SCHLUSSWORTE : 6. September 1919
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Vier Erfordernisse für das Lehrersein: Der Lehrer 1. als ein Mensch der Initiative 2. als ein Mensch mit Interesse für alles weltliche und menschliche Sein 3. als ein das
Wahrhaftige anstrebender Mensch 4. als ein Mensch mit unverdorrter, frischer Seelenstimmung. - Das Wirksamwerden der im Kurs gegebenen Impulse in der Seele als Hilfe für den Unterricht. Die Bedeutung des Gelingens der Waldorf schule. Das Verbundensein geistiger Mächte des Weltlaufes mit der geistigen Bewegung der Gegenwart.
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noch einmal auf das hinweise, was ich Ihnen gewissermaßen ans Herz
legen möchte; das ist, daß Sie an vier Dinge sich halten:
Erstens daran, daß der Lehrer im großen und auch im einzelnen in
der ganzen Durchgeistigung seines Berufes und in der Art, wie er das
einzelne Wort spricht, den einzelnen Begriff, jede einzelne Empfindung
entwickelt, auf seine Schüler wirkt. Denken Sie daran, daß der Lehrer
ein Mann der Initiative sei, daß er niemals lässig werde, das heißt, nicht
voll bei dem dabei sei, was er in der Schule tut, wie er sich den Kindern
gegenüber benimmt. Das ist das erste: Der Lehrer sei ein Mensch der
Initiative im großen und kleinen Ganzen.
Das zweite, meine lieben Freunde, ist, daß wir als Lehrer Interesse
haben müssen für alles dasjenige, was in der Welt ist und was den Menschen angeht. Für alles Weltliche und für alles Menschliche müssen wir
als Lehrer Interesse haben. Uns irgendwie abzuschließen von etwas,
was für den Menschen interessant sein kann, das würde, wenn es beim
Lehrer Platz griffe, höchst bedauerlich sein. Wir sollen uns für die
großen und für die kleinsten Angelegenheiten der Menschheit interessieren. Wir sollen uns für die großen und für die kleinsten Angelegenheiten des einzelnen Kindes interessieren können. Das ist das zweite:
Der Lehrer soll ein Mensch sein, der Interesse hat für alles weltliche
und menschliche Sein.
Und das dritte ist: Der Lehrer soll ein Mensch sein, der in seinem
Inneren nie ein Kompromiß schließt mit dem Unwahren. Der Lehrer
muß ein tief innerlich wahrhaftiger Mensch sein, er darf nie Kompromisse schließen mit dem Unwahren, sonst würden wir sehen, wie durch
viele Kanäle Unwahrhaftiges, besonders in der Methode, in unseren
Unterricht hereinkommt. Unser Unterricht wird nur dann eine Ausprägung des Wahrhaftigen sein, wenn wir sorgfältig darauf bedacht
sind, in uns selbst das Wahrhaftige anzustreben.
Und dann etwas, was leichter gesagt als bewirkt wird, was aber |
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verdorren und nicht versauern. Unverdorrte, frische Seelenstimmung!
Nicht verdorren und nicht versauern! Das ist dasjenige, was der Lehrer
anstreben muß.
Und ich weiß, wenn Sie das, was wir in diesen vierzehn Tagen von
den verschiedensten Seiten her beleuchtet haben, richtig aufgenommen
haben in Ihre Seelen, dann wird gerade auf dem Umweg durch die
Empfindungs- und Willenswelt das scheinbar Fernliegende Ihnen sehr
nahe kommen, indem Sie den Unterricht ausüben. Ich habe gerade in
diesen vierzehn Tagen nichts anderes gesagt, als was im Unterricht
unmittelbar dann praktisch werden kann, wenn Sie es in Ihren Seelen
wirken lassen. Aber die Waldorfschule wird darauf angewiesen sein,
daß Sie so in Ihrem eigenen Inneren verfahren, daß Sie wirklich die
Dinge, die wir jetzt durchgenommen haben, in Ihren Seelen wirksam
sein lassen.
Denken Sie an manches, was ich versucht habe klarzumachen, um
ein Begreifen des Menschen, namentlich des werdenden Menschen,
psychologisch herbeizuführen. Und wenn Sie nicht wissen, wie Sie das
eine oder das andere im Unterricht vorzubringen haben oder wann und
an welcher Stelle, dann wird Ihnen überall ein Gedanke kommen können über solche Einrichtungen des Unterrichts, wenn Sie sich an das
richtig erinnern, was in diesen Tagen vorgekommen ist. Natürlich
müßte vieles viele Male mehr gesagt werden, aber ich mochte ja aus
Ihnen auch nicht lehrende Maschinen machen, sondern freie, selbständige Lehrpersonen. So ist auch dasjenige gehalten worden, was in den
letzten vierzehn Tagen an Sie herangebracht worden ist. Die Zeit war
ja so kurz, daß appelliert werden mußte im übrigen an Ihre hingebungsvolle, verständnisvolle Tätigkeit.
Denken Sie aber immer wiederum an das, was zum Verständnis des
Menschen und namentlich des Kindes jetzt vorgebracht worden ist.
Bei allen methodischen Fragen wird es Ihnen dienen können.
Sehen Sie, wenn Sie zurückdenken, dann werden sich schon bei den
verschiedenen Impulsen dieser vierzehn Tage unsere Gedanken begegnen. Denn ich selbst, des kann ich Ihnen die Versicherung geben, werde
zurückdenken. Denn es lastet diese Waldorfschule gar sehr heute wohl |
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beteiligt sind. Diese Waldorf schule muß gelingen! Daß sie gelinge, davon wird viel abhängen! Mit ihrem Gelingen wird für manches in der
Geistesentwickelung, das wir vertreten müssen, eine Art Beweis erbracht sein.
Wenn ich persönlich jetzt am Schlüsse mit ein paar Worten sprechen
darf, möchte ich sagen: Für mich selbst wird diese Waldorf schule ein
wahrhaftiges Sorgenkind sein. Und ich werde immer wieder und wiederum mit meinen Gedanken sorgend auf diese Waldorfschule zurückkommen müssen. Aber wir können, wenn wir den ganzen Ernst der
Lage betrachten, wirklich gut zusammenarbeiten. Halten wir uns
namentlich an den Gedanken, der ja unser Herz, unseren Sinn erfüllt:
daß mit der geistigen Bewegung der Gegenwart doch ebensogut geistige
Mächte des Weltenlaufes verbunden sind. Glauben wir an diese guten
geistigen Mächte, dann werden sie inspirierend in unserem Dasein sein,
und wir werden den Unterricht erteilen können. |