II Drei Ansprachen beim Summer Art Course, handschriftlich für die Übersetzungen: 23
I. Einleitende Worte für die Eurythmie (pädagogisch)
Montag, 22,August 1921
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vorführen werden, beruht auf einer aus der Wesenheit des Menschen
heraus gebildeten sichtbaren Sprache. Diese Sprache offenbart sich in
Bewegungen, welche der einzelne Mensch durch seinen Körper und
seine Körperglieder ausführt, oder welche durch Menschengruppen
vollzogen werden. Insoferne sieht, was hier zur Darstellung kommt,
einer Offenbarung durch Gebärden, durch Mimik, durch Tanz
ähnlich. Und doch steht Eurythmie von diesen so weit ab, wie die
gesetzmäßig gebildete menschliche Sprache selbst. Es wird nicht ein
einzelnes Seelenerlebnis, eine Empfindung, ein Gefühl mit einer
Geberde oder Bewegung, die sich der augenblicklichen Willkür ergeben, zusammengebracht. Sondern es stehen die Einzelgeberde, die
Einzelbewegung in einem solchen Zusammenhang mit den Möglichkeiten des seelischen Erlebens wie der einzelne Sprachlaut oder der
einzelne Gesangston. Und es folgen sich Geberden und Bewegungen
wie Laute und Töne im Satz, in der Rede.
Wie eine solche sichtbare Sprache zur künstlerischen Darstellung
aufsteigt, das werde ich zu sagen haben vor den nächsten Eurythmie-Aufführungen. Heute haben wir es zu tun mit einer anderen Seite
der Eurythmie. Kinder werden vor Ihnen auftreten. Für sie ist diese
ein beseeltes, durchgeistigtes Turnen. Deshalb ist sie in der von Emil
Molt in Stuttgart begründeten, von mir geleiteten Waldorfschule als
obligatorischer Lehrgegenstand neben dem Turnen eingeführt.
Die Berechtigung dazu liegt darin, daß sie den menschlichen
Organismus in eine Beweglichkeit überführt, die ein ganz naturgemäßes, zeitweiliges Ausleben seiner eigenen Gestalt, seiner inneren
ruhenden oder beweglichen Wesenheit ist. Man sehe sich einen
menschlichen Arm mit der Hand an. Seine Gestalt enthält zugleich
das Geheimnis seiner Beweglichkeit, seiner Betätigung. Man kann die
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ruhende Hand und den ruhenden Arm nicht ansehen, ohne die in
ihnen liegenden Bewegungsmöglichkeiten im Geiste /////zusehen, wie
man ein ruhiges, stummes Antlitz nicht sehen kann, ohne daß es in
Form und Gestalt verrät, wie es nur den Mund zu öffnen braucht,
um eine Seele hörbar zu machen. Und man kann eine bewegte Hand
und einen bewegten Arm nicht sehen, ohne in der Bewegung das
Streben nach der ruhenden Gestalt mitzuempfinden, wie im sprechenden Menschen sich das Geheimnis seines physiognomischen Ausdruckes offenbart.
Aber wie die Sprache selbst aus dem inneren Wesen des Menschen
gesetzmäßig hervorbricht, so ist es auch möglich, innere Seelenzusammenhänge in Bewegungen umzusetzen, die sich von Geberde
und Mimik bis zur vollen Artikulation einer sichtbaren Sprache fortbilden. Und der Mensch erlebt dann an seinen Bewegungen eine Ausdrucksfähigkeit, die der Tonsprache und dem Gesänge ähnlich ist.
Es offenbart sich der Mensch in seinem ganzen Wesen, nach Leib,
Seele und Geist durch eine solche sichtbare Sprache.
Und diese Möglichkeit der Selbstoffenbarung empfindet das Kind.
Der im Menschen liegende Bewegungsdrang findet seine eigene Wesenheit wieder in seinem Tun. Was in dem Menschen veranlagt ist,
fühlt es herausgeholt aus der inneren Wesenheit und aus dem körperlichen Allgemeinempfinden. Auf solchem Herausholen beruht alle
wirkliche Erziehung. Die Eurythmie als beseeltes, durchgeistigtes
Turnen ist ein bedeutsames Erziehungsmittel. Künftige Zeiten, die
manche Vorurteile der Gegenwart werden abgelegt haben, werden
auch einsehen, wie das Turnen durch die Eurythmie ergänzt werden
muß. Das Turnen holt seine Gesetze aus der Erkenntnis der menschlichen Körperlichkeit. Was es dadurch erreichen kann, soll ihm
durchaus hier nicht abgesprochen werden. Allein das beseelte Turnen
wird erreichen, was das rein körperliche nicht kann; es wird z.B. die
Willens-Initiative aus dem Menschen herausholen. Es wird den Vollmenschen, nach Leib, Seele und Geist erziehen, aber keineswegs den
Leib vernachlässigen. Denn im Vollmenschen sind Leib, Seele und
Geist Eines. Und wer Bewegungen ausführen läßt, die dem lebendigen
Geiste, nicht dem abstrakten, nebulosen Geiste, von dem man heute
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Kinder-Eurythmie-Aufführung
Montag, 22. August 1921, 5 Uhr
PROGRAMM
1. Stabübungen
2. Ballen und Spreizen
3. Chromatische Skala und Dur-Dreiklänge
4. Anapäste
5. Mariemvürmchen (Lauteurythmie) Volkslied
6. Chromatische Skala und Moll-Dreiklänge
7. Im Hochwald Christian Morgenstern
8. Tonleiterübung
9. Männlein im Walde Hoffmann v. Fallersleben
10. Energie tan^
11. Berceuse (Toneurythmie) Sophie v. Walleen
12. Was treibst du Wind? C. F. Meyer
13. Tan% J. S. Bach
14. Das Häslein Christian Morgenstern
15. Tan% J. S. Bach
16. Ländliches Lied Robert Schumann
17. Schlaf, Herzenskind (Toneurythmie)
18. Philantropisch Christian Morgenstern
19. Vöglein im hohen Baum (Toneurythmie) Volkslied
20. Kling, kling, Glöckchen (Toneurythmie) Zagwijn
21. Das bucklige Männlein Volkslied
22. Frohsinn Löwenstein
Musik: Hiller
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fast allein spricht, entstammen, der pflegt zugleich auch das am
besten, was leibgemäß, was naturgemäß ist.
Deshalb empfinden die Kinder in der Eurythmie etwas, was sie so
selbstverständlich von Innen aus vollführen wollen, wie sie sprechen
wollen aus innerem Antrieb.
Die Berechtigung der Eurythmie als Erziehungsmittel gilt für den,
der aus wahrer, sachgemäßer Menschen-Erkenntnis heraus die Wege
der Erziehung sucht. Deshalb darf man glauben, daß man die Aufnahme dieses beseelten Turnens künftig in jeden Erziehungsplan
aufnehmen wird. Man wird es tun zur Erhöhung des inneren Anteiles
des Kindes am Erziehungswege; zur Pflege des ganzen vollen Menschentums während der Erziehung. |
II. Einführende Worte vor der Eurythmie-Vorstellung
Mittwoch, 24.August 1921
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eines geistig-seelischen Turnens als ein Erziehungs- und Unterrichtsmittel veranschaulichen sollte. Heute möchten wir vor Sie hintreten
mit der Eurythmie als einer freien Kunst. Eine Vorstellung in einer
solchen erklären wollen, ist ein unkünstlerisches Unternehmen. Denn
eine wirkliche Kunst muß durch dasjenige wirken, was sie in unmittelbarer Anschauung offenbaren kann; und der Zuschauer kann daran
nur dasjenige künstlerisch finden, was ihm in dieser unmittelbaren
Anschauung restlos entgegentritt.
Es kann also nicht sein, um über die Vorstellung erklärende Worte
zu sagen, warum ich diese Einleitung spreche. Es geschieht aus einem
andern Grunde. Die Eurythmie schöpft aus bisher ungewohnten
künstlerischen Quellen und bedient sich einer ebenso noch ungewohnten Formensprache. Und über diese Quellen und diese Formensprache
dürfen wohl einige einleitende Worte gesprochen werden. Der
Eurythmie liegt zu Grunde eine sichtbare Sprache. Ihre Ausdruckscopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:277 Seite: 244
formen sind die Bewegungen der Glieder des menschlichen Körpers,
oder Bewegungen von Menschen in Gruppen.
Diese Bewegungen kommen nicht wie die gewöhnliche Geberde,
nicht als Mimik, Pantomime, und am wenigsten als gewöhnlicher
Tanz zu Stande. Sie sind dadurch gebildet worden, daß man durch
sinnlich-übersinnliches Schauen die Bewegungstendenzen der menschlichen Gesangs- und Sprachorgane studierte. Es handelt sich da um
das Studium nicht völlig ausgebildeter Bewegungen, die dem Gesang
und dem Sprechen zu Grunde Hegen. Beim Singen und Sprechen
setzen sich diese Bewegungen nur an und wandeln sich dann in
dasjenige um, was Ton und Laut vermitteln kann. Man muß also das
Singen und Sprechen in der Entstehung (im Status nascens) festhalten. Was man dadurch sinnlich-übersinnlich als Bewegungsmöglichkeit erfaßt, das überträgt man auf den ganzen Menschen. Dieser
wird zum Sing- und Sprechorganismus.
Es ist das von Goethe zum Ziel einer morphologischen Anschauung verwendete Prinzip der Metamorphose, das in das künstlerische
Schaffen heraufgehoben wird. Goethe sieht in der ganzen Pflanze
nur ein komplizierter ausgestaltetes Blatt; in dem Blatte der Idee
nach eine ganze Pflanze, die nur in einfacherer Art für die Sinne
sich offenbart.
In der menschlichen Sprache verbindet sich der Gedanke mit dem
Willen. Der Gedanke ist das unkünstlerische Element. Daher wird
der Sprache der künstlerische Charakter um so mehr genommen, je
zivilisierter sie wird. Sie wird da zum Ausdrucke des Gedankens,
der auf der einen Seite ein Diener der Erkenntnis, auf der andern
der sozialen Konvention wird. Der wahre Künstler als Dichter
kämpft gegen das unkünstlerische Gedankenelement der Sprache. Er
sucht nach einer Gestaltung der Laut- und Wortzusammenhänge,
denen der Rhythmus, der Takt, die Harmonie, der Reim, die Alliteration, das musikalische oder imaginative thematische Motiv zu Grunde
liegt. Er macht dadurch die Sprache zum Ausdruck des Willens, das
heißt des vollen Menschen.
Dieses Element des Willens ist es, das durch die ganze Wesenheit
der Eurythmie in dieser waltet. Man bringt durch sie sichtbar zur
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Offenbarung, wonach der Musiker in der Tongestaltung, der wahre
Dichter in der Sprachgestaltung hinstreben. Was einem Gedichte über
seinen Prosagehalt hinaus als Kunst zu Grunde liegt, kommt durch
die Eurythmie vor das Auge.
Das Eurythmische wird einerseits begleitet vom Musikalischen. Da
ist es ein sichtbarer Gesang. Anderseits von Rezitation und Deklamation. Da kommt durch sie der wirklich künstlerisch-poetische
Gehalt der Dichtung zur Anschauung.
Man kann aber nicht so zur Eurythmie deklamieren und rezitieren,
wie man es in unserem unkünstlerischen Zeitalter macht, in dem
man im Pointieren des Prosagehaltes eines Gedichtes ein Wesentliches sieht. Man muß über den Prosagehalt hinaus in der rezitatorischen und deklamatorischen Sprachgestaltung, in der Herausarbeitung von Takt, Rhythmus, Harmonie, Reim, musikalischem und bildhaftem Thema dieses Wesentliche sehen. Man muß aus der Dichtung
die unsichtbare Eurythmie herausholen, die dann daneben als sichtbare vor den Zuschauer hintritt.
Die Eurythmie ist noch im Anfange ihrer Entwickelung. Das wissen wir und sind selbst die strengsten Kritiker desjenigen, was schon
heute vermocht wird. Aber wer kennt, was angestrebt wird, der muß
in ihr unbegrenzte Entwickelungsmöglichkeiten sehen. Goethe fand:
«Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen beginnt,
der empfindet die tiefste Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst.» Nun, Eurythmie kann sagen: «Wem der Mensch
die Geheimnisse der Menschenorganisation zu enthüllen beginnt, der
empfindet die tiefste Sehnsucht nach der künstlerischen Gestaltung,
die in der Eurythmie versucht wird.» Denn diese bedient sich nicht
eines äußeren Werkzeuges, sondern des Menschen selbst als des
würdigsten Werkzeuges. Und ein andermal sagt Goethe: «Wenn der
Mensch auf den Gipfel der Natur gestellt ist, empfindet er sich wieder
als eine ganze Natur, nimmt Ordnung, Harmonie, Maß und Bedeutung
zusammen und erhebt sich zur Produktion des Kunstwerkes.»
Dieses Erheben muß am besten dann gelingen, wenn der Mensch
Ordnung, Harmonie, Maß und Bedeutung seines eigenen Wesens
nimmt und durch sich selbst ein Kunstwerk gestaltet; denn in ihm
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als dem Mikrokosmos liegen alle Geheimnisse des Makrokosmos
auf irgend eine Art verborgen.
Aus dieser Zielsetzung heraus darf gehofft werden, daß, wenn auch
heute Eurythmie erst ein Anfang ist, sie sich doch wird dereinst als
vollberechtigte Kunst neben die älteren vollberechtigten Schwesterkünste hinstellen können.
Eurythmie-Aufführung
Dornach, 24. August 1921
PROGRAMM
Aus «Die Prüfung der Seele»:
Das Märchen vom Quellenwunder Rudolf Steiner
Evening Beils Thomas Moore
D a s Nildelta Wladimi r Solovjeff
A u s den Jahressprüchen: 3 . Augustwoch e … . Rudol f Steine r
April W.Watson
Das Veilchen J. W. v. Goethe
Les Papillons J. Rameau
Weltenseelengeister Rudolf Steiner
The Arrow and the Song H. W. Longfellow
Romantischer Auftakt Musik: Max Schuurman
Aus «Pierrot Lunaire» A. Giraud
Abend - Souper - Gebet - Harlequin
übersetzt von O. E. Hartleben
Aus den Humoresken Christian Morgenstern
Der Hahn - Die Weste - Der Purzelbaum
Die wirklich praktischen Leute - Der Würfel
Die Feuerprobe - Die Hystrix - Anto-logie
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 247
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 24 |
III. Einführende Worte zur Eurythmie-Vorstellung (mit Szenen aus den Mysteriendramen)
Freitag, 26. August 1921, 8 Uhr abends mit Faksimile der Handschrift Rudolf Steiners
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Eurythmie sind, habe ich mir erlaubt auseinanderzusetzen in den Einleitungen zu den beiden vorangehenden Vorstellungen. Heute bitte
ich Sie, mir zu gestatten darüber zu sprechen, wie Eurythmie in den
Dienst der Dramatik treten kann. Denn es werden in dieser Vorstellung neben anderem dramatische Szenen mit Zuhilfenahme der
Eurythmie vorgeführt werden.
Als Ausdrucksmittel der eurythmischen Kunst dient die Bewegung
des Menschen und der Menschengruppe. Durch dieses Ausdrucksmittel kann das vor die Augen geführt werden, was der Sprachbehandlung durch den Dichter und der Tonbehandlung durch den
Komponisten zu Grunde liegt. Es ist dies das Element, durch das
Dichter und Komponist ihre Schöpfungen in die Sphäre des Geistigen hineinstellen können. Denn Laut- und Toninhalt führen herunter in das Sinnliche, Laut- und Tongestaltung leiten hinauf in das
Geistige.
Naturgemäß führt auch Eurythmie das Geistige in der sinnlich
anschaubaren Bewegung vor. Aber diese Bewegung stellt nur das
Geistige dar, das durch Ton und Laut hindurch erlebt wird. Sie
trägt also das Geistige ganz unmittelbar in die Sinneswelt herein.
Daher jtommt es, daß im Drama Szenen mit Zuhilfenahme der
eurythmischen Kunst gegeben werden können, welche sich aus dem
physisch-sinnlichen Geschehen in den Bereich erheben, wo eine unmittelbare Berührung der Menschenseele mit der geistigen Welt in
Frage kommt.
Szenen in Goethes «Faust», wie der Prolog im Himmel, die
Arielszene und so weiter, offenbaren ihren dichterischen Gehalt
erst, wenn nicht mit der naturalistischen Bühnenmimik gespielt wird,
sondern wenn diese hinaufgehoben wird in die stilvoll getragene
eurythmische Darstellung.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 277 Seite: 24 9
Ich glaube, daß dies auch für viele Szenen meiner Mysteriendramen
gilt. Nicht nur, daß bei ihnen viele Szenen die Darstellung übersinnlicher Vorgänge sind. Sondern sie sind schon in eurythmischer Form
konzipiert.
Ich darf vielleicht, ohne unbescheiden sein zu wollen, sagen, daß
jede Einzelheit dieser Dramen unmittelbar in ihrer vollen Räumlichkeit und Zeitlichkeit anschaulich vor meiner Seele stand. Die tun
diesen Dramen Unrecht, die sie symbolisierend in abstrakte Begriffe
auflösen. Ich hatte nie solche abstrakte Begriffe in der Seele. Ich sah
nur die Personen, hörte ihre Worte, nahm ihre Handlungen wahr.
Für mich ist alles auf einer geistig geschauten Bühne bis auf die
Szenerie fertig da gewesen.
Was aber so im Geiste geschaut wird, hat, wenn auch Geistiges
der Inhalt ist, stilvolle, nicht naturalistische Bewegung. Daher wird
für viele Szenen die Eurythmie die naturgemäße Form des Bühnenausdruckes sein.
Für dasjenige, was die Wiedergabe von Vorgängen der physischsinnlichen Welt in der dramatischen Kunst betrifft, ist es mir bisher
nicht gelungen, die befriedigende eurythmische Ausdrucksform zu
rinden. Ich hoffe, daß dies noch geschehen wird.
Ich darf vielleicht noch darauf aufmerksam machen, wie bei einzelnen Gedichten versucht wird, in eurythmischen Formen, zu denen
nicht hinzu gesprochen wird, die Stimmung einer Dichtung einzuleiten und ausklingen zu lassen. Es kann dies den Beweis liefern,
daß Eurythmie durchaus als ein selbständiges Sprechen für sich gelten
kann.
Ich hoffe, daß auch diese Vorstellung den Beweis stützen werde,
daß die eurythmische Kunst neben den andern Künsten eine Daseinsberechtigung hat, daß sie das Gebiet des künstlerischen Wirkens
erweitert gerade durch etwas, was den Menschen besonders naheliegt.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 250
Dornach, 26. August 1921
PROGRAMM
Aus «Der Seelen Erwachen», 2. Bild:
Sylphen- und Gnomenchor Rudolf Steiner
Procemion J. W. v. Goethe
Elfe Fr. v. Eichendorff
Aus alten Märchen Heinrich Heine
Schmetterling Edvard Grieg
Die Metamorphose der Pflanzen J. W. v. Goethe
Wer in der Weltgeschichte J. W. v. Goethe
Meine Weisheit Friedrich Nietzsche
Ein glitzernder Friedrich Nietzsche
Da stehn sie da Friedrich Nietzsche
Aus «Der Hüter der Schwelle», 6. Bild:
Luziferisch e un d ahrimanisch e Wese n … . Rudol f Steine r
Vereinsamt Friedrich Nietzsche
Für Tänzer Friedrich Nietzsche
Rezensent J. W. v. Goethe
Aus «Pierrot Lunaire»: Souper / Eine Bühne . . . . A. Giraud
in der Übertragung von O. E. Hartleben
Auf einer Bühne Christian Morgenstern
Satirischer Auftakt Musik: Leopold van der Pals
Unter Schwarzkünstlern Christian Morgenstern
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 2 51
Eintragungen in ein Notizbuch
Zur Eurythmie-Vorstellung
am 3. Sept. 1921
Goethe
«Die mimische Tanzkunst würde eigentlich alle bildenden
Künste zu Grunde richten, und mit Recht. Glücklicherweise
ist der Sinnenreiz, den sie bewirkt, so flüchtig, und sie muß,
um zu reizen, ins Übertriebene gehen. Dieses schreckt die
übrigen Künstler glücklicherweise sogleich ab; doch können
sie, wenn sie klug und vorsichtig sind, viel dabei lernen.»
Also = Goethe meint = 1.) Zu Grunde richten der
bild. Künste.
2.) Reiz der Sinne flüchtig
3.) Daher Reiz in Übertriebene.
4.) schreckt übrigen Künstler ab
5.) können viel dabei lernen -
Das ist alles nicht bei der Eurythmie -
Sie geht nicht auf Mimik, sondern auf das Zurückliegende -
sie gibt, woraus Gesang und Wortgestaltung entstehen
[Ansprache nicht vorhanden]
V
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 77 Seite: 252
Eintragungen in ein Notizbuch
Dornach, 23. Oktober 1921
Eurythmie = bringt den künstlerischen Gehalt einer Dichtung oder eines Tonstückes - es sind die festgehaltenen und umgesetzten Bewegungen =
was im Innern vorgeht - sichtbare Sprache oder
sichtbare Musik. —
Jeder Laut ist eigentlich die Wiedergabe einer
Bewegung =
Vokal die Bewegung im Innern, die den Eindruck ertragen läßt -
Konsonant das Nachahmungsbedürfnis, der
Trieb einen äußeren Vorgang nachahmend zu
verstehen. -
Übersinnliches im Drama. -
Maria Benedictus - nun aber Geist von
Johannes Jugend - Doppelgänger - Schwellenhüter - Ahriman. - <