II Der Übergang des Dichterischen und Musikalischen in Bewegungsformen 33

II Der Übergang des Dichterischen und Musikalischen in Bewegungsformen 33

*Den Haag, 5. November 1922 **

Seite Text
298

in Tätigkeit den Gedankenpol des Menschen, der hineingeleitet wird in den Luftstrom. Die Eurythmie bringt in Tätigkeit den Bewegungsoder Willenspol des Menschen. So daß der ganze Mensch gewissermaßen auf der Bühne vor uns zu einer Art Kehlkopf wird, nur daß jetzt die Bewegungen, indem sie aus dem Willen hervorgehen, weil sie nicht zu der Ruhe des Gedankens und damit zur Bildhaftigkeit gekommen sind, sondern als Bewegungen ablaufen, eine sichtbare Sprache, einen sichtbaren Gesang darstellen. Daher geht derjenige ganz fehl, welcher etwa sich dem Glauben hingibt, daß die einzelne Bewegung der Eurythmie unmittelbar bezogen werden kann auf dasjenige, was die Seele in dem Augenblick erlebt. Geradeso wie die Musikmalerei nicht etwas richtig Musikalisches ist, sondern wie im Musikalischen alles ausfließen muß, wenn etwas komponiert wird, in Harmonie, in Melodien, ebenso muß alles, was neben dem Eurythmischen erklingt an Dichterischem oder Musikalischem, übergehen in die Bewegungsformen, in denen eins aus dem anderen hervorgeht, gewissermaßen auch als sichtbare Melodie, Harmonie. Man sollte daher auch nicht sagen, die Eurythmie verstehe man erst dann, wenn man alles einzelne auf die Dichtung oder auf das Musikalische beziehen kann. So ist es nicht. Kunst muß wirken im unmittelbaren Eindrucke. Sie muß auf das Gefühl wirken. Und so kommt es auch hier an auf die Rundung oder Eckigkeit der Form, auf das Hervorgehen der einen Form aus der anderen, auf dasjenige, was sich an Bewegungen zeigt im unmittelbar künstlerischen Genießen. Nichts Spekulatives, nichts Intellektualistisches sollte eigentlich in die Eurythmie hinein. So hat man es zu tun mit etwas, was aus der ganzen innerlichen Notwendigkeit des menschlichen Organismus hervorgeholt wird wie die Sprache, wie der Gesang. Und es kann ebenso, wie Sie gleich ono CopyrightRudolfSteinerNachlass-VerwaltungBuch:277Seite:298 nachher vernehmen werden in der Aufführung, wie man zu einem Musikalisch-Instrumentalen tonlich singen kann, so kann man dazu singen in einer eurythmischen Bewegungskunst, und man kann deklamieren und rezitieren eine Dichtung, wie Sie auch nachher sehen werden. Eintragungen in ein Notizbuch Eurythmie = 2. Nov. Haag [1922] 1.) Wesen der Eurythmie - 2.) Deklamation Rezitation 3.) Stilisierung durch E. Gelegentlich Faust. 2. Teil. - In der Sprache das Gestaltende und das Ausfüllende = In der Eurythmie wird das Bild, das als Vorstellung im Gehirn vorhanden ist, sichtbar durch die menschlichen Glieder erzeugt. - Wenn ich einen Laut ausspreche, so ist er entstanden aus dem Bilde einer Geste. - Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 29 9 GOETHEANUM , DORNACH Montag, 25. Dezember 1922, nachmittag 5 Uhr Eurythmie: Weihnachtgemäßes aus Poesie und Musik eurythmisiert mit eingestreuten Kinderszenen. Ankündigung in den Zeitungen Dornach, 25. Dezember 1922 und 4. Januar 1923 PROGRAMM I Tiaoait … Musik: L. van der Pals Rudolf Steiner Worte an den Geist und die Liebe Rudolf Steiner Immanu-el Wladimir Solovjeff Aus den Jahressprüchen: 3. Dezember woche . . . Rudolf Steiner Die Sonne schaue Rudolf Steiner Hirtenmusik aus dem Weihnachtsoratorium J. S. Bach Röslein rot Volksweise Weihnacht Albert Steffen Es ist ein Ros' entsprungen Weihnachtslied II An der Krippe Musik von J. Kainradl Vom Vögerl Volkslied Ihr Kinderlein kommet Volksweise Das Wunderbild von Böt^ (Mariensage) An den Abendstern Reinecke Lied vom Winde Eduard Mörike Gavotte Massi Ein Kinderlied: Klein Irmchen Christian Morgenstern Rondo Fr. Couperin Der Ginggan^ Christian Morgenstern Die Hol^puppe P. Tschaikowsky Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 30 0 GOETHEANU M DORNACH Sonntag, 31. Dezember 1922 5 Uhr nachmittags Eurythmisches als Neujahrsgrüße; aus poetischem und musikalischem Sylvesterempfinden Ankündigung in den Zeitungen Dornach, 31. Dezember 1922 PROGRAMM Aus « Faust» I: Prolog im Himmel J. W. v. Goethe Trauermarsch F. Mendelssohn-Bartholdy Zum neuen Jahr Wladimir Solovjeflf Träumerei Max Reger Epiphanie J. M. Heredia Le Repos en Egypte A. Samain Allegro a. d. 4. Klaviersonate L. van Beethoven Aus «Asyou like it» : It was a lover and his lass Shakespeare Heiterer Auftakt Musik: Leopold van der Pals Aus «Love's Labour lost»: Winter Shakespeare Aus « Faust» II: Lied der Insekten J. W. v. Goethe Capriccio Max Reger <


Zur Übersicht

ablage/offen/rudolf_steiner/kunst/007_ga_277_eurythmie/049_der_uebergang_des_dichterischen.txt · Zuletzt geändert: 2026/09/19 17:16

Impressum Datenschutzerklärung