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NATIONALÖKONOMISCHER KURS, ZWEITER VORTRAG, Dornach, 25. Juli 1922

NATIONALÖKONOMISCHER KURS, ZWEITER VORTRAG, Dornach, 25. Juli 1922

Die Preisbildung aus Kauf und Verkauf ist nicht mit scharf konturierten Begriffen zu fassen. Die drei Produktionsfaktoren: Natur, Arbeit, Kapital. Wesen der Arbeit im volkswirtschaftlichen Sinne: Natur modifiziert durch Arbeit: Wertbildung I. Die Arbeit modifiziert durch den Geist: Wertbildung II. Das Konstante hinter den fluktuierenden Werten. Polarität von Natur und Kapital.

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23 Es werden die ersten Begriffe, Anschauungen, die wir zu entwickeln haben gerade auf volkswirtschaftlichem Gebiete, etwas kompliziert sein müssen, und das aus einem ganz sachlichen Grunde. Sie müssen sich vorstellen, daß die Volkswirtschaft, auch wenn wir sie als Weltwirtschaft auffassen, in einer fortwährenden Bewegung ist, daß, ich möchte sagen, wie das Blut durch den Menschen, so die Güter als Waren auf allen möglichen Wegen durch den ganzen volkswirtschaftlichen Körper hindurchfließen. Dabei haben wir dann als die wichtigsten Dinge innerhalb dieses volkswirtschaftlichen Prozesses aufzufassen dasjenige, was sich abspielt zwischen Kauf und Verkauf. Wenigstens muß das für die heutige Volkswirtschaft gelten. Was auch immer sonst vorliegen mag - und wir werden ja die verschiedensten Impulse, die im volkswirtschaftlichen Körper enthalten sind, zu besprechen haben -, was aber auch immer vorliegen mag: die Volkswirtschaft als solche kommt an den Menschen heran, wenn er irgend etwas zu verkaufen oder zu kaufen hat. Was sich zwischen Käufer und Verkäufer abspielt, ist das, wonach schließlich alles instinktive Denken über die Volkswirtschaft jedes naiven Menschen abzielt, gipfelt, und worauf im Grunde genommen alles ankommt.
Nun, nehmen Sie nur einmal dasjenige, was da sich geltend macht, wenn innerhalb der volkswirtschaftlichen Zirkulation Kauf und Verkauf in Betracht kommen. Das, worauf es dem Menschen ankommt, das ist der Preis irgendeiner Ware, irgendeines Gutes. Die Preisfrage ist überhaupt zuletzt diejenige Frage, auf die die wichtigsten volkswirtschaftlichen Auseinandersetzungen hinauslaufen müssen; denn im Preis gipfelt alles, was in der Volkswirtschaft eigentlich an Impulsen, an Kräften tätig ist. Wir werden also gewissermaßen zuerst das Preisproblem ins Auge zu fassen haben; aber das Preisproblem ist kein außerordentlich einfaches. Sie brauchen ja nur an den einfachsten Fall zu denken: Wir haben an einem Orte, A, irgendeine Ware, die hat an diesem Orte A einen bestimmten Preis; sie wird dort nicht gekauft, sie
24 wird weitergefahren. Es muß angestrebt werden, daß dann zu dem Preis hinzukommt dasjenige, was notwendig war, an Frachtgut zu bezahlen bis zum zweiten Orte, B. Der Preis ändert sich während der Zirkulation. Das ist der einfachste, ich möchte sagen der platteste Fall. Aber es gibt ja natürlich viel kompliziertere Fälle.
Nehmen Sie an, sagen wir, ein Haus in einer größeren Stadt kostet zu irgendeiner Zeit so und so viel. Nach fünfzehn Jahren kostet dasselbe Haus vielleicht sechs- oder achtmal so viel. Und dabei brauchen wir gar nicht, indem wir von dieser Preiserhöhung sprechen, daran zu denken, daß etwa die Hauptsache in der Geldentwertung liege. Das wollen wir gar nicht annehmen. Die Preiserhöhung kann einfach darin liegen, daß mittlerweile viele andere Häuser ringsherum gebaut worden sind, in der Nähe andere Gebäude liegen, die den Wert des Hauses besonders erhöhen. Es kann durchaus in zehn, fünfzehn anderen Umständen liegen, daß dieses Haus im Preis erhöht worden ist. Wir sind niemals eigentlich in der Lage, im einzelnen Falle etwas Generelles zu sagen, etwa zu sagen: Bei Häusern oder bei Eisenwaren oder bei Getreide liegt vor die Möglichkeit, für irgendeinen Ort eindeutig aus irgendwelchen Bedingungen heraus den Preis zu bestimmen. - Wir können zunächst eigentlich nicht einmal viel mehr sagen als: Wir müssen beobachten, wie der Preis schwankt mit dem Ort, mit der Zeit. - Und wir können einzelne von den Bedingungen vielleicht verfolgen, durch die an einem konkreten Orte der Preis sich gerade herausstellt in der Weise, wie er ist. Aber eine allgemeine Definition, wie der Preis sich irgendwie zusammensetzt, die kann es nicht geben, die ist eigentlich unmöglich. Daher muß es immer wieder und wiederum überraschen, daß wir in gebräuchlichen nationalökonomischen Werken so über den Preis gesprochen finden, als ob man den Preis definieren könne. Man kann ihn nicht definieren; denn der Preis ist überall ein konkreter, und mit jeder Definition hat man gerade bei volkswirtschaftlichen Dingen eigentlich etwas gegeben, das nicht einmal annähernd irgendwie an die Sache herankommt.
Ich habe zum Beispiel einmal den Fall erlebt: In einer Gegend sind die Grundstücke recht billig. Eine Gesellschaft hat in ihrer Mitte einen ziemlich berühmten Mann. Diese Gesellschaft kauft sich nun
25 sämtlich die billigen Grundstücke und veranlaßt dann den berühmten Mann, in dieser Gegend sich ein Haus zu bauen. Dann werden die Grundstücke ausgeboten. Sie sind um wesentlich teureres Geld auszubieten, als sie gekauft worden sind, bloß dadurch, daß man den berühmten Mann veranlaßt hat, sich dort ein Haus hinzubauen.
Das sind Dinge, die Ihnen zeigen, von welchen unbestimmten Bedingungen der Preis einer Sache im volkswirtschaftlichen Prozeß abhängt. Sie können nun natürlich sagen: Ja, aber solchen Dingen muß man steuern. - Bodenreformer und ähnliche Leute stemmen sich gegen solche Dinge, wollen in einer gewissen Weise eine Art gerechten Preises für die Dinge feststellen durch allerlei Maßregeln. Das kann man; aber volkswirtschaftlich gedacht, wird dadurch der Preis nicht geändert. Man kann zum Beispiel, sagen wir, wenn so etwas geschieht und dann die Grundstücke teurer verkauft werden, man kann den Leuten das Geld wiederum in Form einer hohen Grundsteuer abnehmen. Dann steckt der Staat dasjenige, was abfällt, ein. Die Wirklichkeit hat man aber damit doch nicht ergriffen. In Wirklichkeit ist die Sache dennoch teurer geworden. Sie können also Gegenmaßregeln ergreifen, die kaschieren aber nur die Sache. Der Preis ist doch derjenige, der er geworden wäre ohne diese Maßregeln. Man macht nur eine Umlagerung; und volkswirtschaftlich gedacht ist das nicht, wenn man dann sagt, die Grundstücke sind nach zehn Jahren nicht teurer geworden, wenn man durch Maßregeln die Sache kaschiert hat. Es handelt sich darum, daß Volkswirtschaft mit beiden Beinen eben in der Wirklichkeit stehen muß, und man in der Volkswirtschaft immer nur sprechen kann von den Verhältnissen, die gerade in einem Zeitalter und gerade dort sind, wo man spricht. Daß die Dinge anders sein können, das wird sich natürlich dann für den ergeben, der den Fortschritt der Menschheit will; aber zunächst müssen die Dinge in ihrer augenblicklichen Wirklichkeit betrachtet werden. Daraus ersehen Sie, wie unmöglich es eigentlich ist, heranzugehen an so etwas, wie an den allerwichtigsten Begriff in der Volkswirtschaft: den Preis, und diesen Preis mit einem scharf konturierten Begriff erfassen zu wollen. So kann man nicht in der Volkswirtschaftslehre zu etwas kommen. Es müssen eben durchaus andere Wege eingeschlagen
26 werden. Der volkswirtschaftliche Prozeß selbst muß betrachtet werden.
Trotzdem ist das Preisproblem das allerwichtigste, und wir müssen auf dieses Preisproblem hinsteuern, müssen also den volkswirtschaftlichen Prozeß ins Auge fassen und versuchen, gewissermaßen zu erhaschen den Punkt, wo irgendwo oder irgendwann der Preis sich aus den volkswirtschaftlichen Untergründen heraus für irgendeine Sache ergibt.
Wenn Sie nun die gebräuchlichen Volkswirtschaftslehren verfolgen, so finden Sie gewöhnlich dort drei Faktoren verzeichnet, durch deren Ineinanderwirken die gesamte Volkswirtschaft sich abspielen soll. Sie finden verzeichnet: die Natur, die menschliche Arbeit und das Kapital. Gewiß, man kann zunächst sagen: Wenn man den Volkswirtschaftsprozeß verfolgt, so findet man im Verlaufe desselben dasjenige, was von der Natur stammt, dasjenige, was durch menschliche Arbeit erreicht, und dasjenige, was unternommen wird oder geordnet wird durch das Kapital. Aber wenn man so, ich möchte sagen, einfach nebeneinander betrachtet Natur, Arbeit und Kapital, so wird man nicht lebendig den volkswirtschaftlichen Prozeß erfassen. Man wird gerade durch eine solche Betrachtung zu den mannigfaltigsten Einseitigkeiten geführt werden. Und das zeigt ja die Geschichte der Volkswirtschaftslehre. Während die einen meinen, aller Wert liege in der Natur und eigentlich käme kein besonderer Wert zu dem Stoffe der Naturobjekte hinzu durch die menschliche Arbeit, sind andere der Ansicht, daß eigentlich aller volkswirtschaftliche Wert aufgedrückt wird irgendeinem Gut, einer Ware, durch die, wie man wohl auch sagt, hineinkristallisierte Arbeit. Wiederum, in dem Augenblick, wo Sie Kapital und Arbeit nebeneinanderstellen, werden Sie auf der einen Seite finden, daß die Leute sagen, eigentlich ist es das Kapital, welches die Arbeit einzig und allein möglich macht, und der Arbeitslohn werde gezahlt aus der Kapitalmasse. Auf der anderen Seite wird gesagt: Nein, alles dasjenige, was Werte produziert, das ist die Arbeit, und das, was das Kapital erringt, ist nur der aus dem Arbeitsergebnis abgezogene Mehrwert.
Die Sache ist so: Betrachtet man von dem einen Gesichtspunkt die
27 Dinge, so hat der eine recht; betrachtet man sie von dem anderen Gesichtspunkt, so hat der andere recht. Es kommt einem eine solche Betrachtung der Realität gegenüber eigentlich wirklich vor wie manche Buchhaltung: Setzt man den Posten da hin, kommt das heraus; setzt man ihn dort hin, kommt das heraus und so weiter. Man kann ganz gut mit sehr starken Scheingründen von Mehrwert sprechen, der eigentlich dem Arbeitslohn abgezogen ist und den sich der Kapitalist aneignet. Man kann mit ebenso guten Gründen davon sprechen, daß eigentlich im volkswirtschaftlichen Zusammenhange dem Kapitalisten alles gebührt und er nur aus dem, was er zum Arbeitslohn verwenden kann, eben seine Arbeiter bezahlt. Für beides gibt es sehr gute und auch sehr schlechte Gründe. Alle diese Betrachtungen können nämlich eigentlich durchaus nicht an die volkswirtschaftliche Wirklichkeit herankommen. Diese Betrachtungen sind gut als Grundlagen für Agitationen, aber sie sind durchaus nicht etwas irgendwie in der ernsten Volkswirtschaftslehre in Betracht Kommendes. Andere Grundlagen müssen zuerst da sein, wenn man überhaupt mit einem gewissen Recht von einer Fortentwickelung des volkswirtschaftlichen Organismus sprechen will. Nun, natürlich, bis zu einem gewissen Grade sind alle solche Aufstellungen schon berechtigt; und wenn Adam Smith zum Beispiel in der Arbeit, die verwendet ist auf die Dinge, den eigentlich wertbildenden Urfaktor sieht, so kann man eben auch dafür außerordentlich gute Gründe vorbringen. Solch ein Mann wie Adam Smith hat schon nicht unsinnig gedacht; aber dasjenige, was auch da zugrunde liegt, ist, daß man immer meint, man könne irgend etwas, was stillsteht, erfassen und dann eine Definition geben, während im volkswirtschaftlichen Prozeß alles fortwährend in Bewegung ist. Es ist verhältnismäßig einfach, über Naturerscheinungen Begriffe aufzustellen, selbst über die kompliziertesten, gegenüber denjenigen Anschauungen, die man braucht für eine Volkswirtschaftslehre. Unendlich viel komplizierter, labiler, variabler sind die Erscheinungen in der Volkswirtschaft als die in der Natur, viel fluktuierender, viel weniger zu erfassen mit irgendwelchen bestimmten Begriffen.
Man muß eben eine ganz andere Methode einschlagen. Diese Methode wird Ihnen nur schwierig sein in den allerersten Stunden; Sie
28 werden aber sehen, daß sich daraus ergeben wird, was man einer wirklichen Volkswirtschaftslehre zugrunde legen kann. Man kann sagen: In diesen volkswirtschaftlichen Prozeß, den man ins Auge zu fassen hat, laufen ein Natur, menschliche Arbeit und - also zunächst, wenn man auf das rein Äußere der Volkswirtschaft hinsieht - Kapital. Zunächst!
Nun aber, wenn wir gleich auf das Mittlere schauen, auf die menschliche Arbeit, versuchen wir uns eine Anschauung zu bilden dadurch, daß wir einmal heruntergehen - ich habe schon gestern solche Andeutungen gemacht - ins Feld des Tierischen und uns statt der Volkswirtschaft die Spatzenwirtschaft, die Schwalbenwirtschaft ansehen. Ja, da ist die Natur die Grundlage für die Wirtschaft. Der Spatz muß auch eine Art von Arbeit verrichten. Er muß mindestens herumhüpfen und dorthin hüpfen, wo er sein Körnlein findet, und er hat manchmal gar sehr viel zu hüpfen im Tag, bis er sein Körnlein findet. Die Schwalbe, die ihr Nest baut, muß auch eine Art Arbeit verrichten. Sie hat auch damit sehr viel zu tun. Dennoch, im volkswirtschaftlichen Sinn können wir das nicht Arbeit nennen. Wir kommen nicht weiter mit volkswirtschaftlichen Anschauungen, wenn wir das Arbeit nennen; denn, sehen wir genauer zu, so müssen wir sagen: Der Spatz, die Schwalbe sind eigentlich genau so organisiert, daß sie die Dinge, die sie gewissermaßen, um ihr Futter zu finden, ausführen müssen, daß sie gerade diese ausführen. Sie würden gar nicht gesund sein können, wenn sie sich nicht in dieser Weise bewegen könnten. Es ist eine Fortsetzung ihrer Organisation, die zu ihnen gehört, wie sie Beine haben oder Flügel haben. So daß wir in diesem Fall eigentlich durchaus von dem, was man hier eine Scheinarbeit nennen könnte, absehen können, wenn wir volkswirtschaftliche Begriffe aufbauen wollen. Wo die . Natur unmittelbar genommen wird und das einzelne Wesen, bloß um sich oder die Allernächsten zu befriedigen, die entsprechenden Scheinarbeiten ausführt, da müssen wir diese Scheinarbeiten eigentlich dann abziehen, wenn wir bestimmen wollen dasjenige, was im volkswirtschaftlichen Sinne Wert ist, ein Wert ist. Und darum handelt es sich zunächst, daß wir uns nähern einer Anschauung über den volkswirtschaftlichen Wert.
29 Wenn wir also in der Tierwirtschaft Umschau halten, so können wir nur sagen: Diese ist so, daß wertbildend für sie lediglich die Natur selber ist. Wertbildend ist für die Tier Wirtschaft lediglich die Natur selber. Nun aber, in dem Augenblick, wo wir zum Menschen, das heißt zur Volkswirtschaft heraufkommen, haben wir allerdings von der Naturseite her den Ausgangspunkt des Naturwertes; aber in dem Augenblick, wo Menschen nicht bloß für sich oder ihre Allernächsten sorgen, sondern füreinander sorgen, kommt nun allerdings sofort dasjenige in Betracht, was menschliche Arbeit ist. Auch dasjenige, was der Mensch nun tun muß in dem Augenblick, wo er nicht bloß die Naturprodukte für sich verwendet, sondern wo er mit andern Menschen in irgendwelcher Beziehung steht und austauscht mit ihnen Güter, wird dasjenige, was er tut, der Natur gegenüber zur Arbeit. Und wir haben hier die eine Seite des Wertes in der Volkswirtschaft. Diese eine Seite entsteht dadurch, daß auf Naturprodukte menschliche Arbeit verwendet wird, und wir in der volkswirtschaftlichen Zirkulation Naturprodukte umgeändert durch menschliche Arbeit vor uns haben. Da entsteht eigentlich erst ein wirklicher volkswirtschaftlicher Wert. Solange das Naturprodukt an seiner Fundstelle ist, unberührt, solange hat es keinen anderen Wert als denjenigen, den es auch zum Beispiel für das Tier hat. In dem Augenblick, wo Sie den ersten Schritt machen, das Naturprodukt hineinzufügen in den volkswirtschaftlichen Zirkulationsprozeß, beginnt durch das umgeänderte Naturprodukt der volkswirtschaftliche Wert. In diesem Falle können wir diesen volkswirtschaftlichen Wert dadurch charakterisieren, daß wir den Satz aussprechen: Volkswirtschaftlicher Wert von dieser einen Seite ist Naturprodukt, umgewandelt durch menschliche Arbeit. - Ob diese menschliche Arbeit darinnen besteht, daß wir graben, daß wir hacken oder daß wir das Naturprodukt von einem Ort zum anderen bringen, das tut nichts zur Sache. Wenn wir zunächst die Wertbestimmung im allgemeinen haben wollen, so müssen wir sagen: Wertbildend ist die menschliche Arbeit, die ein Naturprodukt so verändert, daß es in den volkswirtschaftlichen Zirkulationsprozeß übergehen kann.
Wenn Sie das ins Auge fassen, dann werden Sie gleich haben das ganz Fluktuierende des Wertes eines in der Volkswirtschaft zirkulierenden
30 Gutes. Denn die Arbeit ist ja etwas fortwährend Vorhandenes, die verwendet wird auf das volkswirtschaftliche Gut. So daß Sie eigentlich gar nicht sagen können, was Wert ist, sondern nur sagen können: Der Wert erscheint an einer bestimmten Stelle in einer bestimmten Zeit, indem menschliche Arbeit ein Naturprodukt umwandelt. - Da erscheint der Wert. Wir können und wollen den Wert zunächst gar nicht definieren, sondern wollen nur hindeuten auf die Stelle, wo der Wert erscheint. Das möchte ich Ihnen schematisch darstellen, möchte es Ihnen so schematisch darstellen, daß ich Ihnen sage: Wir haben gewissermaßen im Hintergrunde die Natur (siehe Zeichnung 2, links); und wir haben an die Natur herankommend die menschliche Arbeit;

Tafel 2



Zeichnung 2

und dasjenige, was gleichsam durch das Ineinander wirken von Natur und menschlicher Arbeit erscheint, was da sichtbar wird, das ist von der einen Seite her der Wert. Es ist durchaus kein falsches Bild, wenn Sie sich zum Beispiel sagen: Sie schauen sich eine schwarze Fläche, irgend etwas Schwarzes an durch irgend etwas Helles - Sie sehen es blau. Aber je nachdem das Helle dick oder dünn ist, ist es verschieden blau. Je nachdem Sie es verschieben, ist es verschieden dicht. Es ist fluktuierend..So ist der Wert in der Volkswirtschaft, der eigentlich

31 nichts anderes ist als die Erscheinung der Natur durch die menschliche Arbeit hindurch, überall fluktuierend.
Wir gewinnen mit diesen Dingen zunächst nicht viel anderes als einige abstrakte Hinweise; aber diese werden uns in den nächsten Tagen orientierend sein, um die konkreten Dinge aufzusuchen. Nun, Sie sind es ja gewohnt, man fängt doch in allen Wissenschaften an mit demjenigen, was zunächst das allereinfachste ist. Sehen Sie, Arbeit an sich hat eben gar keine Bestimmung im volkswirtschaftlichen Zusammenhang. Denn, ob ein Mensch Holz hackt oder sich auf ein Rad stellt, es gibt solche, weil er dick ist und immer von der einen Stufe zu der anderen steigt - sie geht hinunter - und er sich dadurch dünner macht: er kann dasselbe Quantum Arbeit leisten wie der, der Holz hackt. Arbeit so betrachtet, wie sie zum Beispiel Marx betrachtet, daß er sagt, man solle als Äquivalent suchen dasjenige, was aufgebraucht wird durch die Arbeit am menschlichen Organismus, das ist ein kolossaler Unsinn; denn aufgebraucht wird dasselbe, wenn der Mensch da auf dem Rad hinauftanzt, wie wenn er Holz hackt. Es kommt nicht darauf an im volkswirtschaftlichen Sinn, was am Menschen geschieht. Wir haben ja gesehen, daß die Volkswirtschaft an Unvolkswirtschaftliches angrenzt. Rein volkswirtschaftlich betrachtet, hat es keine Berechtigung, irgendwie darauf hinzuweisen, daß die Arbeit - wenigstens zunächst, um den Begriff der Arbeit volkswirtschaftlich hinzustellen - den Menschen abnützt. Es hat in einem mittelbaren Sinn Bedeutung, weil man wiederum für die Bedürfnisse des Menschen sorgen muß. Wie Marx die Betrachtungen angestellt hat, hat man es zu tun mit einem kolossalen Unsinn.
Nun, was ist da notwendig, um die Arbeit im volkswirtschaftlichen Prozeß zu erfassen? Da ist notwendig, daß man ganz vom Menschen zunächst absieht und hinsieht, wie sich in den volkswirtschaftlichen Prozeß die Arbeit hineinstellt. Die Arbeit an einem solchen Rad stellt sich gar nicht herein, die bleibt ganz am Menschen haften; das Holzhacken stellt sich hinein in den volkswirtschaftlichen Prozeß. Ganz allein darauf kommt es an wie sich die Arbeit in den volkswirtschaftlichen Prozeß hineinstellt. Und hier handelt es sich eigentlich für alles, was in Betracht kommt, darum, daß die Natur überall verändert wird
32 durch die menschliche Arbeit. Und nur insofern, als die Natur verändert wird durch die menschliche Arbeit, erzeugen wir volkswirtschaftliche Werte nach dieser einen Seite. Wenn wir zum Beispiel, sagen wir, es zu unserer leiblichen Gesundheit richtig finden, an der Natur zu arbeiten und dazwischen drinnen immer einmal ein bißchen herumzutanzen oder Eurythmie zu treiben, so kann das von einem anderen Standpunkte aus beurteilt werden; aber dasjenige, was wir dazwischen tun, darf nicht als volkswirtschaftliche Arbeit bezeichnet werden und nicht für irgendwie volkswirtschaftlich wertbildend angesehen werden. Von anderer Seite aus kann es wertbildend sein; aber wir müssen uns erst die reinlichen Begriffe bilden von den volkswirtschaftlichen Werten als solchen.
Nun gibt es aber noch eine ganz andere Möglichkeit, daß ein volkswirtschaftlicher Wert entsteht. Das ist diese, daß wir auf die Arbeit als solche hinsehen und nun die Arbeit zunächst als etwas Gegebenes nehmen. Dann ist ja, wie Sie eben jetzt gesehen haben, diese Arbeit zunächst etwas volkswirtschaftlich ganz Neutrales, Irrelevantes. Sie wird aber in jedem Fall volkswirtschaftlich werterzeugend, wenn wir diese Arbeit durch den Geist, die Intelligenz des Menschen dirigieren - ich muß da etwas anders sprechen als vorhin. Sie könnten selbst in den extremsten Fällen denken, daß etwas, was sonst gar nicht Arbeit ist, durch den Geist des Menschen in Arbeit umgewandelt wird. Wenn es einem einfällt, wenn einer jenes Rad benützt, es in sein Zimmer stellt und magerer werden will, so ist da kein volkswirtschaftlicher Wert vorhanden. Wenn aber einer ein Seil herumzieht um das Rad und dieses Seil irgendwie eingreift, um eine Maschine zu treiben, so haben Sie durch den Geist dasjenige, was gar keine Arbeit ist, verwertet. Der Nebeneffekt ist der, daß der schon magerer wird; aber das, was hier eigentlich das Maßgebende ist, ist, daß die Arbeit durch den Geist, durch die Intelligenz, durch die Überlegung, vielleicht auch durch die Spekulation in eine gewisse Richtung gebracht wird, daß die Arbeiten in gewisse Wechselwirkungen gebracht werden und so weiter. So daß wir sagen können: Hier haben wir die zweite Seite des Wertbildenden n der Volkswirtschaft. Da, wo die Arbeit im Hintergrunde steht und der Geist vorne die Arbeit dirigiert, da scheint uns die Arbeit
33 durch den Geist durch und erzeugt wiederum volkswirtschaftlichen Wert.
Wir werden schon sehen, daß diese beiden Seiten durchaus überall vorhanden sind. Wenn ich das Schema hier so gezeichnet habe (siehe Zeichnung 2, links),

Tafel 2

daß gerade der volkswirtschaftliche Wert erscheint, wenn wir durch die Arbeit hindurch die Natur erscheinend haben, so müßte ich das, was ich jetzt auseinandergesetzt habe, so zeichnen, daß wir da hinten die Arbeit haben und da vorne zunächst dasjenige, was geistig ist, was der Arbeit eine gewisse Modifikation gibt (siehe Zeichnung 2, rechts).
Das sind im wesentlichen die zwei Pole des volkswirtschaftlichen Prozesses. Sie finden keine anderen Arten, wie volkswirtschaftliche Werte erzeugt werden: entweder wird die Natur durch die Arbeit modifiziert oder es wird die Arbeit durch den Geist modifiziert, wobei der Geist im Äußeren vielfach in den Kapitalformationen sich darlebt, so daß in bezug auf die Volkswirtschaft der Geist in der Konfiguration der Kapitalien gesucht werden muß. Wenigstens sein äußerer Ausdruck ist da. Doch das wird sich uns ergeben, wenn wir das Kapital als solches und dann das Kapital als Geldmittel betrachten.
So sehen Sie ja, daß wir nicht sprechen können davon, daß eine Definition des volkswirtschaftlichen Wertes sich ergeben kann. Denn wiederum bedenken Sie nur, wovon das alles abhängt, von wieviel dummen und gescheiten Leuten es abhängt, daß irgendwo vom Geiste die Arbeit modifiziert wird. Da sind lauter fluktuierende Bedingungen vorhanden. Aber dafür gilt das, was anschauungsgemäß ist, immer: daß auf diesen zwei polarischen Gegensätzen die wertbildenden Momente im volkswirtschaftlichen Prozeß zu suchen sind.
Nun, wenn das der Fall ist, dann liegt das vor: Wenn wir irgendwo drinnenstehen im volkswirtschaftlichen Prozeß, und der volkswirtschaftliche Prozeß, ich möchte sagen, irgendwo beim Kauf und Verkauf sich abspielt, so haben wir im Kauf und Verkauf im wesentlichen Wertaustausch, Austausch von Werten. Sie finden keinen anderen Austausch als den von Werten. Eigentlich ist es falsch, wenn man von Güteraustausch spricht. Im olkswirtschaftlichen Prozeß ist das Gut, ob es nun modifiziertes Naturprodukt ist oder modifizierte Arbeit, ein

34 Wert. Was getauscht wird, sind Werte. Darauf kommt es an. So daß Sie sich also sagen müssen: Wenn irgendwo sich Kaufund Verkauf abspielen, so werden Werte ausgetauscht. - Und dasjenige, was nun herauskommt im volkswirtschaftlichen Prozeß, wenn Wert und Wert gewissermaßen aufeinanderprallen, um sich auszutauschen, das ist der Preis. Sie finden den Preis erscheinen niemals anders, als daß Wert an Wert stößt im volkswirtschaftlichen Prozeß. Daher kann man auch über den Preis gar nicht nachdenken, wenn man etwa an den Austausch von bloßen Gütern denkt. Wenn Sie einen Apfel um, ja, ich weiß nicht, sagen wir fünf Pfennige kaufen, dann können Sie ja sagen, Sie tauschen ein Gut aus gegen ein anderes Gut, den Apfel gegen fünf Pfennige. Auf diese Weise kommen Sie aber nie zu einer volkswirtschaftlichen Betrachtung. Denn der Apfel ist irgendwo gepflückt, ist dann befördert worden, es ist vielleicht um ihn herum noch manches andere geschehen. Das ist die Arbeit, die ihn modifiziert hat. Sie haben es nicht zu tun mit dem Apfel, sondern mit dem von Menschenarbeit veränderten Naturprodukt, das einen Wert darstellt. Und man muß immer ausgehen vom Wert in der Volkswirtschaft. Ebenso haben Sie es bei den fünf Pfennigen mit einem Wert und nicht mit einem Gut zu tun; denn diese fünf Pfennige sind doch wohl nur das Zeichen dafür, daß vorhanden ist in dem Menschen, der sich den Apfel kaufen muß, ein anderer Wert, den er eintauscht dafür.
Also, worauf es mir ankommt, ist das: daß wir heute zu der Einsicht kommen, daß es falsch ist, in der Volkswirtschaft von Gütern zu sprechen, daß wir sprechen müssen, als von dem Elementaren, von Werten, und daß es falsch ist, den Preis anders erfassen zu wollen, auf eine andere Art, als daß man das Spiel der Werte ins Auge faßt. Wert gegen Wert gibt den Preis. Wenn schon der Wert etwas Fluktuierendes ist, das man nicht definieren kann, dann ist ja, wenn Sie Wert gegen Wert austauschen, gewissermaßen dasjenige, was im Austausch entsteht als Preis, das ist etwas Fluktuierendes im Quadrat.
Aus all diesen Dingen kann Ihnen aber folgen, daß es also ganz vergeblich ist, irgendwie erfassen zu wollen Werte und Preise, um in der Volkswirtschaft auf festem Boden zu stehen und etwa gar in einen volkswirtschaftlichen Prozeß eingreifen zu wollen. Dasjenige, was da
35 in Betracht kommt, muß etwas ganz anderes sein. Das muß darunterliegen und es liegt ja auch dahinter. Das zeigt eine sehr einfache Betrachtung.
Denken Sie sich nur einmal: Die Natur erscheint uns durch menschliche Arbeit. Wenn wir, sagen wir, Eisen an einem Ort gewinnen unter außerordentlich schwierigen Verhältnissen, so ist das, was als Wert herauskommt, durch menschliche Arbeit modifiziertes Naturobjekt. Wenn an einer anderen Stelle Eisen unter leichteren Verhältnissen produziert werden soll, so ist die Sache diese, daß eventuell ein ganz anderer Wert sich ergibt. Sie sehen also, daß man nicht am Wert die Sache erfassen soll, sondern hinter dem Wert sie erfassen muß. Man muß zu dem zurückgehen, was den Wert bildet, und muß da allmählich vielleicht auf die konstanteren Verhältnisse kommen, auf die man dann einen unmittelbaren Einfluß haben kann. Denn in dem Augenblick, wo Sie den Wert in die volkswirtschaftliche Zirkulation gebracht haben, da müssen Sie ihn im Sinne des volkswirtschaftlichen Organismus fluktuieren lassen. Geradesowenig wie Sie, wenn Sie auf die feinere Zusammensetzung des Blutkörperchens sehen, das anders ist im Kopf und anders im Herz und anders in der Leber, wie Sie da in der Hand haben zu sagen: Es ist darum zu tun, für das Blut eine Definition zu finden - darum kann es einem nicht zu tun sein, es kann einem nur darum zu tun sein, welches die günstigeren Nahrungsmittel sind in diesem oder jenem Falle; ebenso kann es sich niemals darum handeln, über den Wert und Preis herumzureden, sondern nur darum, daß man zu den ersten Faktoren geht, zu demjenigen, was dann, wenn es richtig formiert wird, eben den entsprechenden Preis herausbringt, der dann schon von selber so wird.
Es ist ganz unmöglich, mit der volkswirtschaftlichen Betrachtung stehenzubleiben im Gebiet von Wert- oder Preisdefinitionen, sondern man muß überall zurückgehen zu demjenigen, was die Ausgangspunkte sind, also gewissermaßen zu demjenigen, woraus der volkswirtschaftliche Prozeß seine Nahrung auf der einen Seite zieht und wodurch er auf der anderen Seite reguliert wird: also zu der Natur auf der einen Seite, zu dem Geist auf der anderen.
Das ist die Schwierigkeit gewesen bei allen volkswirtschaftlichen
36 Theorien der neueren Zeit, daß man zunächst immer das fassen wollte, was fluktuierend ist. Dadurch ergaben sich für denjenigen, der die Sache durchschaut, im Grunde genommen fast gar keine falschen Definitionen, sondern lauter richtige. Man muß schon wirklich sehr danebenhauen, wenn man sagt: Die Arbeit entspricht dem, was wiederum ersetzt werden muß im menschlichen Organismus, sie ist aufgebrauchter Stoff. - Da muß man schon sehr danebenhauen und die gewöhnlichsten Dinge nicht sehen. Aber es handelt sich darum, daß auch wirklich recht kluge Leute durchaus gestrauchelt sind beim Ausbilden ihrer volkswirtschaftlichen Theorie daran, daß sie die Dinge, die im Fluß sind, in Ruhe haben beobachten wollen. Das kann man den Naturdingen gegenüber tun, muß es oftmals tun; aber da genügt es, in ganz anderer Weise das Ruhende zu beobachten. Wenn wir die Bewegung betrachten, so sind wir nur dazu gekommen in der Naturbetrachtung, sie aus kleinen Ruhen zusammengesetzt zu betrachten, die dann fortspringen. Indem wir integrieren, betrachten wir auch die Bewegung als etwas, was sich aus Ruhen zusammensetzt.
Nach dem Muster solcher Erkenntnis kann man nicht den volkswirtschaftlichen Prozeß betrachten. So daß man sagen muß: Dasjenige, worauf es ankommt, ist, zunächst anzufassen die Volkswirtschaftslehre bei der Art und Weise, wie auf der einen Seite erscheint der Wert, indem die Natur durch die Arbeit verwandelt wird, die Natur durch die Arbeit gesehen wird, auf der anderen Seite, wie der Wert erscheint, indem die Arbeit durch den Geist gesehen wird. Und diese beiden Entstehungen der Werte sind durchaus polarisch verschieden, so wie im Spektrum der eine Pol, der helle Pol, der gelbe Pol, von dem blauen, violetten Pol verschieden ist. So daß Sie schon das Bild festhalten können: so wie auf der einen Seite die warmen Farben erscheinen im Spektrum, so erscheint auf der einen Seite der Naturwert, der sich mehr in der Rentenbildung zeigen wird, wenn wir Natur durch Arbeit verwandelt wahrnehmen; auf der anderen Seite erscheint uns mehr der Wert, der sich in Kapital umsetzt, wenn wir die Arbeit durch den Geist verändert erblicken. Dann kann allerdings der Preis entstehen, indem Werte des einen Poles mit Werten des anderen Poles zusammenstoßen, oder indem Werte innerhalb eines Poles miteinander
37 in Wechselwirkung treten. Aber jedesmal, wenn Preisbildung überhaupt in Betracht kommt, dann ist es so, daß Wert mit Wert in Wechselwirkung tritt. Das heißt, wir müssen ganz absehen von alledem, was sonst da ist, von dem Stoffe selber, von alledem müssen wir absehen und müssen zunächst sehen, wie Werte gebildet werden auf der einen Seite und wie Werte gebildet werden auf der anderen Seite. Dann werden wir zu dem Problem des Preises vordringen können.




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