einer solchen Handlung liegt. Nur darf man das nicht zu früh tun. Man muß in den Intellekt das hineinbringen, nur nicht zu früh, weil man sonst alles tötet. Man muß durch erfundene Geschichten wirken und nach und nach das hinüberleiten. Sehen Sie, es ist außerordentlich schwer, bei diesen Dingen auf Erfolg hinzuweisen, weil die Erfolge nicht beachtet werden. Aber es würde eben mancher Kleptomane nicht da sein, wenn man, wenn sich solche Symptome zeigen, wie ich sie besprochen habe, ganz früh anfangen würde mit solchen Geschichten. Die wirken doch immer, nur darf man nicht die Geduld verlieren. Man kann sicher sein, daß man bei einem solchen Kinde oftmals, wenn die Sache arg eingefressen ist, erst nach sehr langer Zeit etwas erreichen kann.
Nun, das andere schwierige Kind, das noch nicht ganz ein Jahr alt ist, das ich gestern besprochen habe, der Hydrozephalus. Da war die Behandlung tatsächlich zunächst eine außerordentlich schwierige. Denn, sehen Sie, was liegt vor? Vor allen Dingen liegt vor eine außerordentliche Erregbarkeit und Reizbarkeit des Sinnes-Nervensystems. Nur dadurch ist möglich die ungeheure Vergrößerung des Kopfes. Also eine ganz erhöhte Reizbarkeit des Nerven-Sinnessystems. Jede besondere Reizbarkeit des Nerven-Sinnessystems drückt sich in einer Vergrößerung
135 des Kopfes aus. Nur muß man dabei im Auge haben Verhältniszahlen, nicht absolute Zahlen. Wenn eine kleine Figur veranlagt ist, so kann er einen Kopf haben, wie ihn sonst ein großer Mensch hat, für ihn aber ist es ein großer Kopf. Das muß man dabei ins Auge fassen, wenn man nicht abnorme Fälle hat. Der Junge ist auch abnorm. Da liegt eine übergroße Empfindlichkeit vor und Reizbarkeit des SinnesNervensystems, bewirkt durch jene Umstände, die ich gestern in bezug auf das Embryonale und das Zusammenwirken von Vater und Mutter gesagt habe.
Was hat man mit diesem Kinde zu tun, wenn es einigermaßen in die Normalität hineingebracht werden will? Es muß jeder Reiz auf das Sinnes-Nervensystem für die meiste Zeit, in der es lebt, vermieden werden. Daher lassen wir das Kind im dunklen Räume sein, in einem Räume, der vollständig verdunkelt ist, so daß das Kind eigentlich immer im Stillen und Finstern liegt, keine Eindrücke empfängt. Ich habe zunächst sogar die Möglichkeit, dadurch zu wirken, etwas überschätzt, weil das Kind noch nicht lichtempfindlich ist. Es ist ganz schwach lichtempfänglich, und dadurch ist die Hintanhaltung von Licht weniger von Bedeutung, als man voraussetzte. Nun bleibt das bestehen, daß man zunächst bei einem solchen Kinde daran denken muß, es im Stillen und Finstern leben zu lassen, möglichst wenig Eindrücke in seine Umgebung zu bringen, dann wird innerlich der Impuls des Zappeins, des Willens erregt und es wird dem Sinnes-Nervensystem entgegengewirkt. Das ist eine erste Maßregel, an die man denken kann. Eine andere ist diese, daß man versucht, auf das SinnesNervensystem zu wirken durch Agenzien, die darauf wirken. Nun, da wurde bei diesem Kinde innerlich Gneis angewendet, um vor allen Dingen nicht Schockwirkungen hervorzurufen, indem man direkt Quarz anwendet, um dasjenige, was in der Quarzwirkung liegt, mehr zu verteilen. Beim Quarz wirken die Kräfte sehr strahlig und spießig, während, wenn sich die Quarzkräfte im Gneis verteilen, wirken sie mild und breiten sich aus im Organismus und kommen leichter an die Peripherie heran. Gneis in einer hohen Potenz wird da zum Ziele führen können. Man muß versuchen, das Aufgeregtsein der Nerven - der ganze Mensch ist als Kind Sinnes-Nervensystem - auch in der
136 Willensregion zu beruhigen. Das erreicht man durch Mohnbäder von Wiesenmohn. Es werden Wiesenmohnbäder bereitet. Es muß bei einer solchen Sachlage, wie man sie da hat, fortwährend Hand in Hand gehen die Beobachtung des Falles und die mögliche Therapie. Man hat einen individuellen Fall vor sich. Und sehen Sie, ich will Ihnen das weiter begreiflich machen, indem ich Ihnen nun die weitere Fortsetzung sage, die da eingetreten ist in der Beobachtung. Da haben wir zunächst beobachtet, daß während der Injektionskur die Temperatur niedriger geworden ist. Dann haben wir kurz darauf konstatiert, der Kopfumfang nimmt zu, das Kind schläft am Tage und weint in der Nacht. Das änderte sich, als man ihm die Mohnbäder abends gab. Der Stuhlgang ist hart; da macht es einen Unterschied, ob man die Mohnbäder bei Tag gibt oder bei Nacht. Abends hat der astralische Leib einen ganz andern Zusammenhang mit dem physischen Leib als morgens.
Nun handelt es sich darum, gerade dasjenige in Ordnung zu bringen, was vom Verdauungssystem aus ins Gehirn wirkt. Nun können Sie sich denken, daß Muttermilch nicht unter allen Umständen auf ein solches Kind so wirken kann, wie sie auf ein anderes Kind wirkt. Die Muttermilch ist dazu bereitet, daß sie vom Verdauungssystem aus sich in normaler Weise umsetzt bis ins Sinnes-Nervensystem hinein. Daher wurde Anfang März die Muttermilch bei diesem Kinde weggelassen. Das Kind wurde anders ernährt. Dem Kinde wurden Nektariensäfte gegeben, der Inhalt von Nektargefäßen, die man in der Blütenregion von gewissen Pflanzen findet. Dadurch wird insbesondere das Ich in der Willensregion gestärkt. Man appelliert, indem man so etwas gibt, was dynamisch-parasitär aus der Blütenregion sich entwickelten die innere Individualität des Kindes, um diese herauszubringen und diese zur Tätigkeit zu bringen. Das ist sogar in einer gewissen Weise gelungen, nur muß man sich, wenn man mit so etwas zu tun hat, ganz einrichten auf die richtige Gelegenheit. Es kann überall Rückschläge geben, die derjenige, der laienhaft eine solche Sache beurteilt, verkennt. Es wird weiter verzeichnet: Seit einigen Tagen bekommt das Kind Nektar, darauf wurde der Stuhl weicher, dann kam es zum Durchfall, nach Absetzen der Nektarsäfte hörte der Durchfall auf und es tritt in der
137 Nacht vom 11./12. Juni ein Zustand ein, wie eine Krisis, das Kind schreit, wimmert und uriniert viel, preßt bei jeder Ausatmung, es sind Krämpfe am linken Bein, Spannungen am linken Arm, die Fontanellen sind ganz prall gespannt, die Reflexe gesteigert. Nach heißen Kompressen und Mohnpackungen schläft das Kind ein und ist das Befinden am nächsten Tage gut. Appetit und Stuhlgang sind in Ordnung. Daß solche Krisen eintreten, das ist gar nicht zu vermeiden, wenn man nicht die Gesundung vermeiden will. Es muß sich einmal dasjenige, was man vornehmen muß im Organismus, das muß sich einmal entladen. Da ist es dann natürlich notwendig, daß momentan so eingegriffen wird, wie Frau Dr. Wegman es getan hat. Nach heißen Kompressen und Mohnpackungen wird die Krisis auslaufen in der entsprechenden Weise. Da kann man einen andern Rat nicht geben als: es ist notwendig, sich nicht verblüffen zu lassen. Es ist in einem solchen Falle vom momentanen Eingreifen unter Umstanden alles abhängig. Ich selber habe dabei die kleine Erfahrung gemacht: ich habe von anderer Seite gehört, daß es dem Kinde schlecht gehen sollte. Frau Dr. Wegman sprach nichts darüber. Ich war daher beruhigt, daß die Sache so abläuft, wie sie ablaufen muß. Das ist dasjenige, was als eine Grundstimmung durch die ganze Sache hindurchgehen muß. Man kann sich anhören, wenn jemand, der die Sache nicht überblicken kann, an der Sache etwas Besonderes findet. Aber in solchen Fällen, wo alles eintreten kann, muß man sich klar sein darüber, daß man seine Pflicht tut, und damit, daß die Pflicht getan wird, ist alles so, wie es sein soll.
Sehen Sie, es handelt sich immer darum, auf Krisen aufmerksam zu sein, aber auch zu wissen, daß sie kommen in einem solchen Fall. Da können einem dann nie etwas helfen jene Mitleidsgefühle oder mitleidsähnlichen Gefühle, die sich verblüffen lassen in einem solchen Fall, sondern nur das, den Fall ganz objektiv zu nehmen und zu tun, was zu tun ist.
Nun gehen wir aber in der Behandlung jetzt noch weiter. Denn Sie wissen ja, wir haben es gesehen, mit einer psychologisch-pädagogischen Behandlung ist da noch nicht viel anzufangen. Ja, psychologisch ist das schon auch möglich: Ruhe und möglichst Finsternis zu haben. Nun handelt es sich aber darum, wirklich an die Stelle dieses nach dem
138 Wässerigen, nach dem Flüssigen Hintendierens des Organismus, das Prinzip des Zerfalls zu bringen. Wasser zerfällt nicht, sondern dehnt sich eben flüssig aus. Man muß diejenigen Kräfte aufrufen, die Zerfall bewirken können, die das stärken, und das sind eben die Kräfte des Bleies. Im Blei haben wir wirklich ein sehr wirksames Mittel, Zerfallskräfte hervorzurufen. Daher muß man medizinisch immer dann, wenn man sieht, daß an Stelle der Abbaukräfte die wuchernden Aufbaukräfte entstehen - denn was ist es denn, als daß wuchernde Aufbaukräfte über die Abbaukräfte vorherrschen, das ist das Grundphänomen, wenn man einen solchen Riesenembryo vor sich liegen hat -, eine Bleikur anwenden, die namentlich, wenn das Blei injiziert wird, außerordentlich gut wirken kann. Sie müssen nur folgendes bedenken, wenn man das Blei in seiner Wirkungsweise bespricht, und man tut das seit Jahrtausenden. Auf die medizinische Wirkung des Bleies machen die, die etwas von den Dingen verstehen, seit Jahrtausenden aufmerksam, nur ist das Wissen von der wohltätigen Wirkung des Bleies mehr und mehr geschwunden. Heute kommt es von einer andern Seite in ganz merkwürdiger Weise zum Vorschein. Denken Sie nur, wo die stärksten Abbaukräfte liegen in der ganzen Erde: da, wo das Radium auftritt, da liegen die stärksten Abbaukräfte, da tritt das auf, daß man aus dem Radium durch ein Zwischentransformationsprodukt das Helium gewinnt; das kann man weiter verwandeln unter gewissen Verhältnissen. Da haben Sie also die inneren Zusammenhänge. Im Kosmos da draußen bereiten sich die stärksten Zerklüftungskräfte im Blei diejenige Substanz, in der sie konzentriert sind. Bringen Sie also Blei in den Organismus, so bringen Sie in ihn direkt den Weltenabbau hinein. Das müssen Sie bedenken. Und bringen Sie das nun durch Injektion in die Blutzirkulation. In der Blutzirkulation haben Sie ein unmittelbares Abbild des ganzen Weltbaus. Die 25 920 Jahre, in denen die Sonne die Welt umkreist, haben wir darinnen in der Zirkulation, in der Pulszahl. Wir bringen direkt die Abbaukräfte in den Organismus hinein. Daß sich der Kosmos Zeit läßt, zu wirken, das ist bekannt, aber wenn man innerlich hineinsieht in die Dinge, wird man sich doch klar sein darüber, daß solche Dinge helfen können.
Nun wird es sich bei diesem Kinde darum handeln, daß man solche
139 Behandlungen anwendet. Wir haben auch Hypophysis als Salbe angewendet bei den Beinen, um die formierenden, der Deformation entgegenwirkende Kräfte des Hypophysis-Sekrets zu verwenden. Und so wird in einer solchen Weise die Heilung formiert. Natürlich handelt es sich dann darum, daß man Anreize hervorrufen muß, damit die Heilmittel wirken.
Nun, ich möchte sagen, man kann froh sein, daß wir eine erste Krisis bei dem Knaben überwunden haben, daß sie da war zwischen dem elften und zwölften Monat, wo das Kind die angeführten Erscheinungen zeigte. Das Kind wird wahrscheinlich öfter durch solche Krisen hindurchgehen, und dasjenige, was man eben zu bemerken hat, ist das, daß man das Kind im positiven Sinne kuriert. Denn selbstverständlich kann eine Kur auch im negativen Sinne geschehen. Aber das ist alles dem überlassen, daß man nicht zu Tode kuriert, sondern zum Leben. Die Dinge sind, gerade was ein Organ betrifft im Therapeutischen, sehr zart.
Ich will noch darauf aufmerksam machen, daß bei einem solchen Kinde mit einem Punktieren und Ablaufenlassen des Wassers nichts zu machen ist, weil die Sache von selbst wieder in Gang kommt und sich vergrößert. Natürlich können wir nicht, solange wir nicht Erfolge haben im Zurückgehen des Kopfumfanges, über die Sache mit Bekrittelung von andern Behandlungsweisen reden.
Der Fall wird ganz besonders interessant sein, und ich muß sagen, für mich ist dieser Fall tatsächlich ein außerordentlich interessanter. Denn jedesmal, wenn ich über das Kind denke, oder es sehe, kommt mir aus diesem Kinde nicht nur dieses Kind selbst in den Sinn, sondern denken Sie sich dieses Kind dreißig Jahre alt geworden, und es wäre gewachsen - das kann sein. Und es wäre dann in einer sechsmaligen Vergrößerung vorhanden. Der Kopf vielleicht auch dreieinhalbmal so groß, der übrige Körper sechsmal. So habe ich einen Menschen vor mir, den ich gerade als Knabe, als ich sechs Jahre alt war, vor mir hatte. Wir verkehrten mit ihm, er kam immer zu den Zügen. Er mußte auf Krücken gehen, weil der Körper den Kopf nicht tragen konnte. Die Gehmuskulatur war zurückgeblieben. Er hatte einen riesigen Kopf. Das war also ein dreißigjähriger Embryo geblieben. Er hat auf mich
140 einen außerordentlichen Eindruck gemacht aus dem Grunde, weil er unglaublich gescheit war. Ich unterhielt mich außerordentlich gerne mit dem Menschen. Natürlich eine solche Deformation macht auch gemüthaft einen außerordentlichen Eindruck, wenn man selbst so ganz jung ist, sieben bis acht Jahre alt ist. Aber auf der andern Seite war er unglaublich gescheit. Man konnte viel von ihm hören und seine Urteile waren alle von einer großen Milde. Die Milde ist ebenso ausgeflossen, wie das sein Kopf war. Man spürte fast, wenn er sprach in seinen Sätzen - die nicht überlang gezogen waren, die schon als Sätze die normale Zeitlänge hatten -, man spürte fast so etwas, wie wenn er die Sätze immer so sprechen würde, indem er Zuckersaft auf den Lippen hätte, als ob die Lippen sich in Zuckersaft aufeinander reiben würden. Es war etwas ganz Eigentümliches an diesem Menschen, und er war eigentlich erfinderisch. Man sagte ihm allerlei Erfindungen nach, die er so im kleinen gemacht habe. Ja, es war eine sehr interessante Persönlichkeit. Er empfand dann seine Abnormität nicht mehr so stark, weil er sich das gewohnheitsmäßig angeeignet hatte. Nun, nicht wahr, es war auf dem Dorfe. Da leben unter Umständen solche Leute so, daß sie mit einem gewissen Verständnis angesehen werden. Ich habe noch nie ein Dorf gefunden, wo nicht das eine oder andere Kind auf diese Weise herangewachsen wäre. Und es war dann das Kind des ganzen Dorfes. Der Mensch konnte immer gehegt und gepflegt werden.
Bekommt man dann ein solches Kind älter, dann müssen diejenigen Dinge eintreten, die ich Ihnen zum Teil schon auseinandergesetzt habe, die ich anwenden mußte auf den Jungen, den ich als Hydrozephalus im elften Lebensjahre bekommen habe, und der vollständig geheilt worden ist.
Nun gehen wir zum nächsten Kind über, zu dem Mädchen, das etwas ungebärdig war. Dieses Kind hatte bei der Geburt ein Gewicht von vier Pfund, war ganz ausgetragen, wurde sieben Monate gestillt. Es hat im ersten Jahr gehen gelernt, auch sprechen zur richtigen Zeit. Mit anderthalb Jahren hat es das Bett nicht mehr naß gemacht in der Nacht, aber dann gerade am Tage. Mit dreieinhalb Jahren bekam es Grippe mit Kopfschmerzen und hohem Fieber und drei Wochen danach Masern. Die Mutter hatte zur selben Zeit Grippe und war
141 aufgeregt. Der Appetit des Kindes ist schlecht, es träumt manchmal unruhig.
Es ist ein normal-abnormes Kind, wie es häufig vorkommt, es ist ein normal-abnormes Kind, bei dem vor allen Dingen dafür gesorgt werden muß, daß der astralische Leib sich so formiert, daß er in einer gewissen harmonischen Art in den Ätherleib und in den physischen Leib eingreift. So etwas erreicht man immer durch Arsenbäder, von außen herangebracht, zuweilen durch Arsen von innen herangebracht. Das harmonisiert die Beziehung zwischen astralischem Leib, Ätherleib und physischem Leib. Nun, damit aber das Arsen gut zur Wirkung kommt von außen, wird es unterstützt, indem man an den Füßen, vor und nach dem Bade, Packungen von Senfsaft macht, geriebenen Meerrettich verwendet. Nur mache ich darauf aufmerksam, daß man in einem solchen Falle, wo man Packungen mit Meerrettich macht, sie immer so machen muß, daß man das Reiben des Meerrettich unmittelbar vorher besorgt und den eben geriebenen Meerrettich nimmt. Wenn man ihn stundenlang liegen läßt, ist er nicht mehr wirksam.
In bezug auf das Psychische wird es sich bei einem solchen Kinde durchaus darum handeln, daß man die Eigenheit, die es hat, so aufgeregt zu sein - sie ist immer aufgeregt, ich glaube nicht einmal, daß das, was sie hier an Umgebung gehabt hat, besonders auf sie gewirkt hat -, daß man das bricht, wie Sie überhaupt die wohltätige Wirkung des Brechens von gewissen Charaktereigenschaften ins Auge fassen müssen. Und so wird man bei einem solchen Kind außerordentlich viel erreichen, wenn man es, und sei es selbst durch Anwendung von mechanischen Mitteln, zur Ruhe bringt bei dem, was es sich anhört und wo es sonst leicht aufgeregt wird. Also man beobachte, wodurch das Kind, wenn man ihm etwas erzählt, besonders aufgeregt wird, und dann zwingt man es dazu, nicht aufgeregt zu werden, sondern an sich zu halten, innerlich etwas steif zu werden und an sich zu halten, und dann wird man bemerken, daß nach einiger Zeit eine Art von Brechen dieser Charaktereigenschaft eintritt. Das Kind wird beim Erzählen statt eines aufgeregten einen müden Charakter zeigen. Dann läßt man die Müdigkeit einige Zeit, acht bis vierzehn Tage wirken, und dann läßt man das Kind eine Zeitlang laufen, indem man es wie ein normales
142 Kind behandelt. Dann wird wieder etwas zurückkommen vom Aufgeregtsein, und dann muß man es wieder behandeln. Man muß mit Pausen die Kur machen, weil, wenn man die Sachen fortsetzt, eine Reaktion kommt. Denn die leise Depressionserscheinung, die Müdigkeit, wenn man die zu weit treibt, geht sie über in körperliche Depressionszustände und man verdirbt das Kind eher.
Sie sehen, ich konnte Ihnen im Prinzip zeigen, wie man auch psychisch mit solchen Kindern vorzugehen hat. Man muß den Sinn haben, das zu beachten, was da ist, und sich klar sein, daß man in den seelischen Abnormitäten Symptome hat für das, was in dem Kinde vorgeht, für irgendein Verhalten des Ätherleibes, astralischen Leibes, IchOrganisation und so weiter. Ich sage: und so weiter. Denn sehen Sie, wir gliedern ja den Menschen in:

Tafel 11


1. Physischer Leib
2. Ätherleib
3. Astralleib
4. Ich-Organisation
5. Geistselbst


Aber nun wird man gewöhnlich einfach hinzufügen: Geistselbst, das hat der Mensch noch nicht entwickelt, das geht uns noch nichts an, das lesen wir zwar in den Büchern, aber der Mensch kommt ja im gegenwärtigen Zeitalter nur bis zur Ich-Organisation; daher braucht man sich um das Geistselbst nicht zu kümmern. Ja, meine lieben Freunde, aber so ist es nicht. Die Menschen kommen schon bis zur Ich-Organisation, aber nicht alle Wesen, mit denen wir es zu tun haben, kommen nur bis zum Ich. Wir haben es durchaus - und gerade, wenn wir es mit aufwachsenden Kindern zu tun haben - zu tun mit Wesen, die bis zum Geistselbst kommen, die voraus sind der Entwickelung des Menschen. Wenn man so etwas ausbilden will, wie die Waldorfschul-Pädagogik, und diese aber lebendig wirken soll, dann muß man nicht bloß an die Menschen appellieren, die man dort anstellt, sondern auch an geistige Wesenheiten, die mehr entwickelt haben als die Menschen, die bis zum Geistselbst eine deutliche Entwickelung zeigen. Mit einer bestimmten Art solcher Wesenheiten haben wir es gerade beim heranwachsenden

143 Kinde besonders zu tun: Mit den Wesen, die man als Sprachgenien bezeichnet. Wenn man es den Menschen überlassen würde, die Sprache zu übertragen auf die nächste Generation, dann würden die Menschen alle verkümmern. In der Sprache lebt etwas so Wesenhaftes wie im Menschen selber. Was mit der Sprache an den Menschen herankommt, darinnen leben Wesen, die durchaus in ihrem gewöhnlichen Leben das Geistselbst so ausgeprägt haben, wie der Mensch die Ich-Organisation. Diese Wesen inspirieren uns; diese Wesen leben in uns, dadurch daß wir sprechen.
Denken Sie sich, wie wir ein Kunstsprechen in der Eurythmie ausarbeiten müssen, damit eine sichtbare Sprache zustande kommt. Wir umfassen ja die Sprache gar nicht. Einen kleinen Teil dessen, wie der Sprachgenius wirkt, arbeiten wir in der Eurythmie aus, damit eine sichtbare Sprache herauskommt. Denken Sie sich, wie wir in der Heileurythmie appellieren an dasjenige, was diese Wesenheiten mit dem Geistselbst im Menschen erreichen können in der intuitiven Impulsierung seines Willens.
Also wir haben es in dem Augenblick, wo überhaupt von Erziehung gesprochen wird, zu tun mit einem Heranrufen der Geister, die das Geistselbst entwickelt haben. Und in alledem, was wir in der Sprache erläutern, beschreiben wir das Geistselbst. Daher ist es schon gut, wenn diejenigen, die abnorme Kinder erziehen wollen, dasjenige meditieren, was in den Büchern gesagt ist über das Geistselbst. Das ist ein guter Meditationsstoff. Das ist ein Gebet an diejenigen geistigen Wesenheiten, die von der Art des Sprachgenius sind. Aber solche geistigen Wesenheiten sind da.
Wenn wir in die Schule hineinkommen und Gebärden machen, ja wenn diese Gebärden adäquate Ausdrücke sind desjenigen, was wir seelisch erleben, wirken sie ungeheuer auf das Kind. Aber sie bezeugen auch, daß man mit den geistigen Wesenheiten in Verbindung steht, die das Geistselbst in sich tragen. Man braucht wirklich nicht irgendwelche äußere Agitation zu treiben, selbstverständlich nicht, diese Dinge müssen objektiv wirken, wie die Krise bei dem kleinen Kinde hingenommen werden muß. Aber wenn ganze Volksgemeinschaften sich angewöhnen, die Hände in die Hosentaschen zu stecken, damit sie keine
144 Gebärden machen, bedeutet das geradezu: man will von den Göttern verlassen sein, von den Göttern, welche die allernächsten sind dem Geistmenschen. Man will nichts wissen von denjenigen Wesenheiten, die das Geistselbst ausgebildet haben, wie der Mensch die Ich-Organisation. Und dann wird zunächst die Sprache verschlampt. Das ist die große Gefahr der westlichen Kultur, daß die Sprache nicht zu dem gemacht wird, was sie sein soll, sondern daß sie sich verschlampt.
Bei dem sich entwickelnden Kinde muß man vor allen Dingen darauf hinschauen - gerade bei abnormen Kindern -, daß sie rein sprechen, deutlich sprechen. Man muß nichts hingehen lassen, was irgendwie eine Verschlampung im Sprechen ist. Das kann man bei allen abnormen Kindern als Regel betrachten, daß man sehen muß auf ein deutliches, klares, konfiguriertes Sprechen. Das wirkt gut zurück. Aber selbst wenn das Kind noch nicht spricht, so ist es gut - wenn nicht gerade die spezielle Anweisung gegeben werden muß, daß es stille sein muß -, wenn gut konfiguriert um das Kind herum gesprochen wird. Man braucht es nicht zu vermeiden, möglichst viel an ein Kind, das man gerade zwischen dem siebenten und dem vierzehnten Jahr zur Erziehung übernommen hat als abnormes Kind, daß man viel gutes Sprachliches, Rezitatorisches an das Kind heranbringt. Immer wieder und wiederum in guter sprachlicher Gliederung an die abnormen Kinder herantreten, diese Notwendigkeit geht aus dem innern Wesen der Abnormität hervor.




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ablage/offen/rudolf_steiner/medizin/007_ga_317_heilpaedagogischer_kurs/009_neunter_vortrag.txt · Zuletzt geändert: 2026/09/19 17:18

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