Anhang: ÜberRot-Blau-Emanationswahrnehmungen (M.Benedikt)
III ANWENDUNGEN DER FARBENERKENNTNIS AUF PRAKTISCHEN GEBIETEN
Texte von Rudolf Steiner und anderen zu den Themen:
| Seite | Text |
| 481 |
Versuchspersonen in der Dunkelkammer
aus Moritz Benedikt, «Ruten- und Pendellehre»,
Wien und Leipzig 1917
Seite 16-18: [Faksimilewiedergabe]
Die Rutenfähigkeit ist übrigens keine hochstehende
menschliche Qualität. Sie ist mit sonst niederer Organisation möglich, während sie gerade bei geistig und in
bezug auf Fertigkeiten Hochstehenden sehr oft versagt.
Daß aber für die Verwertung der Fähigkeit auch in
nur etwas komplizierten Fällen, daß weiters für die Auffindung der Gesetze und für die Begründung der Erscheinungen die Intelligenz empirischer Rutengänger'nicht
hinreicht, ist selbstverständlich.
Wir kommen nun zur Klarmachung des Grundphänomens der Rutenlehre — zum Körperrutenstrom. Um
diesen zu verstehen, müssen wir in benachbarte Gebiete
hinüberstreifen.
Zuerst kommt die Asymmetrie (Ungleichseitigkeit)
des menschlichen Körpers in Betracht. Beide Kopf- und
Gesichtshälften, sowie jene der Brust und des Beckens,
beide Arme, Hände, Beine und Füße sind ungleich gebaut.
Viele der Organe, wie Herz, Leber, Milz liegen einseitig,
das Gefäßsystem ist für beide Körperhälften ungleich.
Die Rechts- und Linksseitigkeit der Hände, durch
die ungleiche Verteilung der Leistungen im Gehirn bedingt, auch weiters die Lage des Sprachzentrums im
Anhang: Über Rot-Blau-Emanationswahrnehmungen (M. Benedikt) 481
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 291a Seite: 4 81
Das Wesen der Rute. Der Körperrutenstrom. 17
linken Gehirne bezeugen weiters die Asymmetrie der
Körperfunktion.
l)
g 9. Von größter Deutlichkeit und Bedeutung auch
für unsere Frage sind aber die Erscheinungen der
Asymmetrie der Emanationen des menschlichen
Körpers in der Dunkelkammer.
Es gibt, wenn auch eine relativ geringe Anzahl von
Menschen, die „dunkelangepaßt„ sind. Ein relativ
größerer Teil dieser Minorität sieht in der Dunkelheit
sehr viel Objekte leuchtend ohne Farben und nur relativ
sehr wenige sehen die Objekte auch gefärbt. Reichenbach hat schon den Ausspruch getan, daß jeder Mensch
eine große Hülle leuchtender Substanz (Emanationen)
mit sich herumschleppt.
•: Diese farblosen und farbigen Leuchterscheinungen sind
seitdem auch von mir vielfach durch kritische Beobachtung
erprobt. Eine größere Anzahl Gelehrter und Ärzte wurden
in meiner Dunkelkammer von meinen zwei klassischen
„Dunkelangepaßten“, Herrn Ingenieur Josef Pöra und der
Beamtin Frl. Hedwig Kaindl, untersucht und es konnte
den von denselben Untersuchten kein gerechter Zweifel an
der Richtigkeit der Beobachtung und Schilderung zurückbleiben. Die Herren haben sich überzeugt, daß die genannten
Dunkelangepaßten die unerwartet Anwesenden sahen, alte
Teile des Körpers bezeichneten und ihre Emanationsfarbe
bestimmten.
Farbenwahrnehmende Dunkelangepaßte sehen nun an
der Vorderseite die Stirne und den Scheitel blau, die übrige
rechte Hälfte ebenfalls blau und die linke rot oder mancher,
wie z. B. Herr Ingenieur Pöra, orangegelb. Rückwärts
findet dieselbe Teilung und dieselbe Färbung statt.
Es sei bemerkt, daß die Dunkelangepaßten eigentlich
nicht das Objekt sehen, sondern bloß die Emanationen,.und
ich will die höchst wichtige Angabe von Herrn Pöra mitteilen, daß er durch seine eigenen Emanationen und die der
•) Die für die Frage der normalen Asymmetrie interessante
geschichtliche Episode Go-ethe-Rauch siehe Leitfaden pag\ 19.
Benedikt, Kuteu- und l'eudeüoliro. g
482 Anwendungen der Farbenerkenntnis auf praktischen Gebieten
Copyrigh t Rudolf Steine r Nachlass-Verwaltun g Buch:291 a Seite : 48 2
18 T. Abteilung.
beobachtenden Personen durchsieht, also durch eine Art
fluoreszierender Substanz. Objekte, die er sonst genau
kennt und vielleicht soeben gesehen hat oder die ihm später
wieder vorgelegt werden, kann er vielfach relativ korrekt
schildern, wenn auch in eigentümlicher Weise, ohne eine
Ahnung zu haben, um was es sich handle.
Er sieht bloß die Emanationsbilder. Diese haben
ihre eigene Farbe — z. B. weißes Pulver von Zitronensäure erscheint rot und in Lösung blau —, veränderte
leuchtende Konturen etc. und werden so unkennbar.
Nur die Emanationsfiguren der menschlichen Körperteile
lernt er — zum Teile auch durch Bücher — kennen.
Dies gilt alles für alle Dunkelangepaßten. Vielleicht ist
es mir noch gegönnt, meinen gesammelten reichen Schatz
von Dunkelkammerstudien zu veröffentlichen. Jene über
zahlreiche Chemikalien sind veröffentlicht in der Monographie: „Die latenten (Reich enb ach sehen) Emanationen
der Chemikalien„, Wien 1915, Verlag C. Konegen.
Wichtig ist, zu bemerken, daß auch die Zahl von
im Dunkeln Sehenden bald in der Öffentlichkeit steigen
wird. Zwar ist gewiß, daß Sehen im Dunkeln, besonders
bei Städtern, viel seltener wird wegen der grellen Beleuchtungsmethoden: Jedoch sind wir auf dem Wege, das Sehen
im Dunkeln künstlich zu erhöhen. Killner in Xondon
hat bereits solche Hilfsmittel gefunden und in den Handel
gebracht Der Krieg hat alles unterbrochen.
Ich will hier anführen, daß eine geschlossene elektrische Batterie in der Dunkelkammer an der Anode rot,
an der Kathode blau leuchtet, also analog der linken und
rechten Körperhälfte.
Die Emanationen werden durch Spannungen hervorgerufen. Jene zwischen der rechten und linken Seite
sind.aber keine elektrischen, schon weil sie auch durch
Holzruten in einen „Körperrutenstrom“ umgewandelt
werden. Diese Spannungen sind auch nicht magnetischer
oder chemischer Natur und ich habe sie als biomechanische bezeichnet. Wie wir sehen werden, sind sie
radiumähnlich, aber nicht identisch mit Radium.
Anhang: Über Rot-Blau-Emanationswahrnehmungen (M. Benedikt) 483
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:291a Seite:483
V. Rutenkünstler in der Dunkelkammer
Beobachtung 1. Die Lintrup ist klein, nicht beleibt. In der Dunkelkammer erscheint ihre Leuchtfigur riesig erhöht und verbreitert und sehr
stark leuchtend. Die auftauchenden Farben sind sehr intensiv, normal
verteilt. Stirne und Scheitel blau leuchtend. Herr Pora sieht gewöhnlich
orangegelb statt rot, ohne emanationsrotblind zu sein. Bei der Lintrup
erscheint die rechte Seite blau, die linke Seite von der Stirne bis zur
Zwerchfellhöhe hinab rot, dann weiter hinab orangegelb, die Füße wieder rot. Die Daumen sehr verbreitert und ihre Emanation besonders
verlängert.
Man sieht: exzessive Emanation als charakteristisch bei ihr.
Zu bemerken ist, daß sie nicht bloß auf unter ihr emanierende Stoffe
mit der Rute reagiert, sondern auch für Laboratoriumsversuche gleich
geeignet ist. Die Lintrup ist mit mir «gleich gestimmt», d. h. wir erhalten
mit der Rute immer gleiche Ausschläge.
Beobachtung 2. Wenige Tage später hatten wir Gelegenheit, unsere
heimische berühmte Rutenkünstlerin, Madame Tyköri, zu untersuchen.
Sie ist wenig empfindlich für Laboratoriumsversuche, aber enorm empfindlich für von unten aufsteigende Emanationen. Später wurde sie auch
für Laboratoriumsversuche geeignet, wie mir schien, mit exzessiven
Ausschlägen.
Die Emanationsfigur der stattlichen Dame erschien in der Dunkelkammer nicht so exzessiv wie bei der Lintrup. Als die Farben aufleuchteten, zeigte sich folgende Merkwürdigkeit: Herr Pöra fragte die Dame, ob
sie leidend wäre, und er bezeichnete die schmerzhafte Stelle an der linken
Schulter, in der Halsgegend, welche die Dame als die leidende bestätigte.
Das Rot dieser Stellen war verschleiert, um bald unsichtbar zu werden
und bald wieder aufzutauchen. Und das wiederholte sich wahrend der
ganzen Beobachtung. Es schien, als ob die betreffenden Stellen abwechselnd abgehackt würden, um wieder ausgelegt zu werden.
Die Dame hat vor wenigen Tagen eine stark emanierende Stelle
überschritten, ohne die sonst ableitende Rute bei der Hand zu haben. Es
war also der innere Emanationsstrom an diesen Stellen in Unordnung
geraten und dadurch das Leiden entstanden, das ich als «emanatorischen
Rheumatismus» bezeichne.
Bei einer darauffolgenden Rutenuntersuchung der genannten Gegend
trat ein furchtbarer Schmerzanfall auf, der sich durch Durchzucken
484 Anwendungen der Farbenerkenntnis auf praktischen Gebieten
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 291a Seite:484
durch die Nerven äußerte und erst nach etwa 20 Min. abzuklingen begann.
Beobachtung 3. Herr Oberinspektor Karl Kamptner, 58 Jahre alt,
gesund. Seine «Aura», das ist die Lichthülle des Körpers, war durchaus
breiter und höher als gewöhnlich: die Leuchtintensität bedeutend gesteigert. Farben normal und intensiv. Eine eigentümliche Erscheinung ist die
starke Leuchte der Füße, die auf den Boden übergriff, und zwar in
beiden Farben, links rot, rechts blau. H. Kamptner arbeitete früher mit
einer schweren Messingrute mit Untergriff und gewöhnte sich schwer an
Obergriff und Stahlrute.
Beobachtung 4. Der mit mir gleichgestimmte Geologe Dr. Lukas
Waagen, 39 Jahre alt. In der Dunkelkammer (Hr. Pora): Verkehrte
Polarität(f) der Farben am ganzen Körper, also rechts rot, links blau
(21./VI. 1916). Zweite Untersuchung (23./VIII. 1916, Frl. Kaindl):
Große rote Wolke bis zur Decke über dem Kopfe, sonst beide Körperhälften violett, nur Mitte der Stirne und Wirbelsäule blau. Die ganze
umhüllende Leuchte (Aura) sehr hell. Bei späteren Untersuchungen
exzessive Leuchte bei normaler Farbenverteilung. Rutenreaktion sonst
normal, nur über dem rechten Arm 60° (hinauf) statt 0°,
Beobachtung 5. Hr. L. L., 55 Jahre alt, Gewerke. Veränderungen in
den großen Körpergefäßen. Hr. L. hatte die Sensitivitäten, wie sie hervorragende «Magnetotherapeuten» zu besitzen pflegen.
In der Dunkelkammer: Kopf anfangs blau, dann rot, bis an die Decke
hinaufreichend, dann violett, dann wieder rot. Unipolarität der Farben
(rot) im Körper, stark leuchtend. Am oberen Ende des Brustbeins rote,
violette und orangegelbe Flecke (Kaindl).
Hr. L. arbeitet mit abweichend geformten schwereren Metallruten
und bekommt meist andere besondere Ausschläge. Der Rutenausschlag
über seinem Kopfe und den linken Extremitäten erhöht (480°); rechts 0°
(normal).
Beobachtung 6. Der 29jährige Architekt Emmerich Stolzer hatte kurz
vorher, durch eine Zeitungsnotiz angeregt, mit einer Holzrute die Probe
auf seine Rutenfähigkeit gemacht und hatte vollen Erfolg (mit Untergriff). Er kam bald darauf zu mir und wurde in kürzester Zeit ein
«gleichgestimmter» vollendeter Rutenfähiger mit Obergriff, mit Stahlrute und auch allen anderen Ruten. Er ermüdete anfangs sehr leicht und
bekam Prickeln in den Fingern. Ich bemerkte, daß er bei den Versuchen
seinen Blick auf die Hand und die Finger richtete und ich empfahl ihm,
die Schlinge der Rute zu fixieren. Hiemit ward der Übelstand behoben.
Anhang: Über Rot-Blau-Emanationswahrnehmungen (M. Benedikt) 485
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 291a Seite: 48 5
In der Dunkelkammer: Normale Farbenpolarisation mit Ausnahme
der beiden Vorderarme und Hände. Diese waren links blau und rechts
rot. Übergang vom Oberarm zum Unterarm violett. Unterarme und
Hände leuchten sehr stark.
Bei einer späteren Untersuchung normale Farbenpolarität (sein Rutenbefund normal).
St. ist schon teilweise dunkeladaptiert.
Man sieht teils exzessive Emanation oder Erscheinungen von
Labilität.
Seite 30-34:
§ 19. Von ganz außerordentlichem Interesse sind die Pendeluntersuchungen über Farben.
Im Juni dieses Jahres entdeckte ich, daß das rote Ende eines Doppelfarbstiftes mit einem linksgedrehten Kreise reagiert und das blaue Ende
mit einer Linie. Ich untersuchte darauf eine ganze Kollektion von Farbstiften aus der Fabrik von Hardtmutby welche der Ophthalmologe Hans
Adler benützt, um durch Farbstriche die pathologische Farbenblindheit,
die ich entdeckt und im Jahre 1863 beschrieben habe, zu prüfen. Es
zeigte sich, daß über allen roten Strichen in allen Nuancen dieser Farbe
bis zum tiefen Braun und über einer Reihe von gelben Strichen linksgedrehte Kreise erscheinen, während über allen anderen Farben Linienschwingungen Zustandekommen. Am drastischesten demonstriert man
dieses entgegengesetzte Verhalten von Rot und Blau über rotem und
blauem Fließpapier. Ich habe dasselbe Verhalten über den synthetischen
Farben Karmin, Narkat und Eosin einerseits und andererseits über Methylengrün und Enzianblau geprüft und dasselbe Resultat erhalten.
Ich will hier gleich bemerken, daß man bei der Verwendung der
linken Hand entgegengesetzte Drehungen des Kreises erhält. Wenn wir
z. B. Blau und Grün mit dem Pendel in der rechten Hand Schwingungen
in Linien z. B. in der Richtung des Meridians erhalten, werden dieselben
senkrecht darauf, wenn die linke Hand verwendet wird. Auch bei gefärbten Chemikalien, z.B. Chromphosphor, Bleioxyd, Schwefel, bekommt man, wenn der Pendel knapp über dem Objekt und am besten
über eine dünne Schichte von Pulver gehalten wird, bei diesen roten und
gelben Objekten mit der rechten Hand linksgedrehte Kreise. Hebt man
486 Anwendungen der Farbenerkenntnis auf praktischen Gebieten
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 291a Seite:486
den Pendel höher über dem Objekt, so bekommt man viel weiter
schwingende linksgedrehte Kreise, wie sie dem Objekte unabhängig von
der Farbe zukommen. Bei grünen und blauen chemischen Objekten, wie
z.B. Chromphosphor, Eisensulfat und Kupferoxyd, erhält man, wenn
der Pendel nahe am Objekt ist, Linien, während bei erhöhtem Pendel die
dem Objekte zukommende - die Kreisschwingung - zustandekommt.
Auch auf einem Blumenbilde eines Wiener Meisters aus dem Anfange
des vorigen Jahrhunderts bekommt man, wenn der Pendel knapp über
der Bildfläche schwebt, dieselben Effekte (Kreise) wie die erwähnten
über allen Nuancen von Rot und ebenso die Linienschwingungen über
allen anderen Farben. (Ausgesprochen gelbe Farben fehlten.)
Wir wollen hier gleich die große Bedeutung dieser Versuche für die
Farbenlehre hervorheben. Die Newtonsche Lehre, daß die Farbeneffekte
ausschließlich von dem reflektierten resp. durchgehenden prismatischen
Farbenlichte herrühren, die auch von den zünftigen Physikern allgemein
ohne Reserve akzeptiert ist, wurde von Goethe bestritten. Dieser behauptet, daß von natürlich gefärbten Objekten und mit natürlichen
Farben behandelten Stoffen ein Teil des Farbeneindruckes sozusagen
autonom von diesen gefärbten Objekten herrühre. Die Beweise Goethes
hatten keinen äußeren Erfolg und waren halb und halb indirekte.
Wenn zwei solche Titanen abweichende Ansichten vertreten, so kann
man getrost annehmen, daß beide recht haben. Persönlich konnten die
beiden Heroen sich nicht verständigen, da sie durch einen großen Zeitraum getrennt waren. Ungemein drastisch gibt hier die Emanationslehre
mit Hilfe des Pendels eine die Ansicht Goethes bestätigende Aufklärung,
wobei betont werden muß, daß das reflektierte Licht die gleichgefärbte
Emanation mit sich fortreißt.
Fundamental werden die Pendelversuche noch durch den Umstand,
daß dieselben Effekte mit dem Pendel auch in der Dunkelkammer Zustandekommen und dieses auch, wenn die Objekte durch lange Zeit in
Dunkelhaft gehalten wurden. Auch die Dunkelkammer zeigt vielfach
autonome Farbenemanationen, die mit den prismatischen Farben nichts
zu tun haben und auch nicht gleichfarbig sind wie im gewöhnlichen
Lichte. Die Zitronensäure z. B. ist in der Dunkelkammer rot, Kupfervitriol grün und Eisenvitriol blau. (S. meine schon zitierte Monographie:
«Die latenten (Reichenbachschen) Emanationen der Chemikalien»,
Wien, Konegen, 1915.
Um nun weitere merkwürdige Versuche, die mir Herr Ingenieur
Anhang: Über Rot-Blau-Emanationswabrnehmungen (M. Benedikt) 487
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 2 91a Seite: 48 7
Martin Perls in Charlottenburg brieflich mitteilte, in bezug auf Farbenwirkung anführen zu können, muß ich zunächst auf einen von ihm
gemachten Grundversuch, der unabhängig von Farbenerscheinungen ist,
zurückkommen.
Hält man den Pendel ruhig mit der rechten oder linken Hand und
berührt zwischen zwei feuchten Fingern der anderen Hand zuerst das
Ende des Anodendrahtes einer Batterie, so tritt eine Kreisschwingung
des Pendels ein, und zwar ein links oder rechts gedrehter Kreis, je
nachdem der Pendel mit der rechten oder linken Hand gehalten wird.
Nimmt man das Ende des Kathodendrahtes zwischen die zwei feuchten Finger, dann entstehen entgegengesetzte Bewegungen. Nimmt man
beide Drahtenden getrennt zwischen die zwei feuchten Finger, dann
entsteht eine Schwingung in einer Linie.
Läßt z. B. Perls elektrisches Licht auf den ruhig gehaltenen Pendel
fallen, so bleibt der Pendel in der Hand ruhig. Schiebt man aber eine
dunkelrote Glasplatte zwischen Licht und dem ruhig gehaltenen Pendel
ein, so entsteht eine Pendelbewegung in verschiedener Kreisrichtung, je
nachdem die rechte oder linke Hand verwendet wurde.
Anders verhält es sich, wenn eine blaue Glasscheibe eingeschaltet
wird; es entstehen die umgekehrten Kreise.
Wenn beide Scheiben übereinander liegen, ist keine Wirkung auf den
Pendel vorhanden.
Die Versuche wurden von mir und zwei erstklassigen Pendelfähigen
angestellt, und es wurden beide Hände benutzt. Weiters kam Herr Perls
auf die Idee, so wie er die elektrischen Pole auf der anderen Seite des
Körpers, als in der, in welcher der Pendel in der Hand ist, geschaltet
hatte, dies mit einem roten und blauen Farbstriche, auf welche die Finger
der freien Hand gelegt werden, zu tun. Der frei und ruhig schwebende
Pendel kam sofort in schwingende Bewegung, wenn die Finger der
anderen Hand den einen oder andern Farbstrich berührten, und zwar in
entgegengesetzter Kreisschwingung, je nachdem der eine oder andere
Farbstrich berührt wurde. Ist der Pendel in der rechten Hand, gerät er in
linksgedrehte Kreisschwingung, wenn die Finger den roten Farbstrich
berühren, in rechtsgedrehter, wenn die Finger Blau berühren, wenn der
Pendel in der linken Hand ist, in die entgegengesetzten Drehungen.
Ich wiederholte diesen Versuch sowohl mit dem roten und blauen
Papier und mit allen den Farbstrichen durch die Farbstifte, die früher
erwähnt wurden, in der Perlsschen Schaltung, mit demselben Erfolge,
488 Anwendungen der Farbenerkenntnis auf praktischen Gebieten
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch:291a Seite: 48 8
wie er oben erwähnt wurde und mit derselben Zweiteilung der Farben,
wie in den früher erwähnten Versuchen.
Auch mit den genannten Farben Karmin etc. machte ich diese Sekwärts-Schaltungsversuche mit demselben Erfolge bei Karmin und Eosin
wie beim roten Papier und roten Strichen und mit Enzianblau und
Methylengrün wie bei den blauen Strichen ebenso mit den früher genannten naturgefärbten Chemikalien. Es sei hier wieder betont, daß bei
den genannten Farben die Kugel des Pendels immer in der Nähe des
Objektes sein muß, damit die Farben zur Geltung kommen, während,
wenn der Pendel höher gehoben wird, die Pendelwirkung des Stoffes
sowohl bei den genannten Chemikalien als bei den synthetischen Farben
zur Geltung kommt, und das ist bei allen ein linksgedrehter Kreis.
Alle diese Versuche wurden auch mit den in Dunkelhaft gehaltenen
Präparaten in der Dunkelkammer mit demselben Erfolge wie bei Licht
wiederholt, wobei zu meiner Orientierung in einzelnen Momenten im
Hintergrunde ein schwaches Wachsstocklicht angezündet wurde. Die
Pendelbewegung selbst empfand ich sehr gut.
Nachträglich will ich bemerken, daß die Rutenreaktionen bei den
oppositionellen Farben der Farbstifte, der Farbstoffe und Chemikalien
mit der Farbenwirkung nichts zu tun haben. Die Farbstifte ergaben
unabhängig von der Farbe mit der Rute dieselbe Reaktion wie die des
Kaolin, welches die Bindemasse der Stifte bildet. Die Farben der Stifte
sind mineralische.
Seite 90/91:
§49. Die wichtigsten Erfolge hatte Keichenbach in der Dunkelkammer;
da ihm viele «Dunkelangepaßte» - darunter Endlicher - zur Verfügung
standen.
Bei meinen kritischen Nachprüfungen eines Magnetstabes in der
Dunkelkammer - mit Hilfe zweier klassischer gesunder Dunkeladaptierter, Herrn Josef Pöra und Frl. Hedwig Kaindl — zeigte sich, daß, wenn
der Stab in der Meridianebene lag, mit dem N.-Pol nach Norden und
dem S.-Pol nach Süden, der erstere blau, der andere rot leuchtete, die
Mitte hell glänzte. Die Gestalt des Objekts wurde ziemlich richtig beschrieben. Wird jetzt der Stab um 180° gedreht, so erscheint der S.-Pol
blau und der N.-Pol rot. Dies ergibt einen Fundamentalsatz: Nicht die
Anhang: Über Rot-Blau-Etnanationswahmehmungen (M. Benedikt) 489
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 291a Seite: 48 9
Emanationsspannung an und für sich, sondern ein Einfluß oder Einflüsse
aus dem Milieu sind mitentscheidend.
So wie der Magnetstab reagieren sämtliche Eisenstoffe und Präparate
inklusive des Stahls und der Meteoriten [s. «Die latenten (Reichenbachschen) Emanationen der Chemikalien», Wien 1915, Verlag Konegen].
Auch bei Krystallen ergibt der nach Norden gerichtete Teil - die
Längsachse im Meridian - blaue, der nach Süden gerichtete Teil rote
Leuchte. Bei Umkehrung um 180° entgegengesetzte Leuchte des Teils
nach Norden wieder blaue, der nach Süden gerichtete rote Leuchte/
Auch diese Versuche bestätigen den obigen Fundamentalsatz.
Ein zweiter wichtiger Fundamentalsatz lautet: Keine Nachweismethode von Emanationen - kein «Indikator» - weist alle Emanationen
nach. Die Aewc^temanation der Krystalle und des Magnetstabs in der
Dunkelkammer werden durch die Rute nicht nachgewiesen, da diese
wenigstens auf manche Krystalle nicht reagiert oder keine Polarität
anzeigt. Diese reagiert auch nicht auf Urgesteine, während der Pendel,
der sonst den größten Anschluß an die Rute hat, ein positives Ergebnis
hat.
Im Erdinnern wirken Metalle, Erze, gewisse Salzlager, Erdöle und
Erdgase und vor allem Wasser auf die Rute, aber nicht die Elemente des
«gewachsenen» Bodens …
1
Studiert habe ich Bergkrystall, Gypsspat, Baryt, Turmalin, Tremolith, Pyrophosphat,
Salzkrystall, Beryll, Kalkspat, Feldspat, Flußspat und Asbest. Das Material stellte mir der
Direktor des Hof-Mineralienkabinetts Herr Professor Berwerth zur Verfügung. Es wurden nicht bloß Leuchtversuche gemacht, sondern auch andere im Sinne Reichenbachs. Die
Veröffentlichung dieser Versuche, bei denen auch die Einwirkung der Krystallemanationen
auf die Hohlhand systematisch geprüft wurde, ist bis jetzt verhindert worden.
490 Anwendungen der Farbenerkenntnis auf praktischen Gebieten |