Die Inkarnatfarbe
I DER EINSATZ FÜR EINE GEISTGEMÄSSE WISSENSCHAFT DER FARBEN
Texte von Rudolf Steiner und anderen zu den Themen:
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Man muß die Fleischfarbe verstehen, das Inkarnat,
dann kann man auch die anderen Farben verstehen.1
Über das Inkarnat, die menschliche Fleischfarbe, äußerte Rudolf Steiner
verhältnismäßig wenig. Aber dieses Wenige weist auf das tief Rätselhafte
dieser Lebenserscheinung.
Sicherlich ist es nicht zufällig, daß die erste ausführliche Darstellung
geisteswissenschaftlicher Erforschung des Inkarnates in dieselbe Zeit
fällt, in der Rudolf Steiner im Mittelmotiv der kleinen Kuppel an dem
Antlitz des Menschheitsrepräsentanten malte. Es ist, wie wenn in dieser
malerischen Darstellung dasjenige noch eine unsichtbar-sichtbare Erhöhung erfahren hätte, was er als das Grundgesetz sowohl der Natur- wie
Geistesordnung in allen Lebensbereichen erforschte und das im ganzen
Bau und im besonderen noch in der Holzgruppe und im Mittelmotiv der
kleinen Kuppel seinen künstlerischen Ausdruck fand: das Gesetz der
Polaritäten in den Welterscheinungen und ihres Ausgleiches. Denn die
«wahre» Wirklichkeit kann nur gefunden werden, wenn man «in den
Geist selber sich hineinzuvertiefen vermag und die dem Geist entsprechenden Polaritäten da findet».2
In bezug auf das Inkarnat heißt es
darum: «Der Seher schaut das Inkarnat nicht in Ruhe, sondern in oszillierender Bewegung… Das Inkarnat, wie es uns im Äußeren entgegentritt, ist nur ein Mittelzustand.»3
Nach einem ersten Hinweis auf die Inkarnatfarbe im Zusammenhang
mit Sinnes- und Lebensprozessen,4
wonach gerade im Inkarnat das
Phänomen vorliegt, daß das Geistig-Seelische das Physische voll durchdringt und im Inkarnat alle Farben enthalten sind, kommt das InkarnatDie Inkarnatfarbe 165
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rätsei recht eigentlich erst im Jahre 1918 zur Darstellung, charakteristischerweise dann, nachdem Rudolf Steiner selbst das Antlitz des Menschheitsrepräsentanten im Mittelmotiv der kleinen Kuppel gemalt hatte.
Zuerst in Berliner Vorträgen, dann in den Münchner Kunstvorträgen.5
Nachdem im ersten von drei zusammenhängenden Vorträgen in Berlin über die Erdenaura in ihrer Farbpolarität Blau-Rot und der grünen
Ausgleichsmitte gesprochen wurde und im zweiten Vortrag über den
Zusammenhang von Blut und Nerv, wird im dritten Vortrag das Inkarnat ebenfalls vom Aspekt der oszillierenden Polarität in dreifacher Weise
erklärt:
Erstens als Wahrnehmung von außen hängt «diese eigentümliche
Tingierung» ab von «zwei gegeneinanderwirkenden Kräften», von «in
der Form» einander entgegenwirkenden Druckkräften, die im Menschen
wirksam sind. «Und zwar wirkt in einer gewissen Weise der Äther- oder
Bildekräfteleib drückend nach außen, der astralische Leib in entgegengesetzter Art drückend nach innen, und dies an allen Stellen. Will der
astralische Leib sich zusammenziehen, von außen nach innen drücken,
so will der Äther- oder Bildekräfteleib von innen nach außen drücken,
sich ausdehnen. Und was dadurch entsteht, daß sich an des Menschen
Oberfläche diese beiden Druckkräfte von außen und innen begegnen,
das ist mitwirkend in dem, was sich im menschlichen Inkarnat offenbart.
Was der ätherische Leib und der astralische Leib sich gegenseitig zu
sagen haben, das drückt sich auf geheimnisvolle Weise im Inkarnat
aus.»
Zweitens als hellseherische Wahrnehmung, von innen nach außen,
würde das Inkarnat ganz anders erscheinen; zum Beispiel dasjenige des
«durchschnittlichen Mitteleuropäers» nicht fleischfarbig rosig, sondern
grün-bläulich.
Drittens nach dem Tode wirke das Inkarnat so nach, daß es, «wie auf
einen Teppich aufgemalt», die gesamte Erinnerungswelt zeigt. Bildlich
gesprochen müßte man sich diesen Inkarnatteppich wie ein umgewendetes Kleid oder einen umgewendeten Handschuh vorstellen. Und die
«Grundtingierung ist gewissermaßen die Farbe des Teppichs, auf welchem dem Toten seine Erinnerungen erscheinen: für die weiße Menschheit grünlich, grünlich-bläulich; für die Japaner violett-rötlich; für die
Schwarzen nach dem Tode gerade fleischfarbig». Und Rudolf Steiner
betont, daß der Mensch durch sein Inkarnat mehr als durch irgend etwas
anderes ein Mikrokosmos ist gegenüber dem Makrokosmos.
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Diese Darstellungen vom Inkarnatgeheimnis in dem Berliner Vortrag
vom 9. April 1918 erscheinen wie eine Vorwegnahme derjenigen, die
kurz darauf in dem Vortrag vom 5. Mai 1918 in dem Münchner Kunsthaus «Das Reich» gegeben wurden. In diesem Vortrag, der infolge des
großen Andrangs am 6.Mai wiederholt und am l.Juni auch in Wien
gehalten wurde, wird das Inkarnaträtsel wiederum von drei Aspekten
aus charakterisiert.
Einmal wird die seherische Wahrnehmung des Inkarnates als «großes
hellseherisches Problem», als das «schwierigste» hellseherische Problem
bezeichnet.
Zum anderen wird die gewöhnliche Wahrnehmung des Inkarnates im
Zusammenhang mit der Wahrnehmung eines anderen Menschen-Ichs
charakterisiert als der einzige Fall im Leben, wo sozusagen jedermann
heilsehend ist, was nur nicht richtig erkannt würde: «Das ist ein Hellsehen, das im Leben immer und überall vorhanden ist.» (München, 6. Mai
1918)
Zum dritten wird das Inkarnat, das für die äußere Anschauung wie
etwas Ruhendes, Fertiges wirkt, im Hellsehen wie ein Mittelzustand
wahrgenommen, indem es zwischen den zwei Gegensätzen von Erblassen und Erröten hin und her pendelt: «Das sind die beiden Grenzzustände, zwischen denen die Tingierung des Menschen pendelt und in
deren Mitte das Inkarnat liegt. Das wird ein Hin- und Hervibrieren für
den Seher. Durch das Erblassen versteht der Seher, wie der Mensch im
Innern, im Gemüt und Intellekt ist, und durch das Erröten erkennt man,
wie der Mensch als Willensimpuls-Wesen ist, wie er im Verhältnis zur
Außenwelt ist… Das Daraufkommen auf das Innere des Menschen hat
das Erlebnis des Inkarnates zu seinem Hauptproblem.» (München,
6. Mai 1918)
Nach der Darstellung des malerischen Aspektes der Inkarnatfarbe in
den drei Dornacher Vorträgen «Das Wesen der Farben» - dem Inkarnat
als dem lebendigen Bild der Seele entspricht die Farbe des Pfirsichblüt
(6. Mai 1921) - folgt im Vortrag Dornach, 24. September 1921, ein neuer
Polaritätsaspekt in der Betrachtung des Inkarnats: Das Inkarnat als
Zeichen des Sohnesgottes gegenüber dem Regenbogen als Zeichen der
Vatergottschöpfung. Gleichzeitig gibt Rudolf Steiner in diesem Vortrag
auch noch eine Ergänzung zu der allerersten Angabe über das Inkarnat
im Vortrag vom 3. September 1916, wonach im Inkarnat alle Farben
enthalten sind, indem er dies nun konkretisiert. Denn nun heißt es, wenn
Die Inkarnatfarbe 167
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die Farben des Farbenspektrums, des Regenbogens, in einer gewissen
Weise durcheinandertingiert würden, dann würden sie Leben annehmen
und zum Inkarnat werden, das aus des Menschen Inneren dringt: «Aber
der Mensch muß in seinem Inneren auch die Quelle des Farbigen, das,
was den Regenbogen zum Inkarnat, was den Regenbogen zu einer
lebendigen Einheit macht, in seinem Inneren erblicken… Da sprießt
dann neues Leben auf.» Dadurch komme man zu einem innerlichen
Verstehen des Mysteriums von Golgatha.
Rudolf Steiners letzte Ausführungen über das Inkarnat fallen in das
Jahr 1923, hervorgerufen durch die Fragen der Arbeiter am Goetheanumbau. Am 21. Februar 1923 beantwortet er Fragen, die nach den
Farben gestellt wurden, und betont dabei sehr stark den therapeutischen
Gesichtspunkt im Zusammenhang mit dem Inkarnat. Beim nächsten
Vortrag am 3. März 1923 werden die Betrachtungen von ihm weiter
fortgesetzt, indem er die Entstehung der Farben der Menschenrassen
erklärt. Darauf wurde schon am Schluß des Vortrages vom 17. Februar
1923 hingeführt mit den Worten: «Nun, das ist ja das Eigentümliche,
daß man überall vom Leben ausgehen muß, wenn man etwas verstehen
will. Und so muß man ja auch für die Farben sogar vom Leben ausgehen.
Sehen Sie, wenn Sie heute manchmal Bilder anschauen, so ist das so, daß
sie bemalt sind; aber man hat das Gefühl, dahinter ist kein Fleisch,
sondern Holz, das angestrichen ist. Die Fleischfarbe, das Inkarnat, bringen eben die heutigen Maler gar nicht zustande, weil sie auch im Leben
gar nicht das Gefühl haben, daß die Fleischfarbe aus dem Menschen
heraus erzeugt wird. Sie kommt nirgends an einem anderen Stoff vor.
Aber man muß die Fleischfarbe, das Inkarnat verstehen, und dann kann
man auch die anderen Farben verstehen.»
Im Oktober des Jahres 1923 behandelt Rudolf Steiner dann den
Zusammenhang des Inkarnates mit dem menschlichen Ich und den Wirkungen des Planeten Saturn.
Im Vortrag vom 8. Oktober 1923 für die Arbeiter am Goetheanumbau, in dem das Wesen der Schmetterlinge behandelt wird, heißt es: Der
Schmetterling, der die Erdenschwere überwunden hat und ganz dem
Licht folgt, ist «zum Ich herangereift». «Ein Ich ist es, in dem wir
sozusagen den Schmetterling herumflattern sehen. Wir Menschen haben
unser Ich in uns. Der Schmetterling hat es außer sich. Das Ich ist
eigentlich Licht. Das färbt ihn… Dieses selbe Licht, das den Schmetterling in Farben färbt, das rufe ich in mir auf, wenn ich zu mir Ich sage.»
168 Der Einsatz für eine geistgemäße Wissenschaft der Farben
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Aber der Schmetterling könne nicht zu sich Ich sagen, wie auch nicht
einmal das höhere Tier, weil das Ich von außen wirkt. «Wenn Sie einen
Löwen ansehen in seiner semmelfarbenen Gelbheit, dann ist es die
semmelfarbene Gelbheit, die vom Ich des Löwen von außen bewirkt
wird. Der Löwe wird selber gedacht von der ganzen Natur, die Färbung
kommt dadurch zustande. Weil wir von innen heraus denken, bekommen wir nicht von außen die Färbung, sondern wir bekommen die
Hautfärbung von innen, die man sehr schwer in der Malerei nachmachen
kann. Aber unser Ich färbt eigentlich mit Hilfe des Blutes unseren
ganzen Körper zu dieser wunderbaren Menschenfarbe, die man in der
Malerei nur nachmachen kann, wenn man alle Farben in der richtigen
Weise miteinander mischen kann, richtig mischen kann.» (Dornach,
8. Oktober 1923)
Aber «nur mit dem Saturn zusammen», heißt es zwei Wochen später
im Mitglieder-Vortrag Dornach, 26. Oktober 1923, «kann die Sonne das
Licht so in die Luft senden, daß der Falter in der Luft erglänzen kann in
seinen mancherlei Farben… Saturn gibt die Farben der Schmetterlinge …»
Daß auch die menschliche Inkarnatfarbe mit dem Saturn zusammenhängt, findet sich schon angedeutet im vierten Mysteriendrama «Der
Seelen Erwachen» (1913), 6. Bild, in den Worten des Hüters:
«Erkennet eure Weltenmitternacht!
Ich halte euch im Bann gereiften Lichts,
Das jetzt Saturn euch strahlt, bis eure Hüllen
In stärkerem Wachen, durch des Lichtes Macht
Euch selbst erleuchtend, ihre Farbe leben.»
Verdeutlicht wird dies im Vortrag Dornach, 3. September 1916, in
dem es heißt, daß es gerade durch die Saturnkraft bewirkt wird, daß das
Geistig-Seelische des Menschen das Physische voll durchdringen kann,
was sich im Inkarnat ausdrückt. Und es wird zitiert ein mittelalterlicher
Spruch, an dessen Schluß es heißt: «Damit Saturnus, alt und greis, in
vielen Farben sich erweis», und Rudolf Steiner fügt hinzu: «Seele erweist
sich in uns durch die Saturnkraft, welche die älteste ist, <alt und greis>,
denn unser Inkarnat hat das Seelisch-Geistige ausgedrückt im Physischen. In unserer Hautfärbung, in unserem Inkarnat sind in der Tat alle
Farben.»
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Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 291a Seite: 169
Chronologische Übersicht der Äußerungen Rudolf Steiners
Vorträge
1914
5.Juli Weil der Mensch mit seinem Bewußtsein aus dem Farben- und
Lichtmeer des Astralen hinausragt, geschieht die Färbung bei den
Rassen nicht durch Licht und Farbe, sondern durch die Wärme der
klimatischen Verhältnisse. GA 286
1916
3. Sept. Im Inkarnat sind alle Farben, weil hier mit Hilfe der Saturnkraft
das Geistig-Seelische das Physische voll durchdringt. GA 170
1918
9. April Die Inkarnatfarbe wird bewirkt durch die einander entgegenwirkenden Druckkräfte von Äther- und Astralleib. Hellseherisch und
nach dem Tode wird sie komplementär wahrgenommen. GA 181
(in diesem Band Seite 171)
5., 6. Mai Die seherische Wahrnehmung des Inkarnates das schwierigste helll.Juni seherische Problem. Die gewöhnliche Inkarnatwahrnehmung am
anderen Menschen ist der einzige Fall im Leben, wo jedermann
hellsehend ist. Das Inkarnat ist ein Mittelzustand. GA 271
1921
6. Mai Das Seelische lebt sich im Physischen in der Inkarnatfarbe aus.
Dem Inkarnat als lebendigem Bild der Seele entspricht am ehesten
die Farbe der jungen Pfirsichblüte. GA 291
24. Sept. Zusammenhang von Regenbogen und Inkarnat. GA 207 (in diesem
Band 174)
1923
17. Febr. Die Fleischfarbe, das Inkarnat, bringen die heutigen Maler gar
nicht zustande. Sie wird aus dem Menschen heraus erzeugt, kommt
an keinem andern Stoff vor. Man muß das Inkarnat verstehen, dann
kann man auch die anderen Farben verstehen. GA 349
21. Febr. Inkarnat und Gesundheit und Krankheit. GA 349
3. März Farben der Menschenrassen. GA 349
18 Mai Inkarnatfarbe (Pfirsichblüt) als lebendiges Bild der Seele. GA 276
8. Okt. Inkarnatfarbe: Ausdruck des Ich. Zusammenhang von Ich, Licht
und Schmetterlingsfarben, in der Malerei nur mit Hilfe des Blutes
nachzuahmen, wenn man alle Farben in der richtigen Weise mischen kann. GA 351
170 Der Einsatz für eine geistgemäße Wissenschaft der Farben
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TEXTE VON RUDOLF STEINER
Über das Geheimnis des Inkarnats
Aus Vortrag Berlin, 9. April 1918 (GA 181)
… Da muß ich auf etwas hinweisen, was in unserer trockenen,
nüchternen, papierenen Zeit schon wirklich gar nicht mit der
nötigen Ehrfurcht behandelt wird, trotzdem es immer und überall
vor uns steht. Es ist etwas, was innerhalb der physischen Welt
eigentlich als das Allermysteriöseste wirkt, was für jeden da ist
innerhalb der physischen Welt, was nur in seinem mysteriösen
Charakter nicht empfunden wird: Es ist das menschliche Inkarnat, dasjenige, was in der menschlichen Fleischesfarbe nach außen
sich am Menschen offenbart. Sie brauchen sich nur erinnern,
welche Fülle des Individuellen darin sich ausspricht, daß uns der
Mensch mit seinem Inkarnat entgegenkommt, wie im Grunde
genommen diese Fleischesfarbe doch bei jedem Menschen eine
andere ist, in so vielen Schattierungen uns entgegentritt, als es
Menschen gibt. Wer sich mit der Enträtselung des Inkarnats beschäftigt, wie es auch schon versucht worden ist, der wird schon
ein Gefühl für das bekommen, was in der Fleischesfarbe, in der
Tingierung der menschlichen Haut zum Ausdruck kommt. Es ist
etwas ungemein Geheimnisvolles, was in dem Inkarnat sich ausspricht. Für den, der geistesforscherisch an die Betrachtung herangeht, gewinnt die Frage: Wie steht es eigentlich mit dem Inkarnat?
- eine sehr große Bedeutung. Denn diese eigentümliche Tingierung im Inkarnat hängt ab von zwei gegeneinander wirkenden
Kräften, man könnte sagen: von in der Form einander entgegenwirkenden Druckkräften, die im Menschen wirksam sind. Und
zwar wirkt in einer gewissen Weise der Äther- oder Bildekräfteleib drückend nach außen, der astralische Leib in entgegengesetzDie Inkarnatfarbe 171
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ter Art drückend nach innen, und dies an allen Stellen. Will der
astralische Leib sich zusammenziehen, von außen nach innen
drücken, so will der Äther- oder Bildekräfteleib von innen nach
außen drücken, sich ausdehnen. Und was dadurch entsteht, daß
sich an des Menschen Oberfläche diese beiden Druckkräfte von
außen und innen begegnen, das ist mitwirkend in dem, was sich
im menschlichen Inkarnat offenbart. Was der ätherische Leib und
der astralische Leib sich gegenseitig zu sagen haben, das drückt
sich auf geheimnisvolle Weise im Inkarnat aus.
Wenn man auf den Menschen hinschaut, wie er hier auf dem
physischen Plan ist, so sieht man sein Inkarnat auch. Aber dieses
Inkarnat würde anders erscheinen, wenn man es anschauen
könnte von innen nach außen. Von innen nach außen gesehen,
wären Sie als durchschnittliche Mitteleuropäer mit Ihrem Inkarnat
nicht fleischfarbig, rosig, sondern Sie wären grün-bläulich. Diese
Farbe des Grün-Bläulichen zeigt sich auch in der Nachwirkung
nach dem Tode. Wenn des Menschen Bildekräfte - oder ätherischer Leib sich ausdehnt im Sinne der drei vorhin charakterisierten Kräfte, und der Tote auf dieses Gebilde hinschaut, so sieht er
sein Inkarnat gewissermaßen in der Nachwirkung von der andern
Seite. Es schimmert nach dem Tode grünlich-bläulich ihm nach.
Aber es enthält noch etwas wesentlich anderes, als was uns
entgegentritt, wenn wir es im physischen Leben von außen anschauen. Streng genommen ist dieses Inkarnat in seiner Mysteriosität nicht nur individuell verschieden für die verschiedensten
Menschen, sondern es ändert sich auch bei einem und demselben
Menschen im Laufe des Lebens, wenn auch in kleinen Nuancen.
Nicht, daß wir in gewissen krankhaften Zuständen manchmal
blühend, manchmal käsig aussehen, denn das ist natürlich eine
Abnormität, aber von diesen großen Veränderungen abgesehen,
ändert sich das Inkarnat fortwährend. Wenn es aber von der
andern Seite gesehen wird, wie es der Tote sieht, dann zeigt es
noch etwas anderes. Dann zeigt es, wie auf einem Teppich aufgemalt, unsere gesamte Erinnerungswelt. Wenn wir also bildlich
sprechen wollen, müssen wir uns diesen Inkarnatteppich wie ein
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Kleid vorstellen, wie ein ganz feines Kleid, und dieses jetzt gewendet, wie man ein Kleid wendet, nach der andern Seite dreht, oder
wie man einen Handschuh umdreht. Dann würden wir auf der
andern Seite sehen, was sonst nach innen gewendet ist, und dessen
wir uns, weil es nach innen gewendet ist, nur dadurch bewußt
werden können, daß es, wenn es ins Bewußtsein hineingekommen
ist, als Erinnerung auftritt, nicht als Inhalt der Gedanken, aber die
Gedanken aurisch verschieden charakterisiert, schwingende Gedanken. Was wir in unser Unterbewußtsein hinunterschicken,
lernen wir nur in seinem Außenleben kennen. Wie es durch unser
Inkarnat durchglitzert, das lernen wir nicht kennen, das lernt aber
der Tote dadurch kennen, daß das Inkarnat nachwirkt. Wenn der
Tote auf die Auflösung des Bildekräfteleibes zurückschaut, dann
hat er ihn als Erinnerung hinter sich, und er weiß dann: Das ist er,
das bin ich!
Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt, daß das, was naturwissenschaftlich weniger in Betracht kommt: die große Differenzierung zwischen dem Menschen und dem Tier, die aufrechte
Haltung, die Sprachfähigkeit, artikulierte Sprache, die Denkfähigkeit, daß das die Kräfte sind, welche den Menschen nach dem
Tode ins Universum tragen, und daß das Inkarnat im Menschen
der diesseitige physische Ausdruck ist für das, was als Erinnerungsrest nach dem Tode nachwirkt. So teilen wir uns selbst nach
dem Tode dem Universum mit und tragen in dem, was wir hier in
unserem physischen Leibe an uns haben und an uns zeigen, die
äußeren Zeichen unserer kosmischen Wesenheit an uns. Deshalb
das Gefühl, das wir namentlich mit so etwas Mysteriösem verbinden wie mit dem Inkarnat, dieses Gefühl, denn es ist das Gefühl
von der universellen Bedeutung dessen, was uns im Menschen
entgegentritt: Noch mehr als durch irgend etwas anderes ist der
Mensch durch so etwas wie durch sein Inkarnat ein Mikrokosmos
gegenüber dem Makrokosmos. Und die Grundtingierung hat eine
große Bedeutung, denn sie ist gewissermaßen die Farbe des Teppichs, auf welchem dem Toten seine Erinnerung erscheint: für die
weiße Menschheit grünlich, grünlich-bläulich, für die Japaner vioDie Inkarnatfarbe 173
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 291a Seite: 173
lett-rötlich, für die Schwarzen nach dem Tode gerade fleischfarbig.
Das sind Dinge, die mit dem Leben zwischen Tod und neuer
Geburt innig zusammenhängen, bedeutungsvoll zusammenhängen; bereiten sie doch die neue Inkarnation vor. In diesen Dingen
liegt ungeheuer viel. Es liegt in ihnen das Bestimmende, das einen
Menschen in einer neuen Inkarnation einer bestimmten Rasse und
so weiter zuführt.
Über den geistigen Zusammenhang von Regenbogen
und Inkarnat
Aus Vortrag Dornach, 24. September 1921 (GA 207)
… Wir sehen draußen in der Natur, sagen wir, die Farben, die
Farben im Sinne des Farbenspektrums, von dem äußersten Rot bis
zu dem äußersten Violett, mit den Zwischennuancen. Wenn wir
nun in einer gewissen Weise diese Farben durcheinander tingieren
würden, dann würden sie Leben annehmen. Dann werden sie
gerade zu dem, was als die menschliche sogenannte Fleischfarbe,
das Inkarnat, aus dem Menschen herausdringt. Wo wir in die
Natur hineinblicken, erblicken wir gewissermaßen den ausgebreiteten Regenbogen als das Zeichen des Vatergottes. Blicken wir
aber auf den Menschen: Das Inkarnat, es spricht aus des Menschen Inneren heraus, indem sich alle Farben durchdringen, aber
Leben annehmen, lebendig werden in ihrem Sich-Durchdringen.
Fort ist dasjenige, was da Leben annimmt, wenn wir nur den
Leichnam ansehen. Da wird wiederum zurückgeworfen in den
Regenbogen, in die Schöpfung des Vatergottes, was der Mensch
ist. Aber der Mensch muß in seinem Inneren auch die Quelle des
Farbigen, das, was den Regenbogen zum Inkarnat, was den Regenbogen zu einer lebendigen Einheit macht - er muß dieses in
seinem Inneren erblicken…
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