II Natur-Impressionen 2
*Zu den Programmen vom 17. und 18. Januar 1920 **
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zeigen, die vielleicht gerade diese eurythmische Darstellung besonders
vertragen aus dem Grunde, weil sie zum Teil schon durchaus so empfunden sind, daß innere Eurythmie in ihnen ist, oder weil sie, wie
zum Beispiel Goethes «Metamorphose der Pflanzen», treu der Natur
nachgebildet sind, so daß die Eurythmie wie von selbst sich ergibt.
Das ist nämlich das Eigentümliche: bei schlechten Dichtungen wird
man nicht leicht mit der Eurythmie nachkommen; bei Dichtungen
aber, die von vornherein künstlerisch empfunden sind, für die allerdings unsere Zeit recht wenig Empfindung hat, wird man gerade mit
der Eurythmie nachkommen können. Insbesondere wenn sie das sind,
was ich Natur-Impressionen nennen möchte, was im Schaffen ein wirkliches Mitgehen der menschlichen Seele mit der Natur voraussetzt.
Es ist das Übertragen der sonst nur unbewußten Bewegungen, die
vom Kehlkopf und seinen Nachbarorganen ausgeführt werden, während wir zuhören, aus dem Grunde interessant, weil für den sinnlichübersinnlichen Beobachter in einer gewissen Weise klar ist, wie in dem
Stimmlichen eines Wesens das ganze Verhältnis dieses Wesens zur
umliegenden Natur und zu seiner eigenen Gestalt zum Vorschein
kommt. Wer intuitives Auffassungsvermögen hat, wird unschwer in
dem Brüllen der Raubtiere eine gewisse Nachahmung ihrer Gestalt
und namentlich ihrer Bewegung sehen, so wie sich diese aus dem
Muskelapparate ergibt. Und so könnte man auch mit einer entsprechenden sinnlich-übersinnlichen Beobachtungsgabe sehen, wie der
Gesang der Vögel, die Tonwandlung des Vogels ein wunderbarer
Ausdruck der Bewegung des Vogels auf den Wellen der Lüfte selber
ist. Auf der anderen Seite kann man beobachten, wie gewisse Vogelarten ihre Tonwandlungen, ihre Gesangsgestaltungen in begleitenden
Bewegungen zum Ausdruck bringen.
Wenn man solche Dinge sachgemäß studiert, kommt man dazu,
dasjenige, was sonst in den Bewegungsanlagen des Kehlkopfes und
seiner Nachbarorgane unsichtbar bleibt, auf sichtbare Bewegungen
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des ganzen menschlichen Organismus übertragen zu können, so daß
man dadurch in der Tat eine Art stummer Sprache hervorrufen kann.
Nur ist der Organismus für diese stumme Sprache der ganze Mensch.
Diejenigen der verehrten Besucher unserer Veranstaltungen, welche
schon öfters hier waren, werden sich überzeugen können, daß wir in
den letzten Wochen ein gutes Stück vorangekommen sind, insbesondere im Aufbau des Satzbaues, der hier in Anschauung an den
Formen zum Ausdruck kommt, des künstlerischen Aufbaues, des
Rhythmus, des Reimes und so weiter, in der ganzen Formung der
Strophen.
Wir werden uns sehr bemühen, von Monat zu Monat vorwärtszukommen. Aber es ist eben doch alles noch im Anfange.
Dornach, 24. und 25. Januar 1920
PROGRAMM
Aus «Die Prüfung der Seele»:
Das Märchen vom Quellenwunder Rudolf Steiner
mit Musik von Leopold van der Pals
Der Fischer J. W. v. Goethe
Der vergessene Donner Christian Morgenstern
Schwalben Christian Morgenstern
Aus den 52 Wochensprüchen Rudolf Steiner
Mahomets Gesang J. W. v. Goethe
Weltseele J. W. v. Goethe
mit Musik von Max Schuurman
Die Dichtungen
werden von Marie Steiner rezitiert |