VIERTER VORTRAG, Stuttgart, 28. Oktober 1922 : II ANTHROPOSOPHISCHE GRUNDLAGEN FÜR DIE ARZNEIKUNST IV
Therapeutische Ziele: Metamorphosen hervorrufen. Nahrungsweg führt vom Unorganischen zum Lebendigen, zum Träger der Empfindungen, zur Ich-Organisation. Pflanze: Umgekehrter Weg. Das Vitale im Samen ist vorjährige Sonnenwärme. Im Wurzelhaften die Lebenskraft. Entvita- lisierungsprozesse in Blumenblättern in ätherischen Ölen. Schwefel in ätherischen ölen. Verdauung = Anfang einer Vergiftung, Nierentätigkeit = Entgiftung. Eisen im menschlichen Blut gibt Schutz vor Erkrankungen, die wir in uns tragen. Gehirnauflagedruck nur 20 g, das ermöglicht Ich-Tätigkeit. Eisengehalt des Blutes wichtig für das Verhältnis Ätherleib zum Astralleib. Vom Menschen Aufgenommenes wird von der Herz-Lungentätigkeit ins Vitalisieren übergeführt. Nierentätigkeit führt
über in den astralischen Organismus. Eisengehalt ein Regulator der Blutzirkulation, der Wechselbeziehung zwischen Ätherleib und Astral-Organismus. Ganzer menschlicher Organismus ist sinnliches Abbild eines Geistigen. Funktionelle Krankheiten sind Nervenstörungen. Rundungskräfte des Nerven-Sinnes-Systems. Die Funktion des Sehens ist der Hauptteil des Nerven-Sinnes-Systems für die plastische Gestaltung, Restteil ist das Seelische. Von den Nieren ausstrahlendes Stoffwechselgeschehen mit plastischer Abrundung. Abrundung durch die Nerven der Sinnesorgane. Anpassung höherer Sinnestätigkeit durch das Seelische an einzelne Organtrakte. Zu starke Astralorganisation: Blähungen, Nierentätigkeit zu stark. Im oberen Menschen Zurückhaltung der IchOrganisation. Krämpfe: Astralisches bleibt zurück. Bei Entstehung von Krämpfen in Magen und Geschlechtsorganen: Schwefelhaltiger Blütentee. Sinnesphysiologie: Auge als Fotoapparat. Affinität der Kieselsäure zum peripherisch Unorganischen. Kiesel treibt astrale Organisation aus. Blüten mit Kieselsäure sind stachelig. Zuckerzufuhr für Sinnesorgane. Alkalische Salze entlasten Nervensystem von astraler Tätigkeit. Zuckernachwirkungen in den Nerven. Kieselsäure drängt nach der Peripherie: Heilmittel: Alkalische Salze, Zucker, Kieselsäure. Kamillenwurzel: Vitalisierung beim Übergang vom Darm ins Blut, Wirkung über Nierentätigkeit auf Nerven-Sinnes-System, Entlastung von astralen Funktionen. Korrektur der plastischen Tätigkeit des Nerven-Sinnes-Systems durch das genannte Heilmittel, wie durch eine Art Phantom. Zu starke Nierentätigkeit gibt Verschleimung, zu schwache: Hämorrhoiden, Menorrhagie. Verhältnis von Ätherleib zum Astralleib mit Eisengehalt regulieren, mehr Harnstoffabsonderung. Schwefelwirkung im Verdauungstrakt. Im Nerven-Sinnes-System helfen Si02 und alkalische Salze. Metalle Eisen, Gold, Kupfer regulieren Gleichgewicht zwischen Schwere und Auftrieb. Eisenwirkung im Verhältnis von Lungen-Herz zu den Nieren. Ungenügende plastische Tätigkeit der Nerven: Organe deformiert. Therapie: Quecksilber, dazu Eisen (rhythmisches System), Schwefel (Stoffwechsel), Alkalische Salze (Nerven-Sinnes-System). Stoffwechselkrankheiten und das Schweflige. Colchicum gegen Struma. Synthetische Präparate.
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| 140 | Es kann sich natürlich nur darum handeln, einiges Methodisches noch mit therapeutischen Zielblicken Ihnen heute darzustellen, wie es sich aus geisteswissenschaftlichen Betrachtungen heraus ergibt. Es ist natürlich nicht möglich, bei der Kürze der Zeit auf Einzelheiten einzugehen. Allein ich denke, für den Anfang der Arbeit, die geleistet werden sollte durch die Geisteswissenschaft in medizinischer Richtung, ist es vor allen Dingen wichtig, daß die Gesichtspunkte etwas deutlich hervortreten. Ich darf sagen, in bezug auf einzelnes Spezielles sind diese Gesichtspunkte sorgfältig angewendet worden bei der Zubereitung unserer Heilmittel. Es wird vielleicht nicht sogleich ersichtlich sein, wie diese mehr allgemeinen Gesichtspunkte im Speziellen ausgebaut werden können, allein ich will mich bemühen, gerade in der Auseinandersetzung des Methodischen heute auf einiges hinzuweisen, das auch nach dieser Richtung immerhin Gedanken liefern kann. Derjenige wird den menschlichen Organismus in seinem gesunden und kranken Zustande — oder besser gesagt für unsere heutigen Zwecke: in seinem Gesundsein und seinem Gesundwerden — nicht eigentlich verstehen können, der nicht berücksichtigt, daß die sogenannten normalen Funktionen im Grunde nur Metamorphosen sind auch derjenigen, die wir hervorrufen müssen, um pathologischen Zuständen zu begegnen. Wir müssen dabei immer Rücksicht nehmen darauf, daß der menschliche Organismus im Innern von Prozessen erfüllt ist, die nicht dieselben sind, wie die sich äußerlich abspielenden. Wir wollen zunächst Rücksicht darauf nehmen, daß schon durch den Verdauungstrakt selbst alles dasjenige, was der,Mensch von außen zum Beispiele aus dem Pflanzenreich aufnimmt, zunächst vorverarbeitet werden muß, damit der Mensch es dann weiter beleben kann. Das Vitalisieren, das Beleben, sagte ich, muß eine eigene Tätigkeit des Menschen sein, und der menschliche Organismus könnte einfach nicht existieren, wenn er diese Belebung nicht vornehmen würde. |
| 141 | Nun müssen wir uns darüber klar sein, daß die Pflanzendecke unserer Erde im Grunde genommen den entgegengesetzten Prozeß durchmacht von dem, der stattfindet im Inneren des Menschen. Wenn wir von einem Vitalisieren sprechen bei dem Wege, den die menschliche Nahrung durch den Organismus macht, gewissermaßen also von einer aufsteigenden Kurve sprechen, von einer Kurve, die aufsteigt zuerst vom wesentlich Unorganischen zu dem Vitalisierten, zu dem Lebenden, von da zu demjenigen, was Träger sein kann der Empfindung, und endlich von da zu demjenigen, was Träger sein kann der Ich-Organisation, wenn wir da also sprechen vom Verarbeiten der Nahrung bis zur Aufnahme auch in den astralischen Organismus, bis zu der Aufnahme in den Träger der Empfindungswelt, so müssen wir von einer zunehmenden Belebung des durch die Nahrung Aufgenommenen sprechen. Bei der Pflanze haben wir eben das Umgekehrte. Bei der Pflanze haben wir zunächst in allen peripherischen Organen, also bei der Entwickelung der Pflanze von unten nach oben, bei dem Hervorrufen des Laubblätterprozesses und des Blütenblätterprozesses, im Grunde einen Entvitalisierungsprozeß. Es wird das Vitale nur für den Samen aufbehalten. Wir haben bei der Pflanze, die wir zunächst anreden — denn wenn wir den Samen im Fruchtknoten anreden, reden wir ja eigentlich schon die nächste Pflanze an, die erst entstehen wird, dasjenige also, was aufgespart wird für die nächste Pflanze —, nicht von unten nach oben einen Vitalisierungsprozeß, sondern die Vitalität wird ausgesogen eben aus demjenigen, was von der Erde aufgespeichert wird aus dem Irdischen von vorjähriger Sonnenwärme, von vorjähriger Sonnenlichtkraft. Wir haben die stärkste Lebenskraft im Wurzelhaften. Und wir haben einen allmählichen Entvitalisierungsprozeß von unten nach oben; und kommen wir an die Blumenblätter heran, namentlich an solche Blumenblätter, welche stark ätherische Öle enthalten, dann haben wir auch in solchen Pflanzen den stärksten Entvitalisierungsprozeß. Wir haben einen Prozeß, der sehr häufig zum Beispiel verbunden ist mit einer wirklichen Verarbeitung des Schwefels, der dann als Stoff auch tatsächlich im ätherischen öle der Blüte enthalten ist oder wenigstens benachbart |
| 142 | ist dem ätherischen öle der Blüte, und der den Vorgang eigentlich bewirkt, der die Pflanze überführt, ich möchte sagen, in das flüchtigste Unorganische, in dasjenige Unorganische, das an sich gewissermaßen noch haften hat das Organische, das Lebendige. Das ist außerordentlich wichtig, daß wir uns darüber klar sind, was wir eigentlich in unseren Organismus einführen, schon wenn wir die Pflanze einführen. Die Pflanze ist begriffen im entgegengesetzten Prozeß gegenüber demjenigen, der im menschlichen Organismus vor sich geht. Und wenn Sie von da ausgehend dann Ihren Blick nach der eigentlichen Erkrankung richten, so werden Sie sich sagen müssen: Eigentlich ist schon das Pflanzliche — und mit den anderen Stoffen der Außenwelt ist es ebenso der Fall, beim Tierischen in einem viel höheren Grade — entgegengesetzt dem, was der Organismus des Menschen in sich entwickelt als Neigung, diesen oder jenen Prozeß hervorzurufen. So daß wir nicht anders können, wenn wir unbefangen hinschauen auf die Ernährung des Menschen, als uns sagen: Wir führen eigentlich mit jeder Nahrung etwas in den menschlichen Organismus ein, was dieser durch und durch umkehren muß. Also im Grunde genommen ist jede Ernährung der Anfang einer Vergiftung. Und wenn wir von einer wirklichen Vergiftung reden, dann müssen wir uns klar sein, daß das nur eine sehr nach dem Radikalen hin gebildete Metamorphose desjenigen ist, was leise schon auftritt, wenn wir nur überhaupt Nahrungsmittel, sagen wir, in das Ptyalin aufnehmen. Und der weitere Fortgang der Verdauung, namentlich was dann bewirkt wird durch dasjenige, was ich Ihnen als Nierentätigkeit angab, der ist durchaus immer eine Entgiftung. So daß wir den Rhythmus einer leisen Vergiftung und Entgiftung einfach durchmachen, indem wir uns täglich ernähren, und indem wir das Ernährte verdauen. Es ist das die leiseste Metamorphose desjenigen, was dann gesteigert ist, wenn wir Heilmittel in den Organismus einführen, und daher ist es natürlich absolut unsinnig, von einer «giftfreien Medizin» zu schwärmen. Das ist selbstverständlich aus dem Grunde ein Unsinn, weil die Frage überhaupt nur die sein kann: In welcher Weise steigern wir dasjenige, was schon bei der gewöhnlichen |
| 143 | Verdauung geschieht, dadurch, daß wir Fremderes als bei der gewöhnlichen Verdauung in den menschlichen Organismus einführen? Nun müssen wir den menschlichen Organismus recht gut verstehen, wenn wir in die Lage kommen wollen, den Wert eines äußeren Heilmittels für diesen Organismus auch zu durchschauen. Gehen wir von etwas aus, was eigentlich fortwährend als ein Heilmittel im menschlichen Organismus vorhanden ist, das ist das Eisen im Blute. Das Eisen im Blute spielt eigentlich fortwährend die Rolle eines Heilmittels und schützt uns vor der Neigung zu einer Erkrankung, die wir in uns tragen. Nun will ich es Ihnen zuerst in der primitivsten Weise darstellen. Sie wissen ja: Wenn unser Gehirn mit seinem Gewicht von 1500 Gramm etwa ruhen würde auf der Gehirnbasis, so würden — nun selbstverständlich — unsere Gefäße an der Gehirnbasis zerdrückt. Es ruht nicht auf der Gehirnbasis, sondern es schwimmt das Gehirn eigentlich im Gehirnwasser und verliert nach dem Prinzipe des Auftriebes so viel von seinem Gewichte, als das Gewicht der verdrängten Flüssigkeitsmasse ausmacht, so daß das Gehirn eigentlich nur mit etwa 20 Gramm auf die Gehirnbasis drückt anstatt mit 1500 Gramm. Dieses Faktum ist von prinzipieller Wichtigkeit, denn es zeigt uns einfach, daß die Schwerkraft nicht das Wirksame ist bei demjenigen, dem die Gehirnfunktionen zugrunde liegen, also zum Beispiel bei der Ich-Tätigkeit. Diese IchTätigkeit und auch zum großen Teile die Vorstellungstätigkeit, insofern sie nicht Willenstätigkeit, sondern Vorstellungstätigkeit ist — ich meine jetzt durchaus das physische Korrelat dazu, die Gehirntätigkeit —, beruht nicht auf der Schwere der betreffenden Materie, sondern auf dem Auftriebe. Es beruht auf der Kraft, welche die Materie von der Erde entfernen will. Wir leben mit unserem Ich und mit unseren Gedanken ja nicht in der Schwere, wir leben eben im Auftrieb drinnen. Hier aber tritt es nur in einer ganz besonders starken Weise zutage, wenn wir die Sache so betrachten. Dasselbe, was für das Gehirn vorhanden ist, ist im Grunde genommen für vieles andere im menschlichen Organismus vorhanden. Vor allem ist es vorhanden für die eisenhaltigen Blutkörperchen, die im Blutwasser schwimmen, und von denen jedes einzelne soviel von |
| 144 | dem Gewicht verliert, als das Gewicht der verdrängten Flüssigkeit beträgt. Nun denken Sie sich: Wenn wir überhaupt mit unserem Seelischen in einem Auftrieb leben, was es dann ausmacht für das ganze Durchfühlen und überhaupt für das ganze Leben im menschlichen Organismus, ob wir eine Anzahl eisenhaltiger Blutkörper mehr oder weniger dadrinnen haben. Mit anderen Worten: Verstehen wir in einem bestimmten Falle, daß dasjenige, was da im Blute einfach durch den Auftrieb der eisenhaltigen Blutkörper vor sich geht, nicht in Ordnung ist, so wissen wir, daß wir in irgendeiner Weise Eisen zuführen müssen, allerdings in einer solchen Weise, die auch möglich macht, daß das Eisen nun auch richtig im Blute zur Tätigkeit kommt, nicht irgendwie anders verwendet wird. Das heißt, geisteswissenschaftlich gesprochen: Wir haben es zu tun mit dem Eisengehalt des Blutes in bezug auf das Verhältnis des ätherischen Organismus zum astralischen Organismus des Menschen. Und wenn Sie verstehen, wie Herz- und Lungentätigkeit alles überführt, was vom Menschen aufgenommen wird, ins Vitalisieren, daß wiederum die Nierentätigkeit das Vitalisieren überführt in den astralischen Organismus, dann werden Sie nicht mehr weit davon entfernt sein, einzusehen, daß da Gleichgewicht herrschen muß. Wenn entweder die ätherische Tätigkeit oder die astralische Tätigkeit zu stark werden, wenn nicht Gleichgewicht herrscht, so muß der ganze Organismus in Unordnung kommen. Das Mittel aber, um dieses entsprechende Gleichgewicht hervorzurufen, um also dem Organismus die Möglichkeit zu bieten, daß er geradesoviel, als notwendig ist, von dem Nahrungsmittel überführt in die Nierentätigkeit, diese Möglichkeit bietet Ihnen die Regulierung des Eisengehaltes im Blute. Und da Sie das eigentlich Dynamische im Blute entweder mit Schwere oder mit Auftrieb begaben, je nachdem Sie den Eisengehalt regulieren, so regulieren Sie damit die gesamte Blutzirkulation, die nun wiederum rückwirkt in die Nierentätigkeit, und Sie haben in dem Überführen von Eisengehalt oder in dem Wegnehmen von Eisengehalt einen wesentlichen Regulator der Blutzirkulationstätigkeit, das heißt der Wechselbeziehung zwischen dem ätherischen und astralischen Organismus des Menschen. |
| 145 | Nun wenden wir das einmal so an, daß wir auf irgend etwas Bestimmtes hinschauen. Nehmen wir einmal an, wir konstatieren in dem menschlichen Organismus, sagen wir, als ein erstes Symptom Blähungen. Ich will hier die primitivsten Dinge herausholen, damit wir uns miteinander verständigen können. Nun, was bedeuten für denjenigen, der den Organismus des Menschen durchschaut, Blähungen? Sie bedeuten, daß in ihm vorhanden sind Luftorganisationen, die zu stark vom astralischen Organismus durchsetzt sind, die sich zu wenig rasch auflösen. Es sind Wirkungen des astralischen Organismus, der ja im Gasmenschen, im Luftmenschen wirkt, es sind Wirkungen des astralischen Organismus im Menschen vorhanden, die gewissermaßen, statt daß sie sich regelmäßig bilden und auflösen, sich ballen. So haben wir ein Überwiegen von astralischer Organisationstätigkeit, die sich physisch ausdrückt im luftförmigen Menschen. Wir haben dieses da, wenn wir Blähungen konstatieren. Dadurch aber, daß die astralische Tätigkeit zu stark ist, dadurch beeinträchtigt sie unsere gesamte Sinnestätigkeit, namentlich die Hauptestätigkeit. Denn dadurch, daß die astralische Tätigkeit sich nicht ordentlich im Organismus verteilt, sondern stockt, wirkt sie nicht ordentlich in den Stoffwechsel hinein, sondern prallt zurück nach dem Sinnes-Nervensystem, mit dem sie mehr verwandt ist. Und so werden wir sehr bald merken, daß auch das Sinnes-Nervensystem nicht ordentlich arbeitet, oder wenigstens wir nehmen an, daß wir einen solchen Symptomenkomplex haben, daß auch das NervenSinnessystem nicht ordentlich arbeitet. Nun muß ich dazu etwas sagen, wenn ich vom Nicht-ordentlich-Arbeiten des Nerven-Sinnessystems spreche. Mit diesem Sinnes-Nervensystem wird eigentlich in der Physiologie Unfug getrieben. Verzeihen Sie, es ist nicht so bös gemeint, ich will mich nur radikal aussprechen, damit wir uns besser verständigen. Sie müssen natürlich alles mit dem bekannten grano salis nehmen, aber wenn ich mich zu kompromißlerisch ausdrücke, dann werden wir uns eigentlich weniger verstehen, also gestatten Sie, daß ich mich radikal über die Dinge ausspreche. Im menschlichen Organismus ist es für eine übersinnliche Betrachtung so, daß, wenn |
| 146 | wir auf irgendeine Funktion, die wir sinnenfällig-empirisch nachweisen können, hinschauen, diese von einem höheren Gesichtspunkte aus das sinnliche Abbild eines Geistigen ist. Der ganze menschliche Organismus ist das sinnliche Abbild eines Geistigen. Aber so einfach, wie man es sich in bezug auf das Sinnes-Nervensystem vorstellt, ist die Wechselwirkung des Geistig-Seelischen und des Physisch-Organischen im menschlichen Organismus wahrhaftig nicht. Sondern da liegt das zugrunde, daß, wenn man nur auf die physische Organisation des Menschen schaut, die Sache eben nicht so ist, wie man so gerne annehmen möchte, daß gewissermaßen die physische Organisation mit Ausnahme des Nervensystems und der Sinne ein Ganzes bildet, und in diese Struktur nun das Nervensystem eingelagert ist, um abgesondert nun zu dienen für das Seelische. Es ist natürlich nicht in dieser Radikalität vorgestellt, aber wenn man dann dasjenige, was man physiologisch als Theorie hat, der praktischen Betrachtung zugrunde legt, so kommt es etwa schon auf das hinaus. Daher besteht so wenig Möglichkeit, über dasjenige heute ein vernünftiges Urteil zu fällen, was man oft funktioneile Krankheiten, Nervenstörungen und so weiter nennt. Im menschlichen Organismus ist eben nichts, was nicht zum ganzen Organismus gehört und in Wechselwirkung steht mit anderen Organen. Es ist nicht ein abgesondertes Nervensystem deshalb da, damit der Organismus sich sonst versorgt, und ihm eingelagert ist — ich weiß nicht durch welche Gottheit — das Nervensystem, damit er eine Seele sein kann. Suchen Sie sich die Belege, Sie können sie im Handumdrehen finden! In erster Linie, primär ist das Nervensystem dasjenige, wovon die gestaltenden, die gestern genannten Rundungskräfte des menschlichen Organismus ausgehen. Die Form Ihrer Nase, die Form Ihres ganzen Organismus ist im Grunde genommen vom Nervensystem aus gestaltet. Das Nierensystem strahlt die Kräfte des Stoffes radial aus, und das Nervensystem ist da, um dem Organismus innerlich und äußerlich seine Formen zu geben, hat zunächst überhaupt nichts mit dem Seelischen zu tun, ist der Gestalter, der Former des menschlichen Organismus innerlich und äußerlich; es ist der Plastiker. Und schon in frühen Stadien der menschlichen individuellen Entwickelung |
| 147 | sondert sich gewissermaßen ein besonderer Teil der Nerventätigkeit ab, den der Organismus nicht für sich verwendet zur Gestaltung, und an den paßt sich das Seelische an — das ist sekundär — und paßt sich immer mehr und mehr an. Und wenn man, ich möchte sagen, dieses Herausreißen eines Stückes Nervenprozesses in den ersten.kindlichen Jahren bemerkt und die Anpassung des seelischen Lebens an diese Gestaltungsprinzipien, dann hat man eigentlich erst den wirklichen empirischen Tatbestand. Es ist wirklich keine Rede davon, daß das Nervensystem durch irgendein Konzil der Götter in den Organismus des Menschen eingegliedert zu werden brauchte und dem Willen-, Gefühls- und dem Gedankenleben zugrunde zu liegen hat. Es ist gar keine Rede davon. Sondern das Sinnes-Nervenleben wird geboren mit einer Art Hypertrophie, davon wird etwas erspart, und an dieses Ersparte paßt sich dann die seelische Tätigkeit an, während das Primäre im Nerven-Sinnessystem das Gestaltende ist. Alle Organe sind aus dem Nerven-Sinnessystem heraus gestaltet. Beginnen Sie, wenn Sie sich dieses empirisch verifizieren wollen, zunächst mit den Sinnen, die in der Haut lokalisiert sind, über die ganze Haut hin ausgebreitet sind, mit dem Wärmesinn, mit dem Tastsinn, und versuchen Sie einmal zu sehen, wie durch diese Sinne die gesamte Formung des menschlichen Organismus plastisch ausgebildet wird, während durch andere Sinne spezielle Organe ausgestaltet werden in ihrer Form. Sogar daß wir sehen, beruht darauf, daß von der Gestaltungskraft, die ursprünglich von dem Sehtrakt ausgeht für die Bildung der Gehirnorgane, etwas übrig bleibt, dem sich dann dasjenige, was wir in der Sehkraft seelisch entwickeln, anpaßt. Bevor man in diesen Dingen nicht ordentlich sieht, wird man überhaupt nicht in der Lage sein, den Menschen ordentlich zu durchschauen, wenn wir einfach nicht wissen, daß, wenn fortwährend Stoffwechsel in uns stattfindet, täglich, jährlich in uns stattfindet, da immerfort unsere Organe erstens versorgt werden müssen durch dasjenige, was von den Nieren ausstrahlt mit dem Radialen, und daß dann die Organe plastisch abgerundet werden müssen. Der Stoff, der durch die Nieren ausgestrahlt wird, muß fortwährend plastisch abgerundet |
| 148 | werden. Das geht durch die ganze Lebenszeit des Menschen von denjenigen Nervenorganen aus, die sich von den Sinnen nach dem Inneren des menschlichen Organismus erstrecken. Es ist einfach eine Anpassung des Seelischen an diesen einzelnen Organtrakt, wodurch dann die höhere Sinnestätigkeit und die Vorstellungstätigkeit und so weiter zustande kommt. Nun, das wird uns bezeugen, daß, wenn wir auf der einen Seite im Symptomenkomplex Blähungen haben und dadurch schon feststellen, daß die astralische Organisation zu stark ist, daß dann dieses Zu-stark-Sein der astralischen Organisation gewissermaßen nach der Gestaltungskraft der Sinne hinlenkt, so daß nach der Peripherie und nach oben beim menschlichen Organismus nicht nur ein Zusammenstauen der astralischen Tätigkeit stattfindet, sondern es werden noch extra diese Gasblasen, die eigentlich Organe werden wollen, abgerundet. Es wird, mit anderen Worten, durch eine zu starke Nierentätigkeit fortwährend im oberen Menschen der Versuch gemacht, die Ich-Organisation nach oben zurückzuhalten, alles dasjenige, was durch das Blut in den Organismus hineinkommt, nicht wieder in der entsprechenden Weise zurückzulassen. Und wir werden daher sehr häufig mit diesem Komplex, von dem ich jetzt spreche, verknüpft finden, sagen wir, Krämpfe, die ja darauf beruhen, daß das Astralische nicht in ordentlicher Weise hineingeht in den übrigen Organismus. Wenn es oben stockt, so geht es in den übrigen Organismus nicht hinein. Wir merken in dem übrigen Organismus krampfartige Erscheinungen, die immer darauf beruhen, daß das Astralische zurückbleibt. In diesem Falle bleibt es zurück, und wir können jetzt, wenn wir einen solchen Symptomenkomplex innerlich, gewissermaßen zunächst mit Zuhilfenahme des Übersinnlichen schauen, dasjenige, was wir äußerlich schauen, auf dieses innerlich Geschaute beziehen. Denken Sie sich, es wird oben aufgehalten das Astralische, dadurch der ganze Stoffwechsel nach oben gezogen, der astralische Leib versorgt die Nierenorgane nicht ordentlich, vor allem den Magen dann nicht; der Magen, der zu wenig von der astralischen Organisation bekommt, der wehrt sich: Sie sehen äußerlich Koliken und Magenkrämpfe. Oder es treten charakteristische Krämpfe in den |
| 149 | Geschlechtsorganen auf, weil eben die Geschlechtsorgane nicht ordentlich astralisch durchorganisiert werden; oder es treten Stockungen in der Periode auf, weil die Ich-Tätigkeit oben zurückgehalten wird. Jetzt fragen wir uns: Wie können wir bei solchen Unregelmäßigkeiten eingreifen? Sehen Sie, am besten ist es eigentlich, wenn man sich darüber klar ist, daß die Zaubernamen, die wir den Krankheiten geben, eigentlich wirklich nur zur konventionellen Verständigung dienen, daß es darauf ankommt, tatsächlich überall dasjenige zu sehen, was sich da zusammengruppiert und eigentlich ineinandergruppiert aus einzelnen Symptomen. Aber wir müssen diese Symptome werten können. Nun, denken Sie sich einmal, wir blicken jetzt hin auf dasjenige, was als Funktion gewissermaßen haftet an einer schwefelhaltigen Blüte. Ich will also sagen: Wenn wir eine Blüte haben, die etwas schwefelhaltig ist, so bedeutet das, daß da ein sehr starker Prozeß ins Unorganische stattfindet, an dem aber noch das Organische haftet. Bringen wir jetzt eine solche Blüte, oder bringen wir selbst nur den Schwefel, der hergestellt ist aus einer solchen Pflanzenblüte, als Heilmittel in den menschlichen Organismus, dann kommen wir dazu, vor allen Dingen dasjenige, was im Verdauungstrakte vorgeht, zu einer größeren Tätigkeit aufzurufen. Wir rufen das zu einer größeren Tätigkeit auf. Dadurch wird, weil, wie ich gesagt habe, im Grunde genommen in der Pflanze ein Entvitalisierungsprozeß stattfindet, der umgekehrt werden muß, schon der Magen, aber dann namentlich die Darmtätigkeit angeregt durch schwefelhaltigen Blütentee. Und dadurch wird wiederum mittelbar dasjenige, was als Unregelmäßigkeit eingetreten ist mit Bezug auf die Nierentätigkeit, zu einer starken Reaktion aufgerufen, und wir haben zunächst — allerdings vielleicht in einer nur vorübergehenden Art, weil die Dinge, die so wirken, meist nur vorübergehend sind, aber wenn wir dem Organismus eine Zeitlang helfen, so hilft er sich in den meisten Fällen dann selber — die Möglichkeit, dieses Stocken nach oben durch einen starken Gegendruck nach unten auszugleichen, die astralische Organisation gewissermaßen wieder in den Verdauungstrakt herunterzurufen, was sich dadurch zeigen wird, daß die Koliken und Magenkrämpfe verschwinden. Aber das allein |
| 150 | genügt wohl nur in den seltensten Fällen. Es genügt vielleicht dann, wenn schwache Magenkrämpfe auftreten. Wir sollen niemals den Organismus überreizen, wo wir ein schwächeres Heilmittel verwenden können, niemals ein stärkeres anwenden. Nehmen wir an, wir haben es mit einem solchen Symptomenkomplex zu tun, den ich eben charakterisiert habe, und wir wollen zunächst unser Augenmerk, weil die Störung eine sehr starke ist, darauf richten, daß der übermäßig tätige astralische Leib durch eine starke Nierentätigkeit in Anspruch genommen ist, daß der in die Sinnesorganisation stark hineinwirkt, so daß diese in einer gewissen Weise geschwächt und untergraben wird. Sie wird nicht eigentlich als Sinnesorganisation untergraben, aber der astralische Organismus wirkt stark hinein, so daß gewissermaßen die gestaltende Kraft der Nerven-Sinnesorganisation übertönt wird durch die bloße Tätigkeit des astralischen Organismus. Die Sinnesorgane, oder überhaupt die Sinnes-Nervenorganisation ist nicht weniger tätig, aber sie ist nicht in ihrer ureigenen Art tätig als Nerven-Sinnesorganisation, sondern sie nimmt gewissermaßen die Organisation des astralischen Organismus an und ist so tätig, wie selbst der astralische Organismus tätig ist; das heißt, sie wirkt nicht in der richtigen Weise plastisch. Wir müssen etwas anwenden, wodurch wir die astralische Tätigkeit aus der Sinnes-Nervenorganisation herausbekommen. Das können wir nicht anders, als wenn wir dasjenige anwenden, was auf die SinnesNervenorganisation wirkt, die ja am meisten in Beziehung steht zur Außenwelt, die auch im Menschen als Organisation dem Unorganischen am verwandtesten ist. Die Sinnesphysiologie ist ja deshalb so glücklich, weil sie sehr vieles unorganisch, das heißt rein physikalisch oder höchstens noch chemisch erklären kann bei den Sinnesorganen. Denken Sie, wieviel im Auge reine Optik ist! Man kann so hübsch zeichnen im Auge, wenn man das Auge als eine Art photographischen Apparat auffaßt. Ich will dadurch nur hindeuten, wie wir gerade durch die Sinnesorgane der Außenwelt zugeordnet sind, wie wir in unseren Sinnen Golfe haben, durch die sich die Außenwelt in uns hineinerstreckt gerade durch das Unorganische. |
| 151 | Nun werden wir, wenn wir zu unterstützen haben diese spezifische Sinnes-Nerventätigkeit, das sehr gut können durch alles dasjenige, was entweder in den menschlichen Organismus als Kieselsäure eingeführt wird, denn die Kieselsäure hat eine Affinität zu diesem peripherisch Unorganischen. Wir treiben gewissermaßen die astralische Organisation heraus durch dasjenige, was gerade in alledem, was dem Kiesel zugrunde liegt, so außerordentlich stark auch äußerlich hindrängt zum Unorganischen. Wenn Sie in irgendeiner Blüte Kieselsäure finden, so werden Sie immer entdecken, wie diese Blüte stachelig wird, wie sie ins Unorganische hindrängt. Und dadurch kommen wir dazu, die Sinnesorgane zu entlasten auf der einen Seite durch dieses Kieselige, auf der andern Seite dadurch, daß wir dem Organismus in einem solchen Zustande mehr Zucker zuführen, als er gewöhnlich hat. Der Zucker ist auch etwas, was im menschlichen Organismus so verarbeitet wird, daß diese Verarbeitung dem Unorganischen am nächsten steht, so daß alles dasjenige, was an Zucker zugeführt wird, ebenfalls die Sinnesorgane entlastet. Wenn Sie dann noch irgendwie dazu in der Lage sind, so können Sie das dadurch unterstützen, daß Sie alkalische Salze zuführen, die insbesondere das Nervensystem entlasten von der astralischen Tätigkeit. Das sind solche Dinge, die Sie durch empirische Versuchsreihen nachweisen müssen. Die Geisteswissenschaft macht es dadurch möglich, zu regulativen Prinzipien zu kommen, weil man zum Beispiel in der Tätigkeit, die sich entwickelt im intuitiven Erkennen, die Nachwirkungen des Zuckers ganz besonders sieht in jenen Teilen des menschlichen Nervensystems, die von dem Zentralnervensystem zu den Sinnen gehen; schaut man die Nachwirkungen der Kieselsäure, so sieht man, daß sie geradezu hindrängt nach dem Peripherischen, das sich in den Sinnen entwickelt. Aber diese Dinge können ja verifiziert, diese Dinge können nachgeprüft werden. Und so wirken Heilmittel, welche einfach zusammengesetzt sind aus alkalischen Salzen, die sehr stark die Nerventätigkeit entlasten von dem astralischen Wesen, Zucker, der natürlich nicht in dem gewohnten Maße zugeführt werden darf, sondern in einem ungewohnten, auf das ich |
| 152 | gleich hindeuten werde, und Kieselsäure. Die wirken, wenn dieser Symptomenkomplex in einem hohen Grade vorhanden ist, den ich charakterisiert habe. In der besten Weise sind die Substanzen, von denen ich jetzt gesprochen habe, dann in ihren Heilmitteln, wenn Sie einfach verwenden die Wurzel der Kamille, die Sie in entsprechender Weise auskochen. Es könnte Ihnen sonderbar erscheinen, daß ich gerade von der Wurzel spreche, aber die Gesichtspunkte durchkreuzen sich, und wir müssen uns klar sein, daß wir, wenn die Symptome stark vorhanden sind, am wenigsten den Schwefel brauchen und dasjenige, was der Blütenorganisation entnommen ist. Was wir aber brauchen, das ist dasjenige, was die Pflanze noch stark vitalistisch enthält, so daß der Weg ein langer sein muß, um die Gegenwirkung stark genug zu machen. Wenn wir dasjenige, was in der Wurzel der Kamille enthalten ist von den charakterisierten Substanzen, in den Verdauungstrakt hineinbringen in der entsprechenden Dosierung, dann ist die Gegenwirkung in diesem Falle nicht stark genug, um die Vitalisierung schon eintreten zu lassen beim Übergang vom Darm ins Blut, sondern es wird einfach durchgedrängt in unverarbeiteter Weise namentlich dasjenige, was in Zucker und Kieselsäure liegt, aber auch dasjenige, was in den alkalischen Salzen liegt. Die Nierentätigkeit hat dadurch Gelegenheit, das in ihre Strahlungen aufzunehmen, so daß die Nierentätigkeit hinwirkt nach der Nerven-Sinnestätigkeit diese Stoffe, die da empfangen werden. Dadurch wird die Nerven-Sinnestätigkeit entlastet von den betreffenden astralischen Funktionen. Wenn man so etwas durchschaut, tatsächlich sieht, wie gerade, wenn man in einer solchen Weise therapeutisch vorgeht, dadurch am gesundendsten gewirkt werden kann, dann wird einem solch ein Hergang ganz besonders lehrreich. Man kann dann auf andere Dinge leicht geführt werden. Man kann gewissermaßen sehen, wie dasjenige, was aufgenommen wird, in der menschlichen Organisation umgewandelt wird, wie sich dann betätigt die Nierentätigkeit, die eigentlich nun dasjenige aufnimmt, was ihr von den Blutbahnen zugeführt wird und es ausstrahlt, und wie dann die plastische Tätigkeit zurückwirkt; |
| 153 | wie dann diese plastische Tätigkeit in ihrer Reinheit hergestellt wird durch Kieselsäure, Zucker und alkalische Salze. Und man möchte sagen: Für die übersinnliche Anschauung bildet in der richtigen Vermengung, intuitiv angeschaut, Kieselsäure, alkalische Salze und Zucker eine Art menschlichen Phantoms. Man hat etwas wie ein Phantom vor sich, wenn man diese Stoffe in ihrer bildenden Kraft vorstellt. Denn sie sind vorzugsweise Plastiker, diese Stoffe, sie tragen Plastik in sich. Bis in die äußere physische Gestaltung hinein wird einem das durch dieses Durchschauen klar. Die starke Wirkung der Kieselsäure zunächst beruht darauf, daß die Kieselsäure die Tendenz hat, sich in langen Kristallen auszugestalten, wenn sie im unorganischen Felde auftritt. Dasselbe, was man mit der Kieselsäure erreichen kann, könnte man nicht erreichen mit anderen Stoffen, die die Tendenz haben, sich in mehr runden, in nicht in die Länge gezogenen Kristallen auszubilden. Mit solchen Stoffen könnte man vielleicht einen Igel kurieren, aber nicht den Menschen, der einfach in seinem Wachstumsprinzipe die Tendenzen hat, daß er in die Länge gezogen ist. Wer nicht Sinn hat für dieses Künstlerische in der Natur, das den Organismus gestaltet, das ihn gestaltet vorzugsweise aus der NervenSinnestätigkeit heraus, der kann nicht rationell die Beziehungen finden, die zwischen den äußeren Substanzen bestehen und zwischen dem, was im menschlichen Organismus vor sich geht. Aber es gibt eine solche rationelle Therapie, die einfach zusammenschaut dasjenige, was draußen vor sich geht und im menschlichen Organismus abgebaut wird, von der Nierentätigkeit ausgestrahlt werden kann, und übernommen werden kann von der plastischen Tätigkeit des Nerven-Sinnesorganismus. Nehmen wir einmal irgendein anderes Beispiel. Nehmen wir an, statt der zu großen, zu stark ausstrahlenden Nierentätigkeit hätten wir eine zu schwache Nierentätigkeit, das heißt, es würde zu wenig von den Nahrungsmitteln in die AstraHtät hinein aufgesogen. Alles dasjenige, was ich in dem vorigen Symptomenkomplex hingestellt habe, rührt von einer zu starken Hineinwirkung in den astralischen Organismus her, weil er im oberen Menschen tätig ist und |
| 154 | sich zurückhält von der Verdauungstätigkeit, von der Herztätigkeit, Lungentätigkeit, und als eine Begleiterscheinung dieses genannten Symptomenkomplexes treten Verschleimungen auf und anderes, das Sie sehr leicht überschauen können. Also da haben wir es zu tun mit einer zu starken astralischen Tätigkeit. Nehmen wir an, wir haben es im Gegenteile zu tun mit einer zu schwachen astralischen Tätigkeit. Die Nierentätigkeit strahlt zu wenig, nicht genügend, so daß tatsächlich der astralische Organismus des Menschen nicht geeignet ist, dasjenige zu liefern, was er der gestaltenden Kraft, in sie einschlagend, liefern soll. Die gestaltende Kraft kann sich nicht hineinarbeiten bis zum astralischen Organismus. Der kommt nicht genügend an die Peripherie, so daß kein reger Kontakt eintritt zwischen der gestaltenden Kraft und zwischen der Kraft des Nahrungsmittel-, des Stoffumlaufes, der Stoffverteilung. Der Stoff wird verteilt, ohne von der gestaltenden Kraft in Anspruch genommen zu werden. Es ist eine zu geringe plastische Kraft vorhanden, der Stoff wird seinem eigenen Leben überlassen, der astralische Leib bleibt zu flüchtig, er arbeitet nicht ordentlich in der Verarbeitung des Stoffes. Sehen Sie, solch eine Sache können wir durchaus auch als einen Symptomenkomplex betrachten. Wie wird er ausschauen, dieser Symptomenkomplex? Nun ja, vor allen Dingen dasjenige, was in den Blutbahnen läuft, das wird nicht in der richtigen Weise aufgenommen von der zu schwach wirkenden Nierentätigkeit, das heißt, von der zu schwach wirkenden astralischen Organisation. Es fällt gewissermaßen herunter. Die Hämorrhoiden sind da, die zu starke Periode ist da. Der Kontakt fehlt, und der Stoffwechsel verfällt in sich selber. Namentlich treten dann, wenn diese Lage des Organismus vorhanden ist, sehr leicht so eine Art okkulter Fieberzustände ein, sogar Wechselfieberzustände. Nun, sehen Sie, jetzt handelt es sich darum: Wie kommen wir einem solchen Symptomenkomplex bei? Da haben wir eine zu schwache Tätigkeit des astralischen Organismus. Da haben wir nötig, diese Nierentätigkeit anzuregen, damit genügend aufgesogen wird von Stoff durch die Nierentätigkeit in den astralischen Organismus. Nun, hier tritt dasjenige ein, was ich schon angedeutet habe. Wir |
| 155 | stellen am besten jetzt das Gleichgewicht zwischen ätherischem und astralischem Organismus her. Dann bekommen wir einfach aus dem, was vom Verdauungstrakt in das Herz-Lungensystem hineinkommt, in der richtigen Weise den Übergang zur Nierentätigkeit hin. Wir bekommen eine Art Gleichgewicht, aber das können wir gerade regeln, indem wir nun in sehr vielen Fällen den Eisengehalt des Organismus regulieren, der die Zirkulation reguliert, und zwar dadurch, daß er nun tatsächlich eine starke innere Nierentätigkeit hervorruft, was sich auch äußerlich nachweisen lassen wird in einer Veränderung der Harnstoffabsonderungen sowohl durch die Nieren als auch durch den Schweiß der Haut. Das wird sich durchaus darstellen lassen. Und wir müssen natürlich in sehr vielen Fällen uns klar sein, daß immer dieses Gleichgewicht ein außerordentlich labiles ist, und daß eigentlich nur in den gröbsten Fällen das Heilmittel, um das es sich da handelt und das wir schon in uns haben, hilft. Aber während im Verdauungstrakt vorzugsweise die Dinge Hilfen sind, die also irgendwie Schwefel enthalten, während im Nerven-Sinnessystem, das wir jetzt als gestaltendes Prinzip auffassen, solche Stoffe vorzugsweise Hilfen sind wie Kieselsäure und alkalische Salze, sind die reinen Metalle dasjenige, was in der richtigen Weise das Gleichgewicht zwischen Schwere und Auftrieb reguliert. Wir müssen nur ausprobieren, wie wir sie zu verwenden haben, um eben in der mannigfaltigsten Weise das gestörte Gleichgewicht zu erhalten, ausgehend vom Eisen. Bald wird es das Gold sein, bald wird es das Kupfer sein, je nachdem der Symptomenkomplex ist. Aber wir werden, wenn wir hier festliegen durch die Erkrankungsform des menschlichen Organismus, mit den reinen Metallen das Wichtigste erreichen können. Und wenn es sich darum handelt, daß das Wechselverhältnis zwischen Formierung und Deformierung ein solches ist, daß eine zu geringe Formierung geschieht und diese organisch wird, wenn also zunächst dieses Verhältnis zwischen Lungen-Herzsystem und Nierensystem nicht in Ordnung ist, so kommen wir dem, wenn die Sache wirklich so Hegt, sogar am besten mit dem Eisen bei. Aber wenn die Sache so liegt, daß durch längere Störungen in diesen Prozessen schon Organe deformiert sind, weil die plastische |
| 156 | Tätigkeit nicht herunter kann zu diesen Organen, wenn also Organe schon deformiert sind, schon gelitten haben unter dem Mangel der plastischen Tätigkeit, dann müssen wir, sagen wir, Quecksilber anwenden. Das Quecksilber ist dasjenige, was dadurch, daß es schon Formkräfte, die metallisch haltbare Tropfenform in sich hat, ganz besonders wirksam ist auf die unteren Organe des Menschen. Ebenso kann man gewisse Zusammenhänge finden zwischen Metallen und den angegriffenen, deformierten Hauptesorganen, sagen wir, wenn das Nervensystem selber angegriffen ist. Hierbei aber ist es gut, wenn wir uns nicht allein verlassen auf die Herstellung des stabilen Gleichgewichtes gegenüber dem Schwanken des Gleichgewichtes. Das ist außerordentlich schwierig. Es ist so wie bei einer sehr empfindlichen Waage mit diesem Gleichgewicht: Wir versuchen auf jede Weise, den Waagebalken ins Gleichgewicht zu bringen, es geht sehr schwer. Wir kriegen es aber leichter zustande, wenn wir nicht bloß an dem Waagebalken herumwerkeln, sondern wenn wir an den Schalen herumwerkeln. Den Gleichgewichtszustand können wir dadurch erreichen, daß wir zum Beispiel die Eisenwirkung unterstützen dadurch, daß wir Schwefelhaltiges in den Verdauungstrakt einführen und dem die Gegenwirkung geben durch alkalische Salze in dem Nerven-Sinnesorganismus. Dann haben wir in dem mittleren Menschen, in dem rhythmischen Menschen das Eisen wirksam — es verteilt sich dann das wunderschön —, wir haben im Nerven-Sinnesorganismus Kalium und Kalzium oder alkalische Salze wirksam, und wir haben im Verdauungsrhythmus das Schwefelige wirksam. Dadurch kriegen wir besser zustande die Herstellung des Gleichgewichtes. Nun ist sehr merkwürdig, daß wir da den entgegengesetzten Zustand in den Blättern gewisser Pflanzen haben. Wenn Sie zum Beispiel die Blätter der Urtica dioica richtig zubereiten — es müssen aber die Blätter sein der Urtica dioica, der gewöhnlichen Brennnessel —, so haben Sie darin das Heilmittel, das aus Schwefel, Eisen und den nötigen Salzen besteht, die in dieser Weise wirken. Man muß nur imstande sein, wirklich zusammenzuschauen die entvitalisierende Kraft, die in der Pflanze vorhanden ist, und die vitalisierende |
| 157 | Kraft, die im menschlichen Organismus vorhanden ist. Tatsächlich ist es bei Urtica dioica so, daß in der Wurzel der ganze Schwefelprozeß allmählich nach dem Unorganischen hingeht. Der menschliche Organismus nimmt den umgekehrten Gang, setzt den Schwefel auf dem Umweg durch das Eiweiß so um, daß er allmählich die Verdauung in Ordnung bringt. Das Eisen in Urtica dioica wirkt von den Blättern aus schon dahingehend, daß Urtica dioica auch im Samen und dadurch wiederum in den nächstjährigen Blättern eben dasjenige auseinanderschmeißt, was den rhythmischen Prozeß im menschlichen Organismus zusammenbringt. Es ist der entgegengesetzte Prozeß in Urtica dioica. Und es ist tatsächlich so: Was Sie da in der Urtica dioica angreift von den Blättern aus, das ist dieses Zerstörende, das überwunden werden muß, wenn der rhythmische Prozeß im menschlichen Organismus in Ordnung kommen soll. Und wiederum dasjenige, was Sie da in der Pflanze drinnen haben an alkalischen Salzen, das ist am allerwenigsten umgewandelt in Anorganisches, das hat daher den längsten Weg zu nehmen, geht bis zu der Nerven-Sinnesorganisation, geht leicht hinauf, weil wir ja ohnehin wissen, daß bei dem Symptomenkomplex, den wir im Auge haben, die Nierentätigkeit schläft und unterdrückt ist. Und wir haben im menschlichen Organismus wirklich die entgegengesetzte Verteilung desjenigen, was sich äußerlich an der Pflanzenbildung darlebt. Aber es braucht durchaus nicht so zu sein, daß wir uns mit den Pflanzenheilmitteln bloß begnügen, wir können auch synthetische Heilmittel herstellen, indem wir in einer entsprechen den Dosierung zusammenbringen die Stoffe, die ich eben charakterisiert habe, und können auch dadurch Heilungen hervorrufen. Das sind die Dinge, die tatsächlich die Therapie allmählich in eine rationelle Wissenschaft beziehungsweise Kunst umwandeln kann, denn ganz Wissenschaft wird das ebensowenig werden, wie man, ohne Künstler zu sein, Bildhauer werden kann. Man kann viel wissen darüber, wie man den Spachtel führt, wie man den Lehm formt, aber es ergibt sich immer etwas, was ins Künstlerische hinübergeht. Ohne das ist eine Therapie auch nicht zu erreichen. Man muß es, ich möchte sagen, in die Hand kriegen — natürlich in die |
| 158 | geistige Hand —, die Dosierung zu machen. Das ist ja natürlich etwas, was sehr vielen, die geradezu umwandeln möchten die Medizin in eine reine Wissenschaft, durchaus nicht paßt, aber es ist eben doch so. Nun mochte ich Ihnen noch durch ein Beispiel andeuten, was noch eintreten kann. Es kann schon das vorhanden sein, daß eine Störung des entsprechenden Zusammenwirkens zwischen dem, was der menschliche Organismus als Unorganisches erzeugt, als Vorbereitung zum Organisieren, und dann dem Eingreifen des Ätherleibes, dem Eingreifen der Herz-Lungentätigkeit, auftritt. Diese Störung ist sogar immer wahrscheinlicher in der menschlichen Entwickelung, je älter man wird. Da arbeiten der Verdauungstrakt und das Gefäßsystem nicht ordentlich zusammen. Wenn das eintritt, dann hat man vor allen Dingen nötig zu achten darauf, daß die Folge davon eine Ansammlung von Stoff Wechselprodukten ist. Natürlich, wenn die Sache nicht ordentlich in den Organismus sich ausbreitet, so haben wir es mit einer Ansammlung von Stoffwechselprodukten zu tun. Wir kommen da hinein in das ganze Gebiet der Stoffwechselkrankheiten von den leichtesten bis zu den schwersten Formen. Und da müssen wir uns klar sein, daß auch dann die Nierentätigkeit nicht in Ordnung ist, aber deshalb, weil sie für ihre Ausstrahlung nichts kriegt, weil schon vorher die Sache sich staut. Und wir haben es mit sehr komplizierten Krankheitsformen da zu tun, auf der einen Seite damit, daß von der Verdauungs- und von der Nierentatigkeit nichts geliefert wird, um Material zu gewinnen für die plastizierende Tätigkeit, auf der anderen Seite haben wir es durch ein Verkümmern der plastischen Tätigkeit mit einer Störung des organischen Gleichgewichtes von der anderen Seite her zu tun, so daß die Plastik allmählich auch fehlt. Die Stoffwechselprodukte breiten sich aus im Organismus, aber sie in die Plastik hereinzukriegen, sie als Bildungsmaterial zu verwenden, das hört allmählich ganz auf. Und wir bekommen die recht schwer zu bekämpfenden Stoffwechselkrankheiten, die dadurch eben behandelt werden müssen, daß wir versuchen, alles dasjenige, was, ich möchte sagen, eben verwandt ist dem Unorganisch-Werdenden, also was verwandt ist dem Schwefeligen, |
| 159 | dem Phosphorigen, was in Pflanzenblüten benachbart ist oder verbunden ist den ätherischen ölen, daß wir das versuchen zur Wirksamkeit zu bringen im Verdauungstrakt und dann auch im HerzLungentrakt, so daß wir den Organismus zu einer Nierentätigkeit bringen und dadurch den plastischen Kräften aufhelfen. Gerade für diese Krankheit ist es von großer Bedeutung, daß wir herankommen können an den Verdauungsapparat. Nierentätigkeit und Schweißabsonderung sind in gewisser Beziehung polarische Gegensätze, hängen innig zusammen. Und wir werden immer konstatieren können, wenn die Nierentätigkeit nicht ordentlich beschäftigt ist durch dasjenige, was ich Ihnen jetzt charakterisiert habe, so findet auch ein Zurücktreten in der Schweißtätigkeit statt. Und auf dieses Zurücktreten der Schweißtätigkeit sollten wir eigentlich recht aufmerksam sein. Denn überall, wo das nicht in Ordnung ist, ist auch die Nierentätigkeit nicht in Ordnung. Und in der Regel ist bei zurücktretender Schweißtätigkeit die Nierentätigkeit so, daß sie ist wie eine Maschine, die nichts zu verarbeiten hat und die dennoch tätig ist, währenddem sich vorher schon gestaut hat dasjenige, was von den Nahrungsmitteln herkommt und sich eben ausbreitet auf eine unrechtmäßige Weise im menschlichen Organismus. Und wenn es uns gelingt, durch äußere oder innere Schwefelkuren — wir können da von beiden Seiten wirken, weil wir ja sowohl von Seiten der Haut wie von Seiten der Nieren wirken können — den Verdauungstrakt so stark anzuregen, daß er seinerseits die Herz-Lungentätigkeit anregt, so daß die Nierentätigkeit das Material wiederum auffängt, bekommt, so daß es nicht vorher liegen bleibt, sondern hineingestoßen wird in die Nierentätigkeit, dann kann es uns schon gelingen, auch der Stoffwechselkrankheiten Herr zu werden. Aber wir müssen uns bei alledem ganz klar darüber sein, daß wir es im menschlichen Organismus wirklich zu tun haben mit etwas, was nicht, ich möchte sagen, ganz geheilt sein will, sondern nur angeregt sein will zur Heilung. Das ist von ungeheurer Wichtigkeit. Der menschliche Organismus will eigentlich im kranken Zustande angeregt werden zur Heilung. Und wenn wir die Heilung dauernd |
| 160 | machen wollen, müssen wir uns eigentlich darauf beschränken, Anregungen zu geben zur Heilung. Denn eine Heilung, die scheinbar glatt verläuft, führt leichter zu Rückfällen, als eine Krankheit, die angeregt ist zur Heilung. Der Organismus hat sich zunächst eingewöhnt in den Heilungsgang und setzt ihn fort durch seine eigene Tätigkeit. Dadurch verbindet er sich viel intimer damit, bis die Reaktion wieder aufkommt. Aber zunächst findet eine Art von Eingewöhnung statt. Und wenn wir uns anpassen eine Zeitlang in unserem Organismus an den Heilprozeß, so ist das die allerbeste Heilung. Denn dadurch nimmt der Organismus wirklich dasjenige auf, was im Heilungsprozeß in ihn versetzt worden ist. Ich konnte Ihnen auf diese Weise nur einige methodische Anregungen geben, aber Sie sehen ja, daß es sich handelt darum bei dem, was ich geisteswissenschaftliche Durchleuchtung der Physiologie, Pathologie, Therapie nenne, nun wirklich ernst zu machen damit, daß der Mensch eben nicht ein isoliertes Wesen ist, sondern dem ganzen Kosmos angehört, und daß man eben für irgendeinen Prozeß, der im Menschen in einer gewissen Richtung, sagen wir, in einer aufsteigenden Kurve stattfindet, außerhalb des Menschen die absteigende Kurve suchen muß. Dadurch werden wir ausgleichend wirken können auf die zu stark aufsteigenden Kurven und so weiter. Medizin ist eben etwas, was erfordert, daß man in einem gewissen Sinn schon die ganze Welt kennt. Denn ich konnte Ihnen natürlich nur einen winzigen Ausschnitt geben, aber dieser winzige Ausschnitt wird Sie aufmerksam machen, daß Sie noch in einer ganz anderen Weise kennenlernen müssen Urtica dioica, Colchicum autumnale, oder irgendeine Pflanze, als das heute erfordert wird. Sie müssen es der Pflanze ansehen, wohin sie in ihrer absteigenden Tendenz will. Wenn Sie also an Colchicum autumnale herankommen, so müssen Sie durchschauen, daß erstens die Jahreszeit, in der das Colchicum autumnale erscheint, eine gewisse Bedeutung hat für die ganze Struktur. Dadurch ist eine gewisse Beziehung hergestellt zu dem Entvitalisieren. Daß da ein sehr geringes Entvitalisieren stattfindet bei Colchicum autumnale, das sehen Sie der Farbe der Blüte an, und sehen Sie an der Jahreszeit. Wenn Sie dann die Versuche machen, wie Colchicum |
| 161 | autumnale helfen könnte, dann werden Sie die Erfahrung machen, daß sich der Organismus bis weit hinauf anstrengen muß, um die entgegengesetzte Vitalisierung wieder zu bewirken, um also die Pflanze erst tot zu kriegen, dann sie wieder lebendig zu machen, wenn ich mich primitiv ausdrücken darf. Und dieser ganze Prozeß spielt sich bis herauf in die menschliche Schilddrüse ab. Und Sie können nun die Versuchsreihen anstellen, wie Colchicum autumnale ein Heilmittel wird gegen Schilddrüsenvergrößerung. Wirklich, es handelt sich nicht darum, in einer wüsten, dilettantischen Weise zu schimpfen über die heutigen wissenschaftlichen Methoden, sondern darum, wiederum Richtungen anzugeben, die nun wirklich zu einer praktischeren Verwertung führen als das reine Probieren. Ich will gar nicht sagen, daß das reine Probieren nicht eben auch zum Ziele führen kann. Es führt auch zu Zielen. Aber vieles entgeht uns vollständig. Namentlich entgeht uns vieles von dem, was wir der Natur absehen. Es ist halt doch gut, selbst wenn man synthetisch ein Präparat herstellen kann, das aus Eisen, Schwefel und Alkali besteht, wenn man weiß, wie das in einer bestimmten Pflanze drinnen durch die Natur selbst in einer gewissen Weise synthetisch zusammengebracht ist, so daß man auch für die synthetische Herstellung außerordentlich viel lernen kann, wenn man versteht, was draußen in der Natur vor sich geht. Nun, es würde ja sehr reizvoll sein, für manches ins einzelne zu gehen. Ich denke, das werden die ärztlichen Freunde gerade vielleicht in einem der Vorträge für das eine oder andere getan haben. Manches findet sich auch in unserer Literatur. Manches andere ist so, daß ich gerne wünschen möchte, daß es sich in unserer Literatur recht bald finden würde. Denn ich bin überzeugt, daß, sobald sich die Dinge in ordentlicher anschaulicher Darstellung, ohne daß man sich geniert, auf die Dinge loszugehen, in unserer Literatur finden, dann werden sich die Leute auf den Standpunkt stellen: Nun, heilen muß ich ja doch, wenn ich Arzt sein will, und da wende ich mich auch zu dem, was mir zunächst antipathisch ist; wenn es hilft, dann werde ich doch auch nicht anders können, als dasjenige, was da in der Literatur steht, auch mitzunehmen. |
| 162 | Und so meine ich, wäre es schon gut, wenn wir möglichst bald eine die Geisteswissenschaft und die sinnenfällige Wissenschaft überbrückende Literatur hätten. Die wird uns dazu helfen, daß das Urteil entsteht: Ja, helfen tut es, also kann es kein so furchtbarer Kohl sein. — Und ich bin ganz überzeugt, wenn die Sache einmal ordentlich im Gang ist, dann wird das Urteil aufkommen: Es hilft! — Und darauf eigentlich möchte ich mich verlassen. Probieren Sie es, und Sie werden sehen, es wird helfen. Und das wird doch auch von einiger Wichtigkeit sein, denn auch in dem, was von der offiziellen Medizin verwendet wird, gibt es doch vieles, was nicht hilft. Und in dem Kampfe zwischen dem, was nicht hilft und demjenigen, was hilft, wird sich dasjenige abspielen müssen, was wir gerade vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft gar sehr herbeiwünschen. |