Der Regenbogen - seine Entstehung in der Erdgeschichte
** I DER EINSATZ FÜR EINE GEISTGEMÄSSE WISSENSCHAFT DER FARBEN**
Texte von Rudolf Steiner und anderen zu den Themen:
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Wir brauchen überall eine Unterlage, wenn wir
Farben sehen wollen, mit Ausnahme der atmosphärischen Erscheinung des Regenbogens. Deshalb ist nicht mit Unrecht die Erscheinung des
Regenbogens als etwas angesehen worden, was
den Himmel, das Geistige, mit der Erde verbindet,
weil wir in dem Regenbogen nicht den Himmel
farbig sehen, sondern wirklich das Farbige als solches.1
Die Darstellungen über den Regenbogen lassen sich in naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche gliedern.
Unter den geisteswissenschaftlichen Darstellungen ragt besonders
diejenige hervor, wonach das Erscheinen eines Regenbogens in der Erdgeschichte erst infolge der durch die atlantische Flut veränderten Luftund Wasserverhältnisse möglich geworden ist. Diesem Forschungsergebnis kommt eine besondere Bedeutung deshalb zu, weil es Rudolf
Steiner veranlaßte, seinen erkenntniskultischen Arbeitskreis zu begründen, dessen Sinn, gleich einem Regenbogen, darauf gerichtet war, die
«Vereinigung des Irdischen mit dem Himmlischen, des Sichtbaren mit
dem Unsichtbaren» zu bewirken.2
Als sprechendes Symbol für kultische
Zusammenhänge tritt der Regenbogen auch auf in den kultischen Texten, wie sie für die «Christengemeinschaft» gestaltet wurden. Die Adventsstrophen der »Menschenweihehandlung» klingen aus mit dem Hinweis auf das Heil, «das im Weltenschoße verheißend keimt», das «prophetisch spricht im Glänzen des Sonnenwagens, im Leuchten des Farbenbogens, der den Himmel umspannt».3
Der Regenbogen 155
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Im gleichen Sinne erscheint der Regenbogen auch auf den Bildern
okkulter Siegel, wie sie für den Münchner Kongreß Pfingsten 1907
entstanden sind. Auf dem vierten und dem siebten Siegel leuchtet der
Farbenbogen als Bild des siebenfachen schöpferischen Prinzips, wie es in
den dazu gegebenen Erklärungen heißt.4
Zu diesem Hinweis fügt sich
ergänzend, daß Rudolf Steiner, als er einmal gefragt wurde, ob es richtig
sei, daß die sieben Farben des Farbenspektrums den Charakter der
sieben Elohim ausdrücken, dies bejahte. Und auf die weitere Frage, wo
denn dann im Farbenspektrum der Christus zu finden sei, habe er
geantwortet: Er ist hinter dem Grün.5
Dies weist wohl auf die Auffassung vom Grün als Ausgleich der beiden Hauptfarben Gelb und Blau,
wie sie schon Goethe hatte.
Auch in die Kuppelmalerei des ersten Goetheanum war der Regenbogen von Rudolf Steiner hineingeheimnißt worden. In der großen Kuppel
sollten die einzelnen Motive aus den farbigen Kurven der Farbengrundlage, die in den sieben Farben des Regenbogens strömten, herauserblühen; in der kleinen Kuppel stand das Mittelmotiv in den Farben des
Regenbogens.
Von besonderer Bedeutsamkeit sind noch die beiden Vorträge vom
24. September 1921 (GA 207) und 4. Januar 1924 (GA 233a). Im ersteren
werden Regenbogen und Inkarnatfarbe einander gegenübergestellt, im
zweiten die Entstehung des Regenbogens erklärt aus der Tätigkeit von
Geistwesenheiten. Im Vortrag vom 18. September 1924 aus einer der
allerletzten Vortragsreihen (GA 282) findet sich dann, wie eine Art
Abschluß, die Regenbogen-Meditation. (In diesem Band, siehe Seite 230)
156 Der Einsatz für eine geistgemäße Wissenschaft der Farben
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Chronologische Übersicht der Äußerungen Rudolf Steiners
A. Naturwissenschaftlicher Art
Schriften
1897 Anmerkungen zu Goethe «Materialien zur Geschichte der Farbenlehre». GA lc, ld, 291a
Vorträge
1920
9. März Die gewöhnliche Erklärung des Regenbogens durch die Regentropfen als eine atomistische Auffassung einer doch einheitlichen
Erscheinung. Regenbogen und Nebenregenbogen gehören notwendigerweise zusammen und bilden so den Zwölffarbenkreis. GA
321
5. Dez. Jeder Regenbogen würde als Kreis erscheinen, wenn man das Pfirsichblütige des Ätherischen wahrnehmen würde. GA 202 und 291
B. Geisteswissenschaftlicher Art
Vorträge
1905
5. Mai, Die Entstehung des Regenbogens in der Erdgeschichte. (In diesem
22. Okt. Band Seite 163 f.)
1907/08
21. Mai Der Regenbogen als Bild des siebenfachen schöpferischen Prinzipes. GA 284
25. Juni In der Atlantis konnte man noch keinen Regenbogen wahrnehmen.
27. Mai Die physikalischen Voraussetzungen dazu ergaben sich erst durch
23. Juni die Veränderung der Luft- und Wasserverhältnisse nach der atlantischen Flut. GA 100 / GA 103 / GA 104
Der Regenbogen 157
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1V1U
6. Dez. Der Regenbogen als okkulter Vergleich mit dem Menschen: ein
Scheinbild, durch äußere Kräfte zusammengehalten. GA 124
1915
Sommer Angaben für die eurythmische Darstellung eines Regenbogengedichtes. In diesem Band Seite 373 f.
1920
4. März Der Mensch als ein lebendiger Regenbogen. GA 321
9. März Zur Totalität des Regenbogens gehört der Nebenregenbogen (in
diesem Band Seite 162)
1921
24. Sept. Regenbogen und Inkarnat. GA 207
1923
21. Febr. Die sieben Regenbogenfarben. GA 349
9. Juni GA350, GA 291a
27. Okt. GA351
1924
4. Jan. Die Entstehung des Regenbogens durch geistige Wesenheiten. GA
233a, GA 291
18. Sept. Regenbogenmeditation, um zum seelischen Farberleben zu kommen. GA 282 (in diesem Band Seite 230)
158 Der Einsatz für eine geistgemäße Wissenschaft der Farben
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TEXTE VON RUDOLF STEINER
Über den Regenbogen
Anmerkungen zu Goethes «Materialien zur Geschichte der Farbenlehre» in
Band IV und V von Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften innerhalb der
«Deutschen National-Litteratur»
Welches geringe Interesse auf den ersten Kulturstufen die Farbe
erregt, mag daraus hervorgehen, daß selbst der Name für den
Regenbogen nicht von dessen Farben, sondern von der Rundung
her genommen wurde (engl. rain-bow, franz. arc-enciel, lat. arcus
coelestis, isländisch regenbogi). Die Farbenbenennungen waren in
den ersten Kulturstadien der Völker stets schwankend. Mehrere
Farben, die wir heute streng unterscheiden, führten den gleichen
Namen, oder umgekehrt: eine Farbe hatte mehrere Namen. (Band
IV, Seite 17)
Lucius Annäus Seneka, der Philosoph und Lehrer Neros (2-62
n. Chr.), kommt für die Farbenlehre insofern in Betracht, als wir
bei ihm eine Theorie des Regenbogens finden. (Band IV, Seite 98)
Die Ableitungen, die unser Text über den Regenbogen gibt,
sind auch heute noch als richtig anzusehen. Der erste, der die
Theorie des Regenbogens aufstellte, ist der Perser AI Schirasi
(1236-1311). Er behauptet bereits, daß der Hauptregenbogen
durch zweimalige Brechung und einmalige Reflexion in einem
Tropfen, der Nebenregenbogen durch zweimalige Brechung und
zweimalige Reflexion entstehe; die Bogenform aber dadurch bewirkt werde, daß alle Tropfen, die auf einer Kegelfläche liegen,
deren Spitze im Auge ist, sich gleich verhalten. Von ihm übernahm die Theorie AI Hazen, aus dessen von AI Farisi kommenDer Regenbogen 159
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tiertem Werke sie auf den sächsischen Predigermönch Theodorich
von Freiberg überging, der sie 1311 in einer Schrift verteidigte.
Diese Erklärungen wurden aber wieder vergessen und im 16. Jahrhundert stellten der Prediger Fleischer in Breslau, der Kanonikus
Clichthove und der Abt Maurolykus verfehlte Theorien auf. Die
Erklärungen des De Dominis stimmen aber im wesentlichen mit
denen des AI Schirasi überein. (Band IV, Seite 187)
Im Goetheschen Sinne darf der Regenbogen nicht durch eine
umständliche Theorie erklärt werden, sondern einfach dadurch,
daß man die Umstände, wodurch Farben entstehen, Stück für
Stück in einer solchen Komplikation zusammenführt, daß die
Regenbogenerscheinung sich daraus von selbst ergibt. Dargestellt
kann das nicht mit Linearzeichnungen werden, denn man hat es
nicht mit Lichtstrahlen und dgl. hypothetischen Gebilden zu tun,
sondern mit Bildern, die im Räume scheinen, somit nur perspektivisch veranschaulicht werden können. - Vitellio war ein Zeitgenosse Roger Bacons. Die einzige Schrift von ihm, von der wir
wissen, handelt über Optik. Sie ist 1572 mit dem optischen Werk
des AI Hazen von Risner in Basel herausgegeben. Vitellio lehnt
sich in seinen Angaben über die Lichtbrechung von AI Hazen an
und gibt auch Ausführungen über den Regenbogen. Auf De Dominis sind seine Ansichten von Einfluß gewesen. (Band IV, S. 189)
Versuche mit einer mit Wasser gefüllten Glaskugel führten
Descartes zu dem Schlüsse, daß der Regenbogen durch Brechung
und Zurückwerfung des Sonnenstrahles am und im Regentropfen
entstehe, und zwar der Hauptregenbogen durch zweimalige Brechung und einmaliges Zurückwerfen und der Nebenregenbogen
durch zweimalige Brechung und zweimaliges Zurückwerfen.
Diese Einsicht bedeutete aber durchaus keinen Fortschritt, wie
aus unserer Anmerkung zu Seite 187 hervorgeht. Aus dem umständlichen Bericht, den Descartes von der Art gibt, wie er zu
seiner Entdeckung gekommen ist, geht allerdings hervor, daß er
seine Vorgänger nicht gekannt hat. (Band IV, Seite 199)
Bezüglich des dunklen Zwischenraumes zwischen Haupt- und
Nebenregenbogen ist zu dem dort [s. o.] Gesagten noch hinzuzu160 Der Einsatz für eine geistgemäße Wissenschaft der Farben
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fügen: Da 42° 2' bei einmaliger Reflexion und zweimaliger Brechung (Hauptregenbogen) der größte Winkel ist, unter dem noch
Licht ins Auge gelangt, so kann von Tropfen, die jenseits des
äußeren roten Ringes liegen, kein Licht ins Auge gelangen. Ferner: Da 50° 58„ der kleinste Winkel ist, unter dem Licht bei
zweimaliger Reflexion und zweimaliger Brechung (Nebenregenbogen) ins Auge gelangt, so kann auf diesem Wege von Tropfen
innerhalb des inneren roten Ringes des Nebenregenbogens kein
Licht ins Auge gelangen. Zwischen den beiden Bogen können die
Tropfen also nur reflektiertes Licht von ihrer Oberfläche senden;
das in sie eindringende geht verloren, daher der dunkle Raum.
(Band V, Seite 213)
Das Prinzip, das Goethe dabei über die Entstehung des Regenbogens zugrunde legte, war, Bedingungen herzustellen, die eine
solche Komplikation der einfachen Farbenphänomene hervorbringen, daß das natürliche Phänomen des Regenbogens künstlich
wiederholt erscheint. Er nennt das: die Beobachtung zum Versuch
steigern. Das zusammengesetzte Phänomen erklären heißt, die
Komplikation der einfachen Phänomene aufzeigen, aus denen es
sich zusammensetzt. - Die Glaskugel ist der Repräsentant eines
Regentropfens. Was in ihr vorgeht, muß auch im Tropfen vorgehen. Der Regenbogen ist die Summe aller von den einzelnen
Regentropfen bewirkten Erscheinungen. (Band V, Seite 329)
Fußnote zu Goethes Feststellung: Der Regenbogen ist ein Refraktionsfall und vielleicht der komplizierteste von allen, wozu
sich noch Reflexion gesellt.
Der Regenbogen ist das Resultat der einzelnen Erscheinungen,
die in den Regentropfen bewirkt werden. Das Licht muß durch
den Tropfen gehen, d. i. es wird gebrochen (Refraktion), dann
aber muß es, da wir zwischen der Sonne und dem Tropfen stehen,
wieder zu uns zurückgelangen, also reflektiert werden. (Band V,
Seite 333)
Der Regenbogen 161
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Zur Totalität des Regenbogens
gehört der Nebenregenbogen
Aus Vortrag Stuttgart, 9. März 1920 (GA 321)
Ich glaube, wenn Sie die gebräuchlichen Darstellungen der Optik
in den Physikbüchern zur Hand nehmen und vorrücken zu dem,
was da gewöhnlich gegeben wird als Erklärung einer speziellen
Spektralerscheinung, nämlich des Regenbogens, wird Ihnen doch,
wenn Sie es gerne haben, bei klaren Begriffen zu bleiben, etwas
unbehaglich zu Mute werden. Denn die Erklärungen des Regenbogens sind wirklich so gehalten, daß man ganz ohne Boden
dasteht. Man ist genötigt, zum Regentropfen seine Zuflucht zu
nehmen und da allerlei Gänge der Lichtstrahlen im Regentropfen
drinnen zu verfolgen, und man ist dann genötigt, sich dieses
ziemlich einheitliche Bild des Regenbogens zusammenzufügen
aus lauter kleinen Bildern, die noch besonders abhängig sind von
der Art, wie man dazu steht, Bildern, die eigentlich durch Regentropfen entstehen. Kurz, Sie haben in diesen Erklärungen etwas
von einer atomistischen Auffassung einer Erscheinung, die ziemlich als Einheit in unserer Umgebung wirkt. Aber noch unbehaglicher als gegenüber dem Regenbogen, also dem Spektrum, das die
Natur selbst vor uns hinzaubert, kann uns werden, wenn wir
gewahr werden, daß eigentlich dieser Regenbogen, von dem wir
sprechen, gar niemals in Wirklichkeit allein auftritt. Er mag noch
so sehr sich verbergen, es ist immer der zweite Regenbogen da.
Und was zusammengehört, läßt sich einmal nicht auseinanderhalten. Die beiden Regenbögen, von denen der eine nur undeutlicher
ist als der andere, die gehören notwendigerweise zusammen, und
im Gebiet der Erklärungen für das Entstehen des Regenbogens
darf man nicht einmal versuchen, nur den einen Farbenstreifen
erklären zu wollen, sondern man muß sich klar sein darüber, daß
die Totalität der Erscheinung - die relative Totalität - eben etwas
ist, was nun in der Mitte etwas anderes ist und zwei Randbänder
hat. Das eine Randband ist der etwas deutlichere Regenbogen, das
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Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 91a Seite: 162
andere der undeutlichere Bogen. Man hat es zu tun mit einem
Bild, das uns in der großen Natur erscheint und das in der Tat sich
hineinstellt fast in das ganze All. Wir müssen das ansehen als
etwas Einheitliches. Nun, wenn wir genau zusehen, so werden wir
ja ganz gut gewahr werden, daß der zweite Regenbogen, der
Nebenregenbogen, eigentlich eine Umkehrung des ersten ist, daß
der zweite tatsächlich in einer gewissen Weise aufgefaßt werden
kann als eine Art Spiegelbild des ersten, daß er gewissermaßen den
ersten, deutlicheren Regenbogen spiegelt. Wir haben also da, sobald wir übergehen von den Teilerscheinungen, die in unserer
Umgebung auftreten, zu einer relativen Totalität, der wir gegenüberstehen, wenn wir unsere ganze Erde als im Verhältnis zum
kosmischen System auffassen, etwas, was eigentlich sein Antlitz
ganz verändert.
Die Entstehung des Regenbogens
in der Erdgeschichte
Aus Vortrag Berlin, 5. Mai 19056
Der Regenbogen hat eine besondere Bedeutung in der okkulten
Weisheit. Sie kennen den Regenbogen, der als Friedenszeichen
nach der Sintflut erscheint.7
Jetzt finden wir dies Symbol wiederholt in den nordischen Mythen.8
Es bedeutet den Übergang aus
der atlantischen in die nachatlantische Zeit. In jener Zeit war die
Luft viel dichter, das Wasser viel dünner als heute. Ein Regenbogen war in jener Zeit nicht möglich. Die Atlantis war in Wahrheit
ein Nebelreich, ein Niflheim. In unseren Gegenden, im Norden,
wächst das Menschengeschlecht aus Nebelmassen heraus. Aus
Der Regenbogen 163
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diesem Nebelreich sollten sich die Wassermassen zusammenballen, die den atlantischen Ozean bildeten, die den Kontinent Atlantis überfluteten. Einen Regenbogen gab es also nicht im atlantischen Zeitalter. Die okkulte Forschung hat es erforscht, was diese
Erscheinung bedeutet. In der Bibel, im Sintflut-Regenbogen, wie
in der Regenbogenbrücke der nordischen Mythe, der Verbindung
zwischen Menschen und Göttern, tritt uns etwas entgegen, was
den Übergang von der atlantischen zur nachatlantischen Zeit darstellt.
Aus einer Fragenbeantwortung
Berlin, 22. Oktober 1905
Die Frage bezüglich Noah hängt zusammen mit meinen allerletzten okkulten Forschungen. Niemand wird im «Luzifer»9
etwas
finden, was ich dazumal, als ich die Artikel schrieb, noch nicht
gewußt habe. Jetzt aber weiß ich etwas mehr. Jetzt sind mir die
klimatischen Verhältnisse klar und anschaulich geworden. Ich
habe etwas verstehen gelernt, was ich dazumal schon angeführt
hätte, wenn ich es dazumal schon verstanden hätte. Die Stelle von
Noah habe ich damals allegorisch genommen. Sie war mir ein Bild
für die tiefe seelische Bedeutung. Nun aber weiß ich, daß dieser
Regenbogen in der Bibel einer wirklichen Tatsache entspricht.
Auf der alten Atlantis waren andere klimatische Verhältnisse.
Die Verteilung von Luft und Wasser war anders…, so daß man
findet, daß auf der alten Atlantis die Bildung eines Regenbogens
noch nicht möglich war. Solche Verhältnisse sind erst möglich
geworden, als die Atlantis überflutet wurde und die neuen Kontinente emporstiegen. Nun wird [in der Bibel] angedeutet, wie der
Regenbogen hervorgeht aus der Sintflut. |